Elbtower Baustopp - Diskussionsthread

  • Der Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna steigt in die öffentliche Diskussion ein und gibt dem NDR ein Interview. Man merkt schnell, dass er einen Hintergrund im Vertrieb von Finanzprodukten hat. Das Ganze gipfelt in dem Satz: "Man wird mit Sicherheit als Mitglied in diesem Konsortium an diesem Projekt nicht reich werden." Mir kommen die Tränen. Hamburg als Stadt der Philanthropen.

  • Kurz vor der Paywall lesen wir im Handelsblatt, Herr Becken sei überzeugt, dass sich die „Mitte Hamburgs in Richtung Süden verschieben“ werde. Für mich klingt das eher nach hohler Phrase als nach tektonischer Sensation. Er wird wohl noch etwas warten müssen bis das Sondervermögen auf seinem Konto landet.

  • ^^Da hat er halt einfach recht. Nicht unbedingt wegen des Elbtowers, aber die HafenCity hat schon jetzt kulturell viel zu bieten. Sei es das Miniaturwunderland, Elphi, Maritimes Museum oder vieles anderes. Da kommt noch mehr, wenn die Oper, das Naturkundemuseum und so weiter kommen. Wirtschaftlich befinden sich in der HafenCity mittlerweile einige der wichtigsten Firmen in Hamburg und auch da kommt noch mehr. Das Westfield scheint auch recht gut zu funktionieren. Über die Jahre kommt auch die Wohnbebauung zusammen.


    Den Einfluss davon sieht man schon jetzt. Das Kontorhausviertel wird langsam autofrei gestaltet und wird damit viel mehr Teil der Innenstadt. Das nächste große Problem ist dann die Ost-West Achse, aber dann ist man mit der Speicherstadt schon im nächsten sich immer mehr verbessernden Bereich. Wenn man weiter schaut, hat man mit dem Sprung über die Elbe ein riesiges Stadtentwicklungsprogramm, wobei vor allem der Grasbrook auch eine relativ hohe Dichte haben wird und mit dem Hafenmuseum auch eine Attraktion. Im Osten gibt es auch ziemlich große Planungen für mehr Dichte.


    Die Mitte Hamburgs verschiebt sich damit schon, allerdings nicht ganz zum Elbtower, sondern nur etwas. Wobei dieser durch die U4 und S-Bahn durchaus eine gute, wenn auch keine sehr gute Lage hat.

  • Wo wir denn schon mal hier sind : Wirklich konkretes oder Neues, was irgendwie nach Wiederaufnahme der Bautätigkeit des Elbtower klingt, hört/sieht/findet man seit vier/fünf Monaten rein gar nicht. Auch die Medien haken da anscheinend nicht nach.

  • Finde ich auch seltsam, jedoch muss es nichts schlechtes heißen. Vielleicht gibt es einfach keine weiteren Pleiten und Pannen, die die Medien ausschlachten können. Alles geht seinen langweiligen Gang in Richtung Wiederaufnahme der Bautätigkeit.

  • Was Becken sagt, hat für mich mittlerweile nur noch begrenzte Aussagekraft. Bei allem Respekt, aber seine öffentlichen Einschätzungen wirken inzwischen weniger wie eine nüchterne Bewertung der Lage, sondern eher wie interessengeleitete Begleitmusik zur eigenen Sache.

    Der entscheidende Punkt ist doch: Wenn die Stadt als Ankermieterin einsteigt, dann ist das Projekt grundsätzlich wieder darstellbar. Dann braucht es aber auch keinen besonderen Glauben von Becken, Kühne & Co. mehr – dann schafft die Stadt selbst den entscheidenden Werttreiber.

    Wenn die Stadt dagegen nicht mietet, scheint ja selbst Herr Becken dem Projekt nicht ausreichend zuzutrauen. Sonst müsste man den Elbtower auch ohne städtischen Mietvertrag finanzieren können.

    Aus meiner Sicht müsste die Stadt diesen Hebel konsequent nutzen: Sie könnte dem Insolvenzverwalter signalisieren, dass ohne Erwerb durch die Stadt auch kein Mietvertrag unterfertigt wird. Damit wäre klar, dass der zentrale Werthebel nicht beim Projektentwickler, sondern bei der Stadt liegt. Der Kaufpreis müsste entsprechend niedrig sein, weil Insolvenzverwalter und Gläubiger ohne diese Perspektive kaum einen Anreiz hätten, weiter auf bessere Lösungen zu warten.

    Steht das Projekt dann im Eigentum der Stadt, kann sie selbst als Ankermieterin auftreten, einen tragfähigen Mietvertrag abschließen und das Projekt anschließend in einem offenen Bieterverfahren wieder veräußern. Ob dann Becken kauft, Kühne, ein Pensions- oder Immobilienfonds, eine Versicherung oder jemand ganz anderer, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass der durch die Stadt geschaffene wirtschaftliche Vorteil nicht exklusiv einem privaten Entwickler zufällt.

  • Volle Zustimmung. Wenn die Stadt das Projekt retten will, dann muss sie aktiv nach vorne schreiten und transparent kommunizieren, nicht im Hinterzimmer mit Projektentwicklern kungeln. Das Problem ist, dass die Übernahme des mit der Projektentwicklung verbundenen Risikos politisch kaum mehrheitsfähig erscheint. Bei den sehr spezifischen Anforderungen wird man eine Ausschreibung ohnehin kaum vermeiden können. Der Senat hat es selbst in der Hand, das von ihm geschaffene Problem zu lösen. Aber klar, there is no easy way out.

  • Das Abendblatt gibt ein Lebenszeichen zum Elbtower.

    Leider eigentlich nur, dass es nichts zu vermelden gibt. "Details" würden alles verkomplizieren bis unmöglich machen. Becken bleibt aber zuversichtlich, weil es "in der Größenordnung normal wäre", wenn sich alles verschiebt. Nun ist von Ende 2026 die Rede.

    Leider ein Trauerspiel wo der Optimismus sinkt.

  • Nachdem ich es anfänglich ganz sympatisch fand, dass das Projekt Elbtower in Hamburg bleibt bzw nach Hamburg kommt mit Becken zweifle ich mehr und mehr und Frage mich langsam, auf welcher Grundlage der Senat entschieden hat, exklusiv mit Becken zu verhandeln.

    Nun gab es ja zwei große, internationale Konzerne die auch weiter bauen wollten. Und die haben das Kleingeld sicherlich und müssen nicht noch mit dem Klingelbeutel unterwegs sein. Vielleicht waren die Anforderungen an die Stadt bei den beiden höher, aber es wäre vielleicht die "sichere Bank" gewesen, denn da hätte es am Kapital nicht gelegen, und die hätten sicher auch in voller Höhe bauen können.

    Soll es am Ende noch so sein, dass die Stadt gleich ein zweites mal bei Wahl des Investors sich vertan hat?

    Wer weiß, am Ende wird das Gebäude doch noch von einem großen, internationalen Konzern zuende gebaut. Bis dahin ginge aber wieder viel Zeit ins Land ... Wenn der Turm dadurch aber wieder 245 m hoch wird: gerne!

  • Du übersiehst, dass nicht der Senat das Heft in der Hand hat, sondern der Insolvenzverwalter, er verhandelt mit Becken. Der Senat entscheidet für sich, ob er Flächen im Projekt erwirbt oder nicht.

  • Wenn der Senat sich hier von Becken und/oder dem Insolvenzverwalter treiben lässt, ist er selber schuld. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass das Projekt - wenn überhaupt - nur mit einer überwiegend öffentlichen Nutzung darstellbar ist. Der Insolvenzverwalter handelt im Interesse der Gläubiger, er wird deshalb einen Verkauf an einen Dritten nicht ablehnen, wenn es mit Becken nicht klappen sollte.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Du übersiehst, dass nicht der Senat das Heft in der Hand hat, sondern der Insolvenzverwalter, er verhandelt mit Becken. Der Senat entscheidet für sich, ob er Flächen im Projekt erwirbt oder nicht.

    Ich habe ehrlich gesagt das Gefühl dass die Stadt hier mehr die Finger im Spiel hat als viele denken, und als sie zugeben will.

    Edit: Immerhin haben die doch das Grundstück zurück gekauft. Und der Grundstückseigentümer hat wohl sehr viel Mitspracherecht, wer dort (weiter) baut.

    Einmal editiert, zuletzt von LevHAM (15. Juni 2026 um 16:37)

  • Lt. Hamburger Abendblatt drohen schwere Rückschläge für den Elbtower.

    Der Senat weist weitere Zugeständnisse der Investoren ab und speziell SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf stellt das Engagement des Senats mit dem Naturkundemuseum in Frage. Mittlerweile gilt es als optimistisch die Chancen für den Weiterbau bei 50-50 zu sehen.

    Ein echtes Trauerspiel und ich mache mir da wenig Hoffnungen das mit diesen Äußerungen die Investoren dazu gedrängt werden sollen einen schnellen Abschluss endlich durchzudrücken.

  • Man muss sich noch einmal vor Augen halten, dass der Stadt für das Naturkundemuseum mehrere Standorte angeboten wurden und der Elbtower mit Abstand am teuersten war. Jetzt sollen der Stadt „weitere Kosten, Bürgschaften oder ein Teil der Risiken“ aufgebürdet werden, wobei die Privatinvestoren von „Details“ reden. Die EU-Kommission ermittelt bereits gegen Hamburg, ob sich beim Elbtower korrekt an das Vergaberecht gehalten wird.

  • Ich war anfangs begeistert von der Idee, dass mit Becken das Projekt in Hamburger Hand kommt. Mittlerweile hat sich das gedreht, es zieht sich nun schon ewig hin, es fehlt immer noch ordentlich an Kohle, und am Ende haben wir womöglich einen Stummel (199m).

    Nun zieht sich das ganze schon so lange hin, jetzt kann man auch noch ein paar Jahre warten bis die Wirtschaft sich wieder bessert, dann kommen womöglich größere Mieter und vielleicht auch ein großer Investor mit viel Geld. Eventuell geht es dann sogar ohne die Stadt, und in der ursprünglichen Höhe.

    Was mir nicht gefällt sind diese "Exklusiv-Verhandlungen"und die Involvierung der Stadt. Wenn das am Ende zu nichts führt wird der Insolvenzverwalter doch wieder mit anderen reden, oder? Die wollen doch nicht auf dem Ding sitzen bleiben.

  • ^^Es wird immer offensichtlicher, dass Beckens Engagement ein merkwürdiger PR-Gag war...

    Dekoratives Anführungszeichen

    Die EU-Kommission ermittelt bereits gegen Hamburg, ob sich beim Elbtower korrekt an das Vergaberecht gehalten wird.

    Woher kommt denn diese Information? Bitte keine Falschinformationen verbreiten.

  • Hier geht es aber auch um die Vergabe zum Bau des neuen Naturkundemuseums, nicht den Elbtower selbst. Die Vergabe des Projektes Elbtower an Benko sollte man mal lieber unter die Lupe nehmen ...

  • Nach dem Vertrag über die Arbeitsweise der EU (AEUV, Art. 258) kann die Kommission gegen einen Mitgliedsstaat (hier die Bundesrepublik Deutschland) ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten und prüfen, ob das europäische Rahmenrecht effektiv in nationales Recht umgesetzt wurde (was im Fall der Wettbewerbsrecht, wozu das Vergaberecht gehört der Fall ist). Partei eines Vertragsverletzungsverfahren wäre nur die Bunderepublik, nicht das Land Hamburg. Die Kommission greift nicht in einzelne Verfahren in den Mitgliedsstaaten ein. Nach nationalem Recht (hier das deutsche Wettbewerbsrecht, GWB) sind nur antragsbefugt Marktteilnehmer mit eigenen wirtschaftlichen Interessen. Wer sollte das hier sein? Die müssten dann die Vergabekammern anrufen und ggf. den Rechtsweg beschreiten.

    Dritte ohne eigenes wirtschaftliches Interesse am Ausgang eines konkreten (durchgeführten oder unterlassenen) Vergabeverfahrens (z. B. reine „Vergabewächter“, Verbände ohne eigenes Bieterinteresse, allgemeine Bürger) und Unternehmen, die keine Verletzung eigener Rechte, sondern nur allgemeine Rechtsverstöße ohne eigene Betroffenheit rügen, sind nicht antragsbefugt. So eine Petition führt demnach zu nichts.

    Wenn der Senat beschließt, ein Museum zu bauen, müsste er das konkrete Projekt ausschreiben. Wenn er aber nicht bauen will, sondern ein bestehendes Objekt kauft oder mietet, muss er das eher nicht ausschreiben. Die Entscheidung, ob selbst bauen oder bauen lassen, etwas Bestehendes zu erwerben oder zu mieten, ist m.E, eine politische Entscheidung und kein Fall eines Verstosses gegen das Wettbewerbsrecht.