Leipzig: St. Trinitatis (realisiert)

  • Bauen im 21. Jhd.

    ...Man muss zwar sicher auf weitere Visualisierungen warten. Aber nur von den anvisierten Baumassen ausgehend ist der Entwurf genau von der Sorte, die ich mir für diesen Platz nicht vorstellen kann. Warum nicht etwas kompakter und organischer? Diese äußere Baukastenatmosphäre eines Flughafentowers, umgemodelt in eine Autobahnkirche nahe einer vergessenen Kleinstadt, wird der Umgebung am Ring nicht gerecht. Ich bin recht enttäuscht.

  • Über die Fassade gibt es ja bislang noch keine Informationen, aber der erste Eindruck gefällt. Die geschlossene Blockrandbebauung der Kirche wird m.E. auf dem spitz zulaufenden Grundstück optimal ausgereizt. An der westlichen Spitze des Grundstücks entsteht mit dem Turm in der Tat ein schöner Abschluss. Auf dem Modell sieht es außerdem so aus, als ob der geplante Turm immerhin die Höhe der Türme am Mittelrisalit der südlichen Rathausseite gegenüber erreichen wird. Dass über dem Altarraum Tageslicht in das Kircheninnere strömt, wird seine Wirkung wohl ebenso nicht verfehlen.


    Hier gibt es weitere Fotos...

  • also wenn die im hintergrund zu sehenden bilder der tatsächlichen fassadengestaltung entsprechen, ist es arg unpassend und gefällt mir überhaupt nicht. da ist ja überhaupt keine struktur oder aufnahme jeglicher elemente am turm zu sehen, und auch am kirchenraum ist nichts zu erkennen, was einer monotonen fläche entgegen wirkt. :Nieder:

  • Über die Fassade gibt es ja bislang noch keine Informationen > Laut dem heutigen Presse-Opening in der Trinitatiskirche soll der Rochlitzer Porphyr* verwendent werden. Eine der Schulz&Schulz-Architekten zeigte dieses Material als Stein. Auf den Entwürfen war dieser rötlicher Ton wiederum in braun dargestellt.


    *Existiert ja bereits am Stadtgeschichtlichen Museum(s)-Neubau. > http://de.academic.ru/pictures…e644492aaff0333da161c.jpg

  • ich bezieh das auch nicht auf das material, sondern auf die gestaltung. da sind doch null fenster oder betonungen oder sonstwas zu erkennen ... das ist doch das typische "ich bin archtitekt, deswegn bau ich jetzt einen würfel" zeugs

  • ich kann mir gar nicht vorstellen, dass hier schon das letzte wort gesprochen wurde.


    angekündigt war "eine grossstadtkirche für das dritte jahrtausend", herausgekommen ist architektur für ältliche jungfern.
    ein fensterloser kasten, der sich nach aussen abschottet, ein abseits stehendes türmchen und - weil zu viel platz war - ein mickriger flachbau dazwischen.
    das passt vielleicht in die vorstadt, aber nicht vor das neue rathaus. jedem anderen bauherrn würde bei dieser gebäudekubatur die baugenehmigung verweigert werden.


    angeblich war die entscheidung zwischen dem siegerentwurf und dem (wenigstens die eigenen wettbewerbskriterien erfüllenden) zweitplatzierten ziemlich eng. hoffentlich gelangt man da noch zur einsicht.

  • ...Sperrfrist hin und her - Ich kann meine Kollegen bei DAF doch nicht hinhalten, während die hälfte hier über Nacht aktiv ist und vielleicht hofft, dass die dpa noch etwas ausrückt an Bildmaterial :D


    Es ist eine großzügig, aufgebaute Ausstellung mit zahlreichen Entwürfen vom 1. bis 3. Platz, der 1. und 2. Wettbewerbsphase. Entwürfe, die anderen Entwürfen ähnlich sehen, finden sich immer, aber auch welche, die durchaus an den neuen Uni-Campus am Augustusplatz erinnern oder wie das Bildermuseum, wobei dieser Entwurf besser auf dem Sachsenplatz passen würde, als der jetzige.


    1. Platz: schulz&schulz - 2. Platz: Allmann Sattler Wappner - 3. Platz: Meck Architekten


    Manchmal frage ich mich, warum nix-passendes-an-stadtbild unter Platz 4 gelangen kann. Der 3. Platz erinnert mich wiederum an den geplanten Büro-Tower am Goerdelerring in den 90er Jahren.



    Martin-Luther-Ring Ecke Nonnenmühlgasse. Schöne finde ich, dass man den Straßenzug der Nonnenmühlgasse wieder belebt. Auch im "Planwerk 2015" der Stadt Leipzig ist diese geplant.


    HÄTTE GEWONNEN MÜSSEN



    Dies ist mein persönlicher BESTER Entwurf! Er hätte es eigentlich verdient, realisiert zuwerden. Das Preisgericht hofft immerhin, den von schulz&schulz zurealisieren. Beide Architekten sind übrigens Mitglieder der Probsteikirche, welch ein Zufall, sagte auch der Bischof vom Bistum Dresden-Meißen.



    Blick auf und in die neue Kirchenhalle, erinnert auf den ersten Blick vielleicht an unser Bildermuseum.



    Der Grundriss der Trinitatiskirche der Architekten ? (leider ist mir der Name entwischt) an der Nonnenmühlgasse. Auf vielen Entwürfen ist außerdem eine Tiefgarage auf diesem Areal geplant. Interessant ist auch die neue Querungshilfe unten rechts im Bild.


    SPACEIG - MODERN - ?



    Der wahre Entwurf, der nach einer Kirche aussieht. Von Außen als auch Innen architektronische Kunst.


    Weitere Bilder von den erst- bis drittplatzierten auf http://stadtbild-leipzig.de/Pl…rche/Trinitatiskirche.htm


    MORGEN: Eröffnung der Ausstellung um 12.00 Uhr. Um 11.00 Uhr hat die Gemeinde die Gelegenheit, die Entwürfe zubegutachten. Sind immerhin 4000 Mitglieder. Die Ausstellung ist bis zum 3. Januar 2010 zusehen. Danach soll sie im Neuen Rathaus, vom 11. bis 29. Januar 2010, ausgestellt sein.

    2 Mal editiert, zuletzt von DAvE LE () aus folgendem Grund: Etwas vertauscht!

  • na das spacig-moderne wäre doch mal was grandioses. der erstplatzierte sieht...naja, beschissen aus...
    wer hat da jetzt noch ein mitspracherecht, was die realisierung angeht?

  • wer hat da jetzt noch ein mitspracherecht, was die realisierung angeht? > Das Kollegium der St. Trinitatis und die Architekten schulz&schulz.


    Selbst OBM Jung findet den Entwurf schön!


    der erstplatzierte sieht...naja, beschissen aus... > Stimmt irgendwie! Der Entwurf hat ja was, aber passt einfach nicht in dieses Ensemble.

  • auch wenn ich mit meiner Meinung in eine völlig andere Richtung gehe, so finde ich den ersten Platz angemessen. Beim zweiten Platz ist die Kubatur etwas zu groß und schwer. Der "spacige" Entwurf hat auch was, ist aber meiner Meinung unpassend für diesen Ort. Aber innovativ und schick auf alle Fälle. Bringt frischen Wind... Die Aufnahme der Fluchten, wie ja bei den meisten Entwürfen ist sicher das beste um den Stadtraum neu zu fassen. Was ich bei Schulz und Schulz gut finde, ist die Zurückhaltung, auch gegenüber dem neuen Rathaus, was als die Dominante auch so bleiben sollte. Eine Art Zweikampf zwischen den beiden Gebäuden wäre nicht gut. Und ich denke doch, dass im Gemeindeteil noch ein paar mehr Fenster reinkommen werden. Ob es nun zusammenhänge zwischen Platzierung und Mitgliedschaft in der Gemeinde gibt, das wird wohl lange Gesprächsstoff sein....

  • Ich kann die Aufregung um den Neubau auch nicht ganz nachvollziehen. Städtebaulich gesehen halte ich den prämierten Entwurf für den besten. Diesbezüglich kann ich mit Platz 2 überhaupt nichts anfangen. Es war von vornherein klar, dass es einen modernen und aus Rücksicht gegenüber dem Neuen Rathaus zurückhaltenden Neubau geben würde. Dieser spacige Entwurf ist da völlig fehl am Platz. Mit rund 12 Mio Euro Bausumme sind zudem die Mittel, einen großstädtischen Superentwurf zu präsentieren, m.E. sowieso begrenzt.


    Zum Thema fehlende Transparenz, was hier ebenfall angemerkt wurde, gibt es auch Neuigkeiten. Mehr dazu in diesem lizzy-Artikel.

  • ebenfalls meine zustimmung zum siegerentwurf.
    anhand der kubaturholzklötzchen und renderings kann man die details natürlich noch nicht bewerten, aber die aufteilung des kirchenraumes, des gemeindezentrums und des turmes halte ich für sehr gelungen. ich freue mich schon auf die situation, vom dittrichring kommend auf den m.-luther-ring einzubiegen und "zwischen den türmen" hindurchzufahren. auch gerade die schaffung eines innenhofes mit fußgängerdurchgang hat für mich auch städtebaulich großen charme.
    zum zweiten und dritten platz hat archLE ja schon kurz & knapp alles nötige formuliert.
    anhand der fotos konnte ich nicht mit sicherheit herausfinden, ob die nonnenmühlgasse eine verkehrsstraße oder eine fußgängerstraße werden soll. weiß da jemand schon genaueres? sie als tiefgarageneinfahrt zu mißbrauchen, halte ich für unangemessen.

  • ungestalt : was soll daran gelungen sein, den turm an der niedrigsten stelle des grundstücks zu platzieren? das ist doch in sich völlig widersinnig.


    zu den architekten: inzwischen ist ja nun bekannt, dass beide ursprünglich aus dem ruhrpott stammen und heute selbst der probsteigemeinde angehören. so sieht der entwurf auch aus und darum hat er wohl auch gewonnen.

  • Was mir auf den modellfotos gerade aufgefallen ist. Im Hintergrund auf dem Leuschner Platz stehen drei Drahtgerippe. Soll das eine ev. Neubebauung darstellen? Bis jetzt ist man sich ja nicht einig was draus wird aus der Fläche. Aber vielleicht macht man sich jetzt nach dem Wettbewerb mal Gedanken? Finde es etwas verwirrend diese Drahtkuben, und das alte Bowlingcenter gibts auf der Modellpaltte scheinbar auch nicht mehr, was ich sehr fände, wenn das irgendwann mal abgerissen würde...

  • was die aufteilung und die städtebauliche einbindung des ersten entwurfs betrifft bin ich der gleichen meinung wie die meisten hier: durchaus gelungen!
    aber mir misfällt eindeutig der retro-look der 50er...


    aus meiner sicht hätte hier durchaus mehr mut zu einer lebendigeren fassade vorherrschen dürfen... natürlich verstehe ich das mittel begrenzt sind und keine konkurenz zum rathaus entstehen soll aber deswegen braucht man nicht sofort eine graue maus an diese stelle zu setzen aus lauter vorsicht ja nicht den umliegenden gebäuden die schau zu stehlen

  • ungestalt - anhand der fotos konnte ich nicht mit sicherheit herausfinden, ob die nonnenmühlgasse eine verkehrsstraße oder eine fußgängerstraße werden soll. weiß da jemand schon genaueres? > Auf den Entwürfen ist sie kommend vom Martin-Luther-Ring als "beruhigte Straße" in Richtung Tiefgarage (sieht so aus) geplant. Der andere Teil in Richtung Peterssteinweg/Windmühlenstraße wird hoffentlich als "breite" Fußgängerzone gestaltet. Dort kann ich jedoch nichts genaueres sagen.


    sie als tiefgarageneinfahrt zu mißbrauchen, halte ich für unangemessen. > Nu ja, sie exisitiert ja heute noch, nur liegt dort der Parkplatz auf der Ebene.


    archLE - Im Hintergrund auf dem Leuschner Platz stehen drei Drahtgerippe. Soll das eine ev. Neubebauung darstellen? > Diese sind identisch auch im "Planwerk 2015" der Stadt Leipzig zufinden. Eine Neubebauung ist seitens dem Stadtplanungsamt Leipzig geplant. Der 1. Baustein wird/soll die Markthalle an der Markthallenstraße werden.


    das alte Bowlingcenter gibts auf der Modellpaltte scheinbar auch nicht mehr, was ich sehr fände, wenn das irgendwann mal abgerissen würde... > Joar, das steht neuerdings unter Denkmalschutz, wie mir mal zu Ohren kam. Es soll saniert werden und ein Kulturzentrum daraus entstehen. Mit der unterirdischen Bowlingbahn kann man das auch verstehen.

  • Für mich ist es vor allem völlig unbegreiflich, daß Architekten nicht nur Entwürfe ohne Kirchturm einreichen, sondern diese auch noch auf vorderen Plätzen im Wettbewerb landen. Wie schlecht müssen dann erst die restlichen Beiträge gewesen sein? Aber auch der Siegerentwurf ist an der Aufgabe gescheitert, die über Jahrtausende entstandenen Traditionen im sakralen Bauen gleichzeitig in die Moderne zu transportieren und trotzdem neu zu interpretieren. Ein Kirchenbau muß zeitlos sein und mit seiner ganzen Erscheinung den transzendentalen Anspruch verkörpern. Stattdessen wird das Kirchenschiff vom Turm getrennt, was die schlimmsten Absonderlichkeiten der Nachkriegsarchitektur wiederholt. Der in die Breite gehende Kirchenraum mit rechtwinklig zueinander angeordneten Bänken ist ein Bruch mit allen Traditionen und wird im Gottesdienstbesucher ein Gefühl von Verlorenheit erzeugen. Traurig.


    Von den bisher gezeigten Entwürfen bevorzuge ich eindeutig den ultramodernen. Wenn die vertikalen Fenster, die ich auf den Bildern zu erkennen glaube, ihre Lichtwirkung an diesem zentralen Ort entfalten könnten, würde der Bau seinen Zweck erfüllen. Wie kommt es, daß gerade einige der heftigsten Verfechter modernen Bauens bei diesem Paradebeispiel Angst vor der eigenen Courage haben? In der städtebaulichen Situation mit Trennung durch eine Hauptverkehrsachse würden sich die bestehenden Bauten mit dem Neubau nicht kannibalisieren, sondern gegenseitig bereichern.