Raumhöhe bei Altbauten und die Folgediskussion

  • Wir haben aktuell auf einer Etage sogar nur 2,30 Meter, dennoch bin ich viel glücklicher als früher. Da bin ich regelmässig in einem der schönsten Häuser Schönebergs eingekehrt, natürlich auch mit einer enormen Deckenhöhe, aber leider mit der falschen Frau ...

    So spielt das Leben ...

    Adrian96: Die allermeisten Menschen kommen nie in den Genuss, die Wohnungen, die sie geschenkt bekommen, sich auch noch aussuchen zu dürfen.

    Auch werden nur sehr wenige von uns, je ganze Städte planen können (obwohl ich ja noch versuchen könnte, die Weltherrschaft an mich zu reißen, dann ginge da vielleicht noch was...).

    Geschmäcker und die Prioritäten sind nunmal verschieden und selbst Prag und Wien bestehen nicht zu 100 % aus den von dir so geschätzten Gründerzeitlern. Gerade Wien ist auch für den kommunalen Wohungsbau der 1920er und 30er Jahre bekannt, der die Stadt auch ähnlich prägt.

    Köln, Hannover und Magdeburg sind auch architektonisch hochinteressanten Städte, gerade weil sie nicht mehr so homogen sind.

    Paris dagegen langweilt mich eher, mit seinen immer ähnlichen Straßenzügen, über Quadratkilometer hinweg...

  • Ja stimmt schon dass Hannover etc. auch interessant sind aber das Einzige was ich da immer mache ist bei Earth mit Street View die Städte abzugehen und noch erhaltene Altbauten zu suchen. Kürzlich habe ich in Hannover, Frankfurt und Stuttgart erstaunlich viele gefunden, verstreut über die Städte, am einheitlichsten in Frankfurt. Ich glaube die meisten davon haben leider nur 3 Stockwerke + Dachgeschoss anstatt wie in Berlin 4 + D, wodurch diese Städte nicht so großstädtisch und wichtig erscheinen. Eine Besonderheit ist auch Nürnberg wo die Altbauten einen ganz bestimmten Stil zu haben scheinen, gebaut aus anderem Stein. Trotzdem kommt man immer wieder zu der Erkenntnis dass Berlin deutschlandweit ein riesiger Schatz ist, die einzige Stadt wo es noch so riesige Altbauviertel gibt, und auch durchschnittlich die höchsten. Und verglichen mit dem Vorkriegszustand sind alle oben genannten Städte doch nur noch ein trauriger Schatten ihrer selbst, besonders auch Magdeburg. Aber wenn man nicht Altbauten als das Schönste empfindet, kann es natürlich auch sein, dass man jetzt Köln oder Hannover als schöner oder "auf eine andere Weise genauso schön" empfindet wie vor dem Krieg. Am besten wären Fotos von Nachkriegsbauten, die eurer Meinung nach genauso schön sind wie Altbauten, oder "auf eine andere Weise aufgrund irgendwelcher Merkmale genauso viel Schönheit ausstrahlen", dann kann man es ja vergleichen.

  • ^ Leipzig müsste dir dann doch sehr gefallen. Prozentual deutlich mehr erhaltene Vorkriegsbausubstanz als alle anderen Großstädte über 500.000. Zudem die meisten historistischen Gebäude nicht entstuckt und viele Gebäude mit 4 Etagen +. Was viele auch vergessen, die Stadt war z.B. um 1919 ( ca. Ende des Historismus) fast gleich groß wie München oder Köln und hatte knapp 200.000 Einwohner mehr als Frankfurt und war fast doppelt so groß wie Hannover, Stuttgart oder Nürnberg...

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_der…hen_St%C3%A4dte

    [mod]Überflüssiges und unsinniges Vollzitat des Vorposts gelöscht. Bitte beachte auch unsere Richtlinien! Danke[/mod]

  • Adrian96

    In Bezug auf Gründerzeitviertel kommt man eigentlich nicht um Leipzig herum, welches von den Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges und denn Abrisswellen der Nachkriegszeit weitesgehend verschont geblieben worden ist:

    "Zwischen 12 000 und 15 000 Bauten - meist aus der Zeit zwischen 1870 und 1930 - stehen in Leipzig unter Denkmalschutz. Die Messestadt ist damit das mit Abstand größte Flächendenkmal der Bundesrepublik Deutschland.

    In keiner anderen deutschen Großstadt haben sich derart viele Gebäude aus der Gründerzeit mit ihren diversen Anlehnungen an vorherige Bauepochen in oftmals geschlossenen Ensembles erhalten. Von großen Bombenschäden wie in anderen deutschen Städten blieb Leipzig vergleichsweise verschont. Ebenso von den westdeutschen Kahlschlagsanierungen und Modernisierungswellen, die meist nicht viel von der historischen Bausubstanz übrig ließen.

    Quelle:

    https://www.welt.de/print/wams/wir…k%20Deutschland.

    Zu Ostzeiten war das wohl eher ein trauriger Anblick, da die meisten Gründerzeithäuser unsaniert verfielen. In den letzten dreißig Jahren ist aber der Großteil des Bestandes wiederhergerichtet worden, sodass die Stadt im positiven Sinne kaum wiederzuerkennen ist.

  • Danke für die Leipzig Hinweise, das habe ich so nicht gewusst. Auch dass die Stadt so groß und wichtig war früher verglichen mit den anderen Städten. Das erklärt vielleicht auch den großen Hbf. Leipzig ist dann in vielerlei Hinsicht was Besonderes. Der Leipziger Hbf ist der schönste und imposanteste Bahnhof Deutschlands finde ich. Leider ist bis jetzt das Fazit von all dem hier: von Allem, was nach 1945 in Deutschland gebaut wurde, kann 90 % nicht als wirklich schön betrachtet werden. Und von den 10 % wirklich schönen Dingen, die gebaut wurden, sind 8 % Rekonstruktionen von schonmal existierenden Gebäuden. Die drei auf alt getrimmten Seiten des neuen Berliner Stadtschlosses stehen dabei für alles was vor dem Krieg gebaut wurde. Für alles, was nach 1945 entstanden ist, steht die moderne Spreeseite des Schlosses. Wenn man sich vorstellt, dass sämtliche Wohngebäude in Deutschland so aussehen würden wie Gründerzeit-Häuser dann würden wir in einem architektonisch paradiesischen Land leben. So sind 90 % aller Häuser in den Städten nichts fürs Auge. Viele sind vielleicht nicht hässlich, aber auch nicht wirklich schön, und es kommen jeden Tag mehr nichtssagende Klötze dazu die im Weg stehen überall. Diese ganzen Klötze rund um den Berliner Hbf. Und der Vorplatz ist so kalt. Was ist dieser Bahnhof verglichen mit dem Leipziger Hbf oder Milano Centrale? Oder wie sieht der Mehringplatz jetzt eigentlich verglichen mit früher aus? Es tut weh alte Fotos von dem Platz zu sehen wie der früher aussah. Das Beste was die letzte Zeit gebaut wurde waren die neuen Altstädte von Dresden und Frankfurt. In Dresden hätte man dringend den Kulturpalast abreißen müssen und in Frankfurt die Schirn, die wie ein Riegel die Altstadt vom Main trennt. Danach müsste die Altstadt bis zum Main erweitert werden. Aber das ist nur meine Meinung.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Es tut weh alte Fotos von dem Platz zu sehen wie der früher aussah.

    Vielleicht wäre es empfehlenswert sich solche Fotos einfach nicht mehr anzusehen.

    In diesem thread geht es schon wieder in Richtung "früher war alles besser". Das wäre wohl der xte thread zu diesem Thema ohne dass es nennenswert voran geht.

  • Gibt es denn nicht speziell in Berlin aus der jüngeren Zeit Neubauprojekte, die klassische Qualitäten wie Flügeltüren und hohe Räume bieten? "Eisenzahn" oder diverse Patzschke-Projekte, ich meine da mal Exposés gelesen zu haben, in der explizit mit hohen Decken geworben wurde. Die waren mit 2,80 oder 3 m angegeben und damit über dem Standard.

    Interessanterweise sind hohe Decken im modernen Bürobau Pflicht: Hier in Nürnberg soll ein Bürohochhaus aus den 1980'er Jahren abgerissen werden, weil die Deckenhöhe zu niedrig ist und es daher modernen Anforderungen nicht angepasst werden kann. Hier geht es aber sicherlich darum die Decke auf ein immernoch großzügiges Maß abhängen zu können, nachdem die Licht- und Belüftungstechnik usw. dahinter verschwindet. Aber speziell im Bürosegment und bei Hochhäusern, die ja wirklich größere Gebäudetiefen aufweisen mit Großraumbüros und innenliegenden Teeküchen usw. ist die Durchflutung mit Tageslicht ein Thema. Und das sollte es im Grunde eigentlich bei Wohnräumen auch sein.

  • ^ Das sollte bei Wohnräumen genauso sein wie bei Arbeitsräumen. Zumindest im Wortlaut macht der Gesetzgeber keine Unterschiede zwischen Wohnen und Arbeiten, wenn er in §34 (1) BauGB von "gesunden Wohn- und Arbeitsverhältnissen" spricht.

    Interessant wäre, ob es in der konkreten Umsetzung dieser rechtlichen Anforderung am Ende doch Unterschiede zwischen Wohn- und Arbeitsräumen gibt. Denn ich vermute stark, dass ein Architekt bei Büros und Wohräumen unterschiedliche Raumtiefen ansetzt. Vielleicht kann ja ein Architekt dazu was sagen?

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Vielleicht wäre es empfehlenswert sich solche Fotos einfach nicht mehr anzusehen.

    In diesem thread geht es schon wieder in Richtung "früher war alles besser". Das wäre wohl der xte thread zu diesem Thema ohne dass es nennenswert voran geht.

    Wieso soll man solche Fotos nicht mehr ansehen? Auf denen sieht man halt dass es früher schöner ausgesehen hat als jetzt. Das ist ja eh alles eine Anormalität dass früher als man noch viel schwieriger nur bauen konnte trotzdem die Architektur schöner war als jetzt. Man muss sich die Fotos ansehen und dann beschließen dass man es so wieder nachbauen sollte. Früher waren halt die Raumhöhen besser und die Fassaden schöner, und nur dadurch dass man das verschweigt, ändert es sich dadurch auch nicht. Ich sag nur: Wilsnacker Straße 42 :) Man muss überlegen wie man sowas billiger nachbauen kann, es aber trotzdem lange hält. Aber eins stimmt: wenn man nicht weiß wie schön es früher war, kann man sich auch eher und viel schneller über aktuelle Glattfassadenklötze freuen weil dann der Vergleich fehlt. Sowas wie am Holzmarkt ist ja da wenigstens mal was anderes als ein weiterer Standardklotz. Außerdem muss man einfach die Schönheit der Gründerzeit-Häuser aus der Vergangenheit holen und sagen: das ist jetzt der neue moderne Berliner Baustil, hohe Raumhöhen und Gesimse und 5 Stock.

  • "Schöner" ist tatsächlich ein rein subjektives Empfinden, daher funktioniert das auch nicht so, wie du es dir wünscht.

    Und ob es "besser" war, ist mindestens umstritten, bzw. so eindeutig nicht. Teurer ist schon mal nicht besser, aufwendiger im Unterhalt ist auch nicht besser.

    Ansonsten kann ich dir nur empfehlen: Freu dich an den vielen gut erhaltenen Gründerzeitlern mit hohen Raumhöhen und such dir eine Wohnung, die deinen Vorstellungen entspricht.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    .... Aber eins stimmt: wenn man nicht weiß wie schön es früher war, kann man sich auch eher und viel schneller über aktuelle Glattfassadenklötze freuen weil dann der Vergleich fehlt. ...

    Langsam glaube ich, du hast von meinem Angebot die Zeitmaschine zu benutzen gebrauch gemacht, Gestehe!

    Woher sonst solltest Du wissen, dass es früher schöner war. Kritisch und aufgeweckt wie Du bist, wirst ja nicht etwa schnöden alten Ansichtskarten und vergilbten Fotos allein Glauben schenken. Also gestehe, Du hast sie benutzt! :cursing:

  • Stimmt es also wirklich, dass nicht jeder oder zumindest 95 % denken, dass deutsche Städte vor dem Krieg eine schönere Architektur hatten als jetzt? Eine Frage, wenn ihr durch eine Gründerzeit-Straße geht in der einige Bombenlücken mit 60er oder 70er Jahre-Bauten aufgefüllt wurden, was denkt ihr denn dann darüber? Stört euch das nicht? Oder was denkt ihr dann, was damit gemacht werden sollte. Oder denkt ihr, es ist halt ein anderer Baustil, aber auch schön? Oder denkt ihr, sieht schon hässlich aus aber ist nun mal so.

    Und das Haus in der Wilsnacker Straße 42 das ich zufällig gesehen habe. Dass so etwas schönes als Fast-Standard-Mietshaus in Berlin existiert ist doch eigentlich ein Wunder. Dass so viele so schöne Häuser überall stehen, die eigentlich halbe Schlossfassaden haben. Ich habe gedacht, so etwas muss jeder zwangsläufig wunderschön finden, und erst recht, wenn man sich für Architektur interessiert. Ich versteh das nicht. Wie lässt sich das erklären, dass nicht jeder will, dass die meisten auch neuen Häuser in Berlin so aussehen sollen? Kann man wirklich sowas wie am Hbf/Europaviertel schöner oder genauso schön finden?

    Gibt es denn kein Bild von irgendwas, das zwischen 1945 und 2025 gebaut wurde, das keine Rekonstruktion ist, und eurer Meinung nach genauso viel Schönheit ausstrahlt und Aura hat wie Gebäude wie das Wilsnacker 42? Oder geht es hier einfach darum, dass Architektur einfach nicht schön sein muss, sondern nur funktional, und euch das nicht stört, wenn es nicht schön ist.

    [mod]Hier ist jetzt Schluss. Die Ursprungsfrage dürfte hinreichend beantwortet sein und das Thema "früher war alles schöner" und "Gründerzeit-Architektur vs. moderne Bauten" wurde schon oft genug in diesem Forum durchgekaut. [/mod]

  • Hi, ich interessiere mich zur Zeit sehr für Altbauten und besonders Raumhöhen von Altbauten und die Schönheit von Gründerzeitarchitektur vs. Neubauten, und wieso nicht mehr im Gründerzeitstil gebaut wird. Es gab da ein interessantes Gespräch (Raumhöhen von Altbauten und Folgediskussion), dort ist es aber leider nicht mehr möglich, weiterzuschreiben. Könnte mir jemand sagen, wo man hier etwas bezüglich Gründerzeit vs. Neubauten in früheren Diskussionen nachlesen kann?

    [mod]Nutze bitte die Suchfunktion und schaue auch mal in der allgemeinen Lounge und/oder im BoS. Es ist ja kein regionales Thema nur für Berlin/Potsdam. [/mod]