Spree 2011 - saubere Spree und neue Flächen

  • Ich finde auch das dies eine nette Idee ist, natürlich sollte vorher wirklich geklärt werden ob das Wasser auch effektiv geklährt ist (hehe Wortspiel), wenn dort Badende ins Nass steigen. Aber genau dafür soll ja das Geld in die Hand genommen werden, damit allen Spekulationen handfeste Fakten gegenüber gestellt werden können.
    Es ist doch eine klasse Idee das dort ein öffentlicher Raum enstehen könnte der neben der E-Kultur eine leichte und beschwingte U-Kultur (natürlich mit Auflagen ) gegenüberstehen würde. Was zu den Brüchen der Stadt einfach passt.

    Zu Treverer^^ der ja Ängste um die, wirklich erhaltenswerte, Abwasseröffnung von Schinkel hegt, muss man entgegensetzten, dass es noch nicht beschlossen ist eine Steinerne Treppenöffnung zur Spree hin zu installieren.
    Wir wissen ja alle wie sehr man solchen Renderings glauben darf, ich könnte mir vorstellen das man wohl eher eine Holzinstallation mit Steeg und Treppen errichten würde. Diese könnte man auch jederzeit wieder abbauen, somit wäre diese auch eher ein Temporärer Zustand.
    Viel wichtiger wird es sein das Wasser zu reinigen.
    Wahrscheinlich wird genau dieses Problem das Projekt eh zum Scheitern bringen.

    Einmal editiert, zuletzt von notration (21. November 2014 um 19:41)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    1. Die Spree in Berlin ist völlig überlastet mit Freizeit-Schiffsverkehr. Deshalb ist zwischen Kongresshalle und Oberbaumbrücke z. B. schon das Paddeln und Rudern wasserpolizeilich verboten worden. Entlastung brächte eine Sanierung der Schleuse am Auswärtigen Amt, damit man den Kupfergraben wieder für die Schiffahrt benutzen könnte. Ein Trockenlegen des Spreekanals ist wirklich Quatsch.


    Die Spree ist überlastet, das ist wohl wahr. Aber das man den Spreekanal (der Kupfergraben auf den sich Konstantin bezieht ist lediglich der nördliche Teil des Spreekanals) für eine Entlastung der Spree-Oder-Wasserstrasse braucht, halte ich für ein fragwürdiges Argument gegen das Flussbad, weil es meiner Meinung nach durch eine Wiedergangbarmachung des Spreekanals keine spürbare Entlastung für den Schiffsverkehr geben würde. Die Engstellen sind neben der Schleuse vor allem die Moltebrücke und die Weidendammer Brücke vor denen man sich offiziell über Funk anmelden muss. Und dort staut es sich auch. Dass es dieses Jahr zu Verzögerungen beim Schleusen kam lag daran, dass im Frühjahr ein Schuber gegen das rechte Schleusentor fuhr und daher die rechte Kammer bis zu dessen Austausch über ein halbes Jahr später nicht genutzt werden konnte. Wenn beide Schleusen arbeiten wartet man da nicht lange. Auch würde es trotz Gangbarmachung des Spreekanals für den Schiffsverkehr bei einer Sperrung der Spree für Ruder- und Padelboote zwischen Kongresshalle und Oberbaumbrücke bleiben müssen, wegen der anderen Engstellen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    [...] stellen sich folgende Fragen:

    - wo sind die Umkleiden?
    - wo wir Eintritt gezahlt? Schranke? Zaun?
    - Toiletten?
    - Imbissstände? Restaurant?
    - Parkplätze?

    All dies wird im Weltkulturerbe schwer möglich sein. Dann steht die Ufereinfassung noch unter Denkmalschutz.

    Parkplätze braucht es nicht, um in der Stadtmitte ein Flussbad zu betreiben, zumal sich auf der Museumsinsel in wenigen Jahren eine U-Bahn-Station (der Linie U 55) befinden wird.

    Aber ansonsten sind die Einwände natürlich berechtigt, und die Aussicht auf hunderte Badegäste, die an Sommerwochenenden die Ufer von Museums- und Schlossinsel in eine Partymeile verwandeln, finde ich auch nicht gerade erbaulich.

    Aber, wie gesagt, bei diesem Projekt dürfte es um gezielte Imagepflege gehen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der Fokus der Diskussion liegt hier viel zu sehr auf dem Flussbad an der Museumsinsel. Ich erkenne in dem Projekt allerdings einen anderen Schwerpunkt. Meines Erachtens geht es in erster Linie ganz grundsätzlich um eine ökologische Sanierung der Stadtspree.

    Diese ökologische Sanierung der Stadtspree kann man nur begrüßen. Aber die Renderings zeigen und die Zeitungen schreiben etwas anderes. Ich bin heute den Spreekanal mit dem Fahrrad abgefahren (in der Dunkelheit vor ca. 2 h) und bin umso mehr gegen die Umsetzungen der Pläne. Am Lustgarten müssten Bäume fallen, um Platz für die Stufen zu schaffen und die historische Ufermauer müsste zerstört werden. Die Gestaltung ist dort schön, ich verstehe nicht warum man hier etwas gewachsenes kaputtmachen muss. An der Fischerinsel würde kaum Wasserfläche übrig bleiben und man würde ein Bächlein zischen Sträuchern haben. Dabei ist die Gracht so wie sie ist wunderbar.


    Nein; es ist eine Schnapsidee!

    Besser wäre es einen völlig neuen Spreearm anzulegen und es dort umzusetzen. Z.B. im Spreebogenpark. Baden mit Blick auf das Kanzleramt wäre doch auch nicht schlecht und dieser verkorkste Park bräuchte ein neues Konzept. :lach:

    Ganz im erst ich finde zusätzliche Wasserflächen und Grachten ein sehr gutes städtebauliches Konzept und könnte mir so etwas tatsächlich vorstellen im Europaviertel oder im Mediaspree Gebiet statt dem Holzkater hinter seinen abweisenden Mauern und Brettern. Historisch wertvolle Strukturen zu zerstören für eine vorher nicht erprobte innovative Idee lehne ich ab.

    Der Tagesspiegel berichtete nochmal über die Pläne:
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/flussba…e/11010804.html
    Es wird deutlich, dass es tatsächlich nur um den Spreekanal geht und man die Gülle aufwendig drumherum leiten würde um hier ein sauberes Becken zu haben. Da wäre ein neuer Arm, der z.B. keine Einmündungen aus der Kanalisation hat viel besser. Ich finde es zunehmend bizarr, dass man für solch spinnerte Ideen soviel Geld ausgibt.

    Einmal editiert, zuletzt von Rotes Rathaus (21. November 2014 um 20:32)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Viel Spaß beim Planschen an der an der "Kot" d’azur

    "Zur Zeit besteht das Wasser der Stadtspree daher überwiegend aus gereinigtem Abwasser" (Quelle: https://idw-online.de/de/news68121)

    Abgesehen davon, soll das eine Sachgasse werden? Die Spree fliesst wie im ^ Artikel erwähnt gerne mal rückwärts.

    Für mich sieht das auf diesem Bild so aus als ob sie die aberwitzige Idee hätte den Zufluss zum Kanal zu reinigen aber die Mündung in die Spree wie gehabt zu belassen: http://www.rbb-online.de/content/dam/rb…ize=708x398.jpg

    Das wird niemals funktionieren, die Spree ist ein fast stehendes Gewässer.

  • Und wieder mal möchte ich eine anonyme Stänkerei aus der Beitragsbewertung zitieren:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Diese Abwasseröffnung sieht kein Mensch

    Erstens sieht man sie sehr wohl, wie man auf dem verlinkten Bild unschwer erkennen kann und zweitens, was versteht Herr Anonym nicht unter: Die Uferbefestigung ist ein über 180 Jahre altes Denkmal und die bildkünstlerisch geschmückte Abwasseröffnung ein nicht nur höchst seltenes Überbleibsel, sondern auch noch von Karl Friedrich Schinkel entworfen. Ist Herr Anonym wirklich der Meinung, nur weil er etwas kurzsichtig scheint, kann man sie einfach abreißen? Damit eine Schar Berliner und Gäste dort nun vergnügt planschen können?
    Warum nicht noch die Schlossbrücke abreißen, dann kann man noch viel ungehinderter dem Badevergnügen nachgehen? Oder gilt die Abrisserlaubnis nur für Denkmäler einer gewissen Größe und Augenauffälligkeit?

    Dekoratives Anführungszeichen

    Zu Treverer^^ der ja Ängste um die, wirklich erhaltenswerte, Abwasseröffnung von Schinkel hegt, muss man entgegensetzten, dass es noch nicht beschlossen ist eine Steinerne Treppenöffnung zur Spree hin zu installieren.
    Wir wissen ja alle wie sehr man solchen Renderings glauben darf, ich könnte mir vorstellen das man wohl eher eine Holzinstallation mit Steeg und Treppen errichten würde. Diese könnte man auch jederzeit wieder abbauen, somit wäre diese auch eher ein Temporärer Zustand.

    Das hört sich nach einer annehmbaren Alternative an. :) Man müsste nur die historischen, gusseisernen Geländer entfernen, aber diese könnte man, sollte man sich entscheiden, die Planscherei wieder zu beenden, leicht wieder anbringen.

  • ... ich finde die Idee eine Badestelle in dieser zentralen Lage einzurichten, sehr gut. Das tut der Museuminsel und den historischen Bauten keinerlei Abbruch, im Gegenteil, es setzt sie in Szene und stellt etwas wirklich Aussergewöhnliches dar. Ich würde aber eine Art zweites "Badeschiff" ohne Flußwasser bevorzugen. Nur deutlich größer müsste es sein. Gern auch ein ganzjähriges Schwimmbad mit beheizbarem Becken, Ökostrom gibt es mittlerweile doch im Überfluß.

  • Easy livin'

    Dekoratives Anführungszeichen

    Auch wenn ich persönlich an der Stelle kein Flussbad bräuchte, sehe ich das in diesem Fall ähnlich.

    Ob es uns Berlinern nun gefällt oder nicht, Berlin hat sich in den letzten 20 Jahren nun einmal einen Ruf als globale Metropole des Easy living und der schrägen Gegensätze erworben und lebt davon nicht schlecht.

    Und da muss man halt alle paar Jahre einen neuen Akzent setzen, wenn man verhindern möchte, dass das Markenimage verblasst. Über ein "Flussbad in Rummelsburg" wird in London, New York und Tokio jetzt eher nicht berichtet, über ein "Flussbad zwischen Schloss und Weltkulturerbe-Museen" ganz sicher.

    Narzißtische Persönlichkeiten brauchen eigentlich eine Therapie. Für Städte gibt's so etwas wohl noch nicht. Das ist doch der Ultra-Hip: Easy-Living-Metropole therapiert sich selbst und wird seriöse gediegene Stadt.

    Was ich sagen will, ist, daß man solchen Labeln eben nicht unbedingt hinterher laufen muß. Zudem kann gerade der Kontrast aus hippem F'hain-Xberg und hochkulturellem Altberlin eben auch etwas hermachen.

    Aber wir sind eben nicht dazu da, irgendwelche Images zu pflegen. Berlin wird es am besten gehen, wenn wir gut zu uns selbst sind und uns nicht anbiedern. Diese Image-Anbiederung halte ich für fatal.

    Ich halte das Schwimmbad auch für eine Plansch-Idee.

    Bei der Gelegenheit kann ich ja mal auf folgendes Lied von Uriah Heep aufmerksam machen, welches recht selten gespielt wird: Youtube-Clip :cool2:

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Zudem kann gerade der Kontrast aus hippem F'hain-Xberg und hochkulturellem Altberlin eben auch etwas hermachen.

    Das sehe ich genauso.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Was ich sagen will, ist, daß man solchen Labeln eben nicht unbedingt hinterher laufen muß. ... Aber wir sind eben nicht dazu da, irgendwelche Images zu pflegen. Berlin wird es am besten gehen, wenn wir gut zu uns selbst sind und uns nicht anbiedern. Diese Image-Anbiederung halte ich für fatal.

    Wer solchen Image-Labeln unbedingt hinterher laufen möchte, soll dafür doch bitte seine eigenen - privaten - finanziellen Mittel einsetzen. Hier werden immerhin öffentliche Gelder eingesetzt. Gibt es denn keine Schulen oder Krankenhäuser, wo man die genannten 3,9 Millionen Euro sinnvoller nützen könnte? Für mich ist das ein Musterbeispiel, wie vorhande öffentliche Mittel mehr oder weniger sinnlos verpulvert werden.

    Hier werden - unter Verweis auf Livestyle & Easy living - öffentliche Steuergelder großzügig verwendet. Oder vielleicht sollte man besser sagen, daß Geld wird verschwendet. Für ein Flussbad, daß eigentlich niemand wirklich benötigt.

  • ^^^
    Wenn man sich das Gemecker hier anhört, muss man sich fragen, warum die Züricher nicht schon längst Abwässer in ihre Seen und Flüsse leiten, um endlich diese leidigen See- und Flussbäder los zu sein.

    Natürlich ist eine Schinkel´sche Abwasseröffnung immer noch eine Abwasseröffnung. Und Abwasser hat in einem Fluss nichts zu suchen.

    Was hat denn ein sauberer Fluss mit "lifestyle" und "hippness" zu tun? Das ist Lebensqualität!

    Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln...

  • ^ Auch über diese Falschbehauptung kann man nur den Kopf schüttel. Der Fluss wird durch diesen Plan eben kein bisschen sauberer, sondern es soll ein riesiger Aufwand betrieben werden um ein sauberes Becken zu haben, OHNE dass diese Einfluss auf den weiteren Flussverlauf hätte. Dieser Plan betrifft ausschließlich den Spreekanal, was man auf der Internetseite alles nachlesen kann. An die Abwassereinmündung in den Kanal kommt ein langes Rohr bis an die Spitze des Bodemuseums.

    Dies ist keine Lösung für das Problem mit Abwässern in der Spree. Hierfür wären Millioneninvestitionen sinnvoll und auch dafür gibt es ein Projekt: http://www.luritec.com/ unter dem Namen Spree 2011. Die beiden Projekte sind nicht identisch. Der Spreekanal-Plan widerspricht m.E. dem Denkmalschutz in gravierender Weise.

  • ^
    Wo habe ich was Falsches behauptet? Der Threadname "Spree 2011" verweist tatsächlich auf ein Projekt auf Basis ebendieser Technik:

    http://www.bundesstiftung-baukultur.de/aktionen/bauku…spree-2011.html

    Und warum man jetzt die Pläne zur Spreereinigung und die mögliche Nutzung als Flussbad künstlich auseinanderdividieren muss, erschliesst sich mir nicht (wo ja schliesslich beide hier im thread diskutiert werden...)

  • Dekoratives Anführungszeichen


    Ich halte das Schwimmbad auch für eine Plansch-Idee.

    Bei der Gelegenheit kann ich ja mal auf folgendes Lied von Uriah Heep aufmerksam machen, welches recht selten gespielt wird: Youtube-Clip :cool2:


    Ha! Uriah Heep dürfte hier im Zusammenhang mit einem Architekturvorhaben zum ersten Mal "zitiert" worden sein ... ! Sehr schön.

    Warten wir ab, was aus diesem Projekt wird. Ich finde, es hat seinen Charme, aber wenn die Kosten aus dem Ruder zu laufen drohen oder im Ergebnis die Museums-/Schlossinsel in ein Wannseebad II verwandelt werden sollte, wäre ich auch dagegen.

  • Ganz spontan finde ich die Idee eines solchen "Strandbad Mitte" klasse.

    Die Probleme liegen im Detail:
    Dass das alles funktioniert setzt eine hohe Disziplin der Nutzer voraus. Ebenso ist der Tugend durch die Offiziellen
    angemessen nachzuhelfen.

    Da das aber in Berlin nirgendwo jemals funktioniert hat, muss ich dieser an sich schönen Idee eine Absage erteilen. :nono:

    Schade, schade, schade... ;)

  • Dekoratives Anführungszeichen


    Was hat denn ein sauberer Fluss mit "lifestyle" und "hippness" zu tun? Das ist Lebensqualität!

    Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln...

    Dann sagen wir dir's eben mal so, lieber Mork. Ein sauberer Fluß wird von uns allen unterstützt. Wir übertreffen dich hier noch um ein Vielfaches. Fraglich ist allerdings, daß im Bereich der Museumsinsel ausgiebig Badegäste verweilen und ob bei dem heutigen Manieren-Standard das alles eine gute Sache werden kann.

    Habe ich dir das gut erklärt? :)

    Es ist allgemein hier im Forum ein Problem, daß Leute ihre unterschiedlichen Positionen haben und auch niemand etwas dagegen hat. Leider kommt es immer wieder vor, daß manche dann die anderen Positionen verfälschen, trivialisieren etc.

    Besser ist es, für die eigene Position zu werben und Argumente zu bringen. Das ist der saubere Weg und kann mitunter andere zum Nachdenken bewegen. :troest:

  • ^Der Wille kann halt keine Berge versetzen. Die Spree ist ein sehr kleiner Fluß, bzgl. Wasserdurchfluß. Überall entwässern Kläranlagen in die lokalen Fließgewässer. Das ist beim schon erwähnten Zürich auch kein Problem, es liegt am Abfluß des Zürichsee, an der Limmat. Dieser Fluß führt rund 5x soviel Wasser, welches eh schon sehr viel klarer ist (aus dem nahen Hochgebirge gespeist), als das sehr nährstoffreiche Spreewasser. Da mischt sich also vergleichsweise wenig Restabwasser mit viel, sehr sauberem, Flußwasser. In Berlin ist es genau umgekehrt.

    Dazu ist Berlin 9x so groß wie Zürich, hat entsprechend mehr Abwasser. Irgendwo hin muss das Abwasser von 3,5 Mio. Menschen und dem Gewerbe. Das sind gigantische Wassermassen. Genug, um einen kleinen Fluß zu füllen. Beispielsweise die Spree. Das ist halt das ganze Problem. Kleiner Fluß, große Stadt (=viel Abwasser). Würde man das ganze Abwasser, also nicht nur die Überläufe sondern das, was größtenteils aber nie zu 100% geklärt die Kläranlagen verlässt, irgendwo anders hin leiten - wohin auch immer, womit auch immer, rein fiktiv gedacht - dann hätte die Stadtspree einfach nicht mehr genug Wasser.

    Dazu liegt Berlin inmitten von Brandenburg, einem Gebiet welches klimatisch an der Untergrenze zur Versteppung rumkrebst und dieser Grenze durch den Klimawandel in absehbarer Zeit noch näher kommen wird. Es wird also auch keine Wassermengen geben, die man, woher auch immer wieder rein fiktiv gedacht, zB ersatzweise durch die Stadtspree leiten könnte, um sie auch ohne die großen Ausflußmengen des Abwassersystems gefüllt zu halten, die dann nicht anderswo fehlen.

    Man könnte evtl. mit riesigem Aufwand diesen kleinen Arm an der Museumsinsel halbwegs in die Nähe von Badewasserqualität bringen, aber meine Güte, es gibt in Berlin ständig öffentliche Schwimmbäder, die Sanierungsstau beklagen oder vor der Schließung stehen aus Geldmangel. Da wird das Geld gebraucht. Kinder können heute zunehmend wieder nicht mehr schwimmen, weil Schwimmunterricht mangels Schwimmbadkapazitäten ausfällt (und in den teuren Spaßbädern in der Freizeit planscht man, da lernt man nicht zwingend schwimmen). Dieses Stück der Museumsinsel ist gerade dabei, von einer Dauerbaustelle mal in einen fertigen, ansehnlichen Endzustand zu kommen, wenn die Arbeiten auf der Museumsinsel beendet sind. Wieso muss man da jetzt, wenn es doch soviele sachliche Gegenargumente gibt, da jetzt eine neue Baustelle aufmachen. Mit 3,9 Mio. hätte man sicher ein existierendes, kleines Schwimmbad irgendwo in Berlin für die kommenden Jahrzehnte sanieren können.

    "Gefällt mir" reicht halt nicht. Mir würds auch gefallen, wenns denn einfach machbar wäre. Ich hätte auch lieber einen Fluß von der Qualität der Isar als die Spree in Berlin. Aber der Wille alleine kann halt keine Berge versetzen.

  • Tja, die Herren ReinhardR, Berliner (echt) und Eisbär,

    da sind wir wohl anderer Meinung. Bzw. in einem Punkt sind wir gleicher Meinung: Ein sauberer Fluss wäre schöner. Technisch wäre das kein Problem (siehe der link von E.B.). Ob das nur sauberer wird, oder ob sich Badewasserqualität erreichen lässt, wird man dann sehen.

    Das ganze wäre ja zunächst mal die Voraussetzung für alle weiteren Pläne. Ich muss allerdings sagen, dass ich die letzten Argumente albern finde:
    Weil Euch die Manieren der Berliner zu schlecht sind, wollt ihr zur Strafe keine Bäder? Klappt doch an vielen Seen im Stadtgebiert, oder im Strandbad Wannsee wunderbar! Halt mit Berliner Schnauze, aber so ist das halt...
    Weil jedes Abwasserrohr Schinkelscher Bauart heilig ist, darf rund um die (ohnehin denkmalgeschützte und gerade sehr hübsch wiederhergerichtete) Museumsinsel nichts mehr gestaltet werden? Nö. Gestalten ist besser als einmotten...

    Aber so weit ist das ja alles noch nicht...

  • Die Frage ist eben, ob die realexistierenden Manieren vom Strandbad Wannsee oder vom Prinzenbad auch noch so befriedigend an der Museumsinsel sind. :)

    Oder ob man es überhaupt als würdevoll für diesen Ort erachtet, auch mit besten Manieren planschende Berliner dort zu erleben. Ich sehe das mit großer Skepsis, wenn ich mir die Linden vorstelle, von dort in den Kupfergraben schaue und mir dort wildgewordene Teenager vorstelle mit dem neuesten Spaß-Equipment.

    Ich sehe auch Sicherheitsprobleme.

  • Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster: Die Idee des Spreebads mitten im historischen Zentrum in Sichtweise der Schlossbrücke hat schon was von DDR-Stadtplanung 2.0 - es gibt Parallelen: "proletarisches" Vergnügen am Ort der (ehem.) bürgerlichen Hochkultur und der Monarchie. In diesem Geiste entstanden etwa die Planschbecken im Park Monbijou. Oder die Bowlingbahn im Palast der Republik, an der Ostseite zur Spree. Eigentlich ist das hier doch uralter dröger Klassenkampf, nur hipper und cooler verpackt und nicht von der SED verordnet ;). Ich glaube, das wird böse nach hinten losgehen: Mag man gerne glauben, dass alles gesittet zugehen möge - ich halte das für naiv. Wenn dann also Goldkettenbierbäuche, grölende Jugendliche und besoffene Touris (Ja, extrem zugespitzt natürlich...!) hier abhängen und im allgemeinen laut eben doch unangenehm sind, hat Berlin mehr für sein Asi-Image als für sein "hippes" Image getan...:Nieder:

    Nicht das Bad ist das Problem, um das klar zu stellen, es ist nur der Ort, der herabgewürdigt wird. Aus den exakt gleichen Gründen fordern viele seit Jahren, dass die Buden an der Gedächtniskirche verschwinden sollen. Es geht um die Würde eines Ortes - das ist nicht zeitgeistig und wirkt altbacken, ich weiß. Aber auch in jedem noch so geilen Club gibt es Chillout-Zonen, wo kein Remmidemmi herrscht, wo man sich unterhalten oder ausruhen kann :) Ich wurde vor einigen Posts gefragt, warum ich der Meinung bin, der Ort sei respektlos gewählt - ich hoffe, das ist nun verständlicher.

    Zum Glück ist das Ganze jedoch reversibel und ohnehin nicht das ganze Jahr nutzbar. Die alte Abwasseröffnung sollte NATÜRLICH gleich erhalten bleiben, denkmalpflegerisch betrachtet sollte das selbstverständlich sein und beim Bau des Bades möglich.

  • Natürlich geht es den Initiatoren darum den vermeindliche elitären Raum zwischen Museumsinsel und Schinkelplatz zu (zer-)stören. Die Herrschaften werden an den Kosten und dem Denkmalschutz scheitern - aber vorher zig Millionen an Gutachtermitteln und Anschubfinanzierungen in die eignen Tasche gewirtschaftet haben. Zum Schluß sollen es dann die Wasserbetriebe richten, ich seh's kommen.

    Es wäre schön, wenn Berlin mal mit den begonnenen Projekten Flughafen, Staatsoper, ICC, Tempelhof, Petriplatz, Molkenmarkt, Breite Straße, Mauerpark, Dragonerareal, Freudenberg, Thälmannpark, Wohnen und Gewerbe rund um die O2-Arena, Haus der Statistik, Kulturforum, Gleisdreieck, Viktoriaspeicher, Studentenwohnen, Schulsanierungen und A100 weiterkäme und nebenbei noch ein paar tausend Wohnungen anschöbe, statt sich mit Olympia und solchen Schnapsideen wie einem Flußbad im Weltkulturerbe zu befassen.