IMHO reitet ihr alle viel zu sehr auf den Visus herum. Die sind nicht so extrem aussagekräftig und verlangen eher noch mehr Abstraktions- und Vorstellungsvermögen ab, als die groben Tuschezeichnungen, die früher in Zeitungen als "Visualisierung" veröffentlicht wurden, wenn es um Bauprojekte ging. Der Weichzeichner, der Farbfilter, die fehlende Tiefe im Bild, all das hilft nicht.
Wenn man aber genau hinschaut, dann sieht man z. B. dass die weißen Fassadenelemente am großen Turm eine markante Textur haben werden, sehr stark hervortreten werden. Die unter Tags "schwarzen" und glatten Fensterflächen, mit ihren runden Ecken an den Kanten des Gebäudes, werden zu den plastischen, weißen Fassadenbändern in einem tollen Kontrast stehen, das wird ein richtiges Eyecandy, das an eine gigantische Skulptur moderner Kunst erinnert und auch den Blick in die Vertikale ziehen, das Gebäude optisch strecken und noch höher erscheinen lassen, als es eh schon ist. Das wird ein richtiger "Mini-Supertall", für Frankfurter Verhältnisse.
Dazu trägt auch stark bei, dass die Konturen des Baus komplett asymmetrisch sind und die Außenmaße entlang des Gebäudes mal weiter auskragen, mal wieder zurückspringen, alles in einer weichen Fließbewegung. Das wird es dem Auge sehr schwer machen, die Größe einzuschätzen und noch dazu beitragen, dass der Bau höher erscheinen wird, als er tatsächlich ist.
Der Turm daneben, dessen Fassade quasi nur aus Balkonen bzw. Loggien besteht, ist komplett anders. Es stellt keine weiche, vertikale Fließbewegung dar, sondern betont die Horizontale und ist voller unregelmäßiger "Brüche" und hat auch keine glatte Glasfläche. Im Detail gegensätzlicher können Highrises kaum noch sein. Außer, dass eben beide einem gewissen Stil entspringen. Man kann sich fragen, ob das ein neuer Baustil ist, siehe mein früherer Beitrag, oder ob es einfach eine gewisse Handschrift des Büros UNStudio ist.
Aber sie sind definitiv nicht uniform. Sowas ist zB ein uniformes Hochhaus-Ensemble. Auch die zig "Twintowers"-Ensembles in den Metropolen der Welt muss man jetzt nicht extra aufzählen, um zu zeigen, dass das eben gerade nicht uniform ist, was hier entsteht.
Und die meiste Zeit wird die Masse der Menschen die Gebäude auch nicht aus Vogel- und Panoramaperspektiven sehen, sondern vom Boden aus, als Fußgänger. Und da wird das wunderbar funktionieren. Die Türme sind wortwörtliche Blickfänge. Man wird sie lange betrachten können und doch immer wieder neue Lichtreflexe, Konturen usw. entdecken können, sie werden auch je nach Tageszeit und Wetter immer anders aussehen. Ein richtiger Eyecatcher für die Skyline. Ich sehe nicht, was daran schlecht sein soll, außer man hängt durch die eigene Sozialisation vielleicht der Architektur der Moderne des 20. Jahrhunderts bevorzugt an, die ja bei keiner Gebäudegattung so unverwechselbare Eigenheiten hervorgebracht hat, wie bei Hochhäusern.
Ja, dann wird man hiermit nicht warm werden können. Das ist weder Moderne noch Postmoderne, die ja einen Kern Moderne in sich birgt. Das ist was ganz anderes, wie auch immer man es nennen möchte. Das Ensemble versagt sich allem, was bisher - zumindest in Frankfurt, wenn nicht gar in Europa - im Hochhausbau galt. Und gerade das macht das Ensemble auch so spannend! Über Nacht wird Frankfurts Skyline zur architektonischen Avantgarde gehören und wir müssen nicht mehr staunend nach Dubai oder Shanghai blicken, um etwas anderes zu sehen, als unterschiedlich komponierte Zylinder, Pyramiden und Quader. Zu dem bisherigen Klötzchenspiel aus geometrischen Grundformen kommen nun Hochhäuser hinzu, die bestens als Kulisse für einen Science Fiction Film funktionieren würden und sich jeder Einordnung in hergebrachte Schubladen versagen. Man wird Frankfurt, nicht nur wortwörtlich, in Zukunft mit anderen Augen sehen! Diese Architektur ist wegweisend.