Alexanderplatz: Diverses

  • Wenn jemand was "glänzendes" Baut, wird man wieder rummeckern, das sei zu kapitalistisch und nicht Berlin, weils nicht für Party und saufen steht sondern Gentrifizierung und wie Germania (oder son Quatsch) usw. Gegen bisl Glanz hätte ich nichts, grad in der Gegend.

  • Auch Andreas Rosenfelder hat sich in seiner Funktion als Schreiberling bei der "Welt" heute zum Alexanderplatz geäußert. Der ist auch eher weniger begeistert.
    http://www.welt.de/kultur/arti…ispiel-des-Nichtorts.html


    So langsam nervt es mich aber das diese gewalttätigen Aktionen genutzt werden um "plötzlich" festzustellen wie beschissen der Alex doch eigentlich ist. Erscheint mir alles etwas an den Haaren herbeigezogen. Ich frag mich eher wo hier die Ordnungsmach alias Polizei bleibt. Man schafft es Bahnhöfe a la Erfurt nächtens von der Bundespolizei ablatschen zu lassen deren einzige Tätigkeit es dann ist, Besucher des einzig noch geöffneten Lokals (McDonalds) nach dem Ausweis zu fragen. Da werden wohl auch 2 Mann für diese nicht ganz unbekannte Stadtfläche übrig sein.

  • Das jetzt alles auf den Angriff zu schieben ist sicher lächerlich. Der war schon davor ne No-Go-Area oder eher No-Stay-Area, wie im Artikel beschrieben. Der Angriff wird eben als Anlass "missbraucht", endlich mal was über die Defizite des Platzes sagen zu können. Aber trotzdem lustiger Artikel. Vor allem die Frauen mit aubergingetöntem Haar :rofl2:. Nur dass ihnen keiner sagen konnte, wo man zum Alex lang muss, ist schwer zu glauben.

  • Fuer jede Wort von diese Artikel die sind in die Letzten Tagen rausgekommen ein Gummifleck, ein Graffiti oder ein Sticker weg: jetzt waere Alex das saueberer Ort Berlins.

  • Nazis, Kozis und Finanzis

    Zitat von Echter Berliner

    Wir sollten erneut ein sozialistisches System aufbauen, um den Platz wieder sicher und attraktiv zu machen. In der DDR gab es hier kein Gewaltproblem.


    Da dieses Statement von mir rätselhafterweise verschwunden ist und ich dafür zwei negative Wertungen erfuhr, möchte ich mal kurz darlegen, was ich damit ausdrücken wollte.


    Natürlich will ich nicht wieder den Sozialismus aufbauen, sondern wollte damit die Debatte karikieren, daß angeblich die sozialistische Gestaltung des Rathausforums mitverantwortlich sei für die Gewalt und Verwahrlosung. In erster Linie muß der Probleme gesamtgesellschaftlich und konkret vor Ort Herr geworden werden. Es ist also ziemlich unwichtig, wie die Gegend aussieht. Wenn man dort eine Glitzergegend hinzaubert, fliehen die asozialen Elemente zum Brunnen oder anderswohin.


    @Nordklinker: Berlin spielt nicht in der dritten Liga der Weltstädte, sondern hat 1990 das Relegationsspiel gewonnen und befindet sich nun wieder in der ersten Liga. Übrigens gerade weil es keine normale Metropole ist. Ich kann nur immer wieder gegen diese "Wir müssen Metropole werden"-Rhetorik argumentieren.


    Erstens ist gerade dies Ausdruck von Komplexen und Provinzialität, zweitens ist Berlin nun mal eine ehemals geteilte, sozialistisch-kapitalistisch-kriegsversehrte Stadt. Deshalb argumentiere ich auch immer gegen diese rigorosen Welthauptstadt-Umbebauungspläne hier. Berlin tut gut daran, sein sozialistisches Erbe auf humane Weise zu entsorgen. Ich finde es gerade spannend und interessant, wie das DDR-Paradigma in kleinen, humanen und behutsamen Schritten langsam weicht und sich organisch verwandelt.


    So sollte das auch weiterhin ablaufen. Wir wollen doch nicht die gleiche gewaltsame Stadtveränderung, wie es uns die Nazis und die Kozis vorgemacht haben.


    Eine wirkliche Metropole bekennt sich selbstbewußt zu ihrer Identität.


  • Eine wirkliche Metropole bekennt sich selbstbewußt zu ihrer Identität.


    eine wirkliche metropole muss sich zu garnichts bekennen sie ist einfach!
    und so wie sie das immer wieder hochstilisiersen hat das schon eher pathologische züge, verzeihen sie.

    Einmal editiert, zuletzt von ARCADIEN ()

  • Es ging mir um seinen berechtigten Anspruch und Glanz als Metropole, als Hauptstadt eines reichen Landes. Und da ist es eben eher in seiner Wirkung bescheiden und spielt hier bestenfalls in der dritten Liga der Weltstädte.


    Es ist müßig über solcherlei haltlose Polemik noch zu diskutieren. Wie gesagt, die Besucherzahlen und das konstant anhaltende Interesse an Berlin als Metropole und als Hauptstadt eines reichen Landes sprechen hier eine deutliche Sprache. Weltstädte zeichnen sich gemeinhin vor allem auch durch Kultur, Geschichte und internationale Bedeutung aus. Weniger durch die Anzahl beliebiger Bürotürme. Da braucht sich Berlin vor niemandem zu verstecken.

  • Wenn ich mir die Bilder aus Den Haag ansehe,wo Kollhoff und co. Bürotürme verwirklich(t)en,die denen am Alex geplanten stark ähneln,dann bin ich richtig froh,dass hier noch nichts gebaut wurde. Langeweile pur in meinen Augen.Ich halte sowohl den Alex als auch die City West für wenig geeignete Hochhaus Standorte. Beim Alex ist der Fersehturm das markante Bauwerk.Und die City West benötigt IMHO schlicht weg keine Hochhäuser um ein metropolitanes Flair zu erzeugen.


    Großer Nachteil des Alex war sicherlich auch seine Lage im Tarifgebiet Ost.Denn nicht nur Großmieter fehlen,gerade auch Anwälte,Steuerberater und Ärzte z.B.haben aufgrund geringerer Vergütung diesen Bereich gemieden.Bei den Gebührenordnungen und Honorarsätzen gab und gibt es teilweise noch deutliche Unterschiede zwischen Ost und West.


    Ich bin für eine Hochhausbebauung nördlich des HBF,in der Europacity,als auch entlang des Spreeufer im Bereich Friedrichshain,Treptow.Im Bereich der Europacity könnte man ein reines Büroviertel planen.Bei Bedarf könnten dort Hochhäuser ohne Höhenvorgabe entstehen.Urbanität muss dort nicht sein,wir haben genügend urbane Gegenden in Berlin.

  • Naja, die Kollhofftürme in Den Haag finde ich ehrlich gesagt etwas enttäuschend. So sehr ich auch Fan bin von Kollhoff.
    Die sind nur eine relativ einfallslose Quadratur des Kollhoff-Turmes vom Potsdamer Platz in meinen Augen.
    Ganz zweifellos hätte/wird es das nicht in Berlin geben, dass der gleiche Architekt zweimal etwas derart ähnliches baut
    in der gleichen Stadt.


    Es geistert doch dieser Glasturm entwurf für das Hines-Areal rum. Sicher, so wahnsinnig besonders wäre das nicht.
    Aber das muss es auch nicht unbedingt sein. Hochwertig und Stilvoll nicht exzentrisch sind für mich die Schlagworte
    nach denen Wolkenkratzer dort gestaltet werden sollen.


    Was Mieter betrifft: viele aufsteigende Firmen wie Zalando zeigen rasant wachsenden Platzbedarf. Ich arbeite selbst
    in einer schon ziemlich großen Firma die weiterhin wächst. Bald, wenn nicht schon jetzt existieren durchaus Firmen
    mit entsprechendem Platzbedarf. Naja, bezahlbar muss es natürlich auch bleiben, was am ehesten das Problem wäre eines Neubaus
    angesichts der noch immer relativ niedrigen Mieten in Berlin.


    Ansonsten ist Wohnraum ja auch ein wachsender Markt in Berlin. Alleine das müsste schon für 1-2 Türme reichen ^^

    Einmal editiert, zuletzt von Wunderknabe ()

  • http://www.morgenpost.de/img/b…Berlin-Alexanderplatz.jpg


    Quelle: http://www.morgenpost.de/berli…ht-am-Alexanderplatz.html


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    Hinweis der Moderation: Die Einbindung der Bilddatei wurde in einen Link geändert. Bitte künftig auf die Richtlinien für das Einbinden von Bildern achten!


    ...


    Auch das Pressezitats habe ich entfernt.
    Bitte künftig auf die Richtlinien für das Einbinden von Texten achten.
    Bato


    Seit wann die Bodenplatten die in diese Foto gezeigt sind sind teflonbeschichtet? meinte der Autor vielleicht die neue unten den Turm?
    Noch eine Frage, wer sind diese menschen mit Hochdruckpistole? die sind nicht von BSR, oder?

  • Freiflächen zw. Fernsehturm und Karl-Liebknechtstr.

    Die Freiflächen zwischen Fernsehturm, Marienkirche und Karl-Liebknechtstr. wurden neu gestaltet. Das Ergebnis ist "State of the Art": Schräge Rasenhochbeete mit hellen niedrigen Betoneinfassungen, dazu Holzbänke. Der Boden wurde neu gepflastert.


    Es fehlen noch die meisten neuen Bäumchen, die runden Löcher und Holzstützen dafür wirken noch etwas verloren:








    Auch etwas Geschichtsunterricht wird erteilt:


  • Hat schon geholfen, wo wuerde neue gestaltet gibts keine schmähliche Situationen mehr, oder troztdem sind weniger als frueher. Jetzt kommt die Sued Teil zum sanieren, und ich freut mich schon auf die Ergebnisse.

  • ^ Neinnein, tel33: die Planer behaupten nach wie vor, dass mit ihrer Umgestaltung die Kerngedanken des sozialistischen Städtebaus vor den raubtierhaften Profitinteressen gerettet würden.


    Das war auch schon so als die ehemals betonsichtigen Kaskaden mit Neureichengranit überzogen wurden, Herr Schamoni ein lustiges Haus in die Mitte der Fussumbauung des FT baute und die WBM die EG-Bereiche der Rathauspassagen und der Karl-Lebknecht-Straße umgestaltete.


    Der Fachterminus ist wohl "Zweite Moderne", man könnte uch von "Neomoderne" sprechen.

  • Ja, dieser plumpe Zwischenbau am Fernsehturmsockel sollte wieder verschwinden.


    Die Wirkung aus Richtung Kaskaden wurde dadurch zerstört.

  • Gerade das Ensemble Fernsehturm/Alexanderplatz stellt ein herausragendes Beispiel des sog. „sozialistischen" Städtebaus dar und ist in dieser Form recht einzigartig in Berlin.
    Dass dennoch ein de facto Totalumbau des Alexanderplatzes angestrebt wird hat m.E. zwei wesentliche Grüne. Zum einen ist es der Zeitgeist der sich geändert hat und auch die politische Situation. Berlin ist jetzt jung, aufstrebend und sexy. Da passt das DDR-grau einfach nicht mehr hinein. Man kann in vielen Großstädten des ehem. Ostblocks die Tendenz beobachten, die Innenstädte mit Glasgiganten westlichem Vorbilds zu bebauen. Moskau ist ein gutes Beispiel. Dies geschieht offensichtlich nicht aus einem ästhetischen Anspruch heraus, sondern aus einem ideologischen. Der Kapitalismus und die mit ihm assoziierte westliche Kultur ist nicht mehr Feindbild, sondern Maßstab eines modernen Landes geworden. Dass jedoch diese Bauweise für gewachsene, europäische Städte nicht nur „unnatürlich", sondern auch zerstörerisch ist, ist für mich beispielsweise in Frankfurt a.M. und London sehr gut zu erkennen. Diese Städte haben ihren, nennen wir es „ursprünglichen", Charakter verloren. Und das innerhalb einer kurzen Zeitspanne. Eine fast ähnliche städtebauliche Zäsur gab es zuletzt im Zeitalter der Industrialisierung.
    Der zweite Grund ist wohl die durchaus exponierte Lage. Es gibt genug Beispiele in Berlin, dass DDR Architektur in einem bestimmten „kritischen" Kontext bewahrt werden kann; dies ist aber nicht in derart prestigeträchtigen Lagen in solchen Dimensionen der Fall.
    Ich halte es für unrealistisch, dass viel von der heutigen Architektur in der Umgebung des Alexanderplatzes in Zukunft erhalten bleibt (sofern es Leute geben wird, die dort auch investieren wollen). Ein Beispiel ist die Wohnbebauung links und rechts des Fernsehturms. Diese Wohnungen werden zur Zeit noch von einer recht durchschnittlichen sozialen Schicht bewohnt, wie es auch zu DDR Zeiten der Fall war. Doch auch hier wird der neue Zeitgeist keinen Halt machen. Zu viel Potential steckt dort drin, zu viel Geld kann damit gemacht werden. Und so wird auch dort ganz sicher versucht noch das letzte Körnchen Kapital herauszuquetschen, bis die Grenzen erreicht sind und ein neuerer, luxuriöser, dem Zeitgeist entsprechender Bau errichtet wird.

  • Ein Beispiel ist die Wohnbebauung links und rechts des Fernsehturms. Diese Wohnungen werden zur Zeit noch von einer recht durchschnittlichen sozialen Schicht bewohnt, wie es auch zu DDR Zeiten der Fall war.


    Die nicht ganz überraschende Analyse stellt ja keine Neuigkeit dar - mit DDR-Realität scheinst Du dich jedoch kaum befasst zu haben: In den Rathauspassagen und der Karl-Liebknecht-Straße wohnten keineswegs "durchschnittliche soziale Schichten" sondern ausgesprochen Priviligierte. Die "durchschnittlichen sozialen Schichten" mussten - wenn Sie nicht über Kontakte verfügten oder politisch besonders engagiert waren - im verfallenden Altbau Braunkohlen schleppen.

  • Konstantin: Für diesen Teil meines Kommentars würde ich mich tatsächlich nicht verbürgen; ist aber für den Rest meines Beitrages auch völlig irrelevant. - Der kohlenschleppende Alltag der DDR Bevölkerung ist mir aber ehrlich gesagt neu. Sei's drum.


    necrokatz: Ach, irgendwie haben so gewisse „realsozialistische Miefgebiete" durchaus ihren Charme. Berlin lebt immerhin von ihrer Geschichte und solche Bauensembles machen Geschichte erfahrbar und darauf kommt es an. Soll nicht heißen, dass man Berlin in ein einziges Freilichtmuseum verwandeln sollte (wie es gerade jetzt teilweise zu beobachten ist).