Beiträge von PRohdan

    Halleipziger

    Ich würde diese Abbildung mit ausgesprochener Vorsicht betrachten. Hier wurde offensichtlich lediglich das ursprüngliche Wettbewerbsrendering genommen und mittels einschlägiger KI die Tageszeit ausgetauscht.

    Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen, dass Entwürfe und Renderings, die man mit den üblichen KI-Modellen zu bearbeiten versucht, teilweise extremer Verfälschungen ausgesetzt und konstruktive Details seitens der KI deutlich verändert werden. Daher würde ich aus dieser Investoren-Visualisierung (denen war vermutlich das ursprüngliche Bild zu düster) keinerlei Rückschlüsse auf den aktuellen Stand der Entwurfsplanung von Richter Musikowski schließen.

    Ziegel

    Der Kolumba-Stein war bei dem Museumsbau nicht per se der Grund für die Feuchteschäden und wird nach wie vor als (teures) und in meinen Augen optisch sehr ansprechendes Fassadenmaterial verwendet, weil man aus den konstruktiven Fehlern des Pionierprojektes gelernt hat.

    Dort ist vielmehr Feuchtigkeit zwischen Stein und Mörtel gedrungen, weil letzterer noch nicht auf den Ziegel optimal abgestimmt und zu hart war, was zu feinen Rissen zwischen Stein und Mörtel geführt hat. Das ist grundsätzlich noch kein direktes Problem, weil es bei einem zweischaligen Mauerwerk hinter dem Verblendmauerwerk immer eine Hinterlüftungsebene gibt, in welcher Feuchtigkeit abtrocknen kann.

    Beim Kolumba-Museum wurde allerdings ein monolithisches Verbundmauerwerk aus den äußeren, sichtbaren Kolumba-Steinen und den inneren, tragenden Hochlochziegeln ausgeführt. Dadurch konnte das Mauerwerk nicht schnell genug die Feuchtigkeit abgeben, wie es sie aufgenommen hat, sodass diese bis nach Innen dringen konnte.

    Das hatte eine sehr teure und aufwändige Sanierung zur Folge, in der die Risse händisch mit Feininjektionen geschlossen wurden. Die Ausführungsabteilung von HdM wird sich dieser sehr genau dokumentierten Problematik bewusst sein.

    Selbstverständlich sind baukonstruktive Fehler, die bei noch unerprobten und neuen Materialien und Konstruktionen nahezu unvermeidbar sind und zu teilweisen horrenden Kosten führen unfassbar ärgerlich. Dennoch bin ich froh, wenn kontinuierlich baukonstruktive Pionierarbeit geleistet wird, aus welcher neue Fassadenmaterialien wie dem Kolumba-Stein oder gar neue Konstruktionsarten wie dem CLT-Brettsperrholz beim mehrgeschossigen Holzbau entstehen. Und für das Kulturforum kann man sich durchaus eine aufwändigere Fassade leisten.

    Markisen sind tatsächlich aktuell ein architektonischer Trend, der seit einiger Zeit aus der Schweiz und der ETH Zürich herüberweht. Die meisten dortigen studentischen Entwürfe greifen diese Ästhetik (oft auch in Form von PV-Elementen) auf und transportieren diese auch in die Schweizer Büros. Bei Roger Boltshauser ist nahezu jeder zweite Entwurf mit Markisen oder Markisen-ähnlichen Elementen versehen. Daher wird das sicherlich Regula Lüscher als Schweizerin auch vertraut vorgekommen sein.

    Ausgesprochen viele deutsche Architekturstudierende und Büros schauen auf das Schweizer Baugeschehen, weswegen sich Markisen-Elemente immer gehäufter in den Entwürfen wiederfinden. Ob das am Ende gefällt und auch überhaupt so gebaut wird, ist natürlich eine ganz andere Sache. Ähnlich wie Rundfenster, die in der Architekturszene alle paar Jahre ihr kleines Revival erleben, kann auch hier der Trend schnell wieder vorbei sein.

    Ich finde, dass sie durchaus ein spielerisches Element sein können, um dem ansonsten doch sehr strengen Alex ein bisschen mehr Leichtigkeit zu verleihen.

    @Theseus532 

    Sofern es sich nicht um ein transparentes Vergabeverfahren handelt, sind klassische Architekturwettbewerbe immer anonymisiert. Die Teilnehmer dürfen sich in der Regel eine eigene Entwurfsnummer aussuchen, die sie in den einzureichenden Wettbewerbsunterlagen und Plänen entsprechend vermerken. Bei den Rundgängen der Jury bekommt diese die aufgehängten Pläne ausschließlich anonymisiert mit den Entwurfsnummern zu Gesicht und wählt auch danach aus.

    So zumindest das offizielle Verfahren. Viele Architekturbüros sind aber in ihrer Formensprache, der Architekturvisualisierung und im Stile ihrer Grafiken wiederzuerkennen. Das kann natürlich dazu führen, dass man bereits auf den Rundgängen erahnt, um welches Büro es sich handelt. Andersherum ist es auch nicht unüblich, dass die Büros ihre Plandarstellungen und -grafiken auf die Jury "zuschneiden", wenn sie einzelne Jurymitglieder und deren architektonische Vorlieben bereits im Vorfeld kennen. Das ist bereits im Architekturstudium Praxis (wenn auch nicht anonymisiert), dass man als Studierender Plangrafiken an die Vorlieben des den Entwurf betreuenden Professors anpasst.

    Adrian96

    In Bezug auf Gründerzeitviertel kommt man eigentlich nicht um Leipzig herum, welches von den Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges und denn Abrisswellen der Nachkriegszeit weitesgehend verschont geblieben worden ist:

    "Zwischen 12 000 und 15 000 Bauten - meist aus der Zeit zwischen 1870 und 1930 - stehen in Leipzig unter Denkmalschutz. Die Messestadt ist damit das mit Abstand größte Flächendenkmal der Bundesrepublik Deutschland.

    In keiner anderen deutschen Großstadt haben sich derart viele Gebäude aus der Gründerzeit mit ihren diversen Anlehnungen an vorherige Bauepochen in oftmals geschlossenen Ensembles erhalten. Von großen Bombenschäden wie in anderen deutschen Städten blieb Leipzig vergleichsweise verschont. Ebenso von den westdeutschen Kahlschlagsanierungen und Modernisierungswellen, die meist nicht viel von der historischen Bausubstanz übrig ließen.

    Quelle:

    https://www.welt.de/print/wams/wir…k%20Deutschland.

    Zu Ostzeiten war das wohl eher ein trauriger Anblick, da die meisten Gründerzeithäuser unsaniert verfielen. In den letzten dreißig Jahren ist aber der Großteil des Bestandes wiederhergerichtet worden, sodass die Stadt im positiven Sinne kaum wiederzuerkennen ist.

    Entwicklungsstadt hat anscheinend wohl neulich mal bei CA Immo bezüglich des Millenium-Areals angefragt. Die Antwort ist erwartbar schwammig ausgefallen und lässt offen, ob das Projekt gerade aktiv vorangetrieben wird oder eher auf Eis liegt:

    „Die globale Wirtschaftslage und im Besonderen die Situation für Immobilien in Deutschland und Frankfurt hat sich erheblich verändert. Daher müssen wir die Realisierbarkeit des Projektes heute vor diesem Hintergrund bewerten." Einen aktuellen Zeitplan nannte das Unternehmen nicht. Auch konkrete Szenarien für die Realisierung und Bebauung des Areals seien derzeit „nicht kommunizierbar".

    (zitiert von: Millennium-Areal: Europaviertel Hochhausprojekt vorerst "on hold")

    Ich persönlich habe mich damals sehr darüber gefreut, dass das Projekt mit dem Wettbewerb endlich greifbar vorangetrieben wurde, obwohl mich der Siegerentwurf mit seiner in meinen Augen sehr misslungenen Formensprache und Proportion nur wenig anspricht. Daher hoffe ich, dass in der langen Zeit dieser Entwurfsphase noch an Form und Abschluss des Turmes gefeilt wird.