Leipzig: Gentrifizierung (ehem. "Windmühle vs. Abschwiff")

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    Das Haus war heute mal wieder im MDR, u.a. MDR um 4 (ab 17Uhr) und Sachsenspiegel.

    Die ersten Mieter haben nun einen Vergleich und ziehen aus. Der Rest wird folgen.
    Am Ende siegt eh der Vermieter und die Luxussanierung geht los, preiswerter Wohnraum im ohnehin nicht allzugünstigen Waldstraßenviertel verloren. Das wohnungspolitische Konzept der Stadt ist für mich weiter Papierverschwendung, da sämtliche Neubauten bei >10 Euro kalt liegen und fast alle Altbausanierungen im Niveau "gehoben bis luxus" erfolgen mit Kaltmieten ab 7 (bis 11) Euro kalt, LWB, Unitas und Co. mal ausgenommen, aber die besitzen ja i.d.R. keine Altbauten vor 1919 mehr. Eine Mehrheit in der Stadt kann sich diese Miete trotz steigender Gehälter auch 2016 nicht leisten. Wenn selbst der OB für 2017 von 4000 fehlenden Wohnungen spricht (vor ca. 2 Wochen im MDR), gleichzeitig aber die Preise 3-8 Euro über dem Mittelwert (ca. 5,50-6,00) des Gesamtmarktes liegen, findet man die Diskrepanz ganz schnell ... selbst wenn diese 4000 WE gebaut würden, wären sie für die Masse unbezahlbar. Dass die "Reichen" dann aus billigeren WE ausziehen und somit günstigere WE frei machen, ist auch Schwachsinn, da dort dann auch sofort die Mieten im Rahmen des rechtlich möglichen hochgezogen werden.

    LVZ-Zusammenfassung:
    http://www.lvz.de/Leipzig/Lokale…n-der-Jahnallee

    Bedauerlich ist eher, dass solche Vorgänge in Leipzig schon unzählige Male passierten, nur fast immer ohne mediales Tamtam. Warum bekommen gerade diese Mieter unzählige Sendungsbeiträge in MDR und sogar RTL usw.? Weil Kasek dahinter steht?
    An anderen Stellen werden Rentner rausgeekelt und kein Mensch berichtet(e) darüber.

  • ^ Dir kann man es aber auch nicht recht machen. Dass die zwei verbliebenen Mieterinnen 8.000 bzw. 8.500 Euro bei Auszug vom Vermieter erhalten, hast du wohl vergessen zu erwähnen.

  • War ja zu erwarten, dass du gleich wieder reflexartig anspringst, es ruft nur noch müdes Gähnen hervor ;).

    Nur so nebenbei, die Summe ist ein Witz und deckt vielleicht Umzugskosten und einen Bruchteil einer Neueinrichtung. Und finde mal im Waldstraßenviertel eine vergleichbare WE für den jetzigen Preis? Ausgeschlossen (oder Platte unsaniert im Kolonnadenviertel vielleicht).

    PS: Es gab in Leipzig schon zu Zeiten eines entspannteren Wohnungsmarktes Fälle bis zu 75.000 Euro für freiwilligen Auszug. Gut, die WE war dann auch 200qm. Wie groß die der Damen aus der Jahnallee 14 ist weiß ich nicht. Wohlgemerkt waren das jedoch zuvor Mieter, keine Eigentümer, die da für ihren Auszug "entschädigt" wurden. Dagegen mutet die Summe oben als geradezu lächerlich an.

  • Fakten zur Jahnallee

    Eine denkmalgerechte Sanierung kostet Geld - viel Geld. Es verstecken sich ungeahnte Sanierungsprobleme unter Böden und Wänden. Dieses Geld kann man nur dann aufbringen, wenn man einen Teil der Kosten auf die Miete umlegen kann - in diesem Fall ca. 1/3 der Sanierungskosten. Das ist die Crux an einem solchen Haus - wenn alles wieder strahlen soll, müssen Mieter und Vermieter in die Tasche greifen. Die beiden besagten Mieterinnen zahlen zusammen Euro 270,— Miete - warm inkl. Strom. Dafür haben sie je ein Zimmer zu ca 15qm gemietet und dürfen Flur, zwei Bäder, Küche und Balkon mitbenutzen - insgesamt steht ihnen somit eine Fläche von 79,25 qm zur Verfügung. Und zwar alleine, da sie seit zwei Jahren die Vermietung der anderen Zimmer verhindern (insgesamt hat die Wohnung 170qm). Ziehen wir von den Euro 270,— Strom und Heizung ab, bleiben Euro 160,— kalt Miete übrig, sprich Euro 2,— qm. Nach der Sanierung hätte die beiden Mieterinnen zusammen einen Mietzins inkl.NK von Euro 410,97 bezahlen müssen, also 140,97 mehr. Das ganze Theater wegen angeblicher Luxussanierung und unbezahlbaren Mieten wegen Eur 140,97 Euro? Die Damen können dort wohnen bleiben - sie hätten nur der Sanierungsankündigung zustimmen müssen und dann in zwei Jahren Euro 410,97 für die Nutzung einen komplett sanierten Wohnung zahlen müssen - im Waldstrassenviertel. Ist das viel oder ungerecht?

  • 8000 klingt sehr wenig. Auch angesichts der Repressalien wie der ewig kaputten Heizung im Winter. Zieh da mal noch die eigentlich fällige Mietminderung ab. Und zum Vergleich, in Berlin, wo in der Wilhelmstraße Platten für Neubebauung weichen sollen, bekommen die Mieter um die 200.000 Euro Abfindung. Das ist sicher sehr viel, aber deutlich 5 stellig hätte es hier durchaus sein dürfen. Auch um solchen asozialen Praktiken in Zukunft den Riegel vorzuschieben.

  • Das Thema erreicht mal wieder die LVZ und triffst diesmal Lindenau.

    Das "Paradebeispiel" Lukas, welcher seine Ausbildung abgebrochen hat, Hartz4 bezieht, seine Leistungen gestichen bekommen hat, weil er nicht zum Vorstellungsgespräch geht und ne 40 Stunden-Woche voll ätzend findet, ist schon sehr stark dazu da, das gemeine arbeitende Volk aufzuhetzen und eher Pro-Gentrifizierung zu sein, da dieses "faule Pack" sehr wohl verdrängt gehört. Achtung, eine Prise Übertreibung ist Absicht.

    Was in dem Artikel zu kurz kommt: Die Aufwertung und Mietsteigerung trifft auch
    - Alleinstehende mit geringem Einkommen, die aber arbeiten gehen
    - Leute mit Hartz4 o.ä. Leistungen, die nicht arbeiten können (krank, whatever)
    - Haushalte mit Kindern und nur einem Verdiener
    - Alleinerziehende, oft nur Teilzeit möglich
    - Rentner mit kleinen Renten
    usw.
    Diese Personengruppen sind für mich die echten Betroffenen von Aufwertung und Mietsteigerungen.
    Leute, die vor sich hinchillen wollen, den Kapitalismus doof finden (kann man ja, aber die Mieten in der DDR waren bekanntlich substanzvernichtend gering), wenn's sein muss auch Autos anzünden oder Steine schmeißen und arbeiten gehen voll uncool finden, bekommen von mir kein Mitleid und sollten in der LVZ lieber durch Oma Erna ersetzt werden, die vielleicht 50 Jahre in Lindenau wohnt und dank Mietsteigerung raus muss, weil die Rente und auch Wohngeld nicht reicht.
    Vermutlich gibt es solche Fälle dort noch selten, da die höchsten Mieten (noch) im Bereich "Zentrum" / Gohlis Süd / SüVo / tlw. Plagwitz (rund um Riverhouses usw.) auftreten.

    Artikel:
    http://www.lvz.de/Leipzig/Lokale…in-Leipzig-West

    Ich hoffe, dass hier kein "Connewitz light" entsteht. Da aber Bauträger vs. Kritiker sich selten auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam Lösungen finden, dürften Konflikte vorprogrammiert sein.

  • Tante LVZ hat mal recherchiert, was es mit einer Immobilie in der Gletschersteinstraße in Stötteritz auf sich hat, nachdem mehrere Beschwerden die Redaktion erreichten.

    Hinter der Bezahlschranke des LVZ-Artikels von heute steht geschrieben, dass die kommunale LWB die Gletschersteinstraße 53 saniert, ein gewöhnliches Mietshaus aus der Zwischenkriegszeit. In dem Gebäude entstehen 12 Wohnungen zwischen 82 und 211 Quadratmeter zu Mietpreisen zwischen 12 und 14 Euro kalt pro Quadratmeter. Woher kommen die horrenden Mietpreise? LWB-Sprecherin Samira Sachse betont, dass zum Gesellschafterauftrag ebenfalls ein „Angebot für alle Bevölkerungsgruppen“ gehöre, was eben besonders hochwertige Objekte einschließe.

    Das leuchtet mir ja noch halbwegs ein, obwohl es in Leipzig wahrlich nicht an hochwertigem Wohnraum mangelt, und wer es sich leisten kann, für 3.000 Euro kalt eine Wohnung zu mieten, möchte bestimmt nicht ausgerechnet bei der LWB fündig werden. Aber die Mietpreise bis zu 14 Euro werden von der LWB damit gerechtfertigt, dass die Immobilie sehr lange leer stand und der Sanierungsaufwand entsprechend hoch sei. Ist ja was gaaanz Neues, dass in Leipzig Häuser saniert werden, die vorher sehr lange leer standen. Für die Sanierung des arg erbarmungswürdigen Bugra-Messehauses, das vorher 25 Jahre leer stand, werden nach erfolgter Sanierung zwischen 7,50 Euro und maximal 10 Euro kalt verlangt.

    Lt. einer Studie der Maklerfirma Pisa von diesem Sommer liegt der Mietpreis in Stötteritz bei Erstbezug derzeit bei 6,95 Euro kalt, und damit leicht unter dem Leipziger Durchschnitt. Die derzeitige Spitzenmiete in der Messestadt betrage 13,86 Euro kalt, was bedeutet, dass die LWB die teuersten Wohnungen in Leipzig vermieten würde, wenn sie mit ihrer absurden Preisvorstellung Erfolg hätte (was ich arg bezweifle).

    Funfact im LVZ-Artikel: Wenn man sich auf der Website http://www.gletschersteinstrasse.de anmeldet, bekommt man nicht nur die Mietpreise der 16 Wohnungen per Post zugeschickt, sondern auch eine Plastikkarte mit einem Freischaltcode für eine extra eingerichtete LWB-App zur Gletschersteinstraße 53. Auf der steht:
    „Ich bin die, die deinen Nachbarn neidisch macht“. Jener Nachbar hält wohl jeden, der dort zu diesen Preisen einzieht, eher für einen Narren. Denn eins scheint schon jetzt klar: Mehr Komfort als die privaten Sanierer bietet die städtische LWB ihren Mietern bestimmt nicht.

    Die Gletschersteinstraße 53 soll äußerlich schon fertig sein. Wer in den nächsten Tagen dort mal vorbeikommt, darf gerne ein paar Fotos vom neuen Luxusjuwel knipsen und hier zeigen.

  • sooo tragisch ist es nicht, wenn ein kommunaler Anbieter auch im oberen Segment agiert. Es spült ja Geld in die Kassen. Sollte es zu hoch sein, reagiert der Markt und mietet nicht. Das gleicht sich aus. Einziger Nachteil: Das Mietniveau steigt insgesamt an.

  • Es wirft halt insgesamt die Frage auf, wozu man dann überhaupt eine städtische Wohnungsbaugesellschaft braucht - um den Mietspiegel mit überteuerten Wohnungen nach oben zu treiben? In dem Preissegment sollte man das Gewerbe doch lieber privaten Unternehmen überlassen und sich auf die Grundversorgung der Bevölkerung mit Wohnraum beschränken. Nichts anderes erwarten ja auch die vehementen Befürworter kommunaler Wohnungsbaugesellschaften aus der Politik. Wie Cowboy richtig festgestellt hat, gehören potentielle Interessenten dieser Wohnungen sicherlich nicht zu den Gesellschaftsgruppen, die öffentlicher Hilfe bedürfen, um sich eine adäquate Wohnung leisten zu können.
    Der erwähnte LVZ-Artikel hat auch ein Bild vom Gebäude zu bieten. http://www.lvz.de/var/storage/im…daBigTeaser.jpg Sieht zumindest ordentlich saniert aus.

    Einmal editiert, zuletzt von Saxonia (4. November 2016 um 12:08)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Lt. einer Studie der Maklerfirma Pisa von diesem Sommer liegt der Mietpreis in Stötteritz bei Erstbezug derzeit bei 6,95 Euro kalt, und damit leicht unter dem Leipziger Durchschnitt.

    In einzelnen Objekten wurde in Stötteritz Erstbezug auch schon für rund 10 Euro kalt angeboten - beispielsweise in der Papiermühlstr. 23 (vor ein paar Monaten von Hildebrandt & Jürgens fertiggestellt). Trotz des Preises, des Straßenbahnlärms und des eigentlich noch (weitgehend angenehm) durchmischten Viertels waren die Wohnungen schnell vermietet - als Stötteritzer hatte wir da im Vorfeld noch unsere Zweifel.
    Das LWB-Objekt liegt im Villenviertel, also schon ganz attraktiv. Aber das allein kann den Preis imho nicht rechtfertigen. Gibt es denn Details zur Ausstattung? Auf der LWB-Seite habe ich auf die Schnelle nichts dazu gefunden.

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    Die LWB hatte das objekt sogar mal zum Kauf angeboten.
    http://lwb-immobilienangebote.de/pdf/o_gletscherstein_53.pdf

    Was ich mir hier u.a. für Fragen stelle:
    Wie rechtfertigt sich dieser horrende qm-Preis?
    Wieso sei der Aufwand nach 10 J. Leerstand so hoch, dass 14 Euro kalt herauskommen?
    Wieso schafft es dann GRK, Hildebrandt&Jürgens und andere, im Altbau teilweise noch im Erstbezug 7-9 Euro kalt anzubieten? Wohlgemerkt bei teilweise deutlich höherem Wiederherstellungsaufwand, wie schon beim Bugra-Messehaus angesprochen.
    Auch das Objekt der GRK im Bereich Virchowstraße ist ein Beispiel:
    http://dima-immobilien.de/immobilie-Virc…virch45-51-allg
    -> Kaltmiete im Erstbezug (!) bei um die 7,00 Euro pro qm, trotz hochwertiger Sanierung mit Fahrstuhleinbau, Fußbodenheizung usw.!
    Wie kann man rechtfertigen, dass die LWB für ein einziges "Luxusobjekt" 3,5 Mio. Euro Investionen tätigt? Ist es Aufgabe der LWB, solche Summen in EIN Objekt zu stecken und woanders nicht mal ne Fassade sanieren zu können, weil "nicht alles auf einmal geht"? (> vgl. LWB Magazin vom April 16)

    Und: wer ist so verrückt und mietet für diese Preise jenseits von Gut und Böse? Wäre das Objekt nah an der City im Waldstraßenviertel, könnte man es evtl. verstehen... aber es steht deutlich abseits der citynahen Gebiete. Es ist zudem kein Gründerzeitler mit Stuck und Flügeltüren, originalen Kaminöfen, originalen Dielen usw., die den "Luxus" der Gründerzeitvillen versprühen. Und selbst dort sind 12-14 Euro (zum Glück) noch selten und v.a. im NEUBAU zu finden.

    Die LWB bietet bekanntlich auch in teilsanierten oder durchschnittlichen Wohnungen teilweise Objekte für über 8 Euro kalt an (kann jeder über lwb.de suchen), da wundert mich nichts mehr... das o.g. Beispiel ist allerdings der Gipfel der Preistreiberei eines kommunalen Anbieters.

  • Wird sich ja zeigen, ob die LWB das zeitnah vermietet bekommt. Vermutlich hat das bei denen selbst Projektstatus - was passiert, wenn wir im Hochpreissegment aktiv werden? Gibt die Marktsituation das schon her?
    Wenn der Plan aufgeht, können sie damit günstigen Wohnraum querfinanzieren - deshalb würde ich das nicht pauschal verteufeln. Zumal hier ja wohl auch keine Altmieter rausgesetzt worden sind.

    Was den Sanierungsrückstand bei vermieteten LWB-Objekten angeht: Zu Zeiten, als wir noch LWB-Mieter waren, waren wir genau darüber glücklich. Jede Modernisierung wäre umgelegt worden und hätte die Mieten hochgetrieben. Man vergleiche z.B. im Zentrum-West die Mietpreise der sanierten Unitas-Platten am Westplatz (Apels Garten) mit unsanierten LWB-Platten in gleicher und meist ruhigerer Lage - fast 10 Euro vs. 5-6 Euro. kalt. Da weiß ich doch, wo ich als Student, junge Familie mit magerem Einkommen oder schlicht sparsamer Mieter einziehen würde und was ich von Modernisierungen halten würde.

    Zum Preisunterschied LWB vs. andere Anbieter - GRK, Hildebrandt & Jürgens und Co. sind eben keine Wohnungsgesellschaften, sondern Bauträger, die idR an Kapitalanleger verkaufen. In Denkmalschutzobjekten geht es für die nur zum Teil um Mieterträge, ganz entscheidend sind hingegen die Steuersparmöglichkeiten. Ich weiß nicht, ob die LWB diese Steuervorteile selbst so ausschöpfen kann.
    Denkmalgeschützt wäre die Gletschersteinstr. 53 ja schonmal - laut der Wiki-Liste:
    "Mietshaus in offener Bebauung in Ecklage Wachauer Straße mit Vorgarten und Garten als Gartendenkmal, Mietergärten mit Obstbäumen sowie Einfriedung und Pflasterung des Hauszugangs; Putzfassade; sozialgeschichtlich und baugeschichtlich von Bedeutung"
    Tatsächlich ist hinter dem Haus viel Grün - wenn es auch aktuell separate Mietergärten zu den Wohnungen dazu gibt, wäre das zumindest nochmal ein positiver Punkt.

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    Wenn der Plan aufgeht, können sie damit günstigen Wohnraum querfinanzieren - deshalb würde ich das nicht pauschal verteufeln. Zumal hier ja wohl auch keine Altmieter rausgesetzt worden sind.


    So sehe ich das auch. Ein privater Bauträger würde mit den hohen Mieteinnahmen bestenfalls weitere Luxussanierungen durchführen, die LWB kann damit vielleicht anderswo etwas niedrigere Mieten querfinanzieren.

    Klar wäre es wünschenswert, wenn kommunale Wohnbaugesellschaften sich darauf beschränken könnten, das untere Segment zu bedienen, um jedem eine brauchbare Wohnung zu ermöglichen, aber dafür braucht es eben auch Geld. Der richtige Adressat für Beschwerden diesbezüglich wären mE weder der kommunale Anbieter noch die Stadt, wahrscheinlich noch nicht mal das Land, sondern der Bund. Die Politik müsste entscheiden, statt dämlicher Schuldenbremsen in die Grundversorgung mehr zu investieren - günstiger Wohnraum, öffentlicher Nah- und Fernverkehr, Kitas und Schulen...

    Aber dann gibt es wieder einen öffentlichen Aufschrei, weil Schuldenmachen total böse ist, und der Staat unbedingt wie die schwäbische Hausfrau haushalten soll.

    Mir tun kommunale Akteure wie die LWB eher leid, in dieser Gemengelage arbeiten zu müssen.

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    In Denkmalschutzobjekten geht es für die nur zum Teil um Mieterträge, ganz entscheidend sind hingegen die Steuersparmöglichkeiten. Ich weiß nicht, ob die LWB diese Steuervorteile selbst so ausschöpfen kann.

    Das kann sie gar nicht. Sonderabschreibungen für Denkmale und in Sanierungsgebieten werden auf die Einkommenssteuer gewährt (§ 7h und 7i EStG - https://dejure.org/gesetze/EStG/7i.html). Einkommensteuer wird auf das Einkommen natürlicher Personen erhoben. Das ist einer der wesentlichen Gründen, warum die LWB wie viele andere kommunale Wohnungsgenossenschaften vor allem im Osten, aber auch viele Genossenschaften und andere juristische Personen ihre denkmalgeschützten Immobilien verkauft haben bzw. immer noch verkaufen an Bauträger, die wiederum die zu sanierenden Häuser oder Wohnungen an Anleger_innen weiterverkaufen, die von den Sonderabschreibungen profitieren können und wollen.

  • Ob eine kommunale Wohnungsgesellschaft wie die LWB auch hochpreisige Wohnungen für besser Betuchte anbieten darf, wollte ich nicht bewerten. Mir geht es allerdings darum, dass das städtische Unternehmen für ihre Immobilie in der Gletschersteinstraße 53 utopische Preise verlangt, die der Markt einfach nicht hergibt - auch nicht im Waldstraßenviertel hergeben würde. Bei einem Mietpreis zwischen 7 und maximal 9 Euro/qm wäre ja alles im Rahmen, denke ich.

    Da die LWB allerdings so einen großen Bohai mit Sprüche klopfen, Anmeldeformular ausfüllen und Unterlagen zuschicken macht, ist die Wahrscheinlichkeit vermutlich sehr gering, dass ein Unbedarfter mit Zweimonatskaution und erster fälliger Miete 9.000 Euro an die LWB überweist, bevor er die Schlüssel zum Einzug bekommt. In den einschlägigen Immo-Portalen gibt es genügend andere Angebote, die nicht nur viel preiswerter, sondern auch leichter zu haben sind. In dem LVZ-Artikel stand noch geschrieben, dass bislang nur eine der 12 Wohnungen auf "reserviert" stehen würde. So wie der Artikel geschrieben ist, hat man in der Redaktion wohl auch herzlich über die Preisvorstellungen gelacht.


    Dekoratives Anführungszeichen
    Zitat von PhilippLE

    Das LWB-Objekt liegt im Villenviertel, also schon ganz attraktiv.

    Keine Frage, die Gegend ist sehr schön, besonders auch für Familien attraktiv, finde ich, aber preislich geht es in Stötteritz doch noch sehr moderat zu. Unser über Nacht verschollener User Riesz hatte hier eine sehr schöne Galerie über Stötteritz erstellt, bei der auf den ersten Luftbildern besagtes Villenviertel zu sehen ist. Auf dieser Aufnahme müsste unten rechts auch die Gletschersteinstraße 53 zu sehen sein, wenn ich mich nicht täusche.

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    Die Gletschersteinstraße 53 soll äußerlich schon fertig sein. Wer in den nächsten Tagen dort mal vorbeikommt, darf gerne ein paar Fotos vom neuen Luxusjuwel knipsen und hier zeigen.

    Geht los - Bilder von heute:


    Die Tür in's teure Wohnparadies - von namhaften Künstlern gestaltet:



    Hinten stehen noch Gerüste:

    Liebevolle Details sind bei so einem Premiumobjekt schon wichtig:

  • Noch nicht in dem Topf, in dem es kocht, aber die SPD-Fraktion hat zumindest eine Voruntersuchung für eine Milieschutzsatzung beantragt.
    http://www.l-iz.de/politik/leipzi…zsatzung-157597

    In Berlin gibt es (Stand Juli) bereits in sechs Bezirken 33 Milieuschutzgebiete. Das bedeutet praktisch, dass dort keine Miet- in Eigentumswohnungen mehr umgewandelt werden dürfen, dass bei Sanierungen Wohnungen nicht zusammengelegt oder aufgeteilt werden dürfen und noch einige weitere Einschränkungen. Hört sich nach einem potentiell scharfen Instrument gg. Gentrifizierung an. Altbausanierungen könnten theoretisch aber durch ein Verbot von Umwandlung in ETW erschwert werden.
    http://www.morgenpost.de/incoming/artic…lieuschutz.html

  • für sicher irgendwann folgende beiträge möchte ich hier schon mal einen für die weitere diskussion relevanten aspekt aus dem städtischen 3. quartalsbericht 2016 deponieren, den cowboy dankenswerterweise in #1021 des threads "leipzig: stadtleben" gepostet hat, meines erachtens hier jedoch noch besser hinpasst. er schrieb:

    "Interessant auch, dass die Mietbelastungsquote von Familien in Leipzig gegenüber 2008 zurückgegangen ist.

    Rückgang des Anteils der Gesamtmiete am Haushaltseinkommen zwischen 2008 und 2015 in Prozent:

    Bei Alleinerziehenden mit Kind(ern) von 37 auf 33 Prozent.
    Bei Paaren mit einem Kind von 26 auf 24 Prozent.
    Bei Paaren mit mindestens zwei Kindern von 29 auf 25 Prozent."


    für mich kommt diese statistische erhebung nicht sehr überraschend. zum einen, weil steigende mieten ohnehin auch ein spiegel steigender einkommen sind (kein vermieter verdient an einer unbezahlbaren und deshalb leerstehenden wohnung). und zum anderen, weil die angebotsmieten in diversen internetportalen eben nicht das tatsächliche mietpreisniveau widergeben. wer nicht jedes jahr umzieht, muss eben auch nicht jedes jahr eine höhere miete zahlen.

    unterm strich sollten die oben aufgeführten zahlen vernünftigerweise dazu beitragen, diese ganze "gentrifizierungs"-debatte weitaus sachlicher und weniger alarmistisch zu führen. das würde der gesamten diskussion gut tun.