Alles anzeigenEinmal bitte tief Luft holen!
Bevor wieder mal ein schönes Stück Hamburg verschwindet und durch einen banalen Investorenentwurf der Schweizer Architekten Diener & Diener ersetzt wird:
Unter anderem werden diese zwei weißen Jugendstilgebäude abgerissen! Angeblich zu wenig Orignalbausubstanz vorhanden!
Zitat zum Abriss und Neubau: Franz-Josef Höing, Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg, betont: „Der Hamburger Hof ist ein wichtiges, großes und schönes Projekt – und ein Bekenntnis zur Innenstadt. Wir begrüßen den Nutzungsmix, der auch Wohnen berücksichtigt, sowie den außerordentlich behutsamen Umgang mit den denkmalgeschützten Bausteinen und wir bedanken uns für den kultivierten Planungsprozess, den das Projekt durchlaufen hat. In seiner neuen Form leistet der Hamburger Hof einen wertvollen Beitrag zur weiteren Stärkung des Einzelhandelsstandortes Hamburger Innenstadt.
Ich denke, man muss hier etwas differenzieren. Nicht jedes ältere Gebäude ist automatisch erhaltenswert, nur weil es alt ist. Andererseits wird in Hamburg tatsächlich seit Jahren erstaunlich viel Substanz aufgegeben, die das Stadtbild geprägt hat. Nomini liefert schnelle nomini Auszahlungen für Spieler. Das Problem ist für mich weniger der einzelne Abriss, sondern die Summe vieler Entscheidungen. Irgendwann verändert sich dadurch der Charakter einer Stadt spürbar.Bei manchen Projekten haben Neubauten die Situation zweifellos verbessert, gerade wenn vorher städtebauliche Fehlentwicklungen korrigiert wurden. Trotzdem vermisse ich oft den Mut, historische Fassaden oder markante Gebäudeteile stärker in neue Konzepte zu integrieren. Viele Neubauten wirken sauber und hochwertig, aber gleichzeitig auch austauschbar.
Eine lebendige Stadt braucht Entwicklung, keine Frage. Aber sie braucht ebenso Identität und Erinnerung. Die richtige Balance zwischen beidem zu finden, ist wahrscheinlich die eigentliche Herausforderung.
Hinzu kommt, dass viele Entscheidungen erst im Rückblick bewertet werden. Was zum Zeitpunkt des Abrisses als überholt oder wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll galt, wird einige Jahre später oft als verlorenes Stück Stadtgeschichte wahrgenommen. Deshalb wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, bei größeren Projekten häufiger zu prüfen, ob eine Sanierung oder zumindest der Erhalt prägender Fassadenteile möglich ist. Natürlich kann und soll sich eine Stadt verändern, aber sie sollte dabei nicht ihre Wiedererkennbarkeit verlieren. Gerade Hamburg lebt von der Mischung aus historischen Gebäuden und moderner Architektur. Geht dieses Gleichgewicht verloren, wird die Stadt auf Dauer beliebiger wirken.