• ^^ Nun, bei 9 Obergeschossen (mit Balkonen) und einem hohen Sockelbereich dürften es schon deutlich mehr als die 22 m Traufhöhe sein. Aber dennoch würde ich es auch nicht als Hochhaus bezeichnen.

    Ich war gestern mal im Innenhof. Im Gegensatz zur Außenfassade, die zwar nicht jedem gefällt, aber durch ihre Versätze und auskragenden Balkone eine gewisse Abwechslung bietet, bestehen die Hoffassaden aus einfachen quadratischen grauen Platten ohne jegliche Plastizität. Diese wird man höchstwahrscheinlich schlicht und ergreifend "glatt" dämmen und dann einheitlich anstreichen.

    Außen hingegen könnte man sicher mit etwas Inspiration und Gestaltungswillen, u. a. mit kräftigen/kontrastreichen Farben, ein passable bis vielleicht sogar interessante Wirkung erreichen - wenn man denn wollte.

  • ^ Oh danke - das sieht ja gar nicht mal soo übel aus!

    Selbst meine Befürchtung einer megalangweiligen glatten Hoffassade scheint sich nicht zu bestätigen - die Plattenfugen bleiben demnach sichtbar und etwas Farbe kommt auch ins Spiel. Die (allerdings schlecht erkennbare) "Musterung" der Platten im ersten vergrößerten Bild erinnert fast etwas an einen der schickeren Plattenbauten an der Ostseite des Gendarmenmarktes (der mit den Mosaiken). ;)

    Außen sieht es so aus, als bliebe die "Grundoptik" erhalten (geriffelte Betonbrüstungen usw.), nur mit hellerer Farbe und einigen orangegelben Elementen. Das Sockelgeschoss wird neu verglast.

    Das Gelb muss m. E. auch nicht zu den Hochhäusern in der Leipziger Straße passen, sondern eher zu der benachbarte Bebauung in der Wall- und Seydelstraße. Und dort dominieren ja helle Farbtöne.

    Allzu viel kann man sicher noch nicht dazu sagen, zumal es keine Gesamtansicht des Gebäudes von außen gibt, aber mein erster Eindruck ist: Es hätte viel schlimmer kommen können.

  • Dem würde ich auch zustimmen. Ich finde es gut, wenn der ursprüngliche Entwurfsgedanke erhalten bleibt und aufgefrischt wird. Bei genauerem Hinsehen scheinen sogar die unterschiedlichen Farbschattierungen der Wandflächen hinter den Balkonen erhalten zu werden.

  • Coca-Cola-Platte

    So, die ersten Teile der Fassade der "Coca-Cola-Platte" am Spittelmarkt scheinen fertig saniert zu sein. Ich schreibe "scheinen", weil das Ergebnis sehr dezent ist in Bezug auf optische Veränderungen, so dass ich mir nicht ganz sicher bin, ob da nicht noch was kommt. Aber vor den nun sichtbaren Fassadenbereichen stand ja auch ein Gerüst und das ist nun weg.

    Die Riffelbeton-Balkonbrüstungen wurden gereinigt, ohne dass sie jetzt picobello und wie neu aussehen. Dahinter wurde wohl gedämmt, darauf aber wieder rote Farbe aufgetragen wie zuvor. Die Glasplatten zwischen den Betonbereichen der Brüstungen wurden erneuert. Die restlichen Fassadenbereiche (Betonträger/-streben) wurden hellgrau gestrichen. Vermutlich wurden auch neue Fenster eingesetzt.

    (Hier zum Vergleich noch einmal der Vorzustand aus Beitrag #446).

    Wenn es tatsächlich so bleibt, wäre das für mich absolut okay. Das Gebäude ist sicher nicht traumhaft schön, aber doch sehr markant und im gereinigten/frisch gestrichenen Zustand akzeptabel. Eine starke optische "Überarbeitung" des Gebäudes hätte vermutlich zu einem weiteren gesichtslosen Styroporgewitter geführt. Dann besser so wie es war:

    Die Hoffassaden sahen vorher übel aus, jetzt wurden sie gedämmt und hellgrau gestrichen mit einzelnen roten Feldern:

  • Eine optische Verbesserung wäre hier eh nur durch Abriss zu erreichen gewesen und abstoßender gings eigentlich auch ne mehr. Dennoch ist dieses Ungetüm an so einer recht exponierten Lage ziemlich peinlich.

  • ja, den abriß wünsche ich mir schon so lange...
    ich weiß noch als ich vor 10 jahren auf wohnungssuche das erste mal durch die leipziger gefahren bin und ich nur dachte... diese hochhäuser... dieses haus mit cola werbung... ich muß mich verfahren haben und in bombay sein... jetzt wird das ding auch noch saniert... :gewehr:

  • Sorry, das Ding gehört vielleicht nach Nordkorea, aber ich kriege Brechreiz wenn ich sowas sehe.

  • Ich kann selber gar nicht genau erklären warum, aber dieses Gebäude mag ich schon lange. Gefällt mir einfach. Das es jetzt wieder herausgeputzt wurde freut mich daher umso mehr - zum Glück hat man den Pinsel auch nicht zu sehr in den Farbtopf getaucht, das letzte was dieses Gebäude brauchte ist eine Gestaltung in knallbunten Farbtönen und mit bunten Metallplatten ;)

  • Abriss wäre die einzige vernünftige Lösung gewesen.
    Ich kenne nur wenige Gebäude in Berlin die so eine fatale Wirkung auf das Stadtbild haben wie dieser Kasten. Er symbolisiert quasi die Vergangenheit, die nicht verschwinden wird.

    Die meisten Plattenbauten die es noch gibt und auch richtigerweise weiterhin geben wird, fügen sich irgendwie ins Stadtbild ein, aber dieses Gebäude an dieser exponierten Lage und mit diesen markanten Betonbunkerbalkonen strahlt eine ungemein aggressive Hässlichkeit aus, anders kann ich es einfach nicht beschreiben.

  • Theseus und den anderen Kritikern kann ich nur beipflichten:
    Dieser Plattenbau ist ein Ärgernis und paßt nicht in das heutige Berlin!

    Nach der Wende fand ich es ganz putzig mit seiner Cola-Reklame.
    Als abschreckendes Beispiel sozusagen.

    Aber spätestens seit der Anbindung der Lindenstraße an die Leipziger hätte etwas Anderes dorthin gehört! :cool:

  • Mich erinnert das Gebäude im positiven Sinne an das River City in Chicago:
    http://2.bp.blogspot.com/-bRHEbUV8khc/T…hi-MCC-002b.jpg
    Aus der Ferne (von der Leipziger kommend) hat es eine ähnliche Wirkung.

    Ohne den Kritikern zu nahe treten zu wollen, ich würde es mir aber wünschen, man würde ein bisschen mehr zwischen DDR und Architektur differenzieren. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Leute bei Anblick von Architektur aus der DDR Zeit nur "Ostplatte" sehen und sich allem anderen verschließen.

    Was dieses Haus auf alle Fälle auszeichnet: es ist NICHT langweilig. Als schön im klassischen Sinne empfinde ich es auch nicht, aber es hat etwas positives. Eine Seite davor nannte ich es "lasziv bedrohlich". Ästhetisch finde ich es daher durchaus gelungen. Was möglicherweise ein bisschen altmodisch ist, ist die gerippte Fassadenoberläche. Dadurch wirkt es irgendwie Nordkorea-Style, das finde ich aber nicht schlimm.

    Stünde dieses Haus in Chicago, würde man ihm eine gewisse Anmut nicht absprechen. Steht es in Berlin, sieht man nur: Ostplatte.
    Das finde ich schade.

  • Ich kann auch nicht ganz verstehen, warum die meisten diesen Bau weg haben wollen. Man könnte denken, man will die Vergangenheit verleugnen und vertuschen.
    Komischerweise fordert niemand den Abriss der Platten am Alex. Diese sind in der Tat einfallslos und billig, aber hier handelt es sich um einen "Ausnahme"-Plattenbau. Sowas kann man im Osten kaum finden. Ich komme gerne nach Berlin wegen dieser Vielfalt an Architektur und dieses Gebäude gehört definitiv mit dazu.

  • Nach den doch überraschend vielen positiven Erwiderungen und der Renommeemeinung, bei einem weiteren Engagement Harris' in Dresden den Neumarkt nur mit solchen Gebäuden wieder aufzubauen, habe ich es mir nochmal genauer angeschaut.

    Bleibt aber leider dabei. Auch in Chicago wäre das Gebäude eine ausgesprochene Monstrosität mit einer dem Waschbeton leider innewohnenden Grundsiffigkeit.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Stünde dieses Haus in Chicago, würde man ihm eine gewisse Anmut nicht absprechen. Steht es in Berlin, sieht man nur: Ostplatte.


    Das Gegenteil ist hier wohl der Fall. Weil die Bude in Berlin steht, ist sie in mancher Augen etwas Tolles, Aufregendes. Berlin halt.
    Das hat im Übrigen nichts mit Ost und West zu tun. Derartige Unfälle gibt es ja auch im Westteil der Stadt zur Genüge. Nur stammt dieses Teil hier aus den 80er Jahren. Da wurden DDR-weit und gerade in Berlin schon wieder ganz andere Maßstäbe gesetzt. Ich nenn hier nur die postmodernen Platten Gendarmenmarkt und den Friedrichstadtpalast. Das Ding kann man also höchstens als bedauerlichen Rückfall in die 60er und 70er Brutalismusjahre bezeichnen. Hat sich die DDR-Moderne damals noch um etwas Eleganz bemüht, meinte man Anfang der 80er wohl den westdeutschen Kollegen von damals noch etwas entgegensetzen zu müssen. Der wieder entfernte Anbau an das Polizeipräsidium Dresden war ja auch so eine Absurdität.

  • Der Bau ist strukturalistisch, brutalistisch, und auf eine sinistre Weise expressiv, und so bleibt er uns auch erhalten, zum Glück!
    Ein echter Bruch, quasi ein Schlag in die Fresse der dahinterliegenden styroporornamentierten Retrowohlfühlwelt der dort residierenden harmoniebedürftigen Merkelmichel, herrlich...:daumen:

  • Na, ob der vermeindliche Expressionismus, den ich nicht erkennen kann, "sinister" ist, ist in nach dem Autorensinn wohl eher kontraproduktiv. So linkisch finde ich den Bau nicht: ein Kind seiner Zeit, ohne Ort und Heimatland.

    Wer allerdings der "styroporornamentierten Retrowohlfühlwelt" "eins in die Fresse" schlagen mag ist - auch im übertragenen Sinne - falsch gewickelt: die Retrowohlfühlwelt besteht genauso aus Beton mit vorgehängter Fassade wie der gelobte Bau am Spittelmarkt (den letzteren es nicht mehr gibt). Der Unterschied besteht nur in der vorgehängten Dekoration: der eine Neo-Gründerzeit auf Styropor, der andere Neo-Moderne in Waschbeton, enthaltend gern die zerkleinerten Reste der 600-jährigen Stadtgeschichte.

    Einen Unterschied im Geschmack? Gewiss. Ein Unterschied im Bauprinzip? Kaum. In jedem Fall kein Grund, sich über andere Ansichten zu erheben oder handgreiflich zu werden, auch nicht verbal. Dazu wäre ein moralischer Anspruch notwendig - den kann ich nicht erkennen.

  • Seit wann ist einfach schlechte Architektur ein geeignetes Protestmittel gegen gesellschaftliche Zustände? Da gibt es geeignetere Möglichkeiten.

    Ausserdem denke ich, dass die meisten die in diesem Gebäude wohnen (müssen), eine Fassade einer 'styroporornamentierten Retrowohlfühlwelt' vorziehen würden, wenn Sie denn die Wahl hätten.
    ;)