Freie und Abrissstadt Hamburg - allgemeine Diskussion

  • Einmal bitte tief Luft holen!

    Bevor wieder mal ein schönes Stück Hamburg verschwindet und durch einen banalen Investorenentwurf der Schweizer Architekten Diener & Diener ersetzt wird:

    Unter anderem werden diese zwei weißen Jugendstilgebäude abgerissen! Angeblich zu wenig Orignalbausubstanz vorhanden! =O

    Zitat zum Abriss und Neubau: Franz-Josef Höing, Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg, betont: „Der Hamburger Hof ist ein wichtiges, großes und schönes Projekt – und ein Bekenntnis zur Innenstadt. Wir begrüßen den Nutzungsmix, der auch Wohnen berücksichtigt, sowie den außerordentlich behutsamen Umgang mit den denkmalgeschützten Bausteinen und wir bedanken uns für den kultivierten Planungsprozess, den das Projekt durchlaufen hat. In seiner neuen Form leistet der Hamburger Hof einen wertvollen Beitrag zur weiteren Stärkung des Einzelhandelsstandortes Hamburger Innenstadt.“

    https://www.ndr.de/nachrichten/ha…rgerhof104.html

    So sieht außerordentlich behutsamer Umgang mit den denkmalgeschützten Bausteinen nach unserem Oberbaudirektor aus! Unglaublich! Treten Sie bitte

    zurück Herr Oberbaudirektor und verschandeln Sie meinetwegen Ihre Geburtsstadt aber nicht unser schönes Hamburg!

    Diese beiden schönen alten Gebäude werden abgerissen:

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    Einmal editiert, zuletzt von Surffranc (16. März 2025 um 16:05)

  • Ich weiß ja nicht, was Höing vorher in Köln und Bremen so geleistet hat, aber ein solches Lob für diese Sauerei disqualifiziert ihn eindeutig für seinen Posten. Einfach nur traurig.

  • Ich habe mal das alte Hamburg virtuell zum Leben erweckt. In eine fiktive Gegenwart ohne Bombenkrieg.

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  • Im Hamburger Abendblatt wurde die Tage ein Artikel zum Thema "Abriss von markanten Gebäuden" veröffentlicht.

    u.a. wird über das Kontorhaus Leder Schüler, die Gänsemarktpassage, Euler-Hermes-Hochhaus , die City-Höfe etc. berichtet.

    In der Tat schon erschreckend- was in Hamburg so die letzten Jahre an bekannten Bauwerken abgerissen wurde.....


    mehr auch hier 

  • ^^ Das ist ja mal ein reiner Jammer-Artikel, Ausser um 'Leder Schueler' ist es um keines der Haeuser schade und in vielen faetten (Cremonbruecke, City-Schrott-Hof, Grosser Burstah, Gaensemarkt) hat sich (bzw wird sich) die staedtebauliche Situation stark verbessert.

    Man muss nicht auf jedes Gejammer aus der Sassenscheidt / Hosemann Ecke hoeren und schon gar nicht auf den geballten Unsinn der Sternbruecken-Ini.

  • Ich denke, man muss hier etwas differenzieren. Nicht jedes ältere Gebäude ist automatisch erhaltenswert, nur weil es alt ist. Andererseits wird in Hamburg tatsächlich seit Jahren erstaunlich viel Substanz aufgegeben, die das Stadtbild geprägt hat. Das Problem ist für mich weniger der einzelne Abriss, sondern die Summe vieler Entscheidungen. Irgendwann verändert sich dadurch der Charakter einer Stadt spürbar.

    Bei manchen Projekten haben Neubauten die Situation zweifellos verbessert, gerade wenn vorher städtebauliche Fehlentwicklungen korrigiert wurden. Trotzdem vermisse ich oft den Mut, historische Fassaden oder markante Gebäudeteile stärker in neue Konzepte zu integrieren. Viele Neubauten wirken sauber und hochwertig, aber gleichzeitig auch austauschbar.

    Eine lebendige Stadt braucht Entwicklung, keine Frage. Aber sie braucht ebenso Identität und Erinnerung. Die richtige Balance zwischen beidem zu finden, ist wahrscheinlich die eigentliche Herausforderung.

  • Hinzu kommt, dass viele Entscheidungen erst im Rückblick bewertet werden. Was zum Zeitpunkt des Abrisses als überholt oder wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll galt, wird einige Jahre später oft als verlorenes Stück Stadtgeschichte wahrgenommen. Deshalb wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, bei größeren Projekten häufiger zu prüfen, ob eine Sanierung oder zumindest der Erhalt prägender Fassadenteile möglich ist. Natürlich kann und soll sich eine Stadt verändern, aber sie sollte dabei nicht ihre Wiedererkennbarkeit verlieren. Gerade Hamburg lebt von der Mischung aus historischen Gebäuden und moderner Architektur. Geht dieses Gleichgewicht verloren, wird die Stadt auf Dauer beliebiger wirken.

  • Die Mentalität in Hamburg verharrt noch im Modernitätswahn der 60er. Das merkt man auch daran, dass von Hamburgern selbst, gerade hier im Forum, als Reaktion auf Abrisse historischer Substanz oft nur ein Achselzucken kommt. Vielleicht kommt das daher, dass man meint, genug alte Gebäude zu haben und sich das leisten zu können - kann man nicht. Vielleicht sollte man sich mal Städte wie Kopenhagen oder Amsterdam anschauen, die Hamburg nicht unähnlich sind aber zweifellos sehr viel schöner und wo solche Abrisse undenkbar wären.

  • ^ Ich denke auch, dass man nicht allen Gebäuden hinterherweinen muss, nur weil sie alt sind. Trotzdem: Die Neuentwicklung des „Nik Quartiers“ zeigt doch, dass sich vieles eben zu einem Einheitsbrei entwickelt. Der Altbau hatte eine semi-bestuckte Fassade, war detailreicher und hat dabei den allermeisten Hamburgern gut gefallen. Der Neubau wird nun eine schlichtere Version dieses Altbaus, ohne Sprossenfenster, ohne Details – und damit genau das, was heute sowieso überall in Masse neu entsteht. Man sollte – wenn sie denn ansehnlich sind – vor allem die Gebäude retten, die heute so nur noch selten bis gar nicht mehr entstehen.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Vielleicht sollte man sich mal Städte wie Kopenhagen oder Amsterdam anschauen, die Hamburg nicht unähnlich sind aber zweifellos sehr viel schöner

    Kunststueck, wenn man zwischen 1939 und 1945 nicht in Grund und Boden gebombt wurde, dann sieht die Stadt natuerlich besser aus

  • ^ Das ist interessant. Ich bin ja auch höchst kritisch, was unsere deutschen Städte angeht. Aber gerade bei Hamburg muss ich sagen, dass die Stadt definitiv mit internationalen Perlen mithalten kann. Ich würde sogar behaupten, dass Hamburg noch schöner und architektonisch beeindruckender ist als Amsterdam oder Kopenhagen – und natürlich auch deutlich größer. Ich sage immer: Wenn London und Amsterdam ein Kind hätten, das wäre Hamburg. Allein die Wohngegenden um die Alster und Alsterkanäle sind einzigartig, Notting Hill am Wasser sozusagen. Das findet man in keiner anderen Stadt.

  • Abriss eines Wohngebäudes an der Alster

    Das Wohngebäude an der Alster 65 soll abgerissen werden. Die Bewohner wehren sich dagegen. Auf den Fotos sieht es danach aus, dass bereits erste Wohnungen leergezogen sind.

    Mehr auch beim NDR

    Es handelt sich hier natürlich um eine 1a Wohnlage- mit Blick auf die Alster. Klar, dass ein Investor sich diesen Blick teuer bezahlen lassen wird. Lt. Bericht des NDR soll das neue Gebäude Ende 2029 fertiggestellt sein.