München - Stadt für Millionäre

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Mir fehlt nur die Phantasie, dass ich mir fallende Preise bei konstant hoher Nachfrage und immer knapper werdendem Angebot vorstellen kann. Ich sehe weder eine große Abschwächung der Wirtschaftsleistung Münchens noch sehe ich dass in Zukunft auch nur annähernd die gesetzten 7000 Wohnungen pro Jahr gebaut werden. Eher im Gegenteil: Mangels großer städtebaulicher Planungen und dem Bestreben München nicht weiter wachsen zu lassen (siehe Bevölkerungsprognose der LHM unter Annahme von 0,73 % p.a. gegen Realität 1.5 % p.a.), werden wir eher einen Rückgang der Wohnungsbautätigkeit in den nächsten 10 Jahren erleben.

    Naja, das hat mit Phantasie wenig zu tun, das ist nunmal der normale Wirtschaftszyklus. Esbehauptet auch keiner, dass der Abschwung von heute auf morgen passieren wird, vllt. dauert der Boom auch noch mehrere Jahre, aber wie die Vergangenheit zeigt, alles was aufsteigt, fällt auch irgendwann wieder ;)

  • Im Merkur ist ein interessanter Artikel zum Totalversagen der Stadtverwaltung was die Unterstützung des lokalen Einzelhandels angeht:
    Massenware statt Tradition

    In der Kaufingerstraße werden Mieten(!) von bis zu 365 Euro pro Quadratmeter bezahlt, die großen Ketten nehmen sogar zeitweise Verluste in Kauf nur um dort präsent zu sein.

    Was für einen Wert hat unsere Altstadt für uns Münchner, wenn dort nur noch internationale Handelsriesen ihre Waren für Araber und famegeile Preußen feil bieten?
    Ich finde es traurig wie sich die Neuhauser Straße in den letzten 30 Jahren entwickelt hat und es ist nur eine Frage der Zeit bis selbst die großen noch verbliebenen Traditionsunternehmen einer gesichtslosen Filiale einer uns bisher unbekannten, internationalen Marke weichen werden!

    Man kann jetzt argumentieren, dass so nunmal die freie Marktwirtschaft in einem mehr oder weniger freien Land funktioniert. Aber ich glaube, dass sich gegen diese (unaufhaltbare?) Entwicklung früher oder später massiver Widerstand bilden wird.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Man kann jetzt argumentieren, dass so nunmal die freie Marktwirtschaft in einem mehr oder weniger freien Land funktioniert

    Der Witz ist ja, das es eben keine freie Martkwirtschaft mehr ist, sondern das alles getan wird, damit das Angebot (Verkaufsflächen in attraktiver Lage, Zentralisierung auf einen ganz bestimmten bereich) zwangsläufig so niedrig ist, damit die Preise steigen wie verrückt . Angebot und Nachfrage eben.....

    Hier in Berlin wird ein Shoppingcenter in innenstadtnähe nach dem anderen gebaut...und voila...die preise bleiben bezahlbahr.

    In dem Moment, wo man 3-4 höchstwertige shoppingmalls a la Boulevard Berlin Steglitz oder dem HGHI Projekt am Leizpizigerplatz im Radius von ca. 2 km (also z.B. an der Münchner Freiheit oder an der Dobe Brücke) rund um die Münchenr innenstadt bauen würde (und der Markt würde das hergeben) würden auch die Preise sinken. Und alle würden profitieren...alle bis auf ein paar ganz wenige...

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich mutmasse einfach, ohne es explizit zu wissen - Banken und Versicherungen als Hausbesitzer.

    Etwa die Hälfte des Immobilienbesitzes der Münchner Altstadt lässt sich auf die Stadt München, den Freistaat Bayern und die katholische Kirche reduzieren. Diese großen 3 verdienen am Wahnsinn 800 x 800 m Innenstadt für 2,8 Millionen Menschen am meisten mit. Die Verknappungspolitik lässt sich somit nicht nur im Wohnungsbau finden. Überall, wo mächtige Gruppen mit der Politik verbunden sind wird verknappt wo es gerade möglich ist.

  • Naja wobei man die Kirche hier ausnehmen kann, da sie bei Einzelhandel keine Rolle spielt. Auch der Freistaat hat letztens die Wissenschaftsakademie veräußert. Dort sollen nun auch Geschäfte einziehen.
    Viel mehr Platz ist in der Innenstadt nun auch nicht mehr. Wo sollen denn noch großartig Einkaufszentren gebaut werden? Werden sie am Stadtrand gebaut, regt man sich auf, werden sie in Innenstadtnähe gebaut regt man sich auch auf, da Platz für Wohnraum verschwendet wird...

  • Zwischen Mars- und Karlstraße sind z.B. entlang der Seidlstraße genügend Flächen da, die momentan nur als Nachtclub zwischengenutzt werden oder leer stehen. Bei einem Wegzug von Brauerei und Autohaus wäre dort locker Platz für ein riesiges, sehr zentral gelegenes Einkaufszentrum. Ich wüsste auch nicht wer sich an der Stelle darüber aufregen sollte, da der Standort als Wohngebiet weniger geeignet wäre. Einen Konzertsaal könnte man gleich daneben bauen, damit die Tiefgaragen-Parkplätze auch Abends genutzt werden ;)

    Spätestens wenn der neue HBF kommt, sollte man diese Ecke sinnvoll entwickeln.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Naja wobei man die Kirche hier ausnehmen kann, da sie bei Einzelhandel keine Rolle spielt. Auch der Freistaat hat letztens die Wissenschaftsakademie veräußert. Dort sollen nun auch Geschäfte einziehen.

    Kirche betreibt natürlich keinen Einzelhandel, sie vermietet aber die vor Generationen an sie vererbten Häuser und Liegenschaften ehemaliger Klosteranlagen, Wohnheime ect. ect.

    Auch der Freistaat Bayern hat in der Münchner Innenstadt viel Immobilienbesitz und das statistische Landesamt wurde nur in Erbpacht vergeben - keinsfalls verkauft.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Etwa die Hälfte des Immobilienbesitzes der Münchner Altstadt lässt sich auf die Stadt München, den Freistaat Bayern und die katholische Kirche reduzieren.

    Das Wohnideal der Stadt-SPD ist doch:
    Der Bürger soll in einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft zur Miete wohnen.
    Alles andere sind (reduziert) böse Investoren, vor denen man den Bürger beschützen muss.

    Ziel ist es: Mehr und mehr Wohnungen den städtischen Gesellschaften zuführen. Am liebsten hätte man ja die Wohnungen der bayrischen Landesbank gekauft, aber die hätten die städtischen Ressourcen überstrapaziert.

    Ich finde es sehr schade, dass Marktgegebenheiten bei der Stadt-SPD gar nicht verstanden werden. Jede Wohnung mehr auf dem Markt, wobei es sogar egal ist, ob Luxuswohnung oder Studentenbude, wird den Druck auf die Preise verringern.

    Weiterhin gibt es in München noch das München Modell. Viel gelobt von der Stadt-SPD. Aber der normale Bürger zahlt hierfür die Zeche. Alle Wohnungen, die in einem neuen Wohnkomplex dazukommen müssen die anteiligen München Modell Wohnungen quer subventioneren und stiegen somit im Preis. Ich finde hier schießt die Stadt über ihr Aufgabengebiet der Gemeindeverwaltung hinaus, in dem sie Sozialstaat spielt.

  • Solche Auswüchse können eben auch nur nach Jahrzehnten Regierungsmacht entstehen. Anstatt mit Stadtplanung eine vernünftige Basis für die Angebotsseite zu schaffen tritt man selbst als Marktakteur unter dem Vorwand der sozialen Gerechtigkeit auf. Am Ende wird bei dieser Umverteilung Geld aus Steuern den Immobilienbesitzern gegen. Um von diesem System zu provitieren muss man eben reich oder sehr arm sein.

  • München holt ja jetzt die für Städtebau verantwortliche Senatorin aus Hamburg (SPD) zum Erfahrungsaustausch.

    Ich finde es halt Schade, jeder redet immer wie teuer München ist, wie stark die Mieten steigen, wie knapp der Wohnraum ist. Jeden Tag steht davon irgendwas in der Zeitung, Propaganda pur. Doch unternehmen tut keiner was.
    Die Stadt verspricht 7000 Wohnungen im Jahr. Da kann man nur den Kopf schütteln. Mit dieser Politik sind max. 4000 pro Jahr drin. Wenn ich schön höre, bei einem recht großen Projekt (Hochäckerstraße) soll es noch 6-8 Jahre dauern bis erste Wohnungen entstehen...:nono:
    Ich dachte eigentlich München könne sich solch langsame Planung nicht mehr leisten. In Zukunft wird sich das aber sicher noch verschlimmern, wenn jetzt wegen jedem Furz der gemeine Bürger mitentscheiden soll. Bezahlbarer Wohnraum ja, aber wenn vor der eigenen Haustür gebaut werden soll, dann sind sie alle wieder dagegen.

    Ich finde, man sollte ein bisschen mehr Toleranz gegenüber neuen Projekten zeigen, insbesondere was Hochhäuser angeht. Ganz München tut ja immer so als ob ein 60 Meter Kasten die halbe Innenstadt verschatten würde. In Wahrheit nimmt man das Teil im Umkreis von 200m wahr, danach sieht man es nicht mal mehr. Auch hier Propaganda der Stadt und Zeitungen pur. Die ahnungslosen Wutbürger freuen sich natürlich wieder, dass sie was zum aufregen haben und sind mit Leib und Seele dagegen.

    Dass in unserer Stadt aber kein Weg an Wohnhochhäusern vorbeigeht, ist doch aber klar. Durch die monozentrische Auslegung will eben jeder so nah wie möglich an der City wohnen. Dass man natürlich mit Anti-Architektur a la Hirschgarten auch Panik schüren kann ist offensichtlich. Hong-Kong baut ja auch nicht nur 4-geschossige Kasernen.

    Laut Stadt gibt es in München noch Platz für maximal 70.000 Wohnungen. Mit dem erklärten Jahresziel von 7000 pro Jahr, wäre dann in 10 Jahren Schluss. Selig ist wer das glaubt...

  • Hmm....
    Meines Erachtens hat man sich immer mehr für das Immage "Millionendorf" entschieden und ordnet jetzt alles diesem Image unter.
    Somit ist nur eine Städtebauliche Zukunft ohne Hochhäuser, Grossiedlungen und grösseren Infrastrukturprojekten möglich.
    Die immense Nachfrage vor allem nach Wohnraum und auch Gewerbefläche passt nicht zum Immage und muss somit in Zukunft
    immer mehr ignoriert werden.

  • Genau diesen Eindruck habe ich auch. Man will sich bewusst als Anti-Großstadt profilieren. Fatal für alle, die dringend Wohnraum suchen und auf lange Sicht nicht unbedingt gut für den wirtschaftlichen Branchenmix. So wird München zwangsläufig zum reinen Hochlohnstandort für einige wenige ausgewählte superreiche Unternehmen - ähnlich wie London nur eben 10x kleiner.

  • Von eher unerwarteter Quelle - der Satirezeitschrift TITANIC - erreicht uns ein Beitrag zum Themenkomplex "Gentrifizierung/Wohnungsmarkt/Preisentwicklung" am Beispiel Münchens, der meines Erachtens sehr lesenswert ist.

    Thesen:

    - Deckelung der Mieten ist notwendig
    - der Markt reguliert das Wohnungsproblem NICHT weg
    - wenn neu gebaut wird, dann nur in der oberen Preisklasse

    http://www.titanic-magazin.de/news/gaertners…atnuetzig-6412/

  • Zitat aus o.g. Artikel: „Die GBW galt mal als sehr sozialer Vermieter“ :lach:

    In welchem Jahrtausend soll das denn bitte gewesen sein?
    Vor 10 Jahren habe ich nach einer exakt 20%igen Mieterhöhung schlimmste Erfahrungen mit denen gemacht, da wäre jeder noch so bösartige Münchner Miethai wesentlich angenehmer gewesen.
    Eine typische Behörde halt, wo Prozesse wichtiger sind als das Schicksal einzelner Mieter.

    Ich kann es echt nicht mehr lesen, dass die GBW angeblich vor ihrem überfälligen Verkauf sozialer war, das ist einfach eine dreiste Lüge und Verkennung der Realität.
    Meiner Meinung nach hat dieser Laden erst jetzt die Chance so straff organisiert zu werden, dass auch für die Belange einzelner Härtefälle genügend Spielraum bleibt, statt das ganze wertvolle Budget für gelangweilte Mitarbeiter mit Beamtenmentalität zu verschwenden.

  • Dekoratives Anführungszeichen


    Ein Bekannter ist Architekt und konnte sich vor ca. 15 Jahren ein kleines schmuckes Einfamilienhaus in Nymphenburg bauen. Keine Frage, dass er ein Leben damit beschäftigt ist, den Kredit wieder abzubezahlen, aber wohin soll man denn sein Geld sonst hinstecken? Eine eigene Immobilie in München ist die wohl beste Geldanlage Deutschlands...

    Und frag mal die Leute in Hong-Kong oder London, was die von 500.000 für eine eigene Wohnung halten...die würden uns auslachen...

    Sowas ist für mich auch die beste Immobilien-Investition, sogar wenn man 15 Jahre lang auf neue Autos und teure Urlaube verzichten muss. Ich sage nicht, dass die 500.000 wenig sind, jedoch ist es sehr empfehlenswert international zu vergleichen. Teuer ist München auf jeden Fall, man kann aber auch im Umland wohnen, wo die Preise natürlich anders ausschauen.

  • Das Problem ist nur, dass es für eine Familie in München erst ab 500.000 los geht. Und dann wohnt man eher schlecht. Wohnungen zum Wohlfühlen ggf. mit 3 Kinderzimmer bzw. 2 Kinderzimmer und ein Gäster-/Arbeitszimmer liegen im Moment eher bei 700.000. Und selbst 500.000 finanziert zu bekommen, ist für einen Normalverdiener - sagen wir mal mit einem Haushaltseinkommen von 60.000 Euro - schon äußerst schwierig. Ohne größerem Erbe ist für 90 % der Menschen eine Wohnung in München nicht machbar.

  • Wenn unbedingt jeder ruhig und grün in Radlreichweite zur Altstadt, zum E-Garten, zur Isar sowie zum Oly- und Schloßpark wohnen möchte, dann kostet das in unserer freien Marktwirtschaft halt seinen Preis. Denn solche Lagen sind sehr selten und äußerst begehrt.
    Es ist verständlich, dass man in so einer idealen Wohnlage sein möchte, da fast alles einfacher und besser ist, sei es Mobilität wie der ÖPNV und der Zugang zu den ganzen neuen Car-Sharing Modellen von Daimler und BMW oder eben die Vielfalt in allen Facetten des öffentlichen Lebens sowie oft auch die Nähe zum Büro.

    Ich kenne aber genügend Leute die sich, um beim Bild zu bleiben, für 3 Kinderzimmer plus "Arbeitszimmer" entschieden haben und nun in irgendeinem Loch im S-Bahn Bereich wohnen.
    Das wäre für mich keine Option, alles was weiter als 1km vom mittleren Ring entfernt ist halte ich für indiskutabel. Da versuche ich lieber mit weniger Platz auszukommen, denn nicht jede Person im Haushalt einer mehrköpfigen Familie braucht 20+ Quadratmeter exklusiv für sich alleine. Als Mieter spart man außerdem durch o.g. Mobilitätsvorteile in der Innenstadt massiv Geld und kann gerade in zentralen Lagen mittlerweile komplett auf ein eigenes Auto verzichten ohne Kompromisse.

    Aber jedem das Seine und deshalb kann man für 500.000 Taler entweder ein gebrauchtes Haus in der traurigen Pampa oder eben blos eine kleine, neue Wohnung in guter, zentraler Lage kaufen. Das tolle am Menschen ist, dass er sich an neue Situationen sehr gut gewöhnen und sich diese schönreden kann :)