Dresdner Stadtgespräch

  • Die Kaserne Ost des Festspielhauses Hellerau soll bereits ab 2019 saniert werden. Fertigstellung ist für 2020 geplant. Dabei werden wohl im Foyer-Bereich die historischen Kroher-Binder der Dachkonstruktion sichtbar werden.

  • Es gibt viele neue Vorsätze zu diskutieren, welche u.U. größeren Einfluß auf die Stadtentwicklung haben werden.


    Zunächst wurden kürzlich aus allen Ortsämtern wieder Stadtbezirke - eine Begrifflichkeit.


    Dann soll es künftig mehr "gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung" aka "Kooperative Baulandentwicklung" geben, was bedeutet, dass Investoren sich beteiligen an öffentlichen Aufgaben. Hierzu gabs zunächst eine erste Infoveranstaltung - pieschen-aktuell berichtete. Beim BauBM wird es ab Oktober eine bei ihm angesiedelte neue Abteilung hierfür geben, man orientiert sich Best-practice aus anderen Städten.



    550.000 Bäume für Dresden - Jedem Dresdner ein neuer Baum - Projekt einiger Initiatoren - Link.
    Willige können spenden, derzeit ist man auf Flächensuche zur Anpflanzung der Setzlinge zu a 2,50 Euro.
    Super Idee, Pflege wäre zu klären, und wo denn die Flächen machbar sein könnten.
    Ich verweise mal auch auf die neue Landes-Statistik unserer Einwohnerzahl - statistik.sachsen, wonach wir in Kürze etwa den 555555. Mitbürger begrüßen dürften.
    Die DNN berichten heute allerdings beiläufig von der städtischen Zahl von aktuell 557 098 Einwohnern. (Annahme auch hier: mit Hauptwohnsitz, ohne Nebenwohnsitz).



    Dresden soll eine "Bürgerbeteiligungssatzung" erhalten, so ein interfraktioneller Antrag von RGRO.
    Hier die Erklärung des Initiators (Stadtrat Lichdi, Grüne) - dort auch der Link zur Ratsvorlage.
    Damit soll ein Mechanismus für ernsthafte Berücksichtigung und Teilhabe entstehen, da bisher Minimalbeteiligungsformate keine oder kaum Eingang in letztliche Entscheidungen finden.



    weitere stadtbau-relevante Anträge im Stadtrat:
    Grundsätze für die Stadtgestaltung - Ratsinfo
    Archi und Städtebau wurden zwar bissel seltsam vermengt, aber hierzu können sich ja mal die Initiatoren äussern. Das Thema dockt quasi an bekannte Gestaltungsdefizite an.
    Interessant die Beratungsfolge (siehe Ratsinfo): nicht öffentlich bis zur Entscheidung.
    (Es geht zwar um e. Beauftragung der Verwaltung, aber da werden sicher schon etliche Eckpfeiler gerammt, da muß die Presse - darum gehts ja - leider draussen bleiben. :D


    Leitbild Hochhausentwicklung für Dresden - Ratsinfo
    Ziel dabei auch: Wildwuchs von Hochhäusern im Stadtbild verhindern.
    Beratungsfolge: ebenso komplett nicht-öffentlich bis zum Beschluß.
    Das Sitzungsverfahren wird mE seitens der Geschäftsbereiche angemeldet, insofern glänzt hierbei der GB6 von BauBM Lamontain nicht gerade, aber vielleicht gehört es zur Strategie.



    Lustig auch die letzte Bauausschußsitzung - 26.09.2018 - bissel Quark öffentlich, der gesamte maßgebliche Rest hochöffentlicher Inhalte = nicht-öffentlich. :nono:
    Die 1. Lesungen von Vorlagen sind idR. nicht-öffentlich - warum auch immer. Etliche Tagesordnungspunkte (TOP) sind aber bereits darüber hinaus bzw sind allg. von höchstem öffentl. Interesse (auch für die Presse).
    Da die meisten TOPs auf eine nunmehr komplett nicht-öffentliche (wann gibts das mal! :D ) "ausserordentliche Sondersitzung" des Bauausschusses am 17.10.2018 vertagt wurden, liste ich die für die dresdner Öffentlichkeit hochgeheimen TOPs mal von dort auszugsweise auf:
    - Integriertes Stadtentwicklungskonzept "Zukunft Dresden 2025+" - Fortschreibung 2017 - ok, interessiert ohnehin niemanden!
    - Bebauungsplan Nr. 3006, Dresden-Altstadt II/Strehlen, Lennéplatz - Abwägung+Satzung
    - Umbenennung eines Weges in "Im Kleingartenpark" - hää, ach egal... :D
    - Dresdner Weg 2.0: Saubere Luft - ohne Fahrverbote - na klar, hat niemanden zu interessieren, und mit Abgasen gibts auch mehr Luft...
    - Neu-Woba-Hochhaus Kä_Koll_Ufer - war da was?


    Ok, nun doch noch zur Sitzung 26.09.2018: dort gings vermutlich zu lange um die nicht-öffentlichen TOPs Haushalt19+20 sowie Kesselsdorfer Strasse (Boulevard oder Kfz-Schneise).
    Gerade der TOP zum Haushalt, also betreffs aller monetären Einstellungen zu sämtlichen Baumaßnahmen, wären die Wortmeldungen und Debatten der Sitzungen interessant (also auch BM Lames hats nicht so mit Bü-Beteiligung), davon hängt die nächsten Jahre eigentlich alles Kommunale ab. Es gibt schließlich ja kein Protokoll von Fachausschüssen. Auch der TOP Gymnasium Klotzsche (mit Pausen- & Freiflächen) ist natürlich sowas von geheim!


    Also ob das was mit der Bürgerbeteiligung was wird? Bis dahin haben wir ja unser quirliges Dresden-Archi-Forum. :naughty:

  • Auch die GHND beschäftigt sich in ihrer "Veranstaltungsreihe zur Stadtratswahl" mit der Hochausfrage, siehe Pressemitteilung vom 20.10.2018. Sie beziehen sich dabei auch auf den interfraktionellen Antrag Leitbild Hochhausentwicklung.


    Um darüber zu reden, laden Sie zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Braucht Dresden Hochhäuser?“ am 29.10.2018, 18.00 Uhr in den Festsaal des Stadtmuseums ein. Teilnehmen sollen u.a. Experten und Stadträte verschiedener Fraktionen. Neben Diskussion mit den Referenten soll es auch Impulsreferate geben, siehe PM.


    Weitere, folgende Themen der Veranstaltungsreihe siehe Plakat unten.


    http://www.neumarkt-dresden.de…88user-Plakat-final-2.jpg


    Bild "ge_urlt". Bitte kein Hotlinking siehe unsere Richtlinien zum Einbinden von Bildern. C.

  • Fazit zum Bürgerdialog „Kommunaler Wohnungsbau in Dresden“ mit der Überschrift "Neubau-Pläne sind bei Einwohnern willkommen" (PM der Stadt)


    Neben allgemeinem Wohlwollen gegenüber den kommunalen Wohnungsbauplänen gab es wohl auch hier Kritik am geplanten Hochhaus an der Florian-Geyer-Straße.

  • Hier ein kurzer Bericht zur gestrigen Veranstaltung der GHND "Braucht Dresden Hochhäuser?".


    Erst einmal alle wichtigen Grundinformationen auf einen Blick (zum Glück gab´s diese Handouts, ich hätte mir sonst nie alles gemerkt :D)



    (Bild von mir)


    Der Saal war sehr gut gefüllt. Ich schätze es waren ca. 200-300 Leute. fast pünktlich ging es dann los. Nach der Einleitung von Herrn Kulke folgten die drei Referate. Jedes sollte eigentlich 20 Minuten dauern, aber alle haben gnadenlos überzogen. Gegen 19.45 Uhr waren sie dann endlich durch. Der zweite und dritte Vortrag waren durchaus interessant, befassten sie sich doch zum Teil auch mit der Entwicklung in Dresden. Herr Dr. Guratzsch zeigte u.a. noch einmal schön auf, was für grässliche Pläne es doch nach dem Krieg für Dresden gab. Ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Hochhäuser in Dresden fügte er noch hinzu. Die aufgezeigten Begründungen waren zum Teil gut (z.B. dass eine Blockrandbebbauung effizienter in der Flächenausnutzung ist, da bei einem Hochhaus die Abstandsflächen ja mit betrachtet werden müssten), zum Teil weniger gut (Vergleich höhere Einwohnerzahlen und kleinere Stadtfläche vor dem Krieg, statt heute). Herr Dr. Lerm zeigte viele Beispiele wie ein Hochhaus heutzage in Form und Gestaltung ausgeführt werden kann und an welchen städtebaulichen Situationen ein Hochpunkt negative oder positive Auswirkungen haben kann. Anschließend erläuterte er kurz mit welchen Mitteln und Ergebnissen in Jena ein gültiger Hochhausplan für die Stadt erstellt wurde.


    In der Diskussion mit den Referenten bzw. den weiteren Personen wurde schnell klar, dass keiner, weder die "Experten" noch die Bürger, Hochhäuser in der unmittelbaren Nähe der Innenstadt haben möchten. Mantraartig wurde immer wieder von verschiedensten Seiten betont, wie schön, einmalig und wichtig die Dresdner Stadtsilhouette ist und unter keinen Umständen gefährdet werden darf. Bei Hochhäusern etwas vom Zentrum entfernt schieden sich die Geister, wobei die meisten der Meinung waren, wenn dann nur wenn vorher gründlich geprüft wird, ob sie an dem jeweiligen Standpunkt die Umgebung, wie auch die Sichtbeziehungen auf die Innenstadt nicht behindern. Schade war, dass Herr Schmidt-Lamontain krankheitsbedingt am Vormittag abgesagt hatte und auch keinen Vertreter geschickt hatte. Frau Klemm hat das zwar eingangs begründet (Herr S.-L. habe sich sehr umfassend mit der Thematik beschäftigt und wollte seine Vorstellungen wenn dann selbst kundtun), aber aus dem Publikum wurde die tatsache trotzdem mehrfach kritisch angemerkt. In der weiteren Diskussion darüber, warum es denn nicht schon ein Hochhauskonzept gibt, kam auch ein paar Mal der Vorwurf zum Ausdruck das Stadtplanungsamt habe sich verselbstständig, mach e was es wolle und ein Teilnehmer stellte sogar die Frage, ob Herr S.-L. noch der richtige Mann für das Amt sei.
    Dann wurde das Podium ausgetauscht und die Stadträte nahmen im Podium Platz. Neben den namentlich angekündigten Personen, kam auch ein Vertreter der AfD, der aber nicht im Bauausschuss sitzt und auch nicht wirklich was zur Diskussion beigetragen hat. Den Namen habe ich mir (vielleicht auch deshalb) nicht gemerkt. Von der FDP war niemand anwesend. Nach persönlichen Statements fast aller Stadträte und Erläuterung des Antrages zur Erstellung eines Hochhauskonzeptes begann dann auch hier die Diskussion. Hier wurden Fragen zum Einfluss des Stadtrates und des Bauausschusses auf geplante Bauvorhaben gestellt und beantwortet. Herr Stalmann-Fischer erklärte auch noch einmal anschaulich die Prozesse innerhalb der Gestaltungskommission. Konkret wurde es anhand einiger Bauprojekte, hauptsächlich das Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz, das WiD-Hochhaus in der Johannstadt, das geplante Hochhaus am Lennéplatz sowie das Hotel neben der Carolabrücke. In dem Zusammenhang wurde u.a. die Sinnhaftigkeit debattiert Hochhausbauten nach §34 zu planen. Dann ging es auch um die Definition, was ist ein Hochhaus und was nicht. Es wurde auch noch einmal schön aufgezeigt, dass Dresden ja bereits 60 (!) Hochhäuser hat und diese damals mit Konzept gebündelt in den Stadtteilen außerhalb des Zentrums verteilt wurden.


    Gegen 21.30 Uhr wurde die Veranstaltung mit dem Hinweis auf die folgenden Veranstaltungen der Reihe beendet.


    Als Fazit (Konsens aller Teilnehmer) könnte man zusammenfassen, dass Dresden definitiv einen Hochhausentwicklungsplan braucht, dass im Stadtzentrum keine Hochhäuser gewünscht sind und in der restlichen Stadt nur welche gebaut werden sollten, wenn es sich einfügt und keine Sichtbeziehungen zur Innenstadt behindert. Ein Rest Unklarheit bleibt bezüglich der Position der Stadtverwaltung. Hier wäre eine Reaktion auf die Veranstaltung noch wünschenswert.


    Soweit erstmal in Kürze. Die DNN berichtete hier heute auch kurz darüber.

  • Zitat

    „…wenn es sich einfügt und keine Sichtbeziehungen zur Innenstadt behindert.“


    Das reinste Totschlagargument. Wer kann schon entscheiden was sich einfügt und von irgendwo in die Innenstadt geschaut, würde sich jedes Hochhaus unwillkürlich in den Blick schieben. Dieser Argumentation zufolge würde in Dresden nichts mehr entstehen, was die 22 Meter Traufhöhe übersteigt.


    Ich finde es durchaus sinnvoll, die Frage nach neuen Hochhäusern öffentlich zu diskutieren. Hier scheint man aber so eingeladen zu haben, dass kaum abweichende Positionen zur Sprache kamen. Dass Schmidt-Lamontain unter diesen Umständen keinen Stellvertreter geschickt hat, kann man ihm kaum verdenken. Wer lässt sich schon gern vorführen.


    Ich für meinen Teil finde die Idee von Hochhäusern rund um den 26er Ring im Sinne einer Stadtkrone ästhetisch wertvoll. Auch den Hochhäusern in der Johannstadt kann ich etwas abgewinnen, insbesondere wenn die nach Norden zeigenden Treppenhäuser beleuchtet sind. Selten fühlt sich Dresden für mich so großstädtisch an wie beim Blick über die Elbe gen Johannstadt.


    Abschließend nochmal besten Dank, Jester, für die interessante Dokumentation der Veranstaltung.

  • Das reinste Totschlagargument. Wer kann schon entscheiden was sich einfügt und von irgendwo in die Innenstadt geschaut, würde sich jedes Hochhaus unwillkürlich in den Blick schieben. Dieser Argumentation zufolge würde in Dresden nichts mehr entstehen, was die 22 Meter Traufhöhe übersteigt.


    Meine Formulierung diesbezüglich war jetzt recht vereinfacht und knapp. Meiner Ansicht nach war allen schon klar, dass man das genau untersuchen, differenziert betrachten und dann aber festlegen muss. Es kann dann auch nur um eine Auswahl bestimmter Blickbeziehungen/Sichtachsen gehen, hauptsächlich von Hochpunkten um die Stadt herum oder halt entlang der Elbe. Die Forderung wurde z.T. schon differenzierter von einzelnen Personen vorgebracht.


    Ich finde es durchaus sinnvoll, die Frage nach neuen Hochhäusern öffentlich zu diskutieren. Hier scheint man aber so eingeladen zu haben, dass kaum abweichende Positionen zur Sprache kamen. Dass Schmidt-Lamontain unter diesen Umständen keinen Stellvertreter geschickt hat, kann man ihm kaum verdenken. Wer lässt sich schon gern vorführen.

    Das stimmt, die meisten hatten schon eine Kontra-Haltung. Einzig Herr Dr. Lerm plädierte immer wieder für den Hochhausbau, natürlich unter Beachtung vieler Voraussetzungen. Im Laufe der Diskussion wurde bei allen aber herausgekitzelt, dass Hochhäuser in bestimmten Stadtbereichen durchaus vorstellbar wären. Die meisten hatten nur Angst um die Altstadt.



    Ich für meinen Teil finde die Idee von Hochhäusern rund um den 26er Ring im Sinne einer Stadtkrone ästhetisch wertvoll. Auch den Hochhäusern in der Johannstadt kann ich etwas abgewinnen, insbesondere wenn die nach Norden zeigenden Treppenhäuser beleuchtet sind. Selten fühlt sich Dresden für mich so großstädtisch an wie beim Blick über die Elbe gen Johannstadt.

    Den Aspekt der beleuchteten Hochhäuser hat Herr Dr. Lerm auch noch einmal aufgefasst und hervorgehoben. Anhand von Nachtbildern hat er schön aufgezeigt, dass dieses Lichtkonzept auch ein Gegengewicht zur beleuchteten Altstadtsilhouette weiter flussabwärts darstellt. Er hat insgesamt einige gute Pro-Argumente dargestellt. (Wenn sich jemand für das von ihm vorgestellte Hochhauskonzept für Jena interessert, das hier müsste es sein.)


    Abschließend nochmal besten Dank, Jester, für die interessante Dokumentation der Veranstaltung.


    Bitte, sehr gern. Insgesamt war es viel Input, deshalb habe ich versucht es auf das Wesentliche zu reduzieren.


    Die DNN hat zu dem Thema auch noch einen Artikel verfasst. Einige der Statements der Stadträte darin sind glaube ich von der GHND-Veranstaltung entnommen.

  • DNN-Artikel von heute "SPD will mehr als Sozialwohnungen"
    Die Überschrift ist etwas zu kurz gefasst, finde ich. Der SPD geht es laut Artikel vielmehr um soziale Durchmischung in den zukünftigen WiD-Gebäuden und fordert daher z.B. eine Umplanung des Hochhauses Florian-Geyer-Straße. Wohnraum wäre wohl nicht mehr nur für Bedürftige knapp, sondern zunehmend auch für "Schwellenhaushalte und Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen".


    Weiterer DNN-Artikel von heute "Globus-Konflikt gefährdet Bosch-Investition"
    Probleme bei der Teilgenehmigung des Bosch-Werkes werden hier in Zusammenhang mit der Globus-Problematik gebracht.

  • zur Hochhausdiskussion:


    BauBM Lamontain hatte infolge des Streits ums Pirni-Schandhaus bereits gesagt, die Stadtplanung arbeite nun an einem Hochhauskonzept unter Beachtung von Sichtachsen. Ausserdem prüfe die Verwaltung auch bisher schon, mitunter mit beauftragten Studien.


    Dann folgte der Stadtratsantrag zur Ausarbeitung eines Hochhaus-Entwicklungskonzeptes. Entweder mochte die Politik der Prüfkompetenz der Verwaltung nicht recht trauen, oder Lamontain benötigte noch diese Argumentationshilfe eines Beschlusses. Inzwischen ist es beschlossen und damit in Auftrag gegeben.


    Nun also als Drittes eine eigenständige Bürgerveranstaltung. Das ist völlig ok.
    Die "11 Hochhausplanungen" kann man dabei durchaus auf etwa 3-4 relevante "Planungen" rückstutzen, denn sowas wie Nürnberger- oder Strehlener Platz sind ja nur Eckbetonungen, die Enso-Belletage ist unkritisch, die Pirni-Bude hingegen zugriffsferner Bestand, Lennéplatz ist Fake usw. usf. Es bleibt bei aller Fairnis eine unsachliche Behauptung, das böse Amt würde einfach irgendwelche Dinge irgendwohin planen.
    Trotzdem ist eine Grenzsetzung a la GHND nicht verkehrt, vielmehr begründet (Altstadtschutz) und bedenkenswert.


    Für mich ist die Sache in Arbeit, Standpunkte hierzu können auch weiterhin vorgebracht und geprüft werden, ich möchte aber erst die Konzept-Vorlage sehen und bin da gewiss nicht der einzige.


    Zwei bemerkenswerte Dinge der GHND-Veranstaltung sind mir aufgefallen:
    1. durch die Moderatorin Klemm wurde die Landeskonservatorin Prof. Pohlack aus dem Publikum heraus zum Statement gedrängt, und es tat sich sichtlich der Graben zur Unteren DS-behörde in persona Hr. Sterra auf, wie es ihn öffentlich mE noch nie gegeben hat in letzten Jahren.


    2. Architekturjournalist Guratzsch erläuterte eine "Versumpfung einer historischen Skyline" bei zuviel "höherzonierter Baumasse". Dresden sei die "letzte Stadt mit ungestörter Altstadtkulisse in Deutschland" - man finde sowas sonst nicht mehr.
    Gleich, ob er mit Letzterem recht hat, vergaß Guratzsch etwas leichtfertig den überlieferten DDR-Baubestand, was dann sogleich von Rednernachfolger Dr. Lerm korrigiert wurde.


    Ich möchte nun ein paar aktuelle Bilder vom Elbhang aus zeigen. Jeder möge sich selbst ein Bild machen, inwiefern "Versumpfung" schon ein Thema im Jetzt-Zustand ist - freilich zunächst nur aus dieser Richtung.



    Ganz besonders möchte ich folgenden Vergleich mit einer Originalaufnahme von Walter Hahn anführen:
    Die Bilder sind von Oberloschwitz bzw bei Hahn vom Louisenhof aufgenommen.


    ^ quelle: eigene Postkarte von Walter Hahn - Originalaufnahme "Blick vom Louisenhof auf Dresden" (kein Datum sichtbar)

  • Die SäZ hat auch noch einen Artrikel mit weiteren Statements über die GHND-Veranstaltung geschrieben. Wenn ich das so lese, merke ich erstmal, welche Teile/Aussagen schon wieder vergessen hatte. :mad: Aber wie schon geschrieben, war halt viel Input für einen Abend.


    Zwei bemerkenswerte Dinge der GHND-Veranstaltung sind mir aufgefallen:
    1. durch die Moderatorin Klemm wurde die Landeskonservatorin Prof. Pohlack aus dem Publikum heraus zum Statement gedrängt, und es tat sich sichtlich der Graben zur Unteren DS-behörde in persona Hr. Sterra auf, wie es ihn öffentlich mE noch nie gegeben hat in letzten Jahren.


    Interessant in diesem Zusammenhang auch, dass sich Herr Sterra z.T. selbst wiederspricht, wie die SäZ bemerkt hat. Dresden braucht keine Hochhäuser vs. ein Hochhaus am Ferdinandplatz ist dauerhaft nicht beeinträchtigend. Außerdem wurde das Denkmalschutzamt, wie er ebenfalls sagte, beim Wettbewerb mit beteiligt.


    Ich bin auch gespannt, wie das Hochhauskonzept aussehen wird. Bis das allerdings mal beschlossene Sache und damit Planungsgrundlage ist, wird auch noch einige Zeit vergehen, fürchte ich. Für die bereits konkret geplanten Bauvorhaben wird es dann wahrscheinlich schon zu spät sein.

  • Offenbar changiert die Diskussion zu Hochhäusern eher zwischen störend und und weniger störend. Dann soll man es doch lieber gleich lassen. Auf die Idee, Hochhäuser als bereichernd anzusehen, kommt offenbar kaum jemand.
    Was nicht verwunderlich ist, wenn man sich bestehende Hochhäuser in Dresden anschaut. Wenig spricht dafür, dass man es heute besser machen würde.

  • Zweite öffentliche Sitzung der Gestaltungskommission Dresden findet statt am Freitag, 30.11.2018, 13 Uhr im Neuen Rathaus


    PM der Stadt


    Tagesordnungspunkte lt. http://www.dresden.de/de/stadt…skommission/sitzungen.php:


    "TOP 1 Wohnbebauung, Dürerstraße 32, Empfehlungen zur Bebauungskonzeption


    TOP 2 Postplatz Wohn- und Geschäftshaus, MK 4 Abschnitt A und B, Empfehlung zu Gestaltungsvarianten


    TOP 3 Neubau MFH Wienerstraße 51/Richard-Wagner-Straße, Dresden, Empfehlungen zur Bebauungskonzeption


    TOP 4 Leitbild für die Errichtung hoher Gebäude im Stadtgebiet, Empfehlungen zur Aufgabenstellung für die Erarbeitung des Leitbildes


    TOP 5 Großenhainer Straße 3, Wiedervorlage und Empfehlung zur weiteren Bearbeitung"

  • Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain stellt „Kooperatives Baulandmodell Dresden“ vor (PM der Stadt, mit Link zu seiner Präsentation)


    Inhalt grob:
    - zukünftig müssen bei der Aufstellung von Bebauungsplänen mind. 30% der Geschossfläche für Wohnen als "geförderter mietpreis- und belegungsgebundener Wohnungsbau entsprechend der jeweils geltenden Förderrichtlinie des Freistaates Sachsen" errichtet werden.
    - die Begünstigten der kommunalen Bauleitplanung sollen "angemessen" an Folgekosten und -lasten beteiligt werden
    - ausgenommen sind private Bauherren, die weniger als 4 Wohneinheiten bauen


    Der Entwurf soll nun noch mit Investoren und Kulturschaffenden besprochen werden, bevor im Stadtrat darüber abgestimmt werden soll.

  • Die SäZ bat Städtebauprofessor Sulzer um einen Gastbeitrag zur Dresdner Baukultur.
    Damit positioniert er sich spät, aber nun umso deutlicher gegen das bisherige Vorgehen.
    Professor Sulzer war 10 Jahre an der TUD, zuvor Stadtbaudirektor im schweizerischen Bern, er lebt nun wieder in Zürich und ist Chef der Gestaltungskommission in Dresden.


    Zusammenfassung des exklusiven Artikels "Vom neuen Postplatz lernen.":
    - Sulzer findet teils gute Fassaden an sich am Postplatz, bemängelt im Fazit aber rundum fehlende gestalterische Ortsverbundenheit, Identität und Bezugnahme auf die Vorgeschichte.
    - das wiederum sei Grund für breite Unzufriedenheit mit dieser Art des Bauens in Dresden - gerade an solch einem bedeutenden Platz.
    - verständliche menschliche Grundpräferenzen nach Schönheit, Identität oder Vielfalt wurden/werden in der "modernen"/zeitgenössischen Bauweise nicht zureichend beachtet. Es gelte dem zukünftig sorgfältiger nachzukommen.
    - die Gräben zwischen Fachwelt und Stadtbürgern müssen durch vielfältige Gestaltungen und Schönheit im Ensemble gemindert werden, denn es gehe weniger um den Streit Reko oder Moderne. Zeilenbauten oder Containerbaustil seien zu vermeiden, der historische Kontext ist vielmehr aufzunehmen.
    - am Postplatz hätten besser Elemente der Vorkriegsbebauung interpretiert oder fortgeführt werden sollen, wäre sein heutiger Rat.
    - es sei Chance der zeitgenöss. Architektur, diese Bezüge weiterzuentwickeln. Erfolgt dies nicht, entsteht Ortlosigkeit und Verunsicherung beim Bürger.
    - die Fachwelt habe versäumt, sich und die "Moderne" selbstkritisch zu sehen. Stattdessen folgte man zu oft dem effektheischenden Mainstream.
    - Identität und Raumgeborgenheit gingen daher beim Bürger verloren. Die Globalisierung muß nun die Fachwelt wieder zu neuem Hochmaß an Vertraut- und Geborgenheit für die Stadt bzw. den Ortsteil führen - ergo ein "neues Stadtbauen" hervorbringen.


    - der Postplatz sei aber nun Beispiel für ein Nebeneinander des für die Baubeteiligten jeweils Besten. Die Einzelentscheidungen seien zwar nachvollziehbar, sie ergeben aber kein erfolgreiches Ganzes. Zudem gab Schürmanns Rahmenplan schon seit Anbeginn eine modern-abstrakten Zukunft mit nur wenigen historischen Bezügen vor. Die Verkehrsbetriebe bauten ihre optimierte Haltestelle, die Grünplanung ging unter.
    - heutige Planung von öffentlichem Raum sollte vielfältige Ansprüche wieder gestalterisch verbinden. Einst selbstverständliche Gestaltungsprinzipien aus der Zeit vor dem 20.Jh. können auch heute wieder erfolgreiche Stadträume schaffen.
    - die Hochschulausbildung sollte wieder tiefgehendes Verständnis historischer Stadträume und all ihrer Vorteile vermitteln - insbesondere des gründerzeitlichen Stadt- und Wohnungsbaus (Anm.: also einer kriegs(folge)bedingt arg dezimierten Zeitschicht in Dresden). Studenten sei das Versagen der Moderne nicht länger zu verschweigen, die negativen Folgen globalisiert-uniformer Glas- und Betonarchitektur seien zu erklären.
    - es ist nun Aufgabe an die Stadtplaner und Architekten, behutsam den alten Heilsversprechungen zu entsagen und wieder jene Prinzipien umzusetzen, bei welchen Raumgeborgenheit, Identität und Vielfalt in Nutzung und Gestaltung als zentrale Leitgedanken stehen.
    Soweit, so richtig!


    Damit konterkariert Sulzer - ähnlich wie der SäZ-Gastbeitrag von Alt-Bau-BM Gunter Just vor Längerem - nun aber die gängige Verwaltungspraxis der wenigen bisher medial auch unbescholtenen Leitfiguren im Stadtplanungsamt samt ihrer Sachbearbeiter(innen)ebene. Die Amtsleute sollten es sich nun endlich zu Herzen nehmen. Trotz allen Investorendrucks und planrechtlicher Grenzen sind schließlich zahlreiche Vorgaben aus der modernistisch-ausgerichteten SPA-Belegschaft bekannt, wo der Schwerpunkt klarer Vorgaben genau auf den falschen Änderungen lagen. So ist das Weiß-Grau allerorten kein Zufall sondern meist Amtsvorgabe, wogegen wichtige Gestaltungsdetails untersagt werden (zB Holzfassadendetails am Holzpalais, Farbgebungen an Bauprojekten), ebenso die ortstypik-negierenden grauen Kisten und Würfel sogar in Schutzgebiets- (Fälle Löbtau etc.) oder Gründerzeitumgebungen (Markus-Passage Pieschen - verfehlter B-Plan). Auch die Sachbearbeiterebene scheint viele Vertreter eines modernistisch zu entfremdenden Dresdens zu beherbergen, - ggf in geduldeter Vorgabe bzw. Habitus innert einer selbstgefälligen Szeneblase.


    Gerade die seit Langem direkt stadtgestaltenden Figuren des SPA sollten medial Farbe bekennen und sich zu ihren Prämissen der dresdner Stadtbaukultur dringend äussern. Das bisherige Schweigen ist längst Teil des Scheiterns und kann weder medial weiter geduldet, noch einem demokratischen Gemeinwesen würdig sein. Es muß Interviews baufachlich geschulter Journalisten mit den drei SPA-Oberen geben. Ebenso kann es angesichts der Ausrichtung kein angestrebtes Durchrücken der Innenstadtchefin auf die Amtsleiterstelle mehr geben, wenn dies Sulzer freilich nicht direkt benennt.

  • Öffentliche Podiumsveranstaltung am 21. Januar 2019, 18 Uhr im Festsaal des Neuen Rathauses
    Hochhausleitbilder im europäischen Kontext


    Der Bau-BM lädt ein. Weitere Infos dazu in der PM.

  • Die Gestaltungskommission tagt wieder - PM der Stadt - Freitag, 25. Januar 2019, 13 bis 16.30 Uhr im Neuen Rathaus.
    Es wird spannend, inwieweit der Postplatz-Klops der TLG vom Büro Knerer korrigiert wurde.
    Zur Arbeit der Gestaltungskommi erschien nun der 1. Zweijahresbericht (2016-17) - hier gehts zum Link der PDF.
    Im Dokument werden unten einige Begutachtungen textlich erläutert, was zahlreiche interessante Infos hergibt. So ist eine Visu zum Pflegeheim an der Bautzner Strasse am Diako-Krankenhaus dabei, ebenso der Fall Super8-Hotel Marienbrücke - wo der Bauherr die Empfehlungen wohl nicht berücksichtigen wird, und vieles andere mehr. Für den WiD-Standort Fröbel-/Löbtauer Strasse empfinde ich die grobe Stesad-Idee mit schräger Ecke deutlich gefälliger als die dann bevorzugte Giebellösung gemäß der alten "Siechen-Häuser". Naja, Geschmackssache.
    Am Schluß der PDF lobt Herr Amtsleiter Szuggat die Arbeit der Gestaltungskommi und sieht wachsende Bereitschaft unter den Bauherren, dieses Verfahren zu akzeptieren.


    Zum heutigen Problemfeld von Architektur und Stadtplanung sei auch hier nochmal auf kürzlichen WELT-Artikel verwiesen - eine weitere unter schon vielen diesbezüglichen Wortmeldungen. Für Dresden gilt das Anliegen freilich weniger betreffs gänzlich neuer Stadtquartiere oder Stadtteile (in Kaditz-Mickten siehts ja nicht schlecht aus - nun auch Sternstrasse in nä. Gestako), als vielmehr um das Weiterbauen an bzw. in der Stadt, die Einzelarchitektur sowie perspektivisch auch um die Fortentwicklung eben unserer unurbanen Bestands-Nachkriegsviertel im Stadtinneren.
    Passend dazu auch ein Hinweis auf die nun schon 10 Jahre aktive "Konferenz Stadtbaukunst" des Instituts der TU Dortmund, welche im Mai zur nächsten Zusammenkunft (in Düsseldorf) ruft - unter dem bezeichnenden Titel "Nichts ist erledigt!" - Link.



    Zuletzt gab es noch keine aufbereiteten Infos zur diesjährigen Expo-Real (Immo-Messe in Münschen) auf der entsprechenden städtischen Webseite unter dresden.de.
    Allerdings bot youtube zufällig das neuere Drohnenvideo für 2018 an, was ich hier gern auch zum anschauen verlinken möchte.



    Last not least ein Hinweis auf aktuelle ZfBK-Ausstellung aus unserer Partnerstadt in den Räumlichkeiten im Kulturpalast:
    "Leipzig, Architektur und Städtebau 1945-1976" - Link - eine Aufarbeitung, welche ich schon länger auch für Dresden wünschte.
    Folgend zwei Blicke ins ZfBK heute, wo allerdings Schließtag war:

  • Eine von den Ostmodernen organisierte Ausstellung über Leipzig NACH 1945 und VOR 1975. Da weiß man garnich mit Lachen wann anfangen. Es ist mal wieder ein auf den Nutznießerkreis des ZfBK zugeschnittenes Präsentationsspiel, bei dem die linke Hand die rechte Hand schüttelt und sich beide gegenseitig zuprosten. Finanziert aus den Mitteln des Dresdner Stadtsäckels. Heiligs Blechle... die bedienen so ziemlich jede Klischee-Anreicherung, die man denen von Anbeginn ihrer Existenz vorgehalten und vorhergesagt hat. Grad diese Ostmodern-Knalltüten sind ja der größte Witz... jede dämliche Platte großmäulig unter Denkmalschutz stellen oder von Stadtgeldern bezahlt bekommen wollen, aber sich aktiv mit Hand und eignem Geld zu beteiligen um Kleinprojekte zu verbessern, bekommt keiner hin. Oder ists so schwer die geliebten Brunnen und Denkmale mal von Müll und Unkraut zu befreien? Die Leuchtkästen des Hauses der Presse mal auf die Agenda für eine Reparatur vorzusehen? Nein, es wird immer nur dann wichtig, wenn die Öffentlichkeit bezahlen darf oder aufgestachelt werden kann. Das gemachte Nest haben Sie ja schon bekommen, egelhaft weitersaugen perfektionieren sie ja von Jahr zu Jahr mehr - aber alte Seilschaften vertrocknen ja nicht, nur weil sich das System nen anderen Namen gibt.

  • Unser lieber em.Prof. Jürg Sulzer (Vorsitz DD-Gestalt.kommi) meldet sich nochmal zur Städtebau- und Architekturdebatte - NZZ.


    Zitat

    Auszug:
    Die annähernd hundertjährige Phase der Moderne ist einem falschen Verständnis von Stadtentwicklung gefolgt. Die moderne Stadt sollte zur Maschine mit konsequenter Funktionstrennung gemacht werden. Und der öffentliche Raum wurde als Landschaftsraum in der Stadt missverstanden, durch den die sogenannte «Lebensader Verkehr» fliesst. Es war ein zeitbedingter Ansatz, den öffentlichen Raum der Stadt in dieser Art und Weise zu degradieren.


    Heute wissen wir, wie die europäische Stadt über die Jahrhunderte gewachsen ist. Es genügt nicht, die Zersiedlung zu beklagen. Stattdessen müssen wir mit kreativen Ideen zur nachhaltigen Innenentwicklung von Städten und Gemeinden sowie zur Schönheit von Häusern beitragen.