Potsdam: Wiederherstellung historische Innenstadt (Projekte)

  • In Frankfurt (Main) wird ein ganzes Haus mit tragender Steinfassade geplant.

    Ist das ein vom Bauherren beauftragter Prüfstatiker? Dem würde ich den Auftrag entziehen, schon aus Prinzip. Das ist ja schon fast ein Fall für eine Satiresendung oder Glosse.

  • ^ ... Danke Backstein. Auch wenn es nicht Strukturputz ist, ist bei den Kanten der Rundung etwas sehr schief gegangen. Das sieht einfach furchtbar aus. Das hätte man vor 200 Jahren so nicht durchgehen lassen. Ich weiss, Du hast wahrscheinlich nur drauf gewartet, dass es einem Foristen in's Auge sticht. Nun, dieser bin dann ich. Ich kann unsauberes Arbeiten nicht ausstehen. Dem Gebäude und der Ecke hätte es besser zu Gesicht gestanden wenn man die Fassade rekonstruiert hätte. Dann wäre so ein Pfusch wahrscheinlich auch nicht so offensichtlich.

  • Kandinski Ausstellung war Anlass endlich mal das fantastische Barberini zu besuchen und nebenbei die Fortschritte zu begutachten.

    Beim meinem letzten Besuch stand die vernachlässigte aber - verglichen mit Staudenhof oder Mercure - erhaltenswerte Fachhochschule noch, die hat ja nun bekanntermassen einem Häuserblock unterschiedlichster Bauten weichen müssen.

    Eigentlich schon lange fertig, sind aber immer noch kleinere Restarbeiten an den Strassen im Gange. Die Bilder zeigen jetzt nicht unbedingt was Neues, aber sehenswert ist es allemal.

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    Die Mischung ist ganz gut geworden, von historisch bis modern ist alles vertreten.


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    Besonders gelungen wie ich finde

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    Und hier die der ganze Block von der Garnisonskirche aus betrachtet.

    Diese Graffitis sind schon eine Pest.

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    Und der Innenhof vom Barberini mit der wirklich genialen Skulptur Jahrhundertschritt von Wolfgang Mattheuer, der gerade in aufgeheizten Zeiten wie diese mit Nazigruss und kommunistischer Faust für jeden was zu bieten hat.

    Ich fände mehr Infos die dem unbedarften Besucher ein wenig Zusammenhang bieten, nicht schlecht. Sich allein auf Intuition des Betrachters zu verlassen, ist für mich einfach zu dürftig. Nicht jeder ist ein Streber und guckt dann in Wikipedia nach.

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    Und bevor es mit der Sbahn wieder zurück nach Berlin geht noch ein letzter romantischer Blick auf die wunderschöne Insel der Freundschaft.

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  • Neubau eines katholischen Gemeindezentrums

    Lückenschluss in der Gutenbergstraße (Holländisches Viertel)

    Die katholische Pfarrei Allerheiligen baut in der Gutenbergstraße ein Pfarrei- und Gemeindehaus.

    Damit wird die Lücke in der Gutenbergstraße 81, nahe dem Bassinplatz, geschlossen.

    Lage (Google Earth, aus urheberrechtlichen Gründen geurlt):

    https://i.postimg.cc/XvktZhyC/Gutenbergstra-e1.jpg

    Der erste barocke Typenbau in Holzbauweise wird ein holländisches Haus nach

    historischem Vorbild, mit rotem Klinker, Sprossenfenstern und Dachgaube.

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    © van geisten.marfels architekten

    Zusätzlich wird ein Seitenflügel und ein Quergebäude gebaut:

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    © van geisten.marfels architekten

    Die Baukosten liegen bei 7,2 Millionen Euro.

    Die Baugenehmigung wird diesen Juni erwartet, der Rohbau soll

    bis Frühjahr 2026 stehen.

    Die Eröffnung des Hauses ist für Anfang 2028 geplant.

    Das katholische Haus - van Geisten Marfels Architekten

    https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landes…e-13792378.html (hinter Paywall)

  • Spektakuläres Beispiel für gelungene Stadtreparatur - der in historisierendem Stil gebaute und in Sandstein verkleidete Neubau Fried­rich-Ebert-Str. 115 / Yorckstraße 1 (ehem. Alte Post):

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    ©555Farang maps

  • Block lll

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    Just for fun und zur Belustigung der Massen hier noch ein paar Bilder des größtenteils fertigen Quartiers. 😎

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    Blast from the past - hightech Büros im Retro-Barock-Gewand:

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    Mit den Dachgauben, der Fassadengliederung und den verbauten Natursteinelementen ist der Neubau Alter Markt 4 von CG Vogel Architekten besonders gut gelungen, wie ich finde:

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    Leitfassade und eine angemessene Höhe im aus allen Nähten platzenden Potsdam an der Ecke Alter Markt 5 / Erika-Wolf-Straße 1-2:

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    Kein erkennbarer Fortschritt beim Rohbau Erika- Wolf Straße 3, bei dem sich der Bauherr vermutlich finanziell verhoben hat:

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    Zum Schluss noch ein schicker Panoramablick - wir werden aber vermutlich niemals erfahren, warum die Stadt die Grünfläche zwischen dem ehemaligen Plögerschen Gasthof und dem Landtag verkommen lässt, nachdem es in der guten alten Zeit hier mal so aussah.

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    ©555Farang

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Spektakuläres Beispiel für gelungene Stadtreparatur - der in historisierendem Stil gebaute und in Sandstein verkleidete Neubau Fried­rich-Ebert-Str. 115 / Yorckstraße 1 (ehem. Alte Post)

    Das sehe ich ganz anders: es ist ein Beispiel, dass Rekonstruktionen nicht am Geld, sondern am Willen scheitern. Die originale in Putz ausgeführte Fassade oder zumindest eine vereinfachte Version (Entwürfe lagen vor und wurden von der Stadtverordnetenversammlung als Vorgabe beschlossen) wäre vielleicht sogar günstiger gewesen, als die teure Stein-Orgie, die dort jetzt steht.

    Bilder: https://www.stadtbild-deutschland.org/forum/index.ph…4255#post324255

    Ich finde das Bauwerk ziemlich hässlich, wenngleich etwas Neo-Modernes noch hässlicher gewesen wäre. Solche Entwürfe gab es ja auch.

  • ^ In diesem Fall bin ich ziemlich zwiegespalten.

    Normalerweise bin ich ja immer für Rekonstruktionen. Aber in diesem Fall muss ich sagen, dass die Neuinterpretation ziemlich gut geworden ist. Vor allem die Fenster, die über zwei Geschosse (zweites und drittes Geschoss) laufen, geben dem Gebäude eine gewisse Struktur. Auch der farbliche Gegensatz zwischen dunklem Fensterglas und hellem Sandstein kommt irgendwie gut rüber. Insgesamt wirkt die Architektur edel und elegant.

    Es ist nachvollziehbar, dass du das Bauwerk als "ziemlich hässlich" bezeichnest. Denn die Fassade geht schon ein bisschen in Richtung "neureich". Das ist ein ganz schmaler Grat zwischen "edel & elegant" auf der einen Seite und "neureich & geschmacklos" auf der anderen Seite. Ich kann nicht erklären, warum es so ist. Aber ich finde, dass das Gebäude gerade noch die Kurve bekommt, so dass es eben nicht neureich, sondern vielmehr elegant erscheint.


    NEU - Bilder aus Berlin:

    Spaziergänge durch Berlin im Juli/August 2025 - Museumsinsel

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Das sehe ich ganz anders […] Ich finde das Bauwerk ziemlich hässlich, wenngleich etwas Neo-Modernes noch hässlicher gewesen wäre. […]

    So unterschiedlich sind die Geschmäcker, eh? Ich liebe dieses Gebäude und finde die Proportionen, Höhe (warum sollte die benachbarte, zweigeschossige Bebauung im boomenden Potsdam das Maß der Dinge sein?) und den verbauten Sandstein sehr schön, weil zeitlos elegant, besser noch als das Originalgebäude. Ich wünschte wir könnten über die meisten Neubauten in unseren Städten (ich sage nur Flachdach und weiße Dämmfassaden) auf einem so hohen Niveau argumentieren.

  • 555Farang Um die Höhe und Geschosse geht es doch gar nicht. Für fünf Geschosse lag, wie geschrieben, ein eng am Original orientierter Entwurf vor.

    Der streng rechtwinklige Pathos der ausgeführten Fassade ohne abwechslungsreiche und heitere Details passt weder zu den barocken Figuren, noch zur freundlichen, italienisch inspirierten Umgebungsbebauung. Eher erinnert mich dieser Stil an die Neue Reichskanzlei.

    Die massenhafte Verwendung von Steinplatten verschärft diesen Eindruck für mich noch. Hätte man wenigstens, wie z. B. beim Plögerschen Gasthof, Stein- und Putzflächen kombiniert, wäre vielleicht ein etwas rhythmischeres Bild entstanden. Dass der Entwurf grobmotorisch daherkommt, hätte sich dadurch natürlich auch nicht geändert.

    99% aller Bauvorhaben in Deutschland sind dennoch weit langweiliger und unambitionierter, das ist schon klar. Aber in der Potsdamer Innenstadt lege ich höchste Maßstäbe an und wenn die verfehlt werden, obwohl eine bessere Architektur sogar günstiger gewesen wäre, ärgert mich das schon sehr.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    […] passt weder zu den barocken Figuren, noch zur freundlichen, italienisch inspirierten Umgebungsbebauung. […]

    Hmm, guter Punkt, das ist sicherlich einer der Gründe, warum mir das Gebäude so gut gefällt - weil es nämlich anders ist als die homogene und - darf ich es sagen - etwas monotone historische Bebauung in den umliegenden Straßen. Sehr hübsch alles, aber im Endeffekt sehen alle Häuser gleich aus weil alle im gleichen Stil erbaut. All a matter of taste of course, aber ich persönlich begrüße die Abwechslung, und dann noch durch einen hochwertigen Neubau. What’s not to like?

  • Das Schöne an früheren Epochen war ja, dass es auch innerhalb eines Stils und innerhalb einer Fassade und sogar innerhalb von Fassadenabschnitten eine solche Bandbreite an Kreativität und Vielfalt gab, dass Langeweile eigentlich nicht aufkommen kann.

    Aber davon abgesehen zeigt ja allein schon diese Seite in diesem Strang, wie vielfältig der Kern der Potsdamer Innenstadt ist. Dass dort alle Häuser gleich aussähen, kann man doch als Architekturinteressierter nicht ernsthaft behaupten.

    Bevorzugt man die ganz großen Brüche, sind allerdings wohl andere Städte besser geeignet. Und ich würde dafür plädieren, dass andere Städte geeigneter bleiben und begrüße Potsdams Weg, die große Blütezeit des 18. Jahrhunderts wiederaufleben zu lassen. Möglichst konsequent, was bei der Alten Post leider nicht gelungen ist.

    Eine der stilistisch vielfältigsten Städte in Deutschland dürfte Halle (Saale) sein, wo dank ausgebliebener Kriegszerstörung von der Romanik bis zu aktuellsten Entwürfen die ganze Bandbreite der Architektur in sehr hoher Qualität und in kompaktester Weise zu sehen ist. Aber scheinbar hat sich dadurch auch kein "Markenkern" herausbilden können wie beim "Barocken Dresden", dem "Barocken Potsdam", "Mainhatten" oder der "Römerstadt Trier". Halle tut sich jedenfalls schwer mit seiner touristischen Vermarktung.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der streng rechtwinklige Pathos der ausgeführten Fassade ohne abwechslungsreiche und heitere Details passt weder zu den barocken Figuren, noch zur freundlichen, italienisch inspirierten Umgebungsbebauung. Eher erinnert mich dieser Stil an die Neue Reichskanzlei.

    Die Bezugnahme auf den Stil der Neuen Reichskanzlei finde ich sehr weit hergeholt. Diesen Vergleich halte ich objektiv für falsch, weil der NS-Stil in Stilistik und Formensprache einfach komplett anders ist.

    Die Neuinterpretation der Alten Post in Potsdam erinnert mich vielmehr an die Burgplatz-Passage in Leipzig (https://de.wikipedia.org/wiki/Burgplatz-Passage). Die Leipziger Burgplatz-Passage ähnelt dem betrachteten Potsdamer Neubau so stark, dass man fast glauben könnte, beide Projekte würden vom gleichen Architekten stammen. Dies ist jedoch nicht der Fall.

  • Die Bilder in diesem Thread zur überzeugenden Wiederherstellung der Potsdamer Innenstadt zeigen einmal mehr, dass es hervorragend funktioniert, wenn man Rekonstruktionen von historischen Gebäuden als Ankerpunkte definiert (Stichwort: Leitbauten) und diese dann mit zeitgenössischer Architektur in ähnlichen baulichen Maßen ergänzt.


    NEU - Bilder aus Berlin:

    Ausblick vom Stadtschloss / Humboldt-Forum