Beiträge von Elbphilharmonie

    Dekoratives Anführungszeichen

    Darin wird ausgeführt, dass eine Petition beim Europäischen Parlament eingegangen ist, dieses die Zuständigkeit der EU-Kommission feststellte und diese um eine Prüfung des Sachverhalts bat.

    Genau, und das ist eben ein ganz anderer Vorgang als das von dir beschriebene "Die EU-Kommission ermittelt bereits gegen Hamburg ...". Also nochmals: Bitte bei den Fakten bleiben und keine Falschinformationen verbreiten.

    ^^ Ich denke, wir sind grundsätzlich einer ähnlichen Auffassung. Das Umfeld um die Sternbrücke war ein urbaner und lebendiger Ort, der nun derzeit offensichtlich seinen Charme verloren hat. Ich denke nur, dass es an der Zeit ist diesen Charme wiederherzustellen, wenn auch auf eine andere Weise auf vorher. Höhere und dichte Bebauung hilft da schon mal weiter.

    Ein Fehler von Nachkriegsstädtebau war ja grade das Fehlen von dichter Blockrandbebauung und Vorhandensein von unnötigen Abstandsgrünflächen. Es wäre ein großer Fehler, die Potentiale der freigewordenen Flächen nicht zu nutzen.

    ^^Der Begriff der Ewiggestrigen passt schon ganz gut bei Leuten, die sich pauschal jeder Veränderung ihrer Umgebung versperren. Im Kern begründen diese Leute ihre Ablehnung oft damit, dass "alles so bleiben soll wie es ist". Sich einer höheren Bebauung zu versperren ist zugleich hoch abschottend und intolerant gegenüber den potenziellen neuen Bewohnern, die ein attraktiver Stadtteil wie die Schanze mit hoher Bebauung anziehen könnte. Es spricht ebenfalls niemand von Dimensionen, wie im Frankfurter Westend, auch wenn ich das persönlich gar nicht schlecht finden würde.

    Wie die Mopo  schreibt, ist keineBaugenehmigung, sondern ein positiver Bauvorbescheid erlassen worden. Das macht natürlich nur Sinn, wenn man den Bauentwurf bereits geändert hat oder ändern will. Hier verdichten sich daher schon sehr stark die Anzeichen dafür, dass der Turm gekürzt wird. Das angebliche starke Mieterinteresse kann man mit Blick auf Beckens schon in der Vergangenheit vorgekommenen unglaubwürdigen Prognosen (Stichwort Kapital, Baubeginn etc.) stark in Zweifel ziehen. Mieter gibt es ja schlicht nicht mehr oder noch keine. Gleichwohl zeigt der Bauvorbescheid, dass deutlich Bewegung in die Sache kommt.

    ^^ Die Frage nach der Ausschreibungspflicht hängt damit zusammen, ob der Teilkauf des Elbtowers ein öffentlicher Bauauftrag im Sinne des § 103 Abs. 3 GWB ist und ob die Ausnahmevorschrift für die Anmietung und den Kauf von Grundstücken in § 107 Abs. 1 Nr. 2 GWB greifen kann. Denn eigentlich sind Kauf und Anmietung von Gebäuden nämlich nicht ausschreibungspflichtig.

    Zu dieser Frage hat der EuGH in (EuGH, Urteil vom 22. April 2021 – Rs. C-537/19, „Wiener Gate 2“) wesentliche Grundsätze aufgestellt und eine ziemlich auftraggeberfreundliche Meinung vertreten. Entscheidend ist, ob der Auftraggeber wesentlich auf die Planung des Gebäudes in der Form Einfluss nimmt, dass bspw. das Volumen des Gebäudes, und/oder die architektonische Struktur verändert wird.

    In dieser Hinsicht hilft es der Stadt sehr, dass der untere Teil des Gebäudes, in welchen das Museum ziehen soll und das von der Stadt gekauft wird, bereits im Wesentlichen fertiggestellt ist und große Änderungen an der architektonischen Struktur nicht mehr vorgenommen werden können.

    Dass nun die Höhe der Gebäudes verringert werden soll, wäre in Hinblick auf eine wesentliche Planungsänderung möglicherweise erheblich. Es stellt sich aber die Frage, von wem diese Planungsänderung ausgeht. Von der Stadt sollte die Initiative besser nicht ausgehen. Denn dann kann es mit Blick auf einen Bauauftrag nach § 103 Abs. 3 GWB tatsächlich etwas schwierig werden, weil der Stadt ein "entscheidender Einfluss auf Art und Planung der Bauleistung" zuzuschreiben wäre.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Sind die knapp 200 m Höhe jetzt definitiv gesetzt, oder könnte es passieren, dass man nun doch den ursprünglichen Entwurf umsetzt, gerade wenn sich eine größere Anzahl von Investoren findet?

    ^^ Die Hinweise in Bezug auf die zukünftige Höhe des Elbtower verdichten sich eher in Richtung 199 Meter. Nach neuester Sachstandsmeldung des Bürgermeisters liegen leider gar keine Anhaltspunkte für einen Weiterbau in ursprünglicher Höhe vor. Die Vermutungen über eine Profitmaximierung in den oberen Stockwerken treffen in der Realität auf eine allen Anschein nach geringe Nachfrage dieser extrem teuren Flächen.

    Hafencity Hamburg: „Der Elbtower ist jetzt eine Frage von wenigen Jahren“ - WELT

    Zudem gibt der Bürgermeister weitere Einblicke in den Zeitplan. So soll der Elbtower in spätestens drei "wenigen" Jahren - also 2029 - fertiggestellt sein. Aktuell laufen anscheinend die Umplanungen für das Naturkundemuseum und die Verhandlungen für den Kaufvertrag zwischen Konsortium und Stadt einerseits und Konsortium und Insolvenzverwalter der SIGNA andererseits.

    ^^ Es ist durch die Äußerungen der Beteiligten in den letzten Monaten und Wochen schon sehr deutlich geworden, dass der Elbtower nicht bei seiner ursprünglichen Höhe bleiben kann. Dabei ist es wohl überhaupt kein Problem, dass der Architekt dem neuen Entwurf zustimmen müsste, wie es anfänglich behauptet wurde. Auch über eine nachträgliche Aufstockung wie beim Unilever-Hochhaus denkt niemand ernsthaft nach. Es ist ebenfalls zu bezweifeln, dass die neue Dynamik in dem Projekt die Mieter anlockt, die von Anfang die obersten Etagen für über 50€ den QM mieten wollten und jetzt vehement darauf Pochen, dass doch die ursprüngliche Höhe gebaut wird. Woher sollen diese Mieter kommen, wenn sie noch nie ernsthaft da gewesen sind? 50€ den QM sind es nicht wert, einen Platz an der Sonne an einem - milde gesagt - noch entwicklungsfähigen Standort zu haben. Vielmehr kann man glücklich sein, dass überhaupt noch an die 200 Meter erreicht werden sollen. Darüber hinaus ist erfreulich, dass die Grundstruktur erhalten bleiben soll und das Gebäude nur etwas gestaucht wirkt.

    Der Senat hat natürlich sein Wort gebrochen, wenn er von Anfang an - kurzsichtig - behauptet hat, dass kein Steuergeld in das Projekt fließen sollte und das Projekt ein "privates" sei. Dass es über eine halbe Milliarde kosten soll, ein Naturkundemuseum an einem anderen Standort zu bauen, hoffen wir jetzt einfach mal. Aber manchmal geht in der Politik Pragmatik über Prinzipientreue. Pragmatisch gesehen vereint die vorgestellte Lösung aber mehrere Probleme auf einmal und ist deshalb insgesamt zu begrüßen.

    Problematisch ist aber, das Projekt mit Becken als unsicheren Partner weiterführen zu wollen. Nahezu alle seiner öffentlichen Verlautbarungen hat er nicht einhalten können (keine Finanzierung, kein Baubeginn wie von ihm geplant, kein Weiterbauen in der ursprünglichen Höhe, keine Mieter). Immerhin führt das Schrumpfen des Projekts jetzt dazu, dass Becken ein Projekt vor sich hat, dass sich der Größenordnung seiner bisherigen Projekte annähert.

    Die 180 Meter würden sich neben den geplanten 120 Metern von dem Baufeld 120 geradezu verstecken. Würde nicht gut aussehen...

    Allerdings denke ich, dass die 120 Meter dort ohnehin nicht mehr erreicht werden können und wahrscheinlich im Endeffekt reduziert werden. Für derartige Höhen und Bruttogeschossflächen fehlt es angesichts des Elbtower-Debakels an der politischen und gesellschaftlichen Akzeptanz. Jetzt mit einem 120m Projekt um die Ecke zu kommen, wäre politsch grob fahrlässig. Darüber hinaus ist zu bezweifeln, dass es für den Elbbrücken-Standort die wirtschaftliche Nachfrage für solche Gewerbemietflächen gibt, wenn schon jetzt die Projekte, die realisiert werden sollten, ins Stocken geraten sind, oder wie das Kongresshotel gar nicht mehr realisiert werden. Eine Reduzierung oder Umplanung des Elbbrückenquartiers halte ich für sehr wahrscheinlich.

    Die Initiative "Tower to the people" setzt sich für eine Art "Ökoelbtower" ein und bleibt dabei merkwürdig unkonkret. Die Seite besteht aus ein paar lieblos zusammengewürfelten (wahrscheinlich KI-) Textbausteinen und dem Ruf nach Nachhaltigkeit, so bspw:

    4. Second-Life Stores/Zirkuläre Stores

    "Produkte werden neu gedacht. Second-Life Stores und zirkuläre Konzepte zeigen, wie Sharing-Modelle und Upcycling die Konsumlandschaft revolutionieren können."

    Wow, wie visionär. Hinter der Initiative stehen wohl eine Volt-Politikerin und eine Medienagenturmann.

    In der Mopo ist ebenfalls eine offensichtliche KI-Visualisierung zu sehen.

    Für die Zustimmungspflicht des Architekten ist vielleicht die Lektüre des Kaufvertrags noch mal interessant:

    Dort hat sich SIGNA damals nämlich in 9.4.6 dazu verpflichtet, der Stadt sämtliche Urheberrechte an den Planungsleistungen (also auch die des Architekten) abzutreten, falls die Stadt ihr Wiederkaufsrecht oder Rücktrittrecht ausübt und in die Planerverträge selbst eintritt. Voraussetzungen ist natürlich, dass sich SIGNA damals selbst die Urheberrechte an dem Entwurft hat abtreten lassen.

    So könnte man ggf. die erforderliche Zustimmung des Architekten umgehen, aber auch sonst denke ich, dass man Chipperfield umstimmen kann, wenn ein wenig Geld auf dem Tisch liegt.

    Für alle, die die "linke" New York Times nicht ausstehen können, hat die "konservative" WELT vor einigen Jahren sehr eindrücklich beschrieben, wie weitgehend Kühne + Nagel an dem Transport von Raubgut von Juden und Jüdinnen beteiligt war und der jüdische Mitgesellschafter Adolf Maass von dem Vater und Onkel aus der Firma gekickt und dann in Auschwitz ermordert wurde, während der Vater in die NSDAP eintrat.

    Für das alles kann Herr Kühne selbst natürlich nichts. Wofür er aber etwas kann, ist eine fehlende Aufarbeitung in den Jahrzehnten danach und bis heute. So behauptet Herr Kühne immer noch wahrheitswidrig, dass sein Vater kein Nazi gewesen sei und lässt Untersuchungen nicht zu.

    Diese historischen und gegenwärtigen Fakten eignen sich nicht, um das Projekt ins Wanken zu bringen, sollten sie auch nicht. Die Stadt sollte aber darauf Einfluss nehmen, dass der Ort am Baakenhöft in unmittelbarer Nähe zu dem Hannoverschen Bahnhof von dem aus etliche Juden in den Tod geschickt wurden, seiner historischen Bedeutung gerecht wird, in welcher Form - bspw. einer Gedenkstätte - auch immer. Der Journalist Henning Bleyl schlägt bspw. vor, den Straßennamen oder den Platz vor der Oper nach dem Ehepaar Maass zu benennen. Das wäre eine gute, versöhnliche Idee.