Berliner Stadtverkehr kontrovers diskutiert

  • Pendler Statistik und Stammbahn

    Aus Brandenburg pendeln 198.885 Menschen zu ihrer Arbeit nach Berlin. Über 160 000 Berliner verlassen laut Statistik die Hauptstadt, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen, davon 8.645 die nach Hamburg pendeln. Und weitere Infos:


    Der RBB Pendleratlas für Berlin und Brandenburg: Link


    Und so ist der Regionalexpress 1 von Potsdam nach Berlin morgens quetschevoll, täglich über 36.000 Menschen passieren dei Landesgrenze in Zehlendorf/Potsdam (laut VBB). Link


    Ein Entlastung wäre der Wiederaufbau der Stammstrecke, so der Fahrgastverband IGEB. Zunächst aber soll in der Stoßzeit zwischen 7 und 9 Uhr erstmal je ein zusätzlicher Zug der Linien RB21 und RB22 eingesetzt werden.


    Aber der Aufbau der Stammstrecke wäre doch ein Projekt, oder nicht?. Allerdings müssten bis zu sieben Brücken neu gebaut werden und die Gleise auf dem Teilabschnitt zwischen Düppel und Griebnitzsee neu beplant und errichtet werden.

  • ^ Ich pendele selbst zwischen Kreuzberg und Potsdam und kenne das morgendliche bzw. feierabendliche Chaos gut. Ein weiterer Zug pro Stunde wäre ein netter erster Schritt. Da die Strecke parallel zur Avus aber jetzt schon manchmal bis zum Rand ihrer Kapazität ausgelastet ist, hilft auf Dauer nur eine weitere Strecke. Da es Jahre dauern wird, bis die Stammstrecke wieder in Betrieb gehen kann, sollte die Bahn mit der Restaurierung besser schnell beginnen.


    Aber ich will nicht klagen: Im Zug sitzen nachmittags auch Leute, die aus Potsdam nach Frankfurt, Cottbus oder Eisenhüttenstadt müssen. Ganz zu schweigen von den vielen Polen, die jeden Abend von Berlin nach Frankfurt fahren und von dort dann weiter in ihre Heimat. Das wäre mir viel zu krass...

  • ... Aber der Aufbau der Stammstrecke wäre doch ein Projekt, oder nicht?. Allerdings müssten bis zu sieben Brücken neu gebaut werden und die Gleise auf dem Teilabschnitt zwischen Düppel und Griebnitzsee neu beplant und errichtet werden.


    Das ist ein Projekt, das seit Jahren bzw. schon Jahrzehnten immer wieder ins Spiel gebracht wurde und wird. Neben den Kosten und dem Aufwand sehe ich hier schwarz aufrund des üblichen Anwohner-Egoismus ("Lichtenrade-Syndrom"). Ich habe einige Kollegen, Freunde und Bekannte, die in Kleinmachnow wohnen und die sind alle dagegen, da sie Lärm und sonstige Beeinträchtigungen fürchten. Da es eine bürgerlich-wohlhabende Gegend ist, würden vrsl. Klagen eingelegt werden bis der Arzt kommt.

  • Pumpernickel, das Thema gibt eine Endlosdiskussion nicht her, aber was Du schreibst, wird auch bei ständiger Wiederholung nicht richtiger:


    Ich habe jedoch darauf hingewiesen, dass Berlin de facto hier freie Hand hat.


    Es ist genau umgekehrt: Der Bund entscheidet in letzer Instanz, das Land darf lediglich Vorschläge machen, § 2 VI Bundesfernstraßengesetz (FStrG) (Quelle wie im vorigen Post, Hervorhebung von mir):


    "Die oberste Landesstraßenbaubehörde hat vor einer Widmung oder Aufstufung das Einverständnis des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur einzuholen."[/QUOTE]


    Das heißt ja nicht, dass der Bund einem Vorschlag des Landes nicht auch einmal zustimmt, wie im von Architektenkind genannten Fall "Brandenburger Tor". Aber das hat ja auch niemand behauptet.

  • Hatte Deine Gänsefüßchen so verstanden, dass Du mit "zeitnah" auch so Deine Probleme hast, und wollte einstimmen. Sorry, wenn das falsch rüberkam.


    Da lagst Du sogar ganz richtig, ich halte den Ausdruck für Schwellsprech und hatte ihn deshalb ironisch verwendet, habe dann aber meinerseits Deine Ironie übersehen. ;) Shit happens.


    Ich bin, wie gesagt, wenig erpicht darauf, die Linden als Fuzo zu sehen. Von daher hätte ich gar nichts dagegen, wenn der Bund ein Veto einlegt. Ich bin aber sicher, das wird er nicht tun.


    Warum schlagen wir uns dann hier eigentlich die Köpfe ein? Weil ich von "Schaufensterpolitik" gesprochen habe? Dazu stehe ich, weil ich als Nutzer des ÖPNV/Fußgänger/Radfahrer/Autofahrer (in der Reihenfolge) die Probleme des Berliner Verkehrs zur Genüge kenne, und der festen Überzeugung bin, dass die Einrichtung einer Fußgängerzone unter den Linden ein Luxusproblemchen ist, das keinen Berliner ernsthaft tangiert.


    Sinnvoller wäre es, berlinweit Radschnellwege anzulegen oder völlig überlastete Straßen in dichtbesiedelten Geschäfts- und Wohngebieten wie die (zum Teil einspurige!) Hauptstraße/Potsdamer Straße in Schöneberg und Tiergarten endlich vom überörtlichen Verkehr (im genannten Fall: der B1) zu befreien. Das wäre doch einmal einen Antrag beim Bundesverkehrsministerium wert! ;)

  • . Und trotzdem wird so getobt, am besten Berlin unter eine fantasierte "Bundeshoheit" zu stellen, so schlimm sei dies. :nono:


    Er hat nicht getobt. Aber eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen. Der Berliner Senat und vor allem auch die Bezirksverwaltungen haben die letzten Jahre nur noch mehr Probleme geschaffen, statt Probleme zu lösen. Das betrifft ja nicht nur die Bautätigkeiten.


    M. e. müßte bis runter auf die Abteilungsleiterebene das Personal weitestgehend in vielen Bereichen erneuert werden. Die Verwaltung und Dienste mit den nötigen Mitteln ausgestattet werden. Die EDV vereinheitlicht.


    Dann mehr Fachleute in die Verwaltung.


    Was wir derzeit in Berlin erleben ist einfach nur ein Trauerspiel. Allein das Thema Verkehrslenkung.


    Nein, auf Dauer wird nichts anderes übrig bleiben, hier mal kräftig aufzuräumen. Berlin kommt mir vor wie eine reale Version von SimCity...

  • Was m. E. fehlt ist eine ausreichende Straßenkapazität, die West und Ost miteinander im Zentrum verbindet. Bärlinde hätte vielleicht gleich einen Straßentunnel vom Alex zum großen Stern graben sollen...



    Macht Euch doch mal den Spaß und seht Euch mal diese Seite während der Berufsverkehrszeiten an:


    https://viz.berlin.de/

  • Science Fiction wie Berlin unter eine "Bundeshoheit" zu stellen hat für mich nichts mit der Aussprache einer unbequemen Wahrheit zu tun. Auch kann in Berlin jeder in die Politik gehen, der meint, es besser zu können. Es ist halt nicht so einfach und angesichts dessen, vor welchem Scherbenhaufen das junge Land Berlin 1990 stand und wie dann die Bankenaffäre den Landeshaushalt auf Generationen ausgeblutet hat (mit Zins und Zinseszins ca. 30 Milliarden € Verschuldung nur daraus, wie könnte Berlin heute dastehen, wenn man dieses Geld für Investitionen hätte verwenden können?), steht die Stadt heute eigentlich blendend da. Und nicht nur ich kreide der CDU bis heute an, Berlin damit an den Rand des Ruins geführt zu haben, soviel zu ach so unfähiger linker Politik. Solch einen finanziellen Scherbenhaufen könnte die RRG Koalition nicht einmal anrichten, wenn sie jedem Berliner 1.000 € in Cash in die Hand drückt. Das wären nämlich "nur" ca. 3,5 Mrd. € Kosten.


    Streit über die Verkehrsberuhigung von UdL ist da sozusagen ein Luxusproblem. Und gerade deswegen konnte ich den Wutausbruch von B. nicht nachvollziehen und gerade an diesem Thema herausarbeiten zu wollen, dass das politische Personal "unfähig" sei. Gerade hier zeigt es Gestaltungs- und Veränderungswillen. Vielleicht nicht im Sinne von B., aber gerade hier sitzt die Landespolitik mal nicht auf ihren Händen, sondern sieht ein breites Programm aus Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger in der ganzen Stadt vor. UdL ist da nur ein Teil.

  • Aus welchem Grund sollte man die westlichen Linden als Fußgängerzone mehr aufsuchen? Da gibt es doch nichts, was zum Verweilen einlädt. Man schaut sich die russ. Botschaft an und geht weiter zum Pariser Platz bzw. in die andere Richtung. Es gibt keine Geschäft und 1-2 Cafés. Daran wird eine Fußgängerzone auch nichts ändern, weil die Gebäude nicht für Gewerbe usw. gemacht sind, was eine Straße dieser Art attraktiv machen könnte. Sieht man ja auch am Kudamm. Verkehr hat man die ganze Strecke lang, im Osten vielleicht sogar mehr. Aber im Westen ist trotzdem nichts los. In der Schlosstr. hat man auch Verkehr, sicher eine höhere Dichte, als UdL. Aber es ist knüllevoll. An den Autos allein kanns also nicht liegen.

  • Bis zum U5 Umbau war das eine sehr stark befahrene Bundesstraße. Und bis kürzlich hatten Immobilieneigentümer keinen Grund anzunehmen, dass sich das ändert, man dachte ja, dass dieser Status Quo nach der Baustelle wieder einkehren würde (und während der nicht weniger unattraktiven Baustellenphase hat schon gar niemand daran gedacht, in Angebote für Laufkundschaft zu investieren).


    Natürlich kann man Erdgeschosse der Anliegerbauten aber auch umbauen. Das ist gar nicht mit soviel Aufwand verbunden, wie oft gedacht wird. Die Russische Botschaft ist nur einer von vielen Anliegern. Führen die Botschaften, die zB den Pariser Platz als Anlieger prägen, etwa dazu, dass es diesem an Belebung mangelt?


    Im Grunde kann man die meisten Gegenargumente mit einem kurzen Verweis auf den Pariser Platz bzw. dessen Entwicklung seit Verkehrsberuhigung beantworten.

  • Mit ist es eigentlich relativ schnuppe, ob der westliche UdL-Teil autofrei wird oder nicht. Entscheidend ist der östliche Abschnitt zwischen Spandauer Straße (da noch KarLi) bis Universitätsstaße (Reiterstandbild FII) - besser noch bis Friedrichstraße. Dort liegen die Sehenswürdigkeiten, dort herrscht großer Touribetrieb und dort wäre es daher auch sinnvoll.


    Da das Brandenburger Tor eh Fußgängerbereich ist, bleibt ein kurzer Abschnitt dazwischen (Friedrichstraße-Wilhelmstraße). Da würde sich der Autoverkehr von alleine auf ein sehr niedriges akzeptables Niveau reduzieren. Dort sollte dann Tempo 30 und rechts vor links gelten, dazu evtl. mehrere Zebrastreifen, und alles wird gut.

  • Streit über die Verkehrsberuhigung von UdL ist da sozusagen ein Luxusproblem.


    Das ganze Thema "Verkehrsberuhigung unter den Linden" ist ein "Luxusproblem", aber es war Rot-Rot-Grün, dass es geschaffen hat, nicht die Kritiker.


    Angesichts der jüngsten Vorfälle:


    http://www.tagesspiegel.de/ber…setzt-haben/14976460.html


    ... dürfte die Berliner vor allem interessieren, wie der neue Senat für Sicherheit im ÖPNV und generell im öffentlichen Raum sorgen will. Aber dazu hört man wenig, stattdessen zieht man den Umbau einer Bundesstraße in eine verkehrsberuhigte Zone als Parade-Verkehrsthema hoch. Absurd.


    P.S.: Dass die CDU in Berlin auch nicht gerade durch Kompetenz glänzt, wird wohl von keinem einigermaßen unvoreingenommenen Betrachter bestritten werden. Dass ist aber kein Grund, der neuen Mehrheit nicht auf die Finger zu schauen.

  • ^ Eine Verkehrsberuhigung der UdL braucht man dennoch genauso wie man in etlichen Städten Fußgängerzonen braucht. Mich ärgern übrigens die hier häufigen Versuche, das Thema so darzustellen als ob es ein linkes Thema wäre während bürgerliche Bürger mit einem PKW zusammengewachsen zu sein haben, welchen sie unter Gefahr des Kryptokommunismus-Verdachts möglichst nicht verlassen. Eine Fußgängerzone wurde gar vor dem Buckingham-Palast eingerichtet, damit Genossen Touristen (mit roten Bannern wehend) ruhig den Wohnsitz der Genossin Queen betrachten können.


    Wenn manche den Sinn der Verkehrsberuhigung vor allem im Osten zwischen den Sehenswürdigkeiten sehen - wenn auch der Pariser Platz gesperrt ist, manche Seitenstraßen wie vor der Britischen Botschaft - dann hat eine öffentliche Straße dazwischen doch kaum Sinn. Mit Bussen und Taxis wird sie befahrbar genug bleiben.


    Die Sicherheit im ÖV - die Fälle wie darüber verlinkt sind genauso medienspektakulär wie selten. In der Praxis wird man jeden Tag mit der Nikotin vergiftet, auch in der U-Bahn, trotz deutlicher Zeichen - so selten und kurz bin ich in Berlin, trotzdem während den paar U-Bahn-Fahrten erlebt. (In NRW leider ebenso, das wirklich jeden Tag.) Hier müsste endlich was wirksames passieren.

  • ^ Eine Verkehrsberuhigung der UdL braucht man dennoch genauso wie man in etlichen Städten Fußgängerzonen braucht.


    Fußgängerzonen etc. mögen ihren Sinn haben, und vielleicht sogar unter den Linden (auch wenn ich das persönlich in diesem konkreten Fall anders sehe); angesichts der Probleme, die im Berliner Straßenverkehr an anderer Stelle bestehen, halte ich dieses Thema allerdings für nachrangig.


    Die Sicherheit im ÖV - die Fälle wie darüber verlinkt sind genauso medienspektakulär wie selten.


    Klar. Vandalismus, aggressives Verhalten etc. sind im Berliner ÖPNV leider ein Alltagsphänomen. Dass dagegen nicht konsequent vorgegangen wird, suggeriert gewaltbereiten jungen Männern aber offensichtlich, dass der ÖPNV ein rechtsfreier Raum sei. Ein Einzelfall war der Neuköllner Treppenstoß jedenfalls nicht:


    http://www.spiegel.de/sptv/spi…-in-berlin-a-1102462.html


    Subjektiv empfinde ich den Berliner ÖPNV als deutlich unsicherer als vor ca. zehn Jahren, als ich schon einmal in Berlin wohnte (ich bin vor einigen Jahren zugezogen).

  • ^ Beide Fälle haben wenig miteinander zu tun: Der Täter in der Hermannstraße war allem Anschein nach ein brutales Schwein (und mit seinesgleichen unterwegs), der Täter am Ernst-Reuter-Platz jedoch war (bzw. ist) psychisch krank und wurde vom Gericht als schuldunfähig eingestuft. "Offensichtlich" und "jedenfalls" suggeriert hier Zusammenhänge, die es so nicht gibt. Klinische Psychosen werden nicht von beschmierten U-Bahn-Bänken ausgelöst.


    Auch ist es um die Sicherheit im Berliner ÖPNV so schlecht nicht bestellt: Zwar sind gut 3.000 Vorfälle im Jahr 2015 zweifellos viel (und zu viel). Dem stehen aber im gleichen Zeitraum über eine Milliarde (!) Fahrgäste gegenüber. Die Wahrscheinlichkeit, bei einer ÖPNV-Fahrt zum Opfer zu werden, liegt statistisch also bei 0,0003 Prozent. Ich bin fast täglich an Bahnhöfen wie Kottbusser Tor, Hermannplatz und Görlitzer Bahnhof unterwegs und treffe dort regelmäßig auf unangenehme Gestalten - eine wirklich bedrohliche Situation habe ich aber in zweieinhalb Jahren (zum Glück) nicht erlebt.

  • Auch ist es um die Sicherheit im Berliner ÖPNV so schlecht nicht bestellt: Zwar sind gut 3.000 Vorfälle im Jahr 2015 zweifellos viel (und zu viel). Dem stehen aber im gleichen Zeitraum über eine Milliarde (!) Fahrgäste gegenüber. Die Wahrscheinlichkeit, bei einer ÖPNV-Fahrt zum Opfer zu werden, liegt statistisch also bei 0,0003 Prozent.


    Die Quote der Straftaten als Anteil aller einschlägigen menschlichen (Inter-)Aktionen darzustellen, ist – mit Verlaub – Quatsch mit Soße. Genauso gut könnte man z. B. sagen, die ca. 20 Fahrradfahrer, die jährlich im Berliner Straßenverkehr durch abbiegende LKW und PKW zu Tode kommen, seien angesichts von "Milliarden" (Ihr O-Ton) gefahrenen Fahrradkilometern pro Jahr statistisch irrelevant.


    Übrigens ließe sich solche Vorfälle wie der Treppensturz im U-Bahnhof Hermannstraße zumindest zuverlässig und schnell aufklären, was dann auch wieder eine "generalpräventive" (allgemein abschreckende) Wirkung hätte: Man müsste einfach wie z. B. in Paris oder Brüssel an den Zu- und Ausgängen zu den Bahnhöfen Tore mit Fahrscheinlesern aufstellen und dafür sorgen, dass die Videoaufnahmen nicht nur aufgezeichnet, sondern auch von Sicherheitspersonal überwacht werden. Dann würden bei Straftaten dieser Art sofort die Tore verriegelt, und die Polizei könnte zugreifen. (Nebenbei ließen sich Schwarzfahrten so auf Null reduzieren.)

  • Genauso gut könnte man z. B. sagen, die ca. 20 Fahrradfahrer, die jährlich im Berliner Straßenverkehr durch abbiegende LKW und PKW zu Tode kommen, seien angesichts von "Milliarden" (Ihr O-Ton) gefahrenen Fahrradkilometern pro Jahr statistisch irrelevant.


    "Milliarden" war nicht "mein O-Ton", sondern "über eine Milliarde" – und das bezog sich auf die Zahl der Berliner ÖPNV-Passagiere des Jahres 2015, die ich aus der Morgenpost zitiert habe. "Irrelevant" habe ich auch nicht geschrieben, sondern "viel (und zu viel)". Und Gewalttaten und Unfälle sind unterschiedliche Paar Schuhe, aber sonst kann man das wunderbar vergleichen: 20 tote Radfahrer sind 20 zuviel, aber man muss diese Zahl tatsächlich ins Verhältnis setzen zu den Radkilometern, die in Berlin jedes Jahr zurückgelegt werden – und kommt zu dem Schluss, dass man sich nicht gleich in akuter Lebensgefahr befindet, sobald man das Fahrrad besteigt (wie auch die Wahrscheinlichkeit, in der U-Bahn verprügelt zu werden, vorhanden, aber sehr gering ist).

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    Sie betreiben Wortklauberei. Ich finde es halt absurd, wenn Sie behaupten "Auch ist es um die Sicherheit im Berliner ÖPNV so schlecht nicht bestellt" und tausende von Vorfällen damit bagatellisieren, es würden schließlich auch "über eine Milliarde (!) Fahrgäste" pro Jahr befördert. (Und dabei sehe ich sogar darüber hinweg, dass die Aussage falsch ist, denn es gibt in Berlin mit Sicherheit nicht "über eine Milliarde Fahrgäste" pro Jahr, sondern bestenfalls "über eine Milliarde" Einzelfahrten.)


    Wie dem auch sei: Sie bagatellisieren mit solchen Milchmädchenrechnungen die mangelnde Sicherheit im ÖPNV, um die der Senat sich m. E. kümmern sollte, bevor er die Linden in eine Fußgängerzone verwandelt.



  • man sagte mir mal, dass in der Wende-Euphorie schon 6 Mio. plus X Einwohner für Berlin prognostiziert wurden. Irgendwie sind wir bei solchen Dingen in Berlin "bipolar", entweder Selbstmitleid und Weltuntergang steht bevor oder totaler Überschwang. Und wer weiss schon, wie sich die Entwicklung autonomer Elektrofahrzeuge auswirkt.


    Die BVG wird echt genug damit zu tun haben, die o. g. 3 Mrd. Investition in neue Fahrzeuge zu stemmen und das Bestandsnetz muss auch (dringend) weiter saniert werden. Und Sonderwünsche wie ein (noch billigeres) Sozialticket müssen ja auch noch bedient werden. Das GVFG wird nun zwar verlängert, aber auf dem Stand eingefroren, auf dem es schon seit 1996 ist (Artikel 125c Absatz 2 Grundgesetz wird wie folgt ergänzt "Eine Änderung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz durch Bundesgesetz ist ab dem 1. Januar 2025 zulässig."). Vom Bund gibt bis mindestens 2025 es also keinen Cent zusätzlich für ÖPNV in Deutschland, durch die Inflation umgekehrt sogar jedes Jahr etwas weniger.


    Wer uns so den Mund wässrig macht, nett wären diese Projekte natürlich schon, der soll doch auch bitte grob andeuten, wie er sowas zu finanzieren gedenkt.


    Also wir sollten vorerst sehr skeptisch bleiben.

  • Vom Bund gibt bis mindestens 2025 es also keinen Cent zusätzlich für ÖPNV in Deutschland, durch die Inflation umgekehrt sogar jedes Jahr etwas weniger.


    Und Du regst Dich natürlich lieber über "noch" billigere Sozialtickets auf als darüber. Dank der Entscheidung, die A100 nicht weiter zu verlängern, spart der Bund in Berlin doch Hunderte von Millionen an Verkehrsausgaben. Warum spendiert er die nicht der BVG? Wie? Ach ja, das wäre natürlich Klientelpolitik für Hipster, Lebenskünstler und Sozialschmarotzer, während Autobahnen nichts als in Asphalt gegossenes Gemeinwohl sind.


    Im Ernst, es kann doch nicht sein, dass ein paar neue U-Bahnstationen in Berlin als Utopistenspinnerei gelten, und gleichzeitig der Autobahnbau eine Selbstverständlichkeit sein soll, die Utopisten nicht zum Opfer fallen dürfe (das hast jetzt nicht Du gesagt, aber wer sich den Verkehrsetat des Bundes anschaut, weiß, dass nicht das Sozialticket das Problem darstellt).