• Ich habe in Italien (Ligurien, Toskana, Sizilien, Lombardei; Nahverkehr: Genua, Florenz, Turin, Mailand) nur absolut pünktliche Züge erlebt, auf manchen Strecken wurden alle Durchsagen auch auf Englisch getätigt. Beides kenne ich von Deutschland nicht. Also von meiner Erfahrung her würde ich mit Italien tauschen.

    Dann bist Du aber ein absoluter Glückspilz!!!


    In Turin habe ich Zugausfälle erlebt. In Sizilien fuhren über mehrere Stunden keine Linienbusse. Auch in der Toskana habe ich ganz andere Erfahrungen gemacht. Mindestens zu einem Dutzend habe ich erlebt, dass ein unplanmäßiger Gleiswechsel erst ein bis drei Minuten vor Zugeinfahrt angezeigt wurde. In den meisten Fällen gab es dazu noch nicht einmal eine Durchsage. Sowas habe ich in Deutschland bisher noch nicht erlebt.

    Einen Gleiswechsel gibt es äußerst selten und wenn dann gibt es eine Durchsage.


    Am zuverlässigsten sind die Vaporettos (Wasserbuslinien) in Venedig. Das Liniennetz ist sehr praktisch strukturiert

    und die Zuverlässigkeit erinnert an den Verhältnissen in der Schweiz oder Japan.


    Ich habe über drei Wochen ganz Italien bereist und wundere mich doch sehr über deine positiven Erfahrungen in Italien.


    :)

  • Was eine verdrehte Diskussion.
    Das ist ebenfalls in diesem Forum typisch, daß wir auf Kritik einer fehlenden gestalterischen Leichtigkeit mit der Kritik das Architektur in Deutschland häufig sehr technisch, kalt und abweisend wirkt, plötzlich über Pünktlichkeit des Verkehrs redet und damit auf Italien verweist. Wieder kann ich sagen "Typisch Deutsch - oder sagen wir - typisch für eine bestimmte Klientel an Bürgern - anstatt sich zu fragen, was könnten wir in Deutschland evtl. anders machen, was ist dran an der Kritik - ist die Kritik völlig absurd und von der Hand zu weisen? Was lieben wir evtl. alle so an Italien ? Warum empfinden viele Menschen Deutschland etwas zu "technisch" - All die Fragen, die sich mit der kritischen Selbstanalyse befassen werden, stattdessen zu einem Gegenangriff. Ehrlich? Ich finde das peinlich.

    Wie gesagt die Bahnhöfe in Berlin sind allesamt überdurchschnittlich gut. Dennoch - warum hat man beispielsweise beim Ausstieg nicht darauf geachtet (siehe Foto) das die Farben weiterhin die angenehmen Farben der alten Architektur-Sprache aufgreifen - warum immer wieder in Deutschland dieses merkwürdige suchen nach einer Identität in der Farb- und Formwahl? Warum hat man bsp. nicht einen verspielten Rückgriff auf alte Zeiten mit Verzierungen gewählt, meiner Ansicht nach evtl. sogar kitischig - aber gerade unter den Linden diesen dunklen Granit zu wählen - WTF?

    Der Bahnhof für sich betrachtet - aller Ehren Wert- aber eben wieder typisch - man hätte hier das Ensamble aus Schloss, den alten Gebäuden Unter den Linden auch eine U-Bahn spendieren können, die wenigstens irgendwie und irgendetwas an der Farb-oder Formsprache der Prachstraße "Unter den Linden" aufgreift.

    So passiert folgendes. Ein super moderner, toller Bahnhof der aber auch irgendwie überall auf der Welt in einem Neubauviertel entstanden sein können. Wo ist der Bezug zu Berlin? Der blaue Sternenhimmel - ist eben auch wieder ein "Objekt" das für sich gesehen ganz toll sein mag...

    Anstatt die warmen, angenehmen Farben der Prachtbauten Unter den Linden auch in den U-Bahnhöfen wenigstens ansatzweise aufzunehmen, kommt plötzlich ein Bahnhof, der komplett als Solitär daher kommt, dabei aber die Umgebung überhaupt nicht aufnimmt ??

    Dazu finde ich viele Beispiele in Berlin - in Deutschland. Man entwickelt Architektur immer so als ob es kein "Vorher" und keine "Umgebung" gibt - damit wirkt alles immer wie ein riesiger Flickenteppich - besonders in Berlin echt häufig sehr ärgerlich...bitte nicht falsch verstehen, manchmal auch sehr spannend und Berlin-Typisch...aber warum muss immer alles so wirken, als ob Rundungen, verspielte Formen, Verzierungen Teufelswerk sind?

  • Dazu finde ich viele Beispiele in Berlin - in Deutschland. Man entwickelt Architektur immer so als ob es kein "Vorher" und keine "Umgebung" gibt - damit wirkt alles immer wie ein riesiger Flickenteppich - besonders in Berlin echt häufig sehr ärgerlich...bitte nicht falsch verstehen, manchmal auch sehr spannend und Berlin-Typisch...aber warum muss immer alles so wirken, als ob Rundungen, verspielte Formen, Verzierungen Teufelswerk sind?

    Dem könnte ich zustimmen, wenn du das Wort "immer" durch "in vielen Fällen" ersetzt. So wird sonst nur unnötig alles über einen Kamm geschert, was letztlich schnell wieder in einer Diskussion über Ornament und Moderne endet, inkl. endloser Posts mit Gegenbeispielen, da natürlich allzu leicht widerlegbar.

    Nicht überraschen sollten dich daher auch die Italien-Vergleiche, welche von dir (sinngemäß) mit "einmal in Italien gewesen und merken was dort alles besser läuft" angestoßen wurde. Es ist klar, dass solche Trigger Widerspruch provozieren ;).

  • Natürlich gerne auch die Goldwaage und ersetze "immer" durch "in vielen Fällen" - Danke. Und übrigens kamen die Italien-Vergleiche in Bezug auf Architektur und da gab es so gut wie keinen Widerspruch ;-) Man hat sich dann schnell auf "Fahrtzeiten" konzentriert, anstatt über das Thema zu reden um was es mir ging - man kann tausend Beispiele finden in Italien wo man hässliche Gebäude findet - ist das das Thema - NEIN - das Thema ist ein Anderes - aber jeder pickt sich natürlich das raus, was er gerade lesen will. Mir geht es und ging es um das Thema, warum wirkt in Deutschland vieles, häufig sehr kalt,technisch und warum Architektur häufig ohne Bezug zum Ort in Deutschland entsteht, das finde ich hochspannend.


    Mod: Sinnloses Vollzitat des Vorposts gelöscht.

  • ^ Prinzipiell kann ich dieser Einschätzung auch zustimmen. Ich finde nur Du übertreibst etwas, wenn eine U-Bahnstation als Teil eines Hochbau-Ensembles gesehen werden muss. Hier hätte ich gerne Beispiele, wo so etwas aus Deiner Sicht gelungen umgesetzt wurde. In Italien finden sich solche Beispiele offensichtlich auch nicht.


    Wenn die Gestaltung schon bei Hochbauten dem Ensemble nicht angemessen umgesetzt wird, warum gerade bei Tunnelbauwerken darauf pochen?


    Abgesehen davon, hätte ich einen ortstypischen "warmen" beigen Sandstein anstatt des Granits, gestalterisch wie farblich einfach unpassend gefunden - er hätte sich mit den "kühlen" blau des Sternenhimmels gebissen und würde viel schneller siffig und fleckig aussehen als polierter Granit. Aber nichts gegen shabby chic, der wird nur gerade im historische Kontext auch gern kritisiert.


    Ich kann die Kritik der technisch-kühlen Anmutung nachvollziehen, aber auch diese gibt es im Ensemble Museumsinsel.

  • ... ähm, wieso muss es überhaupt Granit oder Sandstein oder Marmor oder irgendein Stein sein? gibt es nicht genügend aufregend neue Materialien? Es gibt doch sehr gute Beispiele Berliner U- Bahnstationen, die mit Materialien wie Mosaiksteinen, Aluminiumpanels oder auch Klinker verkleidet sind. Holz fehlt noch.

    ... und seit wann muss denn die U-Bahnstation das widerspiegeln was oben den Ton angibt? Da lobe ich mir doch Stationen wie Fehrbellinerplatz. Leider gibt es auch in letzter Zeit schlechte Beispiele wie Bismarckstraße, wo die sehr angenehme 70er-Gestaltung mit eleganten silberfarbenen Alupanels zugunsten einer schreiend grünen Keramikverkleidung, schlecht interpretierte 20er würde ich sagen, beseitigt wurde.

  • Mir geht es und ging es um das Thema, warum wirkt in Deutschland vieles, häufig sehr kalt, technisch und warum Architektur häufig ohne Bezug zum Ort in Deutschland entsteht, das finde ich hochspannend.

    Als eine der vermeintlichen Ursachen hast du oben "Regelwut", die es deiner Meinung nach in Italien so anscheinend nicht gibt, angeführt.

    Ich denke jedoch nicht, dass hier tatsächlich Vorschriften und Auflagen maßgeblich sind, wenngleich gerade bei Infrastrukturvorhaben sicher ein Faktor (Kostenminimierung).

    Wenn ich ins südbayerische Oberland blicke, stellt es sich auch wieder anders dar; dort gibt es vielerorts sehr strenge Bauvorschriften, die jedoch gerade dazu führen, dass Wohnneubauten i.d.R. ziegelgedecktes Satteldach, Mindestdachüberstand, Balkone mit Holzgeländer, Sprossenfenster besitzen müssen, und damit eher warm und gemütlich wirken. In Österreich ist in vielen Gemeinden das Gegenteil der Fall, dort stehen dann auch in kleinen Bauerndörfern futuristische Flachdachkästen mit verspiegelten Fensterscheiben und schwarzer Wandfarbe herum (das auch speziell zum Punkt "Bezug zum Ort"; ein anderes Beispiel wären die mit monotonen Wohn- und Hotelburgen vollgestellten Mittelmeerküsten, gerade auch im reichen Monaco).


    Ich schweife mal zu den Automobilen ab. Auch dort gelten deutsche Autos eher als technisch, kühl, wenig aufregend. Die Vorschriften bzgl. Verkehrssicherheit gelten jedoch für alle hier verkäuflichen PKW. Nüchternes, unauffälliges Design scheint also den Massengeschmack der Deutschen zu treffen, im Stereotyp wird auch unsere Mentalität dahingehend beschrieben. Marken aus Südeuropa, Seat, Alfa Romeo, Maserati, aber auch die Franzosen P/C/R zeichnen häufig emotionaler (nur aggressiver werden sie inzwischen länderübergreifend).


    @Moderation: Kann gerne in die Lounge verschoben werden

  • Da lobe ich mir doch Stationen wie Fehrbellinerplatz. Leider gibt es auch in letzter Zeit schlechte Beispiele wie Bismarckstraße, wo die sehr angenehme 70er-Gestaltung mit eleganten silberfarbenen Alupanels zugunsten einer schreiend grünen Keramikverkleidung, schlecht interpretierte 20er würde ich sagen, beseitigt wurde.

    Etwas OT: Gerade Rümmler, der den Bahnhof Fehrbelliner Platz (U7) entwarf, war ja der Protagonist des U-Bahnhofs als unverwechselbarem Ort, der Aspekte der Oberfläche in den Untergrund holt. Das Vorbild war Stockholm. Am Fehrbelliner Platz wollte er aber einen Kontrast zur oberirdischen NS-Architektur setzen. Man schaue sich die zahlreichen Einwürfe der zeitgenössischen Presse zum knallroten Eingangsgebäude an ("rote Zelle" usw.).


    Bismarckstraße ja, zum Teil hast Du Recht mit dem bemühten Historisieren. Es waren im Original aber keine Alu-Paneele sondern furnierte Holzpaneele. Im Handbereich und in der Nähe der Züge ist das Material aus Brandschutzgründen für unterirdische Anlagen untersagt und auch instandhalterisch zweifelhaft (Reinigung, Feuchtigkeit). Es gibt aber noch Holzverkleidungen in Vorhallen (z. B. Blaschkoallee). Die Vorhalle des U-Bhf. Zwickauer Damm hatte eine schöne Holzdecke. Mit etwas Willen wäre Holz auch im U-Bahnbereich verwendbar, z. B. als Decke. Die Treppenabgänge im U-Bahnhof Bismarckstraße werden jetzt bordeauxrot anstatt grün und das sieht ziemlich geil aus. Deshalb soll auch der Bahnhof Yorckstraße in diesem Farbton neu gefliest werden.


    Edit: Metrostationen in Rom und Mailand sind ausnahmslos Zweckbauten. Andere italienische Metros (Genua, Turin, Brescia) kenne ich nur von Fotos, scheinen aber auch eher zweckmäßig zu sein. Was nicht heißt, dass sie unangenehm sind, ganz im Gegenteil. Einzige Metro mit ambitionierter Architektur ist die von Neapel und die ist der Hammer:


  • < genau das meinte ich ja mit dem oberirdischen Pavillion des Fehrbelliner Platzes. Als ich ihn das erste Mal gesehen hatte, Mitte der 70er, dachte ich das sei eine Feuerwache und ich liebte ihn vom ersten Augenblick, gerade auch wegen des Kontrasts zu dem Muschelkalk der umgebenden Naziarchitektur. Wie absolut langweilig und anbiedernd hätte ich hier eine adäquate Gestaltung gefunden.

    Ich denke U-Bahnhöfe, ob die unterirdischen oder oberirdischen sollten eins sein, wieder- und schnell erkennbar. Das gelingt nur mit einem besonderen Design. Insofern, um wieder auf das Thema zurückzukommen, gelingt es zumindest unterirdisch bei der U5, was die oberirdische Gestaltung betrifft sehe ich mehr Fragezeichen, weil sich diese lediglich auf ein identisches Schlundloch mit Treppen und Rolltreppen begrenzt. Hier verzichtet man wohl auf einen Wiedererkennungswert.

  • Transport Scotland hat im Jahr 2015 die "Design Standards for Accessible Railway Stations" herausgegaben. Ab Seite 67 geht es um die hinreichende Helligkeit auf Bahnhöfen als Arbeitsstätten. Schottland ist offenkundig nicht Deutschland. Dennoch hält man auch dort das Thema für wichtig und bezieht sich hierbei u.a. auch auf DIN EN Normen.