Leipzig: Wilhelm-Leuschner-Platz + Areal an der Nonnenmühlgasse

  • Der Link zum Wettbewerb auf leizig.de zeigt leider keine Visu mehr an, Loidl hat auf deren Webseite auch keine Visu, kann diese jemand ggf. hier als Bild zeigen. Danke

    1.Preis "Ökotopia" von Atelier Loidl


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    Außerdem dürfte sich das Naturkundemuseum sehr über das viele Grün in seiner Umgebung freuen.

    Über die auf dem Dach geplanten Bäume dürfte man sich eher wundern. :eek:

    ...aber auch auf den "Lesebrunnen" darf man gespannt sein.


    Ein mit Anerkennung versehener Entwurf von Lohaus Carl Köhlmos orientiert sich ein wenig am alten Königsplatz:


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    Inwieweit sich die "Stadtplanung" der letzten Jahre hier von ihrer kompetentesten Seite zeigt, mag jeder selbst beurteilen, wenn man sich daran erinnert, dass zunächst annähernd die Form des Königsplatzes wiederhergestellt werden sollte, dann plötzlich eine riesige "Freifläche für den Weihnachtsmarkt" benötigt wurde und jetzt die vorhandene Begrünung überwiegend zerstört wird, aber zum Ausgleich in 40-50 Jahren ein wahres Ökotopia entstehen könnte...


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    oben jetzt, unten "Ökotopia" von Atelier Loidl:


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    Es gab aber auch noch ganz andere Varianten:


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  • Ein mit Anerkennung versehener Entwurf von Lohaus Carl Köhlmos orientiert sich ein wenig am alten Königsplatz:

    Da gefällt mir der Loidl-Entwurf deutlich besser. Ich werde mir morgen im Stadtbüro mal die anderen Beiträge ansehen. Naturkundegarten, Urban-Sports-Anlage und die Höhenunterschiede sind als Ideen beim Siegerentwurf schon mal positiv hervorzuheben. Die langen Bänke um die grünen „Inseln“ finde ich stark und laden bestimmt zum Verweilen ein (hätte mir hier aber eher Sitzauflagen aus Holz gewünscht). Toll auch der Lesebrunnen vor der Bibliothek. Im Großen und Ganzen stimmt auch die räuml. Aufteilung. Die jahrhundertealte Sichtachse über Esplanade/Königsplatz hätte ich einen tick weiter ausgeformt und um die Sache richtig rund zu machen anstelle der Revolutions-Wiese einen kleinen steinernen (Mosaik)Platz verortet umgeben von Bänken und in der Platzmitte einen Brunnen. (Den Brunnen in den Umrissen der DDR und die Wasserfontäne an der Stelle wo Leipzig liegt um gleich als Freiheits-und Einheitsdenkmal zu fungieren ^.^). Just kidding aber einen großen Brunnen an der Stelle fände ich schon ziemlich stimmig. Ein ganz großer benefit der Umgestaltung generell ist, dass der Verkehrsraum vorm ehem. Grassi aufgelöst und in einen nahtlosen Übergang zum restlichen Platzraum transformiert wird.

    Hier mal Bilder von dieser Woche auf denen man die aktuellen Defizite erkennt:

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    Klar, können da zukünftig keine Motorkutschen mehr "abkürzen" aber das Stadtbild profitiert definitiv.


    Bonusblick über deserto de asfalto aka ehem. Königsplatz

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    Eigene Bilder

  • Ich habe mir heute u. a. für die Eröffnung extra einen Tag frei genommen. Die meisten Büros hatten offenbar verstanden, dass eigentlich ein Park gewünscht war und weniger ein Platz. Das Siegerbüro Atelier Loidl hat seine Herangehensweise so erklärt [nicht 100% wörtlich zitiert]:


    Man habe mit der Betrachtung des Königsplatzes begonnen, sich auch mit den benachbarten Anlagen von Lenné beschäftigt. Bei der Analyse habe man dann herausgearbeitet, dass der Leuschner an den Promenadenring andocke, jedoch nicht ein Teil des Rings sei. Darin habe man die Legitimation gesehen, ihn völiig frei und kreativ zu planen. Man finde es schade, dass der attraktive Teil der derzeitigen Fläche, nämlich die mit Bäumen und Sträuchern bewachsenen Areale, auf Null gesetzt werde, während der brachliegende Teil erst eine Entwicklung nehmen müsse. Daraus habe man den methaphorischen Gedanken eines "Wanderns" entwickelt. Man wolle landschaftarchitektonisch zitieren, was sich auf dem östlichen Teil bereits von selbst entwickelt habe. In diesem Sinne habe man "alles auf eine Karte gesetzt" und die Idee so konsequent wie möglich umgesetzt.


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    Ein Lichtkozept war offenbar gefordert, der Sieger hat es etwas oberflächlicher ausgearbeitet als manch Mitbewerber. Ich finde, das kann aber auch gut später in der Feinplanung bearbeitet werden. Interessant finde ich die Konzeption verschiedener Lichtfarben:


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    Nebeldüsen für heiße Sommer, den Kiosk, den Naturkundegarten oder den Spielplatz unter Verwendung des geschlagenen Holzes von nebenan finde ich schöne Ideen:


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    Die Baumauswahl sind aktuell nur Vorschläge, die erst noch konkretisiert werden. Die Pappeln sollen eine Referenz an den alten Königsplatz (um 1840) sein. Die Vorprüfung der Bestandsbäume auf den Baufeldern hat laut Verantwortlichem der Stadtverwaltung ergeben, dass 13 Bäume prinzipiell verpflanzt werden könnten. Dies müsse aber noch genauer untersucht werden, vor allem, da der Untergrund (Trümmerteile) schwierig sei. Große Bäume könnten (angeblich) nicht verpflanzt werden.


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    Über die auf dem Dach geplanten Bäume dürfte man sich eher wundern.

    Fast alle der eingereichten Entwürfe haben auf den gleichen drei Stellen des Daches des Naturkundemuseums Bewuchs eingezeichnet. Ich vermute mal, das ist Vorgabe der Architekten von W&V, siehe auch deren Modell.


    Apropos: Für besagtes Dach muss dieser schöne Lüftungsschacht des Bowlingtreffs weichen:


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    Ich hoffe, dass dieser (auch denkmalgeschützte?) Vertreter der Postmoderne anderweitig verbaut wird. Vielleicht wieder als Technikaufbau...



    2. Platz:


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    Es gab durchaus dem Sieger ähnelnde Entwürfe, zum Beispiel auch den Zweitplatzierten. Aber Atelier Loidl besticht tatsächlich durch die Konsequenz, die innewohnende Freude und auch die Detailiertheit des Entwurf.


    3. Platz:


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    Anerkennung:


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    Anerkennung:


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  • Danke Ziegel für die Mühe und den ausführlichen Bericht.


    Von den Entwürfen hätte mir die Anerkennung Köhlmos am besten gefallen, die Sichtachse und Herausstellung der Stadtbibliothek kommt durch die Nachfassung des ehemaligen Königsplatzes am ehesten zur Geltung. Trotzdem ist dem Siegerentwurf auch viel Gutes abzugewinnen. Die parkähnliche Gestaltung als Mischung von Linnéanlage und Clarapark kann viel Leben in das Gebiet bringen. Ein etwas größerer gastronomischer Außenbereich ist auf dem Platz aber in keinem Entwurf vorgesehen, sehe ich das richtig? Trotz des zu erwartenden hohen Besucherstroms und der mangelnden Alternativen in unmittelbarer Nähe?

  • Global Hub


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    schulz&schulz


    Wie angekündigt haben an der Grünewaldstraße die Abbrucharbeiten an den Kellern der ehemaligen Markthalle begonnen, in Vorbereitung auf die Tiefbauarbeiten für das neue Forschungsgebäude:


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    ©555Farang

  • Eigentlich bin ich ein großer Freund von Sichtachsen. Daher habe ich mich mal selbst hinterfragt, warum mir das an diesem Ort so egal ist. Und kaum war ich am Leuschner und habe mir das alles mal mit Bewusstsein angeschaut, war es mir sofort klar. Die Sichtachsen sind mir jetzt noch egaler, wenn das überhaupt geht. :D


    Von dieser Position aus (Blick aus Innenstadt und S-Bahn kommend) haben Loidl eine Sichtachse eingezeichnet:


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    Ich glaube aber nicht, dass die vielen Masten in den nächsten Jahrzehnten verschwinden werden. Immerzu fahren Straßenbahnen durchs Bild, man ist vollauf beschäftigt, die Ampelphase oder die einfahrende Tram zu erwischen und dabei nicht überfahren oder angerempelt zu werden. Der Genuss von Sichtachsen ist unter diesen Bedingungen äußerst erschwert.


    Blick von der Tram kommend:


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    Dieser Blick wird tatsächlich durch Bäume "verstellt". Dies wäre allerdings bei keinem Entwurf anders gewesen. Auch die Anerkennung (Entwurf Lohaus Carl Köhlmos), welche den alten Königsplatz zitiert, macht da keine Ausnahme.


    Blick vom Bowlingtreff/Naturkundemuseum kommend:


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    Dort, wo jetzt zarte Bäumchen stehen (und vielleicht sogar stehen bleiben dürfen), werden weitere Bäume gepflanzt. Rechts vom Passanten soll der Spielplatz entstehen. Die Sichtachse zur Bibliothek ist ohnehin schon durch die S-Bahn-Station verpfuscht. Spannend wird der Blick zu dem schönen Gebäude links davon, über das ich leider nichts weiß (ist bestimmt im Rahmen des "Nationalen Aufbaus" in den 1950ern entstanden). Im Entwurf ist davor eine kleine Bauminsel am Ende des Weges eingezeichnet, die ich nicht überzeugend finde. Lieber würde ich mir wünschen, dass die Baumalleen der Windmühlenstraße ein Stück weiter nach Norden gezogen werden. Es hieß, solche Entscheidungen seien Teil der Feinplanung, die auch verkehrlich funktionieren müsse.


    Blick zum künftigen Institut für Länderkunde:


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    Die Baumreihe rechts im Bild (Windmühlenstraße) bekommt Verstärkung durch eine weitere Baumreihe, die wohl dort stehen wird, wo aktuell der blaue Bauzaun zu sehen ist. Knapp bis zur Kante der Brüderstraße in der Bildmitte soll nachgepflanzt werden. Schön fände ich es, wenn bis direkt zur Fluchtlinie Brüderstraße Bäume stehen. Die Brüderstraße selbst erhält auch reichlich Baumpflanzungen und mittig eine Sickermulde.


    90 Grad-Winkel nach links, Richtung Zentrum, künftiger Weg von der Stadtbibliothek Richtung Naturkundemuseum:


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    Der Uni-Riese wird Point de vue, rechts, wo jetzt Bäume stehen, sollen Markthalle und Co stehen, die S-Bahn-Station wird durch Stadtgrün verdeckt.


    Blick von der Brüderstraße zum B-Bahn-Eingang:


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    Das ist für mich die große Überraschung bei der Beschäftigung mit dem Entwurf: diese Sichtbeziehung zum Rathausturm bleibt erhalten! Google Maps und ein Lineal bestätigen das. ;) Links der Station führt künftig ein Weg diese Richtung entlang. Man muss zudem bedenken und sieht es hier auch: nur Bäume, die nah zum Betrachter stehen, verdecken die Sicht auf Türme.


    (eigene Fotos)

  • Mein Unwissen zum 1950er-Jahre-Bau links der heutigen Stadtbibliothek hat mich jetzt doch etwas geärgert. Daher das Zitat aus der Denkmalliste:


    Zitat

    "[...] baugeschichtlich, städtebaulich und ortsgeschichtlich von Bedeutung [...] Der Neubau der 1950er Jahre ist in deutlicher Anpassung an die Fassade des alten Grassi-Museums errichtet: Über dem Sockel in schwerer Bossenquaderung, der den rundbogigen Durchgang zur Ernst-Schneller-Straße aufnimmt, greifen die über fünf Obergeschosse reichenden Kolossallisenen das Gliederungsprinzip des Museums auf. Auch sie stehen auf "Postamenten" mit figürlichen Flachreliefs, qualitätvollen Beispielen von Kunst am Bau der frühen 1950iger Jahre, geschaffen vom Leipziger Bildhauer Alfred Thiele (Gießer, Bäuerin, Spinnereiarbeiterin, Bergmann). Der bewußte Tradionalismus dieses Baus äußert sich auch in der Gestaltung des Obergeschosses, das nach alten Vorbildern durch Gesims ausgeschieden und mit Rudbogenfenstern ausgestattet ist."


    Baujahr ist 1954.


    Quelle: https://denkmalliste.denkmalpf…achsen.aspx?Hinweis=false


    Und damit komme ich zu weiteren Stadtbildern, die ich wirklich stimmungsvoll und erhaltenswert finde.


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    Rechts im Bild ein 140 Jahre alter Silberahorn. Laut Verwaltung kein Naturdenkmal, da "bereits ein Ast verschnitten wurde und wahrscheinlich Eingriffe in den Wurzelraum geplant sind".


    Mal abgesehen von der inneren Unlogik dieser Begründung lieferte der Fachbereichsleiter im Stadtplanungsamt auf der Vernissage eine ganz andere, viel plausiblere Rechtfertigung für das Absägen: Das "Forum Recht" rage dort mit einer Ecke hinein und plane ohnehin schon an der Unterkante seines Flächenbedarfs. Daran sieht man, wie sinnlos knapp und null weitsichtig hier geplant wird und vor allem wie unflexibel das Vorgehen ist. Die Planungen stünden seit langem fest, dazu gebe es Stadtrats- und Bundestagsbeschlüsse. Das könne man nicht mehr ändern.


    Das im Bau befindliche Museum am Kulturforum in Berlin finde ich wenig überzeugend, aber dass man dort um eine 140 Jahre alte Platane herumbaut, ist schlicht und ergreifend cool. Umgeplant hat man dort trotz allerlei Beschlüssen, um den Bau umweltfreundlicher zu gestalten. Wo ein Wille, da ein Weg.


    Eine Umpflanzung des Leipziger Silberahorns sei wegen des großen Wurzelwerks angeblich auch nicht möglich. Alles über Stammumfang 1 Meter ginge nicht. Aha:


    Zitat

    Mit unserem innovativen und weltweit einzigartigen Verfahren zur Größtbaumverpflanzung ist es nun möglich jeden vitalen Baum zu verpflanzen – egal wie groß er ist.

    Quelle: https://www.opitz-internationa…/groesstbaumverpflanzung/


    Der Vertreter der Stadt führte die Größe des Wurzelballens und die Trümmerteile im Boden als Hindernisse an. Die Spezialmaschinen für Umpflanzungen würden keine sehr großen Bäume und schwierigen Böden bewältigen. Offenbar kennt er das Verfahren für Größtbäume nicht, bei dem beides kein Hindernis ist. Ich frage mich, wie ernst dIe Stadtverwaltung den Prüfauftrag für Umpflanzungen nimmt, welchen ihr der Stadtrat 2022 aufgetragen hat.


    Ganz rechts im Bild ein weiterer Baum, der weichen soll:


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    Ich sehe voraus: Wenn Forum Recht und Juristenfakultät an der Unterkante ihres Flächenbedarfs planen, wird das Gebäude schon bei Einweihung zu klein sein. Dann sollte man allein schon aus diesem Grund umplanen.


    Der Brunnen wird erhalten und erinnert, fast wie ein Mahnmal, selbst an einen stählernen Baum. Regionaltypisch ist die Verwendung des Rochlitzer Porphyrtuffs für Schale und Kugel. Die "umgebende Freiflächengestaltung" steht als Nebenanlage ebenfalls unter Denkmalschutz. Nebenfrage: ist das entzückende Betonpflaster im Wellenverbund original aus 1987?


    Die schöne Baumreihe im Hintergrund wird auch nicht mehr gebraucht:

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    Die terrassierte Gestaltung finde ich reizvoll und hoffe auf eine ansprechende Sanierung:


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    Hier habe ich mal meinen Rucksack (Höhe 45 cm) neben einen der zerteilten Stämme gestellt, die am Wegesrand aufgereiht wurden. Als Größenvergleich.


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    Ich weiß nicht, ob die etwas makabere Zurschaustellung der Fällergebnisse dazu gedacht ist, als Totholz für Insekten das ökologische Gewissen zu beruhigen.

  • Ach so, noch eine Erklärung, warum ich den Strang mit so vielen großen Bildern vollballere (außer dass ich nicht rauskriege, wie man Thumbnails einbindet):


    Die Zuständigen in der Stadt sind am Onlinestellen der Entwürfe gescheitert, weil diese nicht barrierearm aufbereitet sind. Da geht es zum Beispiel um ausreichenden Kontrast. Für öffentliche Dokumente gilt schon seit einigen Jahren eine EU-Richtlinie (was ich auch gut finde) und jetzt ist es mal aufgefallen, weil offenbar eine technische Hürde eingebaut wurde, die verhindert, dass entsprechend mangelhafte Dokumente gar nicht erst online gehen.


    Die zuständigen Mitarbeiter wurden in ihrem Trott kalt erwischt und haben versprochen, die Wettbewerbsbeiträge, ebenso beim Matthäikirchhof, vollständig online zu stellen, sobald sie so weit sind, und zwar in [zutreffendes eintragen] Jahren.


    Einer der Teilnehmer beim Matthäikirchhof hat das ganz nüchtern kommentiert: wenn bei der Auslobung darauf hingewiesen würde, könnte man die Unterlagen gleich entsprechend aufbereitet einreichen.


    Auch für Nicht-Behinderte und die Jury fände ich kontrastreiche, leicht verständliche Einreichungen hilfreich. Vielleicht würde das sogar die gängigen Tricksereien der Architekten ein wenig eindämmen helfen.

  • Zum Thema Sichtachsen und Fake-Visus wäre noch anzumerken...

    Global Hub


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    schulz&schulz


    ...dass im Zusammenhang mit der Errichtung des Global Hub der Rathausturm auf etwa 200m erhöht werden soll. :cool:




    (gleicher Standort, einmal überblendet und einmal als Ausschnitt eingefügt)


    Das Siegerbüro Atelier Loidl hat seine Herangehensweise so erklärt:


    Man finde es schade, dass der attraktive Teil der derzeitigen Fläche, nämlich die mit Bäumen und Sträuchern bewachsenen Areale, auf Null gesetzt werde, während der brachliegende Teil erst eine Entwicklung nehmen müsse.

    Hat ein verantwortlicher Stadtmensch auf diese recht deutliche (und nur allzu berechtigte) Kritik in irgendeiner Form reagiert?


    Spannend wird der Blick zu dem schönen Gebäude links davon



    ...das Pendant zur Rechten:



    Es hätte auch so aussehen können:



    Pläne aus den 50ern, die nicht vollendet wurden, obwohl es sich um eine vergleichsweise kleine Baumaßnahme gehandelt hat...


    Das könnte jetzt ungefähr so aussehen:


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    Ich hoffe ja immer noch auf die Dachreko bei der Stadtbibliothek.


    Ohh... sorry!



    Aktueller Zustand:



    Nunja, noch ist nicht aller Tage Abend...



  • Hat ein verantwortlicher Stadtmensch auf diese recht deutliche (und nur allzu berechtigte) Kritik in irgendeiner Form reagiert?

    Herr Dienberg hat in seiner Rede angesprochen, dass er und die Verwaltung im Stadtrat heftig attackiert wurden und dass es auch viel Kritik aus der Gesellschaft gegeben habe. Die Baufelder müssten aber so bebaut werden wie seit 30 Jahren geplant. Der Freiflächen-Wettbewerb zeige, dass man sich der Kritik angenommen habe.


    Es hätte auch so aussehen können

    Wenn die Architektenschaft so weiter macht, werden ihre Erzeugnisse weiterhin nach höchstens 40 Jahren abgerissen. Dann kann man ja die alten Pläne rausholen und die Ecke noch bauen. ;)


    Die Dachrekonstruktion der Bibliothek würde doch ein wunderbares Depot schaffen. Schließlich wachsen die Bestände. Der Ziergiebel könnte zur Not mithilfe von Spenden cofinanziert werden (obwohl es mich immer ärgert, wenn für die Zier die Allgemeinheit um Hilfe gebeten wird. Das ist Aufgabe des Bauherrn und sollte es im öffentlichen Bewusstsein auch sein - Stichwort Baukultur).

  • Es hätte auch so aussehen können:


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    Pläne aus den 50ern, die nicht vollendet wurden, obwohl es sich um eine vergleichsweise kleine Baumaßnahme gehandelt hat...

    Hast Du eventuell eine Quelle für diese Pläne in Form einer Veröffentlichung?

  • Herr Dienberg hat in seiner Rede angesprochen, dass er und die Verwaltung im Stadtrat heftig attackiert wurden und dass es auch viel Kritik aus der Gesellschaft gegeben habe. Die Baufelder müssten aber so bebaut werden wie seit 30 Jahren geplant. Der Freiflächen-Wettbewerb zeige, dass man sich der Kritik angenommen habe.

    Es mag ja sinnvoll sein, zumindest einen Ersatz für den Kahlschlag zu planen, warum das alles aber genau so sein muss, bleibt wie so oft unbegründet und unverständlich...


    Wer dem Stadtrat den Floh ins Ohr gesetzt hat, dass Leipzig unbedingt einen unförmigen Riesenplatz benötigen würde, blieb leider unklar. Konsens bestand aber darüber, dass es durchaus möglich ist, die S-Bahn für die Königsplatz-Variante zu überbauen.


    Herr Lunebach favorisiert jedoch die Planung nach aktuellem Beschluss, zwar wäre ein neuer Beschluss in dieser Frage nicht ausgeschlossen, aber es wurde der Eindruck vermittelt, dass dies sehr unwahrscheinlich (und wohl auch nicht gewollt) ist.

    ...und dann noch so tun, als ob es seit 30 Jahren eine stringente Planung für den Leuschnerplatz gegeben hätte. :nono:


    Hast Du eventuell eine Quelle für diese Pläne in Form einer Veröffentlichung?

    ...ich stecke gerade mit beiden Armen in der Wäsche! :eek:


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    Der Entwurf wurde in der Ausstellung zur DDR-Architektur im Stadtgeschichtlichen Museum gezeigt

    (da war übrigens auch die weiter oben gezeigte "Variante zum Leuschnerplatz" zu sehen).


    Im dazugehörigen Buch gab es folgende Beschreibung:


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    Außerdem habe ich in der Truhe mit den alten Bildern noch ein paar Easter Eggs gefunden...


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    Oben ein erster Entwurf für's Grassi-Museum, dann der umgesetzte Entwurf, wobei einige Details noch gestrichen wurden...


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    Abschließend eine nach Hinweisen aus dem Gestaltungsforum überarbeitete Visu:


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    ...manches sieht man erst auf den zweiten Blick - und dann stört es doch irgendwie. :zunge:

  • [...] Dass Leipzig neben dem Augustusplatz weiteren Bedarf für einen großen steinernen Platz hat sehe ich nicht. [...]


    Was so überhaupt nicht korrekt ist. Es gibt einen sehr großen Bedarf an einem weiteren größeren Stadtplatz in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt bzw. in der erweiterten Innenstadt. Das wird so auch vom Marktamt bestätigt. Da durch die vielen Veranstaltungen etc., Märkte usw. immer wieder ausweichen müssen. Darüberhinaus ist es auch nicht unbedingt förderlich für ein Stadtgefühl, wenn eine unbestimmte Nutzung von öffentlichen Platzflächen durch die zigste Veranstaltungsphase verhindert wird. Der Markt zB ist ja gefühlt über Monate zugestellt. Mit dem Augustusplatz sieht es nicht so sehr anders aus.

  • Tatsächlich bin ich immer noch nicht vom Siegerentwurf überzeugt. Die gewollte Kleinteiligkeit und kleinen Räume, mit zB. Spiel- und Sportplatz, machen den zukünftigen Platz eher zu einem Quartiersplatz. Dieser könnte genau so in einem Wohnquartier stehen. Was grundsätzlich natürlich eine Gestaltungsentscheidung ist. Ich aber nicht denke, dass es dort passend ist. Mir fehlen trotz genauerer Visualisierungen immer noch Beziehungen zur Lage des Platzes an der Ringstraße und den Gebäuden. Auch dabei ist der Bruch eine bewusste Entscheidung. Aber für mich nicht stimmig. Mir fehlt einfach eine Stadtraum bezogene Weite und Sichtbeziehungen.




    PS: die Baumgruppen-Bezeichnungen sind hoffentlich nur Platzhalter.

  • Was so überhaupt nicht korrekt ist. Es gibt einen sehr großen Bedarf an einem weiteren größeren Stadtplatz in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt bzw. in der erweiterten Innenstadt. Das wird so auch vom Marktamt bestätigt. Da durch die vielen Veranstaltungen etc., Märkte usw. immer wieder ausweichen müssen. Darüberhinaus ist es auch nicht unbedingt förderlich für ein Stadtgefühl, wenn eine unbestimmte Nutzung von öffentlichen Platzflächen durch die zigste Veranstaltungsphase verhindert wird. Der Markt zB ist ja gefühlt über Monate zugestellt. Mit dem Augustusplatz sieht es nicht so sehr anders aus.

    Das ist dann wohl eher eine Frage des Veranstaltungsmanagements, nicht der Stadtplanung.