Beiträge von nothor

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    Ich vermute dass im Innern des ehemaligen Autohauses nicht viel Denkmalsubstanz vorhanden ist. Stuckdecken, Vertäfelungen, alte Türen, Parkett, Fehlanzeige. Ich denke daher dass die geplante Nutzung ganz gut passen könnte. Hauptsache das geht nicht einher mit zugeklebten oder durch plumpe Werbung verunstaltete Fensterfronten. Das war ja das eigentliche Gestaltungsmerkmal, dass man schon von der Kreuzung aus an der Ampel stehend die im Salon ausgestellten Fahrzeuge sehen konnte. Das müsste man durch frische Gemüseauslagen oder ein Café oder so ersetzten.

    Oh weh, da entsteht die volle Packung Bunkeroptik in St.Leonhard. Schade, beide Bauprojekte sind eher unterdurchschnittlich und werden an einer Hauptverkehrsstraße stehen. Allein dieser weiße Schießschartenkasten oben in der Visu wird an dieser Straße nicht lange frisch aussehen. Ich bin desillusioniert.

    Interessant.


    Das "reversibel" würde ich mal als rein rhetorische Botschaft verstehen. Hatte nicht einst irgend ein Architekt vorgeschlagen, das denkmalgeschützte Opernhaus angesichts der Kosten doch besser abzureißen und die Sandsteinquader wieder zu verwenden? Naja, das wäre tatsächlich handwerklich möglich. Man könnte das Opernhaus so weit entfernen, dass es ist als hätte es nie existiert. D.h. reversibel ist in der Architektur alles. Hier macht sich die theoretisierende Fachwelt dauerhaft etwas vor, hilft es doch beim Glauben an die eigene Autorität. Deswegen glaube ich nicht, dass das Votum des Denkmalrates zu einer echten Richtungsänderung in der Planung oder einem Kompromiss zwingt.


    Ich habe letztens eine Führung durch das Künstlerhaus mitgemacht. Auch ein Denkmal. Es gilt auch hier, dass alle Eingriffe Reversibel sein müssen. Und was bekam der geneigte Besucher zu sehen: Verlängerte Treppenhäuser, tiefergelegte Keller, entfernte Pfeiler und abgefangene Decken, neue Betonbalustraden.

    Und warum sollte jemand das irgendwann mal wieder zurückbauen? Wir gehen Tag für Tag mehr Kompromisse ein bei der Sanierung von Denkmälern, Fahrstuhleinbau, energetische Maßnahmen, Barrierefreiheit: Warum sollte man soetwas denn jemals zurück bauen? Bei der nächsten Sanierung werden die Eingriffe eher noch stärker und tiefgreifender sein.


    Ich hoffe also, dass man ein klug geplantes und integriertes, dauerhaft haltbares "Interim" bauen wird.

    Zur Feuerleinstraße 22: Das Ensemble gehört einer Wohnungsbaugenossenschaft, und die müssen natürlich politisch korrekt die Vorgaben übererfüllen. D.h. alles originale abschlagen und Dämmung drauf. Wenn man rund um das Ensemble geht sieht man schon sein Längerem fertige Gebäudeteile. Sie sind nicht ganz ungestaltet, aber dann doch verunstaltet. Ich hab leider kein Bild gemacht von der Plastikorgie, aber das kann man ja jederzeit nachholen.

    Abriss und Neubau: Martin-Richter-Straße 16 Ecke Rennweg


    Ich stelle mal den Vergleich ein. Bemerkenswert ist doch aber, dass der Entwurfsverfasser den Neubau Nachts darstellt. Und wenn ich das richtig sehe ändert er die Adresse: Die Haustür ist künftig am Rennweg und nicht mehr in der Martin-Richter-Straße. Ich persönlich finde es schade um die verloren gehende Gastronomie im Erdgeschoss, der Rennweg ist in dieser Gegend ja durchaus belebt und beliebt.

    Der Entwurf an sich gefällt mir ganz gut, die Gutgesimse und das ausgebildete Traufgesims sind sehr elegant. Ob die niedrigen Wohnungen im Erdgeschoss aber funktionieren, wer weiß. Da würde ich nicht wohnen wollen.


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    Visualisierung: Immovaria


    Der Altbau macht sich leider durch seinen unvollständigen Wiederaufbau zum Abrisskandidat. Drumherum haben alle Gebäude Traufhöhe und alle ihre Stockwerke, nur dieser nicht. Leider. Besonders um die wunderbare Haustüre ist es Schade, sie ist die prachtvollste Originaltür in der Martin-Richter-Straße:


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    Besonders böse wird es aber, wenn tatsächlich noch der Abriss des wunderbaren Gründerzeithauses Martin-Richter-Straße 19 kommen sollte, der ist m.W.n. noch nicht vom Tisch. Hier ist auch kein Namhafter Investor oder Architekt beteiligt, das würde vermutlich wirklich eine üble Schaumstoffkiste, die ein gewachsenes Viertel wie das Rennwegviertel runterzieht. Davor fürchte ich mich wirklich!

    Die "elende Pendelei" kann man m.E. nicht mit einer Verdichtung der Stadt bekämpfen. Im Gegenteil, die befördert es ja, dass diejenigen, die "es sich leisten können" oder das glauben, aus der Stadt wegziehen um dann wieder jeden Tag hinein zu fahren. Die Pendelei ist m.E. auch ein selbstgewähltes Schicksal, das keiner Abhilfe bedarf. Was aber dringend bekämpft werden muss sind die Blechlawinen in der Stadt. Und das kann eigentlich nur durch bessere Verzahnung des ÖPNV mit dem Umland erreicht werden.


    Wie die Erfahrungen mit dem 365-EUR-Jahresticket und auch die langwierigen Planungsmaßnahmen mit der STUB gezeigt haben, ist die kleinteilige Verwaltungsstruktur im N/F/E-Ballungsgebiet da durchaus hinderlich.


    Der Gedanke daran, dass Menschen aus der Stadt raus ziehen, weil es ihnen hier zu laut ist, zu viele Autos und zu wenige Parkplätze, um dann jeden Tag mit dem Auto reinzufahren, vor den Häusern derer, die hier bleiben mit laufendem Motor im Stau stehend und motzend, dass man doch die Straßen verbreitern sollte usw. das macht mich richtig wütend.

    "Regensburger Viertel"? Ist das ein offizieller oder geläufiger Name für das neue Quartier dort? Hier wird ja sowohl das AMH behandelt als auch das Neubauquartier. Ich würde den Strangtitel gerne umbenennen in "Neues Viertel an der Regensburger Straße".


    Herrjeh war ich lange nicht dort!

    fast fertig: Lückenfüller Kreutzerstraße 4



    Und vielleicht noch garnicht hier gezeigt: Der Neubau von "Project Immobilien" in der Kreuzerstraße Ecke Orffstraße.


    Sehr wirkungsvoll ist die Gliederung in einzelne Bauteile durch die farbliche Absetzung der Fassade. Ein kinderleichtes, aber wirksames Instrument, um einem langgezogenen Block das nötige Antlitz zu verleihen, damit er in kleinteilige, gewachsene Umgebungen passt. Das wird leider allzu oft einfach unterlassen und damit unnötig urbane Harmonie zerstört. Hier nicht:



    Da ist sie wieder, oder noch, die klassisch-plumpe Bunkerarchitektur von Schultheiss. Aber gut, es ist der Innenhof, der darf aus städtebaulicher Sicht ruhig hässlich werden, es müssen ja nur die Bewohner ertragen. Auf der Straßenseite wird es hoffentlich besser, denn das sehen ja alle, die in der Gegend unterwegs sind.

    Ausstellung DIE BODENFRAGE im Offenen Büro des Stadtplanungsamtes




    Die Stadt Nürnberg hat eine Pressemitteilung veröffentlicht in der sie auf eine Ausstellung aufmerksam macht. Ich zitiere:



    Soetwas ist immer spannend, falls es jemand hin schafft wäre ein kurzer Bericht hier toll.

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    Deswegen glaube ich solchen Aussagen ersteinmal nie. Wie kann etwas, das bis gestern noch genutzt wurde, heute plötzlich unsanierbar sein. Klar, wenn man aus einer Fachwerkscheune ein Ufo machen möchte, dann trifft das sicherlich zu. Aber gute Architekten sagen ja, dass man sich den Bestand genau ansehen muss um zu entscheiden, was man damit machen kann. Und eben nicht vom Ende her denken und dann feststellen, dass man mit dem Vorhandenen eigentlich nichts anfangen kann. Das ist immer das Todesurteil für alles Bestehende.


    Über die Pläne am ehem. FÜW bin ich sehr überrascht, und ich habe noch genau vor Augen, dass das abgenommene Relief am Hochhaus eingelagert wurde und ggfls. am Ort wieder aufgestellt werden sollte. Durch die Besitzerwechsel wird dieses Detail wohl aus dem Bewusstsein verschwinden und in Jahrzehnten wird jemand am Hafen in ein Depot gucken, ein Haufen Kacheln finden und einen Historiker engagieren um herauszufinden was das wohl war.

    So unattraktiv dürfte das für Schultheiß aber nicht sein. Das kann man schön seriell hochziehen, in der Gestaltung gegenüber den Visualisierungen noch ein wenig wegrationalisieren, das alles mit der schlechten Lage und dem Preisdruck "geförderter Wohnraum" begründen, fertig ist die 800 Meter lange Schuhschachtel.

    Also ich würde hier nur das schlechteste erwarten, aber warten wir es ab. Womöglich entgeht mir ja gerade, dass Schultheiß der Ära der weißen Schaumstoff-Einheitsschachtel entwächst und man auch gestalterisch neu in die 20'er Jahre aufbricht.

    Turmbesteigung Friedenskirche St. Johannis


    Es gibt so Momente, in denen durchfließt mich eine gewisse Liebe zu meiner Wahlheimat Nürnberg. Momente, in denen ich trotz meines häufigen Verdrusses und Frustes gegenüber dem, was in dieser Stadt auch heute noch baulich schiefläuft und über das ich mich hier häufig auslasse, hier zuhause und wohl fühle. So ein Moment war gestern Abend, als wir uns kurz entschlossen aufmachten zur Kärwa in St. Johannis. Ohne dass wir es geplant hatten oder gar davon wussten hatte die Kirchengemeinde St. Johannis den Turm der Friedenskirche geöffnet zur Besteigung. Wir hatten dort oben Gelegenheit die seltene Aussicht von Westen auf die Stadt zu genießen.


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    Ohne dass wir es geplant hatten oder gar davon wussten hatte die Kirchengemeinde St. Joannis den Kirchturm geöffnet zur Besteigung. Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Allein die Turmbesteigung ist ein Erlebnis. Der wuchtige Turm wirkt dann von Innen noch wesentlich größer. Nachdem man von unten kommend eine steinerne Wendeltreppe hinauf steigt, die für sich schon arg eng ist, landet man in einem schlecht belichteten, und dafür umso spannenderen riesigen Raum:


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    In diesem Raum befindet sich das grandiose Uhrwerk der Firma Riedl aus Nürnberg, die lt. Info-Tafel die größte Turmuhr Nordbayerns antreibt:


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    Weiter geht es über Holztreppen, die eher einer Leiter gleichkommen, hinauf in den Läuteraum zu den Bronzeglocken:


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    So spät am Abend ist die Belichtung allerdings nicht mehr die Beste. Mein Fotoapparat und meine Stillhaltefähigkeiten wurden gefordert:


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    Von dort war es nur noch eine kleiner Holzleiter bis zur Dachebende mit der Ausgangstür. Eine kleine Leiter führt dann hinauf in den Turmhut, die war freilich nicht zu besteigen. Auf dem Schnappschuss erkennt man aber vielleicht, dass die ganze Turmhaube, die für sich genommen nochmal 20 Meter hoch ist, aus einem Eisentragwerk besteht, das von außen bekleidet wurde. Kein Holz. Ich meine dass der Turm im 2. WK zerstört wurde und in den 1950'ern wieder aufgebaut wurde:


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    Wirklich beeindruckend empfand ich das Raumgefühl innerhalb des wuchtigen, gemauerten Turmes. Die Außenwände tragen alles, im Innern ist extrem viel Raum. Ich denke auf den Fotos kann man es ein wenig erahnen. Durch die Türe kommend auf die Aussichtsplattform aber hatte man eine grandiose Aussicht auf die Umgebung. Das Kärwatreiben zu unseren Füßen, 40 Meter unter uns:


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    Blick Richtung Südwesten über den Friedhof St. Johannis, im Hintergrund das Gerichtsgebäude an der Fürther Straße:


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    Und das mächtige Dach des Kirchenschiffs in Richtung Südwest:


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    Und natürlich die Burg, die man kaum mal aus diesem Blickwinkel so sehen kann:


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    Die Schaugiebel der renovierten Jugendstilhäuser in der Sandrartstraße:


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    Zum Sonnenuntergang hieß es wieder "Abwärts".


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    So ließ sich der Abend auf der Kärwa gut ausklingen, die Menschen waren gut gelaunt, das Essen und der Trank waren schmackhaft, die Musik unterhaltsam. Soetwas passiert mir in Nürnberg durchaus nicht selten, dass man eigentlich nichtsahnend und ohne hohe Erwartungen aufbricht, und sich dann Erlebnisse aus Architektur und Kulinarik ergeben, quasi 5 Minuten vom Sofa entfernt, das ist einfach wunderbar. Überhaupt ist die Friedenskirche äußerst besuchenswert, wie der eigene Wikipedia-Artikel veranschaulicht. Die Kirchengemeinde verschließt sich der Öffentlichkeit quasi garnicht, sondern öffnet das Haus für Kunst, Kultur und Besucher regelmäßig. Ich war schon öfters dort.


    Das wollte ich hier einfach nur mal teilen.

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    Tatsächlich, die richtige Bezeichnung ist "Zugang Königstormauer", die Peuntgasse läuft ja rechtwinklig aufs Künstlerhaus zu.


    Und ja, zur Frage, wer denn bitte diesen Eingang benutzen sollte wurde auch eine interessante Bemerkung gemacht: Das gegenüberliegende Gebäude soll wohl Teil des Künstlerhauses, bzw. des Kunstkulturquartiers werden. D.h. es ist zu erwarten, dass reger Personenverkehr hin und her stattfinden wird. Ich glaube dass auch aktuell einige Räume darin als Interimsquartier genutzt werden? Naja und Anlieferung usw. oder VIP-Hintereingang. Ich glaube es ist ein guter Plan dort einen Eingang zu platzieren.

    3. Bauabschnitt Sanierung Künstlerhaus (Ex-Komm) - Teil 2

    Über dieses Treppenhaus ging es sodann nach oben, es gab die Gelegenheit in neu entstehende Räume zu schauen:


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    Dieser Raum wurde von irgend etwas abgeschnitten, wie man an der ausladenden Stuckkehle sieht, die angesichts der geringen Deckenhöhe viel zu groß dimensioniert ist. Wo und von was, ich weiß es nicht. Es war schwer die Orientierung zu behalten, und zu diesem Raum wurde m.W. auch nichts erklärt.


    Besonders ist die Gelegenheit in das Dachgeschoss schauen zu können. Ursprünglich wurde angedacht, den Raum ebenfalls zu nutzen, in dem die Dachhaut durchfenstert und geöffnet wird, um es für Atieliers oder so zu nutzen. Doch früh zeigte sich, dass dringend notwendige Technik letztlich hier ihren Platz finden würde, da sie anderswo noch mehr stören würde. Spannend ist das vernietete Eisentragwerk in Fachwerkbauweise im eigentlich hölzernen Dachboden, an dem Umlenkrollen usw. montiert sind. Daran hat man früher sicherlich Dinge durch die Decke des großen Festsaals rauf und runter heben können:


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    Über das selbe Treppenhaus gehen wir zurück bis in den Untergrund. Dort ist es schon deutlich mehr "Maschinenraum". Die grünen Originalfliesen bleiben erhalten, werden aber nicht ergänzt.:


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    Viel Grafitti und eine schöne Rabitz-Gewölbedecke:


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    Da unten verliert man bisweilen das Gefühl dafür, wo man eigentlich ist. Ziel unseres Abgangs war die ehemalige Schreinerei, die bislang im Kohlebunker untergebracht war. Der Raum ist nahezu fertig saniert, es fehlt eigentlich nur noch der Fußboden und die Ausstattung:


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    Die beiden Luken an der Wand rechts oben im Bild waren die Schütten, über die der Kohlenmann seinerzeit die Kohlen in den Keller gekippt hatte. Die Luken existieren noch, ob man die heute aber für eine Art Entlüftung oder Belichtung nutzt, keine Ahnung. In dem Raum befanden sich zur Erbauungszeit die Öfen, mit denen das Haus beheizt wurde. Künftig soll hier tatsächlich ein Clubraum für Musik und Tanz entstehen, der könnte anstatt "Tresor" eher "Heizraum" oder "Einheizer" oder so heißen. Ich wette die Künstler finden hierfür schon einen griffigen Namen. Gefeiert werden wird künftig auf einem gestampften Lehmboden, der ohne Sperrbahn auf den Boden aufgebracht wird. Die verschiedenen gemauerten Säulen, Bögen und Raumhöhen verleihen dem Raum eine tolle Atmosphäre.


    Von dort ging es weiter durch den Keller, leider habe ich nicht alles fotografiert. Es war bisweilen eng und voller Menschen. Technik, Gänge und Schächte:


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    Im Keller wurde eine weitere Herausforderung beim Bau erklärt, von der man später kaum noch etwas sehen wird. Das Künstlerhaus wurde um 1910 auf den Fundamenten der alten Stadtmauer errichtet. Um die Kellerräume aber zu verbinden bzw. zu erweitern musste man drum herum bauen und die Fundamente verstärken. Die Mauerfundamente kann man allerdings nur an wenigen Stellen sehen, die alten Sandsteinquader sind deshalb leider kein raumprägendes Element geworden, sondern nur in eine der künftigen Technikräume zu sehen:


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    Das gesamte Untergeschoss - ich glaube es gibt sogar zwei Untergeschosse - ist sehr interessant, extrem verwinkelt und vollgestopft mit Technik. Die Schreinerei und Bildhauerei soll hier künftig aber raus und im Hof einen neuen Platz finden. Den Hof haben wir auch sehen können. Aus dem Keller kommend in den unteren Hof, die kleine Schlucht, die sich ergibt wenn man von der Peuntgasse das Tür durchschreitet, das sich zwischen Baumeisterhaus (im Hintergrund) und Künstlerhaus befindet.


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    Das ganze von oben, auf Hofniveau von der neuen Verbindungsbrücke fotografiert. Blick wieder Richtung Peuntgasse zur Hofeinfahrt:


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    Und in Richtung unterem Hof / Schlucht:


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    Deutlich erkennt man die Neubauten, quasi zwei neue Fassaden zur "Schlucht", die nun mit einer freitragenden Betonbrücke überspannt ist und den barrierefreien Zugang vom Künstlerhaus in den künftigen Biergarten ermöglicht. Die unten sichtbaren Fassaden erhalten große Fensterfronten und nehmen sowohl Mülltonnen auf, als auch die künftige Schreinerei, die dann mit Tageslicht arbeiten kann. Das wird cool! Vermutlich wird der Freiraum da unten entweder mit diversen Kübelpflanzen vollgestellt und begrünt, oder man findet dort die Arbeiten aus den Werkstätten, die zur Abholung/Trocknung usw. abgestellt sind. Ich denke für die Besucher, die über die Brücke gehen von der aus ich das fotografiert habe, gibts dann immer etwas zu sehen. An der Stadtmauer sieht man auch die Umrisse einer ehemaligen Treppe, mit der man von unten in den Wehrgang hinaus wird gehen können. Das alles kommt wieder. Ein Blick in den Hof, den ehemaligen Biergarten der Auguste:


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    Die Bäume konnten erhalten bleiben, es gibt künftig neue Toilettenanlagen, mehr Barrierefreiheit und neue technische Anlagen. An dieser Stelle könnte meine Fototour eigentlich zuende sein, aber ein Schmankerl habe ich noch. Auf dem Rückweg ging es noch einem echt wunderschönen Raum vorbei, der nicht Teil der Tour gewesen war, und in dem an den alten Holzfenstern gearbeitet wurde. Ich weiß nicht wie der Raum heisst, aber er wurde von jemandem oder für jemanden gestaltet, der Vögel geliebt hat. Man beachte das handgeschnitzte Kapitell links im Bild:


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    Empore, Stuckdecke, Vertäfelungen, Wandgemälde, Kastendoppelfenster, alles, was einen repräsentativen Raum ausmacht:


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    Irgendwer mochte wohl keine Vögel, und hat die kleinen Gemäldemedaillons mit passenden Spiegeln zugeklebt. Beim entfernen ging leider ein Teil der Farbe verloren. Was damit wird, k.A., der Raum war nicht Teil der geführten Tour. Die Fensterbauer waren aber superfreundlich!


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    Ein Nachbarraum, ebenfalls in guter Erhaltung mit Rabitz-Gewölbedecke und Marmorsäule. Die Aufkleber darauf werden wohl dran bleiben.


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    Die Tour war da bereits zu Ende und die Gruppe in Auflösung begriffen. Es gab zwei Touren, bei denen sich die Gruppe geteilt hat. Das Haus war entsprechend gut gefüllt und man fühlte sich eingeladen. Die Stadt Nürnberg wollte damit sicherlich auch zeigen, was man für die Kultur hier doch tut und wofür das Geld ausgegeben wird. Immerhin in Bestlage, in einem repräsentativen denkmalgeschützten Gebäude werden einst Künstler die Hausherren sein und verschiedene Gewerke in modernen aber trotzdem charakterstarken Räumlichkeiten zuhause sein und ihrer Kreativität nachgehen können. Man kann davon ausgehen, dass für die Öffentlichkeit ordentlich etwas geboten werden wird und es viel zu sehen und zu hören gibt. Ich habe bei weitem nicht alles Fotografieren können und davon hier auch nicht alles gezeigt. Die Bauarbeiten sollen Ende 2022 beendet sein, die Wiedereröffnung des 3. Abschnitts ist für Anfang 2023 geplant. Sicherlich mit einem Fest der Künste.

    Ich freu mich auf das Ergebnis!


    Ende.

    3. Bauabschnitt Sanierung Künstlerhaus (Ex-Komm) - Teil 1

    Zuletzt hatte ich im Dezember 2016 über die Sanierung des Künstlerhauses berichtet, seither gab es auch keine Beiträge darüber hier, wenn ich mich nicht täusche. Doch gestern lud die Stadt Nürnberg ein zum "Tag der offenen Baustelle - betreten erwünscht", bei der u.a. das Künstlerhaus besichtigt werden konnte. Fotografieren erlaubt (nur keine Menschen), das freut den Baustellenwanderer mit seiner unübersehbaren Spiegelreflex natürlich. Und auf gehts:


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    Treffpunkt war vor dem Glasbau (den ich für ein Störer im Stadtbild halte und mir ersetzt wünsche) um von dort aus zum künftigen Haupteingang des Künstlerhauses zu gehen. Die Veränderungen sind hier schon sichtbar, ohne dass sie einem schreiend ins Gesicht springen: Die modernen Zutaten sind in einem gefärbten Beton gehalten, der auch absichtlich nicht die Sichtbetonqualität hat, sondern relativ rau gehalten und sandgestrahlt daherkommt. Durch Einfärbung mit roten und erdfarbenen Pigmenten hat man eine gute Passung zum Sandstein erreicht. Die Brüstung oberhalb der Eingangsbögen ist neu, dort entsteht ein Balkon. Die drei Bögen bilden den künftigen Eingangsbereich, der sich trichterförmig mit betonierten Brüstungen dem öffentlichen Raum zuwendet und die Besucher quasi "einsaugt". Sehr gelungen, wie ich finde, v.a. wenn man den Vorzustand daneben legt. Die Löcher in der Fassadenoberfläche sollen allerdings bleiben und werden nicht kaschiert. Man möchte die Kriegsschäden halt zeigen. Naja, mann kanns übertreiben, aber das kann jeder für sich entscheiden. Und rein gehts:


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    Hier war früher der Gastraum der "Auguste", wenn ich das richtig im Kopf habe. Das wird aber alles Eingangsbereich und Verkehrsfläche, das Restaurant wird sich künftig anderswo befinden. Viele historische Details haben sich erhalten und werden wieder gezeigt:


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    In der Supraporte steht geschrieben: "Gegr. Anno Domini 1858. Durch gemeinsam edles Streben - blüh' uns deutsches Künstlerleben" . Oben unter der Decke befindet sich ebenfalls ein bemaltes und verziertes Fries, das allerdings in der Baustellensituation nur schwer einzufangen war. Wird aber hoffentlich auch wieder sichtbar werden. Das Ganze wird deshalb Eingangsbereich und keine Sondernutzung, da sich hieran direkt das prächtige Treppenhaus anschließt:


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    Völlig neu und logisch gedacht ist der Abgang im Schoß der zweiflügligen Treppenanlage auf das Straßenniveau der Peuntgasse zum Eingang Altstadt. Den hat es vorher nicht gegeben (siehe Foto), es befand sich hier nur eine kleine Türe zu einem Kabuff. Dass man hier ebenfalls raus kann ist nur folgerichtig:


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    Der rückwärtige Eingang wurde ja schon vor ein paar Jahren neu geschaffen, im selben Stil wie die übrigen Anbauten aus gefärbten Beton und durchaus etwas aufwändiger und großzügiger:


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    Der Rundgangsleiter aus dem Architekturbüro Nagler erklärte, dass die neue Türe ebenfalls aus Holz sein wird um sich in das Erscheinungsbild einzufügen. Dass Nagler gut mit Holz kann hat er ja bei der Neugestaltung der Kirche St. Martha bewiesen. Doch gehen wir das Treppenhaus weiter hinauf:


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    Die Natursteintreppen sind verschalt und werden wieder sichtbar, und dort wo es sein muss auch ergänzt. Die Gestaltung des Treppenhauses wird vermutlich "wild": Beim Überarbeiten der Wände und der Elektrik kommen natürlich Spuren der Vergangenheit zum Vorschein: Schablonenmalereien und Verzierungen ebenso wie Gekritzel und Grafitti aus den wilden Zeiten nach dem 2. WK. Wenn ich das richtig mitgeschnitten habe - und als Fotograf auf der Jagd nach dem guten Bild ohne Personenstaffage muss man halt hinnehmen, dass man vieles vom Gesprochenen nicht genau mitbekommt - soll etwa das Quadrat im Zwickel der Treppenhauswand sichtbar sein:


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    Naja wir werden es ja sehn wenn es fertig ist. Über das Treppenhaus ging es nach oben in den Festsaal mit seinen Vorsälen. Vom großen Festsaal hab ich leider kein Bild, ich habe vielmehr den Erklärungen gelauscht. Der große Festsaal ist aktuell noch dominiert von vielen Gerüsten und Verschalungen. Die ehemalige Empore, die später zum Zeichensaal ausgebaut wurde, wurde ausgebaut um das Raumvolumen zu vergrößern. Die meisten der gründerzeitlichen Wandverkleidungen aus verziertem Holz in blauer Farbe bleiben erhalten bzw. werden wieder eingebaut. Die Raumdecke wird allerdings pure Technik: Belichtung, Belüftung, Beschallung, Elektrik, Brandschutz, all das wird unter der Decke nach neuestem PA-Standard eingebaut. Wie gesagt, von diesem Raum leider keine Fotos. Die kleineren Säle daneben sahen aber im Vergleich dazu heile und nahezu unversehrt aus:


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    Um die gewünschte Trennbarkeit von einzelnen Veranstaltungen in den Sälen zu ermöglichen werden einige der vormals großzügigen Türen zugemauert. Das war ja immer das Hauptmanko für die vielfältige Nutzung des Hauses: Es ist im damals üblichen Stil offen und kommunikativ gebaut worden, alle Veranstaltungsräume waren nicht nur über den Flur, sondern auch untereinander verbunden. So wie man das auch in großzügigen Altbauwohnungen kennt, wo die Räume mit kleinen Türen zum Flur, und mit großen Flügeltüren untereinander verbunden sind. Das stört aber, wenn in dem einen Raum ein Violinenkonzert stattfindet und in dem anderen Techno gespielt wird.


    Besonders aufwändig, so die Bauexperten, sind die Arbeiten am Treppenhaus, hier das "TH3", welches an den Hof grenzt. Diese beiden Schnappschüsse zeigen das beispielhaft. Rechts im Bild sieht man eine ehemalige Türe, die in der Luft hängt. Das Treppenhaus war dort zu Ende und wurde im Zuge der Bauarbeiten nach unten verlängert. Lt. Rundgangsleitung war das extrem aufwändig, da alles mit Stahlbeton unterfangen werden und dieser später wieder entfernt werden musste. Treppenhäuser verlaufen ja in Gebäuden dieses Baualters in einem Schacht aus tragenden Wänden, die zudem damals schon dem Brandschutz im Treppenhaus dienten. Das ist vermutlich der Grund, weswegen das Durchbrechen der Decken und Erweitern nach Unten so aufwändig war und von statischen Maßnahmen begleitet werden musste.


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    Auf diesem Bild sieht man auch einen Handlauf der alten Treppe, der nun viel zu hoch hängt. Der soll aber dran bleiben, auf korrekter Höhe kommt ein neuer Handlauf dran wenn es fertig ist:


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    Ende Teil 1

    Ein neues Hochhaus an der Hainstraße

    In der NZ stand es gestern bereits, heute online, allerdings hinter einer Bezahlschranke (Link). Ich gebe das gelesene mal frei aus dem Gedächtnis wieder: Das Grundstück hat nach dem Abriss des Fränkischen Überlandwerkes im letzten Jahr den Besitzer gewechselt und gehört nun dem BPD Investmentfonds, die in Nürnberg bereits an den Tramlofts investieren und am Nordbahnhofareal.

    Durch den Eigentümerwechsel haben sich auch die Pläne geändert: Das alte Hochhaus, das noch immer steht, bleibt auch stehen und wird aufgestockt. Zusätzlich soll ein weiteres, noch höheres Hochhaus an der Baaderstraße entstehen, also dort wo der Eingang des alten FÜW-Gebäudes war. Das neue Hochhaus soll aus einer Beton-Holz-Hybridbauweise bestehen und Dachgärten mit Bäumen erhalten. Die Website von BPD ist bereits eingerichtet, hat aber noch wenig Content.


    Der damalige Architektenwettbewerb hatte keinen Sieger, aber zwei Zweitplatzierte. Mit beiden habe man gesprochen und sich dann für Gräßel Architekten aus Erlangen entschieden. Die haben dazu allerdings auch nichts auf ihrer Homepage. Wir kennen dieses Architekturbüro aber von anderen, durchaus ansprechenden Projekten in Nürnberg, z.B. dem Neubau beim ehem. Blumenladen an der Schnieglinger Straße.


    Entstehen sollen um die 370 Wohneinheiten, mit erheblichem Anteil gefördertem Wohnraum. Baubeginn ist für Ende 2022/Anfang 2023 vorgesehen.


    Na ich bin gespannt, die Pläne finde ich jetzt garnicht mal schlecht. Sowieso finde ich, dass um ausgedehnte Parks gut auch Hochhäuer passen. Wer weiß, ob nicht auch das geplante Hotel an der Meistersingerhalle noch kommt, dann entstünde dort ein Hochhauscluster der imposanter ist als der am Wöhrder See oder am Tower Nürnberger Versicherung.

    Hallo zneih und herzlich willkommen im Forum!


    Danke für deinen Beitrag, an dieser Stelle war ich schon lange nicht mehr. Aber zum richtigen Verständnis meinerseits: Auf deinem Foto ist der kleinere Bau eingerüstet und in einer abgetönten Farbe, eine Art Pfirsichgrau oder so gestrichen. Soll der jetzt weiß werden oder ist das schon seine neue Farbe?


    Diese ungegliederte Würfelarchitektur wird immer das Problem haben die durch Bewitterung entstehenden Flecken und Schlieren regelmäßig durch Neuanstrich entfernen zu müssen. Weiß ist halt eine sehr pflegeintensive Farbe, und eine glatte Fassade ebenso. Das genaue Gegenteil davon ist ja Naturstein, den braucht man nur alle 50 Jahre mal überarbeiten.

    Bei mir hinterlässt das neue Quartier "Carlina Park" gemischte Gefühle.


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    So recht erschließt sich mir der beabsichtigte Charakter des Quartiers nicht. Die vier Gebäude stehen wie Würfel nach dem Wurf auf dem Grundstück und bilden Gassen, aber keinen richtigen Hof. Die Wohnungen im Erdgeschoss sind ziemlich genau bodengleich, teilweise sogar unter Bodenniveau, möglicherweise haben sie auch Terrassen. Aber was genau ist hier nun privater Raum, der zu einer Wohnung gehört, gemeinschaftlicher Raum für alle Quartiersbewohner und öffentlicher Raum/öffentlicher Weg?


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    Ein gutes Gefühl dafür bekommt man entlang des schmalen, öffentlichen Weges als Verlängerung der Hegelstraße, der direkt am Bauzaun am Gelände entlang läuft. Man ist wirklich sehr nah dran an den Erdgeschosswohnungen, kann jede Schraube auf dem Fußboden erkennen. Zwar wurden da jetzt Hecken gepflanzt, aber sollen das (Vor-)Gärten sein oder Abstellräume, wird man da Grillen können oder eher den Unrat aufsammeln, den Passanten über die Hecke schmeißen?


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    Das zieht sich durch das gesamte Quartier und ich frage mich, ob nicht eine Blockrandstruktur die intelligentere Lösung gewesen wäre. Sie hätte das Private vom Öffentlichen eindeutig getrennt und die Chance ergeben, einen großzügigen Gemeinschaftlich nutzbaren Innenhof zu haben, mit richtigen Bäumen, einen richtigen Spielplatz, auf dem ein Ball auch mal eine Parabel fliegen kann ohne in ein Fenster zu krachen. Räumlich halte ich zum jetzigen Zeitpunkt das Quartier für missglückt. Lediglich die Gebäude als Solitäre betrachtet haben was, aber daran sieht man sich wahrscheinlich auch schnell satt.


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    Und das Umfeld ist von der Styropordämmorgie gut zugemüllt worden, in den Baumscheiben und so finden sich überall verwehte Schaumstoffreste. Was für eine Umweltsauerei.