Leipziger Kaffeeklatsch

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    [...] Wohnraum als Argument für diese Art der Proportionsverzerrung herzubeten klappt auch in Leipzig vielleicht noch ein bis zwei Jährchen, dann kommt die Schrumpfung auch dort an. Dann werden sich diese sozialen Wohnraumargumente als das herausstellen, was sie immer waren: Blendwerk des Kapitals.

    Steile Thesen!

    Wenn auch in Leipzig die Schrumpfung ankommen wird, woher kommt sie denn und worauf stützt sich die These? Und wie ist das "soziale Wohnraumargument als Blendwerk des Kapitals" zu verstehen?

  • ^ Die These stützt sich auf die seit Jahren schrumpfende Außenwanderungsbilanz Deutschlands, die stark sinkenden Geburtenraten, auch in Leipzig (TFR von 1), die inzwischen deutlich spürbaren Effekte des demographischen Echos aus der Nachwendezeit, weshalb inzwischen nicht mehr nur die Kinder fehlen, sondern bereits die Mütter, die diese Kinder bekommen könnten und die inzwischen entleerten ostdeutschen Quellgebiete der Bildungswanderung nach Leipzig (Mittelsachsen, ländliche Räume Thüringen, Sachsen-Anhalt etc.).

    Alles, was aktuell noch unter der Prämisse der sog. Wohnungsnot and Wohnraum errichtet wird, wird in 5 Jahren direkt in den wachsenden Leerstand einzahlen. Die zweite Leerstandswelle kommt, auch nach Leipzig.

  • Dass die Wachstumskurve abflacht ist gut möglich aber ein Schrumpfen in den nächsten ein zwei Jahren halte ich für sehr unwahrscheinlich. Passend zum Thema: Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt die Regierung stellen frage ich mich ob es anschließend zu einem nennenswerten Zuzug nach Leipzig kommt oder es auch bei uns diesbezüglich negative Auswirkungen hat.

  • Da bin ich doch eher skeptisch. Aber wir werden es ja sehen.

    https://statistik.leipzig.de/statcity/table.aspx?cat=3&rub=1

    https://statistik.leipzig.de/statcity/table.aspx?cat=3&rub=1


    Die Leipziger Bevölkerung im Wandel - Eine demografische Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung bis 2024

    Dr. Christoph Bein

    Ende 2024 waren 632.562 Einwohnerinnen und Einwohner mit Hauptwohnsitz in Leipzig gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Einwohnerzahl um circa 0,6 %. Der Zuwachs bewegte sich damit wieder im langfristigen Normalbereich. Im Vergleich zu den späten 2010er-Jahren fand jedoch eine Verschiebung der Wachstumsfaktoren statt: Während die Stadt in den letzten Jahren vergleichsweise höhere Wanderungsgewinne verbuchen konnte, kam es in der gleichen Periode zu einem starken Rückgang der Geburtenzahlen. Der Beitrag betrachtet die Leipziger Bevölkerungsentwicklung im zeitlichen Verlauf.

    https://www.leipzig.de/rathaus/statis…lschaft#c376904


    Ich höre, es gäbe da bereits seit einiger Zeit ein neues Papier aus dem Amt für Statistik und Wahlen zur neuer Bevölkerungsvorausschätzun bzw. dem Vergleich mit der Bevölkerungsvorausschätzung 2023, das es aber bisher noch nicht durch die DB OBM geschafft hat.

  • Entscheidend ist nicht die natürliche Bevölkerungsentwicklung - die ist deutlich negativ und bleibt auch (wohl über Jahrzehnte) erst mal negativ.
    Entscheidend ist auch nicht die Binnenwanderung - die ist aktuell auch negativ und auch hier wird diese Entwicklung wohl anhalten, wenn die entsprechenden Quellgebiete selbst demographisch stärker unter Druck geraten. Ich sehe hier etwas Hoffnung auf eine zukünftig deutlich stärkere Zuwanderung aus Westdeutschland, aber das macht das Kraut aktuell nicht fett.

    Entscheidend ist die Außenwanderung. Wenn Leipzig da dem deutschen Trend folgt, dann läuft es auf eine weitere Halbierung des Außenwanderungssaldos hinaus und dieser halbierte Saldo könnte dann die negativen Komponenten nicht mehr kompensieren.

    Ich stimme zu, dass wir wohl erst mal nur eine Stagnationsphase sehen werden, gefolgt dann von echter Schrumpfung in den darauffolgenden Jahren. Aber schon diese Phase der Stagnation hieße ja, bei anhaltendem Neubau: Leerstand. Und das ist zunächst für den Wohnungsmarkt und die Mieter und ggfs. auch die Bauherren gar nichts schlechtes, man sollte nur irgendwann aufhören, den Schweinezyklus zu exzessiv zu reiten. Man könnte stattdessen etwas großzügiger bauen.

  • ^ ich denke nicht, dass es die richtig Schlussfolgerung ist. Deswegen hatte ich etwas provozierend gefragt.

    Bei der Zuwanderung gibt es etliche Faktoren welche manifestierte Thesen einfach nicht möglich machen. Diese dann ein eine Politik oder Stadtplanung zu übersetzen, wäre meines Erachtens völlig falsch.

    Ich denke auch, dass Begriff der Schrumpfung hier nicht der richtige Begriff ist. Da eine Schrumpfung nicht nur von dauerhaftem Einwohnerverlust sondern auch von wirtschaftlichem- und kulturellem Leistungsverfall geprägt wird. Davon kann keine Rede sein.


    Am meisten (in DE) zieht die Stadt aus den direkten Landkreisen und am meisten gibt daran ab. Wir sehen hier also ganz normale Prozesse welche permanent in Wellenbewegung stattfinden. Und auch wenn wir es hier und in den Depeschen immer wieder schreiben, es ist nicht die Haupt-Zuzugsquelle der Stadt.

    Die Zuzugszahlen aus den ostdeutschen Bundesländern (ohne SN) und den westdeutschen Bundesländern sind seit rund fünf Jahren ähnlich und haben sich in den letzten Jahren zugunsten der westdeutschen Bundesländer umgekehrt.

    Die ostdeutschen Bundesländer und Sachsen verlieren ja nicht nur Einwohner sondern findet auch eine starke Verschiebung vom Land in die Stadt statt. Dominant nach Leipzig. Auch wenn die Länder stark an Einwohnern verlieren, bedeutet es im Umkehrschluss kein zwingendes "Schrumpfen" von Leipzig. Im Gegenteil, werden soziale Infrastrukturen und Arbeit/Ausbildung noch stärker in den wenigen urbanen Räumen gebündelt.

    Die größte Zahl an Zuzügen finden immer noch aus dem Ausland statt. Das hat geopolitische und wirtschaftliche Gründe. Innerhalb einer Dekade gab es zwei! gewaltige Zuzugswellen durch Krieg und Vertreibung. Ich denke, das spricht für sich.

    Darüberhinaus findet mittlerweile auch eine starke Sekundärmigration statt. Also ausländische Migration nach Deutschland verschiebt sich innerhalb Deutschlands ein weiteres mal. Leipzig spielt diesbezüglich in Süd-Ostdeutschland eine herausragende Rolle, da soziale- und kulturelle Infrastrukturen hier wesentlich besser ausgeprägt sind als in anderen Städten und Regionen.

    Einmal editiert, zuletzt von hedges (31. Juli 2026 um 10:43)

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    [...] Aber schon diese Phase der Stagnation hieße ja, bei anhaltendem Neubau: Leerstand. Und das ist zunächst für den Wohnungsmarkt und die Mieter und ggfs. auch die Bauherren gar nichts schlechtes, man sollte nur irgendwann aufhören, den Schweinezyklus zu exzessiv zu reiten. Man könnte stattdessen etwas großzügiger bauen.

    ^ daran anschließend, gibt es auch hier nicht nur die Ansätze der verdichteten Großstadt welche mit der vorhandenen Infrastruktur so Einwohnerwachstum besser generieren kann, sondern bilden auch andere Wohngewohnheiten (z.B. Single-Haushalte und die Verschiebung von Gemeinschaft in den öffentlichen Raum) keine Grundlage für (räumliche?) "Großzügigkeit".

    Die Stadt muss selbst bei einer Stagnation (welche in Leipzig seit 25 Jahren nicht stattgefunden hat) oder negativem Zuzugssaldo einen Stadtumbau vorantreiben.

    Nutzen vorhandener Infrastruktur, Wandlung von Mobilitätsstrukturen, Verdichtung, Entwicklung öffentlicher Räume und Grünflächen, soziale Aspekte mit Einkommensscheren und sozialer Durchmischung sowie egalitäre Zugänge etc. Und über allem schwebt der Klimawandel welcher wirklich in jeden Teilbereich eingegliedert werden muss.

    Jetzt darüber zu philosophieren, dass ob wann und wenn, würde die Stagnation der Stadt selbst vorantreiben und hätte als Kreislauf dann auch die Stagnation im Einwohnerwachstum zu verantworten. Das wäre einfach grundlegend falsch! Und Deutschland hat in der Entwicklung von Städten wirklich keine Vorreiterrolle inne sondern genau das Gegenteil ist der Fall. Auch das spricht für sich.

    2 Mal editiert, zuletzt von hedges (31. Juli 2026 um 10:47)

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    Die ostdeutschen Bundesländer und Sachsen verlieren ja nicht nur Einwohner sondern findet auch eine starke Verschiebung vom Land in die Stadt statt. Dominant nach Leipzig. Auch wenn die Länder stark an Einwohnern verlieren, bedeutet es im Umkehrschluss kein zwingendes "Schrumpfen" von Leipzig.

    Nicht mehr. Leipzig verliert im Saldo massiv ans Umland, etwas weniger deutlich im Saldo an Sachsen (ohne diese beiden Umlandkreise) und auch der (noch) positive Saldo mit Ostdeutschland (ohne Sachsen) ist niedriger als die Verluste innerhalb Sachsens. Ich rechne hier also nicht nur banal die deutschen oder sächsischen Entwicklungen platt auf Leipzig hoch, wie du insinuierst. Ich glaube, deine Analyse basiert mehr auf Vibes. Zu behaupten, es fände aktuell eine "starke Verschiebung vom Land in die Stadt statt" ist falsch, im Gegenteil. Berlin wächst schwächer als sein Umland, Hamburg wächst schwächer als sein Umland, München, der Ruhrpott, Frankfurt, in allen diesen Fällen wachsen die Kernstädte aktuell schwächer als das erweiterte Umland.

    Zum Thema wirtschaftlichem Leistungsverfall bleibt abzuwarten, wo die großen Autobauer in naher Zukunft gedenken, ihre Stellen abzubauen. Ob das spurlos an Leipzig vorrüber geht, ist offen. Dass davon "keine Rede" sein können, stimmt so also nicht.

    Was ein "negativer Zuzugssaldo" ist, bleibt dein persönliches Geheimnis. Davon abgesehen verzichte ich mal auf eine Replik deines zweiten Wortschwalls, da fehlt mir leider die Lesbarkeit.

  • ^ hier wie auch bei manch anderem in der Konversation frage ich mich, welche Problematik bestehen muss, in einem anonymen Forum persönlich zu werden. Das ist wirklich skurril und mir die Zeit zu schade.

    Ich bin gespannt auf deine scharfen Analyse für die Zukunft, ganz ohne "Vibes".

  • Leute finden in Berlin, Leipzig oder anderen Großstädten keinen Wohnraum mehr und ziehen dann ins Umland. Die Städte wachsen über ihre administrativen Grenzen hinaus. Früher ist man in Leipzig einfach in eine freie Wohnung günstig gezogen, die Zeiten sind vorbei. Ein Einfamilienhaus ist für Normalverdiener mittlerweile auch in Leipzig schwer zu finanzieren, also sucht man im Umland Alternativen. Schaut man es sich mal auf Gemeindeebene im Umland an, profitiert davon eher weniger die Gegend um Torgau, sondern vor allem Umlandgemeinden mit guter Anbindung von 30 Minuten. Das ist übrigens positiv für die Umlandgemeinden, weil die zwischenzeitlich viele Einwohner verloren haben.

    Bezogen auf Leipzig gibt es natürlich gerade aktuell viele unbekannte Variablen. Wie geht es wirtschaftlich gerade im Automobilbereich weiter? Einsparungen beim MDR wirken sich schon jetzt bei Produktionsfirmen aus, in Leuna arbeiten auch etliche im Chemiebereich. Da hat Leipzig gerade keinen Lauf. Können sich die jetzigen Neubauten mit Kaltmieten von Minimum 13 € und zumeist mehr überhaupt genug Leute leisten? Wie wirkt sich ein mögliches AfD-Ergebnis in Sachsen-Anhalt auf den Osten insgesamt aus, wo glaube ich nicht jeder differenziert? Kommen dann noch die jungen Leute ins eigentlich angesagte Leipzig? Wie entwickelt sich die Haushaltslage der Stadt und was kann damit perspektivisch noch finanziert werden? Dazu die allgemeinen Faktoren, wie es beispielsweise beim Krieg in der Ukraine weitergeht, bei einem hoffentlich baldigen Frieden würden viele Menschen in die Heimat zurückkehren. Dazu sonstige Migration oder auch die Entwicklung wirtschaftlich in Deutschland.

    Würde mich nicht wundern, wenn man bei der städtischen Bevölkerungsprognose da aktuell abwartet, bis man die rausgibt bzw. die nochmal anpasst. Klar für mich in jedem Fall, die Zeiten des großen Wachstums sind auch hier vorbei, weil es kaum Leerstand mehr gibt, die Lückenbebauungen vor allem in beliebten Vierteln in den nächsten Jahren durch geringere Verfügbarkeit immer weniger werden und es bei den neuen zentralen Wohnquartieren wohl weiterhin sehr unterschiedlich vorangeht.


    Was für werdende Eltern in Leipzig wieder gut ist, man findet entspannt einen Kita-Platz, Grundschule entspannt sich bereits jetzt schon und auch an den weiterführenden Schulen wird das auch bald ankommen.

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    Zu behaupten, es fände aktuell eine "starke Verschiebung vom Land in die Stadt statt" ist falsch, im Gegenteil. Berlin wächst schwächer als sein Umland, Hamburg wächst schwächer als sein Umland, München, der Ruhrpott, Frankfurt, in allen diesen Fällen wachsen die Kernstädte aktuell schwächer als das erweiterte Umland.

    Richtig ist, dass es keine Verschiebung aus dem Umland in die Städte gibt, sondern umgekehrt mehr Menschen aus der Stadt ins Umland ziehen (u.a. Folge der angespannten Wohnungsmärkte*). Daraus folgt aber nicht zwingend ein prozentual stärkeres Wachstum des Umlands, da die Zuwanderung von außerhalb der Region in die Stadt die regionalen Wanderungsverluste ausgleichen oder überkompensieren kann (bspw. in M der Fall, und ich schätze auch in B, HH und F) (von Abwanderung aus dem Umland in andere Regionen mal ganz abgesehen). Und anders herum, nur rein theoretisch: Sofern sich das Wachstum des Umlands aus Zuwanderung von außerhalb der Region speist, könnten zugleich mehr Menschen vom Umland in die Stadt ziehen als umgekehrt, und trotzdem kann das Umland prozentual stärker wachsen.
    (*Die Verfügbarkeit von Wohnraum im Umland ist in einigen westdeutschen Städten ein limitierender Faktor, sonst wäre die Wanderung ggf. noch größer)

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    Bezogen auf Leipzig gibt es natürlich gerade aktuell viele unbekannte Variablen. Wie geht es wirtschaftlich gerade im Automobilbereich weiter?

    BMW wird voraussichtlich den Neuen Klasse 1er im Werk Leipzig produzieren. Zwar testet das Unternehmen in Leipzig humanoide Roboter, aber bis die im großen Stil Montagemitarbeiter ersetzen (wenn überhaupt), dürfte noch sehr viel Wasser die Flüsse Leipzigs herunterfließen ;)

  • Andrea Schultz vor drei Monaten:

    Suburbanisierung in Leipzig: Die Welle ebbt ab

    Gemeinsam mit meiner Kollegin Manuela Lagrange habe ich die Wanderungsbewegungen zwischen Leipzig und seinem Umland analysiert.
    Zwischen 2018 und 2022 nahm die Abwanderung in die umliegenden Kreise deutlich zu – von rund 1.500 auf über 4.400 Personen. Gleichzeitig weitete sich der suburbane Raum Jahr für Jahr weiter aus - ein Trend, den auch andere deutsche Städte erlebten.

    Seit 2022 zeigt sich in Leipzig jedoch eine Trendwende: Die Suburbanisierungswelle flacht ab. Die Wanderungsverluste gehen zurück und stagnieren seit 2024. Auch räumlich zieht sich der suburbane Raum wieder zusammen – die Reichweite hoher Abwanderungsintensitäten schrumpft.

    https://www.linkedin.com/posts/andrea-s…8854469633-zkrF


    Statistischer Quartalsbericht 4/2025 ist gerade down: https://statistik.leipzig.de/statpubl/index.aspx?cat=1&rub=2


    LZ, 20. April 2026

    Abwanderung aus Leipzig: Suburbanisierungswelle bekam 2024 einen Knick

    Von Ralf Julke

    https://www.l-iz.de/politik/kassen…24-knick-654320

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    Leute finden in Berlin, Leipzig oder anderen Großstädten keinen Wohnraum mehr und ziehen dann ins Umland. Die Städte wachsen über ihre administrativen Grenzen hinaus. [...]

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    Richtig ist, dass es keine Verschiebung aus dem Umland in die Städte gibt, sondern umgekehrt mehr Menschen aus der Stadt ins Umland ziehen (u.a. Folge der angespannten Wohnungsmärkte*). Daraus folgt aber nicht zwingend ein prozentual stärkeres Wachstum des Umlands, da die Zuwanderung von außerhalb der Region in die Stadt die regionalen Wanderungsverluste ausgleichen oder überkompensieren kann [...]

    Die am stärksten wachsenden Gemeinden (keine Großstädte) im Freistaat befinden fast alle um Leipzig herum. Also sehen wir hier natürlich ein Suburbanisierungsprozess. Das ist per se auch nicht negativ, muss aber in Bezug auf Infrastruktur und Flächenfrass orchestriert werden.

    Und natürlich besteht auch eine Wechselwirkung zwischen urbanem und suburbanem Raum. Jene wachsenden Gemeinden fördern die Erwerbstätigkeit in der Stadt und unterstützen durch eine konstante Anzahl an Personen in erwerbsfähigen Alter. Umgekehrt bietet die Stadt einen Arbeitsmarkt, Weiter- und Ausbildungseinrichtungen, überregionale Infrastruktur, und kulturelle Faktoren.


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    Bezogen auf Leipzig gibt es natürlich gerade aktuell viele unbekannte Variablen. Wie geht es wirtschaftlich gerade im Automobilbereich weiter? Einsparungen beim MDR wirken sich schon jetzt bei Produktionsfirmen aus, in Leuna arbeiten auch etliche im Chemiebereich. Da hat Leipzig gerade keinen Lauf. [...]

    Dekoratives Anführungszeichen

    [...]

    BMW wird voraussichtlich den Neuen Klasse 1er im Werk Leipzig produzieren. Zwar testet das Unternehmen in Leipzig humanoide Roboter, aber bis die im großen Stil Montagemitarbeiter ersetzen (wenn überhaupt), dürfte noch sehr viel Wasser die Flüsse Leipzigs herunterfließen ;)

    Leider erlebt Leipzig das erst mal seit 25 Jahren einen wirtschaftlichen Dämpfer. Dass trotz steigender Arbeitslosenquote gleichzeitig (noch) die Zahl der Erwerbstätigen wächst, ist ein interessantes Phänomen. Steigende Branchen wie der Life-Science Sektor schaffen aber (noch) keinen Ausgleich zur Neuordnung der Industrie. Hinzu kommt, dass der Standort bisher von keinem Milliarden schweren Subventionsprogramm der EU profitiert. Aufgreifend, sind nicht Humanoiden das Problem, sondern das wir sie am Standort nicht selbst entwickeln und herstellen.


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    Klar für mich in jedem Fall, die Zeiten des großen Wachstums sind auch hier vorbei, weil es kaum Leerstand mehr gibt, die Lückenbebauungen vor allem in beliebten Vierteln in den nächsten Jahren durch geringere Verfügbarkeit immer weniger werden und es bei den neuen zentralen Wohnquartieren wohl weiterhin sehr unterschiedlich vorangeht.

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    [...]
    (*Die Verfügbarkeit von Wohnraum im Umland ist in einigen westdeutschen Städten ein limitierender Faktor, sonst wäre die Wanderung ggf. noch größer)

    BMW wird voraussichtlich den Neuen Klasse 1er im Werk Leipzig produzieren. Zwar testet das Unternehmen in Leipzig humanoide Roboter, aber bis die im großen Stil Montagemitarbeiter ersetzen (wenn überhaupt), dürfte noch sehr viel Wasser die Flüsse Leipzigs herunterfließen ;)

    Was wirklich noch einmal sehr wichtig ist: limitierender Wohnraum in Ballungsräumen ist kein Grund für einen geringeren/s Zuzug/Wachstum per se. Es wird Personen mit wirtschaftlicher- und erwerbsbezogener Flexibilität in das Umland oder anderen Ballungsräume drängen. Aber jene welche diese Flexibilität nicht haben, auf bestimmte Arbeitsmärkte angewiesen sind, bestimmte sozio-kulturelle Bereiche/Nischen brauchen, oder sich in Ausbildung und höhere Bildung befinden, nicht verdrängen.

    Ganz wichtig: ein limitierender Wohnraum spitzt soziale und wirtschaftliche Missverhältnisse und Spannungen zu. Erschwert Zugänge zu nicht-natürlichen Lebensgrundlagen und Lebensbedingungen. Deswegen geht es beim Wohnungsbau auch nicht nur um Wachstum sondern auch um die Etablierung fairer Lebensbedingungen.

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    limitierender Wohnraum in Ballungsräumen ist kein Grund für einen geringeren/s Zuzug/Wachstum per se.

    Ist kein adäquater Wohnraum in der Kernstadt verfügbar, verlagert sich der Zuzug zwar zunächst in das direkte Umland und anschließend immer weiter hinaus. Ist aber die Schwelle erreicht, an der der Trade Off zwischen adäquatem Wohnraum (u.a. bezahlbar) und Pendelzeit ins Negative kippt, ist selbst für Personen mit erwerbsbezogener Flexibilität (i.d.R. Akademiker) ein Zuzug in die Region nicht mehr attraktiv. Das wiederum mindert auch für Unternehmen den Anreiz sich in der Region niederzulassen oder neue Arbeitsplätze zu schaffen. Auch solche für Personen mit geringer Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt. Fehlender Wohnraum mindert daher m.E. schon sehr klar Zuzug und wirtschaftliches Wachstum.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Deswegen geht es beim Wohnungsbau auch nicht nur um Wachstum sondern auch um die Etablierung fairer Lebensbedingungen.

    Dem stimme ich uneingeschränkt zu.

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    Richtig ist, dass es keine Verschiebung aus dem Umland in die Städte gibt, sondern umgekehrt mehr Menschen aus der Stadt ins Umland ziehen (u.a. Folge der angespannten Wohnungsmärkte*). Daraus folgt aber nicht zwingend ein prozentual stärkeres Wachstum des Umlands, da die Zuwanderung von außerhalb der Region in die Stadt die regionalen Wanderungsverluste ausgleichen oder überkompensieren kann (bspw. in M der Fall, und ich schätze auch in B, HH und F) (von Abwanderung aus dem Umland in andere Regionen mal ganz abgesehen).

    Auch hier nur kurz eine Korrektur, das BBSR hat hier erst vor kurzem eine schöne Anwendung zum Wachstum und Schrumpfung deutscher Gemeinden veröffentlicht, die zeigt, dass (bezogen auf die reine Bevölkerungsentwicklung) tatsächlich München, Frankfurt, Hamburg, Berlin etc. schwächer wachsen, als ihr unmittelbares Umland (bezogen auf den Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024, aktueller geht es offenbar noch nicht).

  • Aus der Karte https://experience.arcgis.com/experience/624…_selection=true geht allerdings auch hervor, dass acht Umlandgemeinden jährlich im Durchschnitt in etwa so wuchsen wie die Stadt Leipzig in den Jahren 2019 bis 2024, davon vier etwas mehr und vier etwas weniger:

    Kitzscher: 1,207 %

    Borna: 1,168 %

    Rackwitz: 1,390 %

    Eilenburg: 0,953 %

    Leipzig: 0,935 %

    Krostitz-Schönwölkau 0,824 %

    Wiedemar 0,765 %

    Pegau 0,763 %

    Großpösna 0,695 %


    Bei einigen von ihnen, darunter Kitzscher, Borna und Eilenburg, dürfte die Zuwanderung aus der Ukraine eine größere Rolle spielen.


    21 Gemeinden wuchsen zwischen 0 und 0,669 % jährlich. Einige direkt an Leipzig angrenzende Gemeinden, darunter Markkleeberg (-0,052 %), Borsdorf (-0,001 %), Machern (-0,165 %) und Brandis (-0,019 %), hatten eine stabile Einwohner*innenzahl, d.h. die Zuwanderung glich in etwa den Sterbeüberschuss aus.


    2025:

    Großpösna 2,6 %

    Elstertrebnitz 2,4 %

    Kitzscher 1,7 %

    Zwenkau 1,6 %

    Schkeuditz 1,3 %

    Rötha 1,0 %,

    Zschepplin 1,0 %

    Leipzig 0,7 %

    Machern 0,6 %

    Jesewitz 0,5 %

    Wiedemar 0,5 %

    Rackwitz 0,4 %

    ...

    https://www.statistik.sachsen.de/html/bevoelker…-einwohner.html

    Einmal editiert, zuletzt von LE Mon. hist. (3. August 2026 um 14:37)

  • Google Maps hat neue Satellitenbilder von Leipzig bereitgestellt. Die Aufnahmen sind m.E. von Ende September/Anfang Oktober 2025, da anscheinend gerade Kleinmesse und Markttage sind.

  • Die sind allerdings von 2024 oder früher. So steht zum Beispiel noch der REWE an der Antonienstraße 57, der im November/Dezember 2024 abgerissen wurde. Auf der Baustelle des Amano-Hotels am Brühl/Harmelin-Quartier ist noch nix los, also dürfte es 2022 oder früher sein. Der Radweg vor dem Hauptbahnhof ist noch nicht grün. Das wurde im April 2023 anders. Allerdings ist das leerstehende und teilweise eingestürzte Gebäude in der Rosa-Luxemburg-Straße 3 schon komplett weg. Das wurde im Oktober 2021 nach einem Giebeldurchbruch und dem Sacken mehrerer Etagen kurzfristig vollständig abgerissen. Bei der Baustelle des Sportbads am Rabet am Otto-Runki-Platz hat der Tiefbau noch nicht begonnen. Bei der Eisenbahnstraße 117-119 war man im September 2022 im Erdgeschoss am Werkeln und danach sieht es auch auf den Luftbildern aus. Beim Stadthafen ist zwar alles abgeräumt, aber der Aushub hat noch nicht begonnen. Auf dem Leuschner-Platz ist ein Rummel aufgebaut. Also wohl eher Sommer oder früher Herbst 2022.

    2 Mal editiert, zuletzt von LE Mon. hist. (7. August 2026 um 06:01)