Alea 101 am Alexanderplatz [realisiert]

  • ^^
    bayer trifft den Nagel auf den Kopf. Es geht rein um die Ästhetik, nicht um die Ideologie. Wenn man eine unpassend ins Stadtbild geklotzte Platte abreisst, kommen immer gleich die "Retter des Ostens", um darin eine imperialistische Tat des bösen Westens zu sehen. Gibt es auch "Retter des Westens", wenn in Recklinghausen ein Betonmonstrum abgerissen wird? Da könnte man genauso argumentieren - Lebensgefühl im westdeutschland der 70er Jahre. Tut nur keiner, was vernünftig ist, warum nur im Osten? Da gibt es wahrlich besserers zu verteidigen als die Architektur ab 1960.

  • @ Bayer: Bei der DDR-Gestaltung geht es ja weniger darum, wie man zu der letzten Diktatur auf deutschem Boden politisch steht als um ihre Funktion. Die Achse Alex, Fernsehturm, Mark-Engels-Denkmal, Palast der Republik, DDR-Aussenministerium ist eine repräsentative Staatsachse gewesen, deren Entstehung - im übrigen genauso zu Kaisers und zu Nazi-Zeiten - den Verlust des im übrigen klar definierbaren mittelalterlichen Stadtkern nicht nur billigend in Kauf genommen sondern vorsätzlich herbeigeführt hat. Mehr als drei Viertel der Gebäudeverluste des Stadtkern gehen auf das Konto von Nachkriegsabrissen.


    Nun ist der Staat nicht mer, der Palast und das DDR-Aussenministerium sind durch Parlamentsentscheide beseitigt - da muß man fragen, was können Fernsehturm, Schlossbrunnen und ME-Denkmal für die Stadt tun, nicht mehr für den Staat.


    Trotz alledem sollte man - bei allen strittigen Fragen von Ästetik - DDR-Moderne erhalten (u. a. Haus des Lehrers, Kongresshalle, Teile der Stalinallee) aber sich auch konsequent von austauschbaren Ungetümen wie den Platten an der Karl-Liebknecht-Strasse, die ganze Quadratkilometer Altstadt auf ihrer Nordseite tagsüber im Schatten liegen lassen beseitigen oder zumindest stadtverträglich kürzen.


    Zum Thema "größflächige, strenge Geometrie und farbliche Uniformität": Klar, die Vogelperspektive ist verführerisch. Der Mensch bewegt sich aber im Regelfall nicht fliegend fort, deshalb machte es ein gewisser K.-F. Schinkel zur Auflage, Bauanträgen eine Perspektive aus Augenhöhe beifügen zu müssen. Und genau die würde ich gern von dem Haus von S&H an der König-/Gontardstrasse sehen...


    K.

  • Die Diskussion ist im Moment nicht mehr zielführend. Dort wo das Redevco Haus entsteht, steht bisher gar nichts! Dort wird keine DDR Architektur entsorgt. Die Höhe des Geschäftshauses ist im Vergleich zum Fernsehturm so gering, dass auch der Fernsehturm in seiner Funktion als städtebauliche Dominante nicht beeinträchtigt wird. Somit geht auch keine Einschränkung der "sozialistischen" Stadtkrone einher. Auch die Pläne von Kollhoff sahen an dieser Stelle keinen Hochbau vor (Alex Entwurf). Einzig die Vorschläge von Helmut Jahn Pläne sahen eine Umbauung des Fernsehturms mit Hochbauten vor.
    Der einzige DDR-Bau, der hier verschwunden ist, war der Vorgänderbau des Cubix. Dabei handelte es sich um einen Pavillion, der mit einem Betonschalendach ausgestattet war. Ob es sich hierbei um einen Bau von Ulrich Müther handelt, entzieht sich meiner Kenntnis.

  • Hier nun der Redevco-Entwurf:



    Bildquelle: Sauerbruch Hutton


    Bin ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht.Die beiden obersten versetzten Etagen fügen sich aus meiner Sicht so gar nicht in die Peripherie der Bestandsgebäude. Bezug auf die umliegende Umgebung wird kaum genommen. Die baukastenartige Fassade überzeugt mich gar nicht und erinnert eher an einen Containerhafen. M.E. ein reiner Zweckbau...shop till you drop :nono:


    Artikel Baunetz

  • Muss zu dem Rendering mal ganz unqualifiziert sagen: buuäh!! Billig, trashig, prollig - passt so gesehen wunderbar zum Alex! Immer dasselbe mit Sauerbruch & Hutton. Bloß weil sie das schöne GSW-Hochhaus gebaut haben, scheint es mir, als besäßen sie einen unkritisierbaren Star-Status. Und dieses versetzte Obergeschoss machts nur schlimmer. An dieser Stelle wäre eher etwas wertiges mit Steinfassade wie die Behrensbauten angebracht gewesen. Schon der gegenüberliegende Cubix-Würfel ist so´n billiges Teil, Tschoban hin oder her. Naja, vertane Chance...
    Aber dass die Diskussion nicht zielführend ist, Kent, kann ich nicht behaupten. Denn die Frage ist doch, ob der DDR-Städtebau in seiner Maßstäblichkeit weitergeht oder ob hier kritisch rekonstruiert wird. Mit diesem Rendering haben wir eine erste Antwort richtung DDR 2.0 !

  • Die Bauaussenhülle ist durch den festgesetzten B-Plan vorgegeben: 22 Meter Traufe und 29 Meter Maximalhöhe.
    Die Perspektiven von S&H grenzen in ihrer Verharmlosung dieser recht fetten Baumasse (15.000 QM) nahe an vorsätzlichen Betrug.
    Aber zum Entwurf: Der Würfel gehört in den Zirkus aber nicht in einen Stadtkern einer europäischen Großstadt. Auf der Alex-Seite hätte man das noch tolerieren können. Hier ist das grober Unfug.
    Baukunst hat recht: Es passt wunderbar zum billigen Cubix-Tchoban. Das Hotel dahinter an der Grunerstrasse wird auch so gräßlich. Und das Parkhaus der Rathaus-Passagen passt dann auch gut dazu. Wilkommen in der Trash-City.
    @ Bato: In dem von Dir zitierten Link wird über den Alexanderplatz gestritten. Der Bereich zwischen S-Bahnhof und Spree ist damit nun wirklich nicht erfasst.
    K.

  • Ich bestreite einfach mal, dass der Entwurf überhaupt etwas mit der Architektur der DDR zu tun hat. Betonschalenkonstruktionen oder vorgefertigte Betoneinheitsfassaden kann ich nicht erkennen.


    Zum Entwurf selbst: Das Problem ist, dass sich der Entwurf eigentlich nur am Cubix orientiert. Die Renderings sind alle darauf abgestimmt, dass das Redevco-Gebäude neben dem Cubix gut wirkt. Das ist das zentrale Problem, als Bezugspunkt wird ein Bau genommen, der keinen Bezug zur Umgebung hat. Gerade das Cubix wurde hierfür in der Vergangenheit häufig geschunden.


    Leider sind die Renderings sehr aussagelos. Man kaum sagen, wie der Bau in Natura wirken könnte. Die Farbgebung ist sehr dominant, und soll wohl Aufmerksamkeit generieren.


    Es ist schade, dass dieser Bau nun gar keinen Bezug zum Umfeld nimmt. Gerade diese Ecke hätte sich angeboten, Bezüge zu den Behrensbauten und/oder den Betondachschalenkonstruktionen der Fernsehturmflügelbauten von Müther aufzunehmen. (Vgl. hierzu die Joost Pläne mit Betonschalenbauten den Alexanderplatz zu ergänzen.)

  • Also ich kann daran nichts aussetzen. Es ist das, was ich an dieser Stelle erwarten würde, nicht mehr und nicht weniger. Wer sich höhere Qualität der Gebäude wünscht muss auch entsprechende Nachfrage (Wirtschaftskraft/-wachstum) und mehr Geldmittel zur Verfügung stellen, so einfach ist das.

  • Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen.
    Der Sauerbruch/Hutton-Entwurf verspricht klare, zeitgemäße Großstadtarchitektur zu werden, die vor allem nachts ihre volle Wirkung entfalten wird; ein Bau, der sich auch in Kopenhagen, Zürich, London oder Rotterdam sehen lassen kann, ein Anschluß an den internationalen Stand der Dinge...
    Was soll denn nach Ansicht der Kritiker dahin?
    Etwa die x-te Aufführung von "kritischer Rekonstruktion" mit den so bewährten vor die Betonkonstruktion gefaketen Steinfassaden?

  • ^^
    Ja, warum denn nicht?
    Ich fände Eck-Erker und Türmchen klasse!
    Und natürlich ein Walmdach mit Ziegeln. Und mit Zwerchgibeln.
    Da reichen 29 Meter Firsthöhe um klasse zu wirken.
    Ganz im Ernst. :daumen:

  • Was soll denn an Steinfassaden "gefakt" sein? Ob die Konstruktion aus Holz, Backstein oder Beton ist bevor der Steinsockel vorgebelendet wird ist doch egal. Ausserdem ist die Putzfassade doch immer noch die Tradition in Berlin.
    Da Eingeständnis, daß das Gebäude genausogut überall anders in Europa stehen könnte ist doch ein Offenbarungseid. Die unverwechselbare Bezugnahme auf den Bauplatz fehlt eben. Wenn das der "internationale Stand der Dinge" ist ist es nicht nur traurig sondern muß auch nicht von uns mitgemacht werden.
    K.

  • Bin ich eigentlich der Einzige, dem diese zwei Bilder noch gar nichts sagen? Bis auf das Bauvolumen (und das konnte man sich vorher schon ungefähr vorstellen) weiß ich aufgrund der beiden Visualisierungen noch gar nicht was gebaut werden soll. Ich kann mir unter ein paar farbigen Hafencontainer und grau/weiss leuchtende Elemente im oberen und unteren Bereich nichts vorstellen.
    Warten und hoffen- dass bei detaillierteren Visualisierungen noch etwas herausspringt. Vielleicht passt diese versetzten Bauklotzoptik ja doch ganz gut an dieser Stelle...

  • Ich kann bei dem Bau gar keine eigentliche Fassade erkennen. Sieht aus als wenn das alles mit den (einheitlich gefärbten) Marken-Logos der darin befindlichen Geschäfte zugekleistert ist. Ein riesiger fast fensterloser Werbewürfel also. Das würde den Cubix-Würfel noch mal um Längen unterbieten.
    Würde gern mal den 2. und 3. Preis sehen.

  • ^
    Obwohl ich die Form des Gebäudes eigentlich ganz ansprechend und für das Gebiet auch durchaus passend finde, sehe ich das mit der Fassade genauso wie Vertical: Das Hauptstilelement der Fassade sind also aneinandergereite Werbetafeln. Die Mieter des Gebäudes werden ja wohl noch nicht feststehen und auch nicht über die Jahre gleichbleiben. Man muss sich mal vorstellen, wie bescheuert die Fassade mit goldenen Aldi oder Penny-Markt-Logos aussehen würde. Ich finde es problematisch die Gestaltung einer Fassade, die ja im Normalfall mehrere Jahrzehnte erhalten bleibt zu sehr auf temporäre Mieter zu beschränken.

  • ich sag mal: abwarten und tee trinken. die beiden visualisierungen, für die der praktikant be halbe stunde gebraucht hat, sind nun echt nicht aussagekräftig genung, um sich hier schon wieder total aufzuregen über belanglosigkeit etc. im februar werden ja auch die zweit- und drittplazierten vorgestellt und ich denke dann werden wir auch mal nen modell etc. sehen.


    also die bälle flach halten freunde...

  • Ich finde das Rendering gar nicht so schlecht. Es passt tatsächlich ganz gut dahin, es kommt auf die Qualität der Fassade an. Ich finde aber auch, dass das Rendering noch nicht genug aussagt, man kann es sich noch nicht recht vorstellen, zumal die oberen Geschosse sicherlich nicht so transparent seien werden. Man müsste noch mehr sehen um ein Statement abgeben zu können.

  • Es müssen ja auch nicht unbedingt die Werbeschilder der darin befindlichen Geschäfte sein. Bei einer Präsentationsfassade würden sich auch historische Bilder vom Alexanderplatz, also wie er sich über die Zeit im Aussehen verändert hat, gut machen. Oder alternativ eine große Fläche für die Präsentation von Kino- und Theaterprogramm in der Umgebung (Theater dann vll. BE etc.)