Mieterinnen müssen zum Teil wieder Maklerprovisionen zahlen
Ich hatte nun auch endlich Gelegenheit, mir den LVZ-Artikel anzusehen.
LVZ, 9.1.2013
Leipziger Wohnungsmarkt: Mieter müssen wieder Provision zahlen
Makler vergeben schon fünf Prozent nur noch mit Courtage / Steigende Tendenz auch in Dresden
Aufhänger für den Artikel ist der Bericht eines 32-jährigen Familienvaters, der kürzlich eine frisch sanierte Wohnung in Schleußig besichtigt hatte und dort 1.500 Euro Courtage zahlen sollte. In dem Zusammenhang unternahm die LVZ wohl eine Blitzumfrage bei Leipzigs Makler_innen, die ergab, dass bereits knapp fünf Prozent der Mietwohnungen mit sogenannten Außenprovisionen umgesetzt werden. Als Außenprovision werden in der Immobilienbranche die Provision, Courtage, Maklergebühr ... bezeichnet, die der Käufer oder der Mieterin an den Makler bei der erfolgreichen Vermittlung einer Immobilie zahlen muss. Dagehen bedeutet Innenprovision, dass der Verkäufer oder die Vermieterin das Honorar der Maklerin trägt. Anke Matejka vom Leipziger Mieterverein erklärt, dass bis zu zwei Kaltmonatsmieten erlaubt sind. "Außenprovisionen dürfen aber wirklich nur Makler nehmen, für Hausverwaltungen oder den Eigentümer ist das verboten."
Andreas Köngeter, der einer der größten Wohnungsmaklerbüros in Leipzig betreibt, sagte, sein Büro im Musikviertel habe im letzten halben Jahr 140 Mietverträge vermittelt, davon fünf mit Außenprovision. "Das ist völlig neu und war zu Zeiten der hohen Leerstände undenkbar. Nunmehr bestehen aber einige Hausbesitzer darauf." Peter Zamarski, der Chef von Dima Immobilien, spricht ebenfalls von einem erst im letzten Jahr einsetzenden Trend und "jetzt knapp fünf Prozent". Er glaubt sogar, dass bald für jede fünfte Wohnung auf dem freien Markt eine Mieter-Courtage fällig werden könnte. Uwe Schatz von der Firma "Der Immo Tip" nennt für Leipzig ebenfalls eine Quote von fünf Prozent. Stellung nahm auch Jürgen Stahl, Inhaber von Dr.-Stahl-Immobilien: "Wenn die Interessenten im Hausflur Schlange stehen, fragt sich der Eigentümer, weshalb er die Kosten für Werbung, Bonitätsprüfung, Besichtigungen oder den Vertragsabschluss noch selbst tragen soll."
Diese Außenprovisionen würden laut Stahl bislang in wenigen Objekten in Leipzigs Top-Lagen wie Gohlis-Süd, Waldstraßenviertel, City, Musikviertel, Südvorstadt und Schleußig fällig. "Es kommt immer auf den genauen Ort an. Es gibt Ecken im Musikviertel, wo niemand Courtage zahlen würde. Zum Beispiel in der Schwägrichenstraße geht aber schon fast nichts mehr ohne." Unklar ist mir, wie die geringe Zahl der TOP-Objekte mit der von seinen beiden Kollegen genannten Zahl von bereits jetzt 4-5 % der Fälle (und in Zukunft möglicherweise 20 %) zusammenpaßt. Eine Erklärung könnte dabei sein, dass in den "normalen" Stadtvierteln häufig noch direkte Verträge zwischen Hausverwaltung bzw. Eigentümerin und Mieter abgeschlossen werden und keine Maklerinnen eingeschaltet werden.
Abschließend zieht die LVZ einen Vergleich mit den beiden anderen Großstädten in Sachsen: Laut Uwe Schatz liegt die Quote zur Zeit in Dresden bei zehn und in Chemnitz bei einem Prozent mit überall steigender Tendenz. Wie immer beim Thema Wohnen heißt es zum Schluß, dass Zustände wie in Jena oder in den alten Bundesländern, wo die Makler fast ausnahmslos bei den Mieterinnen kassieren, in Sachsens Großstädten noch lange nicht in Sicht seien.