Potsdam: Wiederherstellung historische Mitte - Bauthread

  • ^ Vielleicht wollte Konstantin die Bedeutung der Verzierungen für die Gestaltung unterstreichen (siehe dazu im allgemeineren Thread, mit Pisa und Marl als gegenübergestellte Beispiele) - die Fassaden gegenüber dem Schloss sollten auf jeden Fall verziert gestaltet werden. Konstantin zeigt die früheren im Posting vom 12.08.16 14:11, diese passen ganz gut.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Die FH war keine Typenbau, wo steht also deines Wissens eine Zweite?

    Dass ein Gebäude kein Typenbau aus dem Katalog war, bedeutet längst nicht, dass es herausragend, alleinstehend und denkmalwürdig ist. Ähnliche Bauten habe ich im Osten jahrzehntelang mehr als genug gesehen. Selbst wenn es irgendwo besondere Kunst gibt - diese kann man abbauen und woanders verwenden.

    Das darüber verlinkte Marler Rathaus wurde auf Stahlkabeln hängend gebaut - in den 1960er Jahren eine technische Innovation. Ich kenne ein ähnlich gebautes Wochhochhaus in Breslau (ich glaube, das erste und möglicherweise einzige dieser Art in Polen) - obwohl das Äußere einer Renovierung bedarf, habe ich in diesem Fall Verständnis für Anregungen des Denkmalschutzes aufgrund der Bedeutung für die Bautechnik bzw. derer Geschichte.
    Passierte beim Bau der Potsdamer FH etwas ähnlich bahnbrechendes? Dass nicht der Typ 0815 aus dem Katalog genommen wurde, sondern ein Architekt nach dem Schema F ein wenig zeichnen und anordnen musste, ist für Denkmalschutz echt zuwenig. Dann wären buchstäblich alle Bauten außer Katalogbauten denkmalwürdig.

  • Hier kommt der aktuelle Vorschlag der Potsdamer Neudenker zur Neubebauung am Alten Markt als "Kompromiß". Dieser Vorschlag ist doch städtebaulicher Murks.

    Die Schwertfegerstraße führt ins Nichts, der Stützengang der FH versperrt nach wie vor die Verbindung zwischem Altem Markt und Steubenplatz (Blickbeziehung Tympanon Einsiedler-Obelisk-Rathaus), der Staudenhof riegelt den Alten Markt vom jetzigen Zentrum ab und die Ecke zum Platz der Einheit/Wilhelmplatz ist auch nicht definiert. Und da haben wir über Architektur noch gar nicht gesprochen.

    (C) potsdamermitteneudenken.de/Ekkehard Schöll

    Einmal editiert, zuletzt von Konstantin (14. August 2016 um 13:36)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Das darüber verlinkte Marler Rathaus wurde auf Stahlkabeln hängend gebaut - in den ( ... )dem Katalog genommen wurde, sondern ein Architekt nach dem Schema F ein wenig zeichnen und anordnen musste, ist für Denkmalschutz echt zuwenig. Dann wären buchstäblich alle Bauten außer Katalogbauten denkmalwürdig.


    Wenn interressiert das, du hast gesagt es

    Dekoratives Anführungszeichen

    war selbst in der Mangelwirtschaft der Entstehungszeit bloß Dutzendware

    . Wo ist dein Beweis das es das Gebäude mehr als zweimal gibt? Meines Wissens ist es der einzige Bau dieser Art, womit das Argument der Dutzendware sich von selbst erledigen würde. Das kann ein grund für Denkmalschutzwürdigkeit sein, muss es aber nicht. Ich finde diese Art der Diskussion ziemlich fragwürdig, da der Denkmalschutz meistens Gebäude in einer Zeitschicht einfrieren will, was bei Gebäuden der Modern M.E. blödsinn ist da das meist zugrunde liegende Konzept Flexibilität war. So ist die FH als Ressource zu sehen die man weiterbauen kann.

    Nach deiner Auffassung müsste das ja heißen das man z.b. die hälfte aller Gründerzeithäuser in Leipzig aus den Denkmalschutzlisten herausnehmen müsste. Das wäre dann natürlich ziemlicher Quatsch.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ähnliche Bauten habe ich im Osten jahrzehntelang mehr als genug gesehen


    Bitte kläre uns auf! Nenne bsp. statt irgendwelche völlig art- und diskussionsfremden Gebäude zu benennen.

    Achja und das Marler Rathaus ist nicht so besonders, bereits in den 50er Jahren gibt es erste Hängehochäuser, überwiegend in Westlichen Ländern. Die Sowjetischen Konstruktivisten (wie bei fast allen Modernen) haben dazu erste Ideen in den 20ern Entwickelt.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ein Beispiel im Vorher/Nachher vergleich: die Staffettenreitergasse:


    Das Linke Gebäude ist so lala, das Rechte unterirdisch. Deswegen erschließt sich mir nicht warum so scharf auf die kleinparzellierung ist da es höchstwahrscheinlich eh wieder so aussehen wird. Man sieht ja auch beim Barberieni wie das Nebengebäude auf der Uferseite das Ensemble genauso stört wie die minderwertigen Zäune.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Hier kommt der aktuelle Vorschlag der Potsdamer Neudenker zur Neubebauung am Alten Markt als "Kompromiß". Dieser Vorschlag ist doch städtebaulicher Murks.


    Halte ich auch für Murks da die FH-zu einer sinnlosen Hinterhofsituation degradiert wird welcher einer angedachten Kulturellen Nutzung im wege steht und die Tiefgarageneinfahrten auch sehr gestört wird. Solch eine Kulturelle Nutzung würde eher eine Inszenierung gebrauchen. Wenn man die FH allerdings zu einer Wohnanlage weiterbaut wäre es vertretbar. Das einzige was wirklich gute ist der Staudenhofgarten. Größtes Hindernis der FH als Ensemble ist sowieso die Billo-Sanierung der Bibliothek die den Pavillion-Charakter zerreißt und damit die nötige Stringenz behindert.

  • Was haben unterirdische Fassaden mit Kleinparzellierung zu tun? Diese erhöht immerhin die Wahrscheinlichkeit, dass unter 10 Gebäuden, doch noch ein paar gute sind, während ein Solitär rundum unterirdisch sein könnte, s. FH. Letztendlich hängt es also alles vom Willen der Architekten und der Stadt ab.

  • Mir ist das ja sowas von egal ob die FH nun ein einmaliger Typenbau ist oder nicht. Das macht sie für mich im Stadtbild nicht verträglicher und ihre Architektur nicht ästhetischer.

  • ^
    Naja ein Block mit 2 vll. guten Fassaden und 8 beschissenen ist nun einmal ein übler Kompromiss der Jahrzehnte dort stehen würde. Da kann man dann auch Rationeller ran gehen und die FH erhalten und weiterbauen. Evtl. sogar später abtragen wenn die Stadt sicherstellen kann das dort eine Vorzeigbares Ensemble entsteht. Selbst wenn man auf die Ebene der FH-Gegner geht: FH = Scheiße. Wo ist der Sinn Scheiße durch Scheiße mit einem matten Goldfleckchen zu ersetzen? Habt ihr denn nichts aus dem Schloss-Debakel , mit seiner Modernistischen Fassadenvariante und dem Sparkassen-Interieur, gelernt? Oder geht es euch im Endeffekt nur um Fassadenwirkungen unabhängig vom Inhalt?:mad

    Dekoratives Anführungszeichen

    Mir ist das ja sowas von egal ob die FH nun ein einmaliger Typenbau ist oder nicht. Das macht sie für mich im Stadtbild nicht verträglicher und ihre Architektur nicht ästhetischer.


    Mir gehts nur um die ewige sinnlose Behauptung, welches immer als Argument vorgeführt wird, außer es wäre wahr, was ich bezweifle.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Halte ich auch für Murks da die FH-zu einer sinnlosen Hinterhofsituation degradiert wird welcher einer angedachten Kulturellen Nutzung im wege steht und die Tiefgarageneinfahrten auch sehr gestört wird. Solch eine Kulturelle Nutzung würde eher eine Inszenierung gebrauchen. Wenn man die FH allerdings zu einer Wohnanlage weiterbaut wäre es vertretbar. Das einzige was wirklich gute ist der Staudenhofgarten. Größtes Hindernis der FH als Ensemble ist sowieso die Billo-Sanierung der Bibliothek die den Pavillion-Charakter zerreißt und damit die nötige Stringenz behindert.

    Da sich nun die Neudenker-Anderen-Linke in den Wettbewerb der Stadt um mehr Sozialwohnungen begeben haben (nix mehr mit Kultur), momentan steht die Schlacht bei 300 zu 250 Sozialwohnungen (Neudenker gegen ProPotsdam), ist das eh' egal. Die Sozialwohnungen brauchen offenbar auch keine Balkone und die Abstandsflächen, die progressiven Planern so wichtig sind, können ruhig mal knapper sein als bei Zille - Hauptsache die FH bleibt als Fassade stehen. Dass - wenn das so kommen sollte - diese auch "Billo-saniert" wird ist ja ohnehin sicher.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Meines Wissens ist es der einzige Bau dieser Art ...

    Weiterhin fehlt die Angabe, welche bahnbrechende architektonische oder technische Neuerung mit der FH umgesetzt wurde - dass im Osten recht viele (Hoch-)Schulbauten gebaut wurden, dürfte ohne lange Listen der Beispiele klar sein. Der Vergleich mit früheren Epochen hinkt, weil aus diesen wesentlich weniger Bauwerke erhalten blieben - die Nachkriegszeit ist sehr reichlich vorhanden.
    Hingegen stimmt auf jeden Fall Batos Aussage, dass die FH für das Stadtbild negativ ist - die Abriss-Forderung ist gut untermauert. Ein Umbau, welcher die Fassaden halbwegs erträglich machen würde, würde die Bausubstanz so massiv ändern, dass sie ohnehin nicht baudenkmalartig erhalten wird - es hat also eh keinen Sinn.

    Die kleinteilige Gestaltung müsste in der einstigen Altstadt ohnehin selbstverständlich sein, egal ob die Einzelfassaden etwas besser oder schlechter geraten werden. Sie ist sehr beliebt und ich kenne sehr viele Wohnungsbauprojekte, wo man eine Fassadendifferenzierung versucht. In der einstigen Altstadt müsste auch zumindest die Anlehnung an historische Vorbilder selbstverständlich sein.

  • ^
    Du laberst immer irgendwas, nur beantwortest du die Frage nicht.
    Untermauere doch bitte deine Behauptung das die FH-Dutzendware sein soll. Wo steht also eine zweite oder auch nur Ähnliches Gebäude. Was hat das mit Revolutionären Bautechniken zu tun? Die Reko-Fassaden sind doch auch nicht Revolutionär? Warum sie dann Wiederaufbauen, außer um der offensichtlichen Ästhetik willen? Deine Meinung ist etwas seltsam, da wie gesagt laut deinem Gestus man ganze Altstädte abreißen könnte, nur weil sie Dutzendware oder nicht Revolutionär sind. So ein hanebüchener Unsinn.:mad:

    Dekoratives Anführungszeichen

    ürde die Bausubstanz so massiv ändern, dass sie ohnehin nicht baudenkmalartig erhalten wird - es hat also eh keinen Sinn.


    Also wenn man eine neue Fassade, z.b. Hinterlüftung, Dämmung und Steinplatten oder Aluminium auf die Betonteile ansetzt, wo ist denn dann die Bausubstanz massiv verändert? Wer sagt das man die Fassade überhaupt so strukturell übertünchen muss?

    Dekoratives Anführungszeichen

    dass im Osten recht viele (Hoch-)Schulbauten gebaut wurde


    Schulen, meist Typenbauten ja. Hochschulen eher kaum.

  • Dekoratives Anführungszeichen


    Du laberst immer irgendwas, nur beantwortest du die Frage nicht.

    Spätestens jetzt müsste man die Frage des Diskussionsstils ansprechen - auch die S...-Kraftausdrücke weiter oben usw.
    Ich habe im Osten gelebt und unzählige (Hoch-)Schulbauten gesehen, die ganz ähnlich waren. (Sogar an einem im Rahmen eines studentischen Praktikums mitgebaut.) So geht es wohl den meisten hier. Sinnvoller ist die Frage nach der Seltenheit, die bei jedem Denkmalschutz-Antrag gestellt wird, im Rahmen des Verfahrens - entweder ist eine Epoche wenig vertreten oder ein ganzes Ensemble wertvoll oder etwas anderes macht das Bauwerk herausragend. Das alles trifft im Fall der Potsdamer FH offenbar nicht zu.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Also wenn man eine neue Fassade, z.b. Hinterlüftung, Dämmung und Steinplatten oder Aluminium auf die Betonteile ansetzt, wo ist denn dann die Bausubstanz massiv verändert?

    Es sind Änderungen, die normalerweise ausreichen, um ein Bauwerk von der Denkmalliste zu streichen - wegen der Abweichung vom Ursprungszustand. Mit einer neuen Fassade ist aber bei der FH nicht getan - die ganze Technik ist bestimmt überholt, die Innenwände so nicht nutzbar, die Leitungen für eine andere Nutzung an falschen Stellen, bestimmt auch einige Gebäudeteile - und das alles steht ohnehin der Altstadt im Weg.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich habe im Osten gelebt und unzählige (Hoch-)Schulbauten gesehen, die ganz ähnlich waren.


    Na dann sag an. Wo standen die? Benenne doch die Bsp. Ich bin gespannt ob da auch nur einer Pavillionbau, geschweige denn in der Größenordnung dabei ist. Ich lasse mich aber auch gerne eines besseren belehren. Also rede nicht immer um den heißen Brei ob deiner Behauptungen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Rahmen des Verfahrens - entweder ist eine Epoche wenig vertreten oder ein ganzes Ensemble wertvoll oder etwas anderes macht das Bauwerk herausragend. Das alles trifft im Fall der Potsdamer FH offenbar nicht zu.


    Makulatur wenn deinen Unterstellungen leere Behauptungen bleiben. Denn es ist offenbar nicht zu sehen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Es sind Änderungen, die normalerweise ausreichen, um ein Bauwerk von der Denkmalliste zu streichen


    Und ich wiederhole die Frage, warum muss immer alles auf der Denkmalliste landen? Das Denkmalamt friert Gebäude unsinnvollerweise in einer Zeitschicht ein bei Gebäuden der Moderne oft gegen ihre Prinzipien.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Weiterhin fehlt die Angabe, welche bahnbrechende architektonische oder technische Neuerung mit der FH umgesetzt wurde

    Es gibt mehr als ein Kriterium, weshalb ein Gebäude Denkmal sein kann. Folgende Gründe gibt es:

    Aus Geschichtlichen Gründen kann ein Gebäude Denkmal sein: Hier hat xy so un so lange gelebt, oder auf dem Balkon gestanden und eine Rede gaheltem, oder das Gebäude war Sitz der ersten Glasbruchversicherung in Deutschland etc.

    Aus wissenschaftlichen Gründen, wenn das Objekt selbst Gegenstand von Forschung war, oder es Forschung beheimatet hat: Hier hat Einstein einen Kühlschrank erfunden, oder dieses Gebäude war eine Antenne für Nicola Teslas Experimente etc.

    Technische Gründe liegen vor, wenn ein Gebäude den Fortschritt von Technik repräsentiert: Beispiele wurden genannt (Hängehochhaus), andere sind auch vorhanden.

    Städtebauliche Gründe können auch ein Gebäude von z.B. minderer Architektonischer Qualität zum Denkmal erheben. Dabei ist die besondere Prägung eines Ortes durch das Gebäude ausschlaggebend.

    Künstlerische Gründe gibt es in zwei unterschiedlichen Ausprägungen:
    1. Gebäude können besonders ästhetisch sein. Das ist mal mehr mal weniger diskussionswürdig. Das ist auch kein Punkt, auf den ich eine denkmlarechtliche Einschätzung stützen würde.
    2. Kunstgeschichtliche Gründe sprechen für Gebäude die typische Vertreter ihrer Zeit sind, die eine Stilepoche besonders gut repräsentieren und so die Entwicklung von Kunst und Architektur dokumentieren.

    Denkmale die alle Kategorien erfüllen gibt es kaum, das ist auch nicht nötig. Auch ist das Kriterium, das ein Gebäude besonders ästhetisch ist nicht alleine ausschlaggebend, ebensowenig wie das Manra-mäßig vorgetragene Argument, das es keine technische Neuerung gibt (ohnehin seltenstes Kriterium). Ein Formular für eine Denkmalseinordung, bei der nach Seltenheit gefragt wird, existiert nicht.

    Es liegt ein bisschen in der Natur der Sache, das die Bauwerke der DDR nicht überwiegend wegen ihres ästhetischen Wertes Denkmale sind. Dennoch ist dies eine Zeitepoche, die kunstgeschichtlich (noch) existiert, das kann man nicht bezweifeln. Dass ein Hochschulgebäude im Zentrum von Potsdam nicht 0815-Architektur darstellt, so viel Einschätzungskompetenz kann man voraussetzen in einem Architekturforum. Die FH ist ein Vertreter einer kunsthistorischen Epoche von besonderer Qualität. Besondere Qualität versteht sich im Vergleich mit den anderen Vertretern der gleichen Epoche. Städtebauliche Gründe kann man diskutieren. Unter dem damaligen städtebaulichen Umfeld waren eine Einengung der Platzkanten nicht unsinnig, dann da war ja auch eine große Straße. Neue (alte) Sichtachsen gibt es ohne die alten Gebäude auch nicht. Wo kein Gebäude mit Tympanon ist, kann keine Sichtachse auf diesen Tympanon sein. Man sollte davon ausgehen, das bei einem Neubau, dieser Rücksicht auf den Bestand nimmt und nicht Sichtachsen aufbaut, die dann nicht passen. Baue ich ein Gebäude falsch, dann liegt das nicht sofort an der Umgebung, sondern zuerst an dem neuen Gebäude selbst.

    Man kann das alles diskutieren, wird ja auch gemacht. Aber wieso ihr immer nur Maximalpositionen austauscht verstehe ich nicht. Die FH hat ein paar Qualitäten und ein paar Mängel und ist dennoch ein wichtiger Vertreter der Epoche und sicher keine Massenware. Das sich das städtebauliche Umfeld ändert ist aber auch ein wichtiges Argument. Das die FH in Gänze noch in das städtebauliche Umfeld passt, sehe ich nicht, gänzlich ausradieren wäre m.E. aber nicht angemessen. Insbesondere, da entweder der Erhalt von Hotel, FH und Staudenhof in Gänze gefordert wird, oder deren gesamter Abriss. Die drei wichtigsten und prominentesten Vertreter ihrer Zeitepoche im Zentrum der Stadt vollständig auszulöschen geht mir zu weit, man kann sicher unter diesen drei eine Wertung vornehmen.

    Es gibt auch Beispiele, z.B. in Graz wo man in einem vollkommen intakten Umfeld moderne Architektur hat und das sehr gut angenommen wird. In Ulm funktionierte das auch sehr gut. Ich finde die FH gestalterisch nicht schlecht, die Sockelsituation mit den verschobenen Stufen finde ich sogar sehr ansprechend. Ich finde auch die Vertikalen Fassadenelemente, wie sie durchaus in Dialog mit den Säulen des Schlosses treten gestalterisch spannend.

    Wenn ich das richtig sehe, gab es nur Planungen/Wettbewerbe/Workshops, bei denen der Abriss geplant wurde. Der gezeigte Kompromissvorschlag ist Mist. Man sieht aber auch auf den ersten Blick, dass das ein älterer Kollege war, da sollten auch mal ein paar jüngere ran und Konzepte erstellen.

  • Die Zusammenfassung der unterschiedlichen Gründe für eine Denkmalerklärung ist völlig richtig. Nur sind diese Gründe eben nicht zwingend additiv, sondern auch konkurrierend. Wären sie additiv würde sich - nach diesen Kategorien - in den Innenstädten irgendwann gar nichts mehr bauen lassen, weil so mancher maßstabssprengender Bau, der ganze Stadtviertel von anderen abriegelt natürlich zeittypisch war (oder ist).

    Deshalb ist aktive Denkmalpflege eben keine akademische Wissenschaft sondern ein ständiges Urteilen und gegeneinander Abwägen in der Praxis. Mit dem Urteilen haben wir momentan Schwierigkeiten, weil fast alles in Städtebau und Architektur zur Geschmackssache degradiert wird.

    Trotzdem bleibt das Abwägen: was verliere ich beim Abbruch der heutigen FH (ein zeittypisches Gebäude der DDR-Moderne, mit dem die ihrerzeit (immer noch) junge Dikatatur ihre Internationalität und Weltläufigkeit demonstrieren wollte und so eine prototypische Umwandlung eines barocken Stadtzentrums zum Zentrum einer "sozialistischen Bezirksstadt" (nur ansatzweise) umsetzte) und was gewinne ich (die stadträumliche und - zu Teilen - architektonische Wiederherstellung eines einzigartigen barocken Altstadtumfeldes mit internationalen Architekturzitaten, wie es es in Europa anderswo nicht gegeben hat).

    In der Abwägung überwiegt eben - nicht wegen der individuellen Konstruktion der FH sondern wegen der Austauschbarkeit ihrer Fassade, die auch noch an anderen Stellen der heutigen Landeshauptstadt und anderer Städte präsent ist - die Rückgewinnung des historischen Zustandes im Städtebau und durch weitere fünf zu rekonstruierende Leitfassaden auch in der Architektur. Zugleich werden durch die Umgestaltung eine lange Reihe von weiteren Räumen (wieder)geschaffen, die - jeder für sich - auch neue Qualitäten setzen: Uferpromenade, Lustgarten, Steuben vulgo Fiakerplatz, Achteckenplatz, Schwertfegergasse. Das hatte die steckengebliebene Umgestaltung der Altstadt zum "Karl-Liebknecht-Forum" eben nicht vermocht.

    Diese Gründe haben die Stadtverordneten dazu veranlasst seit 1990 in über 20 Beschlüssen in diesem Bereich der Altstadt die städtebauliche Wiederherstellung des Vorkriegszustandes anzustreben, und zwar in Um- und Aufriß - der letzte Beschluß für das Leitbautenkonzept - und damit für einen Abbruch der FH - ist gerade einmal drei Monate alt.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Konstruktion der FH sondern wegen der Austauschbarkeit ihrer Fassade, die auch noch an anderen Stellen der heutigen Landeshauptstadt und anderer Städte präsent ist


    Zeig doch mal interessen halber die Bsp., (außer die Alte Post in Potsdam, die ist ja bekannt)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Deshalb ist aktive Denkmalpflege eben keine akademische Wissenschaft sondern ein ständiges Urteilen und gegeneinander Abwägen in der Praxis. Mit dem Urteilen haben wir momentan Schwierigkeiten, weil fast alles in Städtebau und Architektur zur Geschmackssache degradiert wird.

    Ich habe den Sinn dieses Postings nicht ganz durchschaut, was zweifelsohne an einem falschen Bild der Denkmalpflege liegt. In meiner Heimatstadt ist seit Aufstellung der Denkmalsliste ein einziges Objekt von dieser verschwunden und wurde durch ein einziges anderes ersetzt. Die Befürchtung, durch Denkmalpflege würde irgendwann nichts mehr gebaut werden sehe ich da nicht. Insbesondere deshalb sehe ich diese "Gefahr" nicht, da wir zu weit mehr als 90% Müll bauen (gestalterisch und technisch).

    In meiner Beruflichen Praxis, die nicht nur rudimentät mit dem Thema Denkmalpflege zu tun hat und in der schon mehrere Gutachten von mir mit Kollegen zu Denkmaleigenschaften von Einzelobjekten und Ensembles entstanden, kann ich Dir bescheinigen, dass Du nicht den blassensten Schimmer hast, was Denkmalpflege ist und was sie tut. Gutachten, die nur selten weniger als 100 Seiten haben, in denen minutiös beschrieben wird, warum eine Türklinke konstitutiver Bestandteil eines Denkmales ist oder nicht, kann man nicht einfach so zur "Geschmackssache" degradieren. Du möchtest, dass es so ist, damit Dein "Geschmack" eine Rolle spielt. Das tut er auch, aber eben nicht in der Denkmalspflege.

    Gelöscht. Anderen Ton bitte!
    Bato

  • Dekoratives Anführungszeichen

    [...]und was gewinne ich (die stadträumliche und - zu Teilen - architektonische Wiederherstellung eines einzigartigen barocken Altstadtumfeldes mit internationalen Architekturzitaten, wie es es in Europa anderswo nicht gegeben hat).

    Ja ... einzigartig. Außerhalb Chinas dürfte es keine so große Sammlung an Architekturkopien gegeben haben. Man könnte das auch noch erweitern und neben den Leitbauten, Leitfassaden und Leitlinien einfach noch mehr Originale kopiern. Vielleicht ist da noch Platz für einen Michelangelo, den gabs ja glaube ich nicht?

    Ich kann ja bei vielen Punkten durchaus mitgehen, was den Stadtraum angeht, aber es war auch vorher ein zusammengeklauter Architekturladen. Es sind ja nur wenige Originale verlorengegangen, die kann ich mir ja noch in Rom und im Veneto ansehen. Und Stadtraum kann ich auch bestandsnah entwickeln. Das Argument, dass z.B. die Fh 2-3m zu weit südlich steht finde ich ganz schön mager, wenn es nur in einer Sichtachse auf ein gebäude steht, das es gar nicht mehr gibt und das auch nicht als Reko vorgesehen ist.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Außerhalb Chinas dürfte es keine so große Sammlung an Architekturkopien gegeben haben.

    Der Spruch ist denkbar ausgelutscht - im DAF wird doch immer wieder über altstädtische Rekonstruktionen in Frankfurt berichtet. In Polen gab es weit mehr sehr große Projekte - Warschau, Breslau, Danzig usw.
    Andererseits werden in China zumeist Bauten der Moderne kopiert - wenn es kein Bauen wie in China geben dürfte, dürfte es keinen einzigen (Nach-)Bau der Moderne mehr geben.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Just answwer the fucking question! Wo sind die anderen FH-Fassaden?

    Darüber wurde doch so umfassend aus den Denkmalschutz-Richtlinien zitiert - es ist keinesfalls so, dass jemand ähnliche Bauten aufzeigen muss, um einem Denkmalschutz-Antrag zu widersprechen. Einzig der Antragsteller muss das Besondere nachweisen, was das Gebäude denkmalwürdig macht. Eine Ansammlung der Fäkalworte dürfte für gewöhnlich nicht als Nachweis gelten.

    Ich verstehe nicht, wieso der FH-Abriss hier so ein Problem ist. Siehe hier und dort - die ehemalige Neusser Münsterschule an der Quirinusstraße im Stil des Brutalismus wurde abgerissen. Eine genau gleiche gab es nicht, Schulbauten im gleichen Stil sind in dieser Zeit sehr viele entstanden. Es ging ohne Aufregung und lange Proteste kleiner Gruppen.

    Einmal editiert, zuletzt von Bau-Lcfr (16. August 2016 um 00:27)