Wehrhahnlinie (02.2016 fertig gestellt)

  • Ich habe mir mal (verkleinerte) Pläne des betreffenden U-Bahnhofs neben dem Kölner Stadtarchiv angeschaut (direkt am Archiv ist es genauerweise ein Gleiswechselbauwerk vor dem eigentlichen Bahnhof). Demnach ist von einer gänzlich anderen Bauweise als bei den Düsseldorfer U-Bahnhöfen auszugehen.

    In Düsseldorf werden meines Wissens nach grundsätzlich beidseig tiefe Schlitzwände eingebaut, die nicht nur vor Grundwassereinbrüchen schützen, sondern auch das benachbarte Erdreich etc. schützen.

    Beim Bau der Bahnhöfe in Oberbilk war dies gut zu beobachten. Die TBM "durchfuhr" hier die Bahnhöfe, von denen schon die Decke und durch die Schlitzwände tragende Seitenwände vorhanden waren. Aus dem fertigen Tunnel herraus wurde dann der erdkern innerhalb der Btonhülle entfernt und der eigentliche Bahnhof - unter dem "Deckel" gebaut.

    Mir scheint diese Bauweise die mit Abstand Sicherste zu sein, zudem wird hierbei der oben fliessende Verkehr nur kurzfristig beeinträchtigt. Insoweit die Bahnhöfe der Wehrhahnline mit dem gleichen Verfahren gebaut werden dürften derartige Risiken kaum bestehen.

    Der sicherlich riskanteste Abschnitt der Wehrhahnlinie befindet sich unterhalb des "Kaufhof an der Kö"; dort muß der Bahnhof unter einem künstlichen Eisschild bergmänisch vorgetrieben werden.

    In Köln ist das ja auch nur der schlimmste, keineswegs aber der erste Zwischenfall beim Bau dieser betreffenden Linie. Hier haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Zwischenfälle ereignet; nicht alle wurden so bekannt wie der "schiefe Turm von Köln".

  • In München ist ja mal ein Bus in ein plötzliches Loch gestürzt...


    Man darf sich jetzt nicht kirre machen lassen, aber nach solch einem Unglück wie in Köln ist es selbstverständlich, dass man das gesamte Sicherheitskonzept erneut überprüft.


    Edit: Fein, das Kulturkonzept.

  • Ich bin kein Düsseldorfer, aber als Berufspendler steige ich oft an der Halstestelle "Pempelforter Straße" um. Dort wird zur Zeit auf einer Straßenseite die Schlitzwand für den zukünftigen Bahnhof angelegt.

    Wenn man sieht, wie nah (geschätzte max. 5m) an der bestehenden Bebauung gegraben wird, macht man sich nach den Kölner Ereignissen schon seine Gedanken. Immerhin ist so ein "Loch" bei einer Breite von lediglich 0,8m bis zu 40m tief. Wenn da das Erdreich ins Rutschen geriete, gäbe es m.E. auch kein Halten mehr, zumal ja der Boden "im Rheinischen" in vielen Bereichen sehr viel lockerer und sandiger ist als z.B. im Ruhrgebiet.

    Der Tunnelvortrieb in Essen, Duisburg und Dortmund war in den 60/70er Jahren sehr viel unproblematischer, da in einer relativ dichten und kompakten Mergelschicht gegraben wurde.

    Ich kann mir denken, dass jetzt einigen Anwohnern dort ziemlich "der Stift" geht. Und so richtig entspannt könnte ich dort momentan auch nicht mehr schlafen. :nono:

    Gestern abend ruhten dort allerdings die Arbeiten - ungewöhnlich für die Uhrzeit. Vielleicht - was zu wünschen ist - schaut man sich die Sache noch mal genau an. Aber das wurde ja auch von den Verantwortlichen in Düsseldorf bereits bestätigt.

    Trotzdem: ein gutes Gelingen und "Glück auf!"

  • Für mich ist es selbstverständlich, den Sicherheitsstatus regelmäßig zu hinterfragen; soetwas gehöhrt zum Qualitätsmanagement.
    Selbst wenn es nicht zu regelrechten Unfällen oder sogar zu Kathastrophen wie in Köln kommt; schon kleinere Probleme können zu erheblichen Mehrkosten und Verzögerungen im Bauablauf führen.

  • Nunja .. wäre da jetzt nicht auch noch der Riss in der Elisabethstrasse(!)

    Anwohner Fragen sich nun berechtigt, wenn das schon bei den Arbeiten an der Oberfläche passiert, was passiert dann bei den Tiefbauarbeiten?

    RP
    RP Bildstrecke

    Beim Kaufhof an der Kö werden übrigens alle 30 Minuten an 100 Messpunkten mit einem sog. Tachimeter Prüfungen durchgeführt um eventuelle Bewegungen des Hauses schnell erkennen zu können.

    RP

    Wie Echnaton oben bereits kurz erwähnt hat wurden nun auch die Gestaltungen der U-Bahnhöfe vorgestellt.

    RP #1
    RP #2

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Nunja .. wäre da jetzt nicht auch noch der Riss in der Elisabethstrasse(!)

    Anwohner Fragen sich nun berechtigt, wenn das schon bei den Arbeiten an der Oberfläche passiert, was passiert dann bei den Tiefbauarbeiten?

    bei allem verständnis aber man kann die Sache jetzt auch übertreiben nur weil ein Riss in der Schwarzdecke entstanden sackt deswegen nicht die Elisabethstrasse dort ab. Wenn mann das Bild mit dem Riss genauer ansieht sieht man das zur Baustelle hin minimaler Halt für die Teerdecke besteht und durch den täglichen Verkehr von LKW mit einem Gewicht bis zu 40t diese Spur benutzen ist dies nur ein Setzungsriss der Schwarzdecke und nicht im Baugrund. Typisch Presse die nutzt die Sensibilität der Bürger aus um sinnlose Stimmung zu verbreiten.Liebe Leute schaut auch mal nach unten wie ein Reh beim Spaziergang durch eure schöne Stadt und ihr entdeckt im gesamten Düsseldorfer Stadtgebiet lange, kurze, breite und schmale Risse im Asphalt .
    Pervers mit welcher Brutalität die Presse ohne Ingenieurbau Fachwissen die Bürger aufhetzt.

    Köln: Mein tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und nicht irgendwelchen Geschichtlichen Archivsammlungen von Annodazumal.
    Warum hat die Stadt nicht ihr "Gedächtnis" an einem sicheren Ort aufbewahrt, Bunker oder sonst was.

  • Tommy: Gut auf den Punkt gebracht. Der "normale Bürger" läßt sich hier aber wirklich gut mitreißen. In anderen Strassen würde man es wohl auch die dicken Rohre der Kanalisation schieben. Was ist nun mit den vielen Autobahnen - keine U-Bahn oder sonstiges darunter - hier werden die Setzungs- und Spannungsrisse ja "überflogen" und optisch kaum wahrgenommen.

    Ich hoffe die öffentliche Diskussion nimmt keine unrealistischen Züge an.

    Fakt ist aber, das man durchaus die geologischen Verhältnisse nochmal gründlich untersuchen sollte. Dies aber als reine Vorsichtsmaßnahme.

    *Nachtrag*
    Als Ursache wurde eine minimale Senkungen beim Abriss eines Kanals ermittelt.

    NRZ

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ich habe mir mal (verkleinerte) Pläne des betreffenden U-Bahnhofs neben dem Kölner Stadtarchiv angeschaut (direkt am Archiv ist es genauerweise ein Gleiswechselbauwerk vor dem eigentlichen Bahnhof). Demnach ist von einer gänzlich anderen Bauweise als bei den Düsseldorfer U-Bahnhöfen auszugehen.

    In Düsseldorf werden meines Wissens nach grundsätzlich beidseig tiefe Schlitzwände eingebaut, die nicht nur vor Grundwassereinbrüchen schützen, sondern auch das benachbarte Erdreich etc. schützen. [/I]

    Der einzige Unterschied zwischen den Bauweisen ist die Lage der Schlitzwände, in Düsseldorf befinden sie sich neben der Tunnelröhre.

    In Köln wurden zwei Tunnelröhren aufgefahren und der oberirdische Platz an vielen Bauwerken ist so knapp, dass man hier die Schlitzwände zwischen beide Röhren geführt hat. (Rathaus; Kathäuserhof hier ist die Straße nur 14 Meter breit!)

    Am Waidmarkt wurde ein "Kasten" mit Hilfe der Schlitzwände gebaut, der sich in Nord-West nach Süd-Ost - Richtung unter dem Waidmarkt erstreckt. Mit Beginn der Bauarbeiten 2004 wurden diese Schlitzwände auf eine Tiefe von bis zu 37 Metern betoniert. Danach ruhten die Arbeiten bis vor einigen Monaten, bis mit dem Abtragen des Erdreichs bis auf eine Tiefe von 28 Metern begonnen wurde. Diese Erdarbeiten sollten letzten Mittwoch (4.3.) beendet sein.

    Also die Bauweisen werden natürlich den örtlichen Gegebenheiten angepasst, aber im Grunde ist es die Gleiche Art und Weise.

  • Hier in Düsseldorf wird beim Bau nun sehr stark kontrolliert.

    Im Gegensatz zu Köln, wo wohl aus Kostengründen das Grundwasser großflächig abgepumpt wurde, soll in Düsseldorf darauf verstärkt geachtet werden, das wie üblich in den Schlitzwänden abgepumpt wird.

    Ausserdem werden die Gebäude am verlauf der Wehrhahnlinie regelmäßig auf Risse kontrolliert.

    RP #1
    RP #2

  • Alles was ich bislang über das Kölner Unglück gehöhrt habe, und was ich über den Düsseldorfer U-Bahnbau weiß, kann man die beiden Bauvorhaben und Baumethoden kaum vergleichen.

    Es ist ja zudem auch bekannt, das es in Köln bei größeren oder öffentlichen Bauvorhaben oft recht merkwürdig zugeht. Köln ist eben Köln.

  • Die Stadt beruhigt nun die Anwohner. Zudem soll man sich umgehend melden, Gebäudeschäden sollen schnellstmöglich repariert und berechtigte Entschädigungen rasch gezahlt werden.

    Bis Anfang Januar sind wohl 34 Anträge auf Entschädigungen im Verkehrsdezernat eingegangen. Die Höhe der Zahlungen lag dabei zwischen 500 und 30 000 Euro.

    RP

  • An der Oberlöricker Straße legt das Amt für Verkehrsmanagementein ein Probefeld für Vereisungsborhungen an.

    RP

  • RP Stadt beruhig Anwohner. So viel wie im Moment beruhigt wird, bin ich ganz beunruhigt ...

    Und warum ein angeblich vollkommen bewährtes Vereisungsverfahren getestet wird, ist mir auch nicht klar. Angeblich wird ja auch gar nicht gemessen, sondern nur die Vereisung ausgegraben und nachgesehen. Entweder das Verfahren ist sicher, dann muss man nicht testen. Oder es ist nicht sicher, dann muss man testen. Aber dann hätte man testen müssen, bevor auch nur der erste Spatenstich getan wird und nicht nachdem der Kaufhof schon praktisch ausgegraben ist.

  • Wenn ich das richtig verstehe, will man ein bewährtes Verfahren nach dem Prinzip dreifach-gemoppelt noch ein weiteres Mal testen. Dass solche Verfahren gewohnheitsmäßig angewendet werden, kann ich mir auch nicht vorstellen – so viele derartige Projekte gibt es gar nicht.

    Ich habe den Eindruck, nach dem Kölner Desaster sind nun alle ein wenig paranoid. #191 kann ich mich dabei nur anschließen. Die Toleranzgrenzen für kleine, mittlere oder große Schlampereien in allen Lebenslagen sind in Köln schon ausgesprochen weit. Ich bin nicht sehr beunruhigt bzgl. Ddf.

  • Ähnliches gab es nach dem Flughafenbrand im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes; in laufenden Projekten wurde alles überdacht und hinterfragt; inzwischen wurden auch viele Vorschriften entsprechend geändert.

    Aber auch damals war eben nicht alles nach Vorschrift gelaufen und das Bauwerk trotz zahlreicher baulicher Änderungen im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes einfach nicht mehr auf dem Stand der Technik; dazu noch weitere Unzulänglichkeiten, und aus einem Unfall wurde eine Kathastrophe - wie jetzt wohl auch in Köln.

    So nervig die zahlreichen Vorschriften etc. zur Sicherheit von Bauwerk und Baustelle und Nutzer auch manchmal für uns Planer sind; so zeigen uns solche Fälle eben auch immmer wieder den Sinn.

  • RP berichtet:

    Wehrhahnlinie weiterhin sicher - Nach einem Jahr erst 82 Schäden an Gebäuden mit einer Schadenssumme von über einer halben Million Euro
    Schadensregulierung bürgerfreundlich - Von 82 Schäden bisher wurden aber erst 25 beglichen
    Alles Versichert - mit einer Selbstbeteiligung von 25.000 pro Fall, höchster Einzelschaden bisher: 30.000. Ob sich die Versicherung lohnt?

    Ich finde weder die Schäden gering, noch die Regulierung besonders schnell - selbst nach den dürftigen Informationen aus dem Artikel.

  • "Werhahnlinie weiter sicher" was für Presse floskeln.
    Im März war der WDR auf der WHL unterwegs mit der Kamera und suchten doch mit allen Mitteln wenigstens ein fitzelchen Info's irgendwie zu erhaschen was sie dann sehnlichst mit dem Köln Unglück vergleichen könnten um daraus wieder Effekthascherei zu betreiben um die Bürger aufzuhetzen, aber liebe Allgemeine Presse in diesem Sinne befindet ihr euch auf einer langen geraden Staubpiste ohne Fata morgana.
    Dumm gelaufen

  • <offtopic>Der WDR konnte auch an anderen Brennpunkten der Stadt und der Wirtschaft keine Effekte erhaschen, also müssen sie wohl wieder vor der eigenen Haustüre suchen ;)</offtopic>

    Zu den bisherigen Schäden hat auch die NRZ geschrieben.

    Bei Kanalbauarbeiten hat man nun, drei Meter unter der Erdoberfläche, menschliche Gebeine gefunden worden. Nach Einschätzung eines Archäologen handelt es sich bei den Gebeinen um eine Sargbestattung aus dem 17. Jahrhundert. Es handelt sich warscheinlich um ein Einzelgrab. Die Fundstelle befindet sich außerhalb der früheren Stadtbefestigung Düsseldorfs.

    RP

  • Es wurden nun an der Kasernenstrasse weitere Gebeine gefunden. Man vermutet, das die Grabstelle mit den Skelettresten zu einem alten jüdischen Friedhof gehören könnten.

    Aus alten Plänen geht hervor, dass in dem heutigen Bereich von Kasernenstraße und Benrather Straße Ende des 17. Jahrhunderts jüdische Mitbürger ihre Toten beerdigt haben. Jetzt sind Gespräche mit der jüdischen Gemeinde nötig.

    Nach dem jüdischen Glauben dürfen Tote nicht umgebettet werden, sondern müssen auf dem Friedhof bleiben. Der Boden, in dem der Tote begraben ist, gehört ihm auf ewig. Dies hieße Baustopp der U-Bahn an dieser Stelle. Allerdings will Rabbiner Julian Chaim Soussain hier einlenken und vom Gebot der Totenruhe eine Ausnahme genehmigen, wenn es eine Verbesserung gibt. Hier denkt man an eine Überführung der Toten nach Israel. In jeden Fall will die Gemeinde daher die genauen Umstände überprüfen.

    Ein Beitrag in der Festschrift zum 600-jährigen Bestehen der Stadt aus dem Jahr 1888 stützt sich auf eine verlorengegangenen Aufzeichnungen der jüdischen Gemeinde, so der Historiker Ulrich Brzosa. Die jüdische Gemeinde habe demnach 1700 von Kurfürst Jan Wellem die Erlaubnis erhalten, an dieser Stelle einen Friedhof vor den Mauern der Stadt anzulegen.

    1780 beanspruchte aber Kurfürst Carl Theodor die Fläche, um die Stadt planmäßig ausbauen zu können. Damals bat die jüdische Gemeinde wenigstens die Gräber nicht zu überbauen. Alternativ habe man sich auch mit einem neuen Friedhofsgelände, welches dann 1782 im Bereich der heutigen Prinz-Georg-Straße und Rochusstraße von der kurfürstlichen Verwaltung zugesprochen wurde, zufrieden gegeben.

    Bereits 1884 wurden Spuren des alten Friedhofs bei der ersten Kanalisierung der Kasernenstraße gefunden. Fünf Grabsteine wurden auf den neuen Friedhof überführt. Auf dem ersten Friedhof wurden auch die Eltern von Heinrich Heine begraben. Das Grabmal wurde damals geborgen und steht heute auf dem jüdischen Friedhof an der Ulmenstraße.

    RP

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    Bei den horizontalen Probebohrungen für die Kö in Lörick will man zwei Verfahren testen - Beton und vereisen.

    RP