• Ob eine Lage an einer Flusskrümmung so einzigartig in der Welt ist, sei mal in Frage gestellt. Die Sache, die Dresden da heraushebt ist das Wie des Heranbauens der Stadt zum Fluss und das Verweben der Stadtlandschaft mit dem Fluss. Es ging hier auch nicht um den Namen Elbflorenz, der tatsächlich auf die Kunstsammlungen von Weltrang abhebt, sondern die heutige Titulierung "Barockstadt".

    Dekoratives Anführungszeichen

    Abgesehen davon bemühte man sich im 19. Jh. mit den Mitteln der Zeit ein schönes und durchgrüntes Stadtbild zu bewahren.

    Ja, durch die stadtplanerisch forcierte offene Bebauung mit Kaffeemühlen und den Villen der von mir genannten S-N-Schule, deren Villa Rosa DER Neorenaissance-Prototyp Dresdens wurde. Dieses glorifizierte Bild - der Mythos - der Stadt wurde durch ihren Untergang 1945 erst so richtig mächtig. Was ist da also Blödsinn?

    2 Mal editiert, zuletzt von Dunkel_Ich (17. November 2014 um 00:01) aus folgendem Grund: Links hinzugefügt

  • huch, das mit der gar nicht einzigartigen krümmung wollte ich auch grad schreiben :)
    vielmehr ist es die gesamte landschaftliche lage, der gesamte flusslauf und v.a. der Nimbus des Gesamtkunstwerks aus natur und kultur. die sammlungen und die höfische repräsentanz (inkl. stadtsilhouette) kommen hinzu. die hauptattribute sind auch bis heute existent. was seit zerstörung fehlt: die alten bürgerhäuser und (innerstädtisch) die gründerzeit. am neumarkt holt man einen teil der bürgerhauskulisse (teils in heutiger formensprache) zurück. die restliche innenstadt wurde freilichtmuseum - von ddr-baukunst bis städtebau der moderne. das ist für eine tourismusstadt durchaus einzigartig. ebenso einzigartig wird sich zunehmend ein neuzeitlicher rahmen ums historische zentrum legen - egal welcher qualität.

    was mir mißfällt, ist das erwecken eines eindrucks der allgemeinen wertlosigkeit vieler neubauprojekte. erstens hat sich die stadt diese totale auslöschung nicht selbst verordnet, ebenso wenig wie die jahrzehntelangen bedingungen und möglichkeiten des neuaufbaus. das plattenbauverfahren des heutigen hilton zu zeigen, ist bewußt hinterhältig. daher sei darauf verwiesen, dass zunächst einmal der neumarkt zur jahrhundertwende (19./20.JH) vernachlässigt und zerlottert war, die häuser bröckelten und teils war es rotlichtbezirk. der wert wurde noch nicht erkannt. es ist vermutlich davon auszugehen, dass es ohne bzw. bei leichter zerstörung zahlreiche eingriffe in den bestand gegeben hätte. spätestens in den siebzigern wäre eine sanierungswelle eingetreten - aber mit unterschiedlichen resultaten. der platz hätte bis 1990 einige ersatzneubauten, verdichtungen und dgl. über sich ergehen lassen müssen. in einzelnen quartieren wären passagen reingedroschen, am altmarkt stünde lange jahre ein horten-kaufhaus - welches heute längst vergangenheit ist - und am altstadtring ragten einige minihochhäuser über die dächer. derzeit würden die gröbsten bausünden noch getilgt. auch die dachlandschaft wäre zerrissen.

    soll heissen: der nachkriegsplatz neumarkt wäre stets veränderungen unterworfen und später sanierungsgebiet gewesen. jahrzehntelanger verwertungsdruck, fragwürdige städtische zielstellungen und der eine oder andere skandal einer (korrumpierten?) baugenehmigung hätten den stadtbereich - analog westdt. großstädte - "weiterentwickelt".

    also immer nur im idealmodus zu vergleichen nützt doch nichts. auch die leipziger city besteht doch zum großteil aus neubauten. wenn es eine gesellschaft heute nie zu großflächigen rekonstruktionen schafft, wenn das historisch-authentische stadtbild keine lobby mehr hat, dann hat das leider seine gründe. verglichen mit anderen wieder neuerbauten "altstädten" scheint mir der neumarkt recht wertig und gelungen - auch wenn viel stahlbeton verbaut wurde. die bauhistorische wertediskussion bleibt ein (natürlich berechtigter und notwendiger) fachdiskurs - er spielt nur in der breiten wahrnehmung und alltagsfunktionalität keine rolle. eine demokratische gesellschaft baut zu jeder zeit so, wie es die meisten leute akzeptieren - ja sogar wollen. das ist ihnen dann quasi mehr wert als teure rekos. denn riesige geldmengen fließen lieber in den bequemen privatkonsum oder sonstwohin. es wäre ja schon viel gewonnen, wenn alte gebäude nicht immer modernistisch penetriert werden.

  • @ Stahlbauer: Ganz genau, Leipzig supidupi, Dresden alles Sch... . Diese Argumentationslinie kennt man ja mittlerweile aus einer gewissen Ecke am Rande des Freistaates...

    Die Bezeichnung "Barockstadt" ist auch insofern nicht von der Hand zu weisen, dass die maßgeblich bekannten Gebäude (Zwinger, Hofkirche, Frauenkirche, aber auch die umgebenden Schlösser Pillnitz oder Moritzburg) als Hauptsehenswürdigkeiten nun einmal jener Epoche stilistisch zuzuordnen sind. Darüber hinaus ist es natürlich eine Marketingstrategie und ansonsten eher absurd. Ein Vergleich mit Rom oder Prag ist daher genauso überflüssig und witzlos wie ein Vergleich mit der Renaissancestadt Florenz oder, anderes Beispiel, der von Leipzig und Paris (da ich in letzterem immerhin zwei Jahre meines Lebens zugebracht habe, erlaube ich mir einfach einmal diese Wertung.)

    Darüber hinaus sind die Aussagen bezüglich der Kategorisierung und Einordnung von Kunstepochen ziemlich haltlos, aber das kommt halt davon, wenn man sein Halbwissen in erster Linie aus Wikipedia bezieht. Abgesehen davon, dass die Kategorisierung Barock-Rokoko sich kaum an einem Jahr festmachen lässt und bestimmte stilistische Vorlieben in verschiedenen Regionen nicht zur exakt gleichen Zeit maßgebend waren, sollte jemandem, der sich vorgeblich auskennt, auch bekannt sein, dass Spätbarock und Rokoko als Begriffe oft synonym verwendet werden. Daneben gibt es auch durchaus Mischformen von Stilelementen: So gilt z.B. Starckes Palais im Großen Garten als erster sächsischer Barockbau, obwohl er noch zahlreiche Renaissancereminiszenzen aufweist. Das Landhaus wiederum wird allgemein dem Frühklassizismus zugeordnet, besonders augenscheinlich ist dies an der Fassade zur Landhausstraße (Haupteingang mit Portikus). Demgegenüber weist die ehemalige Gartenseite (heutige Front zur Wilsdruffer Straße) noch deutliche Anklänge des Rokoko (oder eben: Spätbarock) auf, ebenso das bekannte Treppenhaus im Inneren.

    Aber das muss man dann wohl nachsehen, in "Klein-Paris" (hust!!!) gibt es dann offenbar doch zu wenig repräsentative Architektur aus besagten Epochen, um sich mit derartigen Petitessen auseinander setzen zu können. Da hilft dann natürlich Wikipedia ungemein.

  • Ich mag Dresden, wie auch Leipzig. Und da ich nunmal in DD geboren und aufgewachsen bin, wird es eh immer die Top1 bleiben :) für mich. So geht es wohl den meisten :), Top ist meistens das, wo man herkommt.

    Aber zugegeben, Leipzig ist bei einigen Sachen zu beneiden, nicht nur von Dresden aus, sondern auch von vielen anderen, deutschen Städten aus. Die Masse an erhaltenen Vierteln ist, glaube ich, deutschlandweit einzigartig bei einer Stadt dieser Größe. Ich glaube, nur Halle und Wiesbaden haben ein ähnliches (vlt. sogar intakteres) erhaltenes Stadtbild, aber Sie sind doch wesentlich kleiner.
    Dresden dagegen hat seine wie schon erwähnten Kulturbauten, seine Landschaft und Vorstädte, welche sie liebenswert und sehenswert macht.
    Man kann für beide Städte genügend Vor- und Nachteile aufzählen, was aber in meinen Augen nichts bringt. Das Ziel sollte nicht sein, die jeweils andere Stadt zu überflügeln, sondern man sollte voneinander lernen und miteinander arbeiten.

    Aber rein aus "Scherz-Rivalität" heraus muss ich für folgenden Kommentar natürlich beide Daumen hoch geben:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Aber das muss man dann wohl nachsehen, in "Klein-Paris" (hust!!!) gibt es dann offenbar doch zu wenig repräsentative Architektur aus besagten Epochen, um sich mit derartigen Petitessen auseinander setzen zu können. Da hilft dann natürlich Wikipedia ungemein.

    Den merke ich mir, schönes Ding ;).

    Allen Leipzigern und Dresdnern noch einen schönen Abend. Dem Rest natürlich auch.

    MfG
    Christian

  • Die Links zu Wikipedia waren ein Service für unsere Eleven.:troest:

    Warum diskutiert Ihr hier über Leipzig?

    Das Thema war doch dieses:

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ich sage nichts gegen die Frauenkirche, die ist wirklich historisch bedeutend. Aber drum herum wurde nun mal alles in einem kitschigen Einheitsbrei aufgebaut. Der dauernde Höhenversatz wirkt wie gewollt, aber nicht gekonnt. Die übertriebenen Mansarddächer...

    Und selbst dort, wo man versucht hat, mal etwas Leben in die Sache hinein zu bringen durch modernere Bauten, wirkt es trotzdem alles sehr ähnlich. Eine homogene Masse an Kitsch-Bauten eben. :)

    Vielleicht ist Kitsch etwas übertrieben, aber es erinnert mich doch sehr an diese auf alt gemachten Möbelstücke, welche innen aus Sperrholz gefertigt sind und irgendwie immer so aussehen, als wöllten sie etwas darstellen, was sie nicht sind.
    ...
    Es wirkt für mich eben nicht wie historisch wieder aufgebaut, sondern wie man wollte, dass es alt und historisch aussieht, aber man merkt sofort, dass es so nicht ist.

    Aber wie ich ja auch gesagt habt, soll man nur machen, wenn die Touris das gut finden. Solche Gebiete gibt es ja in vielen europäischen Städten. Ich frage mich nur, was ich als Dresdner dort jemals sollte abseits von Sightseeing der eigenen Stadt? Bars und Restaurants gibt es in jedem Stadtteil ähnlich gute oder bessere zu weitaus besseren Preisen. Die hochpreisigen Geschäfte zwischendrin verkaufen nun wirklich keine Alltagssachen. Und grün und erholsam ist es dort auch nicht.

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Neumarkt_…hentizit.C3.A4t

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ruby vergleicht die Situation am Dresdner Neumarkt mit einer Simulation Venedigs in der Hotelanlage Venetian Resort Hotel in Las Vegas und hinterfragt, ob diese authentisch sein könne. [...]

    Auch Peter Kulka sieht am Neumarkt einen Bruch zwischen Äußerlichkeit und innerer Funktion der Architektur: „Da wo am Dresdner Neumarkt einst das Zentrum aus Parzellen von Bürgerhäusern bestand, entsteht heute hinter Attrappen von Bürgerhausfassaden – zum Teil als Leitbauten deklariert – eine ganz andere Welt aus Passagen, Hotels und – noch mal Hotels.“ Er meint, dass diese auf „Leinwände projiziert[en]“ Gebäude mit den historischen Strukturen nur wenig gemein hätten und in „maskenhaft erstarrten Zügen“ kulissenhaft wirkten. [...]

    Er (Thomas Will) kritisiert die positivistische Auffassung, „verlorene Kulturdenkmäler kraft moderner Wissenschaft und Technik weitgehend ebenbürtig reproduzieren zu können“, da sie seiner Auffassung nach diesen Kulturdenkmälern ihre Geschichtlichkeit absprechen würde und sie die „Autorität des historischen Originals“ leugnen und es zur Imitation freigeben würde.


    http://idw-online.de/pages/de/news216639

    Dekoratives Anführungszeichen

    Ein urbanes Zentrum einer Stadt sieht in seinen Augen anders aus. "Es fehlen Nutzungen, die auch für Dresdens Einwohner attraktiv sind", ergänzt er.

  • ^ nunja, efhdd, alles nur schöne bzw unschöne einzelmeinungen - teils auch uralt, wo die schafe noch grasten. das hilft hier nicht weiter. aussagen zum neumarkt bleiben zudem nur eindruck zu einem bestimmten zeitpunkt - solange er nicht fertig ist und sich ein paar jahre einspielen durfte.

    ^^ und vielen dank, stahlbauer, mittels eines wiedergekäuten sinnloszitats die sticheleien fortzuführen und die tatsächliche breitenwahrnehmung des neumarkts verzerren zu wollen. deine persönlichen aversionen scheinen schmerzhaft tief zu sitzen. dresden wird derweil von einer großen mehrheit immer noch als ausgesprochen entspannte, gemütliche und freundliche stadt wahrgenommen - trotz aller baulichen probleme und problemchen. das fehlende urbane gepräge der heutigen stadt scheint nur eine verschwindende minderheit zu tangieren - das bauliche ist eben nicht alles.

  • [quote='Stahlbauer','RE: Dresden: Neumarkt']Die Links zu Wikipedia waren ein Service für unsere Eleven.:troest:

    Der Zeitpunkt der Registrierung und die Anzahl der Posts sagen nun wirklich nicht sonderlich viel über die Kompetenz des Schreibers in gewissen Fragen aus. Ich glaube mit allem gebotenen Respekt, da legst Du Dich mit den Falschen an. Im übrigen sehr aufschlussreich, wessen Beitrag Du hier als vermeintlichen Beleg für Deine Thesen heranziehst. Aber damit will ich es meinerseits auch bewenden lassen, denn das eigentliche Thema ist nun tatsächlich ein anderes. Als Ratschlag eines "Eleven" an einen vermeintlichen "Experten": Vielleicht sollte man sich doch nur zu Dingen äußern, von denen man wenigstens den Hauch einer Ahnung hat. In Kunst- und Architekturgeschichte scheint ja Deinerseits doch noch etwas Nachholbedarf zu bestehen...:keineahn:

  • Dekoratives Anführungszeichen

    und vielen dank, stahlbauer, mittels eines wiedergekäuten sinnloszitats die sticheleien fortzuführen und die tatsächliche breitenwahrnehmung des neumarkts verzerren zu wollen. deine persönlichen aversionen scheinen schmerzhaft tief zu sitzen.

    Interessant zu sehen, welche Reaktionen der bloße Hinweis auf den Unterschied zwischen Original, Nachbau oder Adaption hervorruft. Ganz so entspannt geht Ihr dann doch nicht damit um.

  • ^ ach gott, BLOSSE hinweise sehen anders aus. ist doch klar, dass tendentiöse privatprobleme aufgrund unsachlich- und nutzlosigkeit hier nicht unwidersprochen bleiben. letztlich trittst du allen leidvoll kriegszerstörten städten nochmals in den hintern: bei denen stünde heute ja nur schrott herum und an der zerstörung sind sie eigentlich auch schuld. viel spass beim suchen nach nennenswerten flächenrekos im heutigen europa. wenn diese alternative bestünde, dann hat es sinn, darauf aufmerksam zu machen. sonst bleibt es nutzlos/unsachlich. ich hatte bereits beschrieben, dass diese alternative nicht besteht. und dass sich der neue neumarkt nicht unbedingt viel unterscheidet von zahlreichen großstadt-cities in deutschland, da diese immer mehr überformt sind und zu oft historisches flair verlieren.

  • Gründet doch einen Diskussionsstrang wo genau sowas reinkommt, da kann man sich die eigenen Meinungen um die Ohren fliegen lassen bis es knallt :-).
    Und andere können den Strang meiden.
    ICh mag nicht mehr diese "persönlichen Meinungen" hier zu lesen, Fakten wären mir lieber.


    Schön Abend
    Christian

  • Genauere Quellen

    Hallo zusammen,

    Ich hoffe, dass ich für meine Frage jetzt nicht extra einen Thread aufmachen muss.

    In der Vorbereitung einer Arbeit bin ich auf diesen hier gestoßen, in dem u.a. die Rede von "Disneyland Neumarkt" war; ein Begriff, der sehr zu meinem Mißfallen auch im Seminar fiel.

    Mich interessieren jetzt die Quellen, die dem mit guten Argumenten widersprechen. Ein oder zwei würden schon reichen, denke ich. Danke.

  • @campari:

    Also ein direktes Dokument wo genau gegen diese Begrifflichkeit argumentiert wird kann ich dir leider nicht anbieten.
    Wenn du dich aber mit dem Neumarkt genauer befassen willst kann ich die nur die Website der GHND "Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V." empfehlen.
    Hier findest du aktuelle Presseinfos oder z.B. einen Newsletter.
    Wenn du die Seite öffnest und auf der linken Seite den Link "Aktuelles" auswählst findest du auf der nächsten Seite einen Bereich "Diskussion" (rechts/mittig) hier sind ebenfalls interresante Artikel zum Thema Neumarkt.

    Auch noch eine Frage von mir, du sagtest man hat diesen Begriff "Disney..." bei dir im Seminar verwendet, was war den das für ein Seminar?

    Hoffe der Link hilft dir etwas weiter.

    MfG
    Christian

  • SZ-Artikel - OVG kippt den Bebauungsplan für Neumarkt Quartier VI

    Link zum Artikel

    >> Artikel zu einem Verfahren um den Neumarkt aus der SZ vom Samstag (Onlinedatum), habs mal kurz zusammengefasst falls der Artikel nicht ewig kostenlos bleibt.

    "Gericht kippt Neumarkt-Projekt"
    - Bebauungsplan Neumarkt Quartier VI für unwirksam erklärt durch Oberverwaltugsgericht Bautzen
    - das Urteil wurde am 30. September 2014 ausgestellt doch Stadtverwaltung hat noch nicht einmal die Stadträte im Bauauschuss informiert
    - Richter kritisieren inhaltliche Mängel in dem Bebauungsplan
    - Änderungen nach öffentlicher Auslage, Kläger nicht genügend Zeit zu reagieren
    - Stadt berechnet Lärmbelastung durch Kulturpalast falsch, Umwälzung des Lärmproblems auf Anlieger/Investoren der Quartiere
    - Kläger wie Kondor Wessels fühlen sich "ausgetrickst"
    - weitere Bebauung am Neumarkt ungewiss


    In meinen Augen ist es ein typischer SZ Artikel, gerade der letzte teil "weitere Bebeauung am neumarkt ungewiss" ist mehr Panik mache und Auflagensteigerung in meinen Augen als eine fundierte recherche!
    Das es immoment auf Grund des Lärmschutzes Probleme gibt ist wohl jedem Forumsleser schon bekannt, das aber deswegen gleich alle Investoren abspringen und somit eine weitere Bebauung des NM wirklich ungewiss ist, ist eher zu bezweifeln.

    MfG
    Christian

    Einmal editiert, zuletzt von Christian84DD (24. November 2014 um 11:09)

  • News zum Neumarkt

    auf drängen der stadträte wurde heute im bauausschuss auskunft zur neumarktlage gegeben. BauBM marx kritisierte eine völlig falsche darstellung in der lokalpresse. es ginge gar nicht um die nichtzuöffnenden fenster, sondern um die loggien bei wohnungen ggü dem kulturpalast. egal. es betrifft alle am kulti angrenzenden bauherren, denen seit jahren bekannt sei, dass lärmbelastungen am kulti vorliegen können. in den ausschreibungsunterlagen sowie in allen grundverkaufsverträgen ist auf das thema klar hingewiesen. vermutlich wurde es verdrängt oder nicht ernst genommen. eine lösung der ganzen sache wird nun entweder in einer privatrechtlichen sonderregelung (nicht BauGB) gesehen, wonach in solchen unauflöslichen situationen eine ausnahmeregelung möglich sein kann. oder man muss an der lärmquelle ansetzen und die belastungen durch andere andienung des kulti reduzieren (sprich: teurer tunnel).

    der letzte rechtsspruch hat eigentlich keine gravierenden auswirkungen, da am neumarkt letztlich und meist nach $34 BauGB gebaut wurde und wird. so zB zuletzt swissotel und löwenhof an der schloßstrasse. die b-pläne lösen zB den abstandsflächenstreit nicht besser als wenn §34 anwendung findet. ausserdem erfuhr man von frau heckmann (SPA-sachgebietsleiterin innenstadt), dass auch hierbei ausnahmeregelungen möglich sind, wenn naturgemäß städtebauliche enge herrscht. (hintergrund: einige eigentümer stell(t)en sich quer). weiterhin sind einige b-pläne auch nicht rechtgültig, auch da einige bauherren in widerspruch gingen usw. usf. ganz klar wurde mir das detailproblem nicht.

    dann wurde u.a. über kimmerles entwürfespiel debattiert. dabei kamen erneut andere hintergründe raus, als es seit jahren in den medien kolportiert wird: anfangs ging es um die gestaltungskommission (histor. neumarkt), deren arbeitsweise und personal selbst den stadträten nicht bekannt ist und nun transparent werden soll (antrag spd + grüne). dabei kam für mich heraus, dass der gestaltungsbeirat (innenstadt) wieder was anderes ist als die kommission am neumarkt. BM marx soll nun auf der nä. sitzung die arbeitsweise sowie die aktuelle besetzung berichterstatten. diese kommission hat selbst den bauausschuss nie über irgendwas informiert - ein unding, dort taucht auf der namenliste von 2012 wohl auch ein schon verstorbener fachmann auf, ca. 5 leute sind längst ausgeschieden. aber egal. jux des ganzen: die gestaltungskommission wie auch der bauausschuss beziehen sich bei allen neumarktabklärungen auf die allzitierte gestaltungssatzung für den neumarkt. es wurde den auch nicht immer alles wissenden ehrenamtsräten mitgeteilt, dass dieses gestaltungswerk nie zu einem satzungsbeschluss im stadtrat kam und damit nicht rechtsverbindlich ist. ergo: schon immer konnte relativ frei gebaut werden. man muss hier hinzufügen, dass beim bauen nichts relevant ist ausser die juristischen grundlagen. das macht aber für den neumarkt nichts (so heckmann), denn man kommt über die städtebaulichen verträge mit den bauherren zum gleichen ziel. so musste sich jeder der kulti-anrainer bei flächenerwerb vertraglich auch an die prinzipien der gestaltungssatzung binden. damit wirkt also diese satzung, die ja keine rechtsverbindliche ist, dennoch über die hintertür verbindlich. ausserdem sind die investoren von sich aus zuvorkommend.

    nun also wirds weitergehen am neumarkt. einige zusatzregelungen müssen jetzt ausgearbeitet werden. man muss sich halt juristenfest einigen. so wie es aussieht, braucht niemand festverglasung einzubauen und auch der kulti muss nicht leiser werden. notfalls lässt sich einiges über privatrecht klären - abseits allem anderen.

    derweil wird am Q 7.2-kimmerle straff weitergebaut. für bauBM marx ist letzter stand bei kimmerle, dass er von sich aus den stellwerk-entwurf umsetzen möchte, wobei aber noch an änderungen gefeilt wird. es scheint unerheblich, welche fassade einst auf den rohbau kommt, es kann ja bis dahin gebaut werden. die loggien an der ecke galeriestrasse (stellwerk-entwurf) sind zudem der belichtungserfordernis von wohnraum geschuldet (baurechtl. erfordernis). man will diese art von balkonen dringend, da die wohnungen sonst nur schwer vermarktbar wären. also die gemengelage ist sehr kompliziert. ich konnte hier nur einige punkte erwähnen, ich hoffe, es ist ein wenig verständlich. lustigerweise waren die zeitungsfritzen gerade kurz ausser raumes, als die kritik an ihrer berichterstattung kam. also wir dürfen uns auch weiterhin auf fundierte artikel freuen. mal sehen was zur heutigen sitzung publik wird.

    blick auf die keller des dinglingerhauses

    2 Mal editiert, zuletzt von Elli Kny (27. November 2014 um 08:24)

  • ^ Bericht der SäZ:

    nachdem ein gericht den b-plan am neumarkt für ungültig erklärt hat, möchte die stadt nun nach §34 BauBG weiterbauen lassen. (vielmehr muss sie es, da ihr juristisch gesehen formfehler im b-plan unterlaufen sind, was ihre verantwortung ist und die bauherren nun nicht endlos verzögern darf- Anm. EK). sonder-/ ausnahmeregelungen sollen nun zum einsatz kommen, die b-pläne sind damit quasi überflüssig. (fazit: es scheint ohnehin überflüssig, dort überhaupt b-pläne zu machen. Anm. EK)

    einwände, dass sich dann nicht mehr an architektonische regeln gehalten wird, wischt bauBM marx mit verweis auf die städtebaul. verträge beiseite. in diesen verträgen sind alle vorgaben enthalten. wann eine baugenehmigung für USD erteilt werden könnte, konnte marx nicht einschätzen. (bericht ende)

    vermutlich hat der bauBM die "nur redaktionelle änderung des b-plans" von oben angeordnet - möglicherweise nach besorgnis des kultur-BM lunau, der ggf auch mal was von der lärmklagemöglichkeit erfuhr - auf all seinen baustellenbegehungen. egal.

    was ich nebenbei auch erfuhr ist, dass es heutzutage kaum noch möglich ist, einen b-plan komplett rechtssicher aufzustellen. besonders in schwierigen situationen wie hier und bei all den juristereien heute. ggf nutzen das investoren auch gezielt aus, um abseits der "schaufassaden nach vorschrift" genügend gestaltungsspielräume (zB in den details) zu behalten, denn wer zigmillionen investiert, will sich nicht immer alles vorschreiben lassen, was mit "seinem geld" passiert. das nur kurz als zusatzbetrachtung.