Stadtgespräch Berlin / dies und das

  • Restauration u. Stuckzuschlag

    Ben & Gralsritter.

    Das Vorkriegs Berlin war geprägt von klassische Architektur a la Schinkel, "schwere" Wilhelminische Architektur, pompöse NS Architektur, moderne Architektur (Scharoun) und schwer bestückte Gründerzeit. Im Westen sehr reich detailliert, im Osten mässiger aber auch sehr schön.
    Viele Kirchtürme und Kuppel erhebten sich über die dicht geschlossen Wohnbauten der 4.3 mi Berliner. Aus der Luft die geschlossen Strassenfronten und die vielen geschlossen Hinterhäuser/ Höfe.
    Ein fantastische und sehr harmonische Städtelandschaft.
    Einmalig in der Welt: der 4. grösste Stadt der Welt und nach Paris und London die 3. schönste Stadt der Welt, mit wunderbarer Stadtmitte.

    Leipziger Strasse, Alexander Platz: alles war mit Schöner impossanten Gebäuden umrahmt. Ein fantastische und sehr harmonische Städtelandschaft.
    Schönste Platz: mit grünn belegten Donnhöfplatz mit phantastisch schöne klassische Hertie Fassade!!! Dachgauben wellenartig. Die Harmonie bis in der Himmel. Oder Schloss mit Apotheke, Spree-ufer mit mächtige Domkuppel, Schlossbrücke, Schlosstrasse mit barocke Gründerzeit Eckbauten & kuppel: alles zusammen: ein einzigartiges super Ensemble!!!!!
    Die Farbenpracht war auch wirklich super. Sehe nur die Maquette am Hausvogteiplatz.

    Dasselbe gilt für so mancher Berliner Platz, oder das wunderbarer Stadtkanal mit Brücken und Bauten von das ehemalige romantische Potsdam.

    Heute sind die ausbalancierte Häuserfronten fast allen gesprengt. Die meisen Stuck ersetzt von glatten Putzfassaden. Die Ecktürmchen und Dachreiter verschwunden. Viele offene Baublocks entstanden mit monotone glatte Architektur. Öde leere Räume entstanden. Nur 3,2 mi berliner übrig.
    Schloss, Börse, 24 Kirchen & türme, Bahnhöfe, 6 Warenhäuser: alle Verschwunden. Und Tempelhof?

    Ich kann mich doch sehr gut vorstellen das EINIGES von dieses ehemalige Märchenlandschaft rekonstruiert werden soll und auch kann.
    Ich denke dass die Leute die sich heute am Neumarkt und Frauenkirche staunen dann auch einmal in Berlin sich staunen wollen.

    Dieser sehr imponierende Vergangenheit kann doch nicht für ewig verloren bleiben?????:confused:

  • ^^
    Ich würde es zumindest hassen in einem Architekturmuseum zu wohnen!
    Du sagst es ja schon ganz richtig. Berlin war stets im Wandel und wurde von den verschiedensten Stilen geprägt. Und meiner Meinung nach sollte dieses organische Wachstum des Stadtbildes auch weiterhin prägend für Berlin sein. Gegen die ein oder andere Reko habe ich rein gar nichts, aber die Stadt wieder auf Vorkriegszustand zu bringen ist nicht nur langweilig, sondern auch höchstgradig unfinanzierbar. ;)

  • Was macht dich so sicher, dass es langweilig wär? Wir kennen das Vorkriegsberlin doch gar nicht...Vielleicht würdest du ja den von Veenberger angesprochenen Dönhoffplatz, den man heute ja nur noch erahnen kann, ja zu deinem neuen Lieblingsplatz machen, wenn er rekonstruiert werden würde? Nur ein Gedanke meinerseits...;)

  • Natürlich kann ich es nicht wissen, aber ich finde Berlin gerade aufgrund seiner vielen Kontraste extrem spannend. Eine Stadt muss sich IMO immer weiter entwickeln, um spannend zu bleiben. Eine konservative oder gar reaktionäre (keine Ahnung, ob man diese Begriffe auch in der Architektur anwenden kann ;) ) Stadtentwicklung würde ich hingegen als langweilig empfinden.

  • Schön, dass Ihr den Punkt der Finanzierbarkeit so schnell abgehakt habt und schon bei der Interpretation der funkelniegelnagelneuen Stadt seid. ;) Falls Euch doch noch ein paar Euros fehlen, wir wär' mit Krieg oder mit Steuererhöhungen? Oder noch besser: erst Krieg und dann Steuererhöhungen (oder umgekehrt)?

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ben & Gralsritter.
    Einmalig in der Welt: der 4. grösste Stadt der Welt und nach Paris und London die 3. schönste Stadt der Welt, mit wunderbarer Stadtmitte.

    1920 war Berlin die nach Einwohnern drittgrößte und die flächenmäßig größte Stadt der Welt.

    Weiß jemand wie lange Berlin von der Fläche her am größten geblieben war ? Greater-London wurde in den 60ern gegründet.

  • Veenenberg,

    vielen Dank für diese wunderbare schwärmerische Beschreibung des alten Berlin. Wer Bildbände über den Vorkriegszustand durchblättert (etwa von Max Missmann), kann das hier beschriebene schmerzlich im Bild nachvollziehen. Ein schrecklicher Verlußt in der Tat.

    Jedoch muß ich beipflichten: Das alte Berlin auferstehen lassen zu wollen, ist utopisch und würde auch heutigen Anforderungen nicht gerecht. Eine Stadt muß leben und sich entwickeln. Die Frage ist, welcher Vorbilder sie sich dabei bedient. Und inzwischen werden erfeulich oft die m.E. richtigen gewählt. Kollhoff, Kahlfeldt, Kleihues jr., Patzschke, Nöfer, Graetz u.a. machen es vor, indem sie klassische Formen wählen - ob es die klassische Moderne ist oder ein wirklicher Neu-Klassizismus.

    "Spree-Athen ist tot. Spree-Chikago wächst heran." (Walter Rathenau)

  • Lars, hast du eine bessere Idee zur Finanzierung? Und was den unterstellten Faschismus-Vorwurf angeht: absolut unterirdisch!

  • Weil das schon einmal funktioniert hat. Die Bauwut der Gründerjahre basiert auf der großzügigen Kreditvergabe an Händler, Handwerker und sonstige "einfache" Leute, bestritten aus den immensen Reparationszahlungen, die Frankreich gemäß des Versailler Vertrages von 1871 zu leisten hatte.

    Das hat also nichts mit Faschismus zu tun! Eine Alternative, nämlich drastische Steuererhöhungen, hatte ich auch schon ins Spiel gebracht. Statt mir irgendwelchen Nonsens zu unterstellen und in jedem Winkel des Forums das Lied von der verlorenen, "schönen" Architektur zu singen, die gefälligst schleunigst eins zu eins wiedererrichtet werden müsse, könntest du ja mal einen Finanzierungsvorschlag gucken lassen.

    Übrigens werden meine beiden Vorschläge auch nicht genügen. Man müsste schon zusätzlich die Anschaffung sonstiger neumodischer Güter verbieten (vor allem Autos und ähnlich kostspieliges Zeug), die fähigsten Kopfe aus allen möglichen neueren kreativen Branchen abziehen und sie den Architekten zuweisen sowie die Handwerker verpflichten, ihr Handwerk zu einem bezahlbaren Stundensatz dem Namen nach zu vollbringen (da beißt sich's schon mit der Steuererhöhung :D), will man die Gründerjahre in Sachen Bautätigkeit und nachträglich gefühltem Ergebnis wiederholen.

  • So war das leider damals und nicht nur im Deutschen Reich. Auch Frankreich hat Geld genommen von Dt. für den 1. WK. Aber dafür können ja die Häuser nichts.
    Und deshalb schlägst du vor man solle doch einfach einen neuen Krieg beginnen ?
    Und was das Hohelied auf das untergegangene Berlin angeht: akzepziere doch einfach die Vielfalt der Meinungen.

  • Naja, wenn du meinst, die Forderung nach Wiederaufbau sei nur eine "Meinung" und die Möglichkeiten ihrer Umsetzung nachrangig ... Du hast recht, ich gebe mich geschlagen und das Thema ist beendet.

  • Du musst nicht zynisch werden, es gibt keinen Grund dafür.
    In anderen Städten werden historische Innenstädte doch auch wiedergewonnen und eine Rekonstruktion ist nicht wesentlich teurer als ein Neubau.
    Du versuchst mich in ein Schema zu pressen und mir ein Dogma zu unterstellen, welches ich aber gar nicht habe. Frag doch einfach mal nach anstatt gleich in den Angriff über zu gehen.

  • Ich denke schön länger, dass du vermutest, eine Rekonstruktion sei nicht viel teurer als ein Neubau ;). Woher nimmst du diese Annahme? Und weshalb musste sich Stimmann so mit seiner kritischen Rekonstruktion, den Traufhöhen, Blockrändern und Fassadenvorgaben abmühen, wenn er doch bei angeblich nahezu identischem Aufwand auch eine Total-Rekonstruktion hätte festschreiben können? Mal abgesehen davon, mit welchem Instrumentarium, das einer Demokratie zur Verfügung steht, will man denn sämtliche privaten Haus- und Grundstückseigentümer dazu zwingen, den gedachten Zustand von anno Soundso herzustellen, zu erhalten und zu bewirtschaften?

  • Du brauchst ja nicht das ganze Haus rekonstruieren, sondern nur die Fassade um wieder ein geschlossenes Straßenbild zu erhalten... Darum geht es wohl den meisten. Man braucht keine 1 Meter dicken Wände mehr oder dergleichen. Mir würde schon die Fassade reichen und dafür würde ich sogar ein bisschen Subventionen fließen lassen obwohl ich ein neoliberaler Egoist bin. :D

  • Bisschen Reko hat bisher jedem Straßengesicht mehr genützt als geschadet. Von daher... aber ist natürlich Ansichtssache. Die ganze Rekogeschichte wird hier sowieso zur Übergenüge debattiert.

  • Warum sind denn andere Städte in denen rekonstruiert wird so erfolgreich ? In Dresden hat die neue Frauenkirche die ganze Stadt in Euphorie versetzt und ein großes Stück ihres eigentümlichen Selbstverständnisses zurückgegeben.
    Mich hat immer gewundert das von der Rekonstruktion des Stadtschlosses gesprochen wird, wo doch "nur" die Fassade wiedererstehen wird.
    Die Fassaden des Alten Berlins waren ja relativ zurückhaltend und galten vielen als zu einem zu bescheiden ländlichen Barock! Wenn man wollte könnte man so viel davon wieder erstehen lassen. Wenn Polen das in Warschau, Danzig und Breslau bis heute praktiziert, dann sollten wir in Dt. das auch können. Überhaupt bewundere ich die Polen für ihren großen Respekt vor den Alten Gebäuden in den verlorenen dt. Städten und nicht nur dort.
    Falls das Geld das Hauptproblem dabei ist, dann müssen wir mal darüber diskutieren.
    Die Moderne Architektur hat dann trotzdem immer noch unendlich viel Raum um sich zu präsentieren!
    Übrigens kommt ja Schinkel bei vielen seiner Entwürfe fast ohne Stuck aus.
    Dieses Haus hier am Hausvogteiplatz hat doch Stil:

    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtmo…ktID=442&pl=_18

    auch dieser Neubau gefällt mir:

    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtmo…us=liste&pl=_18

  • Auch wenn Stränge geschlossen werden, so möchte ich doch meine Meinung kund tun und richtig stellen. Berlin wäre nicht erst mit der Installation einer möglichen permanenten Kunsthalle am Humboldthafen auf einer Stufe mit London oder New York was den Kunstmarkt anbetrifft.
    Berlin ist es jetzt schon. Was den Zuzug von Kunstschaffenden angeht, den Aufschwung der Gallerien allen Ortes, der Wahrnehmung Berlins im Ausland, der Auszeichnung zur Unesco-Design-Stadt...
    Deswegen freue ich mich auf die temporäre Kunsthalle auf dem Schloßplatz und einem fixen Ort wo immer der in Berlin auch sein wird. - Das ist alles was ich dazu sagen wollte -