Dresdner Stadtgespräch

  • Dresden soll Zentrum für Künstliche Intelligenz (KI) werden.


    Die Sache ist vielfältig, es gab Gründungen, Planungen laufen, Gelder stehen bereit, auch Hochbauten folgen.
    PM der TUD
    SäZ
    DNN.


    Damit entstünde neben dem 5G-Schwerpunkt (größter Forschungsverbund Sachsens) sowie schon bekannten Projekten wie zB Materialwissenschaft, Smart Campus Infineon und Robotron ein weiteres Standbein der Wirtschaft und Forschung. Ich denke da auch an den Wissenschaftspark-Ost. Außerdem entsteht ein weiterer Großrechner neben dem Zentralrechner Nöthnitzer Strasse sowie gemäß obigen KI-Meldungen zunächst ein Neubau neben der Informatik-Fakultät Nöthni.

  • Gestaltungskommission tagt öffentlich (PM Stadt Dresden)

    Pressemitteilung
    28. Februar 2019


    Gestaltungskommission tagt öffentlich
    Dresdnerinnen und Dresdner sind herzlich eingeladen


    Am Freitag, 8. März 2019, findet von 13 bis 17 Uhr im Neuen Rathaus, 3. Etage, Raum 3-013, die nächste öffentliche Sitzung der Gestaltungskommission Dresden statt. Einlass ist ab 12.30 Uhr. Interessierte können die Sitzung im Zuschauerbereich verfolgen, haben jedoch währenddessen keine Möglichkeit zur Wortmeldung. Dafür können sie im Anschluss an die Sitzung, ab etwa 17 Uhr, Fragen an Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain und die Mitglieder der Gestaltungskommission richten.


    Tagesordnung:
    TOP 1 Empfehlung zu hochbaulichen Studien, Zinzendorfstraße/Bürgerwiese
    TOP 2 Empfehlung zur städtebaulichen und hochbaulichen Studie, Theresienstraße 7
    TOP 3 Massenstudie und Blickpunktanalyse über das Baufenster der DREWAG, Könneritzstraße/Ehrlichstraße
    TOP 4 Informationen zu Sachständen früherer Vorhaben


    Aufgabe der Gestaltungskommission ist es, Bauvorhaben, die das Stadtbild prägen, zu begutachten und dazu Empfehlungen zu formulieren. An den Sitzungen nehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Bauherren sowie Planer teil. Sie stellen aktuelle Projekte vor und diskutieren sie mit den Mitgliedern der Kommission. Die Gestaltungskommission Dresden setzt sich aus fünf externen Fachleuten, fünf Stadträten und dem Baubürgermeister zusammen.


    Weitere Informationen:
    http://www.dresden.de/gestaltungskommission


    +++
    Anmerkung: Freitags nach eins... Welche Vorstellung hat man im Rathaus davon, was ein Teil der interessierten Dresdner zu dieser Tageszeit vorhat? Eine Einladung an alle Bürger in dieser Form mutet eher nach einer Ausladung an.

  • Nachdem Elli uns hier schon darauf hingewiesen hat, berichtet heute nun auch die DNN über die Gesprächsreihe "Städtebauliche Quartett", welche von der Sächsische Akademie der Künste und dem Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften der Stadt im Zentrum für Baukultur durchgeführt wird. Der erste Teil mit dem Thema "„Kontext versus Collage" am 20.03. ab 18 Uhr statt. Weitere Infos im Artikel oder der Homepage des ZfBK.


    Eine Woche eher (11.03., ab 19 Uhr) findet im ZfBK eine Öffentliche Podiumsdiskussion zum Kooperativen Baulandmodell statt. Die Stadt als Veranstalter berichtet in einer Pressemitteilung darüber.

  • ^ bemerkenswert hierzu war auch der aktuelle Beitrag von Architekt Yadegar "Panometer" Asisi in der SäZ.
    Das Thema "Stadt ohne Vision" behandelnd, bleibt schleierhaft, wozu ein bis dato nicht freigeschalteter SäZ-exklusiv-Artikel ohne Feedbackmöglichkeit Sinn ergibt.
    Naja, wurscht.. , vielleicht gibts weitere Fortsetzungen dieser Thematik.


    Herr Asisi ordnet den angeblichen "Abriss von zuviel Ostmoderne" ein, und besagt auch, daß heutige Architektur so schwach ist, weil sie nur bzw. zu wirtschaftlich gedacht wird.
    Investoren bestimmen - nicht die Bürger(schaft) - ein gesamtdeutsches Problem. Möchten die Dresdner(innen) Anderes, so sollten sie sich viel mehr dafür einsetzen.


    Das Nachkriegs-Dresden, so Asisi, sei in seiner weiten, zugigen Offenheit eine Art 'Sonnenstadt', dessen Überleben in der historischen Abfolge noch nicht klar ist. Jene Neuerfindung auf dem Reißbrett kann heute nicht gegen Stadträume wie in Görlitz, Meißen oder Pirna bestehen. Solch Stadtstrukturen der Moderne führen stets zu Problemen, welche sich weiter fortsetzen.
    Bei der von Asisi gelobten Rückgewinnung von Stadträumen, wie sie derzeit in Dresden öfter zu sehen ist, komme es aber nicht nur auf Baufluchten sondern eben auch maßgeblich auf die Fassaden und Proportionen an. Es komme auf starke Funktionsvielfalt an, was letztlich urbane Lebensqualität bringt. DDR-Bauten passen dabei unterschiedlich gut in diese neue Gefüge hinein. Der Prager Zeile sagt er keine lange Dauerhaftigkeit voraus, da jene den ganzen Stadtraum übermäßig abriegelt.
    Kern des Problems sei, so Asisi, daß es kein demokratisches Bauen (bezügl. v.a. der Architektur) gibt. Bürgerbeteiligung ist vorgegaukelt, jede Generation und Legislatur führt aufs Neue die gleichen oder ähnliche Debatten. Formaldemokratische Entscheidungen und Kompromisse führen zu überall gleichem Mischmasch, doch nicht zu einem lokalen Stil, welcher einer Stadt entspricht. Auch der moderne Mensch ist in erster Linie Mensch. usw. usf.

  • Das zerstörte Dresden in Farbe

    Bezugnehmend auf einen Beitrag im MDR gestern abend:


    Der Hamburger Eisenbahnfotograf Walter Hollnagel hat wohl einzigartige Farbforgrafien des zerstörten Dresden unmittelbar nach der Zerstörung aufgenommen.


    Die Bilder entstammen der Bildergalerie der Eisenbahnstiftung Joachim Schmidt und sind wohl schon länger einsehbar, waren mir aber ebenso bislang unbekannt.


    Die Farbaufnahmen sind deswegen besonders eindringlich, da bislang weitgehend angenommen wurde, solche würden nicht existieren. Sie fügen dem Geschehenen eine Unmittelbarkeit und Lebendigkeit hinzu, die den zahllosen bekannten Schwarzweiß-Aufnahmen fehlt und einen frösteln lässt.


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    Bitte hier schauen:


    https://eisenbahnstiftung.de/bildergalerie


    Suchbegriff "Dresden im Krieg"


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    Besonders eindrucksvoll finde ich die Aufnahmen 5, 6 und 7, aus verschiedenen Gründen:


    Auf der (5) die Körnerstraße/Ecke Palaisgäßchen neben dem Japanischen Palais. Beide Straßenzüge wurden durch das Hotel Bellevue überbaut, der Standort des Fotografen wäre heute auf dem Vorplatz des Hotels.


    Die (6) zeigt die Fritz-Reuter-Straße einen Steinwurf hinüber in die Leipziger Vorstadt von meiner Wohnstatt entfernt mit dem völlig zerstörten Eckhaus an der Johann-Meyer-Straße, das allerdings in vereinfachter Form wiederaufgebaut wurde. Ich hatte die einfache Fassadengestaltung bislang auf eine DDR- oder fehlgelaufene Nachwendesanierung geschoben... Gegenüber die Reste des Kopfbaus am Bischofsplatz, dessen Nachfolger Jahrzenhnte nach der Trümmerberäumung gerade errichtet wird.


    Den absoluten Höhepunkt aber stellt die (7) mit dem noch brennenden Japanischen Palais dar.


    Auch die Farbbilder aus dem Zwinger sind sehr eindrücklich, zeigen sie doch die Rauchschwaden der noch immer brennenden Stadt im Hintergrund. Die Bilder müssen also wirklich unmittelbar nach den Angriffen, wohl MItte Februar, entstanden sein.

    2 Mal editiert, zuletzt von antonstädter () aus folgendem Grund: Betreff korrigiert - Danke an MiaSanMia

  • Der Stadtrat traf aktuell (und passend zum Pfingstloch) einige wichtige Entscheidungen:


    Die Dokumente sind im Einzelnen unter der Tagesordnung einzusehen - Sitzung 6.+7.6.2019.


    Die Stream-Aufzeichnung der Sitzung bietet oft genauere Einblicke in die Hintergründe - allerdings bedarf es dazu gewissen Zeitaufwandes zum Anschauen.
    Ich habe mal die Zeiten des seit heute eingestellten 12-stündigen Gesamtmitschnitts zu einigen der wichtigen Punkte rausgefiltert. In nächsten Tagen wird idR auch die Cut-Version zu den TOPs angeboten.


    TOP 8.5 - Grundsätze für die Stadtgestaltung (also Besserung architektonischer Qualität)
    Dabei gehts um ein (unverbindliches) "Weißbuch" für Mindeststandards, wie in Dresden gebaut werden sollte, wobei sich schonmal die Stadt selbst freilich dran gebunden fühlen könnte. Dieser Part ab 7:17 (Stunde:Minute) ist zu empfehlen, geben die Redebeiträge der RGR-Vertreter guten Überblick über die Fragen und Zustände zur Baukultur in DD.


    TOP 8.6 - Hochhauswildwuchs verhindern - Leitbild Hochhausentwicklung entwickeln.
    Das Leitbild ist ja längst in Erarbeitung, aber es werden damit noch ergänzende Prüfinhalte mitgegeben. Im Mitschnitt ab ca. 7:53 (Stunde:Minute)
    Z.B. Das etwaige Votum der Denkmalpflege soll stärker Berücksichtigung finden, wobei die auslösende Chose am Hochhaus Lennéplatz mE völlig gaga war. Auch soll mehr Schutz von Stadtgrün infolge höheren Bauens bedacht sein, was auch immer das heissen soll.


    TOP 15 - Wohnkonzept - Fortschreibung/Nouvellierung - ab 3:04 im Video
    Falls hierzu mal jemand so 7 bis 10 der wichtigen Dinge rausfiltern könnte, wäre toll. Ich schaffte es nicht auch noch zu lesen.


    TOP 16 - Kooperatives Baulandmodell Dresden - kommunale Richtlinie - ab 4:22
    Sehr wichtig, um von Investoren eine Mindestbeteiligung bei kommunalen Bedarfen einfordern zu KÖNNEN, nicht zu MÜSSEN. Wird wohl in Abhängigkeit von Zumutbarem verhandelt am Einzelfall.


    TOP 17 - FNP Flächennutzungsplan der LHD - ab 4:51.
    Seit 1999 nicht mehr erneuert, eigentlich sollte das ca. alle 5 Jahre passieren. Nach Jahren des Gezerres und nerviger Extrarunden nun endlich ein neuer FNP in DD. Das müßte etwa der im Themenstadtplan schon einsehbare "Entwurf 2018" sein, ansonsten wird das sicher bald eingepflegt. Was aus den Kleingartenfällen wurde - siehe "Präsentation" unter der Sitzungsvorlage, fand ich nicht heraus.


    TOP 11 - Rückkauf der Thüga-Anteile für 100% Drewag in städtischer Hand - ab ca. Minute 50.
    Einst für 18 Mio € verkauft, machte die Thüga seither 125 Mio Gewinn, und verlangt nun vielfachen Rückkaufpreis, sagt Linken-Schollbach. Die Preissache wird aber noch verhandelt werden. Übrigens ist inzwischen auch die halbe SRD-Stadtreinigung (bisher bei Veolia) wieder in kommunaler Hand, sodaß auch dies 100% wieder der Stadt gehört und man wieder besser managen kann.


    TOP 8.28 - Teilgebiets-Lärmaktionsplan Innere Neustadt - ab 10:07, mit 30:29 Stimmen beschlossen :D
    Es geht hier lediglich um Absegnung der Offenlage des Plans - also der Einholung der Bürgermeinung. Nach Abwägung der Beteiligung kann der Rat sowieso noch Änderungen vorgeben.
    Die CDU-Fraktion aka stammelnder Thiele strichen natürlich erneut alle unliebsamen Dinge raus, interessieren sich auch nicht fürs Bürgervotum, scheiterten aber mit diesem Versuch.


    TOP 26 - Wiederaufbau Hotel Stadt Rom am Neumarkt - ab 5:55.
    Hier gehts um die Erlaubnis des Grundstücksverkaufs für einen möglichst originalgetreuen Wiederaufbau samt gestalteter Rückbrandwand. Damit ist nun der Weg frei fürs 'Stadt Rom'. Übrigens: die 12 Bäume dort sind damals als verpflanzbar eingebaut worden.


    TOP 19 - Veränderungssperre an Zwickauer Strasse - ab 5:05
    Dr. Bösl von der freien Bürgerfraktion erklärt im Video schön, daß die alleinige Verdrängung dieses befürchteten Rotlichtbezirks für Dresden nur mit weiteren flankierenden Maßnahmen Erfolg zeitigen kann, und daß es sich bei Dresden um die quasi ungekrönte Hauptstadt der privaten Heim- und Wohnungspuffs handele - also des kräftigen Ausbreitens des Gewerbes in die Intransparenz und Nichtkontrolle als auch mangels eines geordneten horizontalgewerblichen Ordnungsbezirks.




    Stimmverhalten zum wichtigen Punkt der Stadtgestaltung: übliches Abbild eines sinnlos gespaltenen Stadtrats - zum Schaden der Stadt.

    ^ screenshot @ livestream dresden.de (stadtrat 7.6.19)



    Bonus: Hochhauswildwuchs vermeiden! :D

    4 Mal editiert, zuletzt von Elli Kny () aus folgendem Grund: Bilder unten hinzugefügt


  • Stimmverhalten zum wichtigen Punkt der Stadtgestaltung: übliches Abbild eines sinnlos gespaltenen Stadtrats - zum Schaden der Stadt.



    Ich empfand das Abstimmungsverhalten des Stadtrates zu keinem Zeitpunk als sinnlos gespalten. Im Gegenteil: Die vielen kleinen Franktionen, Fraktionslose, Freie Bürger, die mal so, mal so abstimmen, zwingen doch zu einer sehr inhaltlichen, sachlichen Debatte. Im Ergebnis stehen dann diese Debatte vorwegnehmende, fraktionsübergreifende Anträge, die - wie im Falle der DREWAG-Rekommunalisierung - zu von allen Fraktionen getragenen Entscheidungen führen, die mir doch gut durchdacht erscheinen.


    Im Grunde hat der Stadtrat genau das entschieden, was wohl die Mehrheit der Dresdner Bürger mit etwas gesundem Menschenverstand auch so entscheiden würden: Ja zur Stadtgestaltung, Ja zur Rekommunalisierung der DREWAG, ja zum kooperativen Baulandmodell, ja zum Wiederaufbau Hotel Stadt Rom.


    Insofern, eine gute Sitzung für die Stadt.

  • ^ Naja, ich verstehe deine wohlwollende Perspektive, aber paar Dinge muß ich schon noch widersprechen:


    - unser Stadtrat gilt und ist tatsächlich gespalten, das ist nicht mal nur meine Meinung. Dein "zu keinem Zeitpunkt" kommt mir da seltsam vor, ich sehe das fast ständig.
    Das erkennt man eben an Bildern wie ^^oben, wo en block eine ganze Ratsseite rot und die andere grün votiert. Derlei "Beschlüsse" sind nahezu pari und nur mit einzelnen Stimmen "Mehrheit". Damit bleiben sie künftig wackelig, falls solche Mehrheiten wegbrechen - wie ja vor Kurzem beispielhaft.


    - dass die kleinen Fraktionen zur Sachlichkeit beitragen bzw diese "zwingen", halte ich für wiederlegbar:
    Der Rat ist dadurch in letzten Jahren nicht inhaltlicher oder sachlicher geworden. Meist bleiben die Reden formal sachlich, aber es wird eben weder in den Ausschüssen noch im Rat auf echte Argumente gehört, wenn's nicht passt. Dazu gilt in unserer Demokratie halt auch das taktische Spielchen, dem Gegner bloß keine Erfolge zulassen zu können (zB Thema Wohnen bei v.a. den Linken). Gesund kann es nicht sein, wenn zu sehr vielen Vorlagen oder Anträgen die eine Seite komplett Rot drückt, und die andere Grün - oder andersrum. Von 'gesundem Menschenverstand' kann da auf mindestens einer Seite kaum die Rede sein, denn so derart streitbar sind unsere Vorlagen nun meist nicht.


    - mit deinen "fraktionsübergreifenden Anträgen" meintest du sicher auch einige der Verwaltungsvorlagen. Seis drum.
    Ja, zum Hotel Stadt Rom und zur Rekommi der Drewag gabs Konsens, aber viele der anderen "Beschlüsse" waren immer dieses Spielchen von fast gleicher Stimmenzahl auf beiden Seiten. Das gilt dann eben nur formal als "beschlossen", einig war man sich bei Stadtgestaltung, Koop. Baulandmodell und der milden Verwaltungsvorlage zum Lärmplan Inn.Neuse eben so gar nicht.


    Aber laß uns mal nicht zuviel ins Politische abdriften, ich hoffe du verstehst was ich meine, oben war es mengenbedingt verkürzt beschrieben. Ja, diesmal hatten wir mal wieder Glück mit den Endresultaten der Beschlüsse. Das gilt nun erstmal. Aber wir können ja sehen, wie schnell sowas bei minimalen Beschluss-Mehrheiten kippen kann - auch gerne völlig wider die Vernunft: Beispiel: kürzlicher verkehrspolitischer Retourkutsch-Versuch in die 60er Jahre. Es ist freilich sehr zu hoffen, daß unser Stadtrat so würde, wie er dir schon erscheinen mag.

  • ^


    Nun, wir sprechen ja hier konkret noch vom "alten" Stadtrat, also den alten Mehrheitsverhältnissen. Schauen wir mal, wie der neue Stadtrat (mit einer dann demütigeren CDU, aber auch Linken, einer gestärkten Grünen und AfD) seine Arbeit tut. Ich fand in der Debatte - beispielsweise zum "Weißbuch Stadtgestaltung" - die Positionen von Grünen und CDU gar nicht so weit entfernt. Es wird immerhin jetzt schon mal allseitig anerkannt, dass es so einige Neubau-Kisten in Dresden gibt, bei denen sich offenbar auch der Stadtrat sehr wundert, wie diese überhaupt so genehmigt werden konnten. Vor Jahren wurde das noch ignoriert, jetzt hat man erkannt, das die Dresdner das Thema Stadtgestaltung brennend interessiert.


    Insofern, ja, der Stadtrat ist gespalten, aber in meinen Augen nicht "sinnlos" gespalten. Die Spaltung schärft die Argumente. Klar, es gibt Beispiele (Königsbrücker Straße) da dreht der eine Stadtrat einfach die Beschlüsse des andreren um 180 Grad um. Und das seit Jahrzehnten. Aber das ist nun einmal Demokratie, so läuft es. Es ist mühsam, langwierig und fast immer nicht weit genug gedacht. Ich finde z.B die Überlegungen zu einer neuen städtischen Wohnungsbaugesellschaft durchaus als streitbar, darüber muss sogar gestritten werden, es geht schließlich um viel Geld. Am Ende gilt es nicht "nur als formal beschlossen" Gewisse Sachen lassen sich dann auch nicht mehr zurückdrehen.


    Vielleicht freue ich mich nur gerade sehr über diese speziellen Ergebnisse der Stadtratsarbeit und blende die vielen Rückschläge und das viele Kopfschütteln gerade etwas aus. Dennoch glaube ich, dass unser Stadtrat besser ist, als sein Ruf.

  • ^^^bezugnehmend auf TOP 8.5-Stadtgestaltung aus letzter Stadtratsdebatte - siehe #569:


    Beschluß zu Antrag A0493/18 - Grundsätze für die Stadtgestaltung
    (siehe dort auch den Antragstext)


    inhaltliche Zusammenfassung der Stadtratsdebatte zu TOP 8.5:


    - Verwaltung wird beauftragt zu einer Zielformulierung „Wo wollen wir denn hin?“
    Einige Grundsätze sind im Antragstext bereits angesprochen, es geht um menschliche und kleinteilige Architektur, Nutzung guter Prinzipien der Gründerzeit sowie deren Weiterentwicklung – auch gemäß der Leipzig Charta, es geht um Dachgestaltungen und Eckbetonungen etc.pp.
    - Ziel ist ein empfehlendes „Weißbuch“, was Bauherren/Investoren möglichst befolgen sollen.
    - Das „Weißbuch“ soll nichts verbieten – es soll ermöglichen.
    - Kritik am Bau komme bisher immer zu spät! Ein anderer Umgang damit ist notwendig geworden.
    - Beschluß und Erarbeitungsprozess soll Diskussion entfachen, wie architektonische Qualität für Dresden vorgedacht werden kann. Es können Wünsche geäußert werden. Gebäude sind nicht nur Funktionsbauten, welche nicht einstürzen, sondern Schönheit, Anmut oder Gefälligkeit soll wieder Teil der Stadtqualität sein. Nichts anderes präge die Stadt so wie die architektonische Qualität.
    - der öffentl. Eigenbau der Stadt könne sich verbindlich an die erarbeiteten Grundsätze halten. Die Liste schlechter Bauten sei lang, noch Erlwein gliederte seine Bauten mustergültig und fügte sie ein.
    - schlechte Proportionen, willkürliche Fensterordnungen, gekappte Dachlinien, miese Fassadenrhythmik oder keinerlei Halt fürs Auge sollen vermieden werden. Auch solle die aktuelle Dominanz der Farben Weiß und Grau wieder abgestellt werden.
    - moderne Architektur soll ‚nach vorne gedacht‘ werden, Schwächen in der Baukultur müssen sich selbst korrigieren können, es gehe um keinen ‚Rückgriff‘ in die Geschichte oder ein Mehr an Rekos.
    - die bisher oft hochemotionale Kritik aus der Bürgerschaft soll im ZfBK in fachlich-fundierte Bahnen gelenkt und versachlicht werden, vielleicht könne eine Befriedung der Debatten erreicht werden. Leider höre man viel zu wenig von Architekten selbst, auch das solle sich ändern.
    - Baukultur war über Jahrhunderte Teil des Genius Loci der Stadt und Teil städtischen Handelns. Dieserzeit wundert man sich wiederkehrend über genehmigte Bausünden (zB „Behr‘sche Klötzer“ Glacisstraße, Gamma Immo), die Verwaltung trage Mitschuld, Bauaufsicht und Stadtplanungsamt müssen Eigenmächtigkeit bzw Trägheit sowie Intransparenz und das Prinzip „Friß oder stirb“ ablegen.
    - CDU glaubt wenig an Einfluß der künftigen Empfehlungen, appelliert aber an die Fachleute der Verwaltung und der Bauträger, die Qualitätsansprüche für Dresden stärker aufzunehmen. Thiele erwartet gar Änderungen im Verwaltungshandeln unter neuen Maßgaben.
    - insgesamt schätzen die Politiker ein, daß allein der Antrag und Prozess Änderungen bewirkt. Es soll damit nicht mehr die immergleiche Debatte aufs Neue geführt werden müssen. Bauherren in Dresden wird vorab klarer sein, daß man Rücksicht auf die Stadtqualität und die Einwohner nehmen muß, und daß es weniger um Selbstverwirklichung am Einzelobjekt gehen darf.



    eigene Abschlußbemerkung: es gebürt Dank an die initiirenden Stadträte, welche sich dieses Themas annahmen.
    All jene haben als Laien jahrelange Lehrjahre in ihrer Verantwortung hinter sich, haben in die Untiefen der Prozesse geschaut, waren vor den Kopf gestoßen und bringen das Thema nun voran. Das Anliegen zur dresdner Bauqualität ist längst nicht mehr ignorierbar, mehr als diese "Notwehr" ist zunächst auch kaum möglich (zu liberales Baurecht). Interessant wird sein, wie das Stadtplanungsamt nun damit umgehen und was als Vorlage erscheinen wird. Interessant wird auch der Umgang seitens des ZfBK sowie der Architektenschaft sein. Man wird sehen, wieweit weitere Formate oder Anregungen in die Ausarbeitung eingebunden werden können. Da man sich an anderen Städten orientiert, es in DD aber noch weiter qualifizieren will, dürfte das Ganze schaffbar sein. Am Ende wird ein Leitbild stehen, wo man denn hinwill. Dann ist aber der Bauboom vielleicht schon vorbei. :D

  • ^^^bezugnehmend auf TOP 8.5-Stadtgestaltung aus letzter Stadtratsdebatte - …..


    [I]... es gebürt Dank an die initiirenden Stadträte, welche sich dieses Themas annahmen.


    Vielen Dank für die tolle Zusammenfassung, Elli.
    Bleibt aus meiner sich nur noch die Protagonisten deutlich zu benennen, damit keine Unklarheiten bei den Lesenden bleiben:


    Die initiierenden Stadträte waren Herr Tilo Wirtz (Dresdener, Bau-Ing.) von den LINKEn und Hr. Hendrik Stalmann-Fischer (Studierender, aus Hamburg) von der SPD, der im neunen Stadtrat scheinbar nicht mehr dabei ist (?).


    Linke und Grüne haben dem Vorschlag dieser Protagonisten zugestimmt. Zum guten Glück auch ein Teil der Bürgerfraktion.
    Nur dadurch und die Enthaltung eines anderen Bürgerfraktionslers war es möglich, die für´s Dresdener Stadtbild immens wichtige Vorlage endlich nach ewiger Vertagung im Stadtrat zu behandeln und auch durchzusetzen. Mit hauchdünner Mehrheit gegen die aus meiner Sicht verantwortungslose Blockade-Haltung des bürgerlichen Lagers (CDU und FDP) und der AfD…


    Ich denke hiermit wird deutlich, was Elli mit "sinnloser Spaltung des Stadtrates" meinte.
    Wir haben letztlich ein Votum im Stadtrat FÜR guten und eher bürgerlichen Städtebau von linken Parteien, während die bürgerliche Fraktion sich verweigerte...

  • wie hier zu sehen.


    [quote='Elli Kny','http://www.deutsches-architekturforum.de/thread/?postID=632673#post632673']


    Stimmverhalten zum wichtigen Punkt der Stadtgestaltung: übliches Abbild eines sinnlos gespaltenen Stadtrats - zum Schaden der Stadt.

    ^ screenshot @ livestream dresden.de (stadtrat 7.6.19)

  • Derzeit ballen sich diverse Veranstaltungen zu Stadtthemen, daher paar Tips aus dem Sommerloch
    (aus Zeitgründen hier meist ohne Links, ohne Gewähr, bitte selbst googeln oder schauen):


    - Ausstellung im ZfBK über Landschaftsarchitektur, 6.6 - 6.7.19 – PM der Stadt. Es geht um „HeatResilientCity“ sowie die sieben Schwerpunkte: Nachhaltiges Wohnen, Mobilität, Wiederverwendung, Stadtumbau, Renaturierung, Revitalisierung, Stadtklima. Sehr wichtiges Thema, da bisher eher Gegenteiliges passiert.www.zfbk.de


    - 17. - 23.6., raumkon19: Zukunftsschutzgebiet Stadtraum, diverse Aktionen und Veranstaltungen nach Anmeldung und Kostenbeitrag, aber auch einige offene Orte (?): Robotron-Kantine, Plattenwerkareal Johannstadt, Rosenwerk Rosenstraße (Termine), Geh8 Gehestraße etc.. http://www.stadtraum.jetzt
    (z.B.: 22.6., Geh8, 12-16uhr, Liegenschaftspolitik – m.E. eines der zentralen Steuerhebel einer Kommune)


    - morgen, 19.6., 16uhr, BauAusschuß: es geht (öffentlicher Teil) um Billigung Rahmenplan Strehlen-Quartier Dorotheenstraße sowie Lingnerstadt-Nord und -Süd.


    - morgen, 19.6., 19uhr, Stadtmuseum Festsaal: UmweltBM Jähnigen läd Stadtgestalter, Wassermanager und Landschaftsarchis ein, um mit Bürgern über kleine Schritte für die großen Ziele Stadtklima und CO2-Reduktion zu debattieren – aufbauend aufs „Bürgerfest 15.6.“ sowie der gelaufenen Fachtagung.


    - 19.06.2019, 19:00 Uhr, Dresden: Lingner-Podium „Die Lingnerstadt – Ein neues Stück Stadt in Dresdens Zentrum“, u.a. mit Prof. Peter Kulka
    Ort: Lingnerschloss, Festsaal - Link oder auch bei http://www.zfbk.de


    - Städtebauliches Quartett im ZfBK, 3.+4. Sitzung, mit Jörn Walter als Moderator
    20.6., 18uhr, „Der Blick auf die Stadt“ - Landschaft und Silhouette als Gesamtkunstwerk, Perspektiven zur Fortentwicklung des Stadtbildes inkl. Hochhausüberlegungen. - Link
    (ein Leipziger und zwei Züricher diskutieren mit dem Hamburger Walter, nunja)

    27.6., 18uhr, „Städtebau NACH dem Mobilitätswandel“ - neue Chancen, verändertes Verhalten - Link
    (der BauBM diskutiert mit Verkehrsplanern aus Berlin und Kopenhagen, und Walter ist Mod.)



    am 29. und 30. Juni 2019 in Sachsen: Tag der Architektur »Räume prägen« - tda2019.aksachsen-Dresden


    ab 29.6., Stadtmuseum, Ausstellung „Dresdner Moderne“ 1919-1933“, bis 27.Okt., http://www.stmd.de


    - Vorschau: 28.8., 17uhr, „Dresdner Gartenspaziergänge 2019“, diesmal: Herzogin Garten, Eintritt frei. - Link


    Hab ich was vergessen? Es gibts ja noch weiteres Engagement in oder für die Stadt -zB Hausbesetzung für genutzte Freiräume.

  • ^ zur Ausstellung im Stadtmuseum - und zu empfehlen:
    29. Juni bis 27. Oktober 2019
    Dresdner Moderne 1919 bis 1933. Neue Ideen für Stadt, Architektur und Menschen
    Webseite Stadtmuseum

    ^ für Interessenten: die zugehörige neue Publikation (dickes Buch, viele Bilder) machte auch einen ausgesprochen guten Eindruck.


    Zahlreiche Architekturen und Entwürfe sind zu sehen. Hier in der Collage folgendes im Uhrzeigersinn:
    "Prager Carree" am Wiener Platz ggü Hbf, Bankgebäude am Georgplatz, Ringhochhaus Dippser Platz, Hochhaus am Pirnaischen Platz (2x).


    Auch die Konsum-Fleischfabrik wird vorgestellt - einst als riesiger Komplex angedacht.


    Und nicht zu vergessen: das Kugelhaus

  • TUD-Uni erhält weiter Exzellenzstatus


    Die Entscheidung erfolgte einstimmig, das Auswahlprozedere war härter als sonst, der Titel bleibt nun dauerhaft - außer bei groben Schnitzern.
    Jährlich fließen so zusätzlich 15 Mio € für die nä. 7 Jahre (ges. 105 Mio €). Danach wird beizeiten die Folgefinanzierung ausgehandelt.


    Oiger, DNN und SäZ berichten.


    Das Geld wird für Technik, Gebäude und v.a. für Professuren und Wissenschaftler aufgewendet.


    Ausserdem starten die TUD mit den Stadtwerken ein Energiewende-Reallabor „City-Impuls“ im Umfang von 50 Mio €.
    Oiger berichtet.
    Das Projekt umfasst technische Anlagen, einen großen Wasser-Langzeit-Wärmespeicher und Diverses mehr, um die "Wärmewende" zu begleiten.
    Was im Konkreten geplant ist, und wo und wie, bleibt in jetzigen Infos noch offen.