S21: Grundsatzdiskussion strikes back

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Nun, nur das keiner wirklich weis wie der fehler wirklich aussieht.

    Das muß man testen. Zug nehmen, Kameras an die Fahrgestelle des ersten und evtl. zweiten Wagens und ganz langsam drüber fahren. Dann ruckelt es ja schon ohne dass zwangsläufig der ganze Zug entgleisen muß und man kann sich im Video anschauen, wo genau die Räder anstreifen und/oder drüber fahren. Wahrscheinlich reicht für so einen Test schon eine Rangierlok mit zwei oder drei Wagen aus.

  • Ne, mit ner Ragierlock und zwei Wagen assiert ganz sicher nicht. Auf Rangierbahnhöfen gibts ide Geometrie ja in Massen.
    Es ist vermutlich die Kombination aus sehr langem = sehr schwerem geschobenem Zug, Gleisgeometrie, überlangem Speisewagen (1m länger bei gleichem Drehzapfenabstand), beginnende Rampe (-> vermulich Stosswelle durch den Zug) mit beginnendem Schub der Lok (->gegenläufige Stosswelle durch den Zug), ggf. schlecht geschmieren Puffern sowie dem Seitenspiel und dem Laufverhalten der Achsen in den Gleisen (->Aufklettern unter Druck)
    Man hat ja deswegen auch die Messfahrten mit steigender Geschwindigkeit durchgeführt. Da der Zug bereits bei der vorletzten Testfahrt und ohne Ausnützen der Höchstgeschwindigkeit entgleist ist, dürfte etwas unerwartetes passiert sein - sprich manhat versucht die vorherigen Entgleisungen mitdem original-Rollmaterial nachzustellen, und konnte sich nicht vorstellen dass es schon bei der zweiten Fahrt scheppert.
    Sprich man hat shcon das gemacht was Du Dir in etwa vorgesellt hast, und das sogar noch Aufwändigerund Detailgetreuer.
    Es kam wohl wieder zur Überpufferung, und der Wagenwurde unter Verschiebung der Gleise aus den Schienen gedrückt.
    soweit ist mein Kenntnisstand. Nur warum die Puffer aneinander vorbeirutschen konnten ist unklar - elastisches Verhalten der Waggonkästen,passende Überlagerungen der Schlingerbewegungen etc. Die reine Geometrie kanns nicht sein,das wäre in 120 Jahren mal aufgefallen. Dafür wird z.B. im Rangierbetrieb auf solchen Gleisen zu viel geschoben.

  • Den kann man wohl ausschliessen, da vor den Messfahrten der Gleismesszug die Gleisgeometrie durchgemessen hat. Ich denke es dürfte keine Stelle im Hbf so perfekt gestopft gewesen sein wie diese Stelle in anbetracht zweier Entgleisungen zuvor und dem politischen Umfeld von S21. Und wenns so wäre, hätte die Bahn längst die Baufirma ans Kreuz genagelt und als Schuldigen zur Schau durch die Stadt getragen.
    Bezeichnend ist, dass ja auch das EBA nicht in der Lage ist konkrete Auflagen zu machen.

  • nun ob nun durch die entgleisungen, stellwerksproblematik bzw. durch bauarbeiten von s21 ist in jedem fall ein fall eingetreten der dafür sorgt dass die s-bahn aus dem gefüge geraten ist. wenn nun die hälfte aller 330000 fahrgäste pro tag 5 min verspätung erleiden müssen macht das einen ganz schönen volkswirtschaftlichen schaden aus und ist eigentlich nicht tragbar. Was gedenkt die bahn dagegen zu tun? klagt die region auf schadensersatz? eigentlich müsste sie das.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    nun ob nun durch die entgleisungen, stellwerksproblematik bzw. durch bauarbeiten von s21 ist in jedem fall ein fall eingetreten der dafür sorgt dass die s-bahn aus dem gefüge geraten ist. wenn nun die hälfte aller 330000 fahrgäste pro tag 5 min verspätung erleiden müssen macht das einen ganz schönen volkswirtschaftlichen schaden aus und ist eigentlich nicht tragbar. Was gedenkt die bahn dagegen zu tun? klagt die region auf schadensersatz? eigentlich müsste sie das.

    Nun, die Bahn kann aktuell nur die offiziellen Prüfungsberichte abwarten, damit sie einigermassen eine Grundlage hat, um dem EBA einen VOrschlag zu unterbreiten, wie weiter vorzugehen ist. Alternativ kann sie zum Fahrplanwechsel die Lokomotiven auf der anderen Seite des Zuges postieren, damit die betroffenen IC nicht mehr geschoben werden (alle anderen IC sind wohl leichter) Ob dem EBA das genügt steht in den Sternen - das EBA äussert sich ja nicht, was es will.
    Ansonsten muss man eben auch feststellen,da ss entgegen den Aussagen der S21 Gegner heute (Auch vor dem S21-umbau) weder die S-Bahn-STammstrecke noch der Kopfbahnhof irgendwo in die nähe einer Premiumqualität kommen, sondern am Rande der instabilität laufen und gelaufen sind - und schon eine recht kleine Störung sowohl den Kopfbahnhof als auch durch die unselige Verküpfung von S-Bahn und Regionalverkehr auch die S-Bahn ausser Tritt gebracht werden.
    Da auch bei der S-Bahn die Fahrgastzahlen immer noch steigen, und damit die fahrgastwechselzeiten, wird das System S-Bahna auch ohne externes Zutun jedes Jahr ein Stückchen instabiler. D.h. egal wie man zu S21 steht, es muss bei der S-Bahn was getan werden, ein "weiter so" geht nicht.

    Bei der S-Bahn wäre die kurzfristig machbarste lösung, um das grundlegend anzugehen, die Erneuerung der Steuerungstechnik so, dass grundsätzlich über 30 Züge je Stunde und Richtung möglich sind. Sei es durch massierte klassische Signaltechnik und neue Stellwerkstechnik, sei es durch ETCS, was Fahrzeugseitig kurzfristig teuerer ist, aber Streckenseitig und längerfristig eher billiger.
    Kommt man da schnell zu Potte, könnte man sicher die 11,5 mio€, die die Bahn zum Umsetzen der Stellwerkstechnik vom heutigen Stellwerk in das Technikgebäude vorgesehen hat, abgreifen. Gefragt wäre hier die Region Stuttgart.
    Zusätzliche Bahnsteige, wie in der stuttgarter Zeitung gefordert, mit langem Planfeststellungsverfahren und sehr komplexem Bau unterhalb bestehender Gebäude wäre sicher erst eine mittelfristige Lösung, die zudem nicht billig wird.
    Da könnte das Nordkreuz fast billiger werden, das zusätzliche Verbindungen, Haltestellen und acuh Züge bieten kann.

  • hfrik:

    nun das sehe ich nicht ganz so, denn vor den bauarbeiten zu s21 gab es ja eine bestimmte ausnahmegenehmigung bez. der einfahrt in die s-bahn station die nun erloschen ist. ebenso lief der s-bahn verkehr relativ störungsfrei und stuttgart hbf war immerhin der 2. pünktlichste grossbahnhof deutschlands laut stiftung warentest. und dann begannen die s21 bauarbeiten bzw. die verlegung des gleisvorfelds. ursrünglich war wohl ebenso geplant dass zuerst ein interims-etsw (elektronisches stellwerk) für den umbau des gleisvorfelds gebaut wird. (siehe Bahn-Report 3/09)

    "Das Resultat ist, dass für den Gleisfeldumbau erst das alte Stellwerk durch ein neues Elektronisches Stellwerk (ESTW) ersetzt werden muss,
    damit überhaupt erst die Spurplananpassung für die Baufeldfreimachung durchgeführt werden kann."

    Da das alte stellwerk ein relaisstellwerk ist, stellt sich die frage ob die neuen gleisverläufe überhaupt sauber in dieses eingearbeitet werden konnten (dazu hätten ja alle und ob dies vielleicht auch eine ursache für verspätungen ist. (allerdings fehlt mir dazu die expertise, daher stell ich das nur mal in den raum als diskussionsgrundlage).

  • Nun, das aktuelle Stellwerk ist wohl nicht Relais, sondern elektronisch, aber eben nicht Computergestützt (Entwicklungsstand Stand 1960, Einbau 1977).
    Dort gibt es Baugruppen für WEichen, signale, Gleise etc... die exakt wie die Gleise in NAtura mit Kabeln hintereinander geschaltet werden, und die dann als Stellwerk zusammenfunktionieren. Analog zu objektorientierter Programmierung heute, im Grundsatz ein Ingenieurmässig sauberer Entwurf. Natürlich kann man damit mit hinreichend vielen Ersatzteilen jeden Umbauzustand darstellen. Einfach abgebaute Bauteile (Gleise etc...) aus dem stellwerk rausstöpseln, neue Bauteile reinstöpseln und dafür sorgen, dass man bedienbare Teile auch wieder bedienen kann.
    Dass das ganze Altersschwach ist, und beim Umstöpseln eine Ausfallneigung wegen schlechter Kontakte, brüchiger Kabel etc. hat, ist eine andere sache, die man handwerklich in den Griff bekommen muss (wie ein rohes Ei behandeln...)

    Das mit der Ausnahmegenehmigung hat man durch eine batterie Geschwindigkeitsprüfabschnitten wieder hinbekommen, die nun acuh wieder ein heranschleichen der S-Bahnen an den Hauptbahnhof bei belegtem Bahnsteiggleis erlauben, aber nun Regelkonform und ohne Ausnahmegenehmigung. An dem Punkt ist der Kopfbahnhof nun wieder im Ursprungszustand.
    Problem ist das fehlende Gleis 10. Von Cannstatt aus kann man auf vom Ferngleis nur gleis 8-13 8vor dem umbau) bzw Gleis 8-14(nach dem Umbau) anfahren. Zunächst ist das also mit dem umbau ein klein wenig besser geworden.
    Allerdings sind etliche dieser Gleise für den Fernverkehr zu kurz. Acuh das hat sich mit den Bahnsteigverlängerungen temporär verbessert, reicht aber wohl als Ersatzgleise für Gleis 10 nicht aus. Weswegen manchmal auf Gleis 3-6 ausgewichen wird, /wurde, wofür man aber über die S-Bahn-Gleise fahren muss, und das stört wiederum den S-Bahn-Betrieb.
    Zwischen dem 10 Januar 2011 und der sperrung von Gleis 10 fur die S-Bahn mit dem gleichen Verspätungsniveau wie vor allen Vorfeldumbauten.

  • Kefer räumt Defizite in der Unternehmenskultur ein, Großprojekte laufen in Hinsicht auf Kosten- und Terminstabilität unbefriedigend (Zitat: "Bauvorhaben laufen aus dem Ruder"), zu geringe Instandhaltung ins Netz und z.b. bei Brücken, all das führe zu einer Abwärtsspirale. Programm "Zukunft Infrastruktur" mit 30 Mitarbeiter wird gesartet, um bis Mitte März belastbare Ergebnisse und Handlungsempfehlungen vorlegen.

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schiene…af1555358c.html

    Ich dachte immer, an Verzögerungen sind einzig Hobbyminister, Parkschwätzer und Umweltschützer schuld, bei der Bahn hat es nur Experten? Vielleicht ist der Brief ja aber auch nur gefälscht.

    Edit: Fairerweise muss man dazusagen das S21 in dem Brief nicht direkt erwähnt wird. Dürfte aber unter "Großprojekt" laufen.

  • ^^ Nun, Inkompetenz kompensiert sich nicht, sondern addiert sich auf. Dass es bei der Bahn inkompetente Leute gibt, weiß man schon seit mehr als hundert Jahren, über die Bahn gemeckert hat man nämlich schon im Kaiserreich. Die ungeheure Ausmaß an ideologischer Verblendung, Inkompetenz und Faktenresistenz das man bei der grünen 'Regierung' vorfindet, ist deswegen nicht weniger tragisch.

  • Inzwischen ist man bei der Bahn wenigstens so offen zuzugeben, dass es Probleme gibt und scheibchenweise kommt mehr und mehr ans Tageslicht.
    Allerdings ist das auch nichts unbekanntes, denn alle Unzulänglichkeiten von S21 wurden bereits in den Medien und von den Gegnern veröffentlicht, von der Bahn aber immer dementiert und als Hetze von Fortschrittsgegnern abgetan:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73791925.html

    Man kann diese Unzulänglichkeiten auch als Liste nehmen und nach und nach abhaken was zugegeben wird/wurde.
    Meine Prognose: Ein jeder Punkt trifft zu und in dieser Liste wird man hinter alles einen Haken machen können.

    Interessant in dem Artikel ist auch die Grafik des prognostizierten Bahnverkehrs in der Zukunft: http://wissen.spiegel.de/wissen/image/s…JPG&thumb=false
    (Thema "Magistrale Paris - Bratislava")

    So langsam bröckelt alles an S21 ab und es stellt sich die Frage, auf was solche Veröffentlichungen von Kefer letztendlich mal hinauslaufen werden ;) :D

  • Über S21 wurde natürlich schon von allen möglichen Menschen mehr oder weniger Sinnfreies zu Papier gebracht, zumeist von selbst ernannten oder von interessierter Seite hochgejubelten "Experten", an vorderster Front über den Stern oder die Pleiten-FR. Herr Wüst macht sonst glaube ich hauptsächlich Autotestfahrten für den Spiegel.

  • Achillesferse S21

    Dekoratives Anführungszeichen

    Kefer räumt Defizite in der Unternehmenskultur ein, Großprojekte laufen in Hinsicht auf Kosten- und Terminstabilität unbefriedigend (Zitat: "Bauvorhaben laufen aus dem Ruder"), zu geringe Instandhaltung ins Netz und z.b. bei Brücken, all das führe zu einer Abwärtsspirale. ...
    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schiene…af1555358c.html


    Der Artikel ist eigentlich im Wirtschaftsteil erschienen und nicht mit Bezug auf S21 verfasst. Doch gerade dort hat er einen hohen Wiedererkennungswert. Hier zeigt sich auch das Dilemma für die Bahn, denn Stuttgart 21 wurde zu ihrer Achillesferse. Was früher nur Bahninterna gewesen wäre, wird so zur Schlagzeile in der Stuttgarter Zeitung. Die Bahn wird damit rechnen müssen, dass so lange an S21 gebaut wird, jede Ablaufstörung im Betrieb in den Stuttgarter Meiden breit diskutiert wird und früher oder später auch in den überregionalen ihren Widerhall findet.

    Einmal editiert, zuletzt von Alf (24. November 2012 um 23:48) aus folgendem Grund: Ist natürlich die Ferse von Achilles gemeint und nicht seine Dichtkunst

  • hans.maulwurf
    Informationsvakuum seitens der DB sehe ich jetzt nicht. Ich weiß nicht, ob bei einem Verkehrsprojekt weltweit jemals mehr informiert wurde als bei S21, wenn auch oft nicht ganz freiwilig. Dass sich bei S21 einige Schreiberlinge und "Experten" mit wohlwollender Unterstützung von Politik, einschlägigen Vereinen und Initiativen daran versucht haben und versuchen, mit angeblich immer neuen Skandalen und Skandaelchen zu profilieren nach dem Motto "höha, schnella, weida", liegt irgendwo in der Natur der Sache. Leider leidet da die Qualität meistens darunter, sowie auch der Spannungsbogen, da bei Lichte besehen idR Nachrichtenrecycling und irgendwelcher Blog-Abschrieb.

  • die Bahn werkelt ja gerne eher im Stillen, in so fern von dieser Seite nichts neues.
    Da S21 aber, wie schon lange kein Infrastrukturprojekt davor, sowohl massiv ins Stadtbild als auch in die Finanzhaushalte eingreift, wäre es vermutlich angebracht gewesen das in diesem Falle etwas öffentlicher zu machen und sich nicht alles aus der Nase ziehen zu lassen.
    Nur dadurch entstand/entsteht ja diese enorme Spielwiese, auf denen sich, wie du es nennst und teilweise mit Sicherheit auch stimmt , die "Experten und Schreiberlinge" tummeln können, den die Aufmerksamkeit ist ihnen mit Sicherheit gewiss.

    Wer denn nun Experte ist und wer nur nach Aufmerksamkeit dürstet, erkennen wir hoffentlich dann mitte März, gehe stark davon aus das auch S21 Teil der Untersuchungen der Bahnleute sein wird.

    Ich hoffe auf sachliche Untersuchungen, frei von schwarz/rot/grün/gelben politischen Sturköpfen (Könnte ich aber vermutlich auch gleich an den Weihnachtsmann glauben)