Umgestaltung Rathausforum / Marx-Engels-Forum

  • Ich danke Klarenbach trotz der Kritik für seine Ausführungen und natürlich auch Konstantin für seine Ergänzungen und Klarstellungen, ohne die es hier für uns andere kein komplettes Bild gegeben hätte. Ich möchte dennoch zu bedenken geben, dass Klarenbach einen ausführlicheren Bericht angekündigt hat, nicht aber ein lückenloses und objektives Protokoll (auch wenn gerade der einleitende Absatz aber auch der allgemeine Stil des Beitrags diese Erwartungshaltung erzeugen können und die besagten Lücken dann verwundern/ irritieren mögen). Ob er also absichtlich etwas ausgelassen hat oder lediglich von seiner eigenen Wahrnehmung/ Erinnerung geleitet wurde, bleibt sein Geheimnis (wenn es ihm überhaupt selbst bewusst ist). Die Wahrnehmung ist bekanntlich nie objektiv und man merkt sich oft die Dinge am besten, die bereits den eigenen Vorkenntnissen und Einstellungen entsprechen. Gerade wenn man kein sachlich orientiertes Protokoll führt, kann dann im Nachhinein die Erinnerung keinen vollen Anspruch auf Objektivität und Ausgewogenheit mehr erfüllen. Deshalb wundert mich nicht, dass gerade Konstantin mit einer völlig anderen Grundeinstellung das Gefühl hatte auf einer anderen Veranstaltung gewesen zu sein und einige Punkte sehr anders wahrgenommen hat. Deshalb können wir anderen im Forum mE nur froh sein, dass beide da waren nicht nur einer. Ferner wundert mich auch nicht weiter, dass ein solcher (womöglich wirklich gut gemeinter Beitrag) für viele Klarenbach noch deutlicher in einer Ecke verortet, in der ihn die betreffenden ohnehin gesehen haben. Der ganze Diskurs von Protokoll, über "alte Gewohnheiten" bis hin zu der Interpretation eben dieser ist geradezu exemplarisch. Dazu gibt es viele interessante Studien, die aber jetzt absolut den Rahmen sprengen würden. Grundsätzlich möchte ich Klarenbach aber vor allzu heftigen Unterstellungen in Schutz nehmen, denn diese decken sich zumindest nicht mit meinen Wahrnehmungen in anderen Threads.

    Am meisten verwundert mich aber die starke Diskrepanz zwischen den wiedergegebenen Aussagen zu einer Umbauung und hier insbesondere bezüglich der Haltung des Kirchnvertreters. Da kann ja nur eine Version stimmen. Alles andere sind für mich zwei Wahrnehmungen eines Ereignisses. Weiterhin offen bleibt mE auch die Frage, was jetzt aus dieser Veranstaltung folgen wird.
    ___________________
    Edit: Oranien war schneller und hat es auch noch besser auf den Punkt gebracht, Frechheit ;)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der Entwurf nimmt die rechteckige Form des alten Hofes auf, passt ihn aber von der Lage den jetzigen Platzverhältnissen an. Das ist zwar historisch verfälscht, in meinen Augen aber die einzige Möglichkeit, der Kirche einen Hof zu schenken, ohne die Symetrie des Platzes zu behindern, oder in die Karl Liebknecht Straße eingreifen zu müssen.


    Genau, diese Beschreibung passt exakt.

    Dass auf der Seite der heutigen Karl-Liebknecht-Straße wenig zu machen ist ohne ein Gesamt-Verkehrskonzept zu haben ist klar.

    Auf der Südseite hingegegen könnte Erweietrung des Kirchhofes in den Dimensionen der Innenkante der Vorkriegsbeauung schon helfen. Mir ist klar, dass dann die Baumreihe des "Großen Freiraumes" an einer Stelle etwas gestört wird - 3 bis 7 Bäume müssten wohl fallen. Ich glaube aber kaum, dass die Symetrie arg leidet - die Großmasstäblichkeit kann das gut ab.

    Nur mal fiktiv: Wäre die Freiraumplanung des "Großen Freiraumes" gründerzeitlich und die dies Marienkirchhofes modern plädierte hier jeder für eine Störung der Gross-Platzform unter der Flagge des Zeigens von Brüchen. Es verhält sich aber umgekehrt und deshalb soll der vormoderne Marienkirchhof zwanghaft mit rechten Winkeln ästhetisiert werden. Das hat der Kirchhof nicht verdient.

    Und zudem ist noch anzumerken, dass der anwesende Landsarchäologe Matthias Wemhoff gern graben würde. Es wäre schön, denn die Ergebnisse der Grabungen in ein Ergebniss einfliessen könnten.

  • Braucht Berlin wieder eine Altstadt?

    Hinweis für Interessierte:

    Das Inforadio-Forum mit Harald Asel

    Das rbb-inforadio fragt am kommenden Montag folgende Gäste:
    Hans Wall
    ehem. Aufsichtsratsvorsitzender der Wall AG
    Jan Kleihues
    Architekt BDA, z.B. Hotel Concorde (Kurfürstendamm), BND-Neubau (Mitte)
    Dr. Klaus Henning von Krosigk
    Gartenhistoriker, ehem. stv. Landeskonservator von Berlin

    Moderation: Harald Asel

    http://www.inforadio.de/medienpartners…lin_wieder.html

    Datum: Montag, 17. September 2012, 19:00 Uhr
    Ort: Märkisches Museum, Stadtmuseum Berlin, Am Köllnischen Park 5, 10179 Berlin
    Eintritt: Ticket 3,00/erm. 2,00 €

    Die Diskussion wird aufgezeichnet und im Rahmen der Sendung Forum am 30.09.2012 um 11:05 Uhr im Programm des Inforadio (93,1 MHz) ausgestrahlt.

  • Zu den Kommentaren will ich ein paar Dinge bemerken.
    Erstens hat sich Roland Stolte ganz klar gegen eine Bebauung des Kirchenumfeldes ausgesprochen. Zu diesem Thema hatte es ja eine Frage aus dem Publikum gegeben, und auf diese hat er diese Position ganz klar formuliert.
    Zweitens kann es gut sein, dass ich nicht jede Wortmeldung dargestellt habe. Aber der Herr von der Gesellschaft Historisches Berlin gehört zu jenen, die meinten, dass man eine Neugestaltung des Areals erst nach der Verabschiedung eines Gesamtkonzeptes vornehmen sollte. Diesen Einwand habe ich auf jeden Fall genannt.
    Drittens werde ich auf Beiträge, die weit unter die Gürtellinie gehen und mit den Forumsregeln überhaupt nicht in Einklang zu bringen sind, nicht reagieren. User, die vor persönlichen Diffamierungen nicht zurückschrecken, disqualifizieren sich dadurch selbst für jede ernsthafte Debatte.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Während Roland Stolte gesagt hat, dass er sich eine Wiederbebauung ausdrücklich wünscht, vor allem auf dem Areal des Probst-Grüber-Hauses, ist dieser bei Klarenbach gegen jede Bebauung.

    Dekoratives Anführungszeichen


    Erstens hat sich Roland Stolte ganz klar gegen eine Bebauung des Kirchenumfeldes ausgesprochen.

    Ja, was denn nun?

    Zumindest ist Stolte für eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit an den Planungen der historischen(!) Mitte. Nach einem "ganz klar gegen eine Bebauung" hört sich das erstmal nicht an. Aber das kann Herr Stolte wohl nur selbst wissen.

    http://www.google.de/url?sa=t&rct=j…md9_MalSUqljTjw

    Ebenso setzt er sich für den alten Südeingang der Marienkirche ein:
    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/marienk…8,11070922.html

  • Für die Interessierten hier das ungekürzte Manuskript des Kirchenmannes Stolte. Da kann sich jetzt jeder seine Meinung darüber bilden, was der Mann gemeint hat:

    "Aufwertung des Umfeldes der Marienkirche
    Votum der Kirchengemeinde zur  Vorplanung des Architekturbüros
    Levin & Monsigny

    11. September 2012

    Im Namen der Gemeindeleitung der Evangelischen Kirchengemeinde
    St. Petri-St. Marien möchte ich zu der präsentierten Vorplanung zwei Punkte
    kurz benennen:  Als Kirchengemeinde haben wir zunächst zu danken. Es war
    im letzten Jahr, als ich zweimal beim Landesdenkmalrat Alarm schlug und
    die Verantwortlichen aufmerksam machte auf einen Zustand, der nicht tolerierbar
    ist: Während das Innere dieser gotischen Kirche, auch angesichts ihrer
    Kunstwerke von europäischem Rang, mit größter Sorgfalt und mit Unterstützung
    des Bundes, des Landes und der Kirche saniert wird, ist der Außenbereich
    von einer Verwahrlosung geprägt, die der Sorgfalt im Innern Hohn
    spricht. Während also im  Inneren z.B. der bedeutende Totentanz mit großem
    Aufwand seit 20 Jahren entsalzt wird, ein Problem, das durch eine fehlende
    Kanalisation der letzten Jahrhunderte entstanden ist, ist der tiefer gelegte Bereich
    um die Kirche in den letzten Jahren mehr und mehr zu einer Fäkaliengrube
    verkommen, mit der Folge, dass besonders an den Wochenenden an
    den Vormittagen einzelne Bereiche der Kirche im Grunde nicht nutzbar sind,
    da der Urin unter den Portaltüren in die Kirche läuft und die Wandrestauratoren
    uns warnten, dass durch das Urinieren die Versalzung des Mauerwerks
    bereits die Bausubstanz schädigende Dimensionen  angenommen hat.  Dass
    vor allem die Werkstatt Baukultur der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
    und dann in gleichem Maße der Stadtbezirk sich diese absurde Diskrepanz
    von Sorgfalt im Inneren und Verwahrlosung im Äußeren zu Herzen genommen
    hat und wir gemeinsam mit der Vorplanung bis zu diesem Punkt heute
    voran gekommen sind, war vor einigen Jahren noch völlig undenkbar. Von
    Seiten der Kirchengemeinde haben wir deshalb zu allererst allen Akteuren
    und Beteiligten Dank zu sagen. 
    Angesichts des Standes der Vorplanung haben wir als zweites eine Bitte. Ich
    muss dafür etwas weiter ausholen, um dann zum konkreten zu kommen.  Wir
    alle kennen Berlin als eine Stadt, die in besonderer Weise von Brüchen geprägt
    ist. Wir denken dabei natürlich schnell an die Zerstörungen und Abbrüche
    des Zweiten Weltkriegs, an die Brüche, entstanden durch die Teilung der
    Stadt. Das stimmt natürlich, gemeint sind damit aber auch die gewollten
    Umbrüche, die kalkulierten Traditionsbrüche im 19. und 20. Jahrhundert. 
    Berlin erhielt nicht zuletzt durch diese Brüche seine Signatur, und es versteht
    sich von selbst, dass gerade für die genannten Traditionsbrüche sich natürlich
    besonders die symbolisch verdichtete Berliner Mitte eignete – und gerade
    insofern auch das sog. Rathausforum mit der Marienkirche. Hier findet sich
    beides: die Abbrüche des Krieges wie die kalkulierten Traditionsbrüche.
     Daraus ergibt sich als gestalterische Aufgabe, quasi als Messlatte,
    beide Aspekte, die die Geschichte dieses Ortes ausmachen, zu zeigen und
    erfahrbar zu machen, um der Geschichte dieses Ortes gerecht zu werden und
    sie durch unsere heutigen Planungen nicht nochmals zu negieren. Zu zeigen
    sind diese Brüche und nicht zu überspielen!  Denn was ist hier geschehen?
    Über knapp 700 Jahre hinweg war die Marienkirche mit einer Bebauung umgeben,
    die die Kirche in den Stadtraum einbettete, eine gewachsene Struktur
    im besten Sinne. Durch den Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde diese Umbauung
    bis 1968 gänzlich, im Sinne eines kalkulierten Abbruchs, getilgt, um
    Platz zu schaffen für das sogenannte Zentrumsband, das Ostberlin zu einer
    Hauptstadt nach Moskauer Vorbild zu werden verhieß. Die Marienkirche war
    dabei ein notwendigerweise zu duldender Störfall, den es als Nicht-Ort zu
    ignorieren galt, mit Wegen, die ins Gebüsch und Treppen, die auf Kirchenwände
    führen statt auf Portale. Diese Haltung der Marienkirche gegenüber,
    die die ursprüngliche stadträumliche Einbettung auslöschte, entsprach dabei
    ganz der ideologischen Auseinandersetzung der Jahre zwischen 1960 und
    1970. Die Marienkirche als Zentrum der DDR-Kirche war ein Unort, ein Pfarrer
    wurde inhaftiert und von der westdeutschen Kirche freigekauft, seinem
    Nachfolger die Zuzugsgenehmigung nach Ostberlin verweigert und über Jahre
    eine Stellenbesetzung blockiert, um diesen kirchenleitenden Ort in der
    DDR zu  marginalisieren; ganz so, wie es auch baulich vollzogen wurde. Den
    deutlichsten Ausdruck gewann dieses Bestreben in dem Abriss des Gemeindehauses,
    des Propst-Grüber-Hauses, auf der Südseite der Kirche, wo ein gutes
    Dutzend kirchliche Organisationen ihren Sitz hatten, eine Anlaufstelle für
    das gesamte kirchliche Leben in der DDR, ein geheimer Umschlagplatz für
    das Miteinander von Ost und West im Kalten Krieg und folglich ein Dorn im
    Auge des  Ost-Berliner Magistrats. Ende der 60er Jahre wurde das Grüber-
    Haus gesprengt, die Keller liegen im Süden der Kirche in der Nähe der Wasserkaskaden
    unter dem Zentrumsband der DDR. 
    Die Frage stellt sich nun von selbst:  Wie sollen wir mit all dem umgehen? Es
    kann jedenfalls nicht darum gehen, die eine oder andere stadtplanerische
    Epoche zu tilgen, etwa die des antikirchlichen Planungsgestus der DDR-Zeit,
    die wir freilich als historisch überholt ansehen.  Die Grundaufgabe bzw. Herausforderung
    der Planungen um die Marienkirche besteht vielmehr nach unserem
    Dafürhalten darin, sowohl der Marienkirche als auch dem Fernsehturm
    in einem gleichberechtigten Nebeneinander das ihnen jeweils zukommende
    Umfeld zu schaffen. Um die historischen Brüche und Antagonismen nicht zu
    überdecken, kann das freilich nur so geschehen, dass die verschiedenen Planungsschichten
    sowohl in ihrer Bezogenheit aufeinander als auch in ihrem
    Gegeneinander anhand der vorhandenen Zeugnisse erfahrbar gemacht werden.
    Diese Brüche und Bezüge sind es gerade, die diesen Ort stadt- und planungsgeschichtlich
    so ungemein spannend machen… und es ist ja alles da:
    die gotische Kirche, die Keller der Vorkriegsbebauung, der sozialistische
    Stadtplatz. Was für eine faszinierende Aufgabe, diese authentischen Zeugnisse
    zum Sprechen zu bringen!  Und damit komme ich zu unserer Bitte: Beson3
    ders spannend und herausfordernd ist dabei natürlich der Bereich, in dem auf
    der Seite zum Roten Rathaus das Umfeld der Marienkirche auf das Umfeld
    des Fernsehturms trifft. Das einfache Ziehen eines Trennungsstrichs in den
    vorgestellten Planungen ist an dieser Stelle zu einfach und zu wenig. Gerade
    hier ist es unerlässlich, der Komplexität der Zeit- und Planungsschichten gerecht
    zu werden, statt einen ästhetisierenden Mantel des Schweigens darüber
    zu decken.  Wir schlagen deshalb folgendes vor und beziehen uns dabei ausdrücklich
    auf die Anregung des Landesarchäologen Prof. Dr. Wemhoff, statt
    der jetzt gezogenen Trennungslinie, die mit der Baumreihe markiert ist, auf
    der Südseite der Kirche mit der historischen Platzkante des Marienkirchhofs
    die ursprüngliche Bebauungsgrenze freizulegen.  Mit der Freilegung quasi der
    Keller- bzw. Gebäudevorderseiten der ursprünglichen Bebauung erfolgte eine
    moderate und räumlich wenig ausgreifende Intervention in den Bereich des
    Fernsehturmumfelds, die dem Gegeneinander der Planungsschichten einen
    angemessenen Ausdruck verleiht. Die freigelegten Kellervorderseiten könnten
    sodann zugleich als bauliches Vehikel dienen, den Niveauunterschied zwischen
    Marienkirchhof und Fernsehturmumfeld architektonisch zu überbrücken
    – mit dem wirklich schönen Effekt, aufgrund der Identifizierbarkeit der
    Adressen der Kellermauern mit diesen authentischen Zeugnissen das Vermittlungskonzept
    eines Erzählens von „Häusergeschichten“ verbinden zu können.
    Gerade anhand des Propst-Grüber-Hauses könnten neue und bemerkenswerte
    Kapital Berliner Stadtgeschichte erzählt werden.  Damit zeichnet sich hier
    ein Miteinander von Archäologie, Stadtgeschichte und Stadtplanung ab, das
    insbesondere an der Südkante des Marienkirchhofs zu faszinierenden ‚Berliner
    Lösungen’ führen könnte. Wir sollten hier mutig sein.  Das Hauptstadtreferat
    der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat jüngst in einer Publikation
    ein solches vernetztes Vorgehen von Archäologen, Historikern und Stadtplanern
    als für Berlin notwendig benannt. Was auf dem Petriplatz modellhaft
    gelang, soll auch an anderen Orten Schule machen. Wo, meine Damen und
    Herren, wenn nicht um die Marienkirche?  Ist es nicht reizvoll, sich in diesem
    Sinne folgendes vorzustellen? Wer über das  Fernsehturmareal läuft, entdeckt
    auf dem Weg zur Marienkirche einen Eingriff in die Symmetrie der Fernsehturmfreifläche,
    geht hinab auf die Ebene des Marienkirchenumfeldes und
    kann, nach den ursprünglichen Adressen orientierte und historisch aufbereitete
    „Häusergeschichten“ lesend, entdecken, dass das auf den ersten Blick
    intakte Fernsehturmumfeld auf Kellern und Fundamenten ruht, von denen die
    archäologischen Funde eine Ahnung zu vermitteln imstande sind.  Die Planungen
    gewönnen so eine Tiefe und einen Komplexitätszuwachs, der der
    Geschichte dieses Ortes entspricht und ihn zu einem Platz macht, der seine
    Brüche nicht verbirgt, sondern sie zeigt – als Teil der Geschichte und der
    Identität dieser Stadt. "
    Roland Stolte,  Theologischer Referent

    Quelle: http://www.marienkirche-berlin.de/c_5_66_0.php

  • ach du Schande....in der Realität ist der Gute schon angekommen...oder...? Wie oft kommt nun das Wort "entsalzt" oder "versalzt" vor ? Der Gute soll doch mal Froh sein, das Ulbricht nicht auch noch diese Kirche hat sprengen lassen. Die DDR ist auch seit mehr als 20 Jahren zu den Akten gelegt, ergo...DAS sollte nicht weiter das Problem sein
    . Generell ist es sicher eine problematische Ecke, seien es urinierende Punker, Obdachlose oder einfach nur Touristen.
    Völlig uninteressant, was da für welche Keller hier und da liegen könnten, man hat Berlin seiner Mitte beraubt...mit div. versoffenen Punks vor der Marienkirche zu stehen und darum zu heulen ist eher sinnlos, zurück kommt sie nicht (besagte Mitte). Eine vernünftige Idee zu entwickeln, was man aus diesem großen, langweiligen, uninteressanten, öden, vermüllten und verpunkteten (ok, das Wort ist ne Eigenkreation) Gebiet inmitten der Hauptstadt eines der wirtschaftlich und politisch wichtigsten Ländern (der EU und durchaus der Welt) entwickeln könnte, DAS wäre doch eher von Interesse...Gott, Jesus und der gesamte restliche Kram, Himmel, immer diese Forderungen der nicht wirklich armen Kirchen (egal ob ev. oder kath.)...das kann folgen...oder?

  • Erst einmal finde ich es sehr lobenswert, dass Konstantin den Text der Rede von Herrn Stolte gepostet hat. Tatsächlich wird durch den Text klarer, wie sich Herr Stolte die "Kollision" (der Begriff war während der Diskussion gefallen) zwischen dem Marienkirchenumfeld und dem Fernsehturmumfeld vorstellt. Diese Idee war mir während des Vortrages nicht ganz klar geworden, zumal er ja auch keine Pläne gezeigt hat.

    Gleichzeitig zeigt der Text auch, dass Herr Stolte tatsächlich keine Bebauung des Umfeldes der Marienkirche will, sondern dass er stattdessen, neben der zitierten "Kollision", die Freilegung und Sichtbarmachung einiger Keller anstrebt. Diese Ideen habe ich in meinem Beitrag korrekt wiedergegeben.

    Ansonsten finde ich die Forderung der Gemeinde nach einem Schutz der Marienkirche und ihrer Kulturgüter vor der Gefährdung durch wildes Urinieren absolut berechtigt.

  • ^
    Wenn man sich auf solche Art selbst auf die Schulter klopfen muss... :nono:

    Und zwischen den Aussagen "lehnte er dagegen ab", "ganz klar gegen eine Bebauung" (O-Ton Klarenbach) und Stoltes eigentlichen Ausführungen, die Konstantin netterweise hier bringt, herrschen schon ziemliche Unterschiede in Tonfall und Intention.

  • ^ Genauso wenig kann man aus dem Manuskript allerdings herauslesen, dass "Roland Stolte gesagt hat, dass er sich eine Wiederbebauung ausdrücklich wünscht, vor allem auf dem Areal des Probst-Grüber-Hauses", wie Konstantin behauptet. Ist doch bei Stolte nur von "Häusergeschichten anhand von Keller- und Fundamentresten" die Rede. Auch hier ein ziemlicher Unterschied in Tonfall in Intention. Ich sehe jedenfalls nicht, dass Konstantin hier näher an der Wahrheit ist als Klarenbach, diese liegt wie so oft in der Mitte. Aber so ist das eben bei Leuten mit extremer Einstellung und die ist ja bei Beiden vorhanden.

    Einmal editiert, zuletzt von DaseBLN (19. September 2012 um 18:09)

  • ^Das ist allerdings auch wahr, DaseBLN.

    Aber zum Thema: ich finde den Vorschlag, die alten Strukturen der prä-sozialistischen Zeit mehr in den Fokus zu rücken und damit die Strukturen der derzeitigen Bebauungen am Fernsehturm und dessen Symmetrien im Grunde aufzubrechen, ganz gut und einen ersten Anfang zukünftige Bebauungen oder anderweitige Neugestaltungen im Areal zumindest nicht ganz abwegig erscheinen zu lassen.

    Denn zwei der hauptsächlichen Gegenargumente für eine Neugestaltung wären damit entkräftet:
    die derzeitige, teils absolutistisch wirkende Symmetrie sowie das "Ensemble-Motiv" des gesamten Areals.

  • Dekoratives Anführungszeichen


    Denn zwei der hauptsächlichen Gegenargumente für eine Neugestaltung wären damit entkräftet:
    die derzeitige, teils absolutistisch wirkende Symmetrie sowie das "Ensemble-Motiv" des gesamten Areals.

    Ähm, du möchtest die Symmetrie und das "Ensemble-Motiv" ohne Bebauung beseitigen damit man sie dann nicht mehr als Argument gegen eine Bebauung angeführt werden können. Ich glaube ja nicht dass diese Logik die Anhänger von Symmetrie und Ensemble-Wirkung überzeugen wird.

  • Pissen verboten!

    Immerhin kommt jetzt die Diskussion stärker in Gang, wie es weiter geht mit dem Rathausforum. Es wird wohl tatsächlich eine Art Kuddelmuddel. Hier mal ein bißchen, da mal ein bißchen. Dann noch der Neptunbrunnen.

    Also ich finde es eine Katastrophe, daß man in Berlin so wenig Bewußtsein hat für die Wertigkeit der Marienkirche und das Problem des Urinierens. Da würden doch für's erste schon Schilder ausreichen. Nach dem Motto: Diese Kirche ist 700 Jahre alt. Bitte pinkeln Sie woanders. Es gibt genug Möglichkeiten.

    Das hätte schon ein bißchen Peinlichkeitswirkung. Warum macht man da nichts und dann etwas Langfristiges? Ich frage mich auch, wie primitiv Leute sein müssen, die dort an die Kirche pinkeln. Ich habe ja nichts gegen prominentes Pinkeln. Das kann man meinetwegen auch auf dem Alexanderplatz, aber ausgerechnet an dieser Kirche. Es gibt ja umliegend auch noch genug Grün.

    Jedenfalls würden Schilder dort schon so einiges bewirken. Ich denke die Diskussion um das Kirchenumfeld ist der erste Schritt. Ich wäre an des Pfarrers Stelle auch erst mal gegen eine Bebauung. Darüber haben wir ja schon genug gesprochen. Eine baldige Bebauung würde eine Vergewaltigung des Areals bedeuten. Das muß erst langsam über Jahre ins Bewußtsein rutschen. Jetzt wäre eine Bebauung autistisch und unzeitgemäß. Auch wenn ich mich wiederhole: Das ist halt ein psychologischer Prozeß. Dieses Areal muß erst mal langsam im Bewußtsein wachsen. Man muß erst mal realisieren, was für ein Vermächtnis dort lagert. Der normale Berliner hat doch keine Ahnung davon. Eine Stadt wie Berlin wiederersteht meiner Meinung nach nach eigenen Gesetzen, nach eigenem Tempo.

    Einmal editiert, zuletzt von Echter Berliner (20. September 2012 um 17:27)

  • Das Problem ist doch, dass es hier wieder nur um ein Provisorium geht. Natürlich wird sich da niemand zu einer möglichen Bebauung festlegen. Primär soll tatsächlich nur eine Lösung für das Wildpinkeln gefunden werden. Eine Freilegung und Sichtbarmachung der alten Fundamente und Blockstrukturen kann allerdings ein erster Schritt zur Sensibilisierung sein und durchaus den Weg für eine Rückgewinnung des Neuen Marktes als zentralen städtischen Platz ebnen.

  • Einfach ein kostenfreies Pissoir aufstellen,dies gut auschildern und das Wildpinkeln ist auf ein Minumum reduziert.


    siehe Beispielbild.Kostet nicht die Welt.
    http://www.frg-sanitaer.de/images_gallery/pissoir_medium.jpg

    Ich bin gegen die dauerhafte Freilegung und zur Schau Stellung von Mauern /Mauerresten. Das ist weder für das stadthistorische Bewusstsein noch architektonisch für die Jetztzeit relevant. Wenn einem gar nichts mehr einfällt,buddelt man alte Keller wieder aus.Unsere Vorfahren werden sich dort nur aufgehalten haben,wenn es sein musste.Über die damaligeAltstadt sagen diese Mauerreste so gut wie nichts aus.

  • Das mit der Symmetrie versteh ich nicht so ganz. Durch die Marienkirche war die doch nie vollständig gegeben. Versuche deren Umfeld wieder angemessen zu gestalten und gleichzeitig das Vorfeld des Fernsehturms irgendwie unter Beibehaltung der Symmetrie einzubeziehen, können nur scheitern.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Wenn einem gar nichts mehr einfällt,buddelt man alte Keller wieder aus.Unsere Vorfahren werden sich dort nur aufgehalten haben,wenn es sein musste.Über die damaligeAltstadt sagen diese Mauerreste so gut wie nichts aus.


    Es geht doch hier nicht um irgendwelche Keller. Hauptanliegen sollte sein, wieder das Bewusstsein für ein über Jahrhunderte gewachsenes innerstädtisches Areal zu schaffen, dass in einer kurzen Epoche der Kulturbarbarei aus dem gesellschaftlichen Gedächtnis getilgt wurde.
    Und da kann die Sichtbarmachung der grundlegenden Umrisse und Strukturen durchaus hilfreich sein. Um eine Re-Urbanisierung dieses wichtigen Stadtraums wird man früher oder später ohnehin nicht herumkommen - einzig das WIE ist noch die Frage hier. Da gibt es vielleicht ein paar Denkanstöße.

  • Mehr DNA wagen

    Dekoratives Anführungszeichen

    Wenn einem gar nichts mehr einfällt, buddelt man alte Keller wieder aus.Unsere Vorfahren werden sich dort nur aufgehalten haben,wenn es sein musste. Über die damalige Altstadt sagen diese Mauerreste so gut wie nichts aus.

    Ich sehe das genauso wie Tel33 und so habe ich es ja auch schon früher beschrieben. Das Ausbuddeln wird zu einem Mehr an Bewußtsein führen. Es entsteht ein Gefühl für das Alte, und das allgemeine Bewußtsein kann sich näher herantasten an die DNA dieses Gebiets.

    Das Gebiet wird auch interessanter, weil die Leere des Forums gemindert wird.

    Ich muß allerdings sagen, daß ich mir sowas nur als Übergang vorstellen kann. Das wäre sozusagen ideal als Promotion für eine zukünftige Bebauung. Man sollte dort für zehn Jahre oder mehr ein Freilichtmuseum einrichten. Das könnte man schön garnieren, sodaß auch tatsächlich ein neuer "Ort" entsteht. Nicht nur ein paar öde Keller, sondern eine ernsthafte Gestaltung mit einer schmückenden Umrandung und mit Informationssteinen am Boden und ein paar altertümlichen Bänken zum Hinsetzen und Auf-sich-wirken-lassen.

    Das würde die Gegend auch mehr beleben und spannender machen. Das könnte auch so bleiben, selbst wenn man das Viertel nicht bebaut. Es ist doch tatsächlich etwas schön Berlinerisches und Spannendes, wenn man solche Kontraste schafft. Man muß es nur schön ausgestalten und sich Mühe geben. Dann kann das eine richtige Attraktion werden.