Nbger Nordosten: Rennweg, Schoppershof, Weigelshof

  • Kleines Update zur Fichtestraße 50:

    Auf dieses Ergebnis freue ich mich sehr. Die opulente Stuckfassade präsentiert sich schon wieder tadellos unter den Gerüsten. Sicherlich wurde den Eigentümern auch hier von findigen Geschäftsleuten zunächst erzählt, dass diese Fassade, ob der vorhandenen Schäden, nicht zu retten sei und gedämmt werden müsse. Mit den richtigen Dienstleistern scheint es jedoch auch anders zu gehen. 😉

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    Zuletzt hier darüber berichtet:

    Demian
    19. Juli 2025 um 22:25
  • Heureka!

    Die Fichtestraße 50 ist fertig renoviert und schaut einfach traumhaft aus!

    Alles richtig gemacht: Alle Details wiederhergestellt bzw. gefestigt, Kupferne Verblechung und kein skurriles neues Farbkonzept aus Grau in Grau. Genau so geht das richtig, man saniert und bringt alles auf Vordermann, aber nicht so dass es entstellend rüberkommt oder man auch jedem Uninteressierten aufs Auge drückt, dass das doch neu ist:

    Hier müssen gute Berater am Werk gewesen sein, die nicht das Abschlagen der Fassade und aufkleben einer Wärmedämmung aufgeschwatzt haben, sondern sich mit den Gegebenheiten, Bedingungen vor Ort und den Bedürfnissen der Eigentümer auseinander gesetzt haben. Denn auch so kann ein energetisches Konzept aussehen, wenn man nur will und das ganzheitlich betrachtet.

    Ich freu mich darüber sehr!

  • Heerwagenstraße 5 - wtf????

    Was geht hier vor sich?

    Zuletzt hier berichtet, geschehen ja seltsame Dinge am Jugendstil-Einzeldenkmal Heerwagenstraße 5. Die Straßenfassade wurde ja gut erhalten nur wenig ausgebessert, viel mehr noch kamen wieder echte Fenster rein anstatt nur Scheiben. Aber die Seiten- und Hoffassade werden unverständlicherweise gedämmt. Zwischenzeitlich hat man aber auf der Dämmhaut der Giebelfassade ein paar Entwürfe gezeigt, die dabei helfen sollten die Hässlichkeit und Ödnis dieser Dämmfassade zu kaschieren. Sah überaus vielversprechend aus:

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    Wirkt doch wirklich gekonnt! Immerhin, zugange ist hier schließlich eine der besten Handwerksfirmen der Stadt, "Form & Farbe Ehmann", die auch die Jugendstilfassade der Fichtestraße 50 vor ein paar Tagen so gut wieder hergestellt hatte. Diese Fotos sind aus dem September.

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    Doch was ist denn jetzt hier passiert? Heute ist alles verschwunden, drüber gespachtelt, die volle öde Hässlichkeit einer Schaumstofffassade kommt hier zur Geltung. Und das an einem Einzeldenkmal. Ist das der neue Standard? Denkmale so schleifen, dass die paar Dinge, die vom Original übrigen bleiben aussehen wie Versatzstücke, damit sie bei der nächsten Sanierung auch noch weg gemacht werden dürfen?

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    Da kann einem echt die Lust darauf vergehen hier in Nürnberg über Architektur zu schreiben. Ich bin wohl ohnehin einer der wenigen, die das überhaupt noch tun. Denn eine Stadt, in der soetwas systemisch geschieht, um die ist es nicht gut bestellt. Die meisten profanen Neubauten in Nürnberg sind zumindest mir das Berichten nicht wert, dann wenigstens die Pflege des historischen, aber selbst bei Denkmalen ist nichts mehr sicher.

    Edit, mal zum Vergleich, hier wurde vor ein paar Wochen in der Löffelholzstraße 6 ebenfalls die Giebelfassade verputzt. Kein Denkmal, aber Denkmalstandard.

    Vorzustand. Ein doch ziemlich vergleichbarer Fall, um nicht zu sagen fast identisch. Nur völlig verkehrte Ergebnisse.

    Ich bin einigermaßen fassungslos.

  • Werderstraße 18a

    Der Dämmwahnsinn rollt durchs Viertel. Und am Beispiel Werderstra0ße 18a sieht man gut was für ein schwachsinniges Konzept das eigentlich ist:

    Vorzustand.

    Aktuell:

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    Zunächst hatte ich noch gedacht, dass das Sandsteinerne EG ausgenommen bleibt, aber dann haben die Arbeiter doch eines Tages begonnen, dort Styropor draufzufrickeln.

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    Wenn ich mir die Fensterbretter im EG nun ansehe kommen dort nun 30 cm drauf? Was für ein Wahnsinn. Eigentlich hätte man das gebäude dann besser abgerissen, denn Wärmebrücken bleiben trotzdem, wie an den Briefkästen zu sehen. Und die Fenster sitzen nicht korrekt in der Dämmebene, d.h. die Bewohner werde schimmlige Wände innen bekommen. Ein bauphysikalisches Gwerch und ein äthetisches Desaster.

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    Die Obergeschosse sind bereits fertig verputzt und gestrichen worden, schön in modischem Rotzgelb, ohne Fensterlaibungen, keine Gesimse, ohne alles. Einfach extrem hässlich. Das Nachbarhaus Nr. 18 indes wurde vor einigen Jahren frisch hergerichtet, absolut vorbildlich (klick), alles herausgeholt was aus dem an sich schlichtem Haus rauszuholen ist. Auch an der Werderstraße 24 hatte man sich wirklich viel Mühe gegeben und den gründerzeitlichen Charakter des Hauses gewürdigt (klick).

    Das ganze macht mich wirklich krank, man kann richtig sehen wie Bausubstanz ruiniert wird, massenwesie Geld versenkt wird in Bauelemente, die man in der nächsten Generation als Sünde, als Asbest 2.0 bezeichnen wird. Und wie damit letztlich ein ganzes Quartier ins Kippen gebracht wird, denn wenn die Häuser erstmal ihren Charme verlieren und von blassen Farben, Algen und Gammel geprägt sind, dauert es nicht lange bis Graffitti, Müll Verwahrlosung hinzu kommt. Denn gerade die Werderstraße 18a wird schon innen überschaubare Qualitäten bieten, jetzt ist sie auch außen ein Schandfleck geworden.

    Wie ein gedämmtes Haus, selbst wenn es gut gemacht wird, in wenigen Jahren bei mangelhafter Pflege aussieht lässt sich z.B. hier an der Fichtestraße 30 sehen:

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    Wenn man nicht ständig kärchert und frisch anstreicht sieht es aus wie eine verwitterte Gartenmauer. Das ist die Zukunft aller Gebäude, die nicht unter Denkmalschutz stehen. Manche wissen das, und so findet man in Nürnberg auch in den Immo-Anzeigen kaum noch Wohnungen in Denkmalgebieten. Nur dort lässt es sich dann noch gut leben.

  • Werderstraße 18a

    Hier kann man eine Standard-Schaumstoffkiste bei der Metamorphose zusehen. Das letzte Stadium eines Altbaus vor dem Abriss:

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    Grässlich, wie das schlichte, aber handwerklich kunstfertig wirkende Erdgeschoss unter diesem billigen Verpackungsmaterial verschwindet. Wie die Fenster tief in die Fassade rutschen, und man förmlich die Dunkelheit im Innern spürt. Und das Gefrickel zu sehen, wie die die kleinen Stückchen aneinander gepuzzelt und geklebt werden, verschwindet doch dann eh alles unter Spachtelmasse. An die aus den Kelleraußenwänden aufsteigende Feuchtigkeit, die dann nicht mehr nach außen abtrocknen kann, sondern nur noch nach Innen, in die Wohnung, und die deshalb auch deutlich höher aufsteigen kann, tja, denkt niemand, und wenn es auffällt ist es auch kein Mangel aus der Maßnahme heraus, denn Kellersanierung ist ja etwas anders.

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    Und natürlich das Stadtbild. Was man daraus hätte machen können demonstriert der Nachbarbau, der alles rausgeholt hat aus der schlichten Gestalt. Mit anspruchsvollem Putz und einem selbstbewussten, aber stimmigen Farbkonzept sowie hübscher Fenster, die wie die gekonnt geschminkten Augen einer Baut aussehen, und nicht das trübe, dunkle, tief in die Höhe zurück gerutschte Auge eines Drogenjunkies. Dazu die kränklich-blasse Farbe, die dieses öde Bauwerk komplett abwertet. Eines Tages, wenn die Dämmung in die Jahre kommen wird, eine weitere Sanierung ansteht und sich die Eigentümer fragen werden, wozu schonwieder zigtausend da rein investieren, und immernoch keine Tiefgarage, keinen Aufzug, keine Fußbodenheizung, keine modernen Grundrisse haben, dann doch lieber weg damit und was komplett Neues hin. Die Vorstellungskraft, daraus ein gesuchten, stilechten Nürnberger Altbau zu machen, wird dann fehlen, ebenso das Geld dazu. Die Dämmung ist immer der letzte Lebensabschnitt eines solchen Gebäudes vor dem Abriss. Wer kam nur auf die Idee, dass man die Investitionskraft von Gebäudeeigentümern doch in Styropor lenken kann? Früher hat man mit Balkonen aufgewertet, mit wertigen Fußböden, neuen Bädern, An- , Um- oder Aufbauten, die den Nutzwert des Hauses steigerten. Heute klebt man Eierkartons außen dran. Was für eine dystopische Architekturwelt.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Werderstr. 24

    So sieht das Haus jetzt im fertigen Zustand aus:

    Die sanierte Werderstraße 24 hat Kollege arc_bn hier zwar schon vor zwei Jahren gezeigt, trotzdem poste ich hier einfach, da ich mich beim Vorbeilaufen neulich darüber gefreut habe, hier nochmal eine Ansicht unter Einbezug des Straßenraums. Insgesamt geht, trotz des einen oder anderen Wermutstropfens, die Tendenz im Gründerzeitviertel Schoppershof m.E. insgesamt nach oben.

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  • Dekoratives Anführungszeichen

    Insgesamt geht, trotz des einen oder anderen Wermutstropfens, die Tendenz im Gründerzeitviertel Schoppershof m.E. insgesamt nach oben.

    Interessant, dass du das so siehst. Woran machst du das fest?

    Ich sehe es leider anders, ich finde das Viertel geht schritt für Schritt verloren, um nicht zu sagen "den Bach runter". Warum? Das Beispiel Werderstraße 24 ist streng genommen nur ein Erhalt, ein "ist so geblieben". Und zusätzlich gibt es Verluste im Stadtbild, dazu ist jedes verlorene Gesims, jedes verlorene Gestaltungsmerkmal zu sehen. Und so geht jedes Jahr unterm Strich zu Ende mit verlorenen Details (Minuspunkte) oder Erhaltenem (neutral, also keine Punkte). Pluspunkte, also wieder hergestellte Details, wie Gesimse, Giebel, Konsolen oder Fassadenschmuck: Fehlanzeige, also null Pluspunkte. Fraglich ist natürlich, wie man neue Sprossenfenster in diese Bewertung einfließen lassen will. Das mit den Fenstern entwickelt sich tatsächlich mit einer positiven Tendenz, aber abgeschlagener und weggedämmter Fassadenstuck wiegt dann doch viel verheerender, finde ich. Weil nicht reversibel.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Interessant, dass du das so siehst. Woran machst du das fest?

    In der Tat hauptsächlich an der Fensterthematik würde ich den Eindruck festmachen, auch an der einen oder anderen Sanierung der letzten Jahre, die natürlich im Wesentlichen jeweils "nur" den Bestandserhalt und dessen Erneuerung umfasst. Ich gebe Dir recht, dass die Verdämmungen dicke Negativaspekte sind. Subjektiv habe ich aber den Eindruck, dass sich deren Frequenz bei Altbauten aber etwas abschwächt (auch wenn ich das nicht mit harten Fakten belegen kann). Ob sie irreversibel sind, ist zu diskutieren. Auch Stuck etc. ließe sich wiederherstellen - wenn man denn wollte. Natürlich dann nicht mehr im Original, aber wenn man ehrlich ist, ist auch die wiederaufgebaute Nürnberger Altstadt überwiegend nicht mehr Originalsubstanz.

  • Diesen Eindruck kann ich nicht teilen. Allein 2025 gab es im betreffenden Stadtteil 7 (!) Dämmungen:

    Werderstraße 18a

    Schoppershofstraße 18

    Schoppershofstraße 43

    Heerwagenstraße 31

    Heerwagenstraße 5 - Dämmung der Giebel und Hoffassade bei einem Einzeldenkmal!

    Welserstraße 30 und 32

    Das waren zwar teilweise nicht ganz so üppig geschmückte Häuser, die aber dennoch mit simplen Mitteln stark aufgewertet hätten werden können und dann richtig etwas hergemacht hätten. Optik, feine Details und Langlebigkeit werden dennoch immer beeinträchtigt durch diese Dämmungen. Man stelle sich nur vor man wäre mit der Schoppershofstraße 18 ähnlich verfahren wie mit der vorbildlichen Heerwagenstraße 34.

    Um die Welserstraße mit ihren Gesimsen und dem schönen Putz war es auch besonders ärgerlich..

    Die prächtige Fichtestraße 50 ist auch nur durch einen Zufall erhalten geblieben, andere Pläne standen bereits bereit, und wäre sonst ein echter Skandal geworden.

    Vor nicht allzu langer Zeit gingen zudem das Eckhaus Messehaus 20 (ehemals La Habana) verloren und es gab die super ärgerliche Posse um die bis heute unbebaute Martin-Richter-Straße. Ersteres wirkt nun, nach Auszug des Lokals, endgültig abrissreif und wird von einem "Vorgarten" a la Gärten des Grauens geziert. Jegliches Leben, das dem entstellten Bau zumindest durch das Lokal und dessen Möblierung noch gegeben war, ist nun entwichen.

    Wenn das in diesem Tempo weitergeht, 2026 wieder 7 Häuser und so weiter, und auch vor üppigen nicht geschützten Häusern und sogar Denkmälern kein oder nur partiell Halt gemacht wird, dann kann man sich vorstellen, wie schön "energetisch" das einstige Gründerzeitquartier in wenigen Jahren aussehen wird.

    Einmal editiert, zuletzt von Demian (4. Januar 2026 um 19:50)

  • Vielen Dank, dass die Heerwagenstraße 34 gelegentlich lobend erwähnt wird. Das Haus , wie viele in der Ecke, von Hans Beitter 1909 entworfen, ging 1929 in den Besitz meines Großvaters über. Mein Anliegen war und ist es, so authentisch wie möglich den Urzustand wieder herzustellen. Die Stuckfassade vom Plan (Beitter) wurde vermutlich nicht mehr realisiert, das Haus entspricht nun weitestgehend den vorhandenen Bildern vor Wll. Fenster und Haustür wurden nach den Bildern/Plänen nachgestaltet. Der Dämmungswahnsinn in Schoppershof, um beim Thema zu bleiben, ist absurd (und wirklich legal?). Viel gäbe es noch zu sagen über ,, modernisierte‘‘ Treppenhäuser mit z.B. Fliesen über Terrazzo, aber das ist ein weites Feld.

  • IW-Studie zur Lebensqualität: Metropolregion Nürnberg stürzt im Ranking ab

    Passend zu der Schlagzeile in der Nürnberger Presse mal ein paar persönliche Eindrücke aus meinem Umfeld dazu. Punktuell beobachte ich eine - ich sage mal etwas reisserisch - "Verslummung" des Stadtbildes. D.b. hier an dieser städtischen Baustelle der Bismarckschule:

    Im Hintergrund der sensationelle Jugendstilbau, der die letzten Jahre sehr aufwändig - zu aufwändig saniert wurde. Als Wahlhelfer kann ich da Geschichten erzählen, die bis hin zur Unbenutzbarkeit des Schulgebäudes führen aufgrund zu komplizierter Haustechnik, die auch die Hausmeister vor Ort nicht ganz durchblicken. Hier hat man m.E. einfach Geld verschwendet. Aber sei es drum, ich wollte auf etwas anderes hinaus: Der 50er-Jahre-Anbau des Altbaus aus den 1880'er Jahren, ist ebenso vor kurzen Renoviert worden und hat eine hässliche Wärmedämmung erhalten. Immerhin hat man die Putzstruktur wieder aufgebracht und damit einen gewissen Standard gehalten. Aber immernoch schaut es für Passanten unfertig aus, hastig verlassen. Und niemanden kümmert es:

    Diese nicht komplett abgepopelten Schutzfolien auf den Billigen Alublechen macht einen üblen Eindruck.

    Oder hier, am Fenitzer Platz. Vor Kurzem wurden hier umfangreiche Erdarbeiten vorgenommen und danach das Pflaster wieder verlegt. Wenig später kam wieder jemand, hat alles aufgegraben und anschließend, Nürnberg-typisch die Grube mit Teer zugekippt:

    Wird das wieder gemacht, wenn es wärmer wird? Ich glaube in der Stadtverwaltung wird die verheerende Wirkung solcher Flickenteppiche völlig unterschätzt. Hauptsache ein Rollator kann drüber rollen.

    Und dann noch das Fanal des Viertels, das Eckhaus Schoppershofstraße Ecke Am Messehaus:

    Vor 6 Jahren noch hatten wir hier eine prächtige Stuckfassade dran, alte Bäume und einen lebendigen Biergarten. Das Haus hat das ganze Viertel aufgewertet. Nun, nach dem Kahlschlag, der "energetischen Sanierung" ist es zu einem hässlichen Schandfleck geworden, eine tote Ecke, bei der bald der Müll über den Zaun in den Vorgarten fliegt. Hier hat man tatsächlich alles falsch gemacht was man falsch machen kann. Die öffentliche Hand verzichtet in Nürnberg ja grundsätzlich darauf ordnungspolitisch durchzugreifen. Es gibt keine Leitlinien, keine Satzungen, man will dem privaten Geldflüssen ja keine Steine in den Weg legen. Dabei sollte man Investoren immer dazu bringen mehr Geld auszugeben als nötig, damit wertige Dinge entstehen und diese sich gegenseitig hochziehen. Aber ohne entsprechende behördliche Rahmenbedingungen wird die Stadt zu einer Mine, aus der man nur herausholt. Man saniert Wohngebäude auf Mindeststandard, und vermietet dann zu Höchstpreisen. Die Rendite stimmt für ein paar Jahre, aber das Umfeld degeneriert.

    Wenn hier nicht aufgepasst wird entwickelt sich das zu einem gefährlichen Trend.

  • nothor

    Der Witz bei der Studie ist doch, dass sich das Ergebnis explizit nicht auf die Zentren der Metropolregionen bezieht. Das schlechte abschneiden liegt im wesentlichen an der Schwäche des Umlands. Dort mangelt es an laut dem IW an attraktiver Infrastruktur wie Kindertagestätten, ÖPNV etc.

    Übrigens schneidet die Metropolregion München hier sogar noch schlechter ab als die Metropolregion Nürnberg.

    d.

  • Diese Studien sind immer problematisch, finde ich. Vor ein paar Monaten kam eine ähnliche Studie an die Öffentlichkeit, in der war Nürnberg spitzenmäßig, nun, in einer anderen Studie zu vergleichbarem Thema ist es genau andersherum. Je nachdem wer die Studie beauftragt, was darin wie untersucht und gewichtet und interpretiert wird kommen dann entsprechende Pressemeldungen heraus.

    Mit meinem Beitrag wollte ich das nur ein bisschen parallellisieren, denn die Presseschlagzeile trifft mein ganz subjektives Gefühl genau auf den Punkt. Ohne dass ich die Studie selbst gelesen habe oder, aber wozu braucht es das überhaupt. Was zählt ist das Gefühl. Was nützt es wenn etwas besser ist als in Ruanda, aber sich schlechter anfühlt als vor 10 Jahren. Was Lebensqualität angeht entscheidet das Gefühl, denn Lebensqualität ist ein Gefühl. Und ganz entscheidend dabei ist das Delta der Veränderung, Trends. Menschen sind in einem miesen Umfeld, dass sich schrittweise verbessert zufriedener als jene in einem vergleichbar tollen Umfeld, in dem sich die Dinge aber negativ entwickeln. Zuversicht ist das entscheidende Stichwort. Ich glaube dazu gab es aber auch schon genügend Studien....

  • Dekoratives Anführungszeichen

    ^ Der Witz ist die Studie selbst. Eine vom Regionalverband Ruhr in Auftrag gegebene Studie kommt zum Schluss, dass das Ruhrgebiet die höchste Lebensqualität hat …

    Das sehe ich genauso... wenn man die Metropolregionen Ruhrgebiet (4.400km2 / 1.160 EW pro km2) mit Hamburg (26.078km2 / 191 EW pro km2) und Nürnberg (21.785km2 / 166 EW pro km2) anhand von Kriterien wie Kneipendichte und Nähe zum Flughafen vergleicht, dann kann man sich natürlich schöne Ergebnisse hindrehen.

  • Ich habe mir diese Studie nicht näher angeschaut. Warum? ganz einfach: maßgebliche Bewertungskriterien wie die AUTOfahrzeit zur nächsten Grundschule(!) bzw. Kita(!) sind doch nicht mal mehr Satire...

    Da kann man es sich noch einfacher machen und die Anzahl der xxx-Bewertungen auf einem SoMe-Portal als Attraktivitätskriterium zählen.

    Peinlich ist nur, dass das so eine Medienpräsenz bekommt und dann politisch kommentiert wird...

  • Werderstraße 18a

    Das Werk ist vollbracht, das Gründerzeithaus Werderstraße hat nun sein Gesicht verloren und ein paar Tonnen Styropor auf die Fassade geklebt bekommen:

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    Man hat sich leider überhaupt keine Mühe dabei gegeben das Haus in seinem Stil fortzuschreiben und so passend zum Charakter der Straße in die Zukunft fortzuschreiben, sondern schlicht selbstbewusst die plumpe Dämmschickt drauf geklebt. Dass da ein Sandstein-Erdgeschoss drunter ist, die Fassade eine gewisse Plastizität hatte, was die Straße ausgemacht hat, ist nun nicht mehr erfahrbar.

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    Das Nachbarhaus Nummer 18 wurde vor wenigen Jahren renoviert, hier ist man ganz anders vorgegangen. Aus dem was da ist hat man gestalterisch das Maximum heraus geholt. Schöne Putztexturen, Farbigkeit, Gesimse, das erfreut das Auge und schafft Wert im Stadtbild:

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    Noch sieht die Werderstraße in weiten Teilen ganz hübsch aus:

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    Wenn man bedenkt, dass seinerzeit ein ziemliches Theater gemacht wurde um den Abriss und Neubau der Werderstraße 25, wo nach langem Ringen erreicht werden konnte, dass der Neubau zur Umgebung passend und mit Sandsteinelementen errichtet werden musste, ist im Rahmen einer Sanierung das Schlimmstmögliche halt oft der Standard. Kompletter Verlust aller prägenden Details. Da wünscht man sich eigentlich lieber den Abriss und einen gefälligen Neubau. Und im Innern des alten Hauses? Alles wie gehabt, komische Grundrisse, schiefe Böden, kein Lift, keine Tiefgarage. Das schlechteste aus allen Wohnwelten ist hier nun vereint. Und es wird schlecht altern, ganz sicher.

  • Sanierung Einzeldenkmal Heerwagenstraße 5

    Noch mehr Dämmung: Erstaunlicherweise durfte am Einzeldenkmal eine Dämmung angebracht werden. Hier zeigt sich meiner Meinung nach eine gewisse Tendenz, dass das Dogma des Klimaschutz über dem Prinzip der Erhalt der Baukultur steht. Oder es war ein einmaliger Ausrutscher, was zu hoffen ist: Die Vorderfassade ist gottseidank unangetastet geblieben:

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    Giebelseite und Hoffassade haben eine 8 cm Außendämmung erhalten. Der Versatz, der sich dadurch ergibt hält sich in Grenzen.

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    Auch hat man sich sichtlich Mühe gegeben, die öde und schmutzanziehende Optik einer modernen WDVS-Fassade zu vermeiden und durch Schmuckelemente, die den Vorzustand ein bisschen nachempfunden sind, zu gestalten. Mit einer Putzkörnung und Farbe hat man z.B. Sandsteinelemente imitiert. In meinen Augen zeigt sich dadurch natürlich auch eindrucksvoll, dass eine Dämmfassade nicht zwangsläufig hässlich sein muss, wie oben an der Werderstraße 18a, wo man leider keinerlei Bewusstsein für Gestaltung gezeigt hat, sondern nur einen Mindeststandard umsetzte. Dabei ist auch auf einer Dämmung durchaus einiges möglich.

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    Aber ob das auch einem Denkmal würdig ist, das würde ich tatsächlich eindeutig verneinen. Im Grunde ist das doch alles Spachtelmasse, die armiert ist, voller Klebstoffe usw., und die recht empfindlich auf die Einflüsse durch Witterung und Feuchtigkeit reagieren wird. Der Eigentümer wird künftig permanent mit der Instandhaltung der Dämmung zu tun haben.

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    Und die unschöne Oberflächenstruktur, die wirklich aussieht wie eine verspachtelte Bettdecke: Sie ist nicht wirklich glatt, hat aber auch keine erkennbare Struktur. Man kann förmlich vom Anschauen spüren, wie es darunter arbeitet, knistert und sobald sich erste Harrrisse auftun, das Werk der Zersetzung, der Degradierung der Dämmfassade beginnt. Und schlimm daran ist, dass man es oft zuerst im Innern erkennen wird, da die oberste Schicht der Außenhaut sehr hart ist.

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    Aus Sicht der Bewohner frage ich mich dann, wenn ich mir den direkten Vergleich mit der Heerwagenstraße 7 vor Augen führe, ob ich nicht lieber einen Balkon würde haben wollen. Denn im Innern hat sich ja durch die Dämmung nicht viel geändert, die Türen sind weiterhin alt, die Böden weiterhin schief, usw. usf, ich heize jetzt wohl weniger, zahle aber vermutlich höhere Kaltmiete... Ich persönlich hätte lieber einen Balkon als echte Wohnwertsteigerung gehabt.

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    Ein anschauliches Beispiel dafür welche Strategien einem offenstehen beim Erhalt und der Weiterentwicklung eines alten Mehrfamilienhauses. Nummer 5 oder Nummer 7?

  • Ludwig-Feuerbach-Straße 23a

    Das Viertel ist wieder um eine Hässlichkeit reicher: Das zugegebenermaßen ohnehin schon ziemlich verbastelte und vergammelte Gründerzeithaus ist nun komplett mit Glaswolle eingepackt und auf hässlichst-banale Weise frisch gestrichen worden.

    1. Hinter diesem Baum fällt das gottseidank nicht ganz so negativ ins Stadtbild, und
    2. hinter dem stattlichen Baum wird die Dämmfassade sehr schnell versiffen und veralgen.

    Da wird man sich bald fast positiv an den Vorzustand erinnern, denn der hatte wenigstens farbig abgesetzte Rahmen um die Fenster.

    Und direkt Rücken an Rücken wird ebenso die Werderstraße 2 saniert. Dabei handelt es sich um einen schmucken Nachkriegsbau mit üppigem Dachüberstand - der natürlich dazu einläd, eine dicke Dämmung dran zu kleben, da man hier das Problem des fehlenden Nachüberstands nicht hat.

    Interessant zu sehen finde ich auch wie Balkone angebaut werden. Hier werden gerade die Auflager im Mauerwerk eingepasst. Wenn ich das richtig interpretiere wird der Flansch bündig in die neue Fassadenhaut mit der später aufgebrachten Dämmung liegen. Die Balkone werden dann über Eck sein.

    Was ich aber jetzt schon als Pfusch interpretieren würde sind die bereits in die alte Mauerwerksebene eingebauten neuen Fenster, die fachlich so falsch eingebaut sind - es sei denn es kommt keine Außendämmung! Ansonsten haben die Bewohner später mit Schimmel um die Fenster zu kämpfen. Und zu hoffen ist dass man das schöne Farbkleid der alten Fassade wieder aufnimmt, und kein so behindertes Farbkonzept wie bei der Ludwig-Feuerbach-Straße 23a wählt. Das altert wirklich schlecht und sieht weder neu noch alt gut aus!

  • In der Baulücke Martin-Richter-Str. welche momentan als Interimsparkplatz genutzt wird soll folgendes Projekt entstehen: https://siebentritt-donauer.de/alle-projekte/…ty-park-living/

    Hier der abgebrochene Altbau: https://maps.app.goo.gl/yzLh6QHKzJ9KjapT8

    Schade um das alte Haus, da wird das neue Gebäude nie rankommen, da hilft auch kein Backsteinklinker;):(

    Achja, die Wohnungen werden zum Schnäppchenpreis von rund 11.000€/qm vermarktet.