Arty Deco Die DDR ist kein Science-Fiction, sondern reale Vergangenheit dieses Landes und auch dieser Stadt. Das ist Punkt Nummer eins. Ob du das magst oder ich das mag, spielt dabei überhaupt keine Rolle.
Und eine Stadtgesellschaft besteht aus vielen unterschiedlichen Menschen, Biografien und Interessen. Menschen, die in der DDR gelebt haben und mit einem Gebäude wie dem Mercure etwas verbinden – ihre Kindheit, Jugend, Familie oder einfach ihre Vergangenheit –, sind deshalb keine Sozialisten und schon gar keine Verfechter des damaligen Systems. Genauso wenig ist jemand Monarchist, nur weil er die Rekonstruktion eines preußischen Gebäudes befürwortet.
Über all das darf und sollte gestritten werden. Genau dieser Diskurs findet in Potsdam statt. Dabei setzt sich eben nicht immer deine oder meine Vorstellung davon durch, wie diese Stadt auszusehen hat. Die einen bekommen ihre Garnisonkirche, die anderen behalten vielleicht ihr Mercure. Das ist Demokratie. Sehr gut.
Jetzt zu deiner eigentlichen Ausführung: Das ist gelinde gesagt konstruierter Blödsinn. Vorweg: Das Mercure finde ich an dieser Stelle ebenfalls nicht schön. Aber aus „Ich halte dieses Gebäude städtebaulich für falsch“ wird bei dir plötzlich: Solange dieses Gebäude steht, kann Potsdam keine schöne Stadt sein.
Und wenn ich dieses Argument einmal auf andere Städte übertrage: Meine Güte, dann dürfte beispielsweise PARIS auch keine schöne Stadt sein. Dort stehen ebenfalls Gebäude, die ich persönlich potthässlich finde, teilweise in unmittelbarer Nachbarschaft zu großartiger historischer Architektur. Man denke nur an die Tour Montparnasse oder an manche Bauten der Nachkriegsmoderne. Trotzdem käme doch niemand ernsthaft auf die Idee zu sagen: Solange diese Gebäude stehen, kann Paris keine schöne Stadt sein.
Gerade das macht eine gewachsene Stadt aus: Sie besteht aus unterschiedlichen Epochen, Brüchen, gelungenen und weniger gelungenen Gebäuden. Man muss nicht jedes einzelne davon schön finden, um die Stadt als Ganzes schön finden zu können
Genau diese Gleichung halte ich für fatalistisch. Eine Stadt mit der Geschichte Potsdams besteht nicht aus einer einzigen Epoche und auch nicht aus einer einzigen ästhetischen Vorstellung. Preußen gehört zu Potsdam. Das dritte Reich ist Potsdams Vergangenheit. Die DDR gehört zu Potsdam. Die Zeit danach ebenfalls. Eine Stadt ist kein historisches Freilichtmuseum, in dem man so lange die als hässlich empfundenen Schichten entfernt, bis nur noch die gewünschte Epoche übrig bleibt.
Man kann selbstverständlich darüber diskutieren, ob das Mercure an dieser Stelle städtebaulich funktioniert, ob ein Abriss sinnvoll wäre oder was dort besser stehen könnte. Aber das ist etwas völlig anderes als die Behauptung, dieses eine Gebäude verhindere, dass Potsdam eine schöne Stadt sein kann.
Genau diese einseitige Schwarzmalerei und populistische Überhöhung ist das wahre Problem und tatsächlich nicht nur "Potsdams", es ein Problem unserer Zeit bei der alles das als "Belastung" empfunden wird, was nicht der eigenen Meinung entspricht. Ich finde das intolerant und egozentrisch.