Alexanderplatz: Diverses

  • Leo:
    Du sprichst davon, dass Städte ihren ursprünglichen Charakter durch die neuen Hochhäuser verlieren. Das kann ich nachvollziehen, wenn ich es auch nicht so dramatisch sehe wie du es wahrscheinlich tust. Ich finde aber, dass es im Bereich um den Alexanderplatz nicht viel vom ursprünglichen Berlin gibt, was verloren gehen kann. Im Gegenteil, dadurch das man auch die Straßen wieder verkleinert hat und dem Platz wieder eine Fassung und Dichte geben will, bewegt man sich wieder in Richtung eines typisch europäischen Zentrums. Nur eben mit Hochhäusern (wenn diese denn überhaupt irgendwann einmal gebaut werden).

  • @ Leo Fuchs


    Dein Kommentar zum Alexanderplatz besteht leider überwiegend aus abstrakten Konstruktionen und Zuschreibungen.


    Der Alex soll nach Kollhoff wieder ein dichter urbaner Platz werden, wie er es auch früher war - und wie er es möglicherweise auch ganz ohne Krieg und Teilung geworden wäre. Ein Abriß von Altbauten ist durchaus vereinzelt vertretbar, wenn die Substanz nicht so zerstört ist wie in Berlin. Wir hätten also möglicherweise ganz ohne Krieg, Teilung und "Kapitalismus" Hochhäuser am Alex.


    Ist etwas gegen "Kapitalismus" einzuwenden? Der ist doch super. Sollte nur etwas stärker reguliert werden.


    Die historisch orientierten Sockelbauten am Alex werden nicht wegen des "Kapitalismus" gebaut, sondern weil sie unserem traditionellen Städtebau entsprechen und schlichtweg adäquat sind.


    Entgegen deinen Äußerungen spüre ich immer mehr am Alex den Geist der Zwanziger Jahre bzw. die historische Identität. Es ist jetzt schon sehr viel deutlicher die historische Kontinuität spürbar. Dazu muß der Alex nicht exakt so aussehen wie vor 80 Jahren.


    Den Vergleich mit osteuropäischen Hochhausdistrikten finde ich fehlgehend. Ich lehne solche Retorten- und Potenzbeweisstädte auch ab.


    Warum polemisierst du so sehr gegen den "Kapitalismus", was auch immer das sein mag? Der sozialistische Städtebau ist meist häßlich und nur sehr bedingt erhaltenswert.


    Es geht hier nicht um Kapitalismus oder Sozialismus, sondern darum, was gut aussieht und eine angenehme Urbanität und Identität schafft. Ich finde ein paar wenige Hochhäuser am Alex sehr passend - also ca. 5-10 Stück.

  • Dass das ParkInn und das Verlags-Hochhaus abgerissen werden ist auch zu bezweifeln. Damit bleiben noch 4-5 von den ursprünglichen Plätzen übrig um HH zu errichten.


    Aber naja, sollte es wirklich mal zu eng werden für neue HH, dann finden sich in der umgebung noch reichlich Gebäude die auch ersetzt werden könnten.

  • Also zuerst mal was Allgemeines: Dieses Forum ist ein klasse Ort, um sich über Architektur und Städtebau mit interessierten und fachlich versierten Leuten auszutauschen. Wenn es jedoch um Politik geht, dann ist das hier, soweit ich das mitbekommen habe, der denkbar schlechteste Ort. Außerdem war das, was ich bezüglich des „Kapitalismus" geschrieben habe eher objektiver als subjektiver Natur. Eine politische Meinung kam da glaube ich nicht zum Ausdruck. Es geht hier um Städtebau und Architektur und daran werde ich mich auch halten.


    Das was ich kritisiert habe war, dass es eine Tendenz in den vormals hochhauslosen* Städten in (Ost) Europa gibt, vor allem die Stadtmitten nun mit eben jenen zu bebauen. Ich verstehe da auch ehrlich gesagt nicht, warum das Beispiel „Moskau" hier unangebracht wäre. Das war nicht als „Beweis" für irgendwas gedacht, sondern einfach nur als Beispiel für post-ostblock Stadtentwicklung.


    Und nein, dass der Alex wieder so aussehen muss, wie vor 80 Jahren halte ich auch für Unsinn. Aber wo bitte habe ich das denn geschrieben? Ich habe auch nicht beklagt, dass der Alex den „Geist der 1920er vermissen lässt".
    Was ich eigentlich beklage ist, dass der Alex nach dem Krieg eine gewisse Form bekommen hat, die ich für erhaltenswert erachte und das nicht aus politischen, sondern aus kulturell- städtebaulichen Gründen.
    Ist das keine Meinung, die man vertreten kann? - Ich finde schon.


    PS: „Gutes Aussehen" ist aber eher Ansichtssache und kann nicht wirklich als Argument für Städtebau gelten ;')


    *„hochhauslos" nach westlichem Vorbild

  • Und nein, dass der Alex wieder so aussehen muss, wie vor 80 Jahren halte ich auch für Unsinn. Aber wo bitte habe ich das denn geschrieben?


    Wer hat dir das denn vorgeworfen?


    Ich habe auch nicht beklagt, dass der Alex den „Geist der 1920er vermissen lässt".
    Was ich eigentlich beklage ist, dass der Alex nach dem Krieg eine gewisse Form bekommen hat, die ich für erhaltenswert erachte und das nicht aus politischen, sondern aus kulturell-städtebaulichen Gründen.
    Ist das keine Meinung, die man vertreten kann? - Ich finde schon.


    Aus genau den gleichen Gründen finden eben andere das Gegenteil. Und niemand spricht dir dein Empfinden ab. Es ist ein bißchen merkwürdig.


    Der sozialistische Alex ist eine häßliche Wüste - meiner Meinung nach.


    Wir können von Glück reden, daß er durch die bisherigen Veränderungen stark profitiert hat.


    Es gibt halt Leute, für die ist das Prädikat "historisch originalgetreu" kein Selbstzweck. Ich verstehe die Liebe mancher Leute zur sozialistischen Version nicht. Ich erkläre mir das als (westliche) Faszination am Exotischen. In der Politik sagt man häufig: Die Realität frißt sich durch. Und das gilt meiner Meinung nach auch für den Städtebau. Theorien hin oder her.


    Ich fühle mich sehr kalt, fremd und verloren am Alex (wenn ich den Blick weiter schweifen lasse). Ich empfinde die Bebauung durch Alexa, Die Mitte, Kleihues-Kaufhof und bald Alea als regelrechte Erlösung - so sehr man über die Architektur streiten mag. Städtebaulich ist es eine Erlösung und man hat endlich wieder das Gefühl eines legitimen Zentrums - und nicht einer desintegrierten Wüste.


    Nimm's dir nicht so zu Herzen. Deine und meine Auffassung sind prinzipiell gleichberechtigt. :)

  • Wichtiger als die Architektur der DDR, finde ich die Maßstäbe in denen zu dieser Zeit gebaut wurde. Und der Maßstab in dem der Alexanderplatz nach dem Krieg errichtet wurde ist einfach zu groß und zu weitläufig für das Zentrum einer so großen Stadt.
    Dass man hier wieder verdichtet ist meiner Meinung nach der richtige Schritt, den DDR Städtebau kann man auch ein paar Meter weiter östlich bewundern.

  • Import

    Die City West wurde nun eben schneller wachgeküsst. Dabei wurde am Alex neben einigen halbhohen Neubauten immerhin der Hotelturm saniert und auch dort könnte ja theoretisch in den kommenden Jahren noch mind. ein 150m-Haus kommen. Dann wäre er plötzlich wieder vorn ;) Aber es ist ja auch kein Wettrennen.


    Was verstehst du denn unter halbhohen Bauten? Für mich zählen die realisierten Projekte zur Standardhöhe.


    Du meinst vielleicht das Königscarree, aber das ist mir zu weit weg vom Alex.


    Ich habe das Gefühl, daß der Alex erst einmal halbwegs den Charakter eines normalen Platzes erlangen und ausstrahlen muß, bis sich Investoren dorthin trauen.


    Deshalb bin ich recht froh über Alexa, Mitte und Alea. Der Platz wird immer greifbarer. Im Westen steht ja schon alles. Ich glaube, diese psychologischen Belange spielen durchaus eine Rolle.

  • Die Umgestaltung sieht gut aus. Schöne Holzbänke, schlicht, elegant. Man könnte noch etwas Bodenleuchtung einbauen, anstrahlen und auch eine große LED Wand anbringen für Nachrichten, Sortereignisse usw.
    Die Fassaden der Hochhäuser müssten verschönert werden. Warum macht man da nichts?
    Außerdem könnte wie am Kuhdamm auch 3 Hochhäuser gebaut werden, die dem Platz noch mehr Charme verleihen. Ach und Wasserspiele wären auch schön. Macht mal mehr aus eurer Umgebung! Es ist schließlich die Hauptstadt;)

  • Nicht böse sein, aber Dein Beitrag kommt mir vor, als wären wir hier bei "Ich wünsch mir was...".


    Welche Hochhäuser meinst Du? Welche Holzbänke? Die am Fernsehturm? Und da soll noch eine LED Wand?

  • Man könnte ja den hinteren Teil ja abreißen und den Blockrand Richtung Rochestraße schon mal anfangen wiederherzustellen ;)

  • Für mich liegt die Halle (so komisch es an dieser Stelle klingen mag) zu weit abgeschieden. Zwischen Kaufhof und Alexa hat man eine Menge Geschäfte, die nur wenige Meter von einander entfernt liegen. Das Carree liegt da am Rande, durch die Karl-Liebknecht-Straße abgetrennt.

  • Die Ost-Geschäfte dadrin sind sehr schön. Jedem Ossi anzuempfehlen. Man sieht viele bekannte Dinge.


    Aber mich freuen diese Nachrichten davon abgesehen. Das Teil soll gefälligst abgerissen und die alten Stadtstrukturen wiederhergestellt werden. Das ist ein tolles neues Entwicklungsareal. Die Rathauspassagen funktionieren weitaus besser und können ruhig noch länger stehen bleiben. Sehen auch ein bißchen besser aus als dieser Ost-Corbusier-Riegel.


    Das alles soll noch ein bißchen verfallen bis in die Post-Lüscher-Ära. Dann ist das historische Bewußtsein hoffentlich wieder besser ausgebildet.

  • Wie wir aus dem RBB - Beitrag erfahren haben, wird ja ab oder bis (?) Mitte nächsten Jahres umgebaut. Ob die WBM generell als Centervermieter erfolgreich ist, darf bezweifelt werden, wenn ich mir den Mix der Rathauspassagen ansehe!? Zugegeben durch die WAL-Mart Deutschland Pleite ist da natürlich auch seinerzeit alles etwas unglücklich verlaufen. Die Sprecherin im Beitrag ließ aber auch schon durchklingen, daß es sich eher um Nahversorgung, als um High Class Fashion o.ä. handeln wird . . .

  • Ehemaliges ADN-Gebäude

    Auf der von Bato verlinkten Seite des Investors Sonus ist zu sehen (unter Projekte/M1 Office), dass der Plattenbau an der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße Ecke Mollstraße nicht abgerissen, sondern saniert wird. [...]


    Kennt hier jemand den aktuellen Stand der Dinge? Jedes Mal, wenn ich dort vorbeifahre, beschleicht mich irgendwie das Gefühl, dass sich hinsichtlich der Sanierung zumindest rein äußerlich sehr wenig bis gar nichts tut. :confused:


    Edit: Die ursprünglich in diesem Thread verlinkte Internetpräsenz des Investors Sonus gibt es nicht mehr, was wohl nichts Gutes verheißen dürfte...

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  • Kennt hier jemand den aktuellen Stand der Dinge? Jedes Mal, wenn ich dort vorbeifahre, beschleicht mich irgendwie das Gefühl, dass sich hinsichtlich der Sanierung zumindest rein äußerlich sehr wenig bis gar nichts tut. :confused:


    Edit: Die ursprünglich in diesem Thread verlinkte Internetpräsenz des Investors Sonus gibt es nicht mehr, was wohl nichts Gutes verheißen dürfte...


    Seit ein paar Tage es geht's wirklich los mit den Sanierung :daumen:


    Hier eine Foto von mir


    https://dl.dropbox.com/u/8804471/IMG_20130304_162148.jpg