S21: Grundsatzdiskussion forever

  • @ stutt


    Trotz allem frage ich mich folgendes:


    a) Warum müssen Kinder und Jungendliche für den Protest gegen S21 mobilisiert werden?


    b) Warum dürfen Schüler um 10:00 Uhr morgens, also während der Schulzeit auf eine Demonstration? Waren Lehrer dabei? Haben die Eltern ihre Zustimmung gegeben? Haben die Schulen ihre Zustimmung gegeben oder haben die Schüler die Schule geschwänzt?


    c) Auf der Seite der Parkschützer stand schon Mittwoch Mittag, dass für den nächsten Tag ein Großeinsatz der Polizei im Schlossgarten stattfinden wird. Wieso haben die Veranstalter darauf nicht reagiert und die Schüler Demo abgesagt? Wieso haben Eltern ihren Kindern nicht untersagt auf diese Demonstration zu gehen?


    d) Zum Zeitpunkt des Beginns im Schlossgarten waren die Schüler noch in der Lautenschlagerstraße und wurden durch den Parkschützeralarm vom anrücken der Polizei informiert. Wieso hat die Schüler niemand aufgehalten in den Schlossgarten zu rennen und ihnen gesagt, dass es im Schlossgarten zu gefährlich sein wird und sie bitte zurück in die Schulen gehen sollen? Hat da jemand seine Aufsichtspflicht verletzt?


    e) Wieso wurden von den vielen anwesenden Erwachsenen die Schüler nicht aufgehalten Sitzblockaden zu bilden und Polizeifahrzeuge zu besetzen? Und das alles in der ersten Reihe?


    f) Wie kann es sein, dass Schüler von den Parkschützern mit Megafonen eingewiesen werden, wie man sich bei einer Sitzblockade zu verhalten hat? (habe ich im TV gesehen, waren glaube ich die Tagesthemen)


    Es wurden sicher auf beiden Seiten massive Fehler gemacht. Die Schuld ausschließlich auf die Regierung und die Polizei zu schieben ist falsch.


    Ich stimme mit dir überein, dass man gegen Kinder und Jugendliche nicht mit Wasserwerfern und Pfefferspray vorgehen darf, jedoch habe ich das Gefühl das kam den Gegnern und vor allem den Grünen äußerst gelegen. Oder wie erklärst du dir, dass auf der Demo am Freitag von den Rednern Sätze wie "wir sind alle unglaublich stolz auf die Jugendlichen, die sich der Polizei in den Weg gestellt haben" gefallen sind?


  • Ich enthalte mich der Beleidigungen, die hier üblich zu sein scheinen, auch gegenüber Ihnen, damator.


    Na da bin ich aber froh. Nur wo haben wir jemanden direkt beleidigt? Bitte ein paar Beispiele nennen.


    das Stuttgarter Ordnungsamt ist unterwandert


    Blödsinn. Wer erzählt denn sowas? Verschwörungstheorien gehören hier nicht her und ich bin mir sicher, dass keiner hier so was schreiben würde.


    die 'Stuttgarter Zeitung' ein Tendenzblatt, der genehmigte Zielpunkt Schlossgarten ein ganz anderer Schlossgarten als der, in dem die Polizei zugange war, die linken Lehrer haben die Kinder aufgehetzt, die Polizei tut nur ihre Pflicht, die Polizei wurden von den Schülern mit Pflastersteinen und Reizgas angegriffen oder zumindest mit Kastanien beworfen und wer gegen den Fortschritt ist, spürt eben den Knüppel.


    Marco ist ja teilweise schon drauf eingegangen. Ansonsten würde ich Vorschlagen, diese Detaildiskussionen wo anders zu führen. Wenn du fragen zum Projekt hast, dann lies erst die anderen Threads mit ein paar tausend Einträgen durch und leg dann los.


    Schließlich sind Sitzblockaden Gewalt, da kann das Bundesverfassungsgericht sagen, was es will, wo kommen wir denn dahin.


    Soweit ich weiss, sind Sitzblockaden Nötigung und das Bundesverfassungsgericht hat glaube ich nur geklärt, dass Autofahrer Behinderungen durch Demos akzeptieren müssen. Aber auch nur bis zu einem gewissen Grad. Nötigung ist nicht einfach mal eine kleine Ordnungswidrigkeit, sondern ein Straftatbestand mit bis zu drei Jahren Knast.


    Denn, was einmal beschlossen wurde, muss durchgesetzt werden


    Diese Diskussion hatten wir glaube ich auch schon weiter oben, lies doch bitte die Einträge wenigstens quer oder denk mal über die größeren Konsequenzen nach.
    Die Verträge sind schon lange unterschrieben und daher gilt die Vertragstreue in Deutschland, die eines der höchsten Güter ist. Wenn wir diese die Toilette runterspülen, nur weil viele nicht rechtzeitig ihren Einspruch erhoben haben, dann können wir uns gleich selbst abschaffen. Die Vertragstreue des Staates steht in einem solchen Fall höher. Der Staat hat immer die unterschriebenen Verträge zu erfüllen. Ansonsten würde Deutschland von keinem mehr Kredite erhalten und wir wären schneller pleite, als die Gegner den Park plattmachen könnten.


    Und nun zum gefühlten tausendsten Mal: das Volksbegehren/der Volksentscheid (kann das nie auseinanderhalten) wurde glaube ich unter anderem mit dieser Begründung abgeschmettert.


    je nach Ideologie weil weder 'Ochs noch Esel den Lauf des Sozialismus aufhalten' oder eben bis 'zum Endsieg'.


    Du hast hoffentlich nicht beabsichtigt, uns hier implizit als Radikale zu beleidigen, oder? Vor allem mit dem letztgenannten Vergleich musst du bei mir sehr vorsichtig sein, da kann ich sehr schnell sehr unangenehm werden. Lass also in Zukunft doch bitte irgendwelche Ideologien oder ideologische Vergleiche beiseite. Danke.

  • Eine Konsequenz dieser ganzen verfahrenen Situation wird sein, dass in Deutschland Großprojekte innerhalb von Großstädten viel schwerer durchzusetzen sein werden. Die Politik wird sich auf lange Zeit hüten analog wie bei Stuttgart 21 ihre Finger zu verbrennen. Ich bin mal gespannt, wie das ganze in 10-20 Jahren in der Bevölkerung gesehen wird.

  • stutt
    ok, das mit der Schülerdemo scheint also korrekt angemeldet gewesen zu sein, was natürlich noch lange nicht die Art der Demonstration legalisiert. Meine Information beruhte auf einem Flyer, der die Schülerdemo für die Lautenschlagerstraße ankündigte. Deshalb ging ich davon aus, dass sie nicht auch noch im Schlossgarten stattfindet. Weiterhin ist mein Beitrag deutlich vor dem verlinkten Zeitungsartikel geschrieben worden und zu dem Zeitpunkt war noch nicht alles so "eindeutig"


    ich enthalte mich der Beleidigungen, die hier üblich zu sein scheinen, auch gegenüber Ihnen, damator


    Na dann bin ich aber froh. Allerdings verwahre ich mich dagegen hier irgendjemand beleidigt zu haben.


    Denn, was einmal beschlossen wurde, muss durchgesetzt werden, je nach Ideologie weil weder 'Ochs noch Esel den Lauf des Sozialismus aufhalten' oder eben bis 'zum Endsieg'.


    Zeigt auch mal wieder schön was für ein Unsinn alles auf ein BAHNPROJEKT projeziert werden kann. Seltsamerweise kommen diese ideologischen Formulierungen eigentlich immer von Gegnerseite.


    Bereits am 24. September, so eine Aktennotiz von Nastold, hat das Amt die Polizei über die geplante Demonstration informiert. "Die war einverstanden mit Aufzugstrecke und Verlauf", so Nastold. Die Veranstaltung wurde mit kleinen Auflagen genehmigt."


    Da geb ich dir Recht hier ist dann was schief gelaufen. Das größte Fehler ist dabei, dass man überhaupt eine Schülerdemo Vormittags genehmigt. Interessant fände ich auch, welche Rolle die Lehrer hierbei gespielt haben. Falls diese Schulklassen dorthin geleitet haben, sollten diese abgemahnt werden, da sie ihre Neutralitätspflicht verletzt haben.

  • Leute kapiert doch, der Unmut des BW-Volks ist zu einem Großteil der Skepsis gegenüber Mappus als Person geschuldet. Ich würde mich auch gegen einen MP wehren der daherkommt wie ein Fleischermeister und zudem ungewählt ist.


    Die ganze Aufregung hat dort ihren Kern. S21-Proteste sind nur ein willkommenes Ventil. Es wird so laufen: Mappus wird abgewählt und eine smarte SPD Führung wird das ökologisch, wirtschaftlich wie stadtplanerisch sehr sinnvolle Projekt weiterbauen. Ganz einfach.


    In Deutschland ist noch kein Infrastrukturprojekt auf Dauer aufgehalten worden, zum Glück.


    Wenn ich mir die Auseindersetzungen so vergegenwärtige komme ich nicht umhin festzustellen, dass Deutschland (incl BW) das wahrscheinlich reichste Fleckchen auf Erden sein muss. Wo sonst könnte man es sich genüsslich leisten auf einen SuperEuropabahnhof plus Stadtaufwertung zu verzichten ? Doch nur da wo bereits das Paradies auf Erden existiert...Korrekt ?


    Dieser Kommentar wurde im Stil von Friedrich Nietzsche verfasst..... ;)

  • Es wird so laufen: Mappus wird abgewählt und eine smarte SPD Führung wird das ökologisch, wirtschaftlich wie stadtplanerisch sehr sinnvolle Projekt weiterbauen. Ganz einfach.


    Eine smarte SPD Führung ist in Baden-Württemberg schon ein Widerspruch in sich.


    Der nächste Ministerpräsident wird schwarz oder grün sein, ganz sicher aber nicht rot!

  • Trashy, but moving, Lear1. In anderen Worten: Unkommentierbar.


    Mappus will jetzt über Optimierungen, Veränderungen und Verbesserungen reden, was immer das auch heißen mag.


    Quelle: Zeit


    So richtig durchdacht scheint mir das Ganze wieder nicht, die Landesregierung und die CDU agieren hier m.E. ziemlich konzeptionslos. Die Strategen hatten doch seit Anbahnung des Konflikts schon vor Jahren wirklich alle Zeit der Welt, mögliche Szenarien durchzuspielen und hierzu Richtlinien und Antworten zu entwickeln. Diese Mischung von Naivität und Nachlässigkeit wird im politischen Geschäft, wie gesehen, bitter bestraft. Es war doch sonnenklar, dass die Grünen und die Linke mit allen anständigen und unanständigen Mitteln versuchen würden, das Thema politisch bis zur Landtagswahl zu strecken. Auch wurde nicht gegengesteuert, als die SPD seit etwa einem Jahr immer mehr anfing zu wackeln.


    Die Zeit der Gespräche ist zu diesem Zeitpunkt jedenfalls definitiv vorbei, außer man will die Realisierung des Projekts tatsächlich noch gefährden. Den kleinen Finger zu reichen halte ich daher für unklug, denn die Forderungen der S21-Gegner werden natürlich nicht dabei bleiben, denn auch für die Grünen gilt letztlich "Alles oder Nichts". Mappus ist daher gut beraten, konsequent und glaubwürdig zu bleiben, indem er das Projekt unbeeindruckt des Drucks der Straße ohne Abstriche durchzieht. Alles andere würde ihn noch mehr der Popularität kosten, weil er dadurch vermutlich neben den S21-Gegnern nun auch noch die S21-Befürworter verprellen würde.

  • Eine Konsequenz dieser ganzen verfahrenen Situation wird sein, dass in Deutschland Großprojekte innerhalb von Großstädten viel schwerer durchzusetzen sein werden. Die Politik wird sich auf lange Zeit hüten analog wie bei Stuttgart 21 ihre Finger zu verbrennen.


    Die Gefahr sehe ich nicht. Projekte wie die Hamburger Hafen City (samt sündhaft teurer Elbphilarmonie) oder der Frankfurter Flughafenausbau (samt neuem Terminal) sind viel zu prestigeträchtig und sinnvoll sie nicht zu bauen. Bei völlig utopischen Projekten wie dem Transrapid in München wurde hingegen völlig zurecht der Stecker gezogen. Es geht vor allem um den Kosten-Nutzen und nicht um die Nähe zur jeweiligen Innenstadt. In Stuttgart mag man den S21 Kosten-Nutzen zwar schon gebetsmühlenartig wiederholt haben, nur muss man sich eben vergewissern, dass die Message auch ankommt.

  • Ich sehe das wie Wagahai. Mappus darf und wird keinesfalls umfallen.


    Was hat er denn noch zu verlieren? Entweder er wird im März abgewählt und überlässt einer neuen Regierung S21 fertig zu bauen, weil es nicht mehr zu stoppen ist. Oder aber er bleibt Ministerpräsident, auch dann geht S21 weiter. Bis zur Landtagswahl wird sich die Stimmung für oder gegen ihn sicher noch anpassen, ein umfallen bei S21 macht es aber eher noch schlimmer.


    Da ich sowieso nicht davon ausgehe, dass die SPD sich NIE zum Juniorpartner unter einem grünen Ministerpräsidenten machen wird, werden wir weiter von einem schwarzen MP regiert (plötzlich wird sich die SPD dann auch wieder ganz überraschend voll hinter S21 stellen).


    Also: Augen zu und durch (was ich durchaus unterstütze).

  • Zwei Beispiele, was die Gegner sich unter "friedlichem Protest" vorstellen:


    Nr. 1: Bahnchef Grube steht ab sofort unter Polizeischutz, da er Morddrohungen erhält. Zudem sollen Aufnahmen der Familie gemacht worden sein, seine Frau und die Kinder seien danach wohl zeitweise an einen sicheren Ort gebracht worden sein. Des weiteren erhielt er Drohbriefe, die eine weiße Substanz enthielten, welche an den Milzbranderreger erinnerten.


    Nr. 2: In der Nacht wurde auf die Baden-Württembergische Landesvertretung ein Farbanschlag verübt. Ein Bekennerschreiben von S21 Gegnern liegt vor, zudem wurde ein durchgestrichener S21 Schriftzug hinterlassen.


    Quelle: StZ online


    Was kommt als nächstes? Werden demnächst die Deutschen Botschaften besetzt?


    Ach ja. Hr. Wölfle hat sich mal wieder Gesprächen mit den Projektträgern offen gezeigt. "Eine Pause beim "Zeigen des öffentlichen Widerstands" sei denkbar, sollte die Bahn die Bagger ruhen lassen", sagte Wölfle. Das Wort Demostopp nahm er allerdings nicht in den Mund, da das Demonstrationsrecht ein verbrieftes Recht ist und zum Verzicht auf das Demorecht niemand aufrufen könne.
    Und wie sieht es mit dem Baurecht oder Vertragstreue aus? Das lässt sich mal kurz aushebeln? Hr. Wölfle sollte mal nachdenken bevor er etwas sagt. Oder einfach noch ne weile heulen.


    Quelle: auch StZ online

  • Marco


    sollte das stimmen wäre das sehr zu verurteilen. Könnte allerdings auch sein dass man ob der Bilder und Berichte in der Presse versucht, die Kopfbahnhofbefürworter in die kriminelle Ecke zu stellen. Ich wäre vorsichtig solche Behauptungen für die es ausser Aussagen (die Aussage mit den Pflastersteinen musste auch zurückgezogen werden) ohne Bildbeweise etc. keine quelle gibt. Stichwort "agent provocateur". Und nein ich bin ganz sicher kein Anhänger von Verschwörungstheorien.

  • Ließe sich das Projekt denn noch sinnvoll dahingehend modifizieren (sprich: verschlanken), dass anstatt den kompletten Knoten für viel Geld umzubauen, einfach nur für den Fernverkehr die NBS von Ulm (am besten noch darüberhinaus bis Augsburg, inklusive Bypass um Ulm) ohne Fernbahnhof am Flughafen bis zur bestehenden Schnellfahrstrecke nach Mannheim errichtet wird, mit einem unterirdischen zB 4gleisigen Bahnhof unter dem bestehenden Hauptbahnhof? Neben eventuellen Aus- oder Neubauten im Nah- und Regionalverkehr, über deren Notwendigkeit sich die Stuttgarter wohl deutlich besser auskennen als ich, wäre das eigentlich das Einzige was im Bereich Stuttgart wirklich nötig und auch von nationaler Bedeutung ist. Die Bahnstrecke nach Zürich zB hat dagegen für den nationalen Fernverkehr keine sonderlich große Bedeutung, dass für sie noch zwei- bis dreistellige Millionenbeträge im Raum Stuttgart ausgegeben werden müssten.
    Die Kosten für das Gesamtprojekt sind ja doch ziemlich hoch, und da ja momentan auch noch gleichzeitig der Großteil des verbleibenden Budgets in die absolut nicht dringliche NBS Erfurt-Nürnberg gesteckt wird, ist aktuell ja das Geld für andere viel sinnvollere und vor allem längst überfällige Projekte (Frankfurt-Mannheim, Rheintalbahn, Frankfurt-Fulda-Erfurt) auf absehbare Zeit nicht vorhanden.

  • Für Grüne Afganistan Kriege geben wir in 10 Jahren 20 Millarden aus , aber ein Infrastrukturprogram darf im gleichem Zeitraum keine 5 Millarden kosten. Noch nie war die Grüne heuchelei grösser.

  • Ohlsen
    sollte das stimmen wäre das sehr zu verurteilen. Könnte allerdings auch sein dass man ob der Bilder und Berichte in der Presse versucht, die Kopfbahnhofbefürworter in die kriminelle Ecke zu stellen.


    Klingt ja fast so, als hätten S21-Gegner bis dato noch keinerlei Straftaten im Zusammenhang mit den Protesten gegen S21 begangen. Wie abwegig sind da doch Morddrohungen an Grube und seine Familie (War da nicht mal was mit Drexler und unter die Erde legen?).


    Reflexartiges Verharmlosen und Relativieren empfinde ich gerade hier als etwas unangebracht.


    Rohne
    Neben eventuellen Aus- oder Neubauten im Nah- und Regionalverkehr, über deren Notwendigkeit sich die Stuttgarter wohl deutlich besser auskennen als ich, wäre das eigentlich das Einzige was im Bereich Stuttgart wirklich nötig und auch von nationaler Bedeutung ist. Die Bahnstrecke nach Zürich zB hat dagegen für den nationalen Fernverkehr keine sonderlich große Bedeutung, dass für sie noch zwei- bis dreistellige Millionenbeträge im Raum Stuttgart ausgegeben werden müssten.


    In Bezug auf Zürich hast Du sicherlich Recht. Ohne den Filderbahnhof (direkter Anschluss Flughafen, Messe und Fern-/Regionalbahnhof für 300.000 Menschen in nächster Umgebung, mit Bedeutung für Tübingen und andere größere Gemeinden angrenzend an die Region Stuttgart), der von Stuttgart Hbf mittels des 9,5 km langen Fildertunnels erreicht würde, aber macht S21 nicht mehr ganz so viel Sinn. Da dürfte die Kosten-Nutzen-Relation tatsächlich fraglich werden.

  • Rohne
    eine solche Abänderung müsste doch sicher auch nochmal ein neues Planfeststellungsverfahren durchlaufen. Dann könnte man das Projekt auch gleich beerdigen.

  • Rohne


    Wenn man den unterirdischen Bahnhof in abgespeckter Version zusätzlich zum bestehenden Kopfbahnhof baute, dann bliebe ja das bisherige Gleisbett bestehen.


    Das würde es aber noch teurer machen, da diese Flächen dann nicht bebaut werden könnten. Außerdem ist ja gerade die Umwandlung dieser Flächen das wichtigste städtebauliche Ziel der Aktion. Ohne diese Umwandlung kann man sich das Projekt gleich ganz schenken.


    Ein Fehler bei der Vermittlung des Projektes war sicherlich auch, dass man nicht bei Abrißbeginn bereits konkrete Vorschläge zur Neubebauung präsentiert hat.


    So sieht der Bürger zunächst nur die Zerstörung von Teilen des Bahnhofes, des Schloßgartens und die immensen Kosten dafür. Die enorme Aufwertung der Innenstadt plus der erhebliche verkehrstechnischen Nutzen wird gar nicht richtig wahrgenommen.


    Abseits von Kosten, politischen Widerständen und technischer Machbarkeit fände ich beispielsweise ein spektakuläres (Wohn-)Hochhausensemble angrenzend an den Rosensteinpark sehr gut. Steht man oben im Bahnhofsturm, dann kann man sich so eine Art "künstlicher Halbhöhenlage" sehr gut vorstellen. Die Wohnungen würden weggehen wie die warmen Semmeln. :daumen:


    Und wenn ich schon am rumphantasieren bin, dann hätte auch gerne noch einen neuen Autotunnel von der A81 in die Innenstadt plus eine zusätzliche Fahrspur für die A81 zwischen HN und S. :D


    Es wäre echt ein Jammer, wenn das Projekt jetzt noch zu Fall käme!

  • Volksentscheid zu S21 unzulässig


    Verfassungsrechtler Kirchhoff legt Rechtsgutachten zu Volksentscheid vor und kommt zu dem Schluss, dass ein Volksentscheid zu S21 aus 3 Gründen unzulässig ist:


    "Zum einen sei der Landtag der das Land vertritt gar nicht zuständig, zum zweiten würde eine derartige Abstimmung der Landesverfassung widersprechen und schließlich auch nicht dem Grundgesetz entsprechen."


    Quelle: SWR Online


    Edit: hier noch weitere Details über die Begründung


    Zitat: "Kirchhof führte unter anderem aus, dass dem Land nicht die Kompetenz beim Bau von Schienen und Bahnhöfen obliege. Diese liege einzig und allein beim Bund. "Wenn das Landesvolk etwas dazu sagen würde, wäre das null und nichtig, weil keine Kompetenz besteht", erläuterte Kirchhof. Zudem schließe die baden-württembergische Landesverfassung eine Abstimmung über das Haushaltsgesetz aus."


    Quelle: StZ Online

    Einmal editiert, zuletzt von Marco ()

  • Marco: Es gibt nicht "die Gegner". Ich finde solche Verallgemeinerungen immer etwas grenzwertig. Selbst wenn nun Morddrohungen von 1-2 Verwirrten kommen sollten, was tragisch ist, sollte man dadurch doch nicht auf den Charakter "der Gegener insgesamt" schließen. Deppen gibt es überall.


    Ich sehe das Ganze übrigens mittlerweile ähnlich wie Wagahai und Co.
    Es gibt eigentlich keine großen Wahlmöglichkeiten mehr: Weiterbauen oder ganz aufhören. Und zum Aufhören ist es eigentlich zu spät.
    Und die Möglichkeit, das Konzept noch kurzfristig und so massiv zu ändern, dass sich auch viele der Gegner noch damit einverstanden zeigen ist nicht gegeben. Und Gespräche allein werden niemanden befriedigen.
    Also durchziehen. Rechtsstaatlich bitte, ohne Bürgerkrieg, aber konsequent.


    Dennoch hoffe ich, dass die jetzige Diskussion Auswirkungen auf die Zukunft haben wird.
    Eine Sensibilisierung der Bürger bei künftigen Projekten finde ich nämlich durchaus positiv. Die Politik hat schon so viele Milliarden versenkt, für Projekte, die das Volk nicht wirklich gewollt hat, oder welche es zumindest zum dann tatsächlichen Preis unangebracht findet. S21 mag sinnvoll sein, es ist aber gleichzeitig super teuer. Den Berechnungen der Bahn glaubt man ja (zurecht) nicht mehr. Und wenn dann am Ende z.B. 10 Milliarden Baukosten stehen, dann ist das so ein großer Batzen, dass es die Menschen schon interessieren sollte was damit gemacht wird.
    Das betrifft natürlich nicht nur Bauprojekte, sondern auch Subventionen und viele andere Maßnahmen, die teuer und nicht im Sinne der Allgemeinheit sind. Nicht grundsätzlich dagegen sein, aber mitdenken und sich (rechtzeitig!) einmischen, so sollte es sein in unserem Volk....vor allem bei so großen Projekten und in Zeiten, in denen fast alles über teure Kredite finanziert werden muss und an anderer Stelle zum Beispiel soziale Einrichtungen wegen einigen Tausend Euro geschlossen werden müssen.
    10 Milliarden kann man nämlich auch in 25.000 Kindertagesstätten umrechnen...
    (Wenn wir das Ganze mal drei nehmen sind wir übrigens ungefähr beim jährlichen Reingewinn unserer fast monopolistischen Stromkonzerne, welcher nun nochmal auf Jahrzehnte durch unsere Regierung gesichert bzw. voaussichtlich gesteigert wurde. Wegen sowas sollten wir eigentlich alle auf die Straße gehen. Die Politik einfach machen zu lassen führt da anscheinend nicht weiter.)
    Noch ein Punkt konkret zu S21, der aber auch ein wenig in diese Richtung geht:
    Sehr häufig wird mit der kürzeren Fahrtzeit auf der ICE-Strecke argumentiert. Aber wie groß ist denn überhaupt der Anteil der Bevölkerung, der regelmäßig den (teuren!) ICE nutzt? Sehr viel entscheidender im Alltag der Menschen, besonders in der Region Stuttgart mit dem furchtbar starken Autoverkehr, ist doch ein verbessertes Nahverkehrssystem. Ich denke was das angeht ist Stuttgart 21 noch recht ausgewogen, oder wie seht ihr das? (Der Güterverkehr wird allerdings total ausgeblendet.) Grundsätzlich hat man aber bei der Bahn den Eindruck, dass die Strecken abseits des ICE oft vernachlässigt werden. Dass bei den "Nebenstrecken" zu sehr zu Gunsten der "Hauptstrecken" gespart wird. Kein Wunder also, dass bei Milliardenausgaben für Prestigeprojekte mittlerweile Gegenwind kommt.


  • Ein Fehler bei der Vermittlung des Projektes war sicherlich auch, dass man nicht bei Abrißbeginn bereits konkrete Vorschläge zur Neubebauung präsentiert hat.


    Der Staat kann hier keine konkreten Vorschläge machen, da er das Gelände nicht bebauen wird. Und von möglichen Investoren, die in 10 Jahren da etwas hochziehen werden, einen konkreten Vorschlag zu verlangen, ist auch nicht realistisch.