Europacity Allgemeines

  • Sicher gäbe es auch bei strengeren Vorgaben noch genügend Gewinn und willige Investoren. Das sieht man doch anhand der zahlreichen Baulücken, wo die Möglichkeiten durch den Bestand eingeschränkt sind. Hier finden Bauherren/Architekten sogar oftmals erstaunlich geistreiche / attraktive Lösungen, um sich einer bereits attraktiven Umgebung anzupassen. Es stimmt aber, dass das Europaviertel schlimmer geworden ist.


    Edit: Oder doch nicht... Nach Lesen des Artikels scheint mir übrigens Frau Lüschers Architekturverständnis mal wieder nicht ganz so unschuldig an der sehr negativen Richtung, die die Architektur in Berlin nimmt. Gut zumindest, dass ein Medium wie der Tagesspiegel endlich (!) einmal anfängt, sich wenigstens zaghaft kritisch damit auseinanderzusetzen.

  • ^ Mit demTagesspiegel kommt man nicht weit. Die kritische Medien bezüglich Architektur und Städtbau sind die FAZ und (mit etwas Abstand) die Süddeutsche. In der FAZ gab es in April bereits ein einleuchtender Artikel über Klötzchen-Architektur und was die Nutzer davon halten.

  • Der Teufel steckt im Detail

    Die Senatsverwaltung hat auf ihrer Projektseite Aktualisierungen (2 "Blätter" bzw 1 "Verzeichnis" in Form 3er PDFs, jeweils zuletzt geändert am 25.10.2017) vorgenommen: http://www.stadtentwicklung.be…he_konzepte/heidestrasse/
    Sämtliche BV sind dort schön zusammengefasst aufgeführt, darunter auch "Projekte mit anstehendem Qualifizierungsverfahren" (letztere teils CA Immo, teils dem Land gehörend).
    Und wer aufmerksam liest, kann einige interessante Details entdecken:


    - zum "Döberitzer Grünzug" liest man in den Projektblättern unter den Nummern 4, 17 dann "zukünftig Annemarie-Renger-Straße" (unter "E" auch in Übersicht verzeichnet)


    - unter Projektnr. 35 »Hochhaus am Europaplatz« heißt es: "Bauzeit voraussichtlich 2020 bis 2021" -- nix mit "Baustart 2018" (siehe: http://www.deutsches-architekt…php?p=547862&postcount=12)
    "Verantwortlich" dürfte dafür wohl der im Bau befindliche, darunter verlaufende Tunnel für die S21 sein, wie im folgenden Fall ebenfalls der S-Bahn-Trasse:


    [...]
    "Architektenkind"s Aussage, dass durch strenge Auflagen (des Senats) und bei noch gewährleistetem Gewinn sich schon noch ein Investor findet, wird sich bald überprüfen lassen anhand des BV "Hochhaus am Nordhafen", wo laut CA Immos eigener Aussage alles vom dort noch zu finanzierenden S-Bahnhof abhängt: http://www.deutsches-architekt…um/showthread.php?t=13087


    - unter Projektnummer 19 heißt es dazu, dass CA Immo die Auslobung des Realisierungswettbewerbs für 2018 anstrebe; unmittelbar westlich dieses Gebäudes sei eine Haltestelle für die in Bau befindliche S21 vorgesehen.
    Die abschließende Entscheidung "darüber" [gemeint ist wohl: wer die Finanzierung übernimmt; u.a. Foto zuletzt hier: http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showpost.php?p=581413&postcount=1862] solle voraussichtlich 2018 getroffen werden...

  • ^
    Neben obiger Projektseite der Senatsverwaltung gibt's (wohl schon seit Sommer 2017) ein gemeinsames Portal von CA Immo Deutschland GmbH, Quartier Heidestraße GmbH, KAURI CAB DevelopmentBerlin GmbH, OVG Real Estate GmbH und BUWOG Bauträger GmbH: http://europacity-berlin.de/
    In den dort verlinkten PDFs der derzeit 2 Ausgaben der Publikation "Europacity Magazin" sind letztere jedenfalls im Impressum als Herausgeber benannt.


    So kann man dort z.B. lesen, dass die Ansiedlung von u.a. Airbus und JLL gelungen sei und dass mit „Reinhard Bär" das erste Restaurant im KunstCampus eröffnet habe. Andererseits verzögere sich die Fertigstellung der Promenade am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal bis Ende 2019 (wobei der Interviewer von Frau Lompscher tatsächlich irrtümlich glaubt, die Brücke über den Kanal verbinde Moabit mit Wedding; Moabit mit Mitte ist richtig..). Für die Brücke über die (S- und Fern-)Bahngleise Richtung Lehrter Straße stünden mittels städtebaulichen Vertrags rund 5 Mio. Euro zur Verfügung; diesbezügliche Planungsabstimmung werde jedoch voraussichtlich nicht vor 2023 der Fall sein.


    Insgesamt durchaus lesenswert!

  • Die nächste Abrechnung mit der modernen (und größtenteils missratenen) Architektur der Europacity kommt von Stefan Forster (Büro Stefan Forster Architekten) und wurde soeben im Tagesspiegel veröffentlicht.


    Forster kritisiert, dass die Parzellenstruktur durch große monolithische Blöcke aufgegeben wurde und dadurch die Abwechslung und Mannigfaltigkeit durch die Vielzahl einzelner Häuser verloren ging. Monolithische Blöcke bedrüften einer kraftvollen, plastischen Gliederung. Ein gelungenes Beispiel hierfür sei "Riehmers Hofgarten" in Kreuzberg.


    Bei den Gebäuden in der Europacity sei die Kombination des Großblocks mit glatten, durchrasterten und homogenen Fassaden, fatal. Die städtebauliche Realität sähe trostlos aus und lasse jegliches Verständnis von Stadt vermissen.


    Zitat: "Ein Egotrip der Architekten, von denen jeder seinen eigenen Block bekommt. Stupide und monoton folgt eine Rasterfassade auf die andere..."


    Für Forster (und nicht nur für ihn) sieht die Europacity nicht anders aus als die Europaviertel in Frankfurt und Stuttgart oder die Messestadt Riem in München. Insofern spricht er von der "Verwestdeutschung" Berlins.


    Als Lösungsvorschlag zu dem misslungenen Entwurf und Ansatz der Europacity wird auf das Konzept der geplanten Werkbundstadt am Spreebord in Charlottenburg hingewiesen, in der 33 renommierten Architekten kunsthandwerklich wertvolle Einzelstücke zu einem Ensemble verbinden möchten.


    Was wir bräuchten, so Forster weiter, ist eine Stadtpolitik, die umfassende Verantwortung für die Stadtentwicklung übernimmt, sowie starke öffentliche Wohnungsbaugesellschaften in Verbindung mit einer kritischen Öffentlichkeit, die sich von der Scholle emanzipiert und anfängt, wieder politisch zu denken.


    https://www.tagesspiegel.de/st…-europacity/21164636.html

  • Wie sehr möchte man ihm zustimmen. Was mir besonders gefällt ist die Referenz auf "Riehmers Hofgarten" in Kreuzberg. Das ist Gründerzeitarchitektur vom Feinsten.


    Man ist sich also nicht mehr zu schade, offen darauf hinzuweisen das klassische Gründerzeitarchitektur der Modernen haushoch überlegen ist.


    Auch sehr schön, der Verweis auf die reale Existenz einer echten Postmoderne :) Der Werkbundstadt in Charlottenburg. Ebenfalls gelungene, individuelle Architektur die dem Zeitgeist entspricht.

  • @ Urban Freak


    Ich denke du solltest den von DickesB verlinkten Artikel mal lesen besonders den letzten Absatz! ... und nich einfach selektiv nachplappern was dir in den Kram passt. Der Autor des Artikels, selbst Architekt sieht nähmlich weder eine Lösung im seelenlosen Städtebau der Investoren noch in der kunsthandwerklichen Beschwörung vergangener Zeiten... wo du sie anscheinend zu finden scheinst.

  • ^Ich habe den Artikel gelesen und antworte gerne auf dein Geplapper:


    Der letzte Absatz ist nahezu philosophisch und gibt per se überhaupt keine Antwort, sondern versucht sich einfach nur von konkreten Handlungsempfehlungen zu distanzieren.


    Trotzdem bleiben die Aussagen so im Text, wie sie eben im Text stehen. Auch wenn du den Link noch einmal öffnest, wirst du feststellen das die genannten Beispiele nicht von Zauberhand verschwunden sind: Riehmers Hofgarten und Werkbundstadt Charlottenburg, sowie Karl-Marx Hof in Wien (weniger mein Geschmack, aber trotzdem besser als die meisten zeitgenössischen Entwürfe).


    However: Wir werden uns so und so nicht einig denke ich - ich freue mich trotzdem auf das Sterben der Moderne :)

  • ^ Ich bin auch kein Freund dieser einförmigen abweisenden Kisten. Aber deswegen hasse ich moderne Architektur nicht, denn ich weiss auch, dass man es besser machen kann. Auch mit moderner Architektur.

  • ^ Eben. Und dafür, dass moderne Architektur angeblich am sterben ist, wächst diese doch ganz gewaltig. Überall, mehrheitlich und hoffentlich bald wieder mit etwas mehr Esprit.

  • Ehrlich gesagt finde ich es ziemlich unprofessionell von Stefan Forster, ein Viertel zu kritisieren, das höchstens erst zu einem Sechstel steht. Auch eine Verzahnung mit Nachbarschaftsvierteln, die er in F kritisiert, ist hier wegen des Kanals und der Bahnstrecke nicht möglich. Darüberhinaus ließ sich die Heidestraße als Zufahrt zum Tiergartentunnel auch nicht verhindern. Den Hafen fand ich schon immer bescheuert, da der Kanal ja schon eine Wasserlage darstellte.


    Ich würde erst mal abwarten.

  • Der Artikel ist doch komisch: Zuerst holt der Autor zu Fundamentalkritik aus: "Die Krise der Berliner Stadtentwicklung" und "Die verbaute Zukunft", als wenn nichts Gutes in Berlin entstanden wäre, um dann ein paar Zeilen weiter die positiven Entwicklungen hervorzuheben. Die "enorme Beliebtheit der Bestandviertel" kommt doch auch nicht aus dem nlchts, sondern zeigt doch , dass die Berliner Stadtentwicklung mit ihrer behutsamen Sanierung und Ergänzung des Bestands viel richtig gemacht hat.


    Schlussendlich geht es nur um ein Viertel, nicht um die gesamte Stadt. Aber dieses Viertel ist noch im Entstehen und gerade die bis jetzt fertigen Gebäude sind doch eher abwechslungsreich und dazu noch in direkter Nachbarschaft zu Altbauten und das im Artikel abgebildete Gebäude ist erst recht kein Klotz und sieht m.E. im Orginal deutlich besser aus als auf den Visualisierungen.
    Auch blockfüllende Gebäude sind keine neue Erfindung.
    Um nicht allzu weit abzuschweifen möchte ich nur an die ebenso vernichtende Kritik an der Neubebauung des Potsdamer Platzes erinnern. Dort war in den 90ern auch von Totgeburt die Rede und es wurde eine kleinteilige Bebauung gefordert. Interessiert das heute noch jemanden?


    Es gibt genug Bereiche in Berlin die kleinteilig erschlossen bzw ergänzt wurden. Bei vielen hat sich das gelohnt, anderen sieht man es auch noch fast 30 Jahre nach der Wende an, dass es keinen Masterpaln gab und gibt.


    Man sollte abwarten (wir Beobachter haben ja eh keine andere Wahl), Berlin und seine Baukultur wird wegen dem Europaviertel nicht untergehen.

  • Um nicht allzu weit abzuschweifen möchte ich nur an die ebenso vernichtende Kritik an der Neubebauung des Potsdamer Platzes erinnern. Dort war in den 90ern auch von Totgeburt die Rede und es wurde eine kleinteilige Bebauung gefordert. Interessiert das heute noch jemanden?


    Guter Einwand, dieser Platz ist mehr als akzeptiert. Allerdings ist die Lage des Potsdamer Platzes so exponiert, dass es einen Elfmeter ohne Torwart bedeutete, dort Leben hineinzubringen. Nördlich des Hauptbahnhofs dürfte dies etwas schwieriger werden.


    Die Frage für mich ist, ob die Erwartungshaltung einer mit dem Potsdamer Platz vergleichbaren Urbanität in der Europacity nicht überzogen wäre. Ein neuer Stadtteil ist nicht gleich gescheitert, wenn bei Sonne nicht sofort und überall Menschen auf der Straße mit einem Kaffee in der Hand abhängen. Auch in den viel gelobten Altbauquartieren beschränkt sich urbanes Leben auf einzelne Straßen (siehe Bergmannkiez z. B.). Vielleicht ist deshalb der Stadthafen eine gute Idee, da die Heidestraße diese Aufenthaltsqualität nicht bieten kann.

  • ^ Man kann nicht gleich Menschenmassen erwarten, aber abwechslungsreiche interessante Architektur - doch. Etwas weiter oben wurde dieser FAZ-Text verlinkt, in dem dem Quartier Eintönigkeit vorgeworfen wurde. In real habe ich nur einen Rand gestreift, doch was ich aus Fotos und Visualisierungen kenne, bestätigt die FAZ-Einschätzung.

  • Die Frage für mich ist, ob die Erwartungshaltung einer mit dem Potsdamer Platz vergleichbaren Urbanität in der Europacity nicht überzogen wäre.


    Genau! Die Europacity soll ja gar kein Stadtzentrum werden. Deswegen halte ich die Ansprüche auch zum Teil für zu hoch.
    Bei Potsdamer Platz half sicher auch die Lage und die "Magie des Ortes" um daraus wieder einen akzeptierten Ort zu machen.


    Für die Europacity steht und fällt die Sache mit der Verkehrsentwicklung. Permanent starker Verkehr auf der Heidestraße und ein fehlender S-Bahnhof Perleberger Brücke könnte die Entwicklung sehr beeinflussen. Ich schätze aber mal, dass außer den Bewohnern und Beschäftigten kaum andere "Besucher" ins Viertel kommen werden. Dafür ist es auch nicht vorgesehen.

  • Genau! Die Europacity soll ja gar kein Stadtzentrum werden. Deswegen halte ich die Ansprüche auch zum Teil für zu hoch. ...
    .


    Zitat von Bau-Lcfr

    ...Man kann nicht gleich Menschenmassen erwarten, aber abwechslungsreiche interessante Architektur - doch.



    Auch wenn nördlich des Hbf kein Stadtzentrum enstehen soll, sondern ein stadtzentrales Gewerbe / Bürogebiet mit Wohnanteil, so könnte man es doch ansprechend und weltstädtisch gestalten.
    Einfach mal schauen was andere Städte aus der Kombination Freifläche, Büro, Wohnen, Gewerbe auf die Reihe bekommen.
    Nachfolgend aufgeführtes Beispiel ist gerade am Stadtrand im Entstehen. 12 / 13 km vom Stadtzentrum entfernt. Anspruchsvoller als alles, was in Berlin in zentralen Lagen gebaut wird.


    Wie geschrieben, 12-13 km vom Zentrum entfernt, dass liegt im Vergleich deutlich weiter draussen als z.B. Adlershof. Die Bilder zeigen nur ein Teil des Ensembles, daneben wird munter und anspruchsvoll weiter gebaut.



    CDMX Santa - Fe by Kleist Berlin, auf Flickr



    CDMX Santa - Fe by Kleist Berlin, auf Flickr



    CDMX Santa - Fe by Kleist Berlin, auf Flickr



    CDMX Santa - Fe by Kleist Berlin, auf Flickr

  • ^ Wenn schon Beispiele, wäre es nett zu sagen, was genau am Kaliber übernommen werden sollte. Zwischen den Hochhäusern von Kleist sehe ich keine städtische Räume, dieses Beispiel wirkt eher abschreckend.


    Ich versuche es selbst - abwechslungsreiche Klinkerfassaden mit Farbigkeit und Mustern. Glas mit Farbakzenten kombiniert einer Hotelfassade. Beide Beispiele mit klar definierten Straßenblöcken - in die hier und da Hochpunkte integriert werden können. Verbindung der Neubauten mit schön renovierten Altbauten (auch in der Europacity gibt es Altbauten, die man schön renovieren könnte, wie es vor ein paar Wochen angesprochen wurde), überschaubare Plätze mit Menschenmass (3. Foto).
    Noch eine ansprechende Platzumgestaltung mit Massstab - solche Plätze mit klar definierten Räumen fehlen auf den Fotos von Kleist.


    Und wenn schon Postmoderne - es geht auch mit viel Fantasie wie hier in Heerlen oder einige Postings weiter in Arnhem.

  • Bei den Beispielen aus London überwiegt bei mir die Skepsis. Wenn man sich die durchaus interessane farbliche Gestaltung wegdenkt, verbleibt die auch in Berlin oft übliche glatte Lochfassade. Auch bei den anderen Beispielen wirkt die vorhandene Plastizität der Fassaden etwas bemüht und aufgesetzt. Da kann sich das 5oHz oder der Tour Total eigentlich sehen lassen. Ist alles Geschmackssache, aber schlimm wird es in der Europacity nicht werden, allenfalls nicht herausragend.


    Mich stimmt eher nachdenklich, dass in attraktiven Lagen wie Hbf., Ostbahnhof und Südkreuz nicht mehr in die Höhe gebaut wird. In Berlin wird m. E. Platz verschenkt, denn soviel Flächen für den Neubau von Büroräumen mit gleichzeitig gutem Anschluss an den ÖPNV gibt es nicht. Derweil steigt die Nachfrage weiterhin.

  • ^ Am Hbf ist CA Immo Eigentümer vieler attraktiver Flächen - und als börsennotiertes Unternehmen auch Boden-Spekulant..
    Siehe: http://www.stadtentwicklung.be…uropacity_Eigentuemer.pdf
    (Q: http://www.stadtentwicklung.be…he_konzepte/heidestrasse/)
    Z.B. die dortigen Nr. 29, 30 sind bislang überhaupt nicht projektiert, also Vorhalteflächen..


    Visu: http://www.caimmo.com/de/portfolio/projekt/europacity/
    Außerdem blockiert(e) die S21-Baustelle Hochbauten, beispielsweise folgenden, in letzterer Visu auch Enthaltenen: http://www.deutsches-architekt…p?p=578604&postcount=1200


    Aber das hatten wir schon alles, Fakten scheinen ein paar nicht zu interessieren..