Der freiraumplanerische Realisierungswettbewerb mit Ideenteil zur Neugestaltung der Ludwigstraße und des Odeonsplatz ist entschieden. 12 Büros nahmen am Wettbewerb teil, nach Vorauswahl am 13.02. und nach Überarbeitung durch die drei verbliebenen Kandidaten, entschied sich das Preisgericht am 28.04. wie folgt:
- Preis: MDP Michel Desvigne Paysagiste SARL, Paris mit PCA-STREAM, Paris
- Preis: TOPOTEK 1, Berlin
- Preis: IMI Levin Monsigny, Landschaftsarchitekten, PartGmbB, Berlin
Übergeordnetes Ziel war die städtebauliche Anpassung an die Erfordernisse des Klimawandels (Begrünung, Entsiegelung) und die Stärkung des denkmalgeschützten Ensembles, um die Aufenthaltsqualität und Attraktivität für Bürger und Touristen zu erhöhen.
Grundlage für die Wettbewerbsentwürfe war damit die vom Stadtrat beschlossene und mit dem Denkmalschutz abgestimmte Musterlösung zur Neuaufteilung der Verkehrsflächen. Berücksichtigt wurden neben den diversen städtischen Referaten und dem Landesamt für Denkmalpflege, der Freistaat Bayern (Ministerien, Bauämter, Schlösser- und Seenverwaltung etc.), Anwohner, Gewerbetreibende, der VDA zwecks IAA und der Festring München e. V. (Oktoberfest Trachten- und Schützenzug).
Realisierungsteil: Odeonsplatz bis Von-der-Tann-Straße
Wesentliche Merkmale der Umgestaltung:
- Reduzierung der Fahrspuren von sechs auf zwei (möglich da es seit dem Umbau des Altstadtringtunnels eine neue Verbindung zw. Ludwigstraße und Altstadtring gibt)
- Erstmals Bäume (abgestimmt mit dem Denkmalschutz)
- Einheitliche Pflasterung der Straßen
- Radschnellweg
Zeitraum: Ab 2032 nach Erneuerung des U-Bahnhofs Odeonsplatz.
Ideenteil: Von-der-Tann-Straße bis LMU (Geschwister-Scholl-Platz) + Platz vor der Feldherrnhalle
Wesentliche Merkmale der Umgestaltung:
- Reduzierung der Fahrspuren von sechs auf vier
- Erstmals Bäume (Sichtachsen auf St. Ludwig und die Staatsbibliothek bleiben frei)
- Radschnellweg
Zeitraum: Offen (je nach Haushaltslage)
Ausführungen zum ersten Preis:
Jury-Urteil:„Die Verfasserinnen des Entwurfes setzen sich das Ziel, die Ludwigstrasse als großzügigen Raum und städtischen „Saalplatz“ zu gestalten, der durch einen weitgehend durchgängigen Belag und kulissenartig gesetzte Baumhaine akzentuiert werden soll. Die Jury schätzt die Idee der trittsteinartig angeordneten, artenreichen Baumhaine, die dem Raum eine gestalterische Ruhe verleihen und zugleich inselartige, schattige und überwiegend unversiegelte Aufenthaltsbereiche schaffen. Den Stadtbewohnerinnen und -bewohnern und Gästen in der Stadt wird dadurch die Gelegenheit zu geboten, den eindrucksvollen, historisch bedeutsamen Raum intensiv zu erleben. […]“
Jury-Vorsitzende, Landschaftsarchitektin und Vorsitzende der Bundesarchitektenkammer, Andrea Gebhard: „Ich möchte der Landeshauptstadt München gratulieren, den mutigen Schritt gegangen zu sein, ein Ensemble von Weltrang so umzugestalten. Wir stehen vor der Frage der Klimaanpassung unserer Städte. Dieser Wettbewerb zeigt exemplarisch, wie es gelingen kann. Vor vielen Jahrzehnten entstand eine bis heute den Status quo abbildende Raumaufteilung der Ludwigstraße, die ganz auf den Straßenverkehr und das Auto fokussierte. Die vom international renommierten Pariser Büro MDP Michel Desvigne Paysagiste SARL mit PCA-STREAM eingereichte Umgestaltungsidee überzeugt, weil sie den Raum von einem Transitraum in einen Aufenthaltsraum von höchster stadtgestalterischer Qualität umgestaltet. Im Schutz neuen Grüns verspricht dieser Ansatz eine entspannte Nutzung der hinzugewonnenen Aufenthaltsbereiche. Daraus erwächst nicht zuletzt auch eine Chance für das umliegende historische Ensemble. Es erfährt auf neue Art und Weise Wahrnehmung und die ihm gebührende Geltung.“
Baureferentin und Sachpreisrichterin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer: „Das Ergebnis des Wettbewerbes kann uns sehr zufrieden stimmen. Jede der ausgewählten Arbeiten hat es geschafft, der hochkomplexen Aufgabenstellung gerecht zu werden, die Entwicklungspotenziale für die Ludwigsstraße und den Odeonsplatz aufzuzeigen und dabei dennoch unterschiedliche Ansätze zu verfolgen. Mein Dank gilt allen Teilnehmerteams für ihre wertvollen Beiträge und den Mitgliedern des Preisgerichts für die engagierte und konstruktive Diskussion. Im Ergebnis können wir nun den Stadtrat mit einem Vorschlag zum weiteren Vorgehen befassen und die neue Oberflächengestaltung mit dem geplanten Umbau des U-Bahnhofs rechtzeitig bestmöglich verzahnen.“
Visualisierungen der Plätze 1-3:
Platz 1 (Michel Desvigne Paysagiste)
Ideenteil
Platz 3 (IMI Levin Monsigny)
Das Baureferat zeigt alle eingereichten Entwürfe vom 26. Mai bis 7. Juni im Oskar von Miller-Forum (Oskar-von-Miller-Ring 25). Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag 9 bis 20 Uhr, am Wochenende von 9 bis 17 Uhr. Eintritt ist frei.
Anschließend sind die Entwürfe vom 9. bis 19. Juni in der Halle des Technischen Rathauses, Friedenstraße 40, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Donnerstag von 8 bis 19.30 Uhr, freitags von 8 bis 16 Uhr. Eintritt ist frei.
https://stadt.muenchen.de/infos/neugesta…wigstrasse.html
Mein Senf: Längst überfällig. Und schön, dass man sich traut, hier etwas weiter vom technisch-bürokratischen Ansatz abzuweichen und nicht nur Autospuren reduziert, sondern auch etwas Gestaltung plant. Gleichwohl sind die auf den Visualisierungen gezeigten Bäume natürlich ferne Zukunftsmusik. Bis die so groß und schattenspendend sind, vergehen 50 Jahre. Vorausgesetzt sie erhalten ausreichend Erdreich. Wie auch immer: Seitdem der Bereich vor ein paar Jahren rund um das Siegestor (m.E. sehr gelungen) umgestaltet wurde, sehne ich mir eine Fortführung bis zur Feldherrnhalle nur noch mehr herbei. Die Ludwigstraße ist im Sommer schon mit dem Radl kaum auszuhalten: Saunabetrieb auf 1 m breiten Fahrradwegen, daneben Blechlawinen, Lärm und Stress pur. Der untere Abschnitt südlich der Von-der-Tann-Straße ist etwas angenehmer.
Anthuan Der Bahnhof erstreckt sich inkl. aller Auf- und Abgänge bis zur Von-der-Tann-Straße. Eine vorzeitige Umgestaltung der Oberfläche ist damit nicht möglich, denn diese wird ja durch die Sanierung und Erweiterung des Bahnhofsbauwerks überhaupt erst "zerstört". Aus diesem Grund gibt es den Realisierungsteil, andernfalls wäre wohl das gesamte Vorhaben nur eine erste Idee geblieben. Oberirdisch erfordert der U-Bahnumbau große Baustelleneinrichtungsflächen, Auf- und Abgänge werden erneuert, ggf. sind Spartenverlegungen und Bauwerksabdichtungen von Außen (siehe Stachus) etc. notwendig. https://muenchenunterwegs.de/news/u-bahn-mo…latz-in-planung
makx Orte funktionieren gut ohne Kommerz, wenn der Ort selbst die Attraktion ist oder Aufenthaltsqualität bietet. Beides kann die Ludwigstraße nach dem Umbau zweifellos bieten, wenn die vielen Autos, fehlende Sitzgelegenheiten und nahezu vollständige Versiegelung nicht mehr stören. Auf dem zusätzlichen Platz für Fußgänger können natürlich trotzdem unkompliziert mobile Streefood-Angebote mit Freischankflächen ermöglicht werden.
(eigener Thread lohnt sich hier sicherlich)














