Beiträge von Kent

    1. Ein wesentlicher Unterschied zu den DDR-Bauten ist der Umstand, daß die Neue Reichskanzlei viele klassische Elemente enthielt und ein Steinbau war. Die DDR-Architektur hingegen ist überwiegend Plaste-und-Elaste-Architektur. Ich empfinde die Reichskanzlei als wesentlich ästhetischer als den Palast der Republik oder das Außenministerium. Die Reichskanzlei fügt sich wesentlich besser in die Umgebung ein, als man das für die beiden DDR-Bauten sagen kann, die man ob ihrer Lage als regelrechten Frevel betrachten kann.



    Wer den Palast der Republik und das Außenministerium der DDR gleich setzt, zeigt, dass er keine Ahnung von Architektur hat. Das sind völlig verschiedenen Bauten, die überhaupt nicht vergleichbar sind.

    Der Platzmangel im Humboldtforum ist doch abzusehen. Schon jetzt ist doch klar, dass der Bau und seine Nutzungen kaum zusammenpassen. Im Wettbewerb wurden hierzu verschiedene Lösungsmöglichkeiten vorgestellt. Man entschied sich aber für einen alten Kumpel von Stimmann. Ist ja auch klar, ein Italiener wie Franco Stella kann per se keinen schlechten Bau abliefern, Italien ist schließlich ein Schwergewicht des Designs und der Architektur. ;)


    Die Frage ist doch die, will man nur eine Kulisse, oder will man ein Gebäude mit Inhalt? Beim Humboldtforum installiert man eine Kulisse, bei der schon jetzt absehbar ist, dass die Nutzungsmöglichkeiten und Raumkonstellation für die gedachten Aufgaben allenfalls mit dem Prädikat "knapp ausreichend" beurteilt werden können. Das kann aber nicht der Anspruch der Stadt Berlin sein. So wird der Bau nicht die erhoffte "Leuchtturm-Funktion" übernehmen können.

    ^^
    Zumal der rumänische Palast teilweise eine erschreckend schlechte Verarbeitungsqualität hat. Man kann es kaum glauben, dass da teilweise beim Marmor 1 bis 2 cm mal fehlten, die man dann einfach zugeschmiert hat. Und das bei diesen Budgets und bei so einem teuren Bau :(

    Man muss auch bei der Beurteilung "Größenwahn, Gigantomie" etc ein bisschen die deutsche Brille abnehmen. Ich war mehrfach in Bukarest und habe mir dort das Haus des Volkes (Casa Poporului) angesehen, die neue Reichskanzlei war schon ein paar Jahre später nicht mehr so "überdimensioniert" wie hier angemerkt wurde. Dinge, die aus dem Blickwinkel des Betrachters aus dem Jahre 1944 auffällig wirkten, wirken heute nicht mehr so extrem.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Parlamentspalast


    Ganz zu schweigen von den modernen Bauten in Asien und Dubai etc, da sind ja auch einige Hotel Lobbys deutlich überdimensioniert.

    Interessant, dass der Artikel sich nur auf wenige Aspekte des Baus beschränkt. Ich gebe zu, die Architektur aus dieser Zeit war zu keiner Zeit für mich ein Schwerpunkt, aber ein bisschen mehr Beschäftigung mit dem Bau und seiner Ausstattung hätte ich vom Spiegel schon erwartet. So wirkt das alles, doch recht oberflächlich.

    @ Hausschwamm:
    Den Ausschwitzvergleich finde ich richtig daneben!
    Wer aber genau diese Vergleiche in einem Architekturforum anbringt, lässt die notwendige Objektivität vermissen. Und wenn Sie dieses Thema schon auf den Tisch bringen, die KZs sind Ausdruck einer industriellen Massenvorgehensweise.
    Bei der Reichskanzlei reden wir über hochwertige Einzelanfertigungen. Sie können sicher sein, dass der Bau in seiner gesamten Konzeption hochwertig und modern ausgeführt wurde. Aber es ist wie bei allen Debatten zum Palast der Republik, man trennt nicht und verurteilt vorschnell. Beim PdR spricht man über die Leuchten von Roeckel und irgendeiner fängt sofort an über Erich Mielke und die Stasi zu reden. :(

    ^^
    Ja, bei der Neuen Reichskanzlei überwiegen 3 Betrachtungsweisen: 1. die Verdammung des Gebäudes mit politisch-begründeten Unterton, die frühere "Heroisierung" und die moderene Legendenbildung.


    Diese geannten Ansichten bewerten aber das Gebäude nicht architektonisch sondern beurteilen das Gebäude aus Sichtweisen mit politischer Vorurteilen. Das ist schade, und wird so dem Gebäude nur teilweise gerecht.


    Man sollte nicht vergessen, dass der Bau auch Qualitäten hat und sehr hochwertig ausgeführt wurde. So hatte der Bau ein ausgeklügeltes aufwändiges Beleuchtungssystem. Viele Gegenstände wurden in aufwändiger Handarbeit von kleinen Manufacturen hergestellt. Wer einmal eine Bauzeitung aus den Zeiten mal anschaut, wird überrascht sein über die vielen Anzeigen von Handwerksbetrieben, die mit ihrer Teilhabe am Bau werben. Der Bau war sehr teuer, und kompomisslos hochwertig umgesetzt.

    Jein, auch damals gab es mehrere wichtige Entwürfe. Zur Einordnung:


    1. Die doppelte Rahmenstruktur ist an die Entwürfe von Horst Brünning für Kill International angelehnt.
    http://furniture-inc.de/de/archive/59


    2. Gerkan ist ja kein gelernter Designer sondern Architekt. Und er hat den Schwachpunkt von den Barcelona Sesseln erkannt, die Dinger sind zu steif.
    Aber genau das hatte Rudolf Horn auch schon erkannt!!!
    http://www.news.de/panorama/85…-wohnvisionaer-der-ddr/1/


    Gerkan hat diese beiden Punkte kombiniert.

    Ich hab gerade vor ein paar Tagen in dem Buch "Plaste und Elaste - Leuchtreklame in der DDR" gelesen, dass am Berolina Haus eine 10x10m große Videowand in den 1970er Jahren anmontiert war. Das war ein unglaublich kompliziertes Teil, leider war es auf Dauer wohl nicht funktionstüchtig und wurde später abgebaut. Wirklich interessant, welchen Aufwand man damals betrieben hat. Und heute ist dies bei ganz anderen technischen Möglichkeiten wohl nicht mehr möglich.

    Dem Kommentar muss man zustimmen. Das Gebäude hat so gut wie keine interessanten Detaillösungen zu bieten. Die Innenräume haben wenig Pfiff. Insgesamt ein enttäuschender Bau, gerade weil dieser Bau ein Designhöhepunkt werden sollte. Davon ist jetzt nicht mehr soviel zu erkennen.
    Wer sich dort ein Zimmer gönnt, kann sich sicher sein, dass dieses perfekt zu seiner schweizer Revox Elegance Hifi Anlage passt.

    @ Bato;
    Man muss Berlin halt jeden Tag ein Stück schöner machen ;)


    @ Libero: Ich dachte nur an ein bisschen strecken, das würde schon reichen. Die Dame soll nur nicht so pummelig sein.


    @ Konstantin: Woher kommt die Gewissheit, dass die Figur niemals wiederkommt?

    Von welchem Architekt ist der Bau der Deutschen Bank. Ein wirklich gelungener Bau der Nachkriegsmoderne. Gefällt mir auf den Bildern gut.
    Im Eingangsbereich finden sich bestimmt auch Möbel von Girsberger, ein Natursteinfußboden und Schienenstrahlersysteme von Erco.


    Frage an alle:
    Hat jemand Bilder von der ursprünglichen Gestaltung des Foyers? Oder von anderen repräsentativen Innenräumen von dem Gebäude?


    @John Robie
    Danke für die Auskunft.