Beiträge von nothor

    Sehr vielversprechend! Ich freu mich darauf!

    Die vielen neu entstehenden Spitzbogenfenster, die ja dann nach Norden zeigen und deshalb diffuses Licht einlassen, kann man bestimmt auch wunderbar für Präsentationen verwenden, z.B. dort Buntglasfenster präsentieren. Davon hat das GNM sicherlich auch noch einige im Depot. Überhaupt entsteht damit viel neuer Raum, von dem ein Museum dieser Kategorie immer zu wenig hat. Und es gefällt mir sehr, wie man im GNM spazieren gehen kann und sowohl verschiedene Abteilungen als auch völlig verschiedene Architekturen antrifft. Wie in einer Museumsstadt.

    Soetwas ist auch eine hervorragende Gelegenheit z.B. ein Gesellenstück oder ein Meisterstück abzuliefern. Ich schätze dass so ein Projekt Zimmerleute durchaus interessiert, anstatt immer dieselben Dachstühle mit immer denselben Schrauben zusammenzuzimmern, die grade noch so in die Kalkulation des Bauherrn passen. Absoluter Glücksfall hier! Meine Meinung ist ja dass die Rekonstruktion die Königklasse der Denkmalpflege ist.

    Werderstraße 2

    Immer wieder spannend an dem Haus vorbei zu gehen und sich anzusehen, was dort neu ist:

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    Eines der Fenster, von denen ich schon moniert hatte, dass sie nicht in der Dämmebene säßen, ist wieder ausgebaut worden. Oder es wurde garnicht erst eingebaut. Und diese seltsamen windschiefen grauen Styroporplatten neben den Fenstern werden angebaut, wieder abgerupft, nun wieder drangeschäumt, eins ist abermals weg... wild. Absolut wild.

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    Da sieht man mal was für ein endloses Gefriemel und Gepfusche soetwas sein kann, wenn man aus einem alten Haus einen Ferrari machen möchte: Balkonanbau, Lüftungssystem, maximale Dämmung, Zigfachisolierglas, alles. Aber den alten Fassadenputz vorher mal festigen und einen tragfähigen Untergrund herstellen, das war dann wohl nicht auf dem Auftragszettel gestanden. Will nicht wissen unter wievielen intakt aussehenden Dämmungen die alte Substanz bröckelt und rieselt... nicht umsonst kam ja nach wenigen Jahren die Vorgabe, dass das immer zusätzlich festgedübelt werden muss, da auf die Tragfähigkeit des Altputzes kein Verlass ist, und Neuverputzen viel teurer ist als dübeln... "Gott schütze mich vor Staub und Schmutz, vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz“...... Klimaschutz muss es eigentlich heißen, der alte Spruch. Im Sinne von energetischen Zwangsmaßnahmen...

    Zwischenstand Josephsplatz 3 und 8

    Das Geschäftshaus Josephsplatz 8 wird seit einiger Zeit komplett umgebaut, u.a. zu Wohnungen, wenn ich das richtig erinnere. Vorzustand (streetview). In meinen Augen eine deutliche Aufwertung des Bestands. Diese dystopische Blau-graue Betonbrutaloptik fand ich nie schön und auch in keinster Weise einer westeuropäischen Innenstadt mit Altstadtgepräge würdig. Die neu gestaltete Fassade ist um Lichtjahre freundlicher, gefälliger, einladender. Auch ein bisschen altstädtischer:

    Und direkt gegenüber wird immernoch am alten Postamt Josephsplatz 3 gewerkelt. Oben ist ein zusätzliches Stockwerk drauf gekommen:

    Wenn ich mir das genau ansehe wird mir aber ganz anders. Hoffentlich ist die schneeweiße Reibeputz-Dämmstoff-Optik nicht final, das sieht wirklich richtig sche**e aus:

    Von der anderen Pegnitzseite aus sieht man das sicherlich dann als weißes band mitten im Meer aus rot gedeckten Dächern. Ich hoffe wirklich die kriegen hier die Kurve noch! Vermutlich wird die gesamte Fassade eh nochmal farblich neu gefasst, da wird man sich hoffentlich nicht vertun. In der gesamten Altstadt gilt Ensembleschutz, da muss jemand mit Kompetenz ja die Hand drauf haben!

    In der Presse erschien zu dem Insolvenzfall der Schultheiß Projekt AG ein ganzseitiger Artikel. Darin äußert sich der Vorstandsvorsitzende zum Hergang und den Ursachen der Pleite. Für mich auffallend dabei war, das darin kein Wort zum eigenen Geschäftsmodell gefallen ist, sondern es ausschließlich externe Faktoren gewesen seien, die die Lage verschärften. Die üblichen Verdächtigen: Käuferzurückhaltung, steigende Zinsen, zögerliche Kreditvergabe der Banken, die Haushaltssperre der Stadt Nürnberg und natürlich Trumps Irankrieg. Erschwerend sei die Einrichtung des Immobilienfonds gewesen, den man letztes Jahr aufgesetzt habe, der aus Sicht der Anleger aber mit den marktüblichen Renditen konkurriere, die man nicht erwirtschaften könne.

    Für mich eher ein Exkulpationstext als eine nachvollziehbare Analyse, denn all diese Faktoren treffen auch die Konkurrenz. Man ist also nicht zu des Pudels Kern vorgedrungen. Sei es drum, das hat sicher auch Insolvenzrechtliche und medienstrategische Gründe, da nicht weiter in die Tiefe zu gehen.

    Zu den laufenden Projekten heißt es lapidar, dass man sie alle fertigstellen würde. Zum Projekt in St. Leonhard heißt es, es sei im Frühjahr 2027 bezugsfertig. Die Wohnungen werden weiterhin am Markt angeboten.

    Sachstand Pilatushaus

    Am Dienstag fand die jährliche Mitgliederversammlung der Altstadtfreunde statt. Dort war natürlich auch das Pilatushaus ein Thema. Dazu heisst es im nun erschienen Rundschreiben:

    Dekoratives Anführungszeichen

    "Über die Teilnahme von Bürgermeister Andreas Krieglstein haben wir uns sehr gefreut. Zum Dilemma um die Städtebauförderung sagte er: „Die Haushaltssperre darf die Zusage für eine Förderung des Pilatushauses nicht behindern. Wir stehen dazu.“ Da müssen wir ihn beim Wort nehmen, denn seine weitere Aussage: „Die Bearbeitung des Antrags wird weiter fortgeführt,“ hilft uns nicht weiter. Wir brauchen jetzt eine Einigung zwischen Nürnberg und Ansbach und einen vorzeitigen Maßnahmenbeginn. Wir bleiben dran!"

    Ich war dabei und habe das auch gehört. Hr. Krieglstein, der m.W.n. auch Fraktionsvorsitzender der CSU im Stadtrat ist und als Teil des Bürgermeisterteams durchaus ein Gewicht in der Lokalpolitik ist, hat hier mit seiner Ansprache nichts direkt zugesagt, aber immerhin versprochen dass das nicht gegessen ist sondern weitergehen wird. Und das damit mit seinem Namen und auch indirekt mit der CSU verbunden. Das Krieglsteinhaus am Tiergärtnertorplatz. In unserem Land ist es ja nun so, dass es den offiziellen Weg gibt, den alle gehen müssen: Anträge schreiben, auf Antwort warten und in Telefonwarteschleifen festhängen wenn etwas ist. Aber da gibt es eben noch eine Parallelstruktur, die über Gremien und v.a. über Parteiarbeit funktioniert. Kommunalverbände reden mit Landesverbänden und Parteivorständen, etwas landet auf Ministertischen und vielleicht bewegt sich so etwas. Wie gesagt man stelle sich vor, die Altstadtfreunde können das Projekt nicht angehen weil die öffentlichen Mittel nicht fließen und das Gebäude bleibt wie es ist. Ist ja nicht so dass es in der Altstadt nicht noch andere Dinge zu tun gäbe, für die es sich einzusetzen lohnt. Denn das Gebäude vor weiterem Verfall und Einsturz zu bewahren, das ist bereits sichergestellt.

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    Schönes Beispiel, aus denkmalfachlicher Sicht sicher nachvollziehbar: Wenn man einen definierten Ist-Zustand als solchen erhalten will und folgerichtig weitere Veränderungen vermeiden möchte, aber das steht eben oftmals einer lebendigen Nutzung im Wege. Zumal die Toilettenwände ja in Null Komma Nichts wieder so aussehen, an aktivistischen Aufklebern und Graffitti fehlt es in der Szene ja nun nicht. Der Weiternutzung und -entwicklung im Sinne und Stile der Erschaffer wird leider oft keinerlei Aufmerksamkeit zugestanden.

    Schultheiß Projekt AG insolvent

    Wie die NN hier berichtet (leider hinter Bezahlschranke, den Print-Artikel bekomme ich erste die kommenden Tage) ist eine der beiden "Schultheiss"-Unternehmen insolvent. War für mich nur eine Frage der Zeit, bis dieses Immobilienentwicklungssystem in Schwierigkeiten gerät, nachdem es den größeren Konkurrenten "Project Immobilien" schon vor 3 Jahren oder so erwischt hat.

    Hat mich eh auch immer gewundert, das die beiden "Projektentwicklungs-AG" und "Wohnbau-AG" offiziell nichts miteinander zu tun haben wollten, aber dennoch nahezu vollständig verwechselbar aufgetreten sind. D.h. der (eher schlechte) Ruf des einen färbt doch auf den anderen ab, und um genau solche Effekte zu verhindern gibt man sein Unternehmen i.d.R. mit einem unverwechselbaren Namen. Allein das fand ich immer seltsam, dass man sich nur mit Doppel-S und Eszett unterschieden hat. Und habe mich ehrlich gesagt auch nie drum geschert den jeweiligen Namen hier korrekt zu schreiben. Infolge dessen kann ich aus dem Stehgreif nun nicht angeben, welche Projekte, und damit auch welche Kunden und Handwerkerfirmen davon nun betroffen sein werden. Und ob es nun auch das Unternehmen getroffen hat, welches die Stadt Nürnberg mit den immer gleichen schneeweißen Ödniskisten "bereichert" hat, oder ob es das andere war. Wie dem auch sei, wir werden demnächst sicher mehr darüber erfahren, welche Projekte es betrifft und wie es weitergeht, ob womöglich Mauss-Bau wieder übernimmt und ob Mauss-Bau das als positive Erfahrung verbucht das getan zu haben oder eher davon Abstand nehmen würde.

    Lorenzer Straße 9

    Mal eine Kleinigkeit aus der Altstadt. Die Fassade des Hauses Lorenzer Straße wird aktuell renoviert (Streetview). Die schlichte, aber elegante Fassade hat so ein paar Details v.a. um die großen Schaufenster im Erdgeschoss, um die ich mir bereits Sorgen gemacht hatte:

    So sieht es aktuell hinter dem Gerüst aus:

    Anscheinend gibt es noch talentierte Handwerker, hier Verputzer, die noch verschiedene Putzstrukturen, Texturen und Auftragstechniken beherrschen. Zu über 90% wird ja aktuell nur noch der Standard-Reibeputz benutzt, den man in Neubaugebieten ausschließlich zu sehen bekommt. Das hier wird bestimmt recht schön werden:

    Unsere Stadt soll grauer werden

    Das kleine Mehrfamilienhaus Martin-Richter-Straße 21 aus der Wirtschaftswunderzeit wurde in den letzten 2 Jahren saniert:

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    Die charakteristischen runden Balkone sind gottseidank geblieben, ebenso der gekachelte Eingangsbereich, obwohl das Haus komplett gedämmt wurde und daher eine neue Fassade erhielt. Die Geländer sind leider eher von der billigen Sorte und passen nicht so recht an die elegante Balkonform. Leider ist das im Detail alles etwas "robust" gemacht, überall sind noch Farbtropfen und Putzbatzen an den Teilen dran. Und offenbar wird nun noch im Hofbereich ein Gebäude errichtet, was ich persönlich ganz gut finde.

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    Ein bisschen Farbe hätte dem Haus aber gut getan, das Weiß ist nun wirklich öde und wird mehr als schlecht altern.

    Selbiges scheint beim Wirtschaftswunderhaus Werderstraße 2 anzustehen:

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    Hier kann man aktuell auch schön die Details einer energetischen Sanierung beobachten. Dieser runde graue Kessel, k.A. was genau das ist, steht dort schon den ganzen Sommer. Während der ersten großen Regengüsse Anfang Juni oder wann das genau war war die Dämmstoffschicht noch nicht verputzt und hat sich komplett mit Wasser vollgesaugt. Danach wurde direkt verputzt.

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    Ob das nicht nachhaltig problematisch ist, ich weiß es nicht. Denn falls sie durchnässt ist, dauert es ja ewig bis die trocknet, und wenn bereits die Putzschicht drauf ist kann es nur nach Innen durch die Wand abtrocknen. An der schmalen Stelle zwischen den großen Panoramafenstern sieht man wie lavede das alles ist, was für ein Gefriemel so eine Dämmung letztlich ist. Ebenso problematisch sind die Fensteranschlüsse: Wenn man schon die Chance hat, und neue Fenster + Dämmung gleichzeitig einbaut, dann muss man darauf achten dass die Fenster in die Dämmebene eingebaut werden. Hier hat man es falsch gemacht und die Fenster an der alten Position montiert, sodass keine bündige Dämmebene entsteht. Der Energieberater, der das Ganze begleitet um die Bauausführung zu bestätigen über die dann eine Förderung abkassiert werden soll, wird hier womöglich einen Mangel moniert haben. Denn die schmalen Dämmstreifen, mit denen man nun die Wangen der alten Wand dämmen muss, werden zu einer Wärmebrücke. Die Lösung ist nun, die Fenster zu versetzen. Das wiederum ist auch nicht so einfach, weil 1. die Dämmung ja schon drauf geklebt wurde, und 2. das Lichtmaß der Maueröffnung anders ist als im Falz, wo die Fenster aktuell sitzen. Ergo, für meine laienhaften Augen ist das alles nicht korrekt ausgeführt und muss eigentlich rückgebaut werden.

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    Vermutlich tut sich deshalb dort schon seit Wochen nichts mehr.

    Ob das Haus hinterher wenigstens eine freundliche Farbe bekommen wird, oder wir hier eine weitere öde weiße Kiste bekommen, die in der Ecke nun wie Schimmel auf einem Käse wachsen, ich habe meine Zweifel.

    Gestern erschien ein umfangreicher Artikel in den Print-NN zum Pilatushaus, vom den Altstadtfreunden sehr zugewandten Redakteur im Ruhestand, Hrn. Hartmut Voigt. Darin wird nochmal dargelegt woran es liegt, es sind tatsächlich der "kafkaeske" Antrags- und Förderdschungel. Die Stadt hat wohl die AF aufgefordert, KfW-Anträge für die energetische Sanierung zu stellen, und daran ihr Mitmachen geknüpft. Die KfW hat aber abgelehnt, für das Projekt gibt es keine Förderung, und als diese Entscheidung eintraf verkündete zeitgleich der OB König die Haushalssperre. per Definition fällt das Pilatushaus unter die Haushaltssperre, die wie ein Baustopp wirkt, da sie auf alle Bauvorhaben der Stadt zutrifft, die noch nicht begonnen wurden. Das Pilatushaus ist noch nicht begonnen worden, weil man ja nicht beginnen darf bevor die Förderzusagen eintreffen.

    Nun, bedingt durch die Haushaltssperre ist unklar, ob die Stadt ihren Anteil in der Städtebauförderung für die Sanierung aufbringen wird (ca. 350.000 EUR), woran wieder die gleichgroßen Teile des Freistaats und des Bundes dran hängen (insgesamt 1 Mio). Diese Summe brauchen die AF allerdings für die Sanierung. Daher fällt dieser Teil der Finanzierung gerade wie ein Kartenhaus zusammen und hinterlässt ein Finanzierungsloch. Weiter gehts, Großspender haben wohl schon ihre Ungeduld zum Ausdruck gebracht, dass trotz deren Beiträge dort immernoch nichts geschehe. Und sie drohen ebenfalls damit von weiteren Spenden abzusehen. Ein Desaster, wenn man diese gordischen Knoten nicht gelöst bekommt.

    Ich persönlich bin mir recht sicher, dass man das lösen wird. Alles andre ist doch absurd: Der Anteil der Stadt sind 350.000 EUR. Ein Schnapper, wenn man bedenkt was man dafür bekommt. Die AF und andere übernehmen des gesamten Rest, das Risiko, den betrieb und die Instandhaltung bis das Haus voraussichtlich um 2085 wieder ins Eigentum der Stadt zurück gehen wird. Dann, wenn man die AF machen lässt, in gutem Allgemeinzustand und sicher weit Weg von einer Einsturzgefahr. Und das Aushängeschild an Nürnbergs schönstem Platz gratis oben drauf.

    Da muss doch was gehen, Hrn. Söder mal anrufen und ihn fragen ob er sich so Stadtentwicklung in einer CSU-geführten Großstadt vorstellt...

    Trauriges Haus ohne Perspektive

    ... titelte am 15. April die Print-NN über das schmucke Gründerzeithaus in der Erlenstraße 17. Anwohner und Passanten sehen seit Jahren dem Verfall des Gebäudes zu und machen sich Sorgen um dessen Zustand. Der Aufreger dabei war auch, dass es doch einen erheblichen Wohnungsmangel in Nürnberg gebe und u.a. hier ein ganzes Wohnhaus leer stünde.

    Danach begannen aber Entrümpelungsarbeiten und seit letzter Woche steht ein Gerüst vor der attraktiven Fassade:

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    Ich fragte die Arbeiter vor Ort was dort geplant sei, aber die wussten nichts, sagten nur dass sie nur das Gerüst hinstellen würden. Von der Bauart her würde ich aber sagen dass die Fassade aufgearbeitet und nicht abgerissen wird. Hoffen wirs. Ich behalte das natürlich im Auge!

    Hinsichtlich der Wohnkosten muss man auch immer sehen, dass ja nicht alle 3,7 Mio Berliner auf Wohnungssuche sind. Und wer eine Wohnung hat würde sich bei einer Befragung immer dergestalt äußern, dass sie gerne größer, moderner und billiger sein könnte. Wer eine sucht beklagt natürlich, dass er kaum was günstiges und verfügbares findet. Aus meinem Bekanntenkreis weiß ich dass jene, die einen Mietvertrag aus den Nullerjahren haben, aber die Wohnung aktuell nicht nutzen, diese untervermieten, denn "zu dem Preis kriegste ja nie wieder was", und der Millieuschutz sorgt effektiv dafür, dass Vermieter da kaum hinterher sind.

    Dass das Mietenthema die Leute in Massen bewegt ist m.E. auch übertrieben und ist ein einfach zu politisierendes Thema, aber ein politisch schwer lösbares. Die Mehrheit der Berliner dürfte zufrieden sein mit ihrer individuellen Situation, sind aber hinreichend aufgeschreckt und sensibilisiert durch das ständige Hochkochen.

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    Danke für deine Argumente dazu. Und ja, natürlich finde ich nicht, dass die Denkmalexperten in den jeweiligen Prozessschritten nicht ihr Gehalt bekommen sollen, und ich maße mir auch nicht an, über dessen Höhe zu urteilen. Mir fehlt aber strukturell eine Ebene dazwischen, also zwischen

    a) Ich saniere für Abermillionen, was sich, so die landläufige Haltung dazu, niemals rechnen wird, und

    b) dem Totalverlust, weil sich einfach niemand findet der a) zu tun bereit ist.

    Das ist eine ganz-oder-garnicht Ausrichtung des Denkmalschutzes, über den einmal nachgedacht werden muss. Z.B. könnte jemand, der seine Zuverlässigkeit bewiesen hat von bestimmten Auflagen befreit werden.

    Was denkst du, hättest du das mit der Mühle nicht doch in Angriff genommen, wenn es diese Zwischenebene gegeben hätte? Und viel spannender ist ja, wie diese Zwischenebene aussehen kann. Denn das müsste ja so gestaltet werden, dass letztlich nicht alle auf diese Zwischenebene gehen wollen. Z.B. könnte die Höhe der Denkmalförderung danach gestaffelt sein, wie alt und wie selten das Objekt ist. Gleichsam energetische Vorschriften gelten immer weniger, je älter ein Objekt ist. Ggfls. hätte das einen entsprechenden Effekt.

    Sorgenkind Pilatushaus

    Wie die Altstadtfreunde in ihrem letzten newsletter bereits geschrieben haben treibt ihnen das Projekt die Sorgenfalten auf die Stirn. Nicht aus baulichen Gründen, weil irgendwas kaputter ist als gedacht und man Notmaßnahmen einleiten müsse um irgendwas zu retten, nein, es geht m.E. ausschließlich um Bürokratie. Das hat mit dem Haus und seiner Substanz erstmal nichts zu tun:

    • Die aktuelle Kostenschätzung liegt bei 7,8 Mio €. Siebenkommaacht Millionen!!! Für ein durchschnittlich großes Mehrfamilienhaus ohne Garten, welches nur aus Holz und Steinen besteht, und das ohne behördliche Vorgaben von jedem talentierten Zimmermann gerettet werden könnte.
    • Die Baugenehmigung ist zwar bereits da, aber nicht die Bewilligung der Zuschüsse! Und wie das bei öffentlichen Zuschüssen ist, man verwirkt seinen Anspruch darauf sobald man ohne Bewilligung loslegt. Dann wird unterstellt dass man sie eigentlich nicht braucht und bekommt sie auch nicht. Also kann man nicht beginnen.
    • Die Zuschüsse, wie ich hörte, müssen aber von den Denkmalbehörden/städtischen Dienststellen beantragt werden. Und hier haut gerade die Haushaltssperre der Stadt Nürnberg rein. Die Haushaltssperre, die zwar beim Frankenschnellweg nicht gilt, und auch nicht beim Stadion oder so, aber bei Nürnbergs schönstem Platz und wichtigstem Fachwerkhaus. Irre.

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen:

    Das Denkmalschutzgesetz ist eine in Gesetz gegossene Regelung, die auf demokratischen Füßen steht, d.h. es ist zu unterstellen, dass die Allgemeinheit es so will. Wenn es die Allgemeinheit mehrheitlich ablehnt, dann ist schonmal die Verfassungskonformität des Gesetzes fraglich. Darüber hinaus ist auch die Stadt Nürnberg als Körperschaft öffentlichen Rechts ein auf demokratischen Füßen stehende Entität, die sich durch Kommunalwahlen und Bürgerbefragungen, Dialogen, runden Tischen und weiß der Kuckuck die Volksmeinung zu eigen macht und umsetzt. Die Stadt Nürnberg hat nun aber das Pilatushaus nicht selbst renovieren wollen, u.a. weil Denkmalschutz und teuer und einfaches Wohnhaus, man sei ja kein Vermieter usw. usf. Man hat sich also eine ablehnende Haltung gegenüber eines Objektes aufgrund dessen allgemeinrechtlich besonderen Schutzes angeeignet, und das als Allgemeinheit! Wenn man sich das mal durchdenkt und erkennt, dass die Öffentlichkeit öffentliche Regeln ablehnt, wird einem Angst und Bange.

    Nun kamen damals aber die Altstadtfreunde und haben sich bereit erklärt, der Stadt diese Bürde in Erbpacht abzunehmen und zu sanieren. Und hier kann ich nur hoffen, dass der Erbpachtvertrag entsprechend die Pflichten der Stadt festgezurrt hat, nämlich dass sie ihren Teil beitragen muss, nämlich die Bearbeitung und Weitergabe der Förderanträge zeit- und sachgerecht zu übernehmen.

    Man stelle sich mal das alternative Szenario vor: Die Altstadtfreunde beginnen nicht, das Haus verfällt und die Stadt zwingt per Auflage usw. die Altstadtfreunde zum Handeln. Wär doch der Treppenwitz des Jahres, der m.E. auch dazu geeignet wäre das aktuelle Denkmalrecht komplett in Frage zu stellen. Ich bin ja schon länger Kritiker dieses Rechts- und Verwaltungsgebietes, es passieren zu viele Fehler und es dient zu wenig den Menschen. Wenn die Stadt jetzt Private dazu zwingen würde Dinge zu tun, die sie selbst nicht zu tun bereit war. Irre.

    Weiter schreiben die Altstadtfreunde exemplarisch, dass die Kosten für die obligatorische archäologische Untersuchung explodierten, von ursprünglich veranschlagten 40.000 € hat sich der Betrag vervierfacht. Und da wurde nur untersucht und fotografiert, beschrieben und abgeheftet. Wenn man so will, reine Bürokratie. Und das ist es auch was ich denke, es ist reine Bürokratie: Auflagen, Auflagen, Auflagen. Es sind unmöglich die Holzbalken, Ziegelsteine oder Mörtel, was es so teuer macht, sondern Scharen an Theoretikern, die Kilometer an Dokumentationen schreiben müssen, die irgendwo vorgelegt werden müssen, damit Haken in Listen gesetzt und wiederum Förderungen fließen können, die man braucht um die Theoretiker zu bezahlen.

    Ein Ausweg wäre nach meiner blauäugigen Meinung: Denkmalschutz aberkennen/aussetzen/verausnahmen, die Altstadtfreunde machen lassen, ohne den bürokratischen Wahnsinn, das würde alle Seiten entlasten und ehrlicherweise übertreffen die Altstadtfreunde doch ohnehin das denkmalfachlich geforderte um Längen. Besser als auf den Denkmalschutz zu pochen und das Haus dadurch zu verlieren.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Und dass das neue WTC "so gar nicht mithalten kann", mag ich auch nicht unterschreiben...

    Ich schon. Das neue OWTC wird eines Tages von noch höheren Gebäuden drumherum überragt werden, und damit zumindest hinsichtlich der Skyline untergehen, im Meer der unzähligen Einzeltürme verschwinden. Ich merke es ja selber, dass ich bei der heutigen Skyline Manhattans kurz überlegen muss ob es wirlich Manhattan ist, und nicht irgend eine andere am Wasser liegende Hochhausstadt. Das wäre den Zwillingstürmen nicht passiert, die hätte man in ihrer Schlichtheit, und das besondere war ja das Duo, immer sofort wieder erkannt und damit NYC identifiziert. Grundsätzlich bin ich ja kein Fan dieser schlichten Lè Corbusiér Gigantomanie, derer ja einiges in Manhattan zu finden ist, aber das WTC war schon herausragend.

    Aber ich kann das nur als Betrachter der Skyline oder abstrakten Luftaufnahmen, Hubschrauberüberflügen und was weiß ich nicht alles aus diversen Filmen und Serien beurteilen. Als Fußgänger davor stehend, die Plaza überlaufend usw. mag das völlig anders sein.