Wirtschaft, Politik, Forschung, Gesellschaft, Tourismus

  • @theseus das ist ganz schön bösartig interpretiert.

    Bzgl. worauf unser Wirtschaftssystem basiert: Ist das dein Ernst? Es basiert ganz gewiss nicht darauf, dass Hochqualifiziert für ausländische Unternehmen arbeiten. Es sind der Mittelstand und die Maschinen-, Auto-, und Chemieindustrie. Die "Investitionen" von den Techriesen hat mMn kaum Auswirkungen und liest sich nur gut als Überschrift.

    Und ja, wer bei Amazon bestellt oder bei Apple kauft schädigt die deutsche Industrie, interessiert nur keinen.

  • Berlin und Deutschland sehen nicht dem Untergang entgegen. Sie sind bereits geopolitisch zu einem Vasallenstatus verdammt worden. Durch die Entwicklung am IT Markt. Es kann, Stand heute, niemals eine wesentliche Wirtschaftsentwicklung mehr für D oder Berlin geben solange man nicht gesetzlich wieder Wettbewerbsfähigkeit herstellt.

    Es gibt kaum eine Behörde, kaum ein dt. Unternehmen und fast keinen Bürger mehr, der nicht von den zur Infrastruktur gewordenen Diensten der US-Tech-Riesen abhängig ist. Seattle (Microsoft), Silicon Valley (Apple, HP, Meta, Alphabet) haben konkret mehr Daten-Macht als der dt Staat über die Einwohner des Landes.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Alleine in den letzten bzw. kommenden Jahren haben große Konzerne wie eben Amazon und Tesla aber auch Siemens, Bayer, SAP usw. hunderte Millionen bis hin zu einigen Milliarden investiert und/oder werden sie investieren.

    Du hast fundamental nicht verstanden was lokale Wertschöpfung ausmacht. Du hast fundamental nicht verstanden wie Standortentwicklung vor sich geht. Du skizzierst mit Deinen Kommentaren hier lediglich naiv ein paar Nachrichten Magazine ohne die Fundamente der Volkswirtschaft nachvollziehen zu können.

    Einmal editiert, zuletzt von Arty Deco (10. Juni 2025 um 17:33)

  • ^Wie gesagt: Zum Glück hat ein Herr Plattner es damals demnach offenbar ja auch nicht verstanden und hat entgegen Deiner Logik eine Karriere beim US-Invasoren begonnen, um dann später selbst vom Heimatboden aus einen Weltmarktführer zu gründen.

    Und selbst jetzt versteht er es noch immer nicht und versenkt völlig sinnlos Millionen und Milliarden, wo es doch längst aussichtslos ist. Aber ist ja bekannt: Alter schützt vor Torheit nicht.

    Und Amazon ist in seiner Machtstellung sogar so skrupellos geworden, dass sie schon Kinder im Grundschulalter infiltrieren und ihnen kostenlos programmieren etc. beibringen. Ganz sicher wird jedes einzelne davon später ein Vasall sein, so wie jedes bisschen Rechenleistung von AWS das US-Imperium weiter zementiert. Die sollten alle lieber dringend Deine Beiträge im DAF lesen, damit sie die Welt besser und vor allem fundamentalistisch verstehen.

    Vasallus te salutant

  • ^^

    Dekoratives Anführungszeichen

    ohne die Fundamente der Volkswirtschaft nachvollziehen zu können.

    Merkwürdigerweise geben ich den Kommentaren von jan85 Recht, und dass als

    Diplom-Volkswirt (TU Berlin, Uni Erlangen-Nürnberg).

    Wir sind auch nicht die Einzigen die die Entwicklung von Berlin positiv sehen.

    Siehe die Einschätzung des britischen Beratungsinstituts Oxford Economics:

    https://www.morgenpost.de/berlin/article…-bewertung.html

    Einmal editiert, zuletzt von Merlin (10. Juni 2025 um 18:55)

  • ^

    Ich kenne vermutlich über 90% der nationalen und internationalen Städterankings, die in den letzten 20 Jahren veröffentlicht wurden in denen Berlin erwähnt wurde. Es dürften über 500 sein. Erst wenn Berliner Institutionen selber anfangen solche Ranglisten herauszugeben kann man von einer gewissen Reife der Metropole ausgehen. Das näher zu erläutern würde hier den Rahmen sprengen.

  • Arty Deco Den Gefallen werde ich Dir ganz sicher nicht tun.

    Zumal der überwiegende Tenor aus tatsächlichen Experten diverser Branchen die Dinge eben regelmäßig deutlich(!) anders bewertet als Du es tust, Du bei aller Kritik an diversen Quellen bislang umgekehrt noch nie Deine vermeintlich so weit überlegenen Quellen und Expertisen nachweisen oder auch nur plausibel erklären konntest* - und Deine bisherigen Untergangsszenarien sich auch noch nie bestätigt haben (zur Erinnerung: Berlin hatte nach einem Einbruch von -2,4% in 2020 bereits ab 2021 wieder ein höheres BIP als 2019, Deine damaligen Posts werde ich jetzt mal nicht verlinken).

    Und ich würde jetzt auch mal ganz ohne entbehrliches digitales Schattenfechten über unsere jeweilige Expertise behaupten:

    Ein als "Auto-Papst" gehandelter Professor Ferdinand Dudenhöffer hat relativ wahrscheinlich etwas mehr Ahnung von der Bedeutung der Tesla-Ansiedlung für den Automobilstandort Deutschland als irgendein User hier im DAF. Oder entsprechend ein Herr Plattner im Bereich IT. Oder oder oder. Da weiß zumindest ich, auf wen ich auch in Zukunft weiter hören werde.

    Und zu Amazon: Dass Amazon mit ihren diversen, teils verflochtenen und monopolartig aufgestellten Diensten satte Gewinne erwirtschaftet (und AWS dabei ganz vorne dabei ist): Geschenkt. Aber die zahlen in den heimischen USA und auch weltweit überall (sehr) wenig Steuern, ebenso wie hier in Deutschland, und machen primär die obersten Manager und erst Recht Anteilseigner und Großaktionäre reich (unabhängig vom Wohnort). Die EU will solche Firmen stärker besteuern und man wird sehen, wie das läuft. Sie sind in den USA oder anderen Ländern aus diesem und auch anderen jeweils identischen Gründen gleichermaßen umstritten wie hier. So weit ich es überblicke könnte das also ebenso gut oder schlecht ein Unternehmen aus UK oder Indien oder meinetwegen mit Sitz in München sein, ohne dass es groß etwas für den Effekt auf Berlin ändern würde.

    Ich bin wohlgemerkt selbst kein Amazon-Fan und kaufe wenn möglich woanders.

    Dennoch: Die Tochter AWS stellt zunächst einmal Infrastruktur bereit, die durchaus sehr wichtig für die regionale Wirtschaft aber auch Forschung etc. sein kann und durch Wettbewerb mit den anderen Investoren aus In- und Ausland die Kosten drückt. Die europäische AWS-Cloud wird die Daten komplett in der EU verwalten und darf nicht "nach Hause telefonieren".

    Und ich verstehe tatsächlich nicht (nicht fundamental und auch nicht darüber hinaus), inwiefern Du sie als Teil der Daten-Hegemonie der US-Konzerne ins Feld führst.

    Nochmals: Sie stellen Infrastruktur bereit, analysieren die verarbeiteten Daten aber nicht systematisch und das ggf. gar ungefragt. Erst Recht nicht in irgendeinem nationalen Interesse der USA. Bei allem Respekt solltest Du Dich da vielleicht lieber über das Geschäftsmodell von AWS und Rechenzentren/ Clouds allgemein informieren...

    * siehe auch wieder Dein letzter Post (und klar würde entsprechende Substanz hinter den Behauptungen hier nur unnötig den Rahmen sprengen und ohnehin von niemandem hier verstanden werden - Perlen vor die Säue und so...) q.e.d.

    [mod]Hier ist jetzt mal eine Abkühlungspause fällig. [/mod]

  • Letzten Donnerstag wurde die Verwaltungsreform in Berlin mit 2/3-Mehrheit beschlossen und die Berliner Verfassung geändert.

    Das wurde seit über 20 Jahren empfohlen, es hatte aber bisher nicht geklappt, weil dafür eine 2/3-Mehrheit für eine Verfassungsänderung benötigt wurde.

    Das Problem, das die Reform lösen soll, ist, dass bei vielen Sachen nicht eindeutig geklärt ist, wer dafür zuständig ist, also ob Senat oder Bezirk verantwortlich ist. Das führte zu vielen Problemen.

    Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner von der CDU hatte das Thema priorisiert, und sich mit dem Koalitionspartner SPD und den Oppositionsparteien Grüne und Linke zusammengesetzt und verhandelt. Es gab eine Einigung und jetzt haben CDU, SPD, Grüne und Linke zusammen die Verwaltungsreform beschlossen und dafür die Verfassung geändert. Wegner hat sich auch ausdrücklich bei den Oppositionsparteien bedankt, dass sie bei diesem wichtigen Thema mitgemacht haben.

    Es müssen zwar jetzt noch konkrete Details beschlossen werden, dafür braucht es aber soweit ich weiß keine 2/3-Mehrheit mehr, sondern nur noch eine normale Mehrheit. Es sieht also so aus, als wäre der schwerste Schritt getan.

    In Kraft treten soll die Reform ab Anfang 2026.

    https://www.rbb24.de/politik/beitra…rke-berlin.html

  • Ufa kehrt zurück in die Metropolis - Bertelsmann-Tochter zieht 2026 wieder nach Berlin

    Damit erhält die Hauptstadt eine der größten deutschen Produktionsfirmen für Serien, Filme, Shows und Dokumentationen sowie 130 Arbeitsplätze (entsprechend enttäuschend natürlich für Potsdam-Babelsberg, obgleich der Produktionsstandort an sich weiter genutzt wird). Zudem baut Bertelsmann damit insgesamt enorm seine Präsenz in Berlin aus. Auch BMG sitzt bereits an der Spree.

    Begründet wird der Umzug mit dem Wunsch, stärker am Puls der Zeit zu sitzen und den Mitarbeitern kürzere Wege sowie die Arbeit in modernen sowie ökologisch nachhaltigen Büros zu ermöglichen.

    blickpunktfilm.de

    tagesspiegel.de

    2 Mal editiert, zuletzt von jan85 (5. Juli 2025 um 09:15)

  • House of Games eröffnet

    Nachdem die Berliner Film- und Musikindustrie zuletzt schon erfreuliche Entwicklungen erlebte, sucht man in der global boomenden Videospiel-Industrie noch nach einem echten Durchbruch. Zwar hat Berlin bereits unter allen Bundesländern die mit Abstand meisten großen Entwicklungsstudios (13 Firmen mit mindestens 50 Angestellten, Bayern: 7, Hamburg: 6, Hessen: 6, NRW, BW und RLP: je 1 - jeweils Stand 08/24). Allerdings ist Deutschland (und Europa) in dieser Megaindustrie generell sehr schwach aufgestellt. Der Jahresumsatz der ca. 300 Berliner Firmen belief sich demnach auch nur auf rund eine halbe Milliarde Euro, was im globalen Vergleich kaum ins Gewicht fällt. Wobei es in der Branche nach wie vor sowohl steile Aufstiege als auch radikale Marktbereinigungen gibt. Theoretisch kann man sich also auch immer noch neu etablieren.

    Nun hat der Berliner Senat also an recht attraktiver Adresse (im sogenannten "Quartier LUX", einem ehemaligen Osram-Werk und zuletzt BASF-Standort, nahe der Warschauer Straße in Friedrichshain) sowie auf immerhin 15.000* Quadratmetern das sogenannte "House of Games" eröffnet. Unter der Leitung von WISTA und mit einem Startbudget von rund 4,6 Mio soll hier ein kleines Ökosystem entstehen und Produktionsfirmen jeglicher Größe bei Wachstum und Vernetzung unterstützen. Helfen sollen u.a. flexible sowie vergünstigte Mietangebote und geteilte Infrastruktur. Zum Start sind u.a. relevante Verbände sowie mit Ubisoft Berlin eins der größten Entwicklungsstudios der Stadt (zuletzt über 100 Mitarbeiter) dabei. Zudem haben bereits dutzende weitere Firmen Interesse angemeldet. Auch das Computerspielemuseum mit der weltweit größten Videospielesammlung würde gerne hier einziehen - und man hätte sie wohl durchaus auch umgekehrt gerne dabei. Allerdings gibt es (noch) keinen tragfähigen Finanzierungsansatz.

    Finanzierung ist ansonsten auch ein gutes Stichwort für dieses Projekt. Neben dem Zwang zur Innovation und Vernetzung gibt es vor allem hohen ökonomischen Druck. Viele Studios müssen regelmäßig knallhart ihre Kosten bzw. Wirtschaftlichkeit optimieren und erleben ansonsten eine sehr wechselvolle Dynamik zwischen explosivem Wachstum und Schrumpfkurs/Pleite. Die flexiblen und wenig gewinnorientierten Strukturen des House of Games mögen dem ein Stück weit entgegen kommen: Laut Wista will man keine Verluste machen, müsse aber auch nicht zwingend Gewinne machen. Diese Balance zwischen zahlbaren Mieten und wirtschaftlicher Tragfähigkeit werden wohl eine entscheidende Rolle spielen.

    tagesspiegel.de

    sueddeutsche.de

    *Laut anderer Quelle sollen es über 10.000 m² sein, die nochmal "fast verdoppelt" werden können.

    Generell wird teilweise hinterfragt, ob solche Leuchtturmprojekte wirkliche Gamechanger darstellen können (pun intended). Das war zuletzt auch schon beim "House of Finance and Tech" so, das die wachsende Banken- und Fintechbranche der Stadt weiter voranbringen soll. Dort soll sich die Zahl der Netzwerk-Teilnehmer innerhalb weniger Monate bereits vervierfacht haben und entsprechend bereits jetzt viele Akteure von der Berliner Volksbank bis zum Startup zusammen bringen.

    Quelle: Morgenpost (Print bzw. hinter einer Bezahlschranke)

    Berliner Wirtschaftsvertretung in Indien eröffnet - Trend zur (breiteren) Internationalisierung

    Nachdem Berlin seit wenigen Jahren bereits Auslandsvertretungen in New York und Shanghai betreibt (also den stärksten Wirtschaftszentren der beiden mit Abstand größten Volkswirtschaften der Erde), eröffnete Nummer 3 nun im vermutlich etwas weniger bekannten Bengaluru/ Bangalore. Die 13 Mio Metropole gilt als Zentrum der Indischen IT- und Tech-Wirtschaft, wobei Indien (aktuell noch dicht hinter Deutschland und Japan auf Rang 5 der Weltrangliste) wiederum zeitnah ein deutlicher Aufstieg zur globalen Wirtschaftsmacht vorausgesagt wird. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich verschiedene Länder - wie eben auch Deutschland - zunehmend unabhängiger von den beiden teils als launisch und herrschsüchtig geltenden Großmächten machen möchten.

    Daher wird es wohl auch nicht lange bei 3 internationalen Verbindungsbüros bleiben. Berlin plant bereits eine mögliche Expansion nach Singapur, Dubai und Istanbul - aber auch an der US-Westküste (bekanntlich wiederum das dortige IT- und Techzentrum). Aber auch Lateinamerika (speziell Mexiko und Brasilien) sowie Nordafrika und der Mittlere Osten insgesamt befinden sich schon im Fokus. Der Auftrag der Verbindungsbüros ist dabei stets weitgehend identisch: Investitionen und Fachkräfte für Berlin anzuwerben aber auch umgekehrt Berliner Firmen den Zugang zu den entsprechenden Märkten zu ebnen bzw. erleichtern.

    Investieren wird man absehbar rund 6 Mio pro Jahr aus einem entsprechenden Topf zur Internationalisierung. In der laufenden Legislaturperiode ist es inzwischen schon in 2 Jahren gelungen, mehr als eine Milliarde an ausländischen Investitionen nach Berlin zu lenken - davor in keinem einzigen Jahr. Auch erzielt die Berliner Industrie fast die Hälfte der Umsätze durch Auslandsexporte. Auch besitzen knapp 40% der Berliner Erwerbstätigen und sogar 44% der Berliner Unternehmensgründer einen Migrationshintergrund. Bekanntlich waren die Inder zuletzt bereits die dynamischste Zuwanderergruppe in Berlin und diese Indischen Zuwanderer erzielten dabei zugleich auch die höchsten Einkommen aller Zuwanderernationen (Indien profitiert umgekehrt durch geringere Arbeitslosenzahlen sowie Auslandsdevisen). Die Verbindung gilt daher schon jetzt als beidseitige Erfolgsgeschichte.

    tagesspiegel.de

    BZ

    Einmal editiert, zuletzt von jan85 (6. Juli 2025 um 20:00)

  • Takeda verlegt Deutschlandsitz von Konstanz nach Berlin

    Der Japanische Pharmakonzern verlagert dafür bis 2028 rund 60 Arbeitsplätze und schließt den ehemaligen Standort in Konstanz vollständig. Bisher war in Berlin primär die Vertriebsabteilung angesiedelt, wobei ich die Mitarbeiterzahl nicht kenne. Insgesamt hat das Unternehmen 2.300 Mitarbeiter in Deutschland, wobei einer von zwei großen Produktionsstandorten in Oranienburg liegt und insgesamt dann künftig wohl rund 1.200 Jobs in der Region liegen. Deutschland sei global der viertgrößte Standort im Konzern.

    Quelle apotheke-adhoc.de

    Einmal editiert, zuletzt von jan85 (26. Juli 2025 um 23:07)

  • Stripe expandiert in Berlin - Fintechs erhalten im 1. HJ rund 260 Mio VC, sämtliche Berliner Startups 1,5 Mia

    Bauhelmchen hat es schon anderswo geschrieben: Der Finanzdienstleister Stripe bezieht künftig eine 3.000m² große Bürofläche im Kreuzberger M40 für über 100 Mitarbeiter. In den begleitenden Artikeln wie hier oder auch hier ist von einem erheblichen Wachstumsimpuls die Rede. Es ist aber schwer einzuschätzen, wie stark dieser Expansionsschritt letztlich tatsächlich ausfällt. Zumindest ich weiß nichts Genaues über die bisherige Mitarbeiterzahl in Berlin oder auch am Stammsitz in München. Die dortige Niederlassung sieht mE sehr unspektakulär bzw. von außen regelrecht unsichtbar aus. Aber angeblich sollen die Stripe-Mitarbeiter mit Ausnahme von Berlin ohnehin überwiegend remote arbeiten, was den Ausbau in Berlin dann jedoch eher überraschender machen würde. Auch für Gesamtdeutschland habe ich keine Mitarbeiterzahlen gefunden. Generell veröffentlicht Stripe die scheinbar eher ungerne, wie ich irgendwo auch noch las.

    So kurz nach dem Umzug der PayPal-Zentrale ist aber sicherlich erneut ein positives Signal für den Finanzstandort und speziell den Fintech-Sektor. Der letzte richtig große Paukenschlag war, als sich Klarna 2019 mitten in seiner Prime mit 800 Mitarbeitern in Berlin ansiedelte und damit als das mit Abstand größte europäische Fintech seinen größten Standort außerhalb Schwedens aufbaute. Seither gab es bei Klarna dann eher Einschnitte und Neuansätze, so wie auch andere Größen wie N26 eher einen steinigen Aufstiegsweg nahmen. Nennenswerte Wachstumsmeldungen für den Berliner Finanzstandort kamen zuletzt gefühlt sogar eher von etablierten Finanzunternehmen wie Deutsche Bank und Commerzbank. Daneben gab und gibt es aber auch immer wieder dynamisch wachsende und auch neu hinzustoßende Fintechs. In 2025 wurden bisher in 12 Finanzierungsrunden rund 260 Mio Wagniskapital an Berliner Fintechs ausgeschüttet. Das sind fast 60% deutschlandweit - womit man in diesem Sektor weiter ganz vorne mitspielt.

    In anderen Sektoren - ganz besonders aber nicht ausschließlich bei militärischen Techstartups - liegt inzwischen eher Bayern vorne (1. HJ 2025: 76 Finanzierungsrunden mit Gesamtvolumen von 2,1 Mia in Bayern vs. 132 Runden mit 1,5 Mia in Berlin). Auf die Einwohnerzahl bezogen bleibt Berlin aber auch insgesamt das Startup-affinste Bundesland. Und auch in absoluten Zahlen bleiben 1,5 Mia Wagniskapital ein starker Wert. Nur haben die anderen Bundesländer nicht geschlafen - und gerade Bayern spielt seine traditionellen Stärken nun auch hier zunehmend aus.

  • Muss doch mal ein bißchen Wasser in den Wein kippen: ein differenziertes Bild zum Thema zeichnet das EY Startup-Barometer. Danach ist Berlin, jedenfalls 2023 und 2024 längst nicht (mehr?) Spitzenreiter. Differenziert man nach Branchen und Bundesländern, ist Berlin nur im Bereich FinTec/InsurTec Spitze, das zwar deutlich, aber eben nur in dieser Branche. Spitze ist Berlin auch bei der Zahl der Finanzierungsdeals, was auf viele kleinere Verträge weist. Unter den 10 größten Finanzierungsrunden in 2024 kommen Berliner Startups nicht vor. Zwei Drittel der Investitionen in Startups gehen nach Bayern, ein Drittel verteilt sich auf die übrigen 15 Bundesländer, im Wesentlichen Berlin, NRW, BaWü und Hessen, der Rest ist unbedeutend.

    EY Startup-Barometer Deutschland Januar 2025

  • tunnelklick Da schreiben wir teils aneinander vorbei.

    Zum einen beziehst Du Dich auf eine Zusammenfassung von 2024 und ich auf den Stand vom 1. Halbjahr 2025.

    Im Vorjahr war der Trend noch deutlich stärker in Richtung Bayern, das hat sich nun wieder leicht verschoben.

    Ansonsten hatte ich doch exakt wie Du geschrieben, dass Berlin aktuell noch bei den Fintechs (und mW auch weiter/wieder beim E-Commerce) dominiert, aber nicht mehr in anderen Sektoren, speziell in der immer stärker boomenden Militärtechnologie. Eine genaue Aufschlüsselung nach weiteren Sektoren kenne ich aber noch nicht für das 1. Halbjahr 2025. Daher kann ich dazu auch nichts Genaueres schreiben, als das, was auch in den Berichten steht (i.e. Bayern führend bei Militärtechnologie und KI, Berlin führend bei Fintechs).

    Davon unabhängig bleibt es aber dabei, dass Berlin nach absoluten Zahlen immer noch ein vergleichsweise starkes Halbjahr hatte (unter den absoluten Boomjahren aber über den meisten anderen Jahren) und in Relation zur Einwohnerzahl auch noch immer das gründerfreundlichste Bundesland bleibt. Berlin ist also gar nicht am Abstürzen. Vielmehr machen (einige) andere Bundesländer (endlich) besser ihre Hausaufgaben und nutzen auch ihre eigenen Standortvorteile (ansässige Wirtschafts- und Wissenschaftscluster). Für Deutschland ist das insgesamt gut und wichtig so. Daher freut es mich auch, selbst wenn Berlin dadurch eine Art Alleinstellungsmerkmal verliert. Aber das ist doch völlig in Ordnung bzw. normal und auch gesund, wenn Deutschland gerade angesichts steigendem Wettbewerbsdruck mehr in Innovation investiert. Es gab ja auch oft genug Fälle, wo deutsche Technologien in anderen Ländern verwertet wurden (das mp3-Format ist eins der jüngeren Beispiele).

  • ^^^

    Berlin ist in erster Linie Stadt und Metropole.

    Bayern hingegen ist ein Flächenland mit über 13 Mio Einwohner.

    Bei der Gründeraktivität ist Berlin nach wie vor unter den Top5 Metropolregionen in Europa.

    Allerdings tut Bayern sehr viel dafür um marketingmäßig als scheinbar führend wahrgenommen zu werden.

    Berlin tut praktisch nichts dafür, weder im Land noch im Hauptstadt-Berlin gibt es Förderer des Standorts.

    Die ganz große Perspektive: Weder Berlin noch Deutschland hat eine erfolgreiche Start-up Szene nach 2000 hervorgebracht.

    Die kreativsten Talente des Landes werden alle von den US Tech Firmen mit ihren dt. Dependancen abgezogen. Die Amis haben es auch geschickt hinbekommen in die dt. Hoffnungsträger früh Wagniskapital hineinzupumpen. Resultat: Die relevanten Startups in D gehören fast alle US Investoren.

    Unsere Generation wird Zeuge eines beispiellosen Abstiegs von Deutschland. Einzig Berlin kommt in den nächsten 5 Jahren vielleicht mit einer Stagnation davon.

  • Immerhin tut uns die USA den Gefallen und arbeitet heftig daran sich in vielerlei Hinsicht selbst zu demontieren und ihre Attraktivität zu reduzieren.

    Und auch wenn der Beitrag des Vorredners jegliche Objektivität vermissen lässt, (so beispiellos kann der Abstieg gar werden verglichen zu der Generation von 33 bis 45 lol um das zu relativieren') ist bekannt, dass es gerade bei Finanzierungen und Rahmenbedingungen für Starter in Deutschland viele Defizite gibt, die allesamt bekannt sind, aber wie üblich der dringende Handlungsbedarf fehlt.

  • Naja Theseus532 so sicher Arty Deco eine doch überspitzte Formulierung verwendete, so wenig kann man die Tatsache des Abstieges Deutschlands mit dem Verweis auf 33-45 wegwischen. Der Reflex verfängt nicht mehr, denn die Risse im Fundament sind zu offensichtlich.

    Ich kenne keinen Bereich mehr in dem die Deutsche Wirtschaft/Industrie oder die Forschung in Deutschland noch führend ist oder gar asiatische insbesondere chinesische Konkurrenten (noch lange) auf Abstand halten kann. Was zudem mit Zuse, Nixdorf und SAP vielversprechend war ist doch heute fest in amerikanischer Hand (Attraktivität hin oder her). Exzellenz muss schon eingeflogen werden, Effizienz ist mittlerweile ein Fremdwort. Und beim großen Fragezeichen was denn die KI aus unseren Alltags- und Arbeitswelten machen wird ist Deutschland nicht mehr Akteur, sondern nur noch Zaungast. Ich glaube man kann stark davon ausgehen, dass die KI einen enormen Impact hinterlassen wird. Dass wir diese Entwicklung nicht mehr aktiv mitgestalten (nicht irgendwann nach dem x-ten EU-Gesetzt, sondern jetzt) ist in der Tat ein Abstieg, der die noch vorhandenen Stärken der deutschen Wirtschaft einer ungewissen Zukunft ausliefern. Ein wirklich grundlegender Abstieg aus der ersten Liga mit all seinen Folgelasten.

  • Wie kommst du zur der Annahme, dass es keinen Bereich mehr gibt, in dem die Deutsche Wirtschaft/Industrie oder die Forschung in Deutschland noch führend ist? Meines Wissens nach ist Deutschland das Land der Weltmarktführer. Das hat sich in den letzten Jahren nicht geändert. Anbei die eher großen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die heute führend sind. Die meisten Weltmarktführer sind in Nischen tätig.

    Unternehmen (Industrie & Wirtschaft)

    Maschinen- und Anlagenbau

    • Trumpf – Weltmarktführer für Industrielaser und Lasersysteme.
    • Krones – Marktführer für Abfüll- und Verpackungsanlagen.
    • DMG Mori – Führend in Werkzeugmaschinen.

    Automobil & Zulieferer

    • BMW, Mercedes-Benz, Porsche, Audi, Volkswagen – Premium- und Luxusautos mit globaler Spitzenstellung.
    • Bosch – Weltweit größter Automobilzulieferer.
    • ZF Friedrichshafen – Führend bei Getrieben, Fahrwerkstechnik, E-Mobilität.
    • Continental – Stark bei Reifen, Elektronik, Assistenzsystemen.

    Chemie & Pharma

    • BASF – Weltgrößter Chemiekonzern.
    • Bayer – Global Player in Pharma und Agrarchemie.
    • Merck KGaA – Führend in Life-Science-Produkten, Halbleiterchemie, Spezialmaterialien.

    Elektrotechnik & Automatisierung

    • Siemens – Weltspitze bei Automatisierungstechnik, Energie- und Medizintechnik.
    • Festo – Führend in Pneumatik & Automatisierungslösungen.
    • Phoenix Contact – Steuerungstechnik, Industrie 4.0.

    Erneuerbare Energien & Umwelttechnik

    • Siemens Gamesa – Windkraftanlagen.
    • Enercon – Windkrafttechnik.
    • Remondis, Alba – Recycling und Kreislaufwirtschaft weltweit aktiv.

    Biotechnologie & Medizintechnik

    • BioNTech – Durchbruch bei mRNA-Impfstoffen.
    • Qiagen – Führend bei Probenvorbereitung und Diagnostik.
    • Carl Zeiss – Optik und Medizintechnik.
    • Sartorius – Bioprozess- und Labortechnologie.

    Forschungsinstitute & Wissenschaft


    Grundlagenforschung

    • Max-Planck-Gesellschaft (MPG) – Spitzenforschung in Physik, Chemie, Biologie, Medizin.
    • Fraunhofer-Gesellschaft – Führend in angewandter Forschung (u. a. MP3-Format, Photonik, Produktionstechnik).
    • Leibniz-Gemeinschaft – Breites Forschungsnetzwerk von Naturwissenschaft bis Sozialforschung.

    Technik & Ingenieurwesen

    • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – Spitzenforschung in Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr.
    • Helmholtz-Zentren – Fokus auf Energie, Gesundheit, Material- und Umweltforschung.
    • Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – Stark in Ingenieurwissenschaften, Informatik, Energieforschung.

    Medizin & Biowissenschaften

    • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) – Führend in Onkologie.
    • Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) – Spitzenforschung in Genetik & Systembiologie.
    • Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel.

    Umwelt & Klima

    • Alfred-Wegener-Institut (AWI) – Weltweit führend in Polar- und Meeresforschung.
    • Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) – Renommiert in Klimamodellen.

    Informatik & KI

    • Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) – Eines der weltweit größten KI-Forschungszentren.
    • CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit – Führend in IT-Sicherheit und Cybersicherheit.


    (@Moderation Gibt es eine Vermerk zum Thema Infos aus KI)

    Einmal editiert, zuletzt von Artec (31. August 2025 um 21:32)

  • Siemens Energy plant neue Verwaltungszentrale und Forschungszentrum in Moabit

    Merlin hat es schon im entsprechenden Architekturstrang geteilt: Der zwischenzeitlich leicht kriselnde aber aktuell wieder boomende Energiekonzern hatte ja relativ bald nach seiner Abspaltung im Jahr 2020 die Verlegung der Zentrale nach Berlin beschlossen. Hier hat man auch rund 5.500 Mitarbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Bis zum Jahr 2029 soll dann auch die neue Zentrale stehen, die sich auf 3 über ein gemeinsames atriumähnliches Foyer verbundene Gebäude mit insgesamt 25.000 Quadratmeter Nutzfläche verteilt. Der höchste Turm soll dabei fast 70m hoch werden.

    Quellen: Morgenpost (Print oder Paywall) sowie Instagram-Account von Ephraim Gothe

    2 Mal editiert, zuletzt von jan85 (3. September 2025 um 21:10)

  • Entwicklungszentrum von Tesla in Köpenick


    Wie Tesla am heutigen Mittwoch verkündet hat, wird in Köpenick ein Entwicklungszentrum

    für bis zu 250 Ingenieure und Techniker entstehen, lt. Tesla bereits im nächsten Jahr.

    Der genaue Standort, eine leerstehende Fabrik, wurde nicht genannt.

    Die Vorbereitungen laufen bereits, es soll ein zweistelliger Millionenbetrag investiert werden.

    https://www.rbb24.de/wirtschaft/bei…vestititon.html

  • Merlin Das sind ja großartige Neuigkeiten! Damit hatte ich ehrlich gesagt gar nicht mehr wirklich gerechnet, so lange wie die Ankündigung nun schon her ist (allerdings war damals mE von einem Design- und Entwicklungszentrum sowie einer deutlich höheren Mitarbeiterzahl die Rede).

    Inzwischen berichtet auch die F.A.Z. und nennt dabei weitere Details. Auch im Tagesspiegel gibt es einen kurzen Artikel. Insgesamt klingt die Ankündigung zu diesem Zeitpunkt fast ein wenig wie eine Trotzreaktion.

    - Man verkaufe Teslas aus Grünheide in über 30 Märkte - neben Europa auch in Nordafrika sowie inklusive der Rechtslenker für Großbritannien und Neuseeland. Die Produktion solle demnächst sogar weiter hochgefahren werden.

    - Bereits heute arbeiten ca. 20% oder 2.000 von weltweit 10.000 Ingenieuren und Technikern in Deutschland.

    - In Köpenick sollen ca. 20.000 m² Arbeitsfläche geschaffen und mindestens(!) ein achtstelliger Betrag investiert werden. Woanders war auch von einem "hohen zweistelligen Millionenbetrag" die Rede.

    - Zunächst sollen ca. 130 Menschen an dem Standort arbeiten (am liebsten wolle man bereits 2025 mit der Arbeit beginnen, voraussichtlich dann aber ab 2026). Mit der Zeit werde sich diese Zahl in etwa verdoppeln.

    - Den Ausschlag für Köpenick haben der großzügige Platz und die Lage in der Nähe von Grünheide sowie von relevanten Hochschulen gegeben. Insgesamt sollen in den letzten Jahren gut drei Dutzend Standorte geprüft worden sein.

    Einmal editiert, zuletzt von jan85 (3. September 2025 um 18:40)