Gasometer Schöneberg - EUREF-Campus

  • Ich verstehe nicht warum die Finanzierung durch die Krise erschwert sein sollte :confused:
    Wenn die Nutzung selbst nicht durch die Krise tangiert wird - beispielsweise Mieter abspringen - profitieren Finanzierungen doch vorerst von der Finanzkrise. Denn Kredite dürften durchaus für derartige Vorhaben zu bekommen sein und die Zinsen dafür sind historisch niedrig!

  • Niedrige Zinssätze bedeuten ja nicht, dass die Banken mit Krediten um sich schmeißen. Im Gegenteil; im Zuge der Finanzkrise und Liquiditätsknappheit haben Banken die Vergabe von Krediten zurückgefahren und die Konditionen erheblich verschärft.

  • Die Berliner Zeitung hat das Thema mit ähnlichen Inhalt auch in ihre heutige Ausgabe genommen. Anders ist der leicht kritische Unterton über die Seriösität des Projektentwicklers Reinhard Müller und seiner Firma Konzeptplus. Auch sei mit dem 1. Spatenstich der lediglich Auftakt zur längst überfälligen Altlastensanierung noch wenig bis gar nichts in Bezug auf die Projektrealisierung erreicht. Hinter dem Wohlwollen der SPD wird eher die Schärfung ihres umweltpolitischen Profils im Kampf um die Wählergunst vermutet.

  • Artikel im Magazin der Eurohypo

    "Crest" ist das Magazin der Eurohypo, die das Grundstück finanzierten. In der Ausgabe I/2009 ist ein ausführlicher Artikel zum Projekt mit Visualisierungen von Speer wie in #73, nur größer und des Tags. Eventuell komm ich an einen Scanner, dann werd ich die hier reinstellen.


    Ich fasse den Artikel kurz zusammen:
    [INDENT]
    Dem Projekt soll 2009 "Leben eingehaucht werden" - ich gehe schon davon aus, dass damit Baubeginn gemeint ist. Die Sanierung des verseuchten Bodens ist anscheinend schon im Gange. Im Herbst soll in einem der Bestandsgebäude das EUREF Institut als unabhängige private Energiehochschule mit der Ausbildung von Absolventen in postgraduierten Studiengängen begonnen werden.
    Beim Institut soll Russland zentraler Partner sein. (?!)
    Insgesamt sollen, wie schon bekannt, um 500 Mio Euro in den kommenden Jahren investiert werden. Dabei werden 15 Gebäude mit 165T qm Bruttogeschossfläche für 5000 Arbeitskräfte entstehen. Drei der Gebäude werden von der Firma Konzeptplus entworfen, deren Inhaber der Initiator des Projekts Reinhard Müller ist. Das EUREF Hauptgebäude wird von Albert Speer, wie bekannt, entworfen. Das Institut hat es sich zum Ziel gesetzt in den nächsten 4 Jahren 200 Mio Euro für eine eigene Stiftung einzusammeln. Das Geld soll dabei aus Deutschland, Russland, der EU und dem Nahen Osten stammen - jeweils zu einem Viertel.
    Interessant auch (ich glaube das wurde schon irgendwo hier angesprochen): Die Büros sollen CO2-neutral gestaltet werden wobei auch der Energieverbrauch des Individualverkehrs zur An- und Abreise der Beschäftigten einkalkuliert wird. In dieser Komplettrechnung bisher weltweit noch nicht vorhanden. Erreicht werden soll das durch ein Konzept, das die Deutsche Energie Agentur Dena erarbeitet hat: hochgedämmte Fassaden (logisch), Energiebedarf durch erneuerbare Energien (Erdwärme und -kälte), solare Kühlung für den Sommer, ein Brennstoffzellen-Blockheizkraftwerk und ein nicht näher beschriebenes Mobilitätsmanagement. Dabei sollen rund 70% Energie und Emissionen eingespart werden. Die restlichen 30% (rund 3000 Tonnen nicht vermeidbares CO2 pro Jahr) werden rechnerisch durch Investitionen in ein Solarkraftwerk mit 10 Megawatt kompensiert.


    Zitat Albert Speer: "Deutschland ist in der Umwelttechnik Weltmeister, aber wenn Partner im Ausland fragen, wo man das studieren kann, haben wir nichts."


    Ergänzt werden soll das Ganze durch ein Hotel- und Kongresszentrum an der südlichen Spitze des Areals (der ersten Neubau). Witzig hierbei auch: Man zahlt Kaltmieten und bei Abreise die Warmdifferenz nach individuellem Energieverbrauch (in Eurometer, Müllers selbst ausgedachte Einheit, find ich irgendwie ganz nett - sollte sich durchsetzen) drauf. Um dem noch ein's draufzusetzen: im Fintessstudio können sich die Gäste ihren Stromverbauch wieder "abstrampeln".
    [/INDENT]

  • Das EUREF bleibt bei den Anwohnern weiterhin unbeliebt. Bis 27. Mai können Anwohner noch ihre Bedenken gegen das Projekt vorbringen. Derlei gebe es reichlich w.z.B.: Jahrelanger Baulärm, lange Schatten – und eine weitgehend ungesicherte Finanzierung.


    Zudem wird bemängelt, dass das Projekt investorenfreundlich viel zu schnell "durchgepeitscht" wurde. Ach ja, aus den geplanten Türmen a 65m dürfen nur noch max. 55m werden.


    Artikel Berliner Kurier

  • Ich frage mich jedesmal wieso irgendwelche Anwohner das meistens auch Arbeitslose sind(das heißt aber nicht alle) solche nützlichen Projekte stoppen wollen. Denn diese Projekt ist wieder ein ganz großer Wirtschaftsankurbelmotor Berlin und trägt zu mehr neuen Arbeitsplätzen bei. Genauso verstehe ich das mit der Gebäudehöhe nicht, ob die Gebäude nun 65 oder 55m hoch sind die 10m werden "den Kohl nun auch nciht fett machen" wie man so schön sagt. :nono:

  • Zitat

    das meistens auch Arbeitslose sind


    Ja, Arbeitslose und Leute mit Grammatikschwierigkeiten... Beide Gruppen haben natürlich kein Recht, sich zu beschweren. Ich würde dir mal empfehlen, dich mit den (teilweise durchaus nachvollziehbaren) Argumenten der Gegner auseinanderzusetzen, anstatt in solchen plumpen Populismus zu verfallen. Mein Eindruck: das Projekt an sich ist ganz nett, im Detail aber überdimensioniert und die Art und Weise, wie es durchgepeitscht werden soll, auch nicht direkt sympathisch. Die Anwohner haben m.E. durchaus ein Recht dazu, von vorneherein stark involviert zu werden, anstatt sich das Mitspracherecht quasi erstreiten zu müssen.

  • Auf welcher rechtlichen Grundlage soll eine solche Beschwerde basieren? Baulärm ist vorübergehend und muss toleriert werden. Verschattung wäre ein Argument, ist aber nicht gegeben dank des Abstand der Gebäude zu den Wohngebieten. Und mir ist nicht bekannt das Hochhäuser gesetzlich als ästhetisch störend definiert sind. Somit sehe ich keine Berechtigung sich zu Beschweren. Ich kann mich schliesslich auch nicht beschweren weil mir die politische Gesinnung, das KFZ oder der Beruf meines Nachbars nicht gefällt.

  • Anwohnerbeschwerden

    Auf welcher rechtlichen Grundlage soll eine solche Beschwerde basieren?


    Eine Kerngebietsausweisung ist mit dem Nutzungskonzept des Projektentwicklers nicht in Übereinstimmung zu bringen (u.a. wegen Ausschluss großflächigen Einzelhandels). Dieser Ansicht sind sogar die Juristen des Bezirksamts. Ansonsten: Unzureichender Lärmschutz zur Westseite (Ebersstraße). Unzureichende Erschließung.


    Die 22 - 45 anderen Bedenken seien hier nur erwähnt.


    Übrigens ist von den in der Initiative tätigen Anwohnern m.w. niemand arbeitslos, viele sind promoviert und/oder diplomiert, viele DIAKs (double income + kids) und niemand mag dümmliche Diffamierungen.

  • Ein Artikel im Tagesspiegel setzt sich kritisch mit dem Projekt auseinander und berichtet über den neuesten Stand der Planungen:


    http://www.tagesspiegel.de/ber…-Gasometer;art270,2836496


    Insgesamt sollen auf dem Areal 600 Millionen Euro investiert werden und 5000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Es entsteht ein Komplex der eineinhalbmal so groß wie das SonyCenter wird. 165000 Quadratmeter Fläche sollen bis 2012 bebaut werden überwiegend mit wissenschaftlichen Instituten und Büros. Im Herbst wird mit dem Hotelbau begonnen und im kommenden Jahr soll ein großes Gebäude für ein deutsches Unternehmen, dessen Namen nicht genannt wird, gebaut werden.
    Das gesamte Projekt soll trotz starker Ablehnung der Anwohner vom Bezirk genehmigt werden. Am 15. Juli werden die Baugenehmigungen erteilt.

  • Wenns wirklich ab herbst los geht, wär ich schon beeindruckt. allerdings erst das hotel, dann die uni oder wie, nicht das uns die dann hintenrum vom tische fällt.
    ich finde, wenn das ein neuer kleiner bezirk werden soll, müsste man abgesehen von dem hotel noch ein wohnhaus integrieren (meinetwegen ein ökologisches studentenheim für die uni), erstmal um dort gleich seine eigenen ansprüche anzuzeigen, außerdem sind durchmische uni-campi ja genau das, was man momentan zB bei der TU erreichen will.


    Was ich ferner wichtig finde, mal abgesehen von höhe etc, ist einfach die QUALITÄT der architektur, das ist das alles entscheidende. und mir sieht es ein bisschen aus, als bauen die ihre eigenen häuschen. warum nicht von guten architekten planen lassen, die auch einen grünen daumen haben.
    bin zum beispiel froh, dass die total-zentrale am hbf von barkow.leibinger gemacht wird, und würde mich hier auch über das eine oder andere gute büro freuen...

  • Die Nachricht hört sich ja super an, aber wieso will man nie den Namen der großen Firmen oder Unternehmen nennen. Haben die Leiter der Unternehmen etwa Angst um ihre Bekanntheitsgrad der sich erweitern könnte oder Angst vor mutwilliger Kontrabürger die das Projekt nicht wollen?:confused:

  • ...da kann es viele Gründe geben. Jemand könnte abspringen. Wenn man dann schon den Namen genannt hat, ist das schlecht. Oder vielleicht sind es erst ein, zwei. Aber man bräuchte 5 oder 6 um es zu füllen. Dann wüsste jeder: Aha, die haben ein Vermarktungsproblem.

  • Meiner Meinung nach war der Artikel auch etwas unglücklich formuliert.Entweder bietet der Bürokomplex Platz für ein MDAX Unternehmen,oder man hat ein solches schon als Mieter gefunden.:confused:
    Ich hoffe doch,dass damit gemeint ist,dass man ein solchen Mieter bereits gefunden hat.Naja ich finde dieses Projekt auf jeden Fall sehr interessant und es könnte eine wichtige Rolle im Wissenschaftsstandort Berlin einnehmen.:daumen:

  • Nach Informationen von berlin-aktuell ist für das Gebiet bereits ein städtebaulicher Vertrag von Reinhard Müller und Bezirksstadtrat Bernd Krömer unterzeichnet worden. Damit habe das Projekt einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht.


    Pikant: Als Reaktion auf die Proteste der Anwohner wurden im B-Plan die Gebäudehöhen an der Nord- und Südspitze auf jeweils 38m über Gelände reduziert, die Abstandsflächen der möglichen Gebäude zueinander erweitert und nicht gewollte Nutzungen wie Einkaufszentren und großflächiger Einzelhandel ausgeschlossen.

  • Der Euref-Chef Hoffmann verlässt das Projekt im Streit. Der Geschäftsführer sehe "unüberbrückbare Differenzen". Man erklärt seitens des Vereins, das die Konzeptionsphase nun beendet sei und man sich für die Realisierungsphase jemand anderen wünscht. (jedenfalls verklausuliert).


    Projektentwickler Müller erklärt unterdessen, dass noch dieses Jahr mit der Sanierung der Klinkerbauten auf dem Gelände begonnen wird. Für den 55 m hohen Neubau stehe man in Verhandlungen mit einem M-Dax Konzern und vier Hotelketten. Das M-Dax Unternehmen benötige etwa 12.000 qm. Losgebaut werde erst nach Abschluss von Mietverträgen.


    Außerdem soll für irgendwelche Veranstaltungen Joschka Fischer als Zugpferd für das Projekt gewonnen werden.


    http://www.tagesspiegel.de/ber…ka-Fischer;art270,2903221