Freiraumgestaltung Berliner Schloss/Humboldt-Forum

  • Hier wird die falsche Diskussion geführt.

    Den Steinplatz hatte auch der Verein, der die rekonstruierten Fassaden finanziert hat, kritisiert und Begrünung gefordert. Der Platz war auch zu dem Zeitpunkt, der als Referenz der Rekonstruktion diente, begrünt.

    Der steinerne Schloßplatz war sichtbar unbeliebt und unbelebt, Veränderung also angesagt. Historische Architektur und Grünflächen können sich sehr gut vertragen. Viele Menschen schätzen genau diese Kombination. Beim Lustgarten ist zum Beispiel immer was los.

    Das Problem ist hier nicht das Prinzip, dass begrünt wird, sondern nur der konkrete Entwurf. Auf dem Rendering sieht man eben nicht beschnittene Bäume, sondern wild wachsende. Das Ansinnen ist weniger, Beschattung durch Pflanzen zu erzeugen, welche sich der Architektur unterordnen. Sondern vielmehr soll eine Art Arboretum entstehen, das zwar inhaltlich Bezug zu Humboldt nimmt, aber ästhetisch keinen Bezug zum Schloss. Ob die freigelassenen Sichtachsen als Bezugspunkte genügen werden, steht dahin. Die gepflanzten Baumarten können teilweise sehr hoch werden. Auch die Inhomogenität durch die vielen verschiedenen Baum- und Straucharten wird eine gewisse optische Dominanz entfalten.

    Gerade in der Barockzeit war die Zähmung der Natur Programm. Jeder hat sofort ein Bild davon vor Augen, was ein barocker Park oder Garten ist. Auch im 19. Jahrhundert, als das gegensätzliche Ideal des englischen Landschaftsparks schwer in Mode war, hat man für den Schloßplatz doch lieber eine strenge, geometrische Gestaltung gewählt.

    Vor diesem Hintergrund passt die nun vorgesehene Gestaltung nicht und es sollte angesichts der zähen Kämpfe um die Fassade nicht verwundern, wenn es entsprechende Reaktionen auf diese Art der Bepflanzung gibt. Eine weniger konfrontative Gestaltung wäre sehr ratsam gewesen.

    Aber leider dürfen die gleichen Architekten, die schon im ersten Anlauf gepfuscht haben, nun im zweiten Anlauf und ohne Ausschreibung noch einmal pfuschen.

    Ich denke, der Verein sollte sich künftig für einen konsequenten Beschnitt der Bäume einsetzen. Das sorgt nebenbei für dichtere Kronen und bessere Verschattung. So wie auf der Visualisierung sollte es keinesfalls kommen.

    Den wertvollen Apothekenflügel würde man heute nicht mehr mit Efeu beranken. Da hat sich die denkmalpflegerische Haltung im Vergleich zum 19. Jahrhundert geändert. Das hat viele Gründe, einer davon ist, dass die historischen Gebäude, welche die Weltkriege überstanden haben, heute besonders hoch geschätzt werden.

    Eine Berankung des heutigen Ostflügels würde ich hingegen sehr begrüßen. Die Stella-Fassade hat bei weitem nicht die Bedeutung der anderen Gebäudeseiten. Eine Berankung lag dort historisch vor und die Aufenhaltsqualität auf der Ostseite, die aktuell gering ist, würde sehr gewinnen. Hier wäre die Stiftung tatsächlich am Zug, die Initiative zu ergreifen.

  • @Ziegel Ich sehe es genauso wie Du, wollte mit meinem etwas ruppigen Beitrag nur für etwas Stimmung sorgen.

    Wie schon in einem früheren Beitrag geäußert, halte ich die die gesamte Schlossplatz-Situation für unbefriedigend, es fehlen einfach die Raumkanten zu den Schmalseiten. Leider hat man sich zu einem Baukörper vor dem Staatsratsgebäude nicht durchringen können. Ohne diese Raumkanten ist der Schlossplatz eine aufgeweitete Schlossstraße.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Das Problem ist hier nicht das Prinzip, dass begrünt wird, sondern nur der konkrete Entwurf. Auf dem Rendering sieht man eben nicht beschnittene Bäume, sondern wild wachsende.

    Vollkommen richtig. Es geht hier um eine dem Kontext angemessene Begrünung, und daran mangelt es deutlich erkennbar. Man hat vielmehr den Eindruck, dass auf dem Schlossplatz um jeden Preis und regelrecht "ausufernd" (in Volumen und Höhe) begrünt werden soll, und dafür wird dann gerne das "Klima" als Alibi herangezogen.

    Architektonisch herausragende bzw. ikonische Bauwerke haben es vierdient, dass ihre Architektur ohne optische Barrieren wahrgenommen werden kann. Wenn man sich auf solche Selbstverständlichkeiten nicht einigen könnte, dann müsste man auch das Holstentor, den Reichstag, den Zwinger oder die Fassaden am Römer und Prinzipalmarkt für die "Verbesserung des lokalen Klimas" hinter Bäumen verschwinden lassen. Eigentlich eine absurde Vorstellung, die aber auf dem Schlossplatz leider voll zum Tragen kommt.

  • … herrjeh, bislang sind doch nur ein Paar Visualisierungen im Umlauf und eine kleine Beeteinfassung gebaut.
    Was für ein Gezeter hat das zur Folge,

    Wir wissen doch alle was von dieser Art Visualisierung zu erwarten ist. Die bisherigen für die Nordseite sahen auch viel schlimmer aus als die Realität. Und die hat einen Großteil eher begeistert. Und die in den Visus gezeigten riesigen Bäume am U-Bahnaus/eingang sind ja auch irgendwie bis heute unauffindbar

    Bis die zarten Bäumchen die Größe erreichen, dass sie überhaupt etwas verdecken oder unsichtbar machen von der Fassade, dürften eh noch 15 Jahre ins Land gehen.

    Vielleicht lebt der eine oder andere dann garnicht mehr und/oder der Klimawandel ist dann so fortgeschritten, dass man wirklich für jedes grüne Blatt dankbar ist.

    Ich rate sehr dazu in dieser bizarren Debatte was Luft rauszulassen.

  • Ich kann diese Aufgeregtheit auch nicht verstehen. Mir gefällt es auch nicht, dass Architekten oder Landschaftsplanern immer gleich "Pfusch" oder "Unkönnen" angelastet wird, nur weil Entwürfe einem nicht gefallen.

    Man sollte sich auch immer wieder vor Augen führen, dass das Humbold-Forum nicht das Berliner Stadtschloss ist, sondern ein Neubau mit einer aufwändigen Fassadenrekonstruktion. Ich finde es daher schwierig zu sagen, dass das Umfeld nun dem Humboldforum in seiner barocken Haut folgen muss. Lasst uns mal abwarten, wie die Grünfläche am Ende aussieht. Ich freue mich darauf, dort im Hochsommer im Schatten der Bäume zu sitzen und mir die schöne Fassade anzusehen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Man sollte sich auch immer wieder vor Augen führen, dass das Humbold-Forum nicht das Berliner Stadtschloss ist, sondern ein Neubau mit einer aufwändigen Fassadenrekonstruktion. Ich finde es daher schwierig zu sagen, dass das Umfeld nun dem Humboldforum in seiner barocken Haut folgen muss.

    Der Neumarkt in Dresden oder der Alte Markt in Potsdam bestehen auch weitgehend nur aus Fassadenrekonstruktionen, hinter denen sich moderne Gebäude verbergen. Trotzdem hat man hier mehr stadtplanerisches Feingefühl und käme wohl kaum auf die Idee, die Platzflächen modernistischen Landschaftsarchitekten zu überlassen, deren Haupt-Talent darin besteht, quadratische Betonguss-Beete zu kreieren, graue Steine zu verlegen und Minimalismus und Phantasielosigkeit als den großen Wurf zu verkaufen. Ebenso wären hier voluminöse Baumflächen undenkbar.

    Im konkreten Fall des Berliner Schlossplatzes kommt hinzu dass die Verantwortlichen heute kein Gespür mehr dafür haben (Bildungsnotstand? Ideologie?), dass die Berliner Mitte (Östliche Linden, Schloss- und Museumsinsel) eine städtebauliche und künstlerische Einheit waren und sind. Aus gutem Grund hat man den von den Nazis verschandelten Lustgarten in den 90ern nach Schinkels Vorbild rekonstruiert, und alle modernistischen Experimente (Vorschläge gab es zuhauf) abgeblockt. Man mag eine "konservative" Gestaltung des Schlossplatzes als Sünde ansehen, gleichwohl würde man die Fassaden Schlüters damit städtebaulich angemessen integrieren und würdigen.

  • Für „Mal abwarten“ und „Bäume sind schön“ braucht es kein Architekturforum. Ich habe mich um eine begründete Kritik des Entwurfes bemüht und freue mich über ebenso begründete Gegenmeinungen.

    Über einige der Baumsorten hatte ich mich belesen und festgestellt, dass sie sehr groß werden können. Das ist eben anders als bei Gebäudevisualisierungen, hier haben wir es mit lebenden, wachsenden Organismen zu tun. Beispielsweise legt die Japanische Kastanien-Eiche 40-60 cm pro Jahr zu, Endhöhe sind 10 bis 25 Meter. Die Schlossfassaden sind 32 Meter hoch. Aus vielen Perspektiven kann die verdeckende Wirkung erheblich sein. Für Verschattung sind hohe Bäume überhaupt nicht notwendig! Noch mehr als die Höhe stört mich aber das gestalterische Konzept, das ästhetisch einfach nicht zum Ort passt. Ob rekonstruiert oder nicht, die historischen Fassaden sind nun einmal da.

    Und ja, ich bleibe beim Begriff Pfusch. Der erste hat sich durch die kurze Lebensdauer infolge von Unbeliebtheit entlarvt. Der zweite polarisiert schon jetzt, obwohl die planerische Aufgabe leicht zur Zufriedenheit aller hätte gelöst werden können.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    … Noch mehr als die Höhe stört mich aber das gestalterische Konzept, das ästhetisch einfach nicht zum Ort passt. Ob rekonstruiert oder nicht, die historischen Fassaden sind nun einmal da. …

    … die nahezu wortgleiche Argumentation haben wir auch schon bei der Gestaltung der nördlichen Seite und gegen die Freitreppe vernehmen kónnen. Ebenso beim Einheitsdenkmal.

    Wie schon erwähnt, die Gestaltung der Nordseite ist sehr beliebt bei Touristen und Berlinern, das selbe, denke ich, wird man von der Freitreppe sagen können. Und ebenso wird es sich bei der Gestaltung der Südseite verhalten.

    P.s. … und die ästhetische Ostseite braucht man bestimmt nicht hinter Efeu verstecken, auch wenn das vielleicht nicht historisch ist, so wie es die gesamte Ostseite eben auch nicht ist.

    Einmal editiert, zuletzt von Camondo (1. November 2026 um 22:34)

  • Etwa weil die Ostseite auch „sehr beliebt bei Touristen und Berlinern“ ist oder verzichtest du auf Konsistenz in deiner Argumentation, weil du persönlich sie halt ästhetisch findest?

    Ohne jetzt auf die anderen von Camondo genannten Beispiele im einzelnen eingehen zu wollen, kann man sich sogar vorstellen, dass eine Gestaltung ästhetisch unpassend und trotzdem gut genutzt und bevölkert ist. Das heißt ja nicht, dass eine historisch, städtebaulich, stilistisch sensiblere Gestaltung nicht ebenso oder gar beliebter wäre.

  • … wir reden ja von den gestalteteten und noch zu gestaltenden Freiflächen.

    Bei der Ostfassade ist die zur Verfügung stehende Freifläche einfach zu schmal, sie wird wenn die gegenüberliegende Spreeuferseite neu gestaltet ist, mit dieser über die Spree hinweg kommunizieren. Die Freitreppe auf dieser der Ostseite der Fassade gegenúbetliegenden Seite lädt ja förmlich dazu ein. Im Sommer wird die Ostseite, weil im Schatten liegend, noch an Attraktivität gewinnen.

    Ich finde es viel wichtiger die steinernen Uferwände beidseitig des HFs zu begrünen, das würde etwas die klaustrophobische Tunnelanmutung mindern.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    klaustrophobische Tunnelanmutung mindern.

    "Spannende Einschätzung", gerade im Sommer, habe ich so gar nichts klaustrophobisch empfunden, ich habe dort vorallem gedacht daß sich der ganze Gesamteindruck noch nicht erschließt, da die Baustelle auf der gegenüberliegenden Seite, eine abschließende Bewertung eher unmöglich macht.

    Ich bleibe dabei, man kann subjektive Gefühle gerne beschreiben, aber mir wird allzuoft daraus eine Situationsbeschreibung gemacht. Einfach mal daran denken in dieser Stadt leben knapp 4 Millionen Menschen und man wird ebenso viele Meinungen wie Empfindungen zu der Ost-Seite des Schlosses haben.

    Insgesamt fällt mir wiederholt auf, daß nicht nur hier im Forum, sehr gerne sehr schnell "Negativbilder" gezeichnet werden, obwohl man weiß das dort eben noch vieles sich verändert. Freitreppe, Begrünung, Brunnen etc. das alles wird das Umfeld noch maßgeblich verändern, ebenfalls die andere Uferseite wird den Gesamteindruck beeinflussen.

    Manchmal vielleicht nicht ganz so schnell "Be-und Verurteilen" sondern der Entwicklung einfach mal vertrauen und ich muss sagen, daß Schloss ist eine riesige Bereicherung für Berlin!

  • ^ … da hast Du mich ein wenig falsch verstanden. “Klaustrophobisch”, hatte ich auf die Situation des Spreearms vor dem Humboldtforum (Kupfergraben), bezogen. Auf alten Darstellungen der Situation dort ist auch eine Begrünung der Uferwände zu erkennen. Was soll schlimm daran sein?

    Überhaupt muss man sich die beiden Flußarme gestalterisch und unter ókologischen Gesichtspunkten mal vornehmen. Da das Flußbad ja wohl Geschichte ist, würde es trotzdem Sinn machen, hier mal den Grund auszubaggern, ich weiss nicht ob das überhaupt schonmal gemacht wurde, den ganzen Müll rauszuholen, und eine neue Sole mit Kies und Wasserpflanzen gestalten. Es wäre auch wünschenswert hier das Gefälle zu erhöhen, damit überhaupt etwas fliesst und nicht wie im Sommer sehr oft das ganze rückwärts fliesst.

    Einmal editiert, zuletzt von Camondo (3. November 2026 um 17:21)