Jüdisches Leben in Dresden

  • Schalom allerseits!


    Die Residenz- und Beamtenstadt Dresden konnte zwar im Vergleich mit anderen Städten nie als wahre Hochburg jüdischen Lebens in deutschen Landen bezeichnet werden, dennoch ist hier, mit Unterbrechungen, eine jüdische Gemeinde seit dem Mittelalter nachweisbar. Spätestens seit dem 18. Jahrhundert ist das gesellschaftliche Leben der Stadt ohne ihre jüdischen Mitbürger undenkbar, beeinflussten sie doch bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung maßgeblich das wirtschaftliche, wissenschaftliche, kulturelle und politische Leben der Stadt. Erinnert sei an Namen wie Georg Arnhold, Heinrich Conradi, Harry Dember, Lea Grundig, Victor Klemperer, Fritz Meinhardt, Rosa Menzer, Martin Wilhelm Oppenheim, Jakob Winter oder Albert Wolf, ohne Anspruch auf Vollzähligkeit.

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    Grund genug, dem jüdischen Leben in Dresden einen neuen Themenkomplex Dresdner Stadthistorie zu widmen.

  • Synagogen in Dresden (Teil I)


    Eine erste Synagoge am Jüdenhof wurde in Jahre 1265 erstmals urkundlich erwähnt. Der Jüdenhof lag damals innerhalb der ersten Stadtmauer, die quer über den heutigen Neumarkt verlief und die Vorstadt um die Frauenkirche von der eigentlichen Stadt trennte.

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    Neumarkt und Jüdenhof mit eingezeichneter Lage der ersten Synagoge, auf dem Stadtplan von 1912.


    Das Bethaus war dabei parallel zur Stadtmauer errichtet worden. Über seine Baugestalt gibt es nur vage Vermutungen: Es wird sich offenbar um einen einfachen Saalbau gehandelt haben, dies lässt sich zumindest aus frühen Stadtdarstellungen und dem verschollenen mittelalterlichen Stadtmodell vermuten.

    Diese erste Synagoge bestand bis 1411. In jenem Jahre wurde das Vermögen und der Grundbesitz der Dresdner Juden auf Befehl des Kurfürsten Albrecht des Streitbaren konfisziert. 1430 wurden die letzten Juden aus Dresden ausgewiesen: Es war das vorläufige Ende jüdischen Lebens in der Stadt.

    Das Bethaus fiel auf Umwegen an die Stadt und wurde später als Brau- oder Gewandhaus genutzt. Es musste schließlich dem Bau des neuen Stallgebäudes und städtebaulichen Erwägungen weichen.

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    Annäherung an den Jüdenhof vom Neumarkt aus. Im Vordergrund befand sich die mittelalterliche Synagoge.

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    Blick in den Jüdenhof vom Neumarkt aus.

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    Noch heute erinnert der Platzname "Jüdenhof" an die Existenz der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde und ihres Bethauses. Straßenschild mit sächsischem Wappen oberhalb des rekonstruierten Elimeyerschen Ladengeschäftes. So schließt sich der Kreis: Der königlich-sächsische Hofjuwelier Moritz Elimeyer war eines der einflussreichsten Mitglieder der Dresdner jüdischen Gemeinde im 19. Jahrhundert.

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    Der "Canaletto-Blick" vom Jüdenhof zum Neumarkt. Die erste Synagoge hätte direkt in der Blickachse gestanden.

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    Blick durch die Sporergasse zum Jüdenhof. In diesem Bereich siedelten die ersten Dresdner Juden - so trugen auch die Schössergasse und die Galeriestraße ursprünglich die Namen Große und Kleine Judengasse. In der Sporergasse selbst befanden sich im zweiten Weltkrieg zwei der sogenannten "Judenhäuser" - darunter das rekonstruierte "Triersche Haus" Sporergasse 2, dessen Ecke zur Schössergasse rechts erahnbar ist. Leider fehlt die eigentlich geplante Gedenktafel bis heute...

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    Erst Ende des 17. Jahrhunderts genehmigte Kurfürst Friedrich August, wohl aus finanziellen Erwägungen, die Wiederansiedlung von Juden in Sachsen. Dabei unterlag deren Leben zunächst noch schweren Restriktionen, so mussten z.B. bis 1771 die Toten der Gemeinde zur Beerdigung nach Böhmen verbracht werden. Erst dann wurde die Anlage eines Friedhofs weit vor den Toren der Stadt genehmigt - es handelt sich um den heutigen Alten jüdischen Friedhof an der Pulsnitzer Straße...


    Die Zeit der Privatsynagogen

    Erst ab 1772 gar wurden jüdische Gebetsräume wieder zugelassen, der Bau eines öffentlichen Bethauses jedoch zunächst verboten. So entstanden mehrere Privatsynagogen, meist in Häusern honoriger Gemeindemitglieder. Die wohl bedeutendste war die des Mendel Schie im Haus der Arnoldischen Buchhandlung am Altmarkt (Webergasse 2). Der Pfeil zeigt das Haus, wiederum auf dem Stadtplan von 1912.

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    Das besagte Haus Webergasse 2/Ecke Altmarkt ist auf der folgenden Postkarte direkt hinter der Statue des Germania-Brunens zu erahnen. Rechts das Altstädter Rathaus.

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    Eine weitere Postkartenansicht (Brück und Sohn) der Altmarkt-Westseite. Das Arnoldische Haus befindet sich genau in Bildmitte.

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    Die zerstörte Vorkriegsbebauung wurde Anfang der 1950er jahre beseitigt, obwohl es ernsthafte Bestrebungen zu einem Wiederaufbau bzw. einer Rekonstruktion gegeben hatte. Heute mündet die Webergasse durch einen großen Torbogen auf den Altmarkt. Rechts davon wäre das Arnoldische Haus zu verorten.

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    So qualitätsvoll die Bebauung der Altmarkt-Westseite eigentlich sein mag, so hat sie doch einen entscheidenden städtebaulichen Nachteil: Durch die Überbauung sämtlicher Quergassen wurde die Stadtstruktur nachhaltig geschädigt.

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    1830 waren von den ehedem sieben noch vier Privatsynagogen geblieben. Diese schlossen spätestens 1840 - aber aus eher freudigen Gründen: Gottfried Sempers Synagogenbau am Hasenberg konnte nach Jahren zähen Ringens endlich eingeweiht werden. Doch dazu im nächsten Teil.

  • Synagogen in Dresden (Teil II)


    Die Semper-Synagoge am Hasenberg

    Spätestens ab 1835 gab es ernsthafte Bestrebungen der knapp 700 Mitgleider angewachsenen jüdischen Gemeinde zum Bau eines eigenen Gebetshauses. 1837 erhielt sie hierfür die hochoffizielle Genehmigung und konnte ein Jahr später in Gottfried Semper einen äußerst naamhaften Architekten für die Bauplanung gewinnen. Zuvor hatte die Gemeinde das Grundstück oberhalb des Gondelhafens am Hasenberg erworben, auf dem sich heute wieder die Dresdner Synagoge erhebt.


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    Ausschnitt der Umgebung der Synagoge aus dem Dresdner Stadtplan von 1912. Deutlich erkennbar ist die ambitionierte Lage, eingequetscht auf hügeligem Grundstück zwischen (altem) Hasenberg, Gondelhafen und dem Abhang zur Elbe. Nur mittels einer großen Stützmauer zum Gondelhafen war der Bau überhaupt möglich.


    Die neue Synagoge konnte schließlich 1840 eingeweiht werden und bot zunächst 500, ab 1935 650 Personen Platz. Trotz ihrer bescheidenen Größe ist war und ist sie doch von herausragender kultureller Bedeutung, gilt sie doch als erster moderner Synagogenbau überhaupt und war mit ihrer orientalisierenden Gestaltung Vorbild für zahllose weitere jüdische Gebetshäuser weltweit.


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    Grundriss und Schnitt der semperschen Synagoge (wiki).


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    Zeitgenössische Darstellung (Druck) mit elbseitiger Front. Z´Gut zu erkennen ist die mächtige Stützmauer, die den Bau der Synagoge auf dem abschüssigen Gelände erst ermöglichte.

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    Bewegte Elbe am Amalienplatz (Rathenauplatz) an der Carolabrücke. Uns interessiert jedoch die eher als "Beifang im Hintergrund sichtbare Synagoge, denn sie zeigt hier ihre sehr selten fotografierte Ostwand: Hinter der bis auf die bauliche Gliederung schmucklosen Fassade befand sich das "Allerheiligste".

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    Die Figurengruppen befinden sich noch heute am Originalstandort und erlauben eine räumliche Einordnung. Die alte Synagoge erhob sich genau zwischen dem modernen Gemeindezentrum und der neuen Synagoge von 2001, zum Teil auf der heutigen Straßenbahnhaltestelle. Der ursprüngliche Hasenberg verlief unmittelbar hinter der Figurengruppe abwärts zur Elbe.

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    Überblendung der ursprünglichen Situation auf ein aktuelles Luftbild (Themenstadtplan), das sogar die Baustelle am Rathenauplatz zeigt. Der neue Hasenberg führt mitten durch das Grundstück der Gemeinde mit dem großen Wohnhaus Zeughausgasse 1-3.

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    Die unfotogene Rückfront des Eckhauses Zeughausstraße/Rathenauplatz (DFD). Rechts im Hintergrund der Hasenberg und die Ostfassade der Synagoge.

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    Blick auf die südliche Grundstücksfront in den zwanziger oder dreißiger Jahren (Deutsche Fotothek). Im Rücken des Fotografen befand sich das Staatsbankgebäude, links angeschnitten Hasenberg 1-3. rechts das Eckhaus Zeughausstraße/Rathenauplatz.

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    Eine direkte Vergleichsaufnahme ist aktuell wegen der Baustelleneinrichtung nicht möglich. Ich stand im Vergleich zum Vorbild leicht nach links versetzt etwa da, wo sich der behutete Zeitgenosse befand.

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    Eine Postkarte aus der "Dresdner Originale"-Serie erlaubt einen Blick auf das Haus Zeughausstraße 1-3, das mehrere jüdische Einrichtungen beherbergte und in den letzten Jahren bis zur Zerstörung ebenfalls als "Judenhaus" diente. Links die Treppe zum Brühlschen Garten an der ehemaligen Hofgärtnerei.

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    Dort erinnert seit 1975 eine Gedenkstele in Form einer sechsarmigen (!) Menora an die Novemberpogrome und die Vernichtung der Synagoge 1938.

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    Blick vom Brühlschen garten über den Gondelhafen zur alten Synagoge, um 1890. Im Hintergrund sehen wir die Carolabrücke im Bau.

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    Vergleichsbild. Deutlich erkennbar sind die Fundamente der hohen Stützmauer am Gondelhafen, abgetragen im Zuge der Geländenivellierung im Rahmen des Brückenneubaus in den 1960er Jahren. Dahinter der neue Hasenberg.

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    Eine weiteres Postkartenmotiv mit gleicher Blickrichtung. Rechts das haus Zeughausstraße 1-3.

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    Zum Abschluss dieses Teils noch etwas ganz Besonderes, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Den folgenden Emaille-Wegweiser, hergestellt von den Union-Werken in Radebeul, konnte ich unlängst erwerben und, hoffentlich, für die Nachwelt sichern. Eine genaue Datierung ist nicht möglich, hergestellt wurde das gute Stück aber auf jeden Fall zwischen 1917 und 1938. Vermutet werden kann ein Entstehen in den 1920er Jahren, die verwendete Fraktur war auch damals durchaus schon üblich. Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, wie das Schild die Zerstörung der Synagoge 1938 überstehen konnte - vermutlich hat es, ähnlich wie den noch vorhandenen Davidstern, irgend jemand in Sicherheit gebracht. Es misst übrigens stolze 50 x 50 Zentimeter...

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    Nach Sichtung aller Pläne kommt für mich nur ein möglicher Standort in Frage: Die Mauer an der Zeughausstraße, wo es darauf hingewiesen haben könnte, nicht den Eingang zur Zeughausstraße 1-3 mit dem einladenden mächtigen Portal, sondern den benachbarten Synagogen-Eingang zu nutzen, hier z.T. hinter den Bäumen verborgen. Und ist da nicht ein verräterischer Abdruck auf der Mauer...? Von der Größe her sollte es hinkommen.

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    Teil 3 folgt in Kürze.

  • Synagogen in Dresden (Teil III)


    Die Synagoge Fiedlerstraße

    Unmittelbar nach dem Ende des Krieges und des Nationalsozialismus war die jüdische Gemeinde in Dresden auf ein Minimum geschrumpft. Die wenigen Überlebenden aber unternahmen sofort erhebliche Anstrengungen, das jüdische Leben in der Stadt wieder in Gang zu bringen.

    Ein Wiederaufbau der Synagoge im Stadtzentrum war unter den gegebenen Umständen ausgeschlossen. Stattdessen besann man sich auf eine kleinere Lösung und fand sie - in der Johannstadt.


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    Ausschnitt aus dem Stadtplan von 1912 - Israelitischer Friedhof mit der Totenhalle an der Trinitatisstraße (seit 1938 Fiedlerstraße).


    Im Jahre 1867 eröffnete die jüdische Gemeinde in der Johannstadt ihren zweiten Friedhof, da der alte in der Antonstadt an seiner Kapazitätsgrenze angelangt war. Gleichzeitig erfolgte hier auch der Bau einer Totenhalle.

    Der Friedhof blieb auch in der Zeit des Nationalsozialismus geöffnet und erlitt bei den Bombenangriffen des 13. Februar 1945 erhebliche Zerstörungen. Die Totenhalle brannte dabei völlig aus. Sie bildete die Basis für den ersten Neubau einer Synagoge in der DDR - diese konnte bereits 1950 geweiht werden.


    Blick über die Mauer des Neuen Jüdischen Friedhofs auf die ehemalige Synagoge, die seit 2001 wieder als Totenhalle fungiert.

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    Gesamtansicht der Totenhalle, ehemals Synagoge Fiedlerstraße. Rechts davor das Denkmal für die Gefallenen der jüdischen Gemeinde im 1. Weltkrieg (W. Haller).

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    Friedhofseingang mit Totenhalle, man beachte die Verhaltensregeln zur rechten.

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    Die markante Glaskuppel mit dem Davidstern. Ab 1988 war auf ihr der vom Dresdner Feuerwehrmann David Neugebauer gerettete Davidstern der alten Synagoge angebracht, seit 2001 befindet sich dieser über dem Eingang der neuen Synagoge.

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    Der aktuelle Davidstern.

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    Die neue Synagoge am Hasenberg

    Die neue Synagoge nebst Gemeindezentrum wurde 1996 bis 2001 nach Entwürfen des Büros Wandel, Hoefer und Lorch + Hirsch errichtet. Durch die im Vergleich erheblich breitere Zufahrt der neuen Brücke mit linksseitiger getrennter Straßenbahntrasse und -haltestelle gestaltete sich die Einordnung noch schwierigerer als beim Vorgängerbau.


    Bewegte Elbe mit Neuer Synagoge rechts, erkennbar an dem verdrehten Kubus. Links das Gemeindezentrum.

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    Neuer Hasenberg mit Synagoge und Gemeindehaus. Im Vordergrund am Gondelhafen das Fundament der Stützmauer der alten Synagoge.

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    Dresdner Kontraste. Brühlscher Garten mit historischem Kandelaber, dahinter der Gondelhafen und der Synagogenkomplex, dahinter die Plattenbauten der Pirnaischen Vorstadt.

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    Damit soll das erste Kapitel in diesem Themenstrang abgeschlossen sein.

    שלום

  • Vielen Dank Antonstädter, wirklich sehr interessant. Ich freue mich schon auf deine hoffentlich kommenden Ausführungen zu Herrn Arnold und zum Palais Kaskel-Oppenheim. Eine Frage sei mir allerdings gestattet. Welche Gedenkplatte am Trierschen Haus meinst du? Meines Wissens existiert auf Bestrebung der GHND bereits eine, die an die Nutzung als Judenhaus in der Nazizeit erinnert.

  • Schabbat schalom, auch! Danke für diesen interessanten Stadtrundgang. Eine Nachfrage hätte ich: Hat diese sechsarmige Menora irgendeinen spezifischen Hintergrund, oder hat da einfach jemand einen Bock geschossen? Ist ja ein bisschen wie ein dreieckiges Viereck...

  • 1732 erwarb August der Starke den »Tempel Salomonis«, eines der bedeutendsten und aufwendigsten Architekturmodelle überhaupt. Das Modell fand seine Aufstellung im Wallpavillon des Zwingers und bildete zusammen mit einer Vielzahl von Zeugnissen jüdischen Brauchtums das so genannte »Juden-Cabinet«, das wahrscheinlich erste jüdische Museum der Welt. Über ein Jahrhundert galt dies als besondere Dresdner Sehenswürdigkeit, bevor es im 19. Jahrhundert schließlich aufgelöst wurde.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdisches_Museum

    Das Tempelmodell befindet sich heute wieder in Hamburg.

    https://www.welt.de/kultur/article…u-entdeckt.html

    In der SLUB existieren zwei antike Thora-Rollen, die vermutlich auf dieses Judenkabinett zurück gehen.

    Ein interessanter Artikel hier:

    https://www.welt.de/kultur/article…u-entdeckt.html

  • ^^Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, steht wohl jeder Arm für 1 Million ermordeter Juden.

    Edit: Genau, siehe da:

    Also offenbar kein Versehen...

    ^Aktuell ist ja der Aufbau eines sächsischen Jüdischen Museums am Leipziger Bahnhof in Dresden in der Diskussion. Dies wäre auf jeden Fall eine großartige Sache.

    Auch wenn die Ortswahl auf den ersten Blick etwas konstruiert erscheint: Juden haben im sächsischen Wirtschaftsleben im 19. Jahrhundert eine herausragende Rolle gespielt und waren u. a. an der Finanzierung der Leipzig-Dresdner Eisenbahn beteiligt, zum anderen begannen hier die Deportationen im 2. Weltkrieg, an die die Stele vor dem Neustädter Bahnhof erinnert - also ein Ort mit sehr konträren Facetten...

  • Sehr wichtig für die Sächsische Geschichte und Kunst-Geschichte ist der lange vergessene Dresdener Hof-Jude Lehmann.

    Seinen Aktivitäten und Verbindungen ist es u.a. zu danken, dass August der Starke zahlreiche wertvollste und seltene Edelsteine für seine Edelsteingarnituren erwerben konnte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Issachar_Berend_Lehmann

    Einmal editiert, zuletzt von eryngium (21. Februar 2020 um 21:46)

  • Wunderbares Thema, vielen Dank dafür. Eine kleine Anmerkung meinerseits:

    Dekoratives Anführungszeichen
    Zitat von Anstonstädter

    Diese erste Synagoge bestand bis 1411. In jenem Jahre wurde das Vermögen und der Grundbesitz der Dresdner Juden auf Befehl des Kurfürsten Albrecht des Streitbaren konfisziert.

    Der damalige "Landesherr" über Dresden war der Thüringische Landgraf Friedrich IV., genannt der Friedfertige († 1440). Im Naumburger Vertrag 1410 waren ihm nach dem Tod Wilhelm I. (dem Einäugigen), östliche Teile der Mark Meißen mit Dresden übergeben worden. Aufgrund der großen Entfernung zu Thüringen verkaufte er diese aber bald wieder an die Verwandschaft. Die "Schatzung" der Dresdner Juden 1411 geht aber noch auf seine Kappe.

    Nicht zu verwechseln ist er mit seinem Cousin Friedrich dem Streibaren, der als Markgraf von Meißen ebenfalls als Friedrich IV. gezählt wurde. Als solcher wurder dieser aber erst 1423 Herzog von Sachsen (als Friedrich I.) und damit erster wettinischer Kurfürst.

    Einmal editiert, zuletzt von Saxonia (22. Februar 2020 um 00:32)