Beiträge von cardiac

    "Sozial-liberal" ist für mich vor allem eine politische Konstellation der 1970er-Jahre, die zeitlich und inhaltlich vor der neoliberalen Wende der FDP und später (vielleicht vorübergehend) auch der SPD lag. Es ist ja kein Zufall, dass beim Thema "sozialer Liberalismus" immer noch Leute zitiert werden, die – wie Gerhard Baum – inzwischen stramm auf die 90 zugehen. Elder Statesmen, die einer leider fast ausgestorbenen Denkschule angehören.


    Die Kombination von "sozial" und "liberal" bringt hier im Forum derzeit Forderungen wie den Abriss günstiger Wohnungen in Mitte hervor – schließlich gebe es davon nicht genug für alle, also seien deren Bewohner "privilegiert" und es sei nur sozial gerecht, wenn es gar keine mehr gebe. Gerecht ist nur der Markt – so könnte man diese Haltung zusammenfassen. Ich wünschte, bei der FDP würden auch wieder andere Stimmen laut. Das halte ich aber unter Leuten wie Lindner und Czaja für ausgeschlossen.


    Das ist ja schön für dich, wenn du Sozialliberalismus so definierst. Anders würde ich es von dir auch nicht erwarten. Ich geb ja zu, dass der sozialliberale Teil der FDP sehr geschwächt ist (und ich daher immer mit leichten Bauchweh mein Kreuz bei dieser Partei mache), deshalb sind auch Parteien wie die Piraten und Volt entstanden. Aber von einer halbtoten politischen Strömung zu sprechen ist schon frech, in meinem privaten Umfeld sind fast alle sozialliberal (im Gegensatz zu "Linksliberalen" nach Wagenknecht) und wünschen sich wieder eine progressive Politik, bei der das Beste aus individueller Freiheit, Eigenverantwortung, Förderung und Wertschätzung von Unternehmertum etc mit einem starken und effizienten Staat kombiniert wird, der überall da eingreift, wo Marktkräfte versagen und es zu sozialen oder auch ökologischen Schieflagen kommt (Bildung, Gesundheit, Wohnungsmarkt, Arbeitnehmer/geber-Beziehungen usw).


    Im Idealfall kann das mit einer Ampel gelingen.

    Als Mitglied der Minderheit in Deutschland die sich Sozialliberale nennen (omg ja, sowas gibts!), der sich schon für den Bund eine Ampel gewünscht hat als diese noch niemand für eine realistische Option hielt, fände ich es natürlich auch für Berlin eine gute Lösung. Allerdings ist mir auch bewusst, wie sehr sich vor allem Grüne in Berlin gegenüber den Grünen im Bund unterscheiden, und dass eine Zusammenarbeit mit der FDP in Berlin echt nicht so einfach würde. Allerdings bin ich mir auch sicher, dass das grüne Wählerklientel in Berlin 100% nicht so links ist wie die Partei selbst. Man muss sich doch nur anschauen wo Grün erfolgreich war, und man weiß ganz genau welchem sozialen Milieu die Wähler angehören.

    Auf dem Papier, rein von der Ausrichtung her, fände ich schon dass eine ökologisch-sozial-liberale Koalition das richtige für Berlin und die künftige Entwicklung dieser Stadt sein könnte, aber letztendlich wird Politik von Personen gemacht und da... seh ich so schwarz dass es eigentlich völlig egal ist wer Berlin "regiert".

    Erst wird etwas ausgeschrieben, dann wird jahrelang daran rumgebastelt, dann landet er in den internen Schubladen der Auftraggeber und die basteln weiter dran rum. Wieso malen die nicht selbst gleich ein paar Kindergarten-Begegnungszentrum-Hochhäuser mit begrünten Fassaden, Sozialpenthäusern und Fahrradstellplätzen auf dem Dach auf die Karte von Frankfurt?

    Also wenn man das mal mit den Luftbildern des aktuellen Zustands vergleicht, sieht man, dass da eigentlich so gut wie gar nichts "gestaltet" wurde. 10 neue Bäume und paar Wege mit einer zentralen Rasenfläche. Durch die Betonung des Grüns auf der Visualisierung wirkt es so, als wäre das alles neu und jetzt alles ganz toll grün und so. Sorry, aber sowas zeichnet man in 5 Minuten ohne groß nachzudenken. Der Siegerentwurf an sich auch nichts schlimmes, aber manchmal frag ich mich echt wofür man hier überhaupt langwierige Wettbewerbe veranstaltet.

    Also ich bin gespannt auf die Überarbeitung, aber ich kann überhaupt rein gar nichts mit dem Siegerentwurf anfangen. Was soll das sein? So baut man vielleicht in den 00er Jahren auf der grünen Wiese, aber doch nicht mitten in Berlin in den 2020ern? Das ist pure Platzverschwendung, und der Grünraum wird nicht mal als solcher wahrgenommen werden können, weil er völlig zerfasert ist. Man man man, dazu noch der Vorwurf der gewissen Nähe zum Baukollegium und der Eindruck von piefigen Vetternschaften in der Berliner Politik/Verwaltung ist echt schwer abzuschütteln.

    Blockrand, Gastro&Gewerbe in den Erdgeschossen an der Hauptstraße/Achse, fertig ist's. Es könnte so einfach sein, aber nein, man muss ja tausend Jahre diskutieren und tolle Konzepte erarbeiten die gar nicht toller sind als das was wir alle kennen und lieben. Mich nervt sowas langsam irgendwie.

    Ich denke auch, dass u.a. vor allem daran liegt, was eigentlich mittlerweile jedem aufgefallen sein muss: Die Baulücken sind fast alle verschwunden. Berlin ist dichter geworden, als Investitionen im "Flachbau" gibt's bald nur noch Abriss&Neubau oder Aufstockung. Bin gespannt wo die Reise künftig hingeht. Wird Berlin doch noch in die Fläche wachsen? Oder gibt es nach der Fertigstellung von den Gebäuden, die aktuell in Planung oder im Bau sind, einen Hochhausboom?

    HelloFresh macht soweit ich weiß mittlerweile Gewinn, und der Umsatz ist auch dank Corona explodiert. Außerdem ist es einer der seltenen Fälle, wo ein deutsches Startup einen Markt erschaffen hat und sich noch vor internationaler Konkurrenz in mehreren Märkten etablieren konnte. Das ist selten, sind es doch meist US-Unternehmen die sich am schnellsten internationalisieren und Mitbewerber, gedeckt durch den riesigen Heimatmarkt, verdrängen. Sogar der größte Konkurrent (Marley Spoon) kommt ebenfalls aus Deutschland. Ich bin gespannt, wo die Reise hingeht. Vermutlich wird einer der großen üblichen Verdächtigen (Amazon z.B.) entweder durch M&A oder schlicht Verdrängung aber den Markt früher oder später übernehmen. Wie unbedeutend der deutsche Markt als Heimatmarkt ist, erkennt man aber auch schön am Beispiel von Delivery Hero. Mit das größte Unternehmen seiner Art auf der Welt, aber nicht mehr im Heimatmarkt aktiv. Wenn deutsche Startups nicht sehr zügig in Europa oder international expandieren, kann man sie eigentlich direkt wieder abschreiben. Da es in Deutschland leider immer noch vergleichbar schwer ist, an genügend Kapital in dieser kritischen Anfangsphase zu kommen, sind die paar erfolgreichen Startups aus Berlin schon fast ein Wunder.

    Verantwortlich für diesen Hochhaus-freundlichen Kurswechsel ist .... Frau Lüscher. Der Artikel stammt von Juli 2019. Von diesem Verzicht auf Höhenbeschränkungen war mir bisher nichts bekannt. Ich halte diese Sache für erwähnenswert, da Frau Lüscher durch die Entwicklungen im Fall Signa & Kudamm als Hochhaus-Bremserin gilt.

    Berlinier hat es schon ausgeführt, aber ich muss nochmal betonen wie absolut irre es ist, Lüscher in dem Fall einen hochhausfreundichen Kurswechsel zu attestieren. Die neuen Pläne sind Ü60m-Verhinderungspläne schlechthin, das weiß auch Lüscher, und jeder der es mitgetragen hat. Und es ist beabsichtigt.


    Übrigens regt mich diese Sexismus-Debatte um Lüscher echt auf. Kaum gibt es Kritik an einer Frau, holt irgendwer den Sexismus-Knüppel raus. Es ist mir und hoffentlich den meisten anderen sowas von egal welches Geschlecht oder welche Geschlechtsidentität diese Person hat. In Frankfurt regt man sich auch über Mike Josef auf, und der hat soweit ich weiß einen Penis und identifiziert sich auch mit dem männlichen Geschlecht.

    Regula Lüscher ist hier vielen ein Dorn im Auge, da sie oft gegensätzliche Positionen zu den meisten Forenmitgliedern einnimmt, und darüber hinaus diese oftmals schlicht nicht begründet. Sie muss sich irgendwie ja auch vor niemanden wirklich rechtfertigen. Was für eine unglaubliche "Macht" sie hat, liegt nicht an ihrer Person, sondern an dem Amt. Und dieser wird sie m.E. nicht gerecht, da gerade, wenn man so viel Einfluss auf die Entwicklung des Stadtbildes hat, muss man ständig im Detail erklären und rechtfertigen wieso man so oder so handelt/entscheidet. Und das tut sie eben meist nicht. Daher macht es oft den Eindruck sie verfüge nicht über ausreichend Kompetenz, sondern entscheide nur gerade so wie sie es persönlich will/schön findet. Ich habe mir ein, zweimal diese öffentlichen Baukollegssitzungen angeschaut. Ich fand ihr ganzes Verhalten gegenüber den Architekten und Bauherren teilweise unerträglich; wie so eine Königin die ihre Untertanen zu einer Audienz empfängt und so tut, als würde sie ihnen zuhören. Aber egal. Ich hoffe wirklich, dass sie bald weg ist und der/die NachfolgerIn einen besseren Job macht.

    Richtig. Ich glaube so gut wie niemand nimmt den Leipziger Platz als einen Platz war; schlicht weil er keiner ist. Es ist eine stark befahrene Straße mit zwei seltsamen Rasenflächen auf beiden Seiten bis zur seltsam-weit-entfernten Bebauung. Das einzig platzige am Leipziger Platz ist in der Beschreibung dieser Stadtfläche: Platzverschwendung.

    Schon ein bisschen süß ein derartiges Projekt (Abriss einer Fabrikhalle und Neubebauung mit sechs Geschossen) zu einem der größten Bauprojekte Europas hochzustilisieren. Trotzdem natürlich gute Nachrichten für Berlin bzw. die Gegend.

    Das war ja auch so gedacht. Nun war es aber so, dass das Einkaufszentrum quasi Jahre vor allem anderen fertig war. Aber man baut hier ja auch Stadtviertel auf der Wiese und fängt erst danach an die U-Bahn zu buddeln. ;)

    Die neue Fassade gefällt mir im Detail sehr gut, ich kann mir vorstellen dass diese besonders aus der Nähe wirklich was hermachen wird. Was mir nicht so gut gefällt ist dass die Fassade aus der Ferne nun weniger vertikal wirkt, das fand ich vorher gerade in Verbindung mit und im Kontrast zum Sockelbau interessanter. Insgesamt hoffe ich, dass Farbgebung, Reflexionen in den Lisenen (wie von Frau Houtton angesprochen) und Plastizität auch in der Realität midestens genauso gut rüberkommen wie auf den Renderings.


    P.S.: Ich hab mir tatsächlich gestern die ganze Sitzung des Baukollegiums angeschaut (bzw nebenbei laufen lassen) und finde den Grad von Transparenz gegenüber der interessierten Öffentlichkeit wirklich super. Über Meinungen kann man sich natürlich immer streiten, aber dass wir das auf diesem Level überhaupt können, ist wirklich absolut lobenswert.

    Es ging um Prioritätssetzung. Berlinier hat sich die Mühe gemacht nachzuschauen ob man aus dem beruflichen/akademischen Hintergrund der Linken-Abgeordneten ableiten könnte wie die Linke als Berliner Regierungspartei Prioritäten setzt. Eine These die Nahe liegt, leben wir doch ALLE in unserer eigenen speziellen Bubble. Dass Politiker generell nicht die Gesellschaft abbilden und daher deren Meinungen, Erfahrungen, Lebensrealitäten etc sich erheblich vom Bevölkerungsschitt und auch eben jedem einzelnen Bürger an sich unterscheiden, ist ja nichts neues.


    Ob das Ergebnis seiner Recherche jetzt irgendwas erklärt... nunja, ich bin ehrlich gesagt überrascht dass es nicht noch "klischeehafter" ausgefallen ist. Also für mich nicht wirklich. ;)

    Also mal halb lang. Der Lockdown war zum damaligen Zeitpunkt richtig und wichtig und hat heftigste Auswirkungen auf die Wirtschaft. Aber es geht ja wieder Bergauf und selbst bei einer zweiten Welle würde man ganz anders handeln, durch neue Erkenntnisse, bessere Vorbereitung, bessere Behandlungsmöglichkeiten etc pp. Jetzt hier einen auf Weltuntergang machen hilft sicherlich nicht weiter. Mal abgesehen davon dass Krisen und heftige Abschwünge unserem Wirtschaftssystem immanent sind und wir eine fast beispiellose Zeit des Wachstums erlebt haben, besonders Berlin (der Auslöser ist erstmal egal).


    P.S.: Ich als Selbstständiger hatte übrigens einen Auftragseinbruch von 100%, man kann mir also nicht Unbetroffenheit vorwerfen.

    Wie so oft bei Wettbewerben ist der 2. Platz mein persönlicher Favorit. Grundriss und abgerundete Ecken machen etwas her, sind für Frankfurt neu und fügen sich gut in den Bestand ein. Mit dem Sieger kann ich leben, bringt er mit seinem Abschluss auch etwas neues nach Frankfurt, ist abgesehen von der Farbigkeit der Fassade aber eher langweilig. Die restlichen Entwürfe lassen sich wohl am besten mit dem Gähn-Emoji zusammenfassen. Kennt man schon, hat man schon gesehen, langweilig, immer das gleiche. Ich weiß nicht ob die Architekturstudios krampfhaft versuchen eine studioeigene Architektursprache beizubehalten oder ob es wirklich einfach nur recycelte Entwürfe mit möglichst geringem Aufwand sind (was ja anhand der Tatsache, dass man parallel bei etlichen Wettbewerben teilnimmt und immer nur einen Bruchteil gewinnt auch ökonomischen Sinn macht). Trotzdem ist man es irgendwie Leid immer den selben Müll (sorry), der anderswo auch nicht funktioniert, zu sehen.

    Ich finde es ganz gut wenn Politikern (besonders im linken Spektrum) ab und an mal aufgezeigt wird, dass Unternehmen mehr sind als gierige Investoren, sondern eben auch Arbeitgeber, Akteure des öffentlichen Raumes und Dienstleister. Ich finde das Verhalten des Senats auf fast allen Ebenen in wirtschaftlichen und städtebaulichen Aspekten absolut katastrophal, und das hat noch nicht mal unbedingt was mit links und rechts zu tun.

    Heidewitzka, wenn das nicht mal die Definition von "Verbauen" ist. Mir fällt da wirklich kaum mehr was ein, außer was bereits schon gesagt wurde. Und das alles für ein paar Eidechsen, die sich auch ganz alleine neue Habitate suchen würden.

    Man hätte hier zwischen Autobahnen im Westen und Norden und Bahntrasse im Süden mit dem Rebstockpark als Zentrum einen wunderbaren, zentrumsnahen, perfekt an den ÖPNV angeschlossenen Stadtteil errichten können. Stattdessen presst man eine Hand voll Pseudo-Blockrand-Blöcke zwischen Steinwüste und Kleingartenöde, und Mittelzentrum-Stadtrand-Mief ist auch sichergestellt durch Carglass und Co.