Olympia in Berlin

  • Olympia in Berlin

    Wie ich aus den Medien erfahren habe, erwägt nach Hamburg nun auch Berlin sich für Olympia 2024 oder 2028 zu bewerben. Allerdings wirken die Vorbereitungen doch sehr spontan und wenig vorbereitet. Ich wollte hier im Forum mal nachfragen, wie eigentlich die Stimmung in Berlin zum Thema Olympia eigentlich ist.
    Ich hoffe sehr, dass es gelingt, die Spiele noch mal nach Deutschland zu holen. Ich würde mir einfach mal ein Signal erhoffen, dass es gelingen kann, Ereignisse wie Olympia und die Fußball WM auch noch mal in einem demokratischen Staat zu sehen. Die Kandidatenauswahl für die Winterspiele ist ja zu einer Posse verkommen. Es muss doch möglich sein, wieder eine Ebene zu finden, die die Idee der Spiele zurück bringt und diesen irrsinnigen Kommerz zurückzuführen. Berlin könnte hier ein wichtiges Zeichen setzen, weil wesentlich Sportstätten ja vorhanden sind und auch in Sachen Infrastruktur und Hotels schon alles da sein sollte.
    Sollte die Bevölkerung aber nicht von Anfang an eingebunden werden und wenn man wieder derart dilettantisch an die Sache ran geht wie 2000, dann wird es ein erneutes Desaster. Daher wollte ich mal fragen, wie die Stimmung so ist.

  • Die Bedeutung, die Olympia früher mal für eine Stadt/Region hatte, ist heute eine andere. Das Kosten/Nutzen-Verhältnis sehen viele Bürger nicht mehr positiv, zudem muss man sich dem Diktat des IOC unterwerfen...

    Ich persönlich lege keinen so großen Wert auf Olympia. Und wenn man wieder (wie angedacht) eine Bürgerbefragung macht, könnte ich mir auch einr Mehrheit dagegen vorstellen.

  • Es wäre einfach schön, wenn Olympia diese positive Bedeutung wieder zurück erlangen könnte. Es ist doch deprimierend, wenn mittlerweile reihenweise westliche Staaten die Bewerbungen zurückziehen und Olympia nur noch in Russland, China oder Kasachstan stattfinden soll. Es ist auch eigentümlich, dass man seitens des IOC ständig die neue Bescheidenheit predigt, dass dies bei der Auswahl der Austragungsorte dann scheinbar keine Rolle mehr spielt. Gerade in Puncto Nachhaltigkeit könnte man mal neue Standards setzen. Das Stadion, viele Hallen etc. Stehen schon. Welchen Irrsinn z.B. die FIFA hier treibt, sieht man ja in Südafrika und es wird in Katar noch auf die Spitze getrieben. Wenn man hier nicht schleunigst umsteuert, ist Olympia bald nicht mehr mehr als die Promotionveranstaltung von irgendwelchen Diktatoren.
    aber mehr Sorge macht mir, dass man es in Berlin wieder vor Ort vermasselt. Vermutlich wird man wieder eine überhastete Bewerbung abgeben und dann ein Bürgerbegehren kolossal verlieren.

  • Also ich als Berliner kann ja schon mal deutlich sagen, daß ich Olympia nicht will.

    In 20 Jahren kann ich mir das vorstellen. Wenn Berlin seine eigenen Probleme halbwegs gelöst hat (Fluchhafen, Alexanderplatz, U-Bahn).

    Also irgendwann einmal, in fernen Zeiten.

    Ich sehe auch nicht, was an Olympia so toll sein soll. Hat sich ähnlich überlebt wie die Weltausstellung. Zu viel Kommerz, zu viel Doping.

    Außerdem: So demokratisch sind die westlichen Staaten nun auch wieder nicht. :)

    Sieht man schlußendlich auch daran, wie die Leute, die "demokratisch" sozialisiert sind, Olympia und die Fußball-WM oder die Formel 1 völlig frei von Gewissensbissen an Diktaturen und Autokratien verkaufen.

  • Also Olympia, würds nach Berlin gehen, hätte mal ne richtige Breitenwirkung auf die Stadt, nicht weil Berlin sonst keine Probleme hat, sondern weil genau in die Problemfelder investiert werden dürfte: die Politik hat Druck zu entscheiden und kann dann nicht mehr verschieben: Tegel, Tempelhof (falls gewünschst), Nahverkehr und selbst Alex wären alles Themen, die in einen Hochdruckentscheidungskessel geraten würden nach dem Kennedy-Motto: Wenn wir das jetzt nicht entscheiden, ist es zu Olympia nicht fertig (fliegen wir nicht bis Ende des Jahrzents auf den Mond). Das Leitthema hätten wir auch schon: Frieden und Miteinander der Diversivität (knapp 100 Jahre nach Adolfs Olympia). Die nächsten Spiele werden nach Deutschland ganz sicher nur nach Berlin gehen, so sehr ich ein Engagement von Hamburg (die grünen Spiele) oder Münchener Winterspiele befürworte: Berlin muss im Grossen aus dem Quark kommen und Olympia wäre eine außerordentliche (im wahrsten Sinne des Wortes) Gelegenheit.

  • Ich bin ein großer Leichtathletik und Olympia Freund. Allerdings bin ich mir nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit Projekten wie BER oder Schulreform nicht mehr sicher, ob die hiesige Politik und Verwaltung so ein Projekt wirklich stemmen können.

    Was mir überhaupt nicht gefällt, ist dieses selbstgefällige und selbstgerechte Gequatsche sich selber als linksliberal sehender Leute, über das ach so korrupte IOC und seine doch so bösen Funktionäre. Mit diesen möchte man sich nicht abgeben, so der moralisierende Tenor. Wenn selbst Klaus Wowereit auf dieser Welle reitet und er hat dahingehende Äußerungen bereits getätigt, ist eine Bewerbung natürlich chancenlos.

    Ich denke, wenn man sich bewirbt, muss man eine Mehrfachbewerbung in Kauf nehmen. Paris, Rom, Madrid, New York, Buenos Aires, Chicago und Dauer Bewerber Istanbul. Alle teilweise mehrfach gescheitert.

    Die Stimmung in der Stadt gegenüber einer Bewerbung ist m.E. recht kritisch, Mit den Linken, den Grünen und den Piraten gibt es gleich drei Senatsparteien, die OS in Berlin vehement ablehnen.
    Ich hätte gern OS in Berlin, glaube aber, dass die Stadt im Moment dafür noch nicht reif ist.

  • Vermutlich wird eine erfolgreiche Bewerbung ohne Bestechung bzw. zumindest erhebliche persönliche Aufmerksamkeiten an die Entscheider nicht möglich sein.

    Berlin ist wohl ein eher ungeeigneter Standort da es hier sehr wichtig wäre, dass weder die Bewerbung noch die Spiele selbst hohe Kosten verursachen dürfen. Das würde dem IOC aber sicherlich nicht gefallen. Das IOC möchte gewiss einen möglichst großen Anteil der Fernseh- und Sponsoreneinnahmen für sich behalten.

    Allzu große Investitionen dürfte Berlin deshalb für die nur 18 Tage dauernden olympischen Spiele ohnehin nicht tätigen. Es würden halt die für die letzte Bewerbung errichteten Sportanlagen sowie das Olympiagelände aufgehübscht. Vielleicht noch ein kostengünstiges olympisches Dorf planen, welches später für Studenten oder Asylbewerber o.ä. genutzt werden kann.

  • Ich bin kein Olympia-Fan. Das, was Menschen fähig sind sportlich zu leisten, ist mithin einfach ausgereizt und lässt sich "natural" auch durch noch so optimiertes Training usw. nicht mehr steigern. Und Differenzen im Milisekundenbereich bei Zieleinläufen und Geschichten wie verschiedenen Materialien von Badeanzügen usw. begeistern mich jetzt auch nicht wirklich. Die Dopinggeschichten, die inzwischen zum Alltag gehören, vergällen die Sache zusätzlich. Davon, dass sowas in meinen Augen von der UN basisdemokratisch organisiert gehört und nicht von privaten Organisationen gar nicht zu sprechen.

    Der schöne Gedanke der internationalen Begegnung auf einem großen Fest ist durch den enormen Kommerz, die horrenden Kosten für Eintrittskarten usw. in meinen Augen auch nicht mehr vorhanden bzw. in der Welt der Globalisierung, der Billigflugtickets, den multikulturellen Einwanderungsgesellschaften usw. auch nicht von mir einem vergleichbaren Reiz wie vielleicht noch Anno 1972 in München, wo Kulturen weniger vermischt und Fernreisen noch wirklich exotisch waren.

    Und mit den Kosten, die der öffentlichen Hand entstehen, kann man für beides - den Sport und die interkulturelle Begegnung - sicher mehr und v.a. kontinuierlich verbessern und muss dabei nicht multinationalen Großkonzernen ein großes Werbeevent subventionieren. Umgekehrt müssen die Ausgaben für solch ein "Event" an anderer Stelle gegenfinanziert werden, d.h. das Geld fehlt ja an anderer Stelle. Ich bin kategorisch gegen eine Olympia-Bewerbung.

  • Ich persönlich wäre für olympische Spiele in Berlin. Die notwendigen Sportstätten, Hotels etc. sind weitgehend vorhanden, die notwendigen Investitionen würden sich in Grenzen halten. Der Profit könnte dagegen enorm sein. Daß man sich dafür dem Diktat des IOC beugen müsste..nun ja, ist wie bei der Fußball-WM: die Organisation dahinter ist quasi mafiös, das Ereignis selbst aber absolut lohnenswert.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Berlin könnte hier ein wichtiges Zeichen setzen, weil wesentlich Sportstätten ja vorhanden sind und auch in Sachen Infrastruktur und Hotels schon alles da sein sollte.


    Das habe ich zuletzt immer bei westlichen Bewerberstädten für Olympische Spiele (Sommer/Winter) gelesen. Auch in Berlin wären aber ganz erhebliche Investitionen notwendig (z.B. ICC, Modernisierung und Ausbau von Sportstätten, temporäre Sportstätten, olympisches Dorf, Sicherheit). Zum Vergleich: Die Spiele in London hatten ein zweistelliges Milliardenbudget, obwohl sie sehr auf Kostenkontrolle geachtet haben. Darunter geht es nicht.

    Wenn nicht an der Finanzierung, dann scheitert eine Bewerbung am Willen des Volkes: Das reichere München wollte die deutlich kleineren und günstigeren Winterspiele ausrichten. Vier von vier Gemeinden haben dagegen gestimmt. Nach der Abstimmung zum Tempelhofer Feld glaube ich nicht daran, dass die tiefen Eingriffe von Olympischen Spielen in die Stadtentwicklung von den Berlinern hingenommen würden.

  • Ein großer Fan von diesem Olympiaevent bin ich auch nicht gerade. Pragmatisch gesehen könnte es allerdings für Berlin eine erfolgreiche "Drittmittelbeschaffungsmaßnahme" werden, also Finanzierung nach Berliner Art, so wie es die Stadt (West wie Ost) seit Jahrzehnten gewohnt war. Aus eigener Kraft kann die Stadt sowieso keine Spiele abhalten, das geht nur wenn der Bund alles zahlt. Nicht wenige Anlagen stehen bereits bereit: Olympiastadion (für die WM 2006 erst saniert), Velodrom/SSE, Max-Schmehlinghalle (beide für die Olympiade 2000 gebaut), O2-Arena, verschiedene kleinere Stadien und Anlagen. Die Medienfritzen kann man im ICC/Messe unterbringen, Hotels gibts genug, der Flughafen dürfte in zehn Jahren (hoffentlich) startklar sein, Bahnhöfe und Autobahnen gibts, gut ausgebbauter ÖPNV. Irgendwer hatte diesen Vorschlag gemacht, das Olympische Dorf auf dem dann Ex-Flughafen Tegel zu bauen und diesem damit einen Anschubimpuls für die weitere Entwicklung zu geben.

    Weiterhin hat Berlin reichlich organisatorische Erfahrung mit großen Sportevents: Fußball-WM-Finale, Leichtathletik-WM und EM, Schwimm-EMs, Berlin-Marathon, DFB-Pokalendspiele usw ...

    Meine Hoffnung wäre nun, dass abgesehen von der Modernisierung und notwendigen Neubauten der Sportstätten genug Geld fließt um Berlins ÖPNV-Netz weiter auszubauen: U-Bahn (U3, U11), Tram (Hbf-Junffernheide-Nordtangente; Warschauer-Hermannplatz; Kulturforum-Steglitz usw) und noch Geld zum Aufhübschen der ein oder anderen Ecke üblig bleibt. OK, dass würden dann auch an die 10Mrd wie in London werden...

  • ^man darf sicher davon ausgehen, dass es den restlichen 15 Länder (auch den brandenburger Nachbarn) "bis hier oben" steht mit Transfergelder nach Berlin und berliner Extrawürsten. Es ist nicht zu erwarten, dass irgend jemand bereit ist, Berlin irgendwelche Aufhübschungen zu bezahlen, die das Maß der bisherigen Dauersubventionen noch übersteigen (egal ob Ost- oder Westberlin, Berlin ist seit dem Krieg kontinuierlich und ohne Unterbrechung gepampert worden und im Zuge der Wiedervereinigung noch gleich doppelt). So ist das, wenn man stets alles ausreizt.

  • ^^ Andererseits, wenn man Olympia in Deutschland haben will, dann bleiben nicht viele Städte die groß genung und international bekannt genug sind um sich durchzusetzen. Dies haben die grandios gescheitertern Bewerbungen von Leipzig oder Stuttgart gezeigt.

  • ^geb ich dir Recht. Wenn Deutschland allerdings eine Olympiade abhalten möchte und dafür bei Berlin anfragt, ob es die Schaufensterrolle spielt, muss klar sein, dass die mit 60Mrd+ verschuldete Stadt alleine dafür keine Mittel zur Verfügung hat. Mit dem "Aufhübschen" muss man es nicht übertreiben, es muss kein Edelholzparkett auf der Stadtautobahn verlegt werden, wie anno '87. Aber wenigstens eine Tramlinie sollte schon drin sein (also sinnvolle Investitionen), und bei den Sportstätten muss es ja nicht vom Allerfeinsten sein.
    Aber vielleicht wäre eine Olympiade für Hamburg ja viel sinnvoller als für Berlin? Oder Olympia in beiden Städten zusammen?

    Ergänzung:
    Mit diesem Artikel vom April versucht die Zeit die Hamburger schon mal auf Olympia einzuschwören. Dort wird die Zahl von 3 Mrd. Euronen genannt, die in London alleine die Organisation und Durchführung gekostet hat - ohne Bau!
    Und wenn schon die Bewerbung zweistellige Millionenbeträge verschlingt (für das Geld kann man ne Tramstrecke bauen!), sollte Berlin sich das gut überlegen, ob da überhaupt eine reele Chance für die Spielevergabe hierher besteht.

    Einmal editiert, zuletzt von Atze Bauke (14. Juli 2014 um 22:52) aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Schöneberg

    wegen den OS benötigt man keine neuen S/U/Tramlinien. Es muss lediglich das bestehende Netz voll funktionstüchtig und der Fuhrpark vollständig einsetzbar sein. Klimatisierte Züge/ Busse wären m.E. wünschenswert. Und in die Sportstätten müsste natürlich ordentlich investiert werden.

  • Ich stimme dir zu, dass zuerst das bestehende ÖPNV-Netz repariert/modernisiert werden sollte, die Olymoiade könnte man ja dazu nutzen auch den Fuhrpark zu erneuern mit klimatisierten Fahrzeugen. Allerdings sollte man meiner Meinung die Veranstaltung dazu nutzen, in die Stadt sinnvoll zu investieren. Das wäre für mich der Ausbau des Tramnetzes.
    Muss viel Geld in die Sportanlagen gesteckt werden? Wie wäre es mit einer Olypiade nach Berliner Art mit Um- und Zwischennutzungen? Das Medienzentrum konnte im Flughafen Tempelhof untergebracht werden, vielleicht kann man die Hangars dort auch für einige Wettkämpfe nutzen und eine provisorische Arena auf dem Vorfeld bauen.