Leipziger Kaffeeklatsch

  • Hier zum Vergleich mal noch die Zahlen der 9. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung (RBV) des Statistischen Landesamtes für ganz

    ................................................................Sachsen - Dresden - Chemnitz.

    Bevölkerungsfortschreibung 2024: 4.042.422 - 564.904 - 245.618

    Voraussichtliche Bevölkerung

    Variante 1 - optimistische Variante. Geburtenverhalten: 2027 - Anstieg um 10% von Basis. 1,3 Kinder je Frau, 2035 - Anstieg um 15% von Annahme 2027.
    1,5 Kinder je Frau. Wanderungsaustausch gegenüber dem Bundesgebiet 2025-2045: -8.500 Personen. Wanderungsgewinne gegenüber dem Ausland 2025-2045: +292.000 Personen

    2035: 3.848.480 - 566.760 - 241.340

    2045: 3.711.560 - 573.730 - 234.040


    Variante 2 - Basisvariante. Geburtenverhalten: 2027 - konstant wie 2025. 1,2 Kinder je Frau, 2035 - Anstieg um 15% von Annahme 2027. 1,3 Kinder je Frau. Wanderungsaustausch gegenüber dem Bundesgebiet 2025-2045: -8.500 Personen. Wanderungsgewinne gegenüber dem Ausland 2025-2045: +231.000 Personen

    2035: 3.792.230 - 556.610 - 236.400

    2045: 3.591.260 - 552.360 - 224.780


    Variante 3 - pessimistische Variante. 2027 - Senkung um 10% von Basis. 1,1 Kinder je Frau, 2035 - Anstieg um 15% von Annahme 2027.
    1,2 Kinder je Frau. Wanderungsaustausch gegenüber dem Bundesgebiet 2025-2045: -8.500 Personen. Wanderungsgewinne gegenüber dem Ausland 2025-2045: +130.000 Personen

    2035: 3.715.420 - 542.320 - 229.260

    2045: 3.428.760 - 522.690 - 211.670

  • Ja, es ist ein Henne-Ei-Problem. Mehrere Bevölkerungsvorausberechnungen gehen davon aus, dass die Einwohner*innenzahl Leipzigs in den nächsten vier, fünf, sechs Jahren mehr oder weniger stabil bleiben dürfte, solange sich die bestimmenden Faktoren wie Zu- und Fortzüge nicht deutlich ändern, bzw. nur leicht steigen oder sogar leicht fallen wird:

    - kommunale Bevölkerungsvorausberechnung 2026 in der Hauptvariante: +16.700 im Jahr 2035 gegenüber 2024 (von 632.562 auf 649.300) und +ca. 2.500 in der unteren Variante (von 632.562 auf etwa 635.000)

    - 9. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen in der Basisvariante: + ca. 11.110 im Jahr 2035 gegenüber 2024 (von 611.850 auf 622.960)

    - prognostizierte Bevölkerungsentwicklung des Berlin-Instituts für Leipzig 2024 bis 2045: + 10,0 bis unter 14,1 %

    Welchen Einfluss wird das auf die großen Neubauvorhaben, die Lückenschließungen im Neubau und die Sanierung komplett oder überwiegend leerstehender Mehrparteienhäuser haben? Bei dem Zensus 2022 wurden 6.695 Wohnungen in Wohngebäuden, die seit zwölf Monate und länger leerstehen, ermittelt bzw. insgesamt 9.875 seit zwölf Monaten leerstehende Wohnungen in Wohnungen in Gebäuden mit Wohnraum. Bei Wohngebäuden wird das Gebäude mindestens zur Hälfte der Gesamtnutzfläche für Wohnzwecke genutzt und ist kein Wohnheim. Als Gebäude mit Wohnraum gilt jedes für längere Dauer errichtete Bauwerk mit mindestens einer Wohnung und eigenem Zugang (Haustür, Treppenhaus). Gebäude mit Wohnraum sind auch administrative und gewerblich genutzte Gebäude mit mindestens einer Wohnung sowie alle leerstehenden Gebäude mit Wohnungen.

    Einmal editiert, zuletzt von LE Mon. hist. (11. Oktober 2026 um 17:06)

  • In der kommunale Bevölkerungsvorausberechnung 2026 (https://static.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.1_Dez1_Allgemeine_Verwaltung/12_Statistik_und_Wahlen/Stadtforschung/Bev%c3%b6lkerungsvorausberechnung_2026_Leipzig.pdf ) wird die Neubautätigkeit betrachtet, wenn auch nicht direkt in die Berechnungen einbezogen:

    "5.6 Neubautätigkeit
    Neben den bisher dargestellten Komponenten wird das Modell der Bevölkerungsvorausberechnung für eine gesteigerte Aussagekraft um die Abbildung des Neubaugeschehens in Leipzig ergänzt. Zwar stellt die Neubautätigkeit an sich im strengen Sinne keine selbständige Komponente innerhalb der demografischen Grundgleichung (Gans, 2018) dar, aber die durch ein Bauprojekt neu geschaffenen Wohnkapazitäten können – durch das entsprechende Wanderungsgeschehen – für einzelne Ortsteile bedeutende Auswirkungen haben. Die Anzahl der durch Neubau zusätzlich geschaffenen Wohnkapazitäten mit deren angenommener zeitlicher Realisierung (vgl. Abbildung 5.12) wird vom Stadtplanungsamt der Stadt Leipzig für die vorliegende Bevölkerungsvorausberechnung auf Ebene der Ortsteile zur Verfügung gestellt.

    Abbildung 5.12: Angenommene jährliche Anzahl der durch Neubau geschaffenen Wohneinheiten

    2026 bis 2045: Auf und Ab zwischen ca. 1.600 und knapp über 2.500 (in den Jahren 2038 und 2039) Wohneinheiten pro Jahr

    Für die Bevölkerungsvorausberechnung wird die Anzahl der im Neubau erzeugten Wohneinheiten in Haushaltsgrößen übersetzt und diese mit den demografischen Gruppen besetzt (vgl. Abbildung 5.13). Grundlage hierfür sind Daten im Melderegister zum Bezug von Neubauadressen in den Jahren des Stützzeitraums. Die Bezugsstruktur von Neubauadressen ist dabei demografisch stark auf tendenziell junge Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit (und deren Kinder) konzentriert. Zwei Drittel des Erstbezugs von Neubauadressen geht durch Binnenwanderung auf die Leipziger Bevölkerung zurück, das übrige Drittel speist sich folglich aus dem Zuzug von außen (4,8 Prozent Leipziger Umland; 21,7 Prozent übriges Deutschland; 6,7 Prozent Ausland).

    Leerstand in durch Neubautätigkeit erzeugten Wohnkapazitäten findet im Berechnungsmodell keine Berücksichtigung. Übersteigt der Wanderungssaldo die im Neubau geschaffenen Wohnkapazitäten, werden diese modellbedingt durch erhöhte Binnenwanderungen ausgefüllt. Um eine so induzierte Abhängigkeit der Binnenwanderung von der Außenzuwanderung zu vermeiden, wird – separat nach Variante der Bevölkerungsvorausberechnung – die Anzahl der durch Neubau geschaffenen Wohnkapazitäten dem jeweiligen Wanderungssaldo angepasst. Dabei werden die Wohnkapazitäten (proportional nach Jahr und Ortsteil) so skaliert, dass deren Mittelwert mit dem Mittelwert des Wanderungssaldos übereinstimmt. Die (Anpassung der) Neubautätigkeit hat keinen Einfluss auf die stadtweiten Ergebnisse.

    Ansonsten spielt Wohnungsleerstand in der kommunale Bevölkerungsvorausberechnung keine Rolle, also auch keine Wiederinbetriebnahme leerstehender Wohnungen in Bestandsgebäuden.


    Tabelle 4.1: Szenariobeschreibung Wanderungen: untere Variante

    Beschreibung des unteren Szenarios

    Bauen und Wohnen: Steigende Baukosten bremsen den Neubau, Sanierungen dominieren. Die Wohnraumnachfrage bleibt hoch, der Markt angespannt. Suburbanisierung hält an, doch sinkende Lebensqualität im ländlichen Raum erhöht langfristig Leipzigs Attraktivität. Hohe Mieten und fehlende Flächen führen zu mehr Wegzügen und begrenzen Zuzüge.

    Gesamtentwicklung: Leipzig bleibt attraktiv, verliert jedoch an Dynamik: Eine schwächere Wirtschaft, steigende Baukosten, ein angespannter Wohnungsmarkt und geringere Zuwanderung dämpfen das Wachstum. Hochschulen verzeichnen rückläufige Studierendenzahlen, und politische wie strukturelle Unsicherheiten verstärken Ausweichbewegungen ins Umland.


    Tabelle 4.2: Szenariobeschreibung Wanderungen: obere Variante

    Beschreibung des oberen Szenarios

    Bauen und Wohnen: Neubau und Sanierungsprojekte werden umgesetzt; die Bautätigkeit steigt, bleibt aber unter dem Bedarf. Wohnungsknappheit bleibt bestehen, wenn auch weniger stark als heute. Familien wandern teilweise ins Umland ab. Sonderregelungen im BauGB erleichtern bis 2030 zusätzliche Bauvorhaben; ab 2040/2045 ist der Markt weitgehend gesättigt, Fokus auf Bestandserhalt.

    Gesamtentwicklung: Moderates, stabiles Wachstum; positive wirtschaftliche und wissenschaftliche Rahmenbedingungen; anhaltende, wenn auch schwankende Zuwanderung; Entspannung, aber keine vollständige Lösung der Wohnungsmarktlage; langfristige Konsolidierung mit weiterhin positiven Impulsen.


    Die Expertinnen und Experten entwickelten auf der Grundlage dieser oberen und unteren Wanderungsannahmen anschließend die Wanderungsannahmen für die Hauptvariante. Dabei erfolgte eine fachlich begründete Einordnung des erwarteten Wanderungsgeschehens zwischen den beiden Varianten. Die Hauptvariante bildet folglich einen plausiblen mittleren Verlauf ab. Eine gesonderte verbale Ausformulierung dieses mittleren Szenarios wurde nicht vorgenommen, da dessen Positionierung unmittelbar aus der Spannbreite zwischen oberer und unterer Variante hervorgeht. Die Wanderungserwartungen für die Hauptvariante verorten die Expertinnen und Experten dabei in etwa mittig zwischen der unteren und der oberen Variante (vgl. Abbildung 4.1).

    Einmal editiert, zuletzt von LE Mon. hist. (11. Oktober 2026 um 17:23)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Und auch oder besonders da sieht es für ganz Ostdeutschland außer dem weiteren Berliner Umland und Leipzig sehr übel aus.

    Prognostizierte Bevölkerungsentwicklung in Prozent, 2024 bis 2045: In weiten Teilen -15 bis -30,4 %.

    Ähnelt den Berechnungen zu Japan. Dort wird in manchen Studien davon ausgegangen, dass bis zu 50 % der ländlichen Kommunen verschwinden werden. Bis 2050 soll die Einwohnerzahl von heute 123 Millionen auf nur noch 105 Millionen Einwohner abfallen (2010: 128 Millionen Einwohner, seitdem durchgehend sinkend). Anders als in Europa dürfte sich der Trend dort auch in Zukunft nicht durch externe Einflüsse aufhalten / bremsen lassen, da Zuwanderung in die sehr stark homogene Bevölkerung praktisch nicht umsetzbar ist.

    Wie wirkt sich Sachsen-Anhalt auf Leipzig aus? Könnte mir vorstellen, dass insb. jüngere Menschen nach Leipzig abwandern. BMW hatte dem neuen AfD-Landtagspräsidenten das vor dessen Wahl erstellte Leasingangebot jedenfalls wieder gestrichen (Dienstfahrzeuge für diesen Posten werden persönlich zugeordnet). Von Storch bittete bei Musk um Ersatz, Antwort steht noch aus... :S

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Wie wirkt sich Sachsen-Anhalt auf Leipzig aus? Könnte mir vorstellen, dass insb. jüngere Menschen nach Leipzig abwandern.

    Diese Frage hatte ich hier auch schon mal gestellt. Ich glaube, dass ein "Flucht"-Effekt aus Sachsen-Anhalt nach Leipzig kaum Größenordnung hat und deutlich weniger ausgeprägt wäre als jene verallgemeinernde Einstellung: "In den Osten (Leipzig) ziehen? Ne, lass ma - alles braun dort" aus Westdtl. und dem Ausland spätestens wenn AfD-Siggi gewählt würde. Das ganze Wahlverhalten kostet m.M.n. definitiv auch Leipzig in Zukunft Einwohner.

  • Eventuell hat es stärkere Auswirkungen auf in Sachsen-Anhalt lebende Menschen mit Migrationshintergrund, sobald die AfD beginnen kann, ihre angekündigte Politik umzusetzen. Aber ähnlich wie bei den Studierenden aus den gebrauchten Bundesländern, die sich für Politik interessieren, die AfD ablehnen und/oder den Gedanken an einen Wechsel des Studienortes hegen und dann eher gleich "heim in den sicheren Westen" wechseln oder eben gar nicht erst herziehen, werden die allermeisten wohl ebenfalls in den Westen gehen und nicht nach Sachsen, wo nach der nächsten Landtagswahl 2029 möglicherweise die gleichen Verhältnisse herrschen könnten.

    Ende 2025 lebten rund 193.000 Menschen ohne deutschen Pass in Sachsen-Anhalt (laut Ausländerzentralregister ca. 193.000 Personen bzw. rund 168.000 bis 192.000 nach fortgeschriebenen Bevölkerungsdaten des Statistischen Landesamtes). Das entspricht einem Ausländeranteil von etwa 7,9 % an der Gesamtbevölkerung des Bundeslandes.

    https://statistik.sachsen-anhalt.de/news/news-deta…tieg-2025-um-16

    Nicht alle werden von der AfD-Politik und von der bereits spätestens seit der Landtagswahl veränderten gesellschaftlichen "Stimmung" betroffen sein, dafür aber auch viele Deutsche mit Migrationshintergrund.


    Rund 15 % bis 20 % aller immatrikulierten Personen an den Hochschulen in Sachsen-Anhalt stammen ursprünglich aus Westdeutschland (gemessen am Ort ihres Abiturs bzw. ihrer Hochschulzugangsberechtigung). Bei einer aktuellen Gesamtzahl von ca. 55.100 Studierenden im Wintersemester 2024/25 entspricht das schätzungsweise 8.000 bis 11.000 Studierenden aus den westlichen Bundesländern.

    https://statistik.sachsen-anhalt.de/news/news-deta…-sachsen-anhalt

    4 Mal editiert, zuletzt von LE Mon. hist. (11. Oktober 2026 um 20:02)