Beiträge von Leo.Fuchs

    Die Mopo berichtet, dass der Wettbewerb für den Neubau der Bornplatzsynagoge entschieden wurde:
    Spektakulärer Entwurf: So soll die neue Bornplatzsynagoge aussehen!

    Positiv finde ich, dass man sich zumindest an dem historischen Gebäude orientiert hat, aber ich glaube das wurde sowieso schon vor längerer Zeit entschieden. Unsicher bin ich mir noch bezüglich der "spektakulären Kuppel" aus Glas. Ich glaube das könnte auch wie ein Fremdkörper wirken. Ganz zu schweigen, dass eine Glaskuppel auch regelmäßig gereinigt und gewartet werden muss.


    Enttäuschend ist die Situation im hinteren (?) Teil im Erdgeschossbereich, ist auf den Bildern etwas schwer zu erkennen. Ich meine die Seite mit dem Davidstern in der Fassade. Wirkt für mich etwas "flach" und fällt leider etwas aus dem Gesamteindruck heraus.


    Ich vermute, dass die Synagoge wie auch die angrenzenden Gebäude Backsteinfassaden erhalten werden.


    Alles in allem aber ein Gewinn für die Stadt Hamburg.

    Ein Segen, dass die Vollendung der Einheitsiwippe in weite Ferne rückt. Ein Hirngespinst von irgendwelchen kulturellen Eliten, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Berlin ist, neben der Stadt selbst, voll von Denkmalen und Symbolen der deutschen Wiedervereinigung und Teilung (Brandenburger Tor, East Side Gallery, Bornholmer Straße, Denkmal für die Mauertoten etc. etc.). Daneben gibt es das Denkmal in der neuen Wache, zwar genereller gefasst, aber gerade mit der Geschichte als zentralen Gedenkort der ehem. DDR und nun als Denkmal für alle Opfer von Gewaltherrschaft, ebenfalls ein würdevoller Ort der Erinnerung.


    Dieses Ding hätte höchstens weiter zur touristifizierung der Berliner Innenstadt beigetragen, inwiefern dieses Ding die Erinnerung an die deutsche Teilung und Wiedervereinigung aufrechterhalten hätte sollen war mir schon immer schleierhaft. Jeder Mensch, der die Wiedervereinigung bewusst erlebt hat, dürfte beim Anblick der Wippe eigentlich nur ungläubig mit dem Kopf schütteln.


    Ein sinnvoller Beitrag wäre es gewesen mit dem Geld für dieses Denkmal das keiner braucht, Bildungsangebote für Schulklassen oder die Sanierung von existierenden (!) historischen Orten im Zusammenhang mit der deutschen Teilung zu finanzieren.

    Als stiller Mittleser möchte ich gerne zum Thema neue ZLB auch meinen Senf dazugeben:


    Zuallererst: Generell bin ich selbst ein großer Fan von Bibliotheken als freien Orten der Weiter- und Fortbildung, sowie Inspiration ohne Konsumzwang die allen Menschen unabhängig von Einkommen, sozialem Status und Bildungsgrad, offenstehen.

    Allerdings bin ich auch ein Fan von seriösen Finanzierungsplanungen und einer entsprechenden Prioritätensetzung bei angespannten öffentlichen Haushalten, die im Interesse aller Menschen in Berlin sind. Der Standort im derzeitigen Galeries Lafayette Gebäude mag auf den ersten Blick ansprechend wirken, ich teile auch die Ansicht, dass die ZLB in der südlichen Friedrichstraße das Potential hätte ein ganz anderes Besucherklientel in die Gegend zu locken und somit das gesamte Gebiet attraktiver für die Berlinerinnen und Berliner zu machen (momentan ist dort eher der Tourismus, der Kommerz und der motorisierte Individualverkehr zuhause). Die Architektur des Gebäudes ist spektakulär und sicherlich einer ZLB würdig. Das wars aber leider auch schon.


    Einigermaßen irritiert bin ich von den Stimmen, die den vorgeschlagenen Standort jetzt als das non-plus-ultra darstellen und die Nachteile dabei komplett ausblenden. Zum einen ist da die Kostenfrage. Es kursieren hier Zahlen von um die 600 Millionen Euro, eine gewaltige Summe, die gegenüber einem kompletten Neubau lediglich einen marginalen Vorteil aufweisen würde. Demgegenüber stünde jedoch unter anderem der große Nachteil, und dies wird in der Debatte leider viel zu selten erwähnt, dass das Medien-Magazin auch im Galeries Lafayette Gebäude keinen Platz hätte, was zur Folge hätte, dass die Medien, wie bisher, mit mehreren LKWs mehrmals täglich quer durch die Stadt gekarrt werden müssen. Da kann man sich doch wirklich nur noch an den Kopf fassen. Wenn man schon eine derart enorme Summe für die ZLB investiert, dann müssen diese ganz grundlegenden Anforderungen an einen Bibliotheksbau meiner Meinung nach auf jeden Fall erfüllt werden. Bibliotheken sind mehr als eine schöne Fassade und ein bisschen Bling Bling. Sie müssen auch logistischen Anforderungen genügen. Alles andere ist nicht seriös.


    Dann kommen wir zur Setzung von Prioritäten im Lichte einer extrem angespannten Haushaltslage in Berlin, die sich spätestens in den nächsten Jahren noch mehr zuspitzen wird. Der Sanierungsstau der öffentlichen Gebäude in Berlin ist unvorstellbar hoch. Nur um einige, wenige Bespiele zu nennen: Wir lesen von ständigen Wasserrohrbrüchen in den Gebäuden der technischen Universität, die Gebäude am Virchow-Klinikum sind in einem desolaten Zustand mit einem Sanierungskorridor bisher bis ins Jahr 2050 (!!!), es gibt noch keine Perspektive für das Gebäude des ehem. Tempelhofer Flughafens (ob dies ein geeigneterer Standort für die ZLB wäre, zweifle ich allerdings auch an), sowie des ICCs. Wenn so viel Finanzierungsbedarf bei bereits existierenden Gebäuden besteht, dann finde ich Debatten über komplett neue Projekte, um nicht zu sagen Luftschlösser, total abgehoben und abwegig. Es mag natürlich nicht so sexy sein Geld für die Sanierung der TU Gebäude bereitzustellen, oder unsere Krankenhäuser baulich und klimatechnisch auf Vordermann zu bringen, aber es ist einfach extrem unseriös jetzt so zu tun, als ob wir über eine halbe Milliarde Euro (!!) in die Hand nehmen müssen, um der ZLB ein neues Zuhause zu geben, wenn Studenten gleichzeitig in überfluteten Gebäuden studieren und kranke Menschen in nicht klimatisierten und teils baufälligen Krankenhäusern liegen. Wäre die Situation eine andere, wäre ich vermutlich der erste, der sich für ein spektakuläres neues Gebäude für die ZLB einsetzen würde, aber die Situation ist leider nicht so. Meiner Meinung nach sollte sich die Politik auf den Bestand und die absoluten Basics für eine funktionierende Stadtgesellschaft kümmern und keine Prestigeprojekte für bessere Zeiten vorantreiben. Bei solchen Debatten steigen viele Menschen dann auch einfach aus, was sich dann unter anderem in Umfrageergebnissen wie wir sie momentan sehen niederschlägt.

    Ich sehe das ganz und gar nicht als architektonischen Fehlschlag. Ganz im Gegenteil: Wenn man bedenkt unter welchen engen finanziellen Rahmenbedingungen geplant und gebaut werden musste, denke ich, dass mit der Situation doch sehr kreativ umgegangen wurde (z.B. der rohe Beton im Innenbereich) und im Ergebnis einen, vielleicht auch erst auf den zweiten Blick, sehr ansprechenden Bau hervorgebracht hat. Im Gegensatz zu den ganzen Investorenkisten mit weißen Putzfassaden, zahllosen und überdimensionierten Balkons etc. ist dieser Bau doch recht sympathisch, gerade durch seine teilweise recht schroffe Ausstrahlung, die aber total zu dem Ort passt - Architektur, die sinnvoll Bezug auf ihre Umgebung nimmt. Und dabei stehen die Menschen, die bei diesem Bau involviert waren ("Investoren" und Architekt(en)) nicht nur voll hinter dem Projekt, sondern leben sogar auch drin.
    Alles in Allem: Gelungener Bau! Und sicher sozialverträglicher als irgendein Billighotel mit generischer Architektur, wie man es heutzutage überall in Berlin antrifft.

    Wer ist eigentlich für die Benennung von Straßen in Hamburg zuständig? Die Bezirksversammlung? Oder wird sowas behördenintern entschieden? Es würde sich ja sicherlich auch gut ein Werkstattverfahren mit den Anwohnern anbieten.



    OT:
    Häuser & Midas: Ihr passt mit euren "Genderwahn"-Kommentaren besser an irgendwelche AfD-Stammtische von Frauke Petry und Co. Ich verstehe echt nicht, warum manche Männer immer wieder so dermaßen hysterisch reagieren, wenn Debatten um das Thema Gleichberechtigung auftauchen. Schlimm.

    Das ist immer das selbe Gedöns von diesen Leuten (in diesem Blog ist ein anderes "Bombergrafiti" zu sehen, drittes Bild von oben, solche Bilder gibts zigfach im Netz zu finden, das Bombergrafiti ist fast sowas wie das "tag" der Antifas). Darum ist es halt ziemlich naheliegend anzunehmen, dass das aus diesem Milieu kommt.


    Na dann werde ich mal meinen Beitrag zur politischen Bildung leisten: http://de.wikipedia.org/wiki/Antideutsche

    Lustig wie hier einige mit Begriffen wie "Linksextremisten" um sich werfen. Zeigt mal wieder, dass Architekturinteresse leider nicht automatisch mit politischer Bildung einher geht.
    Ich denke, dass die Kritik die gegenüber dem Garnisonskirchen-Projekt in Potsdam geäußert wurde einige wichtige Fragen aufgeworfen hat. Auch Befürworter müssen einsehen, dass Potsdamer bei diesem Projekt nicht nur an eine hübsche Barockfassade denken, sondern dass Geschichte und Symbolik bei sowas auch eine gewisse Rolle spielt. Es geht halt nicht immer nur um Stadtverschönerung bei solchen Debatten. Aber vielleicht überfordert dies auch einige Leute mit ihrer Vorstellungskraft.. sei's drum. Wurde ja auch nun reichlich diskutiert hier.


    Aber zurück zum Thema: Diese Schmierereien jetzt irgendwie automatisch mit Linken in Verbindung zu bringen ist wirklich ein wenig platt. Ich sag nur: Piraten Partei und "Danke Bomber Harris" in Dresden. Gleiches Gedankengut, anderer Ort. Und wäre mir neu, dass die Piratenpartei neuerdings ne linke Partei ist. Oder gar... "linksextrem" :eek:
    Also. Vielleicht sollte man doch ein wenig vorsichtiger sein, bevor man derartige Aktionen pauschal "Linken" in die Schuhe schiebt.

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    Und so etwas kommt von jemandem, der einen Preußenadler im Profil hat. Die Glaubwürdigkeit ist jetzt leider ein wenig dahin. - Wer Marx und Engels mit den Verbrechen der Sowjetunion und der DDR in Zusammenhang bringt tut den beiden irgendwie unrecht. Aber solche Leute sind genauso unbelehrbar, wie Menschen die den Islam mit Terrorismus gleich setzen.


    Das Marx-Engels Denkmal ist meiner Meinung nach nicht nur aus künstlerischer Sicht erhaltenswert, sondern auch aus historischer. Gerade dieses Ensemble, das die Geschichte der Arbeiterbewegung so eindrucksvoll darstellt bietet sich doch wunderbar an, den (sozialistischen) Anspruch der DDR anhand der tatsächlichen Realität mit Mauer und Überwachungsstaat zu beurteilen.


    Und wenn man alle propagandistischen Zeugnisse der DDR aus dem Stadtbild Berlins ausradieren will, besonders an prominenten Stellen, dann sollte man hier auch über den Fernsehturm und die Karl-Marx Allee diskutieren. Diese zeugen nämlich wesentlich mehr von der brutalen Realität in der DDR als das Marx-Engels Forum. - Ach und von dem Olympiastadion und Detlev-Rohwedder-Haus wollen wir lieber gar nicht erst anfangen.

    Alles in allem sind die Ergebnisse ja gar nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte. Alle Entwürfe machen einen hochwertigen Eindruck. Besonders gefällt mir diese Innenperspektive: http://www.stadtentwicklung.be…_innenraumperspektive.jpg


    Vor allem das Material wirkt großartig und erinnert ein wenig an Granit. Die dunkle Farbe verleiht dem Ort eine angenehme Ruhe und Harmonie; das Einstrahlende Sonnenlicht durch die vertikalen Öffnungen passt wunderbar zu dem verbauten Material und gibt ihm eine besondere Wärme wie ich finde.
    Eine Bibliothek ist nun einmal weder ein Kaufhaus, noch ein Bürohaus und dem entsprechend sollte die Architektur auch ausfallen.


    Den Entwurf, den Necrokatz zitiert hat finde ich allerdings nicht so gelungen - wirkt für mich wie Scharoun II. Von organischer Bibliotheksarchitektur hat Berlin genug - wer drauf steht kann ja zum Original am Kulturforum gehen.


    Ich finde, dass dieser Entwurf..


    http://www.stadtentwicklung.be…bliothek/1040_ansicht.jpg


    .. wesentlich besser mit der Industriearchitektur des nahe gelegenen Flughafengebäudes harmoniert. Architektur muss auch immer im Kontext gesehen werden. Besonders der Schriftzug an dem Gebäude gefällt mir. Die filigranen Strukturen, das leichte Glas und der klar gegliederte Baukörper passt sehr zu dem Ort und zu Berlin. Man möge es ja historisierenden Kitsch nennen - aber ich glaube Menschen die nach Berlin kommen, erwarten so etwas auch ein bisschen. Berlin ist weder London, noch Amsterdam - und das ist auch gut so.

    Also eins Vorweg: Eine Wiederaufstellung des Wilhelm Denkmals vor dem Schlossneubau ist mit ziemlicher Sicherheit auszuschließen. Schon die Pläne des Wiederaufbaus des Schlosses in der Kubatur des Originals hat bereits eine - wie ich finde teilweise auch berechtigte - Debatte über den Symbolgehalt und Bezug zur Preußenmonarchie aufflammen lassen. Da konnte auch die Tatsache, dass das Schloss in Zukunft als Raum für Begegnungen zwischen den Weltkulturen dienen soll, nicht beschwichtigend wirken. Man Stelle sich nur mal vor was los sein würde, wenn nun auch noch das Wilhelmsdenkmal wiederrichtet würde. Wäre ja wie eine Bestätigung für die Kritiker.
    - Aus ästhetischer Sicht aber trotzdem zu betrauern.
    Aber wenn man sich die Reaktionen auf die Einheitswippe anschaut, halte ich es nicht gerade für unwahrscheinlich, dass dort noch eine Umplanung (und Umdenken) stattfinden wird. Ich würde es begrüßen, wenn zumindest die Kolonnaden vom Denkmal wieder erstehen - eventuell auch in abstrahierter Form.


    Dem Neptunbrunnen wurde doch auch bereits eine Absage erteilt soweit ich mich erinnern kann, oder? Ich kann jetzt nicht wirklich einschätzen, wie die Chancen aussehen, dass dieser an seinen originalen Standort zurückkehren wird, aber ich würde das per se auch nicht befürworten wollen.
    Auf der einen Seite macht es Sinn, vor allem wenn man den Rekonstruktionsgedanken konsequent fortführt.
    Andererseits erzeugt seine derzeitige, sehr exponierte Lage vis-à-vis vom Fernsehturm einen wunderbaren Kontrast zwischen preußischem Historismus und sozialistischer Nachkriegsmoderne - das ist es was Berlin so einzigartig macht.
    Die Idee, die Rossebändiger wieder zurück zu holen finde ich toll und hoffe, dass sich das auch irgendwie durchsetzt - ich denke da ist es eher eine Kostenfrage. Muss man halt abwarten, ob der Spendenverein dafür noch Geld zusammen bekommt.


    Alles in Allem muss ich aber sagen, dass ich die Entscheidung für den Schlossneubau für absolut richtig halte. Argumente von wegen, dass man keinen Geschichtsrevisionismus betreiben solle, halte ich in diesem Zusammenhang für völlig unangebracht. Die Zerstörungen durch den Krieg und der folgende modernistische Wiederaufbau Berlins hat nichts mit „natürlichem" Städtebau zu tun. Gezielte Rekonstruktionen vor diesem Hintergrund sind eine Ausnahme und zu befürworten - unter normalen Umständen wären solche Bauwerke niemals verschwunden. Den direkten Nachkriegszustand halte ich für wesentlich ahistorischer.

    Also zuerst mal was Allgemeines: Dieses Forum ist ein klasse Ort, um sich über Architektur und Städtebau mit interessierten und fachlich versierten Leuten auszutauschen. Wenn es jedoch um Politik geht, dann ist das hier, soweit ich das mitbekommen habe, der denkbar schlechteste Ort. Außerdem war das, was ich bezüglich des „Kapitalismus" geschrieben habe eher objektiver als subjektiver Natur. Eine politische Meinung kam da glaube ich nicht zum Ausdruck. Es geht hier um Städtebau und Architektur und daran werde ich mich auch halten.


    Das was ich kritisiert habe war, dass es eine Tendenz in den vormals hochhauslosen* Städten in (Ost) Europa gibt, vor allem die Stadtmitten nun mit eben jenen zu bebauen. Ich verstehe da auch ehrlich gesagt nicht, warum das Beispiel „Moskau" hier unangebracht wäre. Das war nicht als „Beweis" für irgendwas gedacht, sondern einfach nur als Beispiel für post-ostblock Stadtentwicklung.


    Und nein, dass der Alex wieder so aussehen muss, wie vor 80 Jahren halte ich auch für Unsinn. Aber wo bitte habe ich das denn geschrieben? Ich habe auch nicht beklagt, dass der Alex den „Geist der 1920er vermissen lässt".
    Was ich eigentlich beklage ist, dass der Alex nach dem Krieg eine gewisse Form bekommen hat, die ich für erhaltenswert erachte und das nicht aus politischen, sondern aus kulturell- städtebaulichen Gründen.
    Ist das keine Meinung, die man vertreten kann? - Ich finde schon.


    PS: „Gutes Aussehen" ist aber eher Ansichtssache und kann nicht wirklich als Argument für Städtebau gelten ;')


    *„hochhauslos" nach westlichem Vorbild

    Konstantin: Für diesen Teil meines Kommentars würde ich mich tatsächlich nicht verbürgen; ist aber für den Rest meines Beitrages auch völlig irrelevant. - Der kohlenschleppende Alltag der DDR Bevölkerung ist mir aber ehrlich gesagt neu. Sei's drum.


    necrokatz: Ach, irgendwie haben so gewisse „realsozialistische Miefgebiete" durchaus ihren Charme. Berlin lebt immerhin von ihrer Geschichte und solche Bauensembles machen Geschichte erfahrbar und darauf kommt es an. Soll nicht heißen, dass man Berlin in ein einziges Freilichtmuseum verwandeln sollte (wie es gerade jetzt teilweise zu beobachten ist).

    Gerade das Ensemble Fernsehturm/Alexanderplatz stellt ein herausragendes Beispiel des sog. „sozialistischen" Städtebaus dar und ist in dieser Form recht einzigartig in Berlin.
    Dass dennoch ein de facto Totalumbau des Alexanderplatzes angestrebt wird hat m.E. zwei wesentliche Grüne. Zum einen ist es der Zeitgeist der sich geändert hat und auch die politische Situation. Berlin ist jetzt jung, aufstrebend und sexy. Da passt das DDR-grau einfach nicht mehr hinein. Man kann in vielen Großstädten des ehem. Ostblocks die Tendenz beobachten, die Innenstädte mit Glasgiganten westlichem Vorbilds zu bebauen. Moskau ist ein gutes Beispiel. Dies geschieht offensichtlich nicht aus einem ästhetischen Anspruch heraus, sondern aus einem ideologischen. Der Kapitalismus und die mit ihm assoziierte westliche Kultur ist nicht mehr Feindbild, sondern Maßstab eines modernen Landes geworden. Dass jedoch diese Bauweise für gewachsene, europäische Städte nicht nur „unnatürlich", sondern auch zerstörerisch ist, ist für mich beispielsweise in Frankfurt a.M. und London sehr gut zu erkennen. Diese Städte haben ihren, nennen wir es „ursprünglichen", Charakter verloren. Und das innerhalb einer kurzen Zeitspanne. Eine fast ähnliche städtebauliche Zäsur gab es zuletzt im Zeitalter der Industrialisierung.
    Der zweite Grund ist wohl die durchaus exponierte Lage. Es gibt genug Beispiele in Berlin, dass DDR Architektur in einem bestimmten „kritischen" Kontext bewahrt werden kann; dies ist aber nicht in derart prestigeträchtigen Lagen in solchen Dimensionen der Fall.
    Ich halte es für unrealistisch, dass viel von der heutigen Architektur in der Umgebung des Alexanderplatzes in Zukunft erhalten bleibt (sofern es Leute geben wird, die dort auch investieren wollen). Ein Beispiel ist die Wohnbebauung links und rechts des Fernsehturms. Diese Wohnungen werden zur Zeit noch von einer recht durchschnittlichen sozialen Schicht bewohnt, wie es auch zu DDR Zeiten der Fall war. Doch auch hier wird der neue Zeitgeist keinen Halt machen. Zu viel Potential steckt dort drin, zu viel Geld kann damit gemacht werden. Und so wird auch dort ganz sicher versucht noch das letzte Körnchen Kapital herauszuquetschen, bis die Grenzen erreicht sind und ein neuerer, luxuriöser, dem Zeitgeist entsprechender Bau errichtet wird.