Freiraumgestaltung Berliner Schloss/Humboldt-Forum

  • Nachtrag: Hier und hier gibt es interessante Informationen zur Geschichte des Lustgartens. Ein Gartenparterre im Sinne eines barocken Schlossparks war er eigentlich nur im späten 17. Jahrhundert: Bereits 1713 musste der Park einem Exerzierplatz weichen. Die heutige Gestaltung aus dem Jahr 1999 lehnt sich eng an das Vorbild Schinkels aus den 1830er-Jahren an. Auch damals gab es Rasen statt Blumen.

    Die von historischen Aufnahmen bekannte Gestaltung mit Büschen und Reiterdenkmal entstammt dem späten 19. Jahrhundert und ist Ergebnis der Zerstörung des Schinkel'schen Vorgängers. Man kann also die alten Fotos schlecht als Beleg für den "eigentlichen" Lustgarten anführen. Vielleicht wäre es ergiebiger, für eine Rekonstruktion der Elemente einzutreten, die an Schinkels Entwurf noch fehlen – auch wenn das am Ende gar nicht so sehr anders aussähe als der status quo.

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    Vielleicht wäre es ergiebiger, für eine Rekonstruktion der Elemente einzutreten, die an Schinkels Entwurf noch fehlen – auch wenn das am Ende gar nicht so sehr anders aussähe als der status quo.

    Ja und nein. Wenn man den Schinkelschen Entwurf um das Denkmal, die Brunnen sowie die Rhododendren und die Kirschlorbeeren ergänzte, dann sähe das Ganze so ähnlich aus wie der Stuttgarter Schlossplatz: moderne Liegewiese mit historistischen Schmuckbeeten. "Das Beste aus zwei Welten" wäre auch eine optimale Lösung für den Berliner Lustgarten mit Schloss, Dom und Altem Museum!

    https://de.wikipedia.org/wiki/Schloßplatz_(Stuttgart)#/media/File:Neues_Schloss_Schlossplatzspringbrunnen_Jubiläumssäule_Schlossplatz_Stuttgart_2015_02.jpg

    Einmal editiert, zuletzt von Architektator (25. April 2019 um 19:16)

  • Ich denke, eine Umgestaltung des Lustgartens ist das letzte, was man aktuell anregen sollte, denn ich fürchte, besser wird es dann in keinem Fall.

    Und ich sehe da in Berlin viele andere Plätze, wo größerer Handlungsbedarf besteht. Und ganz ehrlich, unter dem aktuellen Senat und Frau Lüscher wird bei keinem Wettbewerb etwas Annehmbares rauskommen, außer eine Weiterführung des Entwurfs um das Stadtschloss. Also viel Stein und wenig Grün. Das kann niemand wollen.

    Und ein Lustgarten mit Brunnen, Reiterstandbild etc. mag vielleicht reizvoll erscheinen, aber eher wird der BER fertig als dass man hier ein Reiterstandbild rekonstruiert. Ich fürchte, man könnte es der Stadt schenken und man würde es nicht aufstellen (man schaue nur auf den Neptunbrunnen etc.)

    Ich bin daher froh, dass der Lustgarten überhaupt noch ein Garten ist. Mehr ist vermutlich erst mittel- bis langfristig möglich.

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    Wenn man den Schinkelschen Entwurf um das Denkmal, die Brunnen sowie die Rhododendren und die Kirschlorbeeren ergänzte, dann sähe das Ganze so ähnlich aus wie der Stuttgarter Schlossplatz: moderne Liegewiese mit historistischen Schmuckbeeten.

    Lassen wir das Denkmal weg, und wir sind uns einig.

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    Ich bin daher froh, dass der Lustgarten überhaupt noch ein Garten ist.

    Das "noch" ist falsch, es müsste "wieder" heißen: Von 1936 bis 1999 war der Lustgarten ein gepflasterter Platz.

    Endlos-off topic Diskussion bitte dort weiterführen. Danke
    Bato

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    ^ Das hätte man mal Friedrich II sagen sollen. Er hätte die Trockenlegung des Oderbruchs nicht bewerkstelligen müssen��

    Das wäre tatsächlich besser gewesen. Solche Landschaften, als natürliche Wasserspeicher für Dürrejahre, fehlen der Region durch die Trockenlegung von natürlichen Wasser-Reservoirs im Zuge des "Fortschritts".

    Gemäß der alten Referenz 1961 bis 1990 hatte zB die Wetterstation Berlin Tempelhof eine jährliche Niederschlagssumme von durchschnittlich 583,8 mm Wassersäule. Das war schon immer verdammt wenig, Klimawandel hin oder her. Auch ein einzelner Dürresommer ist erstmal nur Wetter. Der Klimawandel wirkt sich selbstverständlich auch in Berlin aus. Aber so zu tun, als wäre Trockenheit in Berlin ein neues Problem, belegt nur mangelnde Kenntnisse und das kann man auch nicht durch einen bissigen Kommentar überspielen.

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    Derzeit ist es in Berlin/Brandenburg laut Medienberichten so trocken wie seit 50 Jahren nicht mehr. Hat aber natürlich nichts mit Klimawandel zu tun, war schon immer so. :rolleyes:

    Zitat gekürzt.
    Bato

    Du kannst in Beeten und Rabatten ganzjährig Farbenspracht haben, wenn du entsprechend Arbeit investierst. Wie in meinem Privatgarten, jedem etwas ambitionierten Privatgarten oder jedem öffentlichen "Botanische Garten". Dass du hierzulande nur aufwändige ganzjährige öffentlichen Gärten gegen Eintritt zu sehen bekommst ist eine deutsche Eigenheit. Entsprechende Gärten in London und Paris sind dort eine riesige Attraktion und für die Lebensqualität unverzichtbar.

    Es würde der Kulturnation gut zu Gesicht stehen hier einen richtigen Schlossgarten anzubieten. Natürlich öffentlich zugänglich und ohne Eintrittsgelder. Mit den selben guten Argumenten mit denen man begründet den Eintritt der Ausstellung im Inneren des Gebäudes kostenfrei zugänglich zu gestalten. Wieso versteht man unter Kultur, Bildungsauftrag usw hierzulande eigentlich immer nur tote Objekte auf Regalen und an Wänden befestigt? Das wäre die Gelegenheit der Gartenkultur in Germanistan Mal etwas auf die Sprünge zu helfen. Ich sage nur "Steingarten".

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    Es würde der Kulturnation gut zu Gesicht stehen hier einen richtigen Schlossgarten anzubieten.

    Nochmal: Schon zu Schinkels waren im Lustgarten keine Blumen, sondern Rasen und Bäume. Davor (seit 1713) ein Exerzierplatz. Die aktuelle Gestaltung ist eng an Schinkel angelehnt. Es ist keineswegs so, dass hier über Jahrhunderte ein Gartenparterre war, dass 1999 aus Kostengründen abgemäht wurde.

  • Sinnloses Vollzitat des Vorposts gelöscht. Nächstes Mal landet der Beitrag direkt im Papierkorb.
    Bato

    Das habe ich doch auch nirgendwo behauptet. Mir sind Schinkel und Schinken in der Sache einerlei. Das alte Preußen war auch nicht für Pracht oder Dolce Vita bekannt. Ich will auch keine Aufmarschplätze mehr. Es geht doch nicht um die Geschichte sondern um die Gegenwart und Zukunft. Da wäre es inmitten all des Stein und Beton einfach eine Bereicherung, wenn es opulente und bunte Bepflanzung in höchster Qualität gäbe. Solch ein öffentlicher Prachtgarten im Zentrum fehlt Berlin auch und eine 3,5 Mio Einwohner Stadt plus Hauptstadt könnte das auch ohne Zahlschranken unterhalten. Wenn man wollte. Daher sagte ich ja, dass das eine politische Entscheidung ist.

    Gerade von linken Parteien hätte ich erwartet, dass ein kostenfreier Ort der Seelenerquickung dieser Art auf offene Ohren stößt. Dass das wortwörtlich Rote Rathaus da hingegen so eine abwaschbare Tristesse vorsieht ist da für mich besonders unverständlich. Das erinnert doch eher an die sparsame Außengestaltung eines Einkaufszentrums, die möglichst nichts kosten darf und auch nicht zum Verweilen einladen soll, sondern gezwungenermaßen finanziert wird weil's der Bebauungsplan halt vorsieht.

  • @ Capriccio


    Ich teile Deine Vorstellung uneingeschränkt. ich selbst habe seinerzeit für die gesamte Fläche des RF und MEF eine hochwertige Garten und Parkanlage gefordert und bin dafür milde belächelt worden. Auch den Mangel an Bewusstsein für Gartenarchitektur/Landschaftsplanung den Du beklagst kann ich nur beiflichten. Ich denke Deutschland ist sich selbst zufrieden mit den jährlichen Landesgartenschauen und nationalen BuGa'S und auf privater Ebene mit der Schrebergartenkultur um sich diesbezüglich hinter einem Feigenblatt zu verstecken.
    In europäischen Kapitalen gibt es genügend fantastische Beispiele für moderne Garten und Parkanlagen, da spürt man wohltuend, dass es soetwas wie eine seit dem 16ten Jahrhundert tradierte Gartenkultur gibt.
    Es wäre etwas völlig Neues, Gewagtes und Aufregendes in der Mitte Berlins, natürlich ist es kostenintensiv. Jeder der einen eigenen Garten hat oder eine Balkonbepflanzung etc. weiss, dass Pflanzen, Dünger, Bewässerung ein kospieliges Unterfagen sind, aber wie ungleich größer und befriedigender ist das was man zurückbekommt.

  • ^ Ich hingegen lehne diese Vorstellung uneingeschränkt ab. Der Lustgarten gehört so, wie er ist, zu den heitersten Orten Berlins, es herrscht hier eine leichte, entspannte gute Laune, gehoben durch die prachtvollen Gebäude (einschließlich des neuen Stadtschlosses). Die Wiesen und der Brunnen sind unerhört beliebt, Leute ruhen sich aus, lesen, treffen sich, fotografieren, Kinder rennen herum, spielen, es gibt Musik, manchmal wird getanzt etc. Warum sollte man ausgerechnet das, was wunderbar funktioniert, ohne viel zu kosten, nachhaltig kostspielig ändern, und zwar auch noch so, dass die jetzige zweckfreie und kreative Nutzung zugunstern des reinen Schauwerts eingeschränkt wird? Es gibt doch genug Orte, die nicht funktionieren, da muss man doch nicht ausgerechnet am Geglückten herumpfuschen.

  • ^ Ist das so kompliziert? Ich sag‘s mal so: Ein "Prachtgarten" mit "opulenter Bepflanzug" eignet sich dazu, ihn zu betrachten oder zu fotografieren, aber nicht dazu, darauf Kapriolen zu schlagen.

  • Wenn das jetzt in die Richtung geht Siff und Verrohung zu idealisieren steige ich aus der Diskussion aus. Mit den "arm aber sexy" Apologeten ist keine offene Diskussion möglich.

    Nur soviel, Berlin mangelt es nicht an "Spielplätzen für Kapriolen", aber sehr wohl an solch einem öffentlichen Prachtgarten.

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    ^ Ich hingegen lehne diese Vorstellung uneingeschränkt ab.
    Zitat gekürzt. Bitte maßvoll zitieren. Danke
    Bato

    So sehe ich das auch. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen wie man sich daran stören kann, dass die Rasenflächen dort auch genutzt werden. Finde es gerade bei gutem Wetter immer schön zu sehen, wie viele Menschen sich dort aufhalten und eine gute Zeit haben.

    Ich finde den vollkommen "toten" Bebelplatz abschreckend genug. Den sollte man sich mal eher mit Veränderungsvorschlägen annehmen. Ähnlich wie auf dem Gendarmenmarkt könnte ich mir dort Aussengastronomie durchaus vorstellen.

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    ...Ich finde den vollkommen "toten" Bebelplatz abschreckend genug. Den sollte man sich mal eher mit Veränderungsvorschlägen annehmen. Ähnlich wie auf dem Gendarmenmarkt könnte ich mir dort Aussengastronomie durchaus vorstellen.

    ... Schon klar, erst Bücher verbrennen und dann Bier saufen.... soviel zur Geschichtsvergessenheit.
    Der Bebelplatz selbst kommt ja leider für eine Bepflanzung die es ja im 19. Jahrhundert gegeben hat, wegen der Tiefgarage darunter nicht mehr in Frage.
    zurück zum Lustgarten, wer seinen Zustand nach dem letzten Sommer gesehen hat, wo von Rasen nichts mehr zu sehen war und die Touristen erfolgreich jedes kleine Aufkeimen von frischem Grün niedergetreten oder gesessen haben... bitte, wem das lieber ist.
    Wie eigentlich fast immer und bei jeder zentralen Grünanlage gibt es die eine und die andere Position, wie soll die Stadt oder der Bund da jemals etwas richtig machen?

  • Warum müsst ihr euch denn schon wieder streiten? Ich hatte oben den Stuttgarter Schlossplatz als Beispiel genannt. Dort herrscht ein friedliches Miteinander von Liegewiesen und Schmuckbeeten, das auch ein gestalterisches Vorbild für den Berliner Lustgarten sein kann. Ob mit Denkmal oder ohne, spielt dabei erst mal keine Rolle:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Schloßplatz_(Stuttgart)#/media/File:Neues_Schloss_Schlossplatzspringbrunnen_Jubiläumssäule_Schlossplatz_Stuttgart_2015_02.jpg

  • Der Stittgarter Schlossplatz ist tatsächlich schön. Aber kann er als Vorbild für den Lustgarten dienen? Wie viele Menschen halten sich dort täglich auf?

    Bei gutem Wetter und einigermaßen ordentlichen Temperaturen ist der Lustgarten voller Menschen. Es sollte so bleiben, was kann dem Ensemble besseres geschehen, als dass es gerne von vielen Menschen besucht und gesehen wird. Meiner Ansicht nach muss die Gestaltung und Pflege dem gerecht werden, es muss z.B. viel intensiver als bislang der Rasen gepflegt und bewäsert werden. Es könnten mehr Bänke aufgestellt werden und auch mehr Blütenbüsche in Kübeln, bzw. eine Abfolge von unterschiedlichen Pfanzen die nacheinander blühen.

  • Okay, aber die Blumenbeete halten sich auch sehr in Grenzen. Dafür hat der Lustgarten halt die Kübel. Deswegen braucht es m.E. keine Umgestaltung.

    Es geht dann wohl eher um die Pflege, damit der Rasen nicht so aussieht, wie auf dem gerade aktuellen Luftbild bei Google Maps, das die Situation in Berlin im Spätsommer / Herbst 2018 zeigt.

  • Es macht schon einen Unterschied, ob man Blumen anpflanzt oder Kübel aufstellt. Bei der Rasenpflege sind wir uns aber alle einig.