Elbphilharmonie I [110m, Bauthread]

  • Den Vergleich mit einem Kaufhaus kann man nun als Frechheit empfinden oder auch nicht - es ist eine legitime Meinung, die natürlich etwas überspitzt ist. Überspitzung ist durchaus ein legitimes Mittel um eine Sache auf den Punkt zu bringen. Aber bei der Geldmenge kann man schon wirklich Extravaganz erwarten, wobei für mich Extravaganz eher am Ergebnis zu messen ist als an den Ausgaben.


    Wenn es in "real" tatsächlich schöne "Bewegungen" auf der Fassade gibt - eine spiegelnde Fassade allein ist nun wahrlich nichts Neues (auch verzehrte Spiegelungen nicht) - dann umso besser - aber wenn man nicht täglich in Hamburg ist - und die Philharmonie zum letzten Mal gesehen hat als die ersten 3 - 4 Fassadenelemente angebracht wurden - muss man eben erstmal auf die hier eingestellten Fotos als Bewertungsgundlage zurückgreifen.


    Und es tut mir leid - folgende Fotos von Dykie...


    http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/pics/dykie/Bilder klein 42/EP2.jpg


    http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/pics/dykie/Bilder klein 42/EP3.jpg


    ... sehen für mich tatsächlich sehr langweilig und nach Kaufhaus aus - und ein Vergleich zum Gesamteindruck zum Kaufhaus in Dresden bietet sich sehr wohl an. Dass manche mit dem Bewußtsein der Intention und des Preises in das zu Sehende etwas "Extravagantes" hineininterpretieren, ist nicht zu verurteilen.


    Natürlich wird das Endergebnis deutlich besser aussehen als das Dresdner Kaufhaus - das ist ja wohl logisch - und einige Gründe dafür habe ich ja auch bereits genannt -- wenn dann noch tolle Spiegeleffekte in live dazukommen, die man auf den Fotos nicht erkennt - umso besser -- aber bei der Investitionssumme sollte das auch gefälligst so sein -- der erste Eindruck der Fassade (nach Fotos) darf subjektiv aber sehr wohl als mies aufgefasst werden - das ist noch keine Frechheit. Eine Frechheit ist es aber schon eher - dass nach wie vor Renderings von Architekten zur Entscheidungsfindung zur Verfügung gestellt werden, die am Ende nicht den Tatsachen entsprechen. --- Um noch ein freches Beispiel aus Dresden zu bringen: Man kann gern mal die letzten zwei Fotos vergleichen - Entwurf und real -- das würde ich als Frechheit sehen: http://www.dresden-und-sachsen.de/dresden/hauptbahnhof.htm - Und wenn ich mir die Renderings der Philharmonie ansehe - das Ergebnis scheint auch wieder deutlich dahinter zu liegen.


    Ich bin aber gern bereit mich am Ende eines Besseren belehren zu lassen und gönne Hamburg von Herzen ein tolles Gebäude - und vielleicht tue ich auch der Fassade im Endeffekt unrecht. Das ich das Projekt überhaupt verfolge, liegt ja auch daran, dass ich von den Entwürfen sehr beeindruckt war. Vom Ergebnis bin ich bisher enttäuscht.


    Mod: Bilder wurden geurlt. Gruß, Dykie!

  • Hallo Forum,


    Bin neu hier, will mich aber gleich mal der Diskussion anschließen.


    Bin selbst erst kürzlich in HH gewesen und hab mir die Hafencity und natürlich den Elbmusiktempel live angesehen. Ich war schon immer ein Fan des Entwurfes und bin auch mit dem bisherigen Ergebnis recht zufrieden.


    Allerdings muss man schon sagen das die Realität den Renderings durchaus hinterher ist.
    Diese starke Überzeichnung durch den erhöhten Kontrast und die verringerte Sättigung in den Darstellungen des Entwurfes erzeugt eine höchst gefälliges Aussehen der Umgebung und des Gebäudes. Die dadurch entstehende düstere Färbung des alten Mauerwerks, in Kombination mit der hell transparenten Fassade des neuen Aufbaus, dürfte letztlich einen Großteil der Betrachter in ihren Bann gezogen haben.


    Das Glas in Realität durch seine Spiegelungen oft dunkelblau erscheint wurde wohl dezent unterschlagen. Die Umfassung mit schwarzen Rahmen finde ich persönlich zumindest besser als mit Weißen, die doch meist etwas nach Kunststofffenster aussehen.


    Den Verlust der transparenz hätte man nur durch konsequente Entspiegelung aller Gläser umgehen können. Das ist zwar kostspielig, aber bei 450 Millionen € :lol:


    Ist halt auch die Frage welche Art Glas verwendet werden muss um den sommerlichen Wärmeschutz zu gewährleisten, nachdem doch meines Wissens die ursprüngliche Bedruckung der Scheiben gekippt wurde.

  • Also, ich hätte mir allgemein auch mehr Transparenz gewünscht. Hätte schon toll ausgesehen bei Nacht. Aber einige vergessen hier bei ihren sehnlichen Wunsch nach mehr Transparenz der Fassade, dass das Gebäude nicht nur aus öffentlichem Raum (Plaza und Foyer) besteht, wo Transparenz sicher kein Problem gewesen wäre, sondern auch aus privatem Raum (Wohnungen und Hotelzimmer). Da wäre Transparenz sicher nicht angebracht. Also ich möchte nicht irgendwo wohnen/nächtigen, wo andere herein schauen können (bin nicht gerade ein Fan von Gardinen und Rollos^^).
    Wie hätte es also ausgeschaut, wenn einige Bereiche der Fassade transparent sind und einige nicht. Ist ja alles Geschmackssache, aber ich persönlich hätte es nicht so prickelnd gefunden.
    Man muss auch erwähnen, dass die Fassade nicht immer dunkel erscheint, sondern je nach Tagesstand und Sichrichtung unterschiedlich hell oder dunkler wirkt. Insgesamt ist sie im Gegensatz zu den Randerings schon etwas dunkler geworden. Aber ich finde es nicht so schlimm. Im Gegenteil: ich finde es sogar interessant, dass die Fassade je nach Tagesstand und Sichtrichtung unterschiedlich wirkt. Aber wie gesagt: alles reine Geschmackssache:-)

  • Vielleicht bin ich mit den Neuigkeiten auch etwas spät dran, aber unlängst wurden die ersten großen Glasscheiben, also jene, die den Kern des Gebäudes mit dem Konzertsaal umschließen, montiert.

  • Seit gestern sind die Ausleger der Kräne an der Elbphilharmonie geschmackvoll in blau Illuminiert! Ob es einen bestimmten Anlass hat weiß ich nicht, sieht aber Klasse aus!


  • Es ist wegen Blauen Nächten illuminiert... Und das alles ist verbunden mit Cruise Days.. Es werden mehrere Gebäuden und Brücken im Hafen-Bereich blau beleuchtet.

  • Da war ja doch jemand schneller als ich. ;)
    Vielen Dank für deine Fotos, Gordon!
    Ich poste denn mal meine von heute gleich dahinter.


    Von Viewpoint aus:


    Die Dachkonstruktion im Detail:



    Und noch ein paar allgemeine Fotos:





  • dieses fast dreieckige Stahlgestell gebogen - soll das der Raum für das Orchester werden?
    schöne "einsichten"
    die aussenoptik ist mir noch etwas rätselhaft mit diesen "Fischschuppenaugen" ob die wohl so bleiben werden, oder ob es Plastikhaut fürs Glas ist

  • Besteht da Hoffnung, dass dies nur Schutzfolien sind? Bin sehr gespannt aber bislang gefällts mir noch nicht. Sieht noch plump aus, hoffe die End-Höhe entzerrt das und hoffe, dass es am Ende cool wird und nicht wie ein Stapel Eieraugen aussieht.

  • Nein, die Hoffnung muss ich leider zerstreuen.
    Die hellen "Flecken" in der Fassade kommen von kleinen, runden, in das Glas eingelassenen Plättchen (sieht optisch zumindest danach aus). Die werden für immer bleiben.
    Bild 1
    Bild 2

  • Elbphilharmonie (110m, Bauthread)

    Anders als der geniale Entwurf der Oper von Sydney, kann die Elbphilharmonie natürlich nicht so eine architektonische Berühmtheit mit weltweit beachtetem Wahrzeichencharakter werden.

    Das liegt zum einen an der exponierten, freistehenden Lage der Oper von Sydney in dieser schönen Bucht mit dem städtebaulich ansehnlichen Umfeld, mit dem es sich wechselseitig aufwertet. Zum anderen an der wirklich phantasievollen, authentischen Architektur, die fast völlig frei ist von vorgegebenen Formzwängen und der inneren Funktion, in einer bis dahin eher unbekannten Weise entsprechenden Außengestaltung in der Neuzeit. Beinahe glaubt man die Tonschwingungen optisch wahrnehmen zu können. Bei einem Gebäude dieser Außenabmessung eine seltene Baukunst. Auch ein emotional wirkendes Kunstwerk, in der Form völlig Eigenständig und Zeitlos. Frei und ohne direkte Beeinflussung durch die Umgebung nur für die Kunst entwickelt.

    Die Elbphilharmonie dagegen eine von Vorhandenem und der Umgebung stark abhängig entwickelte Kopfgeburt.

    Die spröde Hafenumgebung lässt ein Gebäude mit schwingender Leichtigkeit nicht zu. Der Grundriss und der zu integrierende Altbauteil fordern eben ihren Tribut. Wo Sydney praktisch nur mit der Formgebung auskommt, versucht man hier dem Gebäude durch vermeintlich raffinierte Fassadengestaltung den letzten Kick zu geben. Dass solche Fassaden-Gimmicks nach einigen Jahren ihren Reiz verlieren sollte aber schon Architektenwissen sein. Die verbleibende Großkörper-Formensprache wird auf Dauer nicht mehr genügen. Das Gebäude strahlt heute schon trotz aller Bemühungen etwas Schweres und bedrohlich Düsteres aus. Es erinnert in der Formensprache an bestimmte Objekte der Science-Fiction Filmserie Star Wars Episode IV. Ob das in Zukunft mit den hier aufzuführenden Musikstücken harmonieren wird bleibt abzuwarten.

  • ^^


    Sie vergleichen Äpfel mit Birnen, warum also nicht gleich Die SO mit dem pekinger Vogelnest zu vergleichen? Nur weil dort täglich keine Pekingoper aufgeführt wird? Dafür aber gelegentlich Musik Live! Die musikalische Komponente wird ja bei der EP auch nur 1/3 der Funktionalität betragen.


    "Wo Sydney praktisch nur mit der Formgebung auskommt..."
    Wen wundert's!
    Nicht zu nah treten bitte, da die vergilbte Oberfläche aus der Nähe echt schrecklich wirkt :)


    Aus ihrer Aussage kommt nur Neid rüber.


  • Die Elbphilharmonie dagegen eine von Vorhandenem und der Umgebung stark abhängig entwickelte Kopfgeburt.


    gerade diese Abhängigkeit macht dieses Gebäude im speziellen und Architektur im allgemeinen erst interessant ;)


    Wie sehr das Gebäude letztendlich Wahrzeichen wird, bleibt abzuwarten, aber es ist und bleibt ein vielschichtiges, hochinteressantes Gebäudekonzept - ein multifunktionales Gebäude, eine neue Typologie. Sich da rein auf die ästhetische Komponente zu beschränken, ist doch etwas kurzsichtig.