Berliner Messe und ICC

  • … Dank an jan85 für den differenzierten Beitrag.

    Ich denke erstmal ist es sehr bebrüßenswert, dass diese Stadt und alle die hier Verantwortung tragen sowie alle die hier Interessiert sind Berlin nach vorn zu bringen, ein wenig visionär zu denken und zu gestalten, endlich in die Hufe kommen.

    Man sollte jetzt allerdings nicht gleich wieder in die alten Bedenkentägerschemata zurückfallen und jegliche Diskussion um Hochhäuser in diesem für die Gesamtstadt so wichtigen Bereich, mit dem Argument der Beeinträchtigung der Wirkung des Funkturms, zunichte machen.
    Ähnlich wie am Alex, wo wir diesbezüglich gerade durch die positive Wirkung der Hochhäuser auch im Hinblick auf die jahrelang gebetsmühlenartig vorgetragene und blockierende Furcht vor einer Beeinträchtigung des Fernsehturms, eines besseren belehrt werden, wird es am Ende auch hier am Westkreuz eher wie ein Befreiungsschlag wirken. Und nicht wie eine Beeinträchtigung der Wirkung des Funkturms.

    Ich begrüße wirklich alles was es Berlin ermöglicht die piefige Käseglocke unter der es die letzten Jahre zu ersticken drohte, ein paar wenige Meter anzuheben und einen Durchzug zu ermöglichen.

    Dem nötigten Esprit, der Zuversicht und dem Mut, für die geplanten internationalen Großveranstaltungen der kommenden 30er Jahre (IBA/ Weltausstellung/ Olympiade), kann es nur guttun.

  • Zunächst mal ist das ein Hoffnungsschimmer für den Erhalt des ICC, was zu begrüßen ist. Ob und wie weit das letztlich realisiert wird, muss man abwarten. Ich bin da auch sehr skeptisch. Die Nutzung durch Kunst/Kultur halte auch ich für gewagt, auch wenn ich das gut fände. Aber nun werden erstmal zwei Jahre lang u. a. ein Nutzungs- und Betriebskonzept sowie Baurecht, Finanzierung, Denkmalschutzfragen bearbeitet. was noch sehr viele Hürden mit sich bringen dürfte. Und in zwei Jahren haben wir vrsl. eine andere Regierung in Berlin...

    Somit sind auch die Visus wohl eher als Konzeptstudien und/oder Mockups zu verstehen. Aber wenn man diese trotzdem bewerten mag, sehe auch ich das Hochhaus im Süden des ICC positiv, da es die Optik des ikonischen ICC modern aufnimmt. Bei dem 100 m Hochhaus im Norden bin ich erstmal leidenschaftslos, solange es sich nicht konkretisiert. Die Kritik von jan85 teile ich so nicht, der Funkturm ist weit weg und das ICC viel niedriger, da dürften 100 m Höhe kein Problem sein. Viel näher liegt das mäßig aufregende IBIS Hotelhochhaus und im Vergleich dazu ist auch der jetzige Visu schicker. Dennoch wäre ein einigermaßen spektakuläres Hochhaus natürlich wünschenswert.

    Zur Innengestaltung: Auch ich würde mir einen größtmöglichen Erhalt der Originalarchitektur wünschen, aber wenn das überhaut was werden soll, muss man wohl (große) Kompromisse machen und Kröten schlucken. Immerhin ist es erfreulich, dass das innere teilweise öffentlich zugänglich werden soll.

    Aber wie gesagt, ich fürchte, in spätestens zwei Jahren kommt die Ernüchterung.

  • Backstein Mich stört gar nicht mal die Höhe, sondern die Gestaltung. Wenn man schon mal in einem Guss plant, warum dann einen Entwurf der identisch bzw. viel besser zum Trend am Alex gepasst hätte. Vermutlich ist das ohnehin mehr ein Platzhalter, nur gerade dann hätte man sich mE mal etwas trauen können. Man hat leider zu oft das Gefühl, dass die Verantwortlichen wie Gestalter recht wenig Bezug zum Konzept eines Genius loci haben oder aber dass Mut und/oder Mittel für einen ganz großen Wurf fehlt. Und klar: Wenn es so wie dargestellt kommt, bin ich sicher trotzdem noch zufrieden.

  • Exklusivitätsvereinbarung vom Land Berlin mit der Projektpartnerschaft Quartier ICC

    Das Land Berlin und die Projektpartnerschaft Quartier ICC haben am 02. September eine Exklusivitätsvereinbarung
    unterzeichnet.
    Die Projektpartnerschaft erhält damit bis zum 30. Juni 2027 Exklusivität für das ICC (mit Parkhaus) und dem
    Messedamm 9.
    Ziel ist ein Erbbaurechtsvertrag, dem dann das Abgeordnetenhaus zustimmen muss.
    Die Erbbaurechtsvergabe hat dann eine Laufzeit von 99 Jahren.
    Das Ganze ist die rechtliche Grundlage für den Abschluss des Vergabeverfahrens und wird
    etwa 2 Jahre dauern, danach könnte mit dem Bau/Umbau begonnen werden.

    Die Pressemitteilung vom 02.09.2026:
    https://www.berlin.de/sen/web/presse…ung.1709627.php

    Bei der 113. Baukollegiumssitzung gab es einen Sachstandbericht zum Projekt.

    Hier nochmal die Gesamtansicht:

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    Im Querschnitt:

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    Komplementär zur Messe soll es im ICC eine kulturelle Nutzung geben.
    Aus dem ICC könnte eine ICCA Berlin werden.
    Ein International Center for Contemporary Arts Berlin.

    https://www.icca-berlin.com/

    Im Saal 1 könnten sowohl die Philharmoniker spielen:

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    als auch Popkonzerte stattfinden:

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    Der Saal 2 soll komplett entkernt und mit Tageslicht versehen werden.
    In dem 20 Meter hohen Saal könnten universitäre Einrichtungen:

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    oder museale Nutzungen entstehen:

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    Noch zu den neuen Hochpunkten M9 und M11 (M steht für Messedamm).

    Statt dem Parkhaus soll es im Süden zwei Hochhausscheiben geben:

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    Damit soll auch der südliche Teil urbaner werden.
    Das ICC wird vom Süden erschlossen und es gibt neue Zu- und Übergänge.

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    Beim Hochpunkt M9 wird auf die metallische Hülle des ICC Bezug genommen:

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    Mit dem Hochhaus M9 soll das Messegelände auch aus der Stadt sichtbarer werden.
    Der Blick Neue Kantstraße auf das Hochhaus:

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    Das Hochhaus bekommt oben eine öffentliche Dachterrasse.

    Bilder © ICC Berlin | GRAFT GmbH | Max Dudler GmbH

    Kongresszentrum dock9

    Bei der Baukollegiumssitzung gab auch einen kurzen Sachstandsbericht zum
    Ersatzneubau der Mehrzweckhalle 9 auf dem Messegelände:

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    Der dreiteilige Baukörper bekommt eine vertikal gegliederte Fassade.

    Das offene Foyer:

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    Das Treppenhaus mit Tageslicht:

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    Die Messehalle:

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    Blick vom japanischen Garten:

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    Blick vom Messedamm:

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    Der Bau soll bereits in 2 Jahren fertig sein.

    Bilder © gmp

  • .^ .. danke Merlin , ist ja fast wie Weihnachten die letzten Tage.

    ... kurz und bündig: Das Beste was dem ICC passieren konnte für mein Empfinden. Das genaue Aussehen der beiden Hochpunkte wird sicherlich noch barbeitet aber alles geht in die richtige Richtung. Besonders gefällt mir die Veränderung im Inneren. Ein schöner neuer Konzertsaal mit guter Kapazität multiple bespiielbar. Auch gut das Angebot an Bildungsträger.

  • ^ Die Alex-Debatte aufgreifend: Der Hochpunkt an der Nordseite würde tatsächlich ohne Sockel funktionieren, gerne auch mit extravaganter Kubatur und Park drumrum. Da wünschte ich mir mehr. Den Hochpunkt, der das Parkhaus ersetzt, gefällt mir dagegen ausgezeichnet.

  • Der Ersatzbau für das Parkhaus geht desginmäßig in die richtige Richtung ist aber noch nicht spektakulär genug.

    Man muss sich vor Augen halten, dass dieser Bau von über 10 Millionen AVUS-Autofahrern jedes Jahr gesehen wird. Darunter viele Besucher und Touristen aus ganz Westeuropa.

    Das Ding ist neben dem Funkturm quasi eine Visitenkarte und Willkommensschild der Weltstadt. Wenn hier tatsächlich sogar eine Art Kulturzentrum entstehen soll muss man die Kreativität des Innenraums auch äußerlich erleben können.

    Ich plädiere neben der ICC-ähnlichen silbernen Hülle für mehr Lichtkunst, vielleicht sogar Medientechnik am Bau um Besucher zu informieren und zu begeistern. Höher sollte das Ganze auch sein. Der Anbau sollte ein echtes Ausrufezeichen des 21. Jahrhunderts werden.

    2 Mal editiert, zuletzt von Arty Deco (5. September 2026 um 10:15)

  • Letztens bei der Diskussion um das Hochhaus am Breitscheidtplatz, dachte ich, wenn überhaupt, würde ein Gebäude mit einer Höhe von rund 200 Meter, in den Bereich Messe / ICC / Westkreuz passen.

    Hier fände ich das auch richtig gut.

  • Ich vermutete, dass die letzten Beiträge ironisch zu lesen wären, befürchte aber, diese sind völlig ernst gemeint...

    Der Reflex, baukulturelle Relevanz primär über Gebäudehöhe und Medienfassaden definieren zu wollen, greift am Westkreuz denkbar kurz.

    Der Funkturm (147 m) und das ICC beziehen ihre architektonische Kraft aus ihrer solitären Eigenständigkeit. Heinrich Straumers filigrane Stahlgitterkonstruktion lebt davon, dass der Himmel hindurchscheint und sie frei am Horizont steht. Am Alexanderplatz erleben wir bereits, wie rücksichtslose Hochhauskanten den Fernsehturm visuell bedrängen und seine Landmarken-Wirkung empfindlich schwächen. Am Funkturm denselben Fehler zu wiederholen und ihm einen massiven 100- oder gar 200-Meter-Riegel vor die Nase zu setzen, würde die fragile Silhouette schlicht erdrücken und das Baudenkmal zum Anhängsel degradieren.

    Hinzu kommt die bautechnische und ökonomische Realität: Ein 200-Meter-Solitär an dieser windoffenen Schneise erfordert aufgrund extremer Windlasten und Fallwinde aerodynamisch hochkomplexe Sonderfassaden, Windkanal-Optimierungen und teure Schwingungstilger. Wer soll das finanzieren? In Zeiten explodierender Baupreise und Zinsen treibt genau diese konstruktive Aufrüstung die Quadratmeterkosten in astronomische Höhen. Berlin und andere Metropolen sind nach den jüngsten Entwickler-Insolvenzen bereits reich an stillstehenden Hochhausruinen und spekulativen Milliardenlöchern, für die sich niemand mehr findet. Ausgerechnet an diesem Standort die nächste gigantomanische Investorenfalle heraufzubeschwören, zeugt von bemerkenswerter Realitätsverweigerung.

    Und ausgerechnet an einem der am stärksten belasteten und unfallanfälligsten Autobahnknoten der Republik – dem Dreieck Funkturm – nach flimmernder Medientechnik und Lichtkunst für zehn Millionen Autofahrer zu rufen, blendet zudem jede verkehrsplanerische Vernunft aus. Optische Reizüberflutung und Blendwirkungen auf hochfrequentierten Einfädelspuren sind kein Ausweis von Weltstadtflair, sondern ein handfestes Sicherheitsrisiko – es sei denn, man plant den Stadtring künftig ohnehin auf Tempo 30 oder Dauer-Fahrradsonntage um.

    Die städtebauliche Aufgabe besteht hier nicht im Generieren von spekulativer Kulissenarchitektur für die Avus, sondern in der resilienten, maßstäblichen Einbindung der Sockelzonen und einem respektvollen Umgang mit den Ikonen der Berliner Baugeschichte.

  • Um nach der Kritik nach vorn zu denken: Der Hebel liegt nicht im Höhenwettlauf, sondern in der Reparatur der Stadtebene – weshalb der Entwurf von GRAFT und Dudler städtebaulich im Kern genau die richtige Richtung einschlägt.

    Wenn man die beiden Scheiben am Messedamm bei etwa 60 bis 70 Metern deckelt, fangen sie das ICC nach Süden ab, ordnen sich Straumers Funkturm aber unter. Dessen Qualität als Torsituation lebt von der freien Silhouette vor dem Nachthimmel – eine massive Glaswand oder flimmernde Medientechnik würde diese ruhige Lichtikone schlicht erschlagen. Die metallische Hülle des Siegerentwurfs bietet da die weit bessere Chance, die Schüler-Witte-Sprache zeitlos weiterzuentwickeln.

    Die eigentliche Arbeit liegt am Boden: Fußgänger und Radfahrer gehören endlich raus aus den düsteren Unterführungen an der Masurenallee und auf eine direkte, oberirdische Querung über den Messedamm. Schafft man dazu eine schwellenlose, wetterfeste Achse vom S-Bahnhof Messe Nord und dem ZOB zum ICC und öffnet die Sockel für die neuen Kultur- und Publikumsflächen, bindet man das Areal endlich an den Stadtraum an. Dazu gehörte im Süden übrigens auch, die unter Denkmalschutz stehende AVUS-Rennfahrerplastik von Max Esser endlich aus ihrem verlorenen Zwickel zwischen Abbiegespuren zu befreien und als Reminiszenz an die Rennsportgeschichte in eine erlebbare Platz- und Vorzone zu integrieren.

    Das Westkreuz braucht keine Kulisse für die Windschutzscheibe, sondern funktionierende Verbindungen für die Menschen vor Ort.

  • Kleine Erinnerung: Die AVUS- Raststätte am Autobahn Kreuz präsentiert seit mehreren Jahrzehnten Werbung unweit vom ICC entfernt. Es gibt also bereits einen traditionellen "Medientechnik"-Ort, der dort die Aufmerksamkeit der Millionen Autofahrer nutzt.

    Das ICC ist heute äußerlich angelegt wie eine Kongressmaschine. Wenn man die Nutzung in Richtung Kultur verändern will, braucht es auch eine kulturaffine, ausstrahlungsstarke Hülle. Die heutige Uber Arena, IN BERLIN, hat in puncto LED Technik in der Fassade bereits Maßstäbe gesetzt. Dahinter sollte das neue ICC nicht zurückfallen.