Mahn- und Denkmale in Berlin

  • Meine Wissens nach wurde mit der Sowjetunion/Russland vertraglich vereinbart, dass besagte Denkmale erhalten werden und bestehen bleiben müssen. Bedenkt, wir sind heute von deren Gaslieferungen abhängig. ;)

    Aus rein politisch-historischen Gründen kann man sich ob dieser fragwürdigen Entscheidungen natürlich nur wundern. Wobei mich die Denkmale persönlich nicht stören. Es dürfte zudem eher unwahrscheinlich sein, dass die Siegesallee wiederauferstehen wird.

  • Bei den 2 plus 4 Verhandlungen damals wurden Erhalt und Pflege der sowjetischen Ehrenmale und Friedhöfe vertraglich zugesichert. Damit ist das Thema Abriss vom Tisch. Zudem wurden die Ehrenmale in Treptow und am 17. Juni bereits aufwändig saniert, das in Schönholz wird gerade saniert.

    Sie sind Teil der Geschichte und zudem - auch wegen ihres Pathos und Pomp - attraktive Sehenswürdigkeiten.

    Und sie relativieren sich doch von selbst - wer die protzigen Mamorblöcke mit ihren schwülstigen Stalin-Zitaten und die gigantische Soldatenstatue im Treptower Park sieht, wird doch schon fast satirisch an die überschwängliche Selbstbeweihräucherung des stalinistischen UdSSR erinnert.

    Davon abgesehen, waren sie zu ihrer Entstehungszeit ja auch nicht völlig unberechtigt, auch wenn sie sicher etwas weniger gigantisch und unkritisch hätten sein dürfen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Backstein (21. Januar 2011 um 15:40) aus folgendem Grund: RS

  • Danke für die Antworten. Während meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass allein hinter dem Monument im Tiergarten ca. 2500 Soldaten der Roten Armee begraben sind. Auf den "Zwei-plus-Vier-Vertrag" bin ich ebenfalls gestoßen: Demnach ist die Bundesrepublik verpflichtet, den Bestand der Sowjetischen Kriegerdenkmale dauerhaft zu gewährleisten, sie zu unterhalten und sie zu reparieren. Veränderungen aller Art bedürfen russischer Zustimmung.

    Aus heutiger Sicht haben mich die strengen Vorschriften überrascht - immerhin ist der Zweite Weltkrieg seit 65 Jahren vorbei und Deutschland seit 20 Jahren wiedervereinigt.
    Zwar sollte man diese stalinistischen Denkmäler mit kritischen Augen betrachten, aber als Dokumente der deutschen Geschichte nicht abreißen. Ein "Denkmal für die Opfer der Roten Armee", wie es ReinhardR hier vorgeschlagen hat, wäre ein guter Weg zur Relativierung solcher Bauwerke.

    Als ich das erste Mal in Berlin war, empfand ich jedenfalls das Sowjetische Ehrenmal im Tiergarten als Kuriosum, da es sich ja im ehemaligen West-Sektor befand bzw. befindet.

    Ich würde mir wünschen, die alte Siegesallee wiederauferstehen zu lassen und damit gleichzeitig den tristen Platz der Republik umzugestalten.
    Dabei könnte man ja dieses eine Ehrenmal an einen anderen Ort versetzen, evtl. Hofjägerallee - mit Blick nach Osten... :lach:

  • Dekoratives Anführungszeichen


    Geschichtsbezüglich habe ich eine Frage an Euch Berliner: Wie steht Ihr eigentlich zu den Sowjetischen Ehrenmalen (Tiergarten und Treptower Park)?

    Ich finde sie gut. Das Ehrenmal in Treptow ist ja gerade auch aufgrund der hierzulande einzigartigen Monumentalität eine wirklich beeindruckende Anlage. Es steht, wie alle Denkmäler in einem bestimmten historischen Kontext und hat daher natürlich jede Berechtigung auch weiterhin erhalten und gepflegt zu werden. Natürlich wird sich kaum jemand mit dem stalinistischen Pathos identifizieren wollen, ebensowenig wie auch Anhänger des Deutschen Kaisertums eher schwer zu finden sind. Aber es gehört eben alles zu unserer Geschichte - man sollte nicht versuchen sie nachträglich zu korrigieren.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Wär dafür, das ganze Kommunistenzeugs (also auch Marx&Engels usw.) in den Thälmann Park zu packen. Passt vom Namen schon...Hat man in Budapest auch gemacht. So bleibts erhalten, aber ist nicht mehr so präsent.

    Ich denke, man muss hier differenzieren: nicht jede irgendwo errichtete Skulptur ist auch gleich ein kultur/historisch bedeutsames Denkmal. Lenin bspw. wurde völlig zurecht demontiert - er hatte da nun wahrlich nichts zu suchen und war auch, abgesehen von der reinen Symbolik, völlig funktionslos. Auch den Thälmannkopf halte ich für deplaziert und abrisswürdig.

  • Mahnmal für die Sinti und Roma

    Schon wieder ist fast ein Jahr um seit dem letzten Beitrag (#242) zum Mahnmal für die Sinti und Roma südlich des Reichstags. Fertig ist es immer noch nicht. Immerhin kann man jetzt das runde Becken sehen und Wasser ist auch schon drin. Ein heißer Kandidat für das Projekt mit dem langsamsten Baufortschritt ...

    Einmal editiert, zuletzt von Backstein (2. November 2011 um 22:33)

  • Mahnmal für die Sinti und Roma

    Hier der Baufortschritt (Stillstand? Rückschritt?) seit den letzten Bildern von vor 3 Monaten - es ist ein Trauerspiel:

    Einmal editiert, zuletzt von Backstein (2. November 2011 um 22:33)

  • ^^

    Die Baustelle neben dem Reichstag existiert mittlerweile schon seit Dezember 2008, was angesichts der "Größe" des Denkmals wirklich für Kopfschütteln sorgt. Für die Befüllung des Wasserbeckens waren vermutlich nicht Bauarbeiter, sondern der Regen zuständig...
    Abgesehen davon ist das Denkmal auch nicht besonders gelungen. Schade, dass hierfür ein schönes Stück Tiergarten weichen musste.

  • Kleistgrab am kleinen Wannsee

    Heinrich von Kleist 18.10.1777-21.11.1811
    Henriette Vogel 09.05.1780-21.11.1811

    Aus Anlass des 200. Todestages des bedeutenden deutschen Dramatiker H.v.Kleist ist dessen Grab neu gestaltet wurden.Es war 1941 schon einmal neu gestaltet wurden,damals wurde der Inspruch auf dem Grab getilgt,weil er von einem jüdischen Dichter stammt.
    Jetzt ist er wieder zu lesen


    Kleist meuchelte an dieser Stelle erst Henriette Vogel,dann richtete er sich selbst.Die Tötung der Henriette Vogel geschah auf deren ausdrücklichen Wunsch,sie waren extra gemeinsam am Vorabend zum Wannsee gefahren.

    Das Grab liegt nur wenige Meter oberhalb des kleinen Wannsee


    Neben der Umgestaltung des Grabes und seines Umfeld gibt auch einen Audiopfad zum Grab.Möglich gemacht hat dies eine 700.000 € Spende der Berliner Verlegerin Ruth Cornelsen.

    alles eigene Bilder,entstanden am 15.11.2011

  • ^ Sehr schön, dass auch über solche Dinge abseits der großen Bauprojekte und der Innenstadt berichtet wird. So oft schafft man es ja nicht dorthin.

    Nach den Fotos wirkt das Grab nun transparenter, aufgeräumter und lichter. Die Lage auf einer Anhöhe bzw. erhöhten Terrasse kommt so besser zur Geltung. Der Grabstein wurde erneuert und die 1936 von den Nationalsozialisten angebrachte Inschrift "Nun, O Unsterblichkeit, bist du ganz mein" wieder durch die ursprüngliche ersetzt.

    Im Sommer war ich einmal während der Bauarbeiten dort. Dabei fiel mir ein Bauschild an der Königstraße auf, das über die Errichtung einer Parkanlage zwischen Königstraße und Kleistgrab informiert. Diese entspricht den Infos dieser Webseite, nach der dieses bisher weitgehend nicht zugängliche Areal in eine Grünanlage umgestaltet wird, in der sich der Baumbestand mit offenen Flächen abwechselt. Ein neuer Weg von der Königsstraße aus soll dem nachempfunden werden, den H. Vogel und Kleist am 21.11.1811 vor ihrem Tode gegangen sind.

    Auf alle Fälle steht dort mal wieder ein Spaziergang an.

    Weitere Infos z. B. hier.

  • Kleistgrab am Kleinen Wannsee

    Dekoratives Anführungszeichen

    So oft schafft man es ja nicht dorthin.

    Aber dieses Wochenende habe ich es geschafft - bei grauem Nieselwetter, aber dennoch. :) Es waren gar nicht mal so wenig Spaziergänger vor Ort...

    In #209 hatte Kleist bereits über die Neugestaltung des Kleistgrabes berichtet. Der in #210 angesprochene neue Park auf dem Eckgrundstück Bismarckstr./Königsstr. nimmt inzwischen Gestalt an. Die neuen Wege haben zwar noch nicht ihren endgültigen Belag erhalten, sind aber bereits problemlos begehbar.

    Der neue Weg führt vom Schiffsanleger Wannsee am Wasser entlang unter der Wannseebrücke hindurch zur Bismarckstraße. Von der Königsstraße aus gibt es ebenfalls einen Zugang. Der Weg soll dem nachempfunden sein, den H. Vogel und Kleist am 21.11.1811 vor ihrem Tode gegangen sind.

    Die neuen Wege habe ich in ihrem ungefähren Verlauf in diese Google-Maps-Karte eingezeichnet: Link zur Karte

    Hier einige Fotos von den neuen Wegen und vom Kleistgrab. Zunächst der neue Zugang an der Königstraße, gegenüber dem Kronprinzessinnenweg:

    Die neuen Wege, hinten rechts Loretta am Wannsee:

    Blick Richtung Wannseebrücke:

    Blick Richtung Bismarckstraße:

    Der neue Zugang an der Bismarckstraße:

    Ein paar Bilder vom Kleistgrab. Zwischen der Grünanlage mit den neuen Wegen und dem eigentlichen Grab muss man derzeit ein paar Meter die Bismarckstraße entlanggehen::

    Die Treppe vom Grab hinunter zum Kleinen Wannsee:

    Am Ufer wurde ein kleiner Ruheplatz mit Bänken errichtet:

    Und auch an einen Anlegeplatz für Wasserwanderer wurde gedacht:

    Der Grabstein mit der neu angebrachten, ursprünglichen Inschrift:

    Auf der Rückseite des Grabsteins hat man die 1941 angebrachte Inschrift erhalten:

    Etwas Absinth für den Meister?

    Hier der Lageplan, von einer der Infotafeln abfotografiert und etwas kontrastverstärkt.

    Der neu angelegte Uferweg parallel zur Königstraße, hinten die Wannseebrücke:

    Blick von der Wannseebrücke zum Uferplatz des Kleistgrabes:

    Abschließend noch die beiden Infotafeln. Wer mag, kann durch Anklicken die Bilder in voller Auflösung ansehen, dann wird der Text (einigermaßen) lesbar:

  • Mahnmal für die Sinti und Roma

    Mal wieder ein Artikel zur unendliche Geschichte des Mahnmals für die Sinti und Roma. Die Berliner Zeitung berichtet, dass das Mahnmal rund 800.000 Euro teurer wird. Als Grund wird der "hohe künstlerische Anspruch" an das Projekt genannt.

    Dennoch soll das Mahnmal weiterhin noch dieses Jahr fertiggestellt werden. Sonst steht nichts neues im Artikel. Als ich vor ca. 1 Woche dort vorbei kam, sah es immer noch so aus wie vor einem Jahr.

    Link zum Artikel

    Ich will ja nicht unken, aber zum einen habe ich meine Zweifel hinsichtlich des Termins, und zum zweiten befürchte ich, dass das Mahnmal bald nach seiner Einweihung wegen Bauschäden und/oder Defekten wieder gesperrt wird... ich weiß gar nicht, wieso ich da so pessimistisch bin, ist halt mein Bauchgefühl... :mad:

  • Warum hatte man damals eigentlich keinen Naturstein genommen, vielleicht Granit? Wäre das so viel teurer gewesen?
    Stein hätte etwas dauerhafteres, ewigeres. Die Steinstelen würden in tausend Jahren noch stehen und an den Holocaust mahnen. Und das ist doch der Sinn des Mahnmals oder...?

  • Wie im Artikel geschrieben, gibt es hochwertigen Beton und weniger hochwertigen. Wenn man hochwertigen nimmt und die Bauausführung gut ist, hält das auch ewig.
    Das Problem mit Natursteinblöcken wäre vielleicht gewesen, dass es nicht so leicht ist eine absolut gleichmäige Qualität in optik und beschaffenheit
    in dieser großen Menge zu bekommen. Außerdem ist es sicher auch ne preisliche Frage gewesen. Beton ist eben günstiger.

    Abgesehen davon unterliegt auch jeder Naturstein einer gewissen natürlichen Abnutzung.

    Auch diese Stelen würden nach Jahrhunderten noch stehen (wenn auch stark verwittert). Haarrisse sind meistens eher oberflächlicher optischer Natur und
    bedeuten ja nicht dass so eine Stele bald komplett zerbröselt.

  • Mahnmal Sinti und Roma

    Vor 1 oder 2 Wochen sah es immer noch so aus wie auf dem letzten hier gezeigten Bild in #207 von Ende Juni 2011.

    Inzwischen wurde ein weißes Zelt über dem unfertigen Brunnen/See errichtet. Ob das nun bedeutet, dass endlich weitergebaut wird oder nur das Elend versteckt werden soll, entzieht sich meiner Kenntnis:

  • Der Focus berichtet, dass laut Zentralrat der Sinti und Roma nun der 24. oder 25. Oktober als Eröffnungstermin "im Gespräch" sei.
    Das Denkmal an sich sei fast fertig, der Künstler komme "demnächst" nach Berlin, um noch die Installation des Geigentons zu begleiten.
    Und weil wir hier nunmal in Berlin sind ist dann leider auch schon Ende Oktober. Das Wasser fließt dann sicherlich noch für ein paar Tage... :nono:

    Meine Reaktion schwankt zwischen "Ich glaubs erst wenn ichs mit meinen eigenen Augen gesehen habe" und "4 Jahre für ein Wasserbassin".

    Ich lebe hier nun schon fast 10 Jahre und sollte längst dran gewöhnt sein, aber es gibt Zeiten, da nervt mich diese Stadt echt tierisch.