Münchner Biergartenratsch

  • Die politisch propagierte Wachstumsbremse zeigt erste Früchte. Während in den ersten 5 Monaten des letzten Jahres noch 11400 Einwohner gewonnen werden konnten sind es in den ersten 5 Monaten 2013 nur noch 7000.


    Damit ist die Politik und Regierung auf dem besten Weg die vorgegebenen Zahlen aus der Bevölkerungsprognose (nur 1.6 Millionen bis 2030) doch noch ganz gut zu erreichen. Ergo passen die Maßnahmen zum Wohnungsbau auch und alle mit großer Klappe in München sind glücklich. :nono:

  • Self fullfilling prophecy...


    Ob das wünschenswert ist bis 2030 zwanghaft 1,8 mio Menschen in München wohnen zu sehen und somit event. Lebensqualität zu verlieren dafür aber eine notwendige kritische Masse zu erreichen, welche in Zeiten der Globalisierung absolut von Vorteil ist, oder ob man stattdessen das Wachstum etwas reguliert, dafür aber event. den Anschluss aufgrund von diversen Entwicklungsblockaden verliert, kann man jetzt noch nicht sagen.


    Hinterher ist man dann immer klüger...

  • Das Problem liegt doch darin, dass die Zuwanderung in den Großraum ungebremst ist und München weiter eine wahre Jobmaschine ist (etwa 20000 neue soz.pflicht. Arbeitsplätze neu pro Jahr). Wohin gehen denn die Leute, wenn nicht in die Kernstadt? Als Konsequenz wird das Umland weiter zersiedelt und es entsteht neuer Verkehr. München muss wie es Wien wunderbar vormacht, möglichst viele Menschen in der zentralen Stadt nah an den Arbeitsplätzen unterbringen. Wenn der Ballungsraum auf von jetzt 2.8 auf 3.2 Millionen wächst, dann ist es das Beste soviel wie möglich von den 400.000 neuen Menschen in oder nahe der Kernstadt wohnen zu lassen. Im Prinzip würde schon klappen wenn man die Dichte von Laim auf die Dichte des Westendes bringt. Weiter müsste man die Dichte von Moosach und Hadern auf die von Laim bringen und die Dichte von Aubing-Lochhausen-Langwied und Trudering-Riem müsste auf die von Moosach wachsen. Allein in diesen 5 Stadtteilen (von 25!!) würde man so mehr als 400.000 Menschen neu wohnen lassen können.

  • Nur hat das besagte Wien 100km^2 mehr an Fläche zur Verfügung um sagen zu können, die Leute wohnen "in" und nicht "außerhalb" der Stadt.


    Wenngleich Wien flächenmäßig durch den Wienerwald deutlich eingeschränkter ist, als die ebene Prärie um München es erlaubt.

  • Die 100 qkm sind wie du schon sagtest wegen Wiener Wald und der mächtigen Donau Schneise komplett irrelevant. Zur Bebauung frei werden ähnlich große Flächen sein.

  • Ich verfolge schon seit einiger Zeit die Diskussionen um das Wachstum Münchens hier, und sehe daß auch immer wieder berechtigte Vergleiche mit Wien gezogen werden.
    Ich habe manchmal den Eindruck, daß einer der Unterschiede im Umgang mit Wachstum im Selbstbild der beiden Städte liegt; München (bzw. seine maßgeblichen Eliten) scheint Hemmungen zu haben, seine Rolle als potenzielle Fast-Zweimillionen-Metropole zu akzeptieren, bzw. es scheinen große Vorbehalte zu bestehen ob das noch mit der "Weltstadt mit Herz" vereinbar ist (Stichwort Angst vor Verlust an Überschaubarkeit und Lebensqualität), während Wien als alte Metropole mit imperialer Vergangenheit das Wachstum und seine Rolle als Metropole viel selbstbewußter annimmt und gestaltet (auch z.B. sichtbar an der völlig unterschiedlichen Hochhauspolitik).
    München wächst gerade in eine neue Rolle und sieht Wachstum mit Befürchtungen, während Wien nach langer Durststrecke wieder in seine alte Rolle hineinwächst und Wachstum deswegen wohl auch souveräner bejaht.
    Vielleicht sollte München in Sachen Stadtentwicklung etwas selbstbewußter den Vergleich mit Bereichen suchen, in denen die Stadt doch völlig selbstbewußt eine europaweit bedeutende Metropole ist; ich denke den Verantwortlichen in München würde es nicht schaden von ihrer Zaghaftigkeit Abstand zu nehmen und sich mit ihrer Stadtentwicklungspolitik ein wenig an der FC Bayern-Mentalität zu orientieren, da geht es doch auch...

  • Urbanist: Ich bin absolut bei dir. Aber die Politiker hierzulande besitzen durch aus ein hohes Selbstbewusstsein, allerdings macht sich dies in der falschen Richtung bemerkbar: mit aller Kraft wird versucht das Wachstum zu bremsen und München, so scheint es, in seinem jetzigen Zustand zu konservieren. Ein bisschen mehr Weltoffenheit und Mut zu Neuem wären nicht ganz verkehrt.

  • Unter der Rubrik "München" in der SZ des vergangenen Freitags findet sich ein zwar kurzer aber höchst interessanter Artikel über einen von Ude verfassten Abschiedsbrief, anlässlich dessen Ende als Oberbürgermeister von München.
    In diesem Brief kommt Ude u.a. auf die Baupolitik während seiner Amtszeit zu sprechen. Die SZ fasste zu genau diesem Thema einige Aussagen zusammen.


    Ich darf ein paar Stellen zitieren:


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    "Stadthistoriker blicken oft mit Wehmut zurück, wenn sie die Münchner Baupolitik früherer Jahrhunderte loben. Was durften die Wittelsbacher nicht alles anstellen mit ihrer Residenzstadt, die sie oft gegen den erbitterten Widerstand der Bürger umkrempelten. Baumeister wie Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner konnten sich, weil sie das Vertrauen des Monarchen besaßen, über bürokratische Bedenken hinwegsetzen.


    [...]


    München sei, so Ude, 'eine fast ernst zu nehmende Weltstadt' und zugleich eine 'Ansammlung dörflicher Stationen', eine Kulturmetropole von Rang mit einer 'wunderbar renaturierten Isar' in der aber auf penetrante Weise der Wohlstand zelebriert werde.


    Besonders deutlich wird Ude, wenn er auf die Baupolitik der vergangenen Jahrzehnte zu sprechen kommt. Bei mancher Veränderung sei ihm nicht wohl. 'Ich muss nur in den Zug steigen und die Neubaukulissen längs des Gleisbaukörpers ansehen, schon springt mich die Frage an: Welcher Depp hat das genehmigt? [...]'


    Man geht wohl recht in der Annahme, dass Ude bei seinen Bahnfahrten zum Beispiel den Arnulfpark im Auge hat. Dass in seiner Amtszeit zu viele mittelmäßige und beliebige Bauten entstanden sind, hat der Oberbürgermeister auch früher schon eingeräumt - doch so drastisch hat sich Ude noch nie geäußert.
    Eine gewisse Ohnmacht spricht ebenfalls aus seinen Worten: 'Da gibt es Wettbewerbe, allmächtige architektonische Moden, planungsrechtliche Zwänge, streng kalkulierende Investoren, Beteiligungsverfahren - und ein Verantwortlicher ist nach alledem nicht mehr zu ermitteln.'


    [...] "
    _________________________________________________________________________


    Tja, diese Einsicht kommt wohl zu spät. Ein Jammer, dass man selbst als OB anscheinend nicht auch nur den Hauch einer Ahnung hat, was in der eigenen Stadt so genehmigt und gebaut wird...

  • Wenn man sich die ehemaligen Planungen für die Ost-West-Achse ansieht:
    klick


    und das mit dem heutigen Zustand (Arnulfpark mit Blöcken die langweiliger nicht sein können) vergleicht, dann fragt man sich schon manchmal ob es richtig ist, wenn jeder Depp bei einem Bauvorhaben mitreden darf.


    Natürlich wäre die geplante Kuppel auch größenwahnsinniger Quatsch gewesen, aber die Architekten zu der Zeit haben einfach weiter als über die eigene Grundstücksgrenze gedacht und genau das fehlt mir bei heutigen Bauvorhaben!
    "Stadt ohne Visionen" trifft es da mal wieder ganz gut...

  • Dein Vergleich hinkt jetzt aber etwas.
    Die von dir genannten Bauten sind - ideologiefrei betrachtet - allesamt unnötig, umweltzerstörend und kostenintensiv und somit alleine aus Vernunftsgründen abzulehnen.


    Was ich hingegen kritisiere ist der mutlose Umgang unserer Stadt mit Architektur, die mittlerweile offenbar nur noch nach wirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet ist, statt nach einem städtebaulichen Gesamtkonzept.
    Und den Schuh muss sich Herr Ude sehr wohl anziehen, dass er bzw. die von ihm eingesetzen Verantwortlichen sich nie um einen Leitplan für das gesamte Stadtgebiet gekümmert haben.
    Wenn man sich wegweisende Architektur der letzten Jahre ansieht, so fällt auf, dass meist keinerlei Bezug zur Umgebung existiert und das Projekt sich meist als Solitär innerhalb der eigenen Grundstücksgrenzen versteht.
    Ausnahmen wie die HFF bestätigen die Regel, aber das ist auch kein abgeschotteter Bau eines Privatinvestors.
    Andererseits ist dieses Prinzip es jedem recht machen zu wollen und am Ende das schlechteste Ergebnis zu erhalten die gelebte Ideologie einer Partei wie der SPD.

  • Andererseits ist dieses Prinzip es jedem recht machen zu wollen und am Ende das schlechteste Ergebnis zu erhalten die gelebte Ideologie einer Partei wie der SPD.


    Gerade live im TV...:)


    Dein Vergleich hinkt jetzt aber etwas.


    Das mag sein. Ich habe auch gegen den Transrapid gestimmt. Der Vergleich sollte nur aufzeigen, zu was Bürgerbeteiligungen fähig sind, im positiven wie negativen Sinne.
    Im Falle der Hochhäuser haben sie gegen bessere Architektur dieser gestimmt. Wenn bei 100 Metern Schluss sein muss bleiben meist nur Vierkantmonster.
    Gleichzeitig werden immer noch viele geplante Hochhäuser von Bürgerprotesten zunichte geredet, ohne dabei zu bedenken, dass diese mehr Wohnraum schaffen, als es fünf stöckige Kasernen tun.
    Im Falle der 3.Startbahn hat man sich ein Eigentor geschossen. Ausbau, Arbeitsplätze und Standortsicherung wurden zurückgeworfen.


    Trotzdem kann es doch nicht sein, dass ein Herr Ude erst nach 20 Jahren bemerkt, wie viel Murks in München während seiner Amtszeit gebaut wurde. Was hat der Typ denn die ganze Zeit gemacht?

  • Jetzt ist Wahlkampf und die Politiker stellen ihre Programme vor.Für Bogenhausen stellt sich ein Kandidat einer grossen Partei mit folgendem
    Kernthema zur Wahl:


    Es muss schluss sein mit immer mehr Wohnhochhäusern und der "endlosen" Nachverdichtung, denn München soll München bleiben.
    Das "Problem" des Zuzugs muss zusammen mit dem Umland gelöst werden, daher sollten Expresszüge zu den Endhaltestellen der S-Bahn fahren.


    Frage von mir: Was ist, wenn dann z.B. Freising Freising und Erding Erding bleiben möchte?


    Gibt es schon eine Bezeichnung für diese Politikrichtung? Evtl. "Radikalromantiker"?


  • Frage von mir: Was ist, wenn dann z.B. Freising Freising und Erding Erding bleiben möchte?


    Da muss man nichtmal "Romantik" unterstellen, denn Freising und Erding können schon aufgrund ihrer Infrastruktur gar keinen größeren Zuzug mehr verkraften. Das war ja auch ein Grund warum der Bau der dritten Startbahn Unsinn ist und nur Folgekosten verursacht.
    Künstlich geschaffene Arbeitsplätze brauchen wir in strukturschwachen Regionen in Bayern, dazu gehören ganz sicher nicht München, Freising und Erding.
    Die Idee das Problem zu lösen indem man einfach Expresszüge ins Umland fahren lässt, die hat schon was :lach:

  • Ich möchte nicht nach Hof oder Schwandorf. Was soll dieser ganze Quatsch? Dort werden niemals im großen Stil Arbeitsplätze mit Zukunft entstehen, weil einfach der überwiegende Teil der 20 oder 40 Jährigen dort nicht leben will.

  • Also entschuldige mal, aber zwischen den Extremen Hof und München gibt es ja wohl noch jede Menge bayerischer Städte, die durchaus lebenswert sind, auch für 20 bis 40 jährige...

  • Was ich hingegen kritisiere ist der mutlose Umgang unserer Stadt mit Architektur, die mittlerweile offenbar nur noch nach wirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet ist, statt nach einem städtebaulichen Gesamtkonzept.
    Und den Schuh muss sich Herr Ude sehr wohl anziehen, dass er bzw. die von ihm eingesetzen Verantwortlichen sich nie um einen Leitplan für das gesamte Stadtgebiet gekümmert haben.


    Richtig, auf einzelne Projekte einzuprügeln ist viel zu einfach.
    Gerade übergreifende Themen wurden sträflich vernachlässigt oder einfach schlecht ausgeführt. Paradebeispiele sind der Nichtausbau von Infrastruktur (nahezu komplett zum Erliegen gekommen, z.B. werden KEINE U-Bahnerweiterungspläne mehr weiterverfolgt) sowie eine Stadtplanung, die in München einfach nicht das rechte Maß finden will und zwischen Größenwahn (=Ablehnung der Bürger) und Kleinbürgertum (= gesichtsloser Endloskompromiss) schwankt.

  • Also entschuldige mal, aber zwischen den Extremen Hof und München gibt es ja wohl noch jede Menge bayerischer Städte, die durchaus lebenswert sind, auch für 20 bis 40 jährige...


    Und die wären? Regensburg ist annähernd so teuer und wachstumsphob wie München. Augsburg geht einen ähnlichen Weg. Für junge Akademiker oder große Konzerne bzw. innovative Startups stellt sich wohl nie eine Alternative zu München in Bayern. Alternativ würde für mich nur Wien, HH oder Berlin in Frage kommen. Unsere 100 bis 250 Tausend Einwohnerstädte sind mir persönlich und der Masse an umzugswilligen Arbeitssuchenden mit höherer Ausbildung viel viel zu klein. Da würde ich noch eher nach London oder Paris gehen.