Dämmung Welserstraße 30 und 32
Tatsächlich wird die gesamte Fassade mit Styropor beklebt:

Was hier besonders augenfällig ist: Die Fassade ist vor nicht allzu langer Zeit erst aufgearbeitet worden und war längst nicht sanierungsbedürftig. Das bedeutet, dass der/die Eigentümer hier lediglich die staatliche Förderung mitnehmen und einen Grund die Miete hochzuschrauben haben wollten. Eigentlich ging das ja alles vom argumentativem Duktus her so, dass man dämmen könne, wenn man die Fassade eh schon machen wolle. Die verlockende Förderung einerseits, und die quälend lange Haltbarkeit einer herkömmlichen Putzfassade, die nur alle paar Jahrzehnte mal ein Gerüst braucht andererseits ist natürlich ein Hindernis, wenn man mehr aus dem Haus herausholen möchte. Und so wird hier gleich Dach und Fassade in einem Aufwasch gemacht. Den Mietern verspricht man geringe Belästigung, bleiben die Fenster doch die alten, man muss nichtmal einen Blumentopf vom Fensterbrett nehmen. Dass wir hinterher dort Wärmebrücken und Schimmelgefahr haben, das kann man wiederum den Mietern in die Schuhe schieben, die ja falsch lüften.

Ich gehe davon aus, dass die alten Betonbalkone einfach ausgespart werden, man kann die dem Mieter ja nicht einfach wegnehmen, und ebenso wäre ein Neubau der Balkone viel zu teuer. Also entstehen auch hier anschließend heftige Wärmebrücken, und wer dann an möglichem Schimmel Schuld hat ist schon jetzt klar.
Schoppershofstraße 43
Wie soetwas aussieht wenns fertig ist kann man nun in der Schoppershofstraße sehen. Dort steht nun ein gelber Kühlschrank auf einem Sandsteingestell:

Die Schaumstofffassade ragt deutlich über dem Dachüberstand hervor, die Herangehensweise an die Sanierung dürfte wie oben beschrieben abgelaufen sein. Eigentlich müsste man das Dach vorher noch ertüchtigen, auch die Fenster sind nicht optimal, aber was solls, wer weiß wie lange es noch die Förderung gibt, mitnehmen, einsacken, freuen. Und wenns Probleme gibt suchen wir uns schon einen passenden Schuldigen.

Man hat sich nichtmal Mühe gegeben, die Fassade ein wenig zu schmücken, eine öde Lochfassade ist entstanden mit tief sitzenden Fenstern, die nun viel weniger Licht reinlassen.

Man muss sich vergegenwärtigen, wenn dieser Trend weitergeht, sehen irgendwann alle unsere Straßen so aus, denn das ist bei jedem Haus erlaubt, das nicht unter Denkmalschutz steht. Und in diesem Abschnitt der Schoppershofstraße steht nur ein einziges unter Schutz, alle anderen dürfen theoretisch zu Kühlschränken werden. Dazu hilft ein Blick in den bayerischen Denkmalatlas, der wirkt wie nicht zuende gebracht. Denkmäler sind in Nürnberg wirklich rar, die Statistik wird nur dadurch hochgerissen, weil die gesamte Altstadt unter Ensembleschutz steht und damit dort alle Häuser pauschal geschützt sind. Aber sind sie es alle wert gesetzlich geschützt zu sein? Und am Kaufhof sieht man auch, dass das nur ein halber Schutz sein kann, wenn man den hastig zusätzlich noch als Einzeldenkmal ausweisen musste. Außerhalb der Altstadtmauer sieht es aber Düster aus, hier können ungehindert Styropororgien ablaufen. Dass der Chefsessel der Nürnberger Denkmalschutzbehörde seit über einem Jahr unbesetzt ist zeigt zusätzlich, wie wenig der Stadt an Stadtbildpflege gelegen ist. Da konzentriert man sich lieber auf Bäume in Kübeln, "Sitzinseln" und "Ermöglichungsräume".